w? Schwurgerichts Gießen am 8, Juni ds, Jz gegen ihn er. «inne» strafe wurde drr ent 20iährige fe. 3. W. aus Frieddeeg Wrurtnlt. M hatte seinerzeit auf einem Friedberger Anwalts, bnrcmi die Burcaubeamtentausbahn begonnen und wird beute von fernem damaligen Chef als Heller brauchbarer Kopf geschildert Noch einiger Zeit kam er auf die schiefe Ebene, lieferte Geldbeträge ">°'t ab und stahl dem Bureauvonteher seines Eheis Geldbeträge und Bneinnrrken aus der Kasse, teils durch Ausschließen der belr BehalMiiic mittels nnes Dietrichs oder auch ialichcr Schlüssel Als er sich in seiner Stelle nicht mehr halten konnte, ging er nach Butzbach als vausburfche zu einem Bäcker, Aber auch hier hielt er es nicht njü der Ehrlichkeit, sondern gab seinem Meister Leute als nrn Zahlung der Brötchen rückständig an, die stets bezahlten, und verschwand nach crniger Zeit,
Vas Urteil im Liberfelder Mordprozetz.
Brwr Angeklagte freigesprochen,
_ . . „ . „ „ -LElberscld, 21. Juni,
Aach viertägiger Verhandlung ist heute früh mit einer 18s,ün- dtgeu Gewalksttzung der Prozeß gegen Fräulein Brunhudc Wilden und ihren früheren Bräutigam Tr, med, Rolten zu Ende gegangen.
Der Schluß der Beineisausnohme brachte noch eine Reihe von Nlteressanten Momenten. — Ter Amtsrichter Koch, c,n Freund des AngeNagten Rolten, hat dessen Besuch am 10. Februar erhalten. Dr, Rollen erzählte ihm ganz unvermittelt: Meine Er-Braut hat den Assessor Rettelbeck in Elberseld erschossen Es sei zwischen Fraulein Wilden und Rettelbeck zu Auseinandersetzungen gekommen Fräulein Wilden habe verlangt, er solle erklären, das, zwischen ihnen beiden Nichts vast irrt sei, Tr, Rettelbeck habe ihr „I höhnischer und bochzi gemeiner Werse erwidert, er werde das nicht tim. Ms Fräulein Wilden dann erklärte! „Ja, dann liege ich ,a im Dreck' Habe Rettelbeck gesagt! Besser du als ich! Darauf sei Fräulein. Wilden >n maglose Wut geraten und habe losgcschvssen Am anderen Tage^ lull Dr, Rolten dem Zeugen gegenüber die Lache anders d-rgeitellt Er habe gesagt, Fräulein Wilden habe die Absicht gehabt, „ch vor den Augen RettelbcckS zu erschießen, dieser se, ihr aber 1» den Arm gefallen und die Schüsse seien losgcgangcn Als der Zeuge Bedenken äußerte, daß der Untersuchungsrichter das glaube» werde, habe Tr, Rolten erklärt! Wenn sie wirklich verurteilt wird, so bekommt sie nur ein paar Monate, Tann reicht man ein Gnadengesuch ein, so daß die Strafe in Festungshait oder ,n eine Geldüraie verwandelt wird, — Praktticher Arzt Tr, B > e se bekundet, daß Dr, Rolten einen starken haß aus Tr, Rettelbeck hatte Er habe am 16, Februar abends mit Dr, Rolten eine Unter- redung gehallt und dieser habe in Bezug au, Rettelbeck, obschon er bereits tot war, gesagt, den Lumpen bringe ich seht noch in den S,-C -Verruf, Es folgen die Aussagen der Sachverständigen, — Ter Hausarzt der Familie Wilden Geheimrat P u c tz (Düsseldorf) bekundet, daß die Angeklagte sckwn als Kind an krankhaften Zuckungen gelitten habe Sie bot das Bild einer lhvisch-hnsterischcn Derson — Sachverst, Dr, Michel Düsseldorf! hat bei der An- geklagten ^rckivindelausäUe und Tämmerungszusv'inve beobachtet. /Me- der Sachverständige aus einen, Glase Wasser trinkt, untersagt ihn, das der Vorsitzende minder Begründung, das sehe zu Wirts- bausmäßig au«,'' -— Tachoerst. Geh Medizinalrat Braun: Es ist möglich, daß die Angeklagte die Tat in einem Dämmerzustand verübt haben kann, von der ihr nur inselartige Erinnerungen geblieben sind — Tie Gutachten der Schicßsachverständigen gehen dahin, cs bestehe die Möglichkeit, daß der tödliche Schuß während des Ringens abgegeben worden sei,
Sachverst. Gehcimrat Braun, der noch einmal zu Wort kommt, gibt folgendes Schlußurteil ab: Rach dem Befund ist der erste Schuß von dem Plaßk der Angeklagten Wilden abgegeben worden. Dieser Schuß ist indes ein Feblsckiuß gewesen, er ging in die Wand, Es ist möglich, daß dieser Schuß durch das Ta- zwischentreten Rettelbecks rin mißglückter Selbstmordversuch der AngeNagten Wilden war, hierauf kam es zum Kampfe zwischen beiden: es fiel der zweite Schuß und dieser ging nach meiner An
sicht in die Tischplatte, Rach weiterem Rängen zwischen beiden kam der dritte verhängnisvolle Schuß und es ist möglich, daß diesen tödlichen Schuß Rettelbeck selbst abgegeben hat,
hierauf wird die Beweisaufnahme geschlossen und der Vor fitzende formuliert die Schuldfragen, — Der Staatsanwalt beantragt bei der Angeklagten Willen die Frage nach Tot, schlag, bei dem Angeklagten Rolten die Frage aus Bei, Hilfe dazu zu bejahen unb beiden Angeklagten mildernde lim, stäube zuzubklligeu, — Bert, Rechtsanwalt Dr, David so hn (Düsseldorf! kommt in seinen, Plädvner zu dem Ergebnis, daß die Angeklagte die Absicht hatte, vor den Äugen Rvttelbecks Selbstmord zu verüben. Dafür spreche der Umstand, daß Dr, Rolten sie geradezu in den Selbstmord lstneinkreiden wollte. Er hat ihr gesagt,, der Lebenden könne er nicht vt-rzeihen, sondern nur der Toten, Die Angeklagte, die ein guttnüligeS, liebenswürdiges, harmloses Mädchen gewesen ist, ist eines Mordes überbaupi nicht fähig, auch nicht eines so brutalen Aktes, wie cs der Totschlag ist. Der Verteidiger bittet, sämtliche Schuldsragcn zu verneinen — Verteidiger Rechtsanwalt Weftcrhaus (Düsseldorf! stellt für seinen Mandanten Di Rollen den gleichen Antrag, — Die An gekläffte Wilden, zum letzten Wort »erstattet, erklärt, daß sie unschuldig sei. Sie habe immer nur den Gedanken gehabt aus dem Leben zu scheiden. Säe habe nie die Absicht gehabt, Dr, Rettelbeck zu töten, das sei die vollste und reinste Wahrheit, — Angeklagter Tr, Rolten erklärt noch, daß das, was er von Frl Rotten nach der Tat gehört habe, in ganz abgerissenem Zusammenhang vorgctragen wurde, und daß er die Zusammen- Iielliing der Worte sich selbst lvmbinieri habe. ^■
Um 1 Uhr nachts zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück und erschienen nach zweistündiger Beratung nieder im Saal, Der Obmann verkündete unter allgemeiner Spannung, daß der Wahr s v ru ch der Geschworenen aus Nicht- schuldig laute. Die Verkündung des Wahrspruches wurde mit levhaslem Beifall im Zuhörerraum ausgenommen,
hieraus wurden die beiden Angeklagten, die bleich und über- nächtigt aussahen, wieder aus die Anklagebank geführt und sie mit dem Wahrspruch bekannt gemacht, — Der Staatsanwalt beantragte die Freisprechung,
Rach kurzer Beratung sprach der Gerichtshof Frl, Wilden und Tr, Rotten von der Anklage frei, unter Uebernahme der Kosten auf die Staatskasse, Beide wurden sofort aus der Haft entlassen, — Tie Angeklagte Wilden nahm das Urteil ruhig und ohne ein Dort zu sagen auf, unter Tränen dankte sic ihrem Verteidiger, Dr, Rolten war nichts auzumcrkcn.
Vor dem Gerichtrqcdäude begrüßte eine mchttaulendköpsige Menge die Rachricht von dim Freispruch mit Hurrarufen,
Sport.
Jubiläums-Konyred vcs Jntetnalionalen Olmnpiichrn Komitees.
Siebente und achte Sitzung des Kongresses,
In der siebenten Sitzung am Donnerstag nachmtttag wies Tr, Ruverti, nachdem das Boxen angenommen worden war, aus die Schmierigkeiten Ihn, die durch das polizeiliche Verbot derartiger Kämpfe für eine Voriührung in der Ocssentlichkei, ,n Deutschland bestünden. Im Anschluß daran fanden lauge Ausein- andersetzimgcn über schwerathiettschc Ucbungen statt. Nachdem einstimmig der griechlsch-römische Ringfampi in süns Gruppen genehmigt worden war, wurde der von England beantragte und von Amerika lebhaft unterstützte freie Ringkampt gleichfalls in süns Klassen ausgenommen. Leider verfiel die Einsührnng des Gewichthebens der Ablehnung, obwohl Freiherr von Venningen und Dr, Rupert! energisch dafür eintraten. Die anscheinend gcslckzerte Majorität ging um wenige Stimmen verloren, weil die russischen Vertreter noch nicht zur Stelle waren. Ebenfalls der Ablehnung ver- siclcn die französischen Anträge auf Einführung des Bogeuschießens und Ttockscchtens,
Sodann ging der Kongreß zur Frage der Sportsspiele über. Der Wunsch des Baron de Coubertin, diese Spottiviele aus dem Programm der OiNmpischcn Spiele zu streichen, wurde einstimmig abgelehnt. Es fand sich dann eine starke Mehrheit für das auch in Deutschland stark verbreitete Association-Fußballspiel, für das von unserer Seite Peels-Leipzig einttat. Eine ausgezeichnete Rede für die sittliche und erzielstiche Bedeutung des Fußballspieles hielt der englische Pfarrer Lassan, Das Rugbh-Fußballfpiel ersuhr dagegen eine Ablehnung,
Ir» 'Anschluß an die Sitzung hielt der Herzog von Toudeau- ville iür die Mitglieder des Kongresses in seinem herrlichen Schlosse großen Empfang ab. Am Abend fand in Gegenwart des Präsidenten der Republik und des diplomatischen Korps ein großes Fest im Palais Trocadero statt, bei deni schvcoische und sronzösisclic Sänger milwirkten,
Tie achte Sitzung am Freitag vormittag wurde durch den Präsidenten Baron de Coubertin eröffnet, dann aber von Herrn Gcheimrat horning geleitet, der wegen seiner großen Umsicht säst immer in Abwesenheit des Präsidenten zur Leitung herangczogen worden ist. Ohne Widerspruch Ivurdeu zunächst die Spielregeln des Internationalen Fußballverbandes angenommen, desgleichen das Rudervrogramm mit sieben Konkurrenzen, Auch beim Schwimmen wurden die Vorschläge des Internottonalen Verbandes gittgeheißen, mit dem Deutschland ans dem Internationalen Schwimmkongreß, in Budapest sich einverstanden erklärt hatte. Beim Schwimmen werden besonders Domenkonkurrenzen stattsindcn, Segeln wurde gemäß dem Vorschlag des Herrn Dr, Rupertt dem obttgatorisckien Programm einverleibt, und für Festsetzung der Einzelheiten wurde ein Unieeausschuß unter Vorsitz Englands gebildet,
Tr, Bchrends, der als Vertreter Deutschlands für die Ausnahme von Lawn Tennis cinlrat, fand mit diesem Vorschlag einstimmige Gegenliebe, desgleichen mit dem Vorschlag, lediglich auf horten Plätzen zu spielen, also nicht auf Gras- oder gedeckten Plätzen, Den bisherigen vier Wettkämpsen: Herren-Einzelspicl, Domen-Einzelspiel, Herren-Toppeliviel und Gemischtes Doppelspiel wurde Tanien-Doppclspiel hinzugefügt.
Darauf wurde der Bericht des Box-Ausschusses entgegenge- nomme», nach dem nur 6 Klassen eingefübrt iverden sollen: die näheren Bestimmungen bleiben dem zukünsligcn Internattonalen Bor-Berband, der 1915 gegründet werden wird, überlassen,
Freitag nachmittag unternahmen die Kongreßmitglieder einen 'Ausflug nach Schloß Maintenan, und abends waren die deutschen Vertreter bei dem Führer der amerikanischen Bertrettmg, Colonel Thompson, zu Gaste,
Märkte.
te. Frankfurt a. M., 82. Juni, (Ong.-Telegr, he! „®te's. A»z>-> Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtnrarktvreise. Weizen thiesigeri Mk. 21.75—22.00, Kurbesüscher Mk, 21.75 —22.00, Wetlerauer Mk. 00.00 — 00.00, Roggen shiestgerj Mk, 1800 — 18 25, Gerste lWetterauerl Alk, 00.00 — 00.00, Gerste. Franken, Mälzer, Rieb Mk, "0.00—00,00, Haler Mk. 18.25-10,50, Mais Alk. 15.50-15,75, Weizenmehl 0 -Mk, 00.00-00,00, Weizenmehl l Mk. 00.00 -00.00, Weizenmehl nl Mk. 00 00 — 00.00, Roggenmehl 0 Mk. 00.00—00.00,
Roggenmehl Oll Mk, 00.00-00.00, Roggen,nehl 1 Mk. 00.00-00.00, Weizenkleie Mk. 0,00 -0,00, Weizenjchalen Mk. 0.00-0.00, Roggen- kleie Mk, 00.00 -00.00, Mglzkenne Mk. 00.00—00.00, Biertreber 00.00 - 00.00, Futtergerste Alk. 00.00 - 00.00. Alles per 100 kg ab hier.
fe. Frankfurt a, 22, Juni, iOrig.-Telegr, des .Sießener Anzeigers",, Kaetokselmarkt. Mau notiette: Kartoffeln in Waggons Alk, 6,50 - 7,00, in, Kleinhandel Mk, 7.50 —8,00 für je 100 kg.
kr, Frankfurt a. TO. Diehdofmarktberirh! 00m 22. Juni. Austrieb: Rinder 1185, Ochsen 612, Bullen 70, Kühe und Färsen 903, Kälber 213, Schale >03, Schweine 2126.
Tendenz: Rinder stau, großer Ueberstand, Kälber gedrückt, Schale ruhig, Schiveme leichte Ware lebhaft, bleibt Ueberstand.
Breil für 100 Ad.
Lebend- Schlacht-,
gewicht
Ochse», Mk, Mk.
Vollkleilchige, misgemästete. höchsten Echlachf-
wettes, 1—7 Jahre alt........ 45—51 82-86
die noch nicht gezogen haben (»»gejochte, . . 40—11 78-80
Bullen.
Dollfleikchige, ausgewachsene, höchsten Schlachtm. 1»-18 75—80
Vollfleischige, jüngere.......... 39—42 67—72
Färsen. Kühe,
Vollsteischige ousgem, Färsen höchst. Schlachtm. 12—16 75 —83
Vollfleischigc ausgemästeleKührhöchstenSchlach-
wertrs bis zu 7 Jahren........ 38—42 70—75
wenig gut entwickelte Färsen....... 88—41 73—79
ältere ausgemästete Kühe........ 31—37 63—69
Mäßig genährte Kühe und Färsen..... 28—33 58—61
Kälber.
Mittlere Mast» unb beste Saugkälber. . . . 52-56 88-25
Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . 18-52 81—88
Schn'».
Stallnrastschake:
Mastlämmer uno jüngere Mastgimmel . . . 12 43 92 -91
Schweine.
Vollstekschigs Schweine o»n80 — 190 kg
Lebendgewicht........ 18.00—18.51 61.00— 02 01
Vollste! schtge Schweine unter 80 <r
Lebendgewicht........ 4500—17.00 68,00— 60.»
Vollfleiichige Schweine von 100—120 kg
Lebendgewicht........ 46.00—49,00 58.00-61 »
Vollsteischige Schweine von 120—150er Lebendgewicht....... 11.00—15.00 65.09—58.00
Süchertisch.
— Als eine vortreffliche Ergänzung unseres Buches: Wanderungeil rundum Gießen ist in diesen
Tagen eine Karte erschienen, die jedem Wanderer und Kenner unserer schönen Umgebung sehr willkommen sein wird. Die Karte lat Gießen zum Mittelpunkt, erstreckt sich nördlich bis Marburg, östlich über Homberg und Laubach, südlick bis Bab-Raubcim und im Westen bis Dillenburg »nd enthält sämtliche Wegebezcichnungen, die in diesem Bereiche liegen. Da die Markierungen in der Umgebung unserer Vatcrstadi vom B, h, C, - Gießen in den letzten Jahren sehr gewisienhast auSgesührt ivvrden sind und die Einzcich- nungen in die Karte vom Berttn selbst bewerkstelligt wurden, so ist auch die Gewähr geboten, daß die neue „Touristenkarte der Umgegend von Gießen", litte der offizielle Titel lautet, in jeder Weise befriedigt. Die Karte ist aus Leinwand aufgezogen, von sehr handltckiem Format und zum Preise von 1,50 Mark in den hiesigen Buchhandlungen erhältlich.
Müllersche Badeanstalt.
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Meteorologische Beobachtungen der Station Eichen.
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Niedrigste . , 20.—21. . 1911 -- + 10,1",
Niederschlag 1,1 mm,
Verantwortlich tflt „Aus Stadt und Land" i, 85,: K, Neurath,
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