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Zweite, Blatt

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.Sujetget 4 viermal wöchentlich beigelegt, das ..llrettöla» fite 6<n Brei, «ietze»" jroamoi «öchentkch. Die .^TMöwirNch-sttichen zeit-

frage«" erscheinen monatlich zwemml.

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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

vmmerrtag, 25. Zuni

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts - Buch» und Steindruckerei. R. Hange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e ^ Köl. Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzergerGießen.

HMZchc Zweite Aommer.

^ rb. Darmstadt, 24. Sunt.

Am RegicrmiKsttsche: Stcmtsminister Dr. «.Ewald, Fwonz- tntnffier Dr. Braun, Minister des Innern v. Homberg k, staatsrat Lvrbacher, Dr. Becker.

Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um 9s», Uhr. Die Beratung über die Regierungsvorlage, betreffend tue

Revision der Ordtnrgesetzgeiung

loird fortgesetzt. Abg. Dr. Schmitt geht noch einmal an> dic wesentlichsten Differenzvunlle der Vorlage zwffchcn den Ausschuß- Vorschlägen und den Anträgen näher ein und wendet sich besonders gegett die Anträge des Abg. Korell, die durchaus nicht «on Tole­ranz zeugten. Dessen Ausführungen über die Englischen Fräulein leien völlig unzutreffend. Die schulen derselben seien zum Teil böhere Bürgerschulen und die Forderung des hohen Schulgeldes würde diesen schulen den Todesstotz versetzen. Vor der lieber, zengnng der Abg. Münzer und Bach als Anhänger der Simnltan- ichulc habe er vollen Respekt, man müsse aber auch den Stand- Punkt der Eltern respektieren, aus den Abg Dr. Osann mit Recht dingewtesen bade. Bezüglich der Ordenstätigkeck weist der Redner aus Artikel 38 des Ordensgesetzes hin, wonach festqestellt wird, daß Mitglieder der geistlichen Orden an öffentlichen Volksschulen nicht tätig »ein dürsen. Dic ganze Vorlage sei nicht, wie immer behauhtet werde, ei» Ausbau der Ordensgesetzgcbnng, durch den die Rechte der Englischen Fräulein und die Ordensniederlassungen erweitert wer­den sollten, ^sondern sie solle mti der Regierung dic Möglichkeit geben, im Falle des Nachweises des Bckürsnisscs gewisse Er­leichterungen zu gewähren. Wenn Abg. Bach befürchte, daß sich das bans mit den jetzigen Besffmmungen über dic Englischen Fräulein ffir die bevorstehende Revffion des Polksschulgrsetzcs vrä- judiziere, so sei der Redner bereit, einer Entschließung zuzustimmen, IN der ausdrücklich crllärt wird, daß sich dic Kammer für dic Revision des Dolksschulgesetzes vollständig freie band Vorbehalte. Zum Schluß richtet der Redner noch einen toarmen sLvpell au das bans, im Interesse des religiösen Friedens im Lande der Vorlage zuznstimmen.

Präsident Köhler teilt mit, datz sich inzwischen noch sechs weitere Redner zu Wort gemeldet haben. Er ersucht dringend, sich letzt kurz zu fassen, damit ans jeden Fall noch heute die Abstimmung erfolgen kann. Weiter gibt der Präsident einen Antrag des Abg. Tr. Osann bekannt, die Regierung.zu ersuche», dem Landtag alle drei Fahre über den Stand der Ordcnsfragc eine Denkschrift vorzulegen.

Abg. Urstobt (F. Bp.) wendet sich gegen dic Aeußerung von Zentrumsseite, daß die ganze Ordenssrage die oberhessischen Abgeordneten, die rein vrotestantischc Bezirke vertreten, gar nichts angehe, Gerade diese urteilen in der Frage frei von konfessionellen Sympathien »der Anffvattiien, von rein staickspolitiichen "Gesichts- punkten. Sie sind gern bereit, den Wünschen, den Empffndungen der katholischen Mitbürger errtgegenzukommen, wo es ihnen die Rücksicht aus das Gemeinwohl möglich macht. Das ist aber nur aus dem Gebiet der Krankenpflege der Fall. Gegen wetteren Ansbau des Ordcnsweseus spricht dic Rücksicht auf die Stcuerkrast der Be­völkerung Der Redner beweist mit statistischen Zahlen, daß dic Stencrleästuirg der kathol. Bevölkerung Mo Kövf bedeutend geringer sei als bei der Motestantisäten Bevölkerung und datz der Unttr- schied im Laus der Entwicklung immer größer geworden sei. Eine der Ursachen der geringeren Steuerkraft der Katholiken seien die bedeutenden kirchlichen Sffftungen, die pro Kopf mehr als das sechsfache betragen gegenüber den Protestanten. Durch Förderung des Ordcnswesens wird aber das Anwachsen des Besitzes der toten band noch gesteigert. Den Steueraussall muß dic protestantische Bevölkerung mit tragen. Dic Rücksicht auf die Wahlhilse des Zen­trums dort bei unserer Entschließung keine Rolle spielen. Wir dürsen uns auch nicht cinschüchtern lassen durch htc Drohung, daß die Anhänger des Zentrums sozialdemokratisch wählen würden.

Abg. Bach (Natl.) crllärt, daß für ihn die ganze Sache keine Religionsirage, sondern eine reine Schulsrage sei. Der Redner werrdet sich dann gegen einen Teil der heutigen Ausführungen des Abg. Dr. Schmitt. Den Antrag Korell betr. der Englischen Fräulein habe dic nationalliberale Fraktion einstimmig glatt ab- gelchnt. Er erllärc, daß er in allen Fragen, dic wirkliche Lebens- intcresscn der katholischen Kirche berühren, den Ausschußanträgcn zustimmc, dagegen bezüglich der Unterrichtsanstalten anderer Mei­nung sei. Durch Annahme seines inzwischen eingebrachtcn Antrags, die Beschlußfassung über Pos. I, Art. 2 (betr. die Privatmädchen- schulen in Alzen, Birkenau und Neustadt i. O.) und Pos. IV, Art. 3 b (betr. die bischöflichen Knabenerzichungsanstalten in Klein- Zimmern >md Drais) bis zur Beratung der in nahe Aussicht ge­stellten Novelle zum Bolksschulgcsctz zurückzustellen würde nicht mir ihm, sondern auch andern Mitgliedern des bauses die Zustimmung zu der Vorlage erniöglicht werden. Als entschiedener Anhänger der Scmultanschule könne er nicht zugeben. daß das ganze Ausnahmegesetz bezüglich der Privatschulen noch Wecker aus- gebildet werde.

Minister des Fnnern v. b o nt b e r g k crllärt, daß er dem An­trag Back namens der Großh. Regierung entschteden wtdersvrechen müsse. Der Antrag sei ein Unikum. Wenn man die Beratung der beiden Pimkte aussetzcn wolle, so müßte man sie doch in dem Gesetz diberhanpi streichen und diese Streichung ginge doch noch viel weiter als der Antrag Korell-Fngelhcim

Es tritt darauf eine Pause ein.

Nach der Panse teilt Präsident Köhler nrck, datz ein Antrag des Abg. Äorell-Jngclbeiw mit namentliche Abstimmung über seinen Antrag zu Abs. 1 cingegangen ist. Abg. B a ch hat seinen Antrag dahin abgcändcrt, die beiden ausznsetzcnden Punkte der Regierung als Material für die Revision der Novelle znm Balks- schÄgesctz zu überiveisen. .

'.H6g Ulrich (Soz.) bemerkt, es gehe ichon aus den btshertgen Debatten über dic Vorlage klar hervor, daß durch die Vorlage der religiöse Friede nicht gefördert »verde, man komme im Gegenteil wüst lueitcr anscckiander. Von den evangelischen Abgeordneten hatten viele eckte ganz unangebrachte Zurückhaltung geübt und ihre Meinung zittäckgehalten, wohl weil sie aus Gewissensrückiichten sich nickt näher aitssprechcn wollten, oder weil sie glauben, doch an der Sache nichts mehr ändern zu können. Bei dieser Sachlage müsse seckie Partei doppelt vorsichtig sein. 'Die Jesutten fürchte seine Partei nicht, sie sei bereit, mit ihnen zu kämpien. aber sie wolle! ihnen nicht die Schule ausliefern. Es sei ein Sckanspckl für Götter, wemr das Zentrum jetzt so eifrig sich gegen die Ausnahmegesetze wend>et da es doch selber seiner Zeit an den Ansnahmegesttzen egen dic Sozialdemokratie milgewirkt l>abe. Er müsse übrigens offen gestehen, daß ihm diese Regierung keine Garantie ffir die Erhaltung der liberalen Echulgesetzgrbung im Lande bieten könne.

Abg Mergel! »natl.» polemisiert gegen deit Abg. Zw. -ä'Ntttt, der gegen ihn persönliche Vorwürst gerichtet habe. Datz die Angelegenheit der Englischen Fräulein bei Beratung der No­velle znm Äolksschulgesctz wieder mck zur Beratung kommen iverdc, lanbe er nM Ten Erzichnngshäusern seien die Erzcehungs- oercine bedeutend vorznzichen. Die Ordensschwestern in!wr Kran- kcnpsleqe seien Mvdesache geworden, es »eten in Darmstadt IN der A tckeiwstege nur 20 evangelische und über 30 katholische Schwestern t'rttia uW dabei sei die Zahl der Evangelischen fünmml so grotz ms die der .Katholiktti» dieGemeindeschwester" llrnge aistchemend o elcn zu sehr nach Volk. (Heiicrkeck.) Für eine Zulassung wecke- rer Mäunerorden könne er sich nicht cnti4iie6fn; gvgm ixe Su= lafiung der Kapuziner sei im Grunde nichts -unzi-werldcu. Mau

aber M i ihrer Stelle auch die Evcntuailität der Zulassung eines archcren Ordens ins Ange gefaßt werde, wie der Benediktiner, so würde er auch gegen die beiden neuen Niederlassungen stimmen strüffem Bei den Ausschntzverhandtungen sei die evangellfche Be­völkerung noch vertrauensselig und einqeschläsert gewesen, es wur­den ihm aber allmählich die Augen geöffnet und es sieht jetzt, wvtua die Fahrt gehen soll, gegen die ltberate Volksschule. Das Volk werde sich aber dieses Erbe der Reformation nicht nehmen lassen.

Der Präsident teilte einen Antrag Dr. Osann mit, in einer Entichließung zu erklären. daß sich die Kammer durch dic Abssim- muug über die Vorlage keine Bindung für die bevorstehende Be- ratung der Vol ksschul Novelle oder die konsessionclle Schule auserlegt.

Der Präsident schlägt tveiter vor. die Rednerliste noch 4 3tein<T heute zu erschövien und dic banptaussprache zu schließen. Dic Abstimmung aber erst morgen ovrzunchuren.

Abg. W o l s»Stadecken -Bbd. geht <nff verschiedene Punkte der Vorlage näher ein und weist dann daranl hin, daß bei der Berattmg der Vorlage im Gesetzgebungsausschitß kcm Widcrsvnich Mb erhob, trotzdem doch Vertreter aller Parteien darin sitzen. Doil hätte schon eine Klärung der Sachlage erfolgen müssen. Dic Freisinnigen namemlich hätten vm allem ihren Vertreter über die Pläne und Anträge des Abg. Korell-Jngclheim unterrichten müssen. Es gehe doch nicht an, daß ein Abgeordneter seine An­sichten tote Manschetten wechstlt. Hetterkeck.) Der Redner emp­fiehlt schließlich die Annahme der Vorlage zur besseren Verstän­digung zwischen den beiden Konfessionell.

Abg. Henrich (f. Dp.) legt in kurzen Zügen seine persönliche Stellung zu der Vor> .a»nnc näher dar und crllärt, daß er im all­gemeinen sich den Witräge» lind Ausführungen seines Partei­freundes Kvrell-Jngelheim anschließe.

Abg. Dr. Wtiiizer (Nll.) wendet sich gegen verschiedene per­sönliche Bemerkungen des Wg. Dr. Schmitt bezüglich der Stellung des Redners zur Konfessionsschule. Er müsse sich im Interesse der allgemeinen Volksschule gegen dic Konscssionsschule aussvreckien und wenn bei seiner Wahl das Zentrum für ihn cingetreten sei, so sollte das doch nach der Vetticherung maßgebender Zenlrumsmit- glicder nicht deshalb geschehen, um einen Trumph gegen die Sozial­demokraten anszusviclen, sondern es geschah, weil er sich in seinem langjährigen Wirken in jenem Kreise auch das Vertrauen der katholischen Bevölkcrimg erworben liabc. Für dies Bekenntnis sei er dankbar, aber er könne sich dock» dadurch nicht in seiner persön- lichcn Ueberzeugunb bestimmen lassen.

Damit schließt die bauvtaussprachc. Es kommt dann noch zu einem persönlichen Wortwechsel zwischen den Abg. Korell-Fngelheim und Dr. Schmitt, wobei Dr. Schmitt den Vor- tvnrf der Denunziation erhebt, gegen den Korell-<ffigclheim Protest erhebt.

Da in der morgigen Sitzung verschiedene Abgeordnete wegen Behinderung au der Beteiligung bei der Abstimmung .verhindert sind, so beschließt das bans dem Antrag Tr. Schmitt cntsvrcchend, morgen andere Gegenstände zn beraten und in die Spezialbcratung über dic Ordensvorlage erst am Freitag früh einzutrcten. Die Ab st i m m N N g über die Vorlage und dic dazu gestellten Anträge wird alsdann um ll Uhr stattfinden und eine namentliche sein.

Schluß der Sitzuug nachmittags 2 Uhr. Nächste Sitzung: Donnerstag früh 9 Uhr.

2 ta* Hesse«.

Di« oberhesfische» Eisenbahnpläoe.

»Friedberg, 24. Juni. Uttter dem Vorsitz des Kreis­rats hielt der Ausschuß für die Erbauung der Bahn Fr iedberg-Ranstadt eine Versammlung ab, in der au der Hand eines vom Staatsministerium vorgelegten »Pro­jektes die ganze Linienführung eingehend erörtert wurde. Sämtliche Vertreter der in Frage kommenden Ortschaften erklärten sich zur Uebernahme der auf die einzelnen Ge­meinden fallenden Berpftichtnngen bereit. Es sollen nun­mehr die großen Eisenbahn Bausirmen zum Wettbewerb an dem Bahnbau und zur Abgabe von Kostenvoranschlägen aufgcsordert werden. Man hofft auf Grund des jetzt erzielten allseitigen Einverständnisses iknt der Linienführung der Bahn in kurzer Zeit mit der Berwirfttchung des Planes beginnen zu können.

Ktrcbc und Schule.

B. Gießen, 24. Juni. Die diesjährige allgemeine Pfarrkonserenz der evangel. Geistlichen Ober- Hessens wurde heute in Steins Garten abgehalten. Nach dem gemeinsamen Gesang von»Morgcnglanz der Ewigkeit" und einem von Dekan M ü l l c r-Lontcrback gesprochenen Gebet, begrüßte der Vorsitzende, Superintendent und Geh. Oberkonsistorialrat I>. P e t c r s e n - Darmstadt, dic Anwesenden, besonders die als Gästt anwesenden Prooinzialdirektor Dr. Usinger-ssiießen, Kreisrat Schenk zu Schwcinsberg-Friedberg, den Rellor der Landesuniver- sität I). Eck und den Dekan der theol. Fakultät D Baldensperger. Sodann gedachte er der nn letzten Fahre verstorbenen Geisllichcn Lberhessens (Lie. Dieckmann-Ober-Eschbach, beinrichs-Ehrings- hansen, Kalblienn-Gießeii», deren Sliwenken in her üblichen Weise geehrt wurde. Er besprach dic kirchlichen Ereignisse des letzten gahres, auch den nötigen Kamps gegen die neue Ordensgeietzgebnng, der nicht mit Worten, sondern mit Taten geführt ivcrden müsse und hoffentlich zur größeren Eintracht und Stärke der evangelische» Kirche beitragen werde, bauotgegenstand der Verhandlungen »oar dann der min tolgendc eingehcnde^aus reichlickwr Erfahrung ent standene Vortrag des Pfarrers S ch n l t e-Großen-Linden über Der Pfarrer und der Friedhof in Oberhessen. Er führte ans: Bis in das 18. Jahrhundert hinein wurden in Ober- Hessen und auch in anderen Gegenden Deutschlands alle im Frieden mit der Kirche Gcswrbenen, auch die Toten der kirchlosen Fitial- dörser aut dem Platze bei den Kirchen beigesctzt. Dieser Platz heißt Kirchhot öder, weil er eingciriedigt war, Fttedhos, und weil er kirchlich geweiht war, Gottesacker. Bis zum 18. Jahrhitndert herrschte das .Sipvengrab. dann trat das Rcihengrab an seine Stelle. Etwa von der Mitte des l8. Jahrhunderts an wurden Friedhöfe außerhalb des Ortes und fern Volt der Kirche errichtet, teils weil die Kirchhöfe sür dic »vachsende

Scelenzahl nicht ausreichiett, teils »veil die lirchlichen Filialdörser den weiten Weg zur Muttcrkirche scheuten, teils weil bestimmte bvgicinsche Gründe es zu fordern schienen. Ihnen fehlt aber der Mittelpunkt, die Kirche oder Kapelle, sic sind schmucklos und un­schön. ohne Baumpslanzungen, mehr Ansbeloahrnngsstätten von Steinhauerarbeite»!, dic einander säst gleichen. Hier muß noch viel Auillärung ins Volk getragen werden. Jeder Friedhot sollte als Mittelpunkt eine Kapelle haben und reichlich Baumschmuck aut- weiscn. In die Verwaltung des Friedhofs gehört vo»i Amts wegen auch der Ortsoiarrer. Leichenhallen gehören in die Ecke, nicht in dic Atitte des Friedhofs. Der Portrag fand den nngetctlten Betsall der Aiuvesendecc und vcranlaßte eine längere Aussvrachc, die noch Iveckerc Wünsche sür die Schönheit der Friedhöfe zutage törderte. Zum Schlüsse »vurde eine Enffchließung cinsttmmig angenommen, »velche im Sinne des Bortrages verschiedene Wünsche an die Be Hörden richtet, und besonders die Beteiligung des Pfarrers in dem Fttedhossausichuß fordert. Mit dem Gesang vonEin' feste Burg ist uirscr Gvti)" wurde die Konscrenz gegen 2 Uhr geschlossen.

LanSwirtschaft.

Erfolge der Oberhessischen Tierzucht aus der Wander-Ausstcllung in Hannover.

Die Bcichickung größerer Aussttlli»iigen ist ffir vorwärts« Ärebeirde Zuchtgebiett von Zeir zu Zeit ei» Badiirsnis, weil man tm Wettstteck mit de» anderen deutschen Zuchten den besten Maß- swb für den augeublicklichcn Stand der eigenen Zucht gewinnt und aus Ersvlgeii und FeUsclstägen manche Lehre ziehen kann, dic natürlich in richttgcr Weise zur weiteren Veroollkommmmg d«r Zucht verwettet nutrden muß.

An der DcmderauSstcllung der D. L. G. in ba»>nover be­teiligte sich dck Provinz Oberhessrn in Einzelvassen mit 17 Bogels- bergeru, 21 Simmentalern und 31 Ziege» iM Preisbewerb.

Zeigte schon die vor kurze»» i»c Schotten smttgehabte .Kreis- schau, daß in den letzten Jahren die (Zucht des Bogelsbcrgcc Rindes inualctativer Hinsicht sehr schöne Forffchttttc Mlszuwessc»! hat. so wurde diese Beobachtung in Hatmover von ncu«m bestätigt, llnter den 150 Stück Rotvteh, die wm 10 großen Zachtverbenden aus­gestellt »rwrden waren, vereinigten die Oberheisischen Vogclsberger die meisten Geldpreise aus sich, iudttil sie in Einzel- Mid Samm- lungsklassen rund 1t>00 Mk. Geldpreise einheimsetc komilen. Dos PräMiierungsergebnis im Einzelne»! Ivar folgendes» Die ltzemttiche Reiskirchen erhielt aus ihren »Bullen dtti eftttn und Sieger-Ehren­preis, Zuchtl>osint>aber Fischer in Ziviesalte» aut einen Bollen eine Anerkenmcng mcd aut 3 Kühe einen ersten, einen Sieger-Ehrenpreis und eine Anerkennung» außerdem ,vurde ihm ein erster Famckien- preis und cinc Anerkeninnig für eine Eiitzelzüchtersaminlimg zuicil. Weitere cwstc Preise empffngen» bttnttch Schneider-Lardenbach, tmd beckttlch Dambmann IV. in Rudingshain» Ludwig Menges Ww. in Großen-Linden erhielt ttnen znteiten Preis. Im Samm Ilmgswettbewerb cttangen dic Lberhessisck»e berdbnchgcsellschack einen zweiten, der Prenßisckt-bcssischc Zuchtverband einen ersten und der Verband Ntttteldeuffcher Rvwiehzückücr ebenfalls einen ersten Preis. Möge dieses Ergebnis die Vogc'lsberger Züchter Mit Stolz erfüllen, sie den Wert des einheimisctten Landvichcs richtig erkemien lassen und sie zu n<eiteren Pcrbcsserungsmastnahincn anspornm.

Weniger glänzend Ivar der Ausstellnngöettvlg io der Abteilung der SimoicMalcr. Die Lage 'der bäuerlichen Züchter Oberhessens wurde allerdings dadurch eftchwert, daß in den Einzelllasscn bei der verhältnismäßig schivachen Konkurrenz nur sehr wenig Preise zur Verfüguug standen und in dein Sannnliingsbewerb als Gegner eine Kollektion hochgezückileten Viehes im Besitze einiger, weniger Großgrundbesitzer grgenübefttond. Immerhin .zeigte es sich, daß unsere Oberhessischen Simmentaler selbst in ihren besten Exem­plaren noch um 12 Zentner z» leicht sind, durch zn ttiappe ^ingendernähtting und mangelnde Weide im Rumpf nicht fftt und breit geicug, in der Gestellhöhe dagegen zu hock» sind, und datz fie für Ansstclluiigszwrcke znm Teil .noch besser vorbercittt werden tnüsscn. Hier kann cs nur die »Losung geben» rationellere Aufzucht mit ausgiebigerer Bc»oeg»mg im erstttr Jahre »Nd regelrechter Wvidegang sin zwecken Jahwe. Die errungenen Preise betrugen ins- ge'imt 510 Mk. und entfstlen ans folgende Aussteller» Bnllen- staticm Nicder-löentttnden 3. Preis, Bnllenstotton Ober-Hörgcrn Anerkennung, Johannes Dietz II.-BilIertSl>ausen 2. Preis, Adam Köhler-Zell 3. Preis, Peter HiuserlI-Rieder-Weisel 4. Preis» die Arbeckerkolonic Reu-Ulrichstein, Philipp Müller-Obe»-Hörgern, Hugo Kaspar II.-Niedcr-Brttdeichael» und Koittad Häuser I .Niedrr- Wcisel erhielten je eine Anerkennung. Auf dic coommlung des »KrecSrriiderzuchivevcins Msfeld entffcl ein erster Preis und aut diejenige der Oberhessischen Herdbnchgesellschast eckte Anerkennung.

In der Mtestung der Ziegen war Obcrhesscn wieder IN vielen Emzclklassen und in» »Sammlungsbeiverb führend. Bei sehr starker Konkurrenz wurden Preise int Gesamtbeträge von 1250 Mk. erzielt. Es erhielten erste Preise» Die Stadt Lauterback», Zicgcmbockstatint Sllsseld mck Karl Horst in Leusel. Zivnte Preise wurden zuerkannt» der Gemeinde (salz, der Stadl Lautcrbach, Heinrich Birkenstock, Sttebendort, Wilhelm Hankei, Lautcrbach, Peter Martin, Angen­rod, Heinttch 'Schneider-Angenrod, Könr. Münster, Hattenrod und Heinrick» Karl Koch-Düdelshttm. Dritte Preise wurden errungen von Jost Gemmer, Zell, Heinrich Ocstreich, Baimerod, und Karl Kcmrad Schästr-Lang Göns. Vierte Preise erhielten» Die Ziegen- backstation Wülsersheim, Gemeinde Nieder-Weisol und Johannes Becker VIII.-Stockhausen. Durch Anerkennungen »onrden ausgezeich­net» Johannes »Rvdemer II.-Lautcrbach, ltzeorg Gemnieckcr-ilfteder- Florstadt, »Julius Kampa-Alsseld, Heinrich Weiß-Reuters, '.Konr. Helm». Hildebrand-Nicder Weisel, Martin Linn-Maar,^Karl schön- lials-Reuters »ind Ehttstian Schab-Lauterback. Im »Sommttrngs- nwttben»erb erhielt der .Krttsziegenzuchtvereckt Lautcrbach und der Verband der Oberhessischen Zicgeiizuchtvereinc in Gießen »e einen ersten Preis.

Zur Affäre vunten-valwig!.

4 Berlin, 23. Juni.

Der aufsehenerregende Familiensttcit im Hause des vcrstorbewe» hessischen Ministtrpräsidcnten Exzellenz v. Dalwigk beschästigt, wie man derDeutschen Fournalpvst" schreibt, auch »veitcrhm die Gerichte und wird voraussichtlich noch verschiedene llebcrraichongcn ztttigeu. Inzwischen hat das Amtsgettcht Darmstadt nnffangreiche Beweiserhebung in dem gegen den ltzrasen Tunten-Dalwigk an­hängigen Entmündigungsverfahren bc»chlv>'scn. Dic Staatsanwalt- schait Darmstadt hat sich dem Berfahren inc üsscntlichen Interesse angcsckilosscn. Tie Antragstcllerin Fräulein Baronesse Panlrne v. Dalwigk will den Nachweis führen, daß sie sich zn dem iolgen- schiveren Schritt gegen den Grasen v. Tuntcn-Dalwigk ans reinster geschwisterlicher Liebe und aus hohem Familiensinn heraus ver­anlaßt gesehen labe. Zu ihrem Schutze »mrd angeffihrt, daß es eine geradezu unglaubliche Unterstellung sei, sst beabsichtige ihren Bruder aus vermögensrechtlichen Gründen in einem Frrenhausr internieren zu lassen. Ter Brüder gelte nicht nur tbr, sondern allen, dic mit ihm in nähere Berührung gekommen, für derartig willens- und geistesschwach, daß ihm die zur selbständigen Ver­waltung eines bedeutenden Vermögens in Deutschland und dazu großer MajvratSgüter in Livland crtordcrlichc Geickäststäbigkeit fehle. Dieses Streben brachte sic mittelbar mit dem ttzraicn Reh- binder, mit dessen Familie Gras v. Dunten-Dalwigk engen Verkehr vsirgt, in Konssill, und es erwuchsen ihr, sowie verschiedenen auf ihrer Seite Stehendtti eine Reihe von Prozessen »md dergleichen.

Man wird ab, »Worten haben, welchen Ausgang das Entmün- diMtngsversabren gegen den Grasen v. Tunten-Dalwigk nimmt und dann erst cm endgültiges Urteil über die Frage, aut welcher Seite Recht und aus »oelcher Unrecht liegt, ab geben können.

Aniversitätr-Nactzrichte«.

** Die Erösfituuz der Universität Frank­furt. Dic Mitteilung, daß der Kaiser der Erössnung dev Universität Franffurt beiwohnen werde, findet jetzt ihre offizielle Bestätigung. Der Kultusminister hat an Oberbürgermeister a. D. Ädickes, den Vorsitzenden des Ber- waltungsausschusseS der Mademie für Sozial- und Handels­wissenschaften, folgendes Schreiben gerichtet»-

Auf den Bericht vom 26. Mai teile ich Euer HoctffvoLl- aeborcn ergebenst mtt, daß Seine Majestät der Kaiser mrd König die Gnade haben wollen, der sererltchen