sammentreten, hauptsächlich um die Kesoldungs- 110 Delle ju verabschieden. Daneben sollen noch einige kleine Borlagen und das Fideilömmißgesetz in erster Lesung beraten werde». Das Abgeordnetenhaus will diese Aus- ' gaben in der lausenden Woche losen, das Herrenhaus wird voraussichtlich erst *u Beginn der nächsten Woche die Besoldungsvorlage verabschiede». Tie Fraktionen des Ab- g e o r d n e t e n h a u s e o werden sich heute (Dienstag) mit der Besoldungsnovelle beschäftigen, da der Budgetausschutz die begonnene Beratung der Novelle am Monlag abend beendet hat. Tie Novelle wird in der Regierungssassnng Annahme finden. Für den Fall, daß sich die Berhand- Inugeu des Landtags bis in die Mitte der nächsten Woche Hirniehen, soll ini Abgevrdueteuhause vorgeschlagen werden, nach Erledigung des vorgenommenen Pensums noch die Denkschrift über den Bauschwindel in Groß- Berlin zu beraten, da verschiedene Jnteressentengruppen mit den Schlußfolgerungen der Denkschrift nicht überein- stimmen und gesetzliche Maßnahmen zum Schutze der Bauhandwerker fordern.
Das Reichstheatergesetz wird, wie wir hören, dem Bundesrate in den nächsten Tagen zugehen und im Laufe des Juni verösfentlicht werden.
Aus der badischen Zweiten K a NI m e r. In der Nachmittagssitzung der badisch.',! Zweiten Kammer vom Montag brachte der Finanzminister einen zweiten Nachtrag zum Voranschlag der allgemeinen Staatsverwaltung ein mit einer Gesamt- sorderung von 1914 580 Mark. Unter den verschiedenen Anlegungen ist hervorzubeben ein Betrag von 40 000 Mark für die Bearbeitung des Entwurfs zur Verwirklichung der Kanal i sie- rnng des Rheins von Straßburg bis Basel.
2luilatt6.
Internationaler KIngreß der Handelskam- m e r n Zn P a ri S wurde am Montag vormittag unter dem Vorsitz des Handelsministers Peret der internationale Kongreß der Handelskammern und der kausmännchchen UN) industriellen Vereinigungen mit einer feierlichen Sitzung in der Sorbonne erösi- net. lieber 80 deutsche Handelskammern und kaus- inannische Vereinigungen haben zu dem Kongreß ihre Telegierten entsandt, darunter den Präsidenten und Vizevräiidenten des deutschen Reichstages Tr. Kämpf und Tone, serner Achelis, Andreae, Richard Schmidt, Sötbeer, Ravens, Münsterberg, Richter, Professor Avt usw. Aus Oesterreich sind die Delegierten von 43 Handelskammern erschienen.
Zwischen Bulgarien und Oe st erreich-Ungarn ist eine P o st k o n v e n t i v n abgeschlossen worden, durch welche die Briestapen in dem Verkehr mit den beiden Ländern weienilich herabgesetzt und den Jnlondtariseu gleichgestellt und auch die Herabsetzung der Telegrammtaxe und die Herstellung einer direkten Telegraphenlinie Wien—Sofia in Aussicht genommen worden iit.
Schisfsbe st eil ungen der Türkei. Gerüchtweise verlautet, baß die Pforte in England 10 Unterseeboote b e ft e 111 habe.
2<r in der Türkei entführte belgische Ingenieur, Tie belgische Gesandtschaft in Konstantinovel erhielt aus Smyrna einen von einem Unbekannten ausgegebenen Brief des von Räubern entführten belgischen Ingenieurs Teck. Ter Ingenieur meldet, er besinde iich wohl. Die Räuber ermäßigten das L ö s e g e 1 d aus 5000 Pfund und wollten bis zum 11, Juni warten. — Eine andere Räuberbande entsührte einen griechischen Ottomanen, einen Beamten des englischen Hauses Whitall-Smyrna. Sie verlangt ein Lösegeld von 3000 Pfund. WhitaU soll geneigt sein, das Lösegeld zu zahlen.
Eine neue chinesische Anleihe. In Peking fand am gestrigen Montag die erste Unterredung zwischen dem Finanz- mimstrr und den Bankiers der Fünfmächtegruvve statt, wobei es sich um die Besprechungen der Bedingungen der sünfprozentigen Ergänznngsanleihe über 8 Millionen Pfund Sterling handelte
i^ Bedingungen ähneln im allgemeinen denen der Währungs- ileihe. Zweck der neuen Anleihe ist die Rückzahlung von kurzfristigen Darlehen von annähernd 2 500 000 Pfund, die von AuS- ländern und Chinesen gewährt worden ist. Die neue Anleihe wird durch den Ueberschuß aus der Salzsteuer gedeckt, der alle Erwartungen übertrisft.
Deutsche Kolonien.
Trier, 8. Juni. Gestern wurde die katholische Frauenvereinigung für die deutschen Kolonien mü dem Sitz in Trier gegründet, welche ganz Deutschland umfaßt und zur Fürsorge für Frauen und Mädchen in den deutschen Kolonien dient. Als Ehrenvorsitzende ist die Fürstin Aloys Löwenstein in Kleinheubach in Bayern erwählt. Den Vorsitz hat Frau Oberbürgermeister Bruch- Hausen in Trier übernommen.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 9. Juni 181 t.
Erziehung zur Ruhe.
Die Selbsterziehung zur Ruhe, eines der bemerkenswertesten uno eigentlich selbstverständlichsten Kulturiymvlome, wird heutzutage leider von vielen Menschen nicht in dem Maße geübt, wie es die Rücksicht au, die anderen Mitmenschen eigentlich erfordert. So nimmt schon der Kinderlärm aus den Straßen bisweilen und zwar in den sogenannten „ruhigen Straßen" Formen an, die selbst ein weitgestreSks Ma^des-Zulässt'gen bedeutend überschreiten. Gleich hier könnte durch, bessere Erziehung vieles anders werden. S«en>a,ks derart cs, um au den Zarin, der heute die Qtäd'to so grell t:;r fl, auf ein erträgliches 'Maß herabzuietzen, in erster Lime eines ipoekkS an Sie besseren JÄstukkte uno dis feineren menschcnsreunolichen Sitten, denen man ja nachrühmt, da« sie angeblich immer mehr Eingang auch bei den breiteren Massen finben.
Und dieser Avvell scheint nicht wirkungslos verhallt zu sein Der Kampf gegen den Straßenlärm, der bereits vor Jahrzehnten vorwiegend durch die mit geistiger Arbeit Beschäftigten ausge- riommen wurde, wird Izeute schon von ganz anderen und Diel weiteren Kreisen geführt, von Kreisen, die den verschiedensten Berufen in Gewerbe, Industrie und Handel angehören und die an sich und ihren Nerven mehr und mehr die Gefahren verspüren, die mit dem Lärm — ganz besonders aber mit dem unnützen ^ terbunben sind. Es mag da nur daran erinnert werden, datz bei den Eisenbahnen seit einer ganzen Reihe von Jahren die viele an- iKtltcnbc Pseiserei als ganz unnütz eingestellt wurde und daß der Betrieb dadurch keineswegs an Sicherheit eingebüßt hat Leider .schleppe» sich die FabrikSpseisen aber init ihrem sirenenhasten Lärm noch immer wie eine ewige Krankhei! soll.
Auch seitens der Gemeindeverwaltung wird im Interesse der Allgemeinheit heute dieser Kamps wider den Lärm entschiedener geführt Zu den wesentlichen Taten aus diesem Gebiete gehören die zunehmenden Verbesserungen des Ttraßenpilasters. Seit man die alten holprigen Katzenkövse durch ein aus ebenmäßig behauenen Reibensteinen aus sicherer Packung bestehendes glattes Pilaster ersetzte, hat sich zumal der erschütternde Wagenlärm bedeutend vermindert, noch mehr geschah das, als man >n den Großstädten in einzelnen Straßen zum Asphalt oder Holzpflaster tüberging, dessen beruhigende Wirkungen überhaupt gar nicht hoch genug angeschlagen werden können.
Aber es gibt iwch ganz andere Quellen des Straßenlärms, die gleichfalls zu verstopfen wären, zumal es sich dabei ieilweise um Erscheimingen handelt, die die oben erwähnten Beruhtgungj- lmöglichkeiten wieder zuni großen Teil zunichte machen. Dazu gehören vor allem die meist stark übertriebenen Huppeniignale der h e,tos, zumal solcher, die sich einer übermäßigen und direkt gesähr- lichen Schnelligkeit im Straßensahren befleißigen, die schrille
Glocke der Milchwagen, die sich ichlietzlich durch Benutzung der Hausklingeln von der Straße aus leicht ersetzen ließe, das Leierkastengedudel, das zwar nur aus den Hosen gestaltet sein soll, tatsächlich aber von da aus oft genug sogar den anderen Straßenlärm weit übertünt. Kommen dazu noch die unreinen Töne kreischender Grammophone, — auch die stümperhasten oder gefühlvollen Klimpereien vieler Klavieransänger oder vermeintlicher Virtuosen, die eine besondere Vorliebe sür das Spielen bei offenen Fenstern besitzm, gehn--"' in dieses Kiipilel, — so ergibt das alles zusammen manchmal eine ganz ne '"h'sterkarle von Beiträgen sür den verschiedenartigsten uniiützen Straßenlärm, und eine reichhaltige Anweisung, an welcher Stelle zuerst die Erziehung einzusetzen hätte,
"Die Landesuniversität Hai i»> lausenden Sommerhalbjahr einen Besuch von 1552 Hörern, darunter 1432 Studierende, oufznweisen. Unter den Studierenden befinden sich 32 Studentinnen,
** Auszeichnung. Ter Großherzog Hai Frau Lu- eile von Weingartner-Marcel und der Hofopernsängerin Gertrud Gehersbach die Silberne Verdien st- medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.
** I n den Ruhe st and versetzt wurde der Lehrer an der Volksschule zu L a n g e n, im Kreise Ofsenbach, Heinrich Gunschmann, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner 50jährigen treuen Dienste und unter Verleihung des Ritterkreuzes 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — Ebenfalls in den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der katholischen Volksschule zu Linden- sels, Heinrich Sa inesreut her, aus sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und ihm das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
"liebertragen wurde dem Lehrer Wilhelm Ranft zu Holzheim eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Hausen, dem Lehrer Heinrich Weidenhaus zu Burg-Gemünden eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Friedberg (Stadtteil Fauerbach).
** Gerichts Person alten. In den Ruhestand versetzt wurde der Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Bad-Nauheim Julius Gbittner aus sein Nachsuchen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste.
** Finanzwesen. Ter Großherzog hot den Regierung?- und Baurat Ludwig Hummel, Mitglied der Eisen- bahndirettion in Köln, zum Vortragende» Rat bei der Abteilung sür Finanzwirtschaft und Eilenbahnwesen des Ministeriums der Finanzen mit dem Amtstitel „Oberbaurat" ernannt, den Hilfskassierer bei der Hauptstaatskasse, Rechnungsrat Adolf Kalbfleisch, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste vom 1. Juli d. I, an in den Ruhestand versetzt, den Hruptsteueramts-- assistenten bet dem Hauptsteueramt Darmstadt, Anton Spilger zu Tarmstadt, vom 1. Juni d. I. ab zum Revi- siouskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Worms ernannt, den Hauptsteueramtsajsistenten bei dem Hauptsteueramt Ofsenbach, Friedrich Schmitt, und den Hauptsteueramts- assistenten bei dem Hauptsteueramt Bingen, Wilhelm R ö h- l e r, in gleicher Diensteigenjchafl an das Hauptsteuramt Tarmstadt versetzt und den Finauzaspiranten Wilhelm Eckhardt aus Ulfa zum Hauptsteueramtsassistenlen bei dem Hauptsteueramt Worms ernannt.
** Die zweite diesjährige Schlußvrüsung der Kandidaten der evangelischen Theologie wird zurzeit im Laudessnnodalgebäude zu Tarmstadt ab- gehalteu. Es beteiligen sich daran sieben Prüflinge, von denen zwei aus Starkenburg, einer aus Oberhesseu, drei aus Rheinhessen und einer aus Braunschweig sind.
** Die „Freie Vereinigung hessischer Künstler" hat gestern vormittag in Anwesenheit des Großherzoglichen Paares, des Ministers v. Hombergk, Vertretern der Stadt, sowie sonstiger Militär- und Zivilbehörden und anderer Gäste in der Halle des Kunstvereins zu T a r m st a d t ihre Ausstellung eröffnet. Es haben etwa 50 Maler und Bildhauer ausgestellt, darunter 40 Hessen, die allerdings teilweise außerhalb Hessens wohnen.
" Fleischpreise. Bei den jetzt slaItsindenden Fleisch. Verdingungen für die verschiedenen Garnisonen Hessens und Nassaus tritt ein ganz auffälliger Unterschied in den ge. forderten Preisen mit denen zutage, die von der Zivilbevölkerung gefordert werden. In Butzbach z. B. bieten die Metzger der Garnisonverwallung das Ochsenfleisch sür 73 Pfg., das Kuhfleisch sür 63 Pfg., das Schweinefleisch sür 88 Psg. an, alles sür ein Pfund. In Diez fordert man sür ein Pfund Ochsenfleisch 64 Pfg., Kuhfleisch 56 Psg-, Kalbfleisch 85 Pfg., Schweinefleisch 60 Psg., Hammelfleisch 85 Pjg, und Leber- und Blutwurst gar nur 45 Pfennig.
** Die Maul- und Klauenseuche ist erloschen in Essen a. R. — Festgestellt ist die Seuche im badischen Bezirk Brette», im Bezirk Traunstein (Oberbayern) und im Bezirk Weißenburg (Baherisch-Mittelfrauken).
** D i e studentischen Bvlksunterrichtskurse bieten dem strebsamen Arbeiter und Unterbeamten eine hervorragende Gelegenheit, sein Wissen zu erweitern und zu festigen. Tie einzelnen Kutte sind Deutsch, Englisch, Französisch und Geogravhie. Deutsch umfaßt Rechtschreibung und einfache Satzlehre. Die Lehrmethode ist derartig volkstümlich und ausführlich, daß jedermann auch ohne Vorkenntnisse sich leicht einarbeiten und gründsiche Kenntnisse des gewählten Fachs erworben kann. In allen Städten, woj diese wertvollen Kurse eingerichtet sind, erfreuen sie sich einer regen Beteiligung. In Frankfurt a. M. besuchten z. B. Deutsch durchschnittlich 80 Personen, darunter beinahe die Hälfte weibliche. Das Schulgeld zur Deckung der Unkosten beträgt 50 Psg. vro Kurs. Alle Lehrmittel werden gestellt. Zu Auskünften sind die Kursleiter stets gern bereit. Allez nähere ist zu erfahren aus den Anschlägen ui den Lesehallen und im Kollegiengebäude der Universität. Tie Stunden beginnen pünktlich */*9 Uhr und schließen um 10 Uhr Heule Dienstag, abend, im Hörsaal 13 der Universität : Deuts di. Kurze Wiederholung für Neueintretcnde. Lautlehre (Schluß). Der einfache Satz.
" Das „Uniontheater" Seltersweg bringt, wie es uns mitteilt, in seinem heutigen Programm zwei aroße Kunstsilms, betitelt: „Sträfling 113" und „Neues Glück". Wie aus dem Anzeigenteil hervorgeht, findet heute abend von 8—11 Uhr großes Künstler-Konzert statt.
** Mahnung zur Vorsicht. Die „Nordd. Mgem. Ztg." schreibt: Aus Belgien wird in letzter Zeit von Vermittlern die Besch asfung von Kapitalien gegen hypothekarische Sicherheit «»geboten. ES ist dringeitd zu raten, vor Geschäftsanknüpfung mit solchen Vermittlern sich zunächst bei den zuständigen deutschen Konsulaten über sie zu erkundigen, da die sogenannten Vermittler es vielfach nur aus Erlangung von Vorschüssen abgesehen haben.
Landkreis Gießen.
el. L i ch, 8. Juni. Heute nachmittag trafen hier auf etliche Tage etwa 30 Generalstabsoffiziere vom 18. Armeekorps unter Führung eines Oberstleutnants ein, um das Gelände für das Kaisermanöver zu besichtigen. Fast sämtliche Offiziere sind in Bürgerquartieren untergebracht. —
Tie Untermühle ging für 60 000 Mt. tu den Besitz des: Fürsten über,
Kreis Büdingen
— Solbad), 7. Juni. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl wurde der Beigeordnete Ludwig Faust mit 44 Stinimen gewählt. Sein Gegenkandidat Ludw. Nagel erhielt 40 Stimmen.
z. Schwickartshausen, 8. Juni. Das Gustav-Adolsseu des Zweigvereins Nidda wurde gestern in unserer Gemeinde gefeiert. Tre Kollekte ergab den ansehnlichen Betrag von 52,50 Ml., die der Gemeinde Affolterbach zugewresen wurde.
Kreis Schotten. ,
z. Herchenhain, 8. Juni. Am nächsten Sonntag wird hier Missionar Groh predige», der seit Jahren an der Goldküste tätig ist. Missionar Groh stammt aus Lermuts- hain.
Kreis Friedbcrg.
L. Friedberg, 8. Juni. Gestern machte der Eisenbahnverein Friedberg einen Ausflug nach Marburg.
r. Bad-Nauherm, 8. Jum. Mit dem gestrigen Festkonzert im Könzerthaus erreichte die Bpd-Nauheimer Woche ihr Ende. In dem Konzert kamen zwei Tonwerke, Psalm 137 und „Paria" von Arnold Mendelssohn, zur Ausführung. Geradezu begeistert war das Publikum von der Wiedergabe der „Neunten" mit dem Schlußchor „An die Freude" von Beethoven. Chor, der Musikverein Darmstadt, und Orchester leisteten unter der Leitung Pros. W i n d e r st e i n § außerordentliches. Hosrat de Haan, Prot. Mendelssohn und die mitwirkenden Solisten Frau Schmidt-Jlling, Fräulein Jacobs und die Herren Stephanie und G l o b e r g e r mußten unzähligen Hervorrufen Folge leisten. — An das Konzert schloß sich ein von der Kurverwlcktung gegebenes Essen.
Starkeuburg und Rheinhessen, d. Mainz, 9. Juni. Der Verband deutscher Schlosser- Jnnungen hält seit gestern hier seine 2g. Berbandstagung unter dem Vorsitz von Th alh e i m-Leipzig ab.
Hessen-Nassau, h. R o s b a ch v. d. H., 8. Juni. Am Sonntag abend wurden aus dem Bahnhöfe mehrere auswärtige Touristen durch junge Leute schwer mißhandelt und mit Messern arg zugerichtet, so daß sie in ärztliche Behandlung gegeben werden mußten. Einer der Messerstecher konnte bereits sestgestellt werden,
h. Frankfurt a. M., 8. Juni. Vor zwei Wochen wurden einer Dame in Ofsenbach aus dem Toilettenraum des hiesigen Eases Bueroje mehrere ivertvolle Brrllantringe gestohlen. Dem Dieb, oder besser die Diebin, hat die Rene gepackt, denn gestern erhielt die Wartefrau des Kaffeehauses die Ringe durch die Post wieder zugestellt und zwar aus Ofsenbach selbst.
X. Hanau, 9. Juni. Der Schäfer Leo Hermann aus Torn-Assenheim bei Friedberg, der Schafe auf den Frankfurter Markt treiben wollte, wurde zwischen Dörnigheim und Frankfurt a. Main von einem Automobil erfaßt und etwa 10 Meter weit mitgeschleift. Er erlitt schwere Verletzungen und wurde von einer des Weges kommenden Autodroschs'e in das .Hanauer Landkrankenhaus gebracht. Das Automobil war unerkannt davvngefahren. — Entwichen ist aus dem hiesigen Landgerichtsgefäirgnis in der verflossenen Nacht der Arbeiter Otto Kreß aus Fulda, der kürzlich zu 21/2 Jahren Gefängnis verurteilt worden war.
X. Fulda) 9. Juni. In dem Basaltwerke zu Wächtersbach geriet bei Vornahme von Reinignngsarbeiten der Arbeiter Karl Höhn in die Transmission, wurde von der Welle erfaßt und mehrmals herumgeschleudert. An den schweren Verletzungen ist ec verstorben.
Vereinsnachrichten.
z. Ä a ul stoß, 8. Jum. Gestern und vorgestern feierte der hiesige Kriegervereiu sein Fahuenweihsest, das einen recht schönen ,Bettau> nahm. Mit diesem Fest ivar gleichzeitig das Bezirks- kriegeriest des Bezirkes Schotten verbunden. EingeleNet wurde das Fest am Samstag Abend durch eine Feier aus dem Festptatz. Am Sonntag bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die festlich geschmückten Straßen nach dem Festplatz. Die Begrüßungsansprache hiell Lehrer R 0 t t m a 11 n (Kaulstoß), die Festrede Pfarrer Land- an a n n (Burkartsi. Weitere Ansprachen wurden gehalten von dem Vertreter de? Bezirks Schotten, Förster Schott, dem Kreisrat des Kreises Schotten, Kreisrat Dr. M erd, dem früheren langjährigen Äreisrat, Geh. Regierungsrat Schönseid, sonne der Festjungsrau Emma D a h m e r.
Die Frankfurter Impfungen vor Gericht.
4 Frankfurt a. M., 8. Juni.
Unter lebhaltester Anteünahine weiter wissenschaftlicher Kreise und der gesamten Oesjentlichkest nicht nur Deutschlands, sondern auch des Auslandes beging heute vor der hiesigen dritten Strafkammer cm umiangreicher Prozeß, der bestimmt sein soll, wenigstens teilweise eine Klärung über die vielumstrittene Frage des Wertes oder der Schädlichkeit von
Geheim rat Ehrlichs Salvarsan zu erbringen. — Angeklagt ist der Herausgeber des „Freigeist", Schriftsteller Karl Waßmann, gegen den die Staatsanwaltschaft aus den §§ 186, 200 und 74 des Str. G. B. Anllage erhoben hat. Im einzelnen werden dem Angeklagten folgende Vergehen zur Last gelegt: den Magistrat der Stadt Franksurt, der in Verbindung mit der Verwaltung des städtischen Krankenhewses und den beiden Krankenhausärzten Professor Tr. Herrhermer und Oberarzt Tr. Altmann Strafantrag gestellt hat, soll der Ange- llagte durch solgende Behauptungen beleidigt haben: der Magistrat führe hinsichtlich der Salvarsanbehandtung das mit Recht besorgte Publikum irre und er beobachtete ein leichtfertiges Verhalten in der Satvarsan-Asfäre. Die Beleidigung des städtischen Krankenhauses und der genannten beiden Aerzte wird in solgen- den Aussührungen erblickt: Es werde im Frankfurter Krankeu- hause mit nachgewiesenermaßen lebensgesährlichen Salvarsan be> handelt, diese Behandlung bestehe als Gewallbehandlung hill- loscn Proiistmerten gegenüber, die Frank,urter Protistuirrten würden in irivvler Weise als Versuchskaninchen für Salvarsan benützt. die Aerzte seien mit Titel und Geld gewonnene Agenten gewisser profitsüchtiger Unternehmer, denen nichts mehr heilig I«, und die Gewinnsucht dieser Leute schreite ,ogar zum vorsätzlichen Mord. — Die infrirainirrten Artikel sind am 20. Dezember 1913 und 7. Februar 1914 im „Freigeist" erschienen. Den ersten Artikel hat der Angeklagte selbst verlaßt, loährend der zweite den bekannten Vivisektionsgegner Tr. Fischer-Hohenhausen ,n Wiesbaden zum Verfasser hat, der aber nicht mit angeklagt ist.
Von der Staatsanwaltschaft, die der Erste Staatsanwalt Blume vertritt, sowohl als auch von der Verteidigung sind eine große Anzahl Sachverständiger und Zeugen geladen.
Aus der Vernehmung der Zeugen und Sachverständigen ßr dem Beleidigungsprozeß gegen Karl Waßmann ist die Aussage von Geheimrat Grzlettenz Ehrlich hervorzuheben, der betonte, daß die Höchster Farbwerke in einem Rundschreiben an die Aerzte es abgelehnt hätten, irgendwelche Honorare sür Artikel über Salvarsan zu zahlen. Weiter wird durch Zeugenvernehmung der Aerzte im Städtischen Krankenhaus sestgestellt, daß eine Prostituierte zwangsweise eine Salvarsaninjektion erhallen habe. Bei drei Fälien von Salvarsanbehandlung im Krankenhaus hätten sich Lähmungserscheinungen gezeigt. Erblindungssälle seien nicht vorgekommen. Weiter erllären Professor Dr. Herz heim er und Oberarzt Tr. Alt- mann daß >m Städtischen Krankenhaus im ganzen 11000 Personen, darunter 1200 Prostituierte mit Salvarsan behandelt worden seien: aber nie sei eine Injektion zu Versuchszwecke» gemacht worden. Verschiedene Prostituierte, die als Zeugen vernommen werden, beklagen fiel, über die überaus Harle Behandlung UN Kraukenhause. Einige behaupten auch, gesundheitliche Schädigungen als Folgen


