Nr. 1 ZY
Der «tetzener Anzeiger
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Erstes Blatt
m. Jahrgang
ietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Mittwoch, > 7 . Zuni »tzll
Be,» gSprel»:
monatlich TöPsi, vierteljährlich Mk. 2L0: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Kb Ps.: durch diePost Mt. 2.— viertel» jährl. ausschl. Beslellg. Zeilenpreis: lokal ILPs, auswärts 20 Psenniq. Chefredakteur: AGoetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton', .Vermischtes' und.Eerichts- jaal": Karl Neurath;
_ w für .Stadt und Land":
Bototfon sftnid miö Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- und Steindruckerei kl. Lange. Nedaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulftrahe 7. Anjcig^tell? H? B-L
Me heutige Nummer umfaht 10 Seiten.
Das unterhöhlte Paris.
„Wr leben auf einem, wie von Maulwürfen untcrhöhl- ten Boden", so äußerte der Präfekt des Seine-Departements Telawech, als mau ihn fragte, wie es denn möglich sei, daß in Poris am hellichten Tage, wenn auch bei ernem Unwetter, eine Autoüroschke zehn Meter tief wegsinkcn kann, daß an drei verschiedenen Plätzen der fränkischen Hauptstadt Erdfenksngen austretcn, wie man sie nur bei welterschüt- icrnden Erdbeben zu lesen gewohnt ist. Delaney macht fiir die Pariser Wetterkatastrophe in erster Linie das OKtoirr von .Kanalisationsrohren, Gasleitnngsrohrcn und Druck- lnftrohren vermriwortlich, das in den Boden eingebaut ist, auf dem dreieinhalb Millionen Pariser umherwimmelir Aber wer der eigentliche Schuldige ist, geht aus' den Acnßr- rungrn des Oberrngenicurs der Pariser Untergrundbahn Bien venu hervor, der ebenfalls auf Anfrage sein Gutachten abgab: Eben die Mrtropolitaine, die gute böse Untergrund! Gerade unter jener Stelle, an der die größte Erdjenkung sich ereignete, befindet sich der Tunnel der im Bau befindlichen neuen Linie der städtischen Untergrimd- Iwhu, die voin Opernhaus nach der Porte de Saint Clou führt. Aber auch an den anderen Unglücksstätten bat zweifellos die Unterwühlung durch die unterirdische Bahn zu den erschreckenden Bodensenkungen beigetragen. Paris, das in manchen Dingen, die man im Ausland nicht ahnt, nicht an der Spitz« marschiert, steht mit der Ausdehnung und kühnen Technik seiner Untergrundbahnen an unbestritten erster Stelle. Welch gewaltige Arbeit da von den sran- zöjischen Ingenieuren geleistet wurde, welche Summe von Intelligenz und Energie notwendig war, um dieses Riesenwerk anszuführen, ist wohl schon manchesmal geschildert loordcn. Aber von den Gefahren, die dieses unterirdische Verkehrsmittel für die oberirdische Verkehrssicherheit her- beisühren kann und schon wiederholt herbeigeführt hat, ist fast nie die Rede. Erinnert man sich noch der Hochwasserkatastrophe des Jahres 1910? Auch dennals spielten die Untergrundbahnen eine unheimliche Roste, und die sach- männische Untersuchung, die dann ziemlich geheim gehalten wurde, schreibt ihnen die .Hauptschuld an der Verbreitung der IlLberschtvrmmungen mid an der Bodcnlockerung zu .
Pie drei besonders gefährdeten Bahnlinien sind die Nordsüdbahn, die unterirdische Strecke der Westbahn, die vom Jnvalidenbahnhof ausgeht, sowie die Strecke der Orlcansbahn, die auf dem Bahnhof Quai d'Orsay entspringt.'Die letztgenannte Strecke z. B. liegt unter der Seineuserstraße und und besitzt große Fensteröffnungen nach dem Strome hin. Dort drang damals das Wasser ein und überschwemmte die ganze Bahn mit den Bahnhöfen teilweise bis zu 7 Meter höhe, durchbrach schließlich die Tunnelmauern und überflutete die benachbarten Straßen. Durch Vermittlung der Nordsüdbahn wurde sogar der Stadtteil am Bahnhof Saint Lazare, der üöer 1 Kilometer weit von der Seine abliegt, unter Wasser gesetzt. Diese Ueberschwemmung ist diesmal nur deshalb nicht eingetretcn, weil die Seine noch nicht so hoch wie damals anschwoll. Aber die Wassermassen, die diesmal mit furchtbarer Gewalt von oben aus den unterhöhlten Boden der Stadt Paris eindrangen, haben eine neue, nicht mindev schwere Gefahr ausgeüeckt: Im Pariser Untergrund befinden sich nämlich Steinbrüche zur Gewinnung von Kalk und Gips, die in früheren Jahrhunderten angelegt, dann mit der
Zeit verlassen wurden und zum Teil verfielen. Besonders auf dem Südring des Metro liegen solche alten, schlecht ausgefülltcn Steinbrüche mit leeren Räumen, sogenannlen „Glocken", die durch Verwaschungen hervorgcrusc» waren und bisweilen eine höhe von nahezu 17 Metern erreichten. Beim Bau der Stadtbahn süllle inan diese „Glocken" »ach allen Regeln der modernen Technik aus, aber seit dem Beginn des Baues im Jahre 1898 haben sich doch wieder Senkungen und Rutschungen ergeben, die bei außerordentlichen Witterungsverhältnissen zu Katastrophen führen. Aber auch ganz abgesehen von diesen aufgefüllten Höhlungen ist ja ganz Paris durch seine unlerirdischen Bahnen derart unlcrwühlt und unterhöhlt, daß alle Loblieder auf die Zuverlässigkeit der modernen Tiefbautechnik die Angst und den Argwohn nicht zerstreuen können. Neun Millionen Kubikmeter Erdmasse, d. h. etwa die volle Ladung von 900 großen Ozcandan pfecn, sind bis jetzt unter dem Niveau der Stadl Paris hcrausgeholt worden. Wollte man diese Erdmassen, zu Steinen gebacken, in Pyramidenform ausschichten, so wäre die höchste ägyptische Pyramide noch um */io ihrer Größe überragt. Und nun denke man sich, daß der Pariser Metro sich nicht nur neunmal mit anderen Linien und siebenmal mit der Seine kreuzt, sondern daß auch die Riesennetze der Wasserlcitungsrohre, der Gasröhren und der elettrischen Leitungsdrähte damit konkurrieren und kollidieren, und man hat das atemraubendo Gesamtbild eines Vulkans, auf dem' der Pariser tanzt. Wie ist diesem ärmsten aller Weltstädter zu Helsen? Der Seine- präsekt Herr Dclaney sagt: Indem man die viel zu enge und schwere Bebauung der Stadt erleichtert, die Fortisikationcn beseitigt, das Zenlrum entlastet und aus diese Weise den Parisern Ramn und größere Sicherheit gibt. Andere Riesenstädte werden sich an Paris ein Beispiel nehmen müssen.
Paris, 17. Juni. Infolge der letzten Unwetter bildete sich ein 5 Quadratmeter großes Loch von zwei Metern Tiefe ans der Place de Jena über den ArbcitenzurUntergrundbahn. Zwei andere Erdeinstürze wmrden an der Wegekrenzung der Glnck-Halevy- straßc und an der Place de Rome festgestcllt. Die technischen Beamten versichern, daß keinerlei Gefahr bestehe.
Erfolgreiches vebut Vivianis.
So gründlich das Eintagsministcrium Ribot in der Kammer dnrchsicl — so großen Erfolg hat gestern das neue Kabinett Viviani gehabt. Dem neizen Ministerium ist von her Kammer das Vertrauen mit einer Meyrheit von 233 Stimmen ausgesprochen worden. Nach lebhafter Aussprache wurde die folgende von Breton Treygnier und Genossen im Namen der Radikalen, der republikanischen Sozialisten und der übrigen linksrevnblikanischen Gruppe eingebrachte Tagesordnung „Die Kammer spricht der Regierung das Vertrauen aus, in der »eberzeugung, daß diese aus der Einheit der Republikaner beruhende Politik der Reform betätigt und sich aus eine ausschließlich republikanische Mehrheit stützen wird" mit 370 gegen 137 Stimmen angenommen. <Leb- hastcr Beifall aus den Bänken der Republikaner.)
Die Regierungserklärung.
Paris, 16. Juni. Svsort nach Erösfnung der Sitzung besteigt der Ministerpräsident Viviani die Tribüne um die Programm-Erklärung der neuen Regierung zu verlesen. In der Erklärung sagt die Regierung, daß sie ihre Autorität nur gut eine ausschließlich republikanische Mehrheit stützen will und weigert sich, direkt oder indirekt die Unterstützung der reaktionären Parteien anzunchmen. Sic versichert, daß ihr nächstes Wirk die Anleihe sei. die noch vor dem Budget genehmigt werden müsse. Dann aber werde sie von dem Senat über die Vorlage, die bereits von der Kammer angenommen worden sei und eine provisorische Steuer
aus das Gesamteinkommen fordert, abstinunen lassen und den Senat gleichzeitig bitten, diese Vorlage s» das Finanrgesetz von 1914 einzusügcn. Tie Regierung beabsichtigt, in das Budget für 1913 eine provisorische Steuer auf das Kapital miszunchmcn.
Zu der auswärtigen Politik übergehend, erklärt die Regierung, daß es eine ihrer höchsten Pflichten sei, die seit Jahren von der Republik verfolgte auswärtige Politik beharrlich sort- zusctzen. Wir werden uns bemüben, heißt es dann wörtlich, die Allianz tvciter zu entwickeln, welche fruchtbar war in glücklichen Ergebnissen, welche die Probe der Zeit bestanden l>at und die Sympathie der zwei vereinigten und dem Frieden ergebenen Völker besitzt. Wir werden das vollkommene Einvernehmen sottsetzcn, das uns mit einer großen benachbarten Macht verbindet und das in ostentativer Weise bei dem Besuche des englischen Königspaares in Paris von neuem geweiht worden ist. Wir werden unsere guten Beziehungen mit hm übrigen Regierungen sottsetzcn. Frankreich zieht aber seine Macht nicht allein aus dieser Allianz und diesem Einvernehmen, sowie aus diesen guten Beziehungen, sondern aus sich selbst. Das Parlament hat am 7. August 1913 ein Gesetz beschlossen über die Verlängerung der Militärdien st - zeit. Die Verhandlungen darüber waren heiß und lang. Aber das Gesetz ist angenommen ivordcn. Es genügt jedoch nicht sür sich allein zur Sicherung der »alionaltti Verteidigung. Tie Regierung wird in kurzer Zeit eine Reibe von Gesetzentwürfen einbringen, deren wichtigste sich ans die militärische Vorbereitung der Jugend und aus die Neuorganisation der Reserven bezieht. Erst wenn diese Gesetzentwürfe vom Parlament angenommen und in der Praxis durchgesührt sein werden, erst toenn ihre Anwendung ihre Nützlichkeit ergeben hat, wird die Regierung unter Berücksichtigung der gewonnenen Erfahrungen und der Notwendigkeit der nationalen Verteidigung eine teilweise Erleichterung der Militärlasten Vorschlägen können. Bis dahin wird die Regierung sich unter der Kontrolle des Parlaments aus eine strenge und loyale Anwendung des Gesetzes beschränken.
Vie Verteidigung von Durazzo.
Wien, 16. Juni. (W. B.) Nach einem gestern abend in Durazzo aufgegcbcnen Telegramm wurden die Ansständi- schcn auf der ganzen Linie'geschlagen und erlitten ungeheure Verluste. Ter österreichische Admiral landete zum Schutze der deutschen Gesandtschaft und des Hauses dcS Internationalen sKontrollausschusses Matrosen.
Durazzo, 16, Juni. (Durch Funkspruch von _ dem csterreichisch-ungarischen Kreuzer „Szigeivar".) Der gestrige Kampf begann, wie ergänzend gemeldet wird, damit, daß starke Abteilungen der Mfständischen die Vorposten bei der 10 Kilometer nördlich gelegenen Porta Romana und bei der drei Kilometer entfernten Brücke überrumpelten und bis nahe an die Stadt vordrangen, wo ihnen Gendarmen, Mirditen und Malissoren entgegentraten. Hier begann der Gewehrkampf um 4.45 Uhr, in dessen Verlauf durch ein gut genährtes wirksames Gcschützfcuer der Regicrnngs- truppen die Aufständischen gegen die Hü.-'^l- kette zurückdrängten. DerFürst ritt die ganze Feuerlinie ab. Die Verluste beider Parteien sind groß, besonders die den Ausständischen durch das Geschützfeuer zugefügten.
Ergänzend wird noch über die Kämpfe vom Montag gemeldet: Der erste Angriff erfolgte aus der ganzen Linie längs der Sümpfe. Oberst Thomson ließ sosort die Vett'chanzungen besetzen und das Geschlissener eröfsnen. Um 5 Uhr morgens überschritten die Aufständischen die Brücke über die Lagune und grissen die Stadt gleichzeitig von den Hügeln her an, welche sie vssenbar schon des Nachts besetzt hatten. Um 5.45 Uhr begab sich der Fürst in Begleitung des Hosmarschalls v. Trotha, Ehrem Beys und Libohows zu Pserde nach der Kaserne, in weicher gerade die lettzcn Malissoren sich zum -Kampfe rüsteten, und dann zur Geschützstellung am Rande der Stadt, wo er die letzte Vetteidigungslinie vorbcreittte. Als
Der iünftliche Schachspieler.
Es blieb dem Genie eines spanischen Ingenieurs Vorbehalten, ein Wunderwerk raffiniert ausgeklügelter Technik zu schassen, rcric wir es in dem automatischen Schachspieler des Madrider Er- sindcrs L. Torres y Qucvedv vor uns sehen. Der stolze Romane mit dem klangvollen Namen ist keineswegs ein armer unpraktischer Phantast, wie leider so viele „Grübler von Geistesgnaden", sondern eine auch im Auslände wohlbekannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, Direktor des berühmten „Automatischen Laboratoriums in Madttd und Mitalicd der spaniscknm Akademie der Wiyemckmsien. Torräs n Qnevedo lenkte zuerst vor dreißig Jahren die Blicke der wissenschostlichen Wett und besonders der Mathematiker an, sich, als er eine höchst ingeniöse Maschine konstruierle. die algcbranche Gleichungen automaiisch löste: wer sich aus seinen Pennater-
fahren den verzwickten Formeln dieser „math-ematnchm Ungeheuer erinnert, wird gebührend zu schaden wwen. welchen Aufwand an Scharfsinn eine derartige Erfindung vcttangt.
Ucbcr die Erfindung des „künstlichen Schach,pitters berMcn wir Ner auf Grund einer ansschenerregenden wissen,chasitichen Konferenz, die unlängst in der Pariser Sorbonne stattnmd und zu der von dem Ersinder selbst eine detaillierte Beichrclbung und Erklärung des ausgestellten Apvarates gesandt Warden war. ver außerordentlich komplizierte Automat zeigt ein Schachbrett mit den üblichen Figuren. Sobald man auf der emen Seite, ,agcn Nur , B. mit dem weißen König, eine regelrechte Kampagne crotwet, antwortet der Auwmat auf jeden Zug mit einem enyvrechenden Gcgenzug der schwarzen Figuren. Noch mehr! Verletzt der Pattner ttne Spielregel (und diese sind, wie ,eder «ckmchsvicler weiß, nickt gerade sehr einiachi, so protestiert der Gegner all,»gleich, indem er eine elektrische Lampe anzündei und ,ttne Figuren un- beweglich stehen läßt. War im Gegenteil der Zug dem «chachcode Gnform ° erfolgt sosort die Antwort Es kommt aber noch beffe? Ö°t man im Laufe des Spiels drei falsche Zuge cwtan ch erbebt der Automat einen „Generalprotest" d. h. « „nnrd bose- und Vielt überhaupt nicht mehr: man mag seme eigenen Figuren GGe bewegen, wie man will - der kunnl.che Schach,v>eltt uns m-mmüber bleibt stumm. Es bedatt einer bewnderen. durch eine Gereiche Mechanik vermittelten Einladung um deu.Verrn Partner ^ S Partie zu veranlassen. Sobald diese „Einladung"
übermittelt ist, siebt t*r Wackere seine im Kampffelde ,lebenden ^mnen zurück. löscht die „Protestlampen" aus und begwn auis neue.^Unsertti Spiclzügen seine stets korrekten Gegenkombmatwnen
lum^erstenmal Piescn Apparat, der einem -wangs gar Mrfmmt spielen sieht, kommt mrt Recht aus dem Ä ' Indes begreift man bei einigem Nack- D«6 ta'suwintt keineswegs mit Hilfe unbekannter und
lunkontrollierbarcr „Hexenkünste" arbeitet (oder daß gar Schwindel im Spiele sei, wie bebaupttt worden ist!), sondern daß er seine verblüffenden „Fähigkeiten" einzig und allein der konseanenten. zugegeben rafffniert angestellten Durchführung technischer Kunst- gttsfe verdankt. Der Ersinder selbst hat ihn als Musterbeispiel gebaut für die von ihm vettrctene These, daß in weit höherem Maße, als es heute gemeinhin angenommen wirb, die menschliche Denkarbeit durch billiger und unfehlbar arbeitende automatische Maschinen ersetzt werden könne.
vergiftete väume.
In den Straßen der Stadt findet man zuweilen Bäume, die nicht recht gedeihen wollen, während ihre Nachbarn gesund grünen, ohne daß in ihren Lebensbedingungen ein Unterschied zu erkennen wäre. Ojsenbar sind sie krank, und wenn man siebt, daß die Blätter nicht die richtige Größe erreicht haben, nach den Rändern zu bräunlich vcnärbt und am Rande vettrocknct sind, kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß diese Bäume vergisttt sind. Um was sür eine Bergistung handelt es sich dabei? Daß böswillig qii't- sige Chemikalien aus den Nährboden dieser Bäume gebracht sind, ist kaum anzunehmen, und der Uebeltäter ist in Wahrhttt last immer die Gasleitung.
Paul Ehrenberg hat süngst über bie Gasvergiftung bei den Bäumen der Straße Untesiuchungen angestellt, und deren Ergebnisse teilt die „Naturwisscnschattlichc Wochenschrift" letzt mit. Am Boden bemerkl man gewöhnlich keinen frischen Gasgeruch: entnimmt Man der Erde bei den vergisteten Bäumen icdoch eine Probe und bewahrt diese längere Zeit in einem dicht geschlossenen Gtas- gesäße aus, so bemerkt man schließlich einen schatten Geruch, der an Leuchtgas cttnnert. Die chemische Untersuckmng der Erdproben sührt dann den Bewtts dafür, daß es sich wirklich um Gasvergiftung bandelt. Ebrenberg hat maffenhaftes Eiscnorvdul in den Erdproben sestgestellt: es mußten also im Boden Redut- IwnSvorgänge stattgesunden haben, ein Zttchen, daß seine Beschaffenheit sür das Wachstum ungünssig war. Für Lenchtgas- vergiltung sprach außerdem der Umstand, daß Schweselvcrbin- dungcn im Boden auftraten: doch sonnten tiiefc auch ans den Ka- nallsationsleitungen stammen. Daß aber die Schädigung wirNich durch Leuchtgas verursacht war, bewies der Nachwtts von Acetylen im Boden, der Ehrenberg gelungen ist. Im Leuchtgase smdet sich dieses Gas allerdings nur in sehr gettnger Menge (0,06 Proz.), doch lassen sich durch sttne rote Kupferverbindung geringe Spuren Nachweisen iangcblich bis zu 0,005 mg). Man übergießt dazu die Erdvrobe mit konzentrierter Kochsalzlösung, verjagt das Azttylen durch langsames Erhitzen, NN» treibt es in eine Vorlage, die Mit ammoiiiakali,cher Kupserchlorürlösung beschickt ist oder durch
ttnen Wattebausch, der mit der Kupscrlösung getränkt ist: dann särbt sich die Watte durch die Reaktion rot. :Bc, den Untersuchungen an vergisteten Bäumen in der Theatettttaße in Hannover wurde die durch die chemische Bodenuntersuchung ermittelte Gasvergiftung dadurch bestärigt, daß eine schadhafte Stelle an der Gas- ltttung entdeckt wurde. Dabei zeigte sich, daß nicht nur Gas- Itttungen, die in nächster Nähe der Baumwurzeln liegen, sür die Bäume gejährlich werden können: in dem untersuchten Falle lag vielmehr die Rohrleitung in der Mitte der Straße unter dem Fckhrdamm, und das Gas, das durch die dichte Straßendecke nicht hatte entweichen können, hatte sich seitlich ausgebrtttet und daber die Wurzeln der zunächst stehenden Bäume erreicht, um dann durch die Erdscheiben der Bäume und das neben diesen bttindliche Klcin- pslaster nach außen zu gelangen. Die Schädigung der „Vergit- tung" düttte aus verschiedenen, znsammenwirkenden Ursachen beruhen: außer der echten Gistwirkung des Kohlenoxyds, des Aethy- lcns und des Azetylens kommt auch die Entziehung des Sauer- stojscs uick die Unterdrückung des nützlichen Bakterienlebens in Frage.
— Menschenrassen des Niltals. Ans Frank- surt a. M., 16. Juni, wird uns geschtteben: Gelegenheit zu belehrenden Beobachtungen wollte Carl Marauardt geben, als er Bertttter aller das NUtal bewohnenden Menschenrassen nach Deutschland brachte. Noch niemals vorher ist in dieser Weise an lebenden Menschen der Beweis erbracht worden, wie der Bcherrschrr der Welt in Gestalt und Hautfarbe eine Veränderung durchmacht, je näher dem Aeauator er seinen Wohnsitz ausschlägt. Allerdings bedurfte es des Einslusscs vieler Jahrtausende, um das Ergebnis zu »eiligen, das uns in der Gegenwart oorliegt. Selbst dem Gelehrten, der jene fernen Gegenden zum Gebitte sttner Studien sich erwählt, ist eine so umsassende Gelegenhttt zu Beobachtungen nicht geboten, denn immer nur an einzelnen Otten hat er sttn Stichienmaterial vor sich, während es sich hier gesammelt aus einen Blick dem Beschauer darbietet. Aehnclt die uns von den Wandmalereien der alten Egypter her bekannte Gestalt der Fellachen noch sehr der der europäischen Menschenrassen und finden wir unter den Bischattn noch manche geradezu prächtig gebaute Gestalt, btt der nur der schwach entwickelte llnterarm und die dünne Wade weniger angenehm auffällsi so erinnert die Figur der Dinkaneger geradezu an gewisse, sumpfige Gegenden bewohnende Stelzvögel, mit denen sie den langen Hals, die dünnen Beine und den gemttsrnen, stelzenartigen Gang gemeinsam haben. Wie diese Vögel, so stehen auch die Dinka häufig längere Zttt aus einem Bttn, aus das sic das andere im Winkel anlchnen.


