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erster Blatt

164. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dienstag, *6. Zuni I9tf

Das Ergebnis von Konstanza.

Blumen, nichts als Blumen", klagte der Schmieren­direktor, als dem Mimen bei seinem Benesiz nur Kränz« ge­stochten trmrden. Trinffprüche, nichts als Trinksprüche! wird vielleicht Zar Nikolaus seufzen, wenn er die Bilanz des Be- suches zieht, den er dem König von Rumänien in Konstanza und der Minister des Auswärtigen Sassonow seinem Kollegen in Bukarest abgestattet hat. Insonderheit die französische Presse hatte kühne Hoffnungen auf den Der- laus dieser Zusammenkunft gesetzt, und sie hatte, soiveit ihr die chronische Kabinettskrisis dazu Zeit lieh, große poli­tische Wandlungen, den endgültigen Uebertritt Rumäniens zur Tripelentente »orausgesagt.

Nun, damit ist es tvieder einmal nichts, und die Trinksprüche, welche in Konstanza zwischen dem Zaren Nikolaus und dem König Carol gewechselt wurden, bieten nur einen sehr mageren Trost für das Ausbleiben jeglicher politischen Abmachungen. Es ist in diesen beiden Sprüch­lein, die zweifellos sehr warm gehalten sind, viel von der gegenseitigen Freundschaft die Rede, aber man braucht wirklich fein Silbenstccher zu sein, um zu erkennen, daß des Zaren Nikolaus Sprüchlein erheblich wärmer und daß sein Freundschastsbedürfnis wesentlich stärker ist. Bon dem Strom der Sympathie, der die russischen Herzen unseren rumänischen Freunden zusührt", und von derSolidarität dieser Interessen" hat nur der Zar gesprochen, während König Carol sich auf die Feststellung beschränkte, daßdie ausgezeichneten Beziehungen" zwischen den beiden Ländern noch sester gestaltet" würden. Auch schlug der Könitz von Rumänien alsbald einen Ton an, den die internationale Diplomatie wie die Nationen gern hören werden, indem er die ausgesprochen friedliche Politik Rumäniens in sehr be­merkenswerter Weise betonte. Es war gewiß auch ein sehr feiner Zug, daß er zu einer Zeit, wo die krampfhaften Rüstungen Rußlands ernstliche Beunruhigung erregen, den Zaren Nikolaus daran erinnerte, daß ereinst im Mai" die Haager Friedenskonferenz ins Werk setzte. Me Empfindung ist heute allgemein, daß die in Rußland betriebene pansla- vistische Politik alles eher als friedlich ist, aber Zar Nikolaus stimmte nichtsdestoweniger in das Lob König Ca- rols auf die heilsamen Wirkungen einer friedlichen Poli­tik ein. Wie das in Trinksprüchen so üblich ist!

Aber noch einige weitere Bemerkungen der ibieideu Trink­sprüche geben zu einer kritischen Betrachtung Anlaß. Zar Nikolaus behauptete, daß die Freuichschast zwischen Rumä­nien und Rußland den historischen Uebcrliefcrungen ent­spreche, und er konnte sich allerdings hierbei darauf beru­fen, daß König Carol vorher von derrumänisch-russischen Waffenbrüderschaft" aus den Schlachtfeldern Bulgariens ge­sprochen hätte. Wenn die beiden Monarchen schon an die Er­eignisse von 1877/78 erinnern, darf man doch nicht mit einigen Redensarten darüber hinweggehen. Als Rußland damals den Krieg gegen die Türkei vom Zaune brach, be­nutzte Rumänien die Gelegenheit, um die Unabhängigkeit des Landes von der Türkei zu erklären, indem es zugleich den Russen die Hilfe Rumäniens gegen die Türkei anbot. Diese wurde von Rußland zunächst hochmütig abgelehnt, aber nach den Niederlagen von Plewna kamen die Russen als Bittsteller, und sie ivurden denn auch von den Rumänen heraustzehauen. Der Dank vom Hause Romanow bestand darin, daß Rußland Bessarabien, dessen Verlust die Rumä­nen heute noch nicht verschmerzt haben, an sich riß und diese mit der lvcrtlosen Tobrudscha abfand.

So sah die russisch-rumänische Waffenbrüderschaft aus, und schon diese Erinnerungen dürften die Rumänen davor

Sarah und Edmond."

MaU schreibt ims aus Paris:

Ein modernes Märchen mit beliebigem Ausgang. Schauplatz der Handlung: Paris. Personen: Die berühmte Sarah und der ebenso berühmte Edmond, ein Kadi am Seinetribunal, ein Film- Iintcrnchmcr, viele Zeugen und noch viel mehr Volk Zeit: Juni 1914. Inhalt: Es waren einmal zwei Königskinder der Kunst, die ewig junge, schöne Sarah nnd der noch gar nicht so alte Edmond. Beide dienten mit gleicher Hingebung derselben l-ohcn Göttin, einer Märchensee, die gehörige Ansprüche an ihre Ge­treuen stellte, dajür aber auch mit Perlen und Diamanten, Orden und Taulendsrankenscheinen nicht kargte. Im großen nnd ganzen war der Voialleirdienst recht lohnend und angenehm und. was wichtig erschien: man vertrug sich brillant. Kaum hatte der ritterliche Edmond eine neue Uebcrraschung znm Amüsement der Göttin erdacht, so eilte auch schon die nicht minder crsinderische Sarah herbei, um diesurprws agröable" in der graziösesten Manier darzubieten. So vergingen die Jahre, und alles wäre wohl ewig so schön geblieben, wenn nicht urplötzlich ein böser Zauberer den Frieden gestört hätte. Dieser finstere Gesell, der schon lange aus das Glück der erfolgreichen Sarah neidisch war. erdachte eine neue Art von Amüsement, die es dem stets ein bißchen sensationohungrigen Edmond crmöglichie, die Göitin ohne Beihilfe der bewährten Gesädriin ,n unterhalten. Lange wider­stand der Ritter der Versuchung, aber schließlich erlag er ihr doch, batte ihm nickst der Zauberer einen dopvelten und dreifachen Ersolg bei der Göttin in Aussicht gestellt, Mld viel mehr Ruhm, Reichtum und Ehren als bisher? Da ging er hin und verschwor sich mit Leib lind Leben den dunklen Mächten, ohne auch nur daran zu denken, daß er einstmals der schönen Sarah das seier- lichc Berspr»hen gegeben hatte, nichts ohne ihre Mitwirkung bei der hohen Gebieterin zu unternehmen. Mescr schnöde Treu- bruch trug sich in den jüngsten Zeiten zu. Nun hat sich die auss schwerste gekränkte Sarah an den Kadi gewandt, damit er den losen Edmond an seine Pflicht erinnere und ihm einsach verbiete, sich im bosdrenste fremder Künste zu bedienen. Wie das Urteil des Richters ansfallen wird, wer weiß? In jchcm Falle Hai die Göttin den Dingen freien Lauf gelassen und gedenkt erst nach be­endigter Affäre ihrem allerhöchsten Gefallen oder Mißfallen Aus­druck zu geben. Paris aber, wo sich das tragikomische Märchen zugetragcn hat, ist um einen neuen, sensationellen Theaterskandal reicher indem -Sarah Bernhardt Herrn Edmond Rostand, Ver­fasser des seit Jahren Riesenerfolg tzcspielten MamasL'Aig- lon", voriger Tage vor das Seinetribunal zitierte, damit der Kadi dem goldhnngrigcn Bühnendichter verbiete, sein in Paris

bewahren, ihr Land zu einer russischen Satrapic zu detzra- dieren. Gewiß dar! man sich der Tatsache nicht verschließen, daß Rumänien ebenso wie die Türkei heute nicht mehr wie früher als Anhängsel des Dreibundes gelten können, und die den Fehlern der österreichischen Politik zu ver­dankende Abschwenkung Rumäniens muß nun einmal in das Debetkonto gebucht werden. Doch von der Politik der freien Hand, die Rumänien zu seinem Leitsatz erhoben l>at uud der es die führende Rolle aus dem Balkan verdankt, bis zur Erfüllung der ungeniert von russischer Seile ausge­sprochenen Hoffnungen ist ein Schritt, den weder Könitz Carol noch sein dereinstiger Nachfolger machen ivird, selbst wenn sich die anscheinend gescheiterte Verbindung zwischen dem Sohn des rumänischen Thronfolgers und der Prin­zessin Olga zum Schluß doch noch verwirklichen sollte. Die verantwortlichen Politiker werden immer nur eine rumä­nische Politik treiben können, und diese wird sich den un­verhohlen auf die Oesfnung der Dardanellen gerichteten russischen Plänen widcrsetzcn müssen.

Aber wie wenig auch in Konstanza die russischen Blü­tenträume gereist sind, so wird es doch immerhin der angestrengten Aufmerksamkeit seitens der Diplomatie des Dreibundes im allgemeinen und der der Donaumonarchie im besonderen bedürfen, um zu verhindern, daß das noch immer im Spange befindliche Berwechselt-verwechselt-das- Bäumelein-Spiel auf dem Balkan man denke nur an die sich nsteder zusprtzende albanische Krisis, an den grie­chisch-türkischen Konflikt, an die griechisch bulgarischen Rei- düngen nicht noch weitere Abschreibungen von dem Konto des Dreibundes erforderlich macht.

Die Trinksprüche.

Konstanza, 16. Juni. Bei dem gestrige» Galadiner in der königlichen Residenz brachte König Karol folgenden Trnik- jpruch ans:

»Mit aufrichtigster Freude begrüße ich die Ankunft Eurer Majestät und Familie auf rumänischen Boden. Wir erblicken i» dem glücklichen Ereignis einen neuen Beweis für die Gxlnhle der Freundschaft, welche Em. Majestät mir seit lange» Jahren in so rührender Weise bewiesen habe::. Die Erinnerung an die Huld nnd die Herzlichkeit Ew. Majestät gelegentlich meiner Reste a»i rnssischem Boden bleibt unauslöschlich. Ebenso

werde ich den Besuch der kaiserlichen Flotte in dem Halen von Konstanza und den Besuch des Grostlürstet, Nikolaus Michailowitsch nicht vergessen, aus dessen Händen ich den M a r s ch a l l st a b der russischen Armee empfing als ein Zeichen des Gedenkens an die Wassendrüdcrschast ans den Schlachtirldern Bulgariens unter der Regiernng von Eurer Majestät erhabenem Grobvater, Diese kost­baren Pfänder des Interesses nnd der Sympathie für Utis können in allen rumänischen Herzen nur erhöhte Freude wecke» und in dem meinsgen besonders erhöhte Dankbarkeit, können nur dazu beitrage», die ausgezeichneten Beziehungen, die zwischen Rußland imb meinem Lande so glücklich angeknüpft sind, noch fester zu gestalte». Ew. Maje­stät edle und hochherzige Initiative zur Errichtung der Haager Friedenskonierenz iil ein sicheres llnlervsand dafür, daß Ew. Majestät die Dienste würdigen, die Rumänien der Sache des euroväischen Friedens ivährend der Ereignisse leiste» konnte, welche sich im Jahre 1913 aus der Balkanhalbmsel abspieste». Tos be­ständige unverrückbare Ziel Rumäniens tst es, durch ein stabiles Gleichgewicht herzlickie Beziehungen zwischen alle» Balkan­staaten »nd zur Erhaltung eines wohltätigen Friedens beiz,, tragen, der alle,» es diesen Staaten gestatten kan», die Wohlsahrt z» verwirklichen, nach der sie streben. Ans innerstetn Herzen heiße ich Ew. Majestäten willkommen »»d danke dem Kaiser für alle die huldvollen Ausnierksanikeiten gegen­über meinem Lande, welches sich vollkommen de» heißen Wünschen anschließen wird, die ich hege für Ew. Majestät persönliches Glück nnd sür das Em. Majestät erhabener Familie, snr die Wohlsahrt Ihres große» Reiches und snr die lapsere kaiserliche Armee mit der mich so viele teure Erinnerungen verbinden. Es lebe seine Majestät,

dem Sarah-Bernhardt-Thcater einzig und allein überlassenes Stück einem Kinokonsortium zur gleichzeitigen Ausbeutung ab- zugebcn. Das Urteil jn dieser heiklen Angelegenheit, das eine brennende moderne Frage (Urheberschutz und Kino!) sür die größte Theaterstadt der Welt zur Entscheidung bringen wird und so auch in Deutschland iMeressieren dürste, soll noch im Lause dieses Monats erfolgen. Einstweilen ist Herr Edmond Rostand, ivcnn er aus seinenCinemo-Absichten" besteht, mit einer Strafe von 1000 Franken proVorstellung per Film" bedroht. Wie inan hört, wird er sich diesen Luxus einiger braunen Lappen mit Ver­gnügen leisten und der hohen Muse einen jedenfalls nicht alltäg­lichenTheatersilm" bescheren. DaL'Aiglon" seit der Premiere im Jahre 1900 seinem Antor allein für Paris den hübschen Be­trag von genau 520 000 Franken Tantieme eingebracht hat, darf der jetzige Prozeß schon etwas kosten. Sarah Bernhardt aber, die in unvergleichlicher Künstlerleistung die Hauptfigur desAig- lon" geschafsen und Rostand zu einem der größten Erfolge seiner Laufbahn verholsen hat, schmollt uns scheint: mit Recht!

Das Schinkel-Museum der Königl. Technischen Hochschule zu Charlotienburg, das den weitaus größten Teil des künstlerischen und handschriftlichen Nachlasses des großen Meisters enthält, bereitet eine Veröffentlichung der,Briese. Tagebücher und andern Niederschristen Sckfinkels vor. Alle Besitzer von Manu- skrivtcn Schinkels irgendwelcher Art werden höflich gebeten, ent­weder die Originale dem Schmkel-Mlusenm, zu Händen des Vor­stehers, Geheimen Regierungsrats Prof. M. G. Zimmermann, leihweise zur Wschrist möglichst bald zu übersenden oder eine buchstabengetreue Kopie einzuschicken. Es wird gebeten, dieser Notiz durch Nachdruck eine möglichst große Verbreitung zu geben.

kos. Farbe und Geruch der Rosenblüte. Nun blühen sie wieder auf, im lleinstcn Gärtchen wie im stolzesten Park, unsre Rosen, leuchtend und duftend, ihre Umgebung ver­zaubernd und die Mcnschenherzen bezaubernd. Und mit viel Ge- sühl sogt man allerorten:Noch sind die Tage der Rosen!" Ist es da nicht beinahe prosaisch, ja profan, wenn man, statt sich einfach all dieser Pracht zu freuen, neugierig ftagt: Woher kommt es, daß die Mose so herrlich duftet und woher hat sie ihre schöne Farbe? Nein, so schlimm ist die Sache nicht; des­halb brauchen wir uns die Freude nicht verderben zu lassen, und wenn wir dabei auch ein Rvsenbsättlein abreißen mid unters Mikroskop legen müssen was schadet das? Wir sehen dasür etwas ganz besonderes; wir sehen nämlich, wenn wir eine rote Rose benützen. Wie da alle Zellen von einem schönen roten Saft erfüllt sind, und da -und dort können wir auch beobachten, twe

Kotier Nikolaus und Jl>re Majestät die Kaiserin Alexandra Feodorownal*

Ter Zar antwortete auf den Trinkspruch des Königs von Rumänien soltzcndes:

Die herzlichen Worte, mit denen .Ew. Majestät uns soeben aus rumänischem Boden willkommen hießen, haben mich lief ge­rührt. Dank der ftcundschaftlichen Traditionen, welche unsere beiden Länder immer vereinigten, wurden die Bande, welche uns verbinden, durch die ruhmreichen, gemeinsamen Erinnerungen und die aufrichtige persönliche Freundschaft noch fester geknüpft. Ich bi» glücklich, heute den Wunsch verwirklicht zu selfen, den ich seit langer Zeit hegte. Ew. Majestät in Ihrem eigenen Lando mündlich meine herzlichen Gefühle ausdrücken zu können, die ich sür Ew. Majestät emojinde. Unter der Acgide Eiv. Majestät hat Rumänien einen bemerkenswerten Ausichwung genommen, und eine hohe Entwicklungsstufe erreicht. Nirgends konnten die er­langten Erfolge aufrichtigerer GenugNiung begegnen als in Ruß­land, wo man von jeher gewohnt war, an den Geschicken der Nach­barländer gleichen Bekenntnisses lebhaften Anteil zu nehmen. Bon diesem Shmpalhicstrom, der ganz natürlicherweise die russischen Herzen unserem rumänischen Freunde zusührt, haben sich der Prinz und die Prinzessinnen von Rumänien vcrsönlich gelegent­lich ihres Besuches vergewissern können, den sic uns abstatteten und der uns so grofje Freude bereitet hat. Sich stützend aus die gegenseitige Sympathie der beiden Völker, entspricht die Freu n d- schuft zwischen Rumänien und Rußland gleichzeitig den histo­rischen Traditionen und Interessen der beiden Länder. Ich sehe zu meiner großen Freude in der Solidarität dieser Inter­essen ein Unterpfand für die glückliche Entwicklung der Beziehungen der Freundschaft und einer guten Nachbarschaft. Ew. Majestät haben geruht, aus die heilsamen Wirkungen einer friedlichen Politik hinzuiveisen. Es ist mir besonders angenehm, bei dieser Gelegenheit den, wohltätigen Einfluß Anerkennung zu zollen, der letzthin von Rumänien unter der weisen Leitung seines Königs ausgcübt wurde. Das von Ew. Majestät vollendete Werk des Friedens hat Ew. Majestät die Anerkennung der Völker er­worben und das Prestige -des Landes noch erhöht. In der Hoffnung, daß nichts die friedliche Entwicklung Ihres Reiches stören wird, erhebe ich mein Glas auf das Wohl Ew. Majestät, Ihrer Majestät, der ganzen königlichen Familie und auf das der tapferen rumä­nischen Armee, deren schöne Regimenter ich soeben mit aufrich­tigem Vergnügen beiunndertc und deren 5. Resioriregiment ich an­gehöre: Es leben der König und die Königin!

Der Angriff aus Durazzo.

In Durazzo ist es gestern zu Entscheidungsschlägen ge­kommen. Tie Aufständischen, die der holländische Oberst Thomson einschließcn und zurückschlagen wollte, haben plötz­lich die Stadt überfallen, und die Helfer des Fürsten Wil­helm mußten sogar zum Barrikadenbau schreiten. Es lie­gen noch »keine endgültigen Meldungen vor, tvelches End« das blutige Treffen genommen hat und ob die Ruhe, die heute nacht in der albanischen Residenz geherrscht hat den Sieg und Erfolg der Regierungstruppen bedeutet. Oberst Thompson ist tzcfallen und damit sind die Schwierigkeiten des letzten Zwischenfalles, für welchen Genugtuung zu geben der eigenwillige Holländer sich weigerte, aus dem Wege tzeräumt. Die Italiener müssen an der Bahre des Toten ihm ihre Achtung bezeugen.

Ta mittlerweile die Kriegsschiffe der Mächte vor Durazzo eintreffen, wird sich die Lage für den Fürsten Wil­helm vorläufig wohl wieder bessern.

Rom, 15. Juni. Der italienische Gesandte in Du­razzo telegraphierte heute vormittag U/e Uhr: Die Auf­ständischen haben heute morgen um 4 Uhr die Stadt an drei Stellen angegriffen. Gegen 6 Uhr ist Oberst Thomson gefallen. Die italienischen Matrosen werden nur die Gesandtschaften und den Fürstenkonak verteidigen. Im ersten Augenblick glaubte

,n dieser Flüssigkeit steine rote Kristalle oder Brocken herunt- schwimmen. manchmal auch steine Klumpen. Das bedeutet nun, daß die Lösung des Farbswsfes so dicht, so konzeMriert geworden! ist, daß sich ein Teil in fester Form auskristalliert hat, ähnlich wie wir das auch an einer Soda- oder Salzlösung jederzeit beobachte können, wenn wir z. B. in der Wärme lösen ,md dann abkühleir lassen. Solche Mengen, an denen der Farbstoff in größerer Menge sich abgeschieden hat, sind oft schon mit dem bloßen Auge als rote Punste zu erkennen. Die rote Farbe der Rosen (und auch der Nelken) rührt also nicht etwa 'i»ie das Grün der Blätter von Farbswft'körncrn her, sondern von einer Lösung des Farb- stosses im Zellsast. Wir können auf einem solchen Schnitt aber auch sehen, woher der Geruch koimnt. Da sind noch alidre Kvistalle da und dort, in den 'Zellen verteilt, die stark Licht brechen: es können auch einfachc Trovsen sein, die wie stcina Lclkugcln ausschen. Und das sind sie auch wirklich! Diese glän­zenden Kristalle und Trövschen sind ätherische Oele, Substanzen, die leicht verdunsten und eben dadurckf 'für den Geruchssinn wahrnehmbar werden. So, nun haben trnr's also schon, woher Geruch nnd Farbe der Rosen kommen ' und ist das wirstich so prosaisch?

Neue Briefmarken. Die neuen mexikanischen Rcbellcnbriefmarken, von denen 6 150 000 Exemplare hergcstellt sind und zwar nach den Entwürfen des Gencralpost- meisters derkonstitutionellen Regierung" B. Bonillas, kommen in diesen Tagen zur Ausgabe. ' Inzwischen hat der Staat Sina - loa an der mexikanischen Westküste neue Marken ansgegeben. Es lfaudelt sich um 250000 Exemplare, die in ihrer Zeichnung der Tamaulipas-Serie älmeln: die Wertbezeichnungen sind 1 Cen­tavo, 2, 5, 10 und 50 Centavos, l Peso, 5 und 10 Pesos. Die Aenderungen im Briesvortvtaris von Siam haben Zetzt zur Ausgabe von provisorischen Marken gesührt. Die 6 Satangs- Marke erhält die Wertbezeichnung 5 Satangs, die 12 Satangs den Aufdruck 10 und die 28 den Aufdruck 15 Satangs. Die Aen­derungen haben ihre Ursache in der neuen Umrechnung der inter­nationalen Briessätzc in siamesychc Werte. 'Der 25 Centimes- Satz, der bisher für Siam mit der 14 Sataugsmarke bezahlt wurde, wird künftig mit 15 !Satangs amd der 10 Centimes-Satz, der bisher 6 Satangs kostete, mit 5 Satangsmarkcn ftankiert.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­

schaft. Der Zeutral-Vcrband Deutscher Tonkün st­ier - V c r e i n e (E. D.) hält seine elfte Delegiertenversamm- lung am 4. und 5. Juls in München im Sitzungssaal der Königs. Akademie ab» 1 - - * 1