Kr. i§5
Zweiter Blatt
164. Jahrgang
Erscheint «»glich mit Ausnahme des Soniftags.
Tie „Gtetzeurr LamUinftilätter" werden btn .Slnjti»«' viermal wöeheiftlich bctgrlegl, das „KrdsWatt ffit dea Ki«is teetzen" jroemxrf wöchentlich. Die .DouSwtrhchatftichen Sei,
fragen" erscheinen nionottfth zivennat.
Giehener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Oberhejjen
Montag, 27. Znni .19(4
SR^alton^bn«? unb Verlag der Brü blichen UmversitÄT - Buch- und Steindrnckerei.
R. Lange. Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuld strnße 7. Expedition und Verlag: Cb«5L Redaktion:«« HL. Tel.-' LruAnzelyerGreßen.
------------------- ^
ver ltaiser in Hannover und Hamburg.
Hannover, 20. Juni. Als der Kaiser auf der Bahren- WEnr Heide angekomnicn war, stie« er tn dem warten der Zister Muhle zu Pferde. Nach dem Abreiten der Front und erncm Vorberniarfch in Zügen begann das Ge,eck>lSerer- zieren, das bis nach 8 Uhr dauerte Der Uebung wohnten auch Fürst Adolf zu schouniburA-Lippe, der Kvminanbic rende General v Ernich und Offiziere des Militärreit-Jn- fttlntS der Der Kaiser hielt Kritik ad und führte dann dos Regiment durch die Stadt zur Kaserne. Trupven der Garnison und Schulkinder bildeten Spalier, Kurz nach 10 Uhr fuhr der Kaiser nach Hamburg
Hamburg, 20. Juni. Bei strahlendem Wetter ist der Kaiser mit Gefolge heute nachmittag im Automobil von Hannover kommend, um Vr2 Uhr hier eingetrosscn und ist bei der Fahrt durch die Stccht überall jubelnd begrüßt worden Der Kaiser fuhr iosort zu den Landungsbrückeii, wo die „Hohenzoüern" scstqcmacht war stiachdem er den Bürgcrmrrstcr begrüßt hatte, kaufte er drei jungen Mädchen aus Anlaß des Roten Krruztagrs Blumen ab Der Kaiser nahni auf der .^ohenzollern" Wohnung.
Um 2Vr Uhr begab sich der Kaiser mit dem Gefolge, den Bürgermerstern der Stabt Hamburg, dein preußischen iüesandlen, den Senatoren Skhamer und Wcstphal, den, Präsidenten^ der Bürgerschaft Dr Schon und anderen an Bord der Staatsjachl „Hamburg". Die „Hamburg" legte an der Landungsbrülle der Werft am üühwärder Hoest an. wo sich zur Begrüßung des Kaisers Dr.-Jng Hermann Blochm und Herr Boß und die Direktoren der Werft Frahm, Roscnstiel und Rudolph Blohm versammelt hatten. Nach der Begrüßung schritt der Kaiser durch die von Pylonen gebildete Psortc, wo ihn sofort eine große Kinderschar ,die auf dem unteren Teile der Ablaustribüne Platz gefunden hatte, lubelnd begrüßte. Der Kaiser, der sichtlich erfreut war. schritt dann an den dichtbeseyten Tribünen vorbei zum Käiscrzell, wobei er das Riesciischiss in seiner ganzen Ausdehnung vor sich liegen sah. Aus der Tauskanzel begrüßte er die anwesenden Mitglieder der Familie Bismarck, nämlich die Gräfinnen Hanna und Gisela, sonne deren drei Brüder. Drei Kanonenschüsse kündigten den Anfang der Feier an. Hieraus hielt der präsidierende Bürgermeister Prcdoehl die Tausrede In das dreifache Hoch am Schlüsse stimmten die viele,, Tausenden begeistert es» Tie Kapelle beS Regiments Hamburg spielte die National^ homne. Die G r ä s i n H a n n a v B i s m a r ck, die ä l t e st e Enkelin dcSFürsrcn Bismarck, sagte darauf: „Aus Befehl Seiner Majestät des Kaisers lause ich dich „Bismarck". Als die Gräfin den Apparat in Bewegung setzte, brach die Sektslaschc nicht sofort. Der Kaiser ergriff dann selbst die Flasche und warf sie unter den Hochrufe,, des Publikums gegen izcn Bug des Schisses. Ter Stapellaus ging glänzend von statten Die Musik spielte: „Deutschland, Deutschland über alles". Alle sangen das vaterländische Lied mit Der Kaiser winkte nach dem vom Stapel lausenden Schiffe mit der Mütze. Unter Hurrarufen wurde der Koloß ins Wasser gelassen und vertäut. Der Kaiser verlieh viele Ordensauszeichnungen
Hamburg, 21. Juni. Ter Kaiser hielt heute vormittag an Bord der „Hohcnzollern" Gottesdienst ab. Um 12 Uhr besuchte der Kaiser die von der Stadt Altona aus Anlaß ihres 250jähr Stadtjubiläums veranstaltete Garten- bauausfteUung ini Stadlpark an der Flottbccker Chaussee.
Au» fjcftoi.
Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank gegen Bor st and und Anssichtsrat. rb D a r m st a d t, 20. Juni. Bor der ersten Zivilkammer des hiesigen Landgerichts wurde heute die Klage verhandelt, die von der „Landnnrtschastlichen Genossenschaftsbank gegen eine Anzahl von Mitgliedern des frü
heren Aussichtsrais und des Direktoriums der alten 08' nossenschastskasjc angestrengt wurde, weil diese durch lischt ersüNuug ihrer Pflichten die Kätasrrophe mit verschuldet hätten Es handelt jicki bclanntiich um einen Gesamtverlust von acht Millionen Mark. Ta aber die hajtbar ,zu machenden Mitglieder der aUen Kasse nur über ein tüesamtver mögen von 2> r Millionen Mark vertilgen, so wurde auch die Klage nur in dieser Höhe beziffert 'Nach längerer Beratung erkannte das Gericht dahi», daß die Klage nicht genügend substantiiert sei und daß bezüglich der Haftpflicht der einzelnen Beklagten genau angegeben werden müsse, aus welchem Grund und in welchem Umjang sie sür den ange- richtetcn Schaden hajtbar gemacht werden solle». Das Gericht gab der Meinung Ausdruck, daß nur ein Betrag von insgesamt etwa 250000 Mk. als angemessene Unterlage für die Verhandlungen angenommen werden könne und gab der Klägerin aus, binnen 6 Wochen die vermißte Substan- tiicrung der Klage beizubringcn, erklärte sich auch auf dieser Grundlage zur Einleitung von Vergleichsvcrhayd- iungcn bereit. Als iveitercr Verhandlungstermin wurde der 26. September d. I. scstgesctzt.
3>cutict>c Kolonien.
Aus Deutsch Lstafrika.
Daressalnm, 20 Juni Ter Gouvcrnements- r a t für Deutsch-Ostasrika ist gestern ziisammcngctrcten. In öffentlicher Sitzung beleuchtete der Gouverneur die Entwicklung der Handclszijsern und der Finanzen, die sich trotz der durch die Kautjchukkrise entstandenen Schwierig keilen günstig gestaltet hatten. Das Rechnungsjahr 1313 schließe'mit einem beträchtlichen Ueberschuß ab. Für die in Deutschland belftiuptete Abnahme der Eingeborcnenbevölkc- rung des Schutzgebietes fehle jeder Nachivcis. Ausreichendes statistisches Aiaterial zur Beurteilung der Frage sei überhaupt noch nicht vorhanden. Die Bekämpfung der Schlafkrankheit biete ein günstiges Bild. Auch am Kanganjikascc sei in 2 bis 2Vs Jahren ein voller Erfolg zu erwarten. Die Rinderpest fei wesentlich zurückgegangen. Für die Landesausstellung sei ein guter Erfolg zu erhoffen. Das Schutzgebiet bedauere lebhaft, daß die Terl- »ahmc des deutsche» Kronprinzen nicht möglich ist. In erster Lesung wurde sodann die Wasserrechtsverord-nung, die Sprengftosjverordnung, die Gebührenverordnung sür Aerzte und die Abänderung der Pflanzenverordnung angenommen. Dagegen wurde der Entwurf betreffend die Rückzahlung der früher vom Reiche sür die Eisenbahnen geleisteten Garantiezahlungen durch die Schutzgebiete von den außerordentlichen Mitgliedern des Gouvernementsrates einstimmig abgelehnt. Darauf trat der Gouvcrnementsrat in die Besprechung des Etats für 1915 ein.
Explosion eines Lenkballons.
Das österreichische Luftschiff „Körting-Wim- p a s s i n g" hat am Samstag früh ein furchtbares Unglück betroffen. Bei einem Zusammenstoß mit einem Doppeldecker explodierte das Luftschiff; säm tliche Insassen wurden getötet; auch der Flieger und sein Begleiter sind tot. Ucber das Unglück, das wir am Samstag nur noch in einem Teil unserer Auflage Mitteilen konnten, sind uns folgende Drahtnachrichten zugegange».
Wien, 20. Juni 12.55 Uhr. Bei Klein-Schwechat crvlo- diertc das Luftschiff „Koertmg" in 20 Meter Höhe Sin Hauvt- nrnmt, sunt Leutnants, zwei ChauNeurc uno ein Zivilingenicur lind tot. Die Ezbloiion soll durch Vitt Zusammenstoß mit einem Farmanzweidecker entstanden sein. Der Lenker des Flugzeuges, ein Offizier, und sein Fahrgast s'tch ebenfalls tot.
Wien, 20. Juni. Heute niorgen 8 Uhr war der Luftballon „K ö r I i n g" von der Ballonhalle Fifchameno bebuss aeronaunsch- vhotogrammetrischer Ausnahmen hoch gelassen worden. In der Gondel Hanen Platz genommen Hauvtmann tzausivirtb, Lber- Icutnant Escttcr, Oberleutnant Breuer, Leulnant Haidt n g e r, Korporal H a d i m a , Getreuer Weber und Ingenieur
Kämmerer Der Ballon beschrieb seine Kreise in bcr Umgebung von Fisitiamend »nd steuerte sodann in der Richlung gegen Engcrsdors und gegen den distoriichen Köniisderg. Um 8'/. Uhr war der Feldpilot P s l a tz n»t dem Fregallcnkavftän LeuMant Bucht« als Beobachter aus einem kürzlich von der Heeresvcrwal- iuna angekausten Farman» Dop veldecker von dem Flugfeld Fischamend ausgestiegen, »m den Ballon zu verfolgen Er umkreiste mehrere Msile den Ballon »nd suchte ihn sodann zu überstiegen. Be, diesem Versuch streisle er die Ballonhülle, die einen Riß cr- biclt Es erfolgte eine furchtbare Ezplosion Der Ballon ging soiorl in Flammen aui. Sowohl der Ballon als auch der Doppeldecker stürzten aus einer Höhe von etwa 400 Mtr drrunicr in die Tiefe und blieben am Abhänge des Königsberges rertrümmert etwa 10 Mtr von einander imncrnt liegen Sämtlich,' Insassen des Ballon» wurden al» verkohlte Leichen auigeiunben Olier- leutnant Pstatz und sein BegleUer sind glkichsall« toi. Ihre Körper lind surchlbar vcrßümmklt Haupiman» HauSivtrlh war einer der alieüe» Fliegcrossizierc und seit Bestehen der Liiftschisserabteiliiiig in Fischamend dieser zugeteilt worden. Lberleuinaiu Pstatz war einer der hervorraaenbsten Feldpiiolen
Die Ursache des Unglücks bürste darin zu juckten sein, daß der Doppeldecker in den sogen Sog gelangte, das sind >ene Lustströmungen, die von einem BaUon >m Flug erzeugt ll>ert>en und die aste über ihm besindlirtien Gegenstände an lh» heranziehen Bei dem stniast dürfte auch die Tatsache mitgeunrkl haben — das ergibt sich aus den Auszeichnungen des Barometers — daß sich plötzlich eine Böe erbobcn bat. Die beiden Luitsahezeuge befanden sich zu dieser Zeit in ,enem Kessel in der Nähe von Fischamend. der als Böenkpakt den Luft- schiisern sehr bekanni ist. Unmittelbar nach dem llngiück waren Mannschaften und Ossiziere der benachbarten Flugstatio» zur Stelle. Sic konnten aber keine Hilse mehr leisten, da sic nur Lerchen v»r- ianden. Die Luttschiiser dürsten aste durch einen Schock beim Ab- snkrz getötet worden sein, so daß die Benziniiammen erst die Leichen ergrissen.
W i e n , 20. Juni Ganz Oesterreich steht inner dem vernichtenden Eindruck der iurchlbaren Katastrophe bei Klein-Schwechat, die namentlich in Fachkreisen Bestürzungen hervorgerusen hat Es ist wohl das erste Unglück dieser Art in der Geschichte der Lust - lchissahrt. Ta» Unglück ereignete sich, wie gemeldet, dadurch, daß der Lenker des Militärdoppcidecker» bei dem Bersuchl, den lstillon zu überfliegen, den Ballon streifte, die Hülle aulriß, woraus die Ervlosion erfolgte. Solche Uebungen werden oft vorgenommen, müssen jedoch mit der grüßten Vorsicht behandelt Iperde». Tenn abgesehen von der großen Bewegung des Lenkballons muß inst der großen Geschwindigkeit des Flugzeugs gerechnet werden Tie IIn- lchädi.ichmachung eines Kriegsbastons enoigt gewöhnlich dadurch, daß sich dieser über das Luitschisi hinausschranbl und von oben Erplosivstofse auf das Luftschisj hinabwirit. Oberleutnant Platz, der Lenker des Doppeldeckers, hatte sich aber wohl in der Distanz verrechnet, er kam zu dicht an das Luitschiss heran, und in, nächsten Augenblick war bie Katastrophe geschehen Unmittelbar nach dem Absturz waren sofort mehrere Sanitätsossiziere der Lostschrsser- abteilung, sowie Erzherzog Karl Franz Joses an Ort und Stelle, doch konnte den Verunglückten keine Hilse mehr gebracht werden, sie waren bereits sämtlich tot.
lieber die Katastrophe berichtet
ein Augenzeuge:
Die Fluqmaschtne und das Luftschifs manövrierten in der Nähe von Klein-Schwechat unqetähr eine Stunde lang und machten verschiedene Uebungen. Bald war der Aerovlan über dem Luft- schiss, bald unter ihm und bald umkreiste er dos Luftlchiss. Plötzlich gegen 10 Uhr trat zum Ennetzen aller Zuschauer aus dem Felde die Flugmaschinc das Luftschrfs in die Seite Eine blitzartige Stichflamme schoß sofort hervor Beide Flugsahrzeuge waren im Ru in Flammen gehüstl und stürzten im nächsten Augenblick zu Boden. Die auf den Feldern beschäftigten Arbeiter eilten sogleich zur Unsallftcstc, wo sich ihnen ein entletzircher Anblick bot. Die Insassen der Lustsahrzcuge lagen bis zur stnkennt- lichken verkohlt auf dem Boden, die Unisormstücke waren in Fetzen gerissen. Die Luftfahrzeuge sind säst vollstänvig verbrannt, die Eisentestc verbogen und größlentests tief in tAc Erde erngr- bohrt. Der Dcnzinbchältcr des Lufllchrsfes hat sich ebcnsatts in den Boden eingegraben. — Andere Augenzeugen berichten, daß sic außer dem Feuerschein einen heftigen Knall wahrgrnommen haben und daß sie entsetzliche Schreie und Hilferufe au» der Gondel des Ballons gehört hatten. Als sie die llnglückssteklc erreicht hatten, waren die Hilferusc verstummt und man fand nur! noch Leichen vor. Das Mstiiärlultschift „Körting-Wim- passing" wurde im Jahre 1910 für die Heeresleitung her-
Lrste internationale Graphische Uunstausstellung Leipzig W 4 .
Die Deutschen.
Leipzig, 18. Juni.
Nachdem die letzten Pavstlons der „Bugra" eröisuet sind, liegt mich ihre größte Sonderausstcstung. die der zeitgenössischen Graphiker die bei ihrer Einweihung nur estien nnterrigen Enidruck machte, in allen ihren Testen vollendet vor uns. Mlik ihr ist deft Schöpfern dieser Ausstellung — der „Allgemeinen Deutschen Kunst- genas, 'enschast" unter dem Ehrcnvorsitz von Karl Koepping und dem „Deutschen Künssterhirnd" inner dem Ehrenvorntz von M. Kl i n g e r - eine völlig neue und n,chl nur in ihren Dimeiiftoneii einzigartige Veranstaltung gelungen. Zum ersten Male haben sich hier die lebenden Graphiker von sännlichcit Landen,, deimchen. europäischen und uutzereuropäischen veneMigr und die ffröbie >^<bnu veranstaltet, die jemals von der anqervandt^n Graphik zusammen- gebracht worden ist.
Erfreulicherweise nimmt in ihr — trotz mancher überragender Einzelleistung des Auslands — als ganzes Deutschland die erste Stelle ein. Die Deutsche Ausstellung umraßl d,c von der „Allgemeinen Kunstgniossenichast". und die vom „Deutschen Künstler- bund" ausgestellten Werke. Im Mittelpunkt ,eder Abteiluiig steht die Ehrrnausstellung des Ehrenvorsitzenden, hier Max Klinger, dort Karl Koepping. Ter „Teuticke Künstlcrbund'' hat ,n lcmen Reihen die glanzvolleren Ramena um so höher ist der vorzügliche Eindruck zu bewerten, den trotzdem die Zrunstq^nol>^nschait hervorruft. Diesen guten Eindruck bedingt nicht so sehr die Ehvenausstel- ;„ng — da üch Karl K o e v p l n g in ihr bauptsächlich in Radie- rungen, die nach alten Meisterwerken angrsenigt >md, und iwm- ort als sclbstschafscnder Künstler zeftft — als dir um sic sich grr-v- pierenden übrigen Aussteller. So fallen gleich in den erzte» salen ein Dutzend Kupferstiche des Müncheners P e t c r .v a l m angenehm auf' prätensivnslosc Arbeiten, aber von feinster, subtilster Technik; in dem Blick auf „Haarlem" ist die weiche, eiwas verschwommene Stimmung, di- über dem holländischen Lande liegt, vorzüglich getrosten, In vielem ihm vcrwaiüü lbcsonders in „Kühe an der Tränkc"i zeigt sich der Düsseldorfer D c l a, o r g u c. Friedrich Kallmorgcn ist mft mehrere» seiner bekannten vamburger Radierungen vertreten und Paul Herrmanns Ruf wirb erklärlich wenn man die stattliche Schau seiner znm Test prächttgen Porttät» passiert. Besonders hervorzuheden sind van ihm noch di« beiden Kaltr-Radcl-Arbeilen „Margot" und die Kirche Santa Maria dclla Salute in Venedig. Franz Sta,sen zeigt mft seinem .Nibclnngenzoklus" bekannte Vorzüge unb Fehler. Aber gerade wenn man diese Darstellung von Wagners Tragödie im Zusamnicichang vor sich hat, wrrd» da» The-tralische. die Sucht
nach Deutung und die Pose störend. Die Berliner Künstler Kapp stein, Langhammer, Roegcls, Fritz Burger und Schultz-Weltel geben in über 50 Bildern einen Ueberblick über das neue Verfahren der Monoiupien. Am bedeuiendste» wirken die Mouoipvien von Kavpstern u. Langhammer. Im Zusammenhang erwähnt seien noch Schic ft l. Schulte im Hofe, Goetzc, Lehde, Hcgenbari und Kaul. Bon den übrigen auch nur die Namen zu mmnen, würde bcrefts viel zu wert führen.
Fast vollzählig hat der „Künstlerbund" seine Korvphäen ins Treffen qeführl Dre Ehrenausstellunq iür Max Klinger steht nicht nur äußerlich im Miitelpunki seiner Wieilung. Aus fast 100 Werken lenchlct uns das (9enic ihre» Schöpfers entgegen. Gewiß wird man manchen von ihnen die sonst schon angedeuietcn Ein- Wendungen wie sucht nach mvstischer Verschleierung, theatralische Wirkung und Pose nicht erivaren können. Aber über allen liegt dock die Künst und die Kraft des Meisters, der alle Bedenken nicder- schlögi und uns in den Bann seiner eigenwilligen Persünlichkeft zwingt. Am stärksten neben Klinger wirkt zweiielsohne F e r d i - nand Hodler mft über 70 zum Teil prachtvollen Zeichnungen und Studien (vor allem: „Ter Frühling"!. Außer diesen beiden Meistern hat man noch Max Slevo gt und Mar Licbcr- m an n eigene Säle eingeräumt. Slevogt zeigt außer einer großen Anzahl seiner vorzüglichen Bildnisse, die neuerdings viel genannten Illustrationen ,u Goethes „Benvenuio Eellinr", einen Zyllus von sechs Steindrucken, Auch seine bekannten Radie rungen, die d'Andrabe als Don Juan wiedcrqeben, sind fast vollständig zur Stelle. Liebermann bewein ft, 50 Lfthographien. Radierungen und Handzcichnungen, die in der Hauptsache aus seiner zweiten, holländischen Hcimai stammen, aufs neue, daß in diesen graphischen Arbeiten seine größte Meisterschaft liegt. L o v i s Co - rinth steuctt mehrere Lithographien, FranzvonStuck vhan- iastische Radierungen bc, und Emil O r l i k dre Früchte seiner italienischen und aftikanischen Reilen Besonders unter den Radierungen auS Asrika sind einige von höchstem Reiz. Baluschek gibt drei starke Talentproben mit seinen großen Zeichnungen aus dem Industriegebiet: Klcin-Dicpoldund Graf K a l ck r e u t h sind mft bekannten Werken vertreten, und Pechsteitls und C a s - vars etwas iraqwürdige Zeichnungen iehlen auch hier nicht. Aus der großen Zahl der übrigen seien noch Fritz Mackensen, Preller, bans am Ende, Ludwig von Hofmanu Otto Grcincr, Ei »-schlag. Grüner, Seliger und Lederer genannt. ^ P. E.
— Gitt« frairzöfische Stimme über Deutlch- lands Ausstieg. In der Zeitschrift „Renaissance" verössent- licht einer der höchsten Beanften der Pariser Stadtverwaltung, Louis Däzhjct. eiuc Betrachtung über die geft'ttgc, wrrtschajttnhe und sozial: EnoviiLiwg Dcurfchiands. Nachdem D-sfin euren
Ueberblick Über die Entwicklung der letzten Jahrzehnte gegeben hat, saßt er sein Urteil wie solgt zusammen: „Deutschland ist stark, in allen Klassen, in allen Aemtern und in allen Verwaltungen auf Grund eines vollkommenen Geistes der Disziplin und des Zu- sanlinenwirkens. Don der Höhe bis zur Diese der sozialen Stusen- Teiter — abgesehen vom Pangcrmanismus und vom Jnteenatio- nalismus — herrscht in allen deutschen Unlettancn des KaiierS ein sicheres und vollkommenes Vertrauen zu den össcntlichen Gewalten. Deuischland ist heule stolz auf Grund einer stacken, klalsischei, und glühenden Vatrttandsliebe. Darum ist der „Wehr- beitrag", die jüngste Steuer sür das beer, von allen nicht als eine neue wachsende Lost, sondern als eine Ehre hingenommen worden. Der Wehrbcitrag wird der Staatskasse lährlich 350 Millionen Mark zutühren: und diese 350 Mftlionen kommen aus wohsgesükl- ten Taschen und Kassenschränken. Seien wir auf der Hut", so schließt der französische Beamte, „denn das wirtschaftliche Vermögen Deutschlands, dos staoiliche wie das private, wächst übermäßig und verleiht allen ein Gefühl des Wohlbenndens, das die Träume von einer größeren, von einer einzigen deutschen Macht bc- günftigt. Wer weiß, vielleicht wird sich gar bald die stolze und schreckliche Prophezeiung erfüllen, die nach Sedan verkündet w»rdc und von manchen dem Prinzen Friedrich Karl, von anderen Bismarck zugkschrieben wurde: „Wrr Deutschen haben Frankreich aut kriegerischem Gebiete besiegt: jetzt müssen wir es aus dem Gebiete der Industrie schlagen und aus dem Gebittc der Finanz verwüsten."
—Das Haus des Rubens. Aus Brüssel wird berichtet: In der Nähe der belgischen Hauvtstadt liegt das alte und schöne Schloß von Steen, das in der Lebcnsgeschichte von Rubens eine Rolle gespielt hat: hier lebte jahrelang der große Mkister mit seiner schönen ,wessen Gemahlin, der Helene Faurment, deren Züge und Gestalt sein Pinsel der Nachwelt mit so meisterhafter Lebendigkeit erholten hat. Bereits vor einiger Zeit wurde angeregt, der belgische Staat möge dieses Landhaus des Rubens an- kausen und in ein Rubens-Museum umwandeln, aber der Plon scheiterte, da die Stätte zu sehr abgelegen erscheint. Das Landhaus liegt inmitten von Fekdern und Wiesen und befindet ssch annähernd noch in demselben Zustande wie ,u Rubens Zeit; der Meister hat »ft Landschaftsbilber der Umgebung geschaffen Im Schlosse sieht man auch noch den Tisch, an dem Rubens oft sernc Freunde vereinigte, und ein Eremvlar der gedruckten Mitteftnng, IN der im Jahre 1636 der Ankauf des Besitztums durch Rubens erwähnt wurde. Nun hat der belgische Senator Bccker-Römy den Landbesitz des Rubens käuftich erworben: der neue Besitzer ist ein eitriger Kunstsreund, und es kann als sicher gelten, daß er der Nachwelt das Rubens-Haus ftn unocräuderten Zustande er» haftc» wftch.


