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Nr. *44

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«schein! täglich, anbei Sonntag?. Beilagen: viermal wörtienllich #irfetuf r5c?T!t! ienbläner; zwennal wöchenlllirei»- blotl r >ra K t»is «i« g« (Tienslag »nd Freitagl; zweimal mcnoii. land­wirtschaftliche Seitsrag«» nerniprech - Anschlüfle: lür die Redaktion 112, B erlag u. Expedition 51 Adresse tfir Depeschen: Anzeiger «ießru. 2,»<chnie von Aazelg», inr tue Tagesmirnrner bis vorinfttags I Uhr.

Erstes Blatt

* 64 . Jahrgang

Dienstag, 25 . Zum 19*4

monatlich 7S viertel»

jährlich Mk. 2.20; durch ^ Adholc- u. Zweigstellen monatlich 66 Pf.,* durch die Post Mk.2. viertel« jährl. auSschl. Bestell«, ZeilenpreiS: lokallöPf^ ausrvärts 20 Pfeimiq.

(5 IjcTrcbaflenr: 21. ©och. Verantwortlich für dcu polit. Teil: Aug. ©oetz: für .Fc»ttlletonE, ,Vcr- nuid^tciä - und.GenchtS- faal": Karl Neurath; iüt .Stabt und Land":

RoUäionsönHf »nd Verlag drr vnidl'scheu Uoiv.Guch und Steinöruckerri 8. Lange. lie-atkion, «Irpc^ition und Vrvckcrci: Schulsttahc 7. A^e,g-n!ed:' Beck!

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger sür Oberhessen

Stettin und der neue Banal.

Von Oberbürgermeister Dr, Ackermann-Stettin,

TerGroßschiffahrtsweg" erhielt seinen Namen seiner Seit in Anbetracht der Kleinheit: der Lchiffsgefäße. aus die der Wasserverkehr zwischen Berlin und Sletttn wegen der geringen Abmessungen des alten Finow Kanals eingeschränll war. Wird der neue Kanal den Verkehr größerer, aber leider auch nicht inehr als WO To, fassender Kähne gestatten und in Vergleich mit anderen deutschen Wasserstraßen von viel sach weit größeren Abmessungen treten, dann wird jener Name keinen Sinn mehr haben, sondern großsprecherisch er­scheinen, Darum war die Eröffnung des neuen Kanals der geeignete Augenblick, ihm einen anderen Namen zu geben :Hohenävllern-Krrnal": er verbindet Berlin, das Zentrum des Reiches, das nach allen Richtungen die besten Bcrkchrsverbindungcn hat, nun auch zu Wasser für Fahr­zeuge von normaler Größe mit demjenigen Hafen, der durch seine natürliche Lage berufen erscheint, ein Ein- und Aus falltor des Seeverkehrs für Groß-Berlin und der beherr­schende Hasen des Ostsecbeckens zu sein,

Stetttn wird zur Erfüllung dieses Berufes durch den neuen Kanal mehr als bisher befähigt werden. Erst jetzt wird cs möglich sein, den Vorzug der Zuverlässig keil ihres Wasserstandes, den die Oderwasserstraße vor allen anderen Wasserverbindungen zwischen Berlin und der Tee voraus hat, in vollem Umfange auszunutzen. Groß Berlin aber ist als Konsument wie als Produzent non Gegenständen der Industrie und des Handels ein Faktor von gewalttger, immer noch steigender Bedcutting im deutschen Wirtschafts und Verkchrsleben, Mit einem solchen Hinterlande einerseits und mit seinen seewärtigen Verbindungen andererseits wird Stettin sich zu einem Jndustrieplatz ersten Ranges entwickeln können, und als Hasen von Groß Berlin ist es in hohem Maße geeignet, der Knotenpunkt des Einfuhrverkehrs mit Rohprodukten von Rußland, Finnland und Skandinaoien her, des Aus- subrverkehrs mit Industrie und auch LandwirtschastSpro- dukten nach diesen Ländern, des ostdeutschen Verkehrs mit den Rheinhäfen und eines in Anlehnung an Ham­burg einzurichlendcn Uebcrjcevcrkehrs zu werden. Die Ent­wicklung großer Handesplätze wird am meisten genährt durch ihre Bielseittgkeit: denn der Handel lebt von Ge­legenheiten, Jede Ausdehnung des Verkehrs auf neue Ge­biete und neue Gütcrarten kommt auch den bisherigen Ber kehrSverbindungen zugute, weil sie ihnen neue Gelegen­heiten eröffnet. Für Stettin muß das Wachstum seiner Industrie und die Ausdehnung seines Handelsverkehrs mit Groß-Berlin über den bisherigen engen Rahmen des Finow-Verkehrs hinaus eine solche Bereicherung an (Ge­legenheiten mit sich bringen, daß ein bedeutender Fort­schritt in seiner Entwicklung als Handelsplatz nicht aus- bleiben kann, iveun zwei weitere Voraussetzungen erfüllt werden.

Erstens darf die Abgabenpolitik des Staates keine Striche durch die Rechnungen machen. Diese Politik hat vortreffliche Traditionen aus der Zeit des Alten Fritz, wie bei dessen Biographen, Reinhold Koser (König Fried­rich der Große", Bd, l S, 441ff.i nachzulefcn ist:Fried­rich II, hatte gleich bei seiner Thronbesteigung Vorschläge

! verlangt, wie sich deni Ltetttncr Handel zu der allen Blüte aufhelfen lasse.,. Schrill für Schritt wurden die Bedin­gungen erfüllt, von denen die Wiedereinsetzung der Ostsee und Oder in ihre historischen und geographischen Rechte abhing, Der Finow Kanal wurde ivirdcrhcrgcstellt: die Swincmündung wurde schiffbar gemacht. Aberden Wett­bewerb mit der Elbschissahrt und den Verkehr auf der Oder erschwerte iwch die unverhältnismäßige Höhe der Zölle, Gegen die Herabsetzung sträubte sich die Alzijevrrwal- tung, aus Furcht vor einer Minderung ihrer Einnahmen, Ter städtische Sleuerrat Vanselow Ixit sich das Verdienst erworben, diese Bedenken aus dem Wege zu räumen. Ein dringlich legte er dein Könige Ende 1752 dar, daß kein an­deres Mittel vorhanden sei, einen richttgen Großhandel aus der Oder emporzubringcn, als die Glcichsctzung der Oder- und der Elbzöllc: den fiskalischen Engherzigkeiten der pommerschen Struerverwaltting hielt er die Mahnung ent gegen,daß man in Handelssachen nicht auf einen Ort und eine Kasse Rcflcrionen machen dürfe, sondern ins Große rechnen müsse". Noch vor JahrcSschluß verfügte der König, durch den einzigen Beamten überzeugt, daß das Generaldirektorium im Verein mit dem schlesischen Minister und dem Präsidenten der kurmärkischen und der Pommer ichen Kammerdie völlige Parifikation zwi­schen den Elbe- und Oderkursen" hcrbeiführen sollte. Zu Beginn des Jahres 1754 konnte die pommersche Kammer bereits berichten, daß das Wachstum des Stettiner Handels an der fortgesetzten Vermehrung der Turchgangs- waren deutlich zu spüren sei. Die Schiffsbewegung, über die seit 1751 genau Buch geführt wurde, vergrößerte sich, so­lange der Friede dauerte, von Jahr zu Jahr.... So lösten denn auf den märkischen Wasserläufen die pommer- schcn Schiffer die Hamburger ab , , .

Einen jahrelangen Kampf mit der Königlichen Akzise- Verwaltung um die Parifikation der Oder- und Elbcabgaben haben auch die Stettiner Kaufmannschaft und Stadtverwal­tung von heute zu führen gehabt. Aber auch sie haben bei der Königlichen Staatsregierung insofern Gehör gefunden, als im vorigen Herbst die verhaßte Vertiefungsabgabe auf der Wasserstraße Stettin Swinemünde auf Vs herabgesetzt worden ist, wodurch allerdings eine Gleichstellung der Ab gabenlast der Oderwasserstniße nach Berlin mit oerjenigcn der Elbwajserstraße noch längst nicht erzielt ist, DieStcttiner sind zunächst dankbar und erwarten, daß auch jetzt wiederum die Entwickelung der Dinge den Beweis erbringen wird, eine wie kluge Maßregel die Abgabenermäßigung >var, und daß dadurch der Erfüllung weitergehcnder Wünsche der Weg geebnet werden wird. Zunächst aber wird sich der Kampf um die Parifikation wohl auf dem Gebiet der Tarifierung des neuen Berlin-Stettiner Kanals fortsetzen, da diesem eine Abgabenvclastung droht, die wiederum diejenige be'r mit ihm in Wettbewerb tretenden Elbverbindnng sehr beträchtlich übersteigt.

Die zweite der erwähnten Voraussetzungen ist die, daß nun auch das junge Geschlecht der Stettiner Kaufmann­schaft es nicht an Rührigkeit, Unternehmungslust und Wage­mut fehlen lasse, um aus den gebotenen Gelegenheiten Kapital zu schlagen. In dieser Beziehung liegt wohl eine Anzahl vortrefflicher Beispiele, eine starke und zusammen­hängende Tradition aber noch nicht vor. Hier gilt cs noch Neues zu schafien, nicht an Ucberkommcncm sich genügen

zu lassen: Möglichkeiten zu ersinnen, die noch ferne liegen, und nicht zu rasten und zu ruhen, bis das irgend Erreichbare 'erreicht ist, aus daß auch hier gelte, was Horaz vom Kuui manne singt:

Mox reficit ratcs Quassas, indocilis paupcriem pati", aus Deutsch etwa:

Bald muß er wieder neue Fahrten wagen, llnjähig zu erbärmlichem Behagen!"

Eilt betrübknder Vergleich,"

Paris, 22, Juni, In einemEin betrübender Ver­gleich" betitelten Artikel weist derTcmps" auf die große Bedeutung des kürzlich crössnetenHohenzollern- Kanals" hin, liebt eingehend die von Deutschland zur Förderung der Binnciischifsahrtswegc unternom menen Bestrebungen hervor und schreibt u, a,:

Wir glauben, noch immer dos reichste Volk Europas zu sein »nd dabei bleiben nnr olmc ic»e Werkzeuge zur Enlimcklunal der wirtschaftlichen Dobliahrt, mit welckien iich unsere Nachbar jänder ausrüsten, Deutschland bat dreimal ködere Mititärlasten decken müssen als wir und dabkl bat cs auch Iinauskaltsam seine Ausgaben zur wirtschaßlichen "lusgestaltuug vermeint Diese dop pelte Ungleichheit erfüllt alle guten Franzosen, die a» die Zukunft ihres Landes denken, mit einem Gefühl der Beklemmung Gegenüber den standloiten »nd inetdodischen Rüstungen Deutsch­lands und seinen Kanälen, seine» düsen und seinen Eisenbahnen bietet uns die sozialistisch radikale Partei ihre Treibereien gegen das Dreijahrgcsetz und die Erdlöcher von Paris, Der Vergleich ist betrübend, _

Die Zeit des ..waffenWftandes" in Albanien.

Es bestätigt sich, daß die albanische Regierung den Aufständischen einen dreitägigen Waffenstillstandbewil­ligt" hat, um den Führern Gelegenheit zu einer Bcsprech- img der Lage zu geben. So wird aus Durazzo gemeldet. Ob das wicht eine zu optimisttsch gefärbte Auffassung ist" Schon wird gemeldet, daß der Fürst nicht in, Einverständnis mit den holländischen Offizieren gehandelt habe. Und diese werden wohl ihre Gründe haben, mit den Aufständischen nicht in solcher .Weise zu verhandeln. Der Hilfespender Prenk Bibdoda verlangt auch ciuras Neues, bevor er für den Fürsten in Aktion tritt, nämlich eine Kanone, Der neu ernannte Minister des Auswärtigen jn Durazzo wird auf diplomatischem Wege auch nicht viel bessern können. Die Lage bleibt eben nach wie vor sehr bedenklich.

Wir erhalten folgende Meldungen:

Ein Konflikt des Fürsten Wilhelm mit den holländische» Osfizieren.

Paris, 22, Juni, Nach einem Funkspruch desMatin" aus Durazzo habe der Fürst den Aufständischen den Wassenstillstand bewilligt, ohne die hollän­dische Mission zu fragen, Tic h o ilä nd is chen Offi - ziere hätten infolgedessen ihre Abberufung verlangt.

Prenk Bibdoda

hat von der Regierung eine zweite Kaiioucvcrlangt, um mit seinen Truppen seine Stellungen vier Stunde» nördlich von Durazzo verlassen und den Vormarsch gegen die Aufständischen antrcten zu können, DaS gewünschte (beschütz ist bereits von dem ^Ingenieur Häßler an Bord dar Gisela" zu der Stellung Prenk Bib Todas gebracht worden, Augenzeugen des letzten Vorstoßes berichten, daß die Rebellen die Verwundeten ohne Pardon »icdermachten, Gestern und heute sind Leute abgegaugen, um bis in der vorgeschobensten Stellung gegen Rasbul nach Gefallenen zu suchen 50 Leichen wurden gefunden und heute beerdigt. Die Verluste der fiirstcntreuen Truppe» bei deni letzten Vorstoß gegen die Aufständischen dürften demnach 80 Tote und 120 Verwundete betragen, Bon dem 20 Mann starken

Zohammkronen.

Johann iskronen nannte man die Kränze, mit denen man sich früher am Johannistage schmückte, und dre man beim Tanz um das lodernde Feuer den Flammen premgali.Cr? geh' hinweg und wcrd' verbrannt mit diesem SVvfliit all mein Unglück! ' riet man. den Gennnden nach, lvenn sie ins Feuer flogen, und glaubte fest, datz dieses mit den ,^Iohanniskroncn" zugleich aucl» alle Leiden vernichtete, die dereii Trägern für das kommende vom schick sal eigentlich zugedacht waren. Freilich» mussten die Kränze, wcnii sie zauberkrästig sein sollten, aus ganz beitimmtem x'tateriahgewunden werden, au? den sogenanntenFvhauniskrcnltern". oii ihnen zählte man im Volke aicher dem durchlöcherten Johanniskraut oder 5?Npericum versoratum und dem Donarkraut oder L^um tele- phium nodi eine Reihe anderer Pflanzen, wie z B. das kraut, den Bärlapp, ha* Sempervivum und vor allem den Beimn. Dieier galt von ieher als ein Mittel gegen Ermüdung beim Lan­dern Johanne» der Täufer' soll dcshakb ein BerNlsrgewurd al? Gürtel getragen lxrben, und zur Erinnerung daran legte man ebematl* Beriuirgürtel um, die irran den Flammen dec- ^ohannrs- seucrs gleich den.'»krönen" uberanttvortete, D^r Bernip aber erhielt de^-lralb mancherorts auch den Namen ,,^ohannv>girrtet oderLonuenwendgurtel". Am 24. Juni pflegte man auch ge­trocknete Wurzeln der Pflanze zu zersw^en. um da? Pulver als ldeilmiucl gegen dasFohanni?übel" ein alter Name für die Epilepsie zu gebrauchen. Für wirklamer noch als der -oeiTUH aber galt dasdurchlöcircrtc Johanni?krmtt", auch.verrgotts Wmrdkraul" genannt. Helle Oeldrusen lallen die Blatter orefes Johanniskrautes gleichsam durchlochen erscheinen, und d^r L-age nach l,at sie der Teufel selbst durchbohn au? -lorqer darüber, dak feine* bösen Anschläge auf die Gesundheit der Memchnr durch den heilkräftigen roten Saft, den man aus den Blumenblättern de^ Hypericum perforatum heranspressen kann, vereitelt werden. Da dieser Saft, das sogenannteIohannisblut". arich die >dratt besitzt den Herrn der Hölle selbst zu bannen, so bei,st die Pstanzc auchIagetenfcl" oderTeusclsflucht". Uebriacns nnrd sie am Johannissest auch zu Ehe- »nd Liebeöorakesn benutzt,

der Jobannlsnacht o,licken die Mädchen die Blum: und werfen sic aufs Gaatewobi in ein Gesäß mit Wasser Müht ne vier irciter so nnrd der Tranrinst noch im selben Jabr am Finster blinken venoclkt sie aber, dann beißt es warte». Etwa- Ähn­liches tun auch die Dorfichönen in Enziand und Jilanch Am ^Boraöezhf des JvhairnislaDcS pflanzen sie sich Ableger der p.rprnc

Plant, des Wundkrautes, in Blumentöpfe und nennen diese nun ..Midsnnimer Men"Mitsommermünnchen". Für verliebte Matchen bilden diese grünenJohannismännchen" eine Quelle stänbigcc Spannungen und Bennruhigungen, Tie Blätter der P'lanic sind irämlnti sel.r empfindlich gegen äutzerc Einflüsse und wechseln ihre Stellung öfters. Aus der verschiedenen Stellung der Blätter, die sich der Pflegerin bald wkcbren, bald von il,r abwen- deu, glaubt sie aus die Treue oder Untreue ihres Geliebten schlic- tzen tu können, , , , Nicht ieblen in einer wirksamen Johannis- krvne durltc ferner das Tonarkraut. Sednm telephium. Man bängt es auch an den Häusern aus. um sie vor Blitzlchiag in brwakren Doch sann cs seine Jauberkrasl nur dann entiailen, wenn man es am 24, Juni inittags zwischen 11' und 12 Uhr bricht. Hoch in der Wenschätzung stand auch das schon erwähnte Eisenkraut, die Ber- bena: diese alte Kultvtionze, von den Argoptelm alsTräne der Isis" bezeichnet, ist eineFriedensvflanze", Diinius erzählt, daß Gesandte, die den Friedensschlnß erwirken wollten, mil einem Kranz von Eisenkran! auf dem Hauvtc zum Feinde zogen. Auch bei germanischen Fritdensfeicrn soll sie eine Rolle gespielt haben. Sie ist also gewissermaßen ein Sinnbild der Befföhnung, und dies suckle inan daraus zu erklären, daß ihr heilkrästtger Saft die Wun­den schloß: also loiedcr verband, was zerrissen war. Aus einem, anderenJohanniskraut", dem Bärlapv, machte man Gürtel wie aus dem Beisutz, llnd wie dieser deshalb den Namen ,,Johann:s- güt'tel" rühr,, so erhielt auch der Bärlapv die BczerchwungGürtel- kraut" oder wie s. B, in Ulm den fast gleichlautenden NamenSankt Johannisgürtcl",^

Vorgeschichtlicher Fund, Aus Frankfurt am Main, 21, Juni wird gemeldet: Bei den FilndamcntierungSorbei- ten iür das Ehemilch« Jnstüut der Unweriitat wurde in einer Ticsc von vier Metern inmitten eines ausgedehnten Mooricldes das beinahe vollständig erbaltenc Skelett eines gcwalligcn Auerochsen sreigeieg, Ter kostbare Fund konnte iniolgc der 2lusmcrksamkeit eines Arbeiters nnbeschädigt geborgen werden. Er kam in das Senckenberg-Bttiscmn und wird hier ausgestellt. Da Ulan in diesem Suinpsboden noch weitere Funde vermutet, wer­den hse Ausschochtimgsarbeitcn in größerem Maße als bisher vorgesehen war, sortgrsctzt,

Tie Eröffnung des Kölner Wcrkbundthca- t c r s. Ans R ö I n wird uns geschrieben: Das Wcrkbundtheatcr crössnete seine Fcstspicle mir cmer Aufführung von Goethes Faust" in der Jnszenicruug Barnonz-kis, mit den ersten

Kräften des Berliner Lessingtheaters i» den Hauvtroilen, Nach van de Veltes Gedanke soll der neue Bühnenslil dem architek­tonischen Rahmen homogen, aller grob plastischen Reaiitäten ent­kleidet werden, wieder herausivachsk» zu einer Illusion des Un- eudsichcn. Ob die von ihm erdachte Form der dreiteiligen Bühne mehr ais problematischen Wert hat, Ivird sich nach diciem ersten Versuch, dessen freie Auswirkung Iwch zu sehr von äußerlichen Unzulänglichkeiten diktiert war, nick,! unbedingt entscheiden lassen, ?Iber schon an diesem Abend zeigten sich dcullich Mängel des neuen Biihncnjbstems, Ter Aufführung sehllc die Einheitlichkeit Ulid ge­schlossene Kraft, Die leitende Idee der Tragödie, das Ringen zwischen Gott und Teufel um dieses Menschen Seele, kam nicht einheitlich genug zum Ausdruck, Mau nimmt ganz instinktiv bei einer solchen Dreiteilung die mittierc große als die Hauvtbühne, während man die beiden Seitenbühncn als viel weniger bedeutend, al- lediglich dekorativ wirkend aulsaßt. Man schaltete auch allzu willkürlich mit der Verteilung der Szenen aus den cntivrechenden Bühnenraum, Tie Dekorationen von Sven Gäbe gaben iuncr- haib der gemachten Einschränkungen sehr schöne und charakterisnsche Bilder, Ter Prolog > 1 » Himmel mit den drei stilisierten Gestalten der Erzengel vor dem tiefblauen Himmel war von starkem Eindruck, Das szenische Relicl des Osterspazierganges gab sich voll blühenden Lebens, voll Farbe und in durckldachler Steigerung, Ganz monu­mental waren diese Szene und auch die im freien Felde ersaßt, ein Eindruck, der noch wesentlich durch die eminente Beleuchtungs­technik und die abgeklärte Anlage eines neuartigen Rundhorizonts verstärkt lourdc, I» der schanipielerischcn Ausgestaltung war die große Linie nicht eindringlich genug herausgearbeitct uwrden, wenn auch Barnoivskis ausgezeichnete Regieknnst schmispielcrilch sehr seine Lösungen fand, Bon den schansvielcriichen Kräfte» hatte sich L i n a L o s s e n am besten in den Stil dieser 2lussührnng cmgclebt, Kal, ßler gab den Faust: aus seinem persönlichen Wesen heraus suchte er die Gestalt dieses Titanen zu cntlvickcln. Steinrück war kein rechter Mephisto: er wirkte weniger dämonisch als stark brutal, Lina Lossen gab das Gretchen in schlichter, herber Zurückhaltung, ganz ohne alle Tentimeutalität, JlkaGrüning bot als Marthc eine sein durchgearbeitcte Gestalt, Im übrigen waren die Darsteller durchweg entsprechend. So ergab sich als Ganzes zwar nicht ein stark geschlossener Eindruck, cher doch ein sehr interessanter, künstlerischer Abend, und das ausverkauftr Haus ries znm Schluß die Hauptdarsteller wiederholt vor die Rampe. Ar,,F, B.