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Der «irtzenrr Anzeiget

erscheint täglich, sicher Sonntags. - Beilagen: »iermal n>»che»tKch «irtzenerzomIIieENee : zweimalwvcbentt^lrrii- Hott für twn Kreis Sieben < Dienst«, tmb Äreitoq); zweimal moimt!. Qnid> wirtschaftliche öeUftage» Fernlvrech - Anlchliche: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Tepeichen: Anzeiger «Uetze», dnuadme von Anzeigen tür die Tagesmnniner

Erster vlatt

H>4. Jahrgang

iehener Anzeiger

General-Anzeiger sür Oberhesjen

Zreitag, 5. Zunl 19^

Vezu gSvrei-:

monatlich 75Pf., viertel­jährlich Mt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mt. 2. viertel- jährll ausjchl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Lhefredakteur: A. Goey. Perantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton-, .Ver­mischtes" undGerichts» saal": Karl Neurath; für .Stadt und Land-:

^ormitiags^suhr. N otationrvryd llnö Verlag der v rühl'schrn Uxio.-Such- uuö Strindrnckerei n. Lange. Rcöattfen, «rpcöition und Prüdere!: Schlllsttafie 7. A,'.zeige,Beck! Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Sin yankeestreich.

Das Vorgehen des amerikanischen Machthabers in Veracruz, des Generals Funston, gegen die beiden Savag-DampferYviranga" undBavaria" har wieder einmal gezeigt, daß die amerikanische Union wirk­lich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Ter smarte General, der anscheinend der Meinung ist, daß man die Kosten der verunglückten Exvedition gegen Mexiko von den unbeteiligten Staaten Herauspressen müsse, hak den beiden Schissen der Hamburg-Amerika-Linie eine G e l d st r a s e von mehr als einer Million Pesos auserlegt, weil sie ihre Ladung nicht konsignationsmäßig nach Veracruz, sondern nach dem Hasen gebracht haben, wohin sie der Besteller, näm­lich die mexikanische Regierung, nachträglich dirigiert hatte, weil sic durch die Amerikaner verhindert waren, sie in Veracruz in Empfang zu nehmen.

Aus der Darstellung, welche der Vertreter der Hapag in Deracruz, Carlos Heven, vor dem dortigen amerikani­sche» Konsul zu Protokoll gegeben hat, geht klar hervor, daß die Dampfer weder in Veracruz noch nachher in P u c r t o M c x i k o, wo die von H u c r t a bestellten Waffen gelandet ivurdcn, irgend einen Einspruch von seiten der amerikanischen Behörden erhalten hatten. Erst nachträglich besann sich Herr General Funston darauf, daß hier ein Geschäft zu machen sei, und er verfügte jene Geldbuße, von der die zuständigen Instanzen selbst nicht recht zu wissen scheinen, unter welchem Scliema sie zu buchen sei, ob als Zollkontravention oder sonst etwas.

In Wahrheit stellt das Vorgehen des Generals Funston gegen die beiden Hapagdampfcr einen Willkürakt dar, sür den auch jeder Schein einer Berechtigung fehlt. Die ganze Kette von widerspruchsvollen und zum Teil unsinnigen Handlungen, welche die Amerikaner bei ihrer Kampagne gegen Mexiko begangen haben, erklärt sich daraus, daß sic die Fiktion aufrechterhalten, mit Mexiko im Friedens- zustand zu leben, während sie in Wahrheit eine Art ver­schämten Krieg führen, aus dem sich wiederum unverschämte Handlungen gegen die Neutralen ergeben. Nachdem die Amerikaner Veracruz besetzt hatten, ver­hängten sie die Friedcnsblockade, nicht die Kriegsblockade über den .Hafen, eben weil sie aus. Rücksicht auf die schweren Schädigungen, die im Falle des Kriegszustandes auch der amerikanische Handel erleiden müßte, die schärfere Form der Blockade vermeiden wollten. 9dun hat aber die Regie­rung der Union, als sie im Jahre 1902 die Kriegsblockad« über die Küste von Venezuela verhängte, die ausdrückliche Erklärung abgegeben, die auch der sonst üblichen Auffassung entspricht, daß die Friedensblockade nur für die Schiffe des blockierten Staates, nicht aber für die der unbeteiligten Mächte gelte. Trotz dieser Erklärung hat die Union die Wasscnlandung sür die derzeitige mexikanische Regierung in dem blockierten .Hasen verhindert. Wäre nun auch über die anderen mexikanischen Häfen die Friedensblockadc ver­hängt worden, und wäre» dieflpiranga" undBavaria" auch dort von den Ämerikanern verhindert worden, die Waffen für Huerta zu landen, so hätte für die Hapag der Fall der höheren Gewalt Vorgelegen, und sie hätte das Ge­

schält mit Hüerta eben nicht cffektuicrcn, also auch nicht wegen Nichterfüllung haftpflichtig gemacht werden können. So aber war sic kontraktlich gezwungen, die Massen zu landen, und wegen dieser, von amerinrnischcr Seite nicht verhinderten Kontrakterfüllung haben die amerikanischen Behörden, welche sich die Regierungsbestignisse in Veracruz anmaßen, jene Geldbuße verhängt.

Der deutsch-mexikanische Handels- und Schiffahrts-Ver­trag vom 5. Dezember 1882 bcstimint in Artikel 18 Abs. 3:

Ferner besteht darüber Einverständnis unter den verlrag- schlicßenden Teilen, da» die deutsche Regierung, mit 'Ausnahme der Fälle, wo ein Verschulden oder ein Mangel an schuldiger Sorgsalt seitens der mcrlkaniichen Behörden oder ibrer Organe vorlicgt, die mexikanische Regierung nicht verantwortlich machen Imld für Schäden, Bedrückungen oder Etpreisungen, welche die Angehörigen des deutschen Reiches in dein Gebiete Mexikos ,'a Zeilen der Insurrektion oder ocs Bürgerkriegs von Seiten der lvlusständischrn zu erleiden haben sollten, oder welche ihnen durch die wilden Stämme zugesügt werden, die den Gehorsam gegen die Regierung nicht anerkennen."

Man ersieht daraus, daß hier nur die Frage der Schä den, Bedrückungen oder Erpressungen durch die Aufständi­schen oder die wilden Stämme vorgesehen ist, nicht aber die der Erpressungen durch Dritte, in diesem Falle die Ameri­kaner, welche den wilden Mann spielen. Die deutsche Regie­rung hat das Rbgime Huertas schon aus der praktischen Erwägung heraus anerkannt, daß nur, wenn eine anerkannte Regierung in Mexiko vorhanden ist, etwaige Entschädigungen für die von den Aufständischen geschädigten Staatsangehö­rigen zu erlangen wären. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß die Hapag sich sür die Brandschatzung ein anderer Aus­druck ist nicht gerechtfertigt durch den General Funston nicht an den Besteller der Waren, der zugleich zurzeit noch die Regierung in Mexiko repräsentiert, sondern an die Regie­rung der Union zu halten hat. Jedenfalls darf, auch tvenn die Hapag aus begreiflichen Rücksichten sür die sanfteste Ton­art gegen die Washingtoner Regierung plädiert, erwartet werden, daß die deutsche Regierung mit aller Entschieden­heit gegen diesen Willkürakt cinschreitet, der nicht nur die geschäftliche Schädigung eines Privatunternehmens, sondern einen Verstoß gegen das Völkerrecht und einen Vorstoß gegen eine Macht darstellt, mit der die Union in Frieden und Freundschaft zu leben vorgibt.

Das Grohherzogspaar von Hessen in München.

München, 4. Juni. Großberzog Ernst Ludwig von Hessen stattete heule mittag dem Rat hause einen Besuch ab. Am .Hauvtvortal des festlich geschmückten Rathauses empfingen den Großherzog Oberbürgermeister Dr v Bvrscht und Bürgermeister Dr. v. Brunner sowie die Vorstände des Gemeindckollegiums und geleiteten ihn in den Revräsentationsraum, wo der Oberbürger­meister an ben Großherzog eine Ansprache richtete, in der er u. a. der künstlerischen Beziehungen gedachte, welche die HanvtstädtcMün- chcn und Darmstadt verbinden, und seiner Freude über den hohen Aufschwung Ausdruck gab, den Hessen und seine Residenz unter ber westen und tatkrästigen Regierung des G r o ß h c r z o g s genommen hat. Mit Tankeswortcn für die mannig­fachen Anregungen, die von München und seiner Kunst aus die schöpferische Initiative desGroßherzogs zurückzuführcn seien, und dem Wunsche, daß dieser auch seiner seine aufrichtige Sympathie sür München bewahren möge, entbot der Oberbürger­meister im Namen der hiesigen Bürgerschaft dem Großherzoq den Willkommgruß und überreichte ihm alter deutscher Süte gemäß ben

Ehrentrunk. Ter Großhcrzog dankte dem Oberbürgermeister für den freundlichen Empfang und trank aui das Blühen und Ge­deihen der Stadt Vdünchen, worauf er sich in das goldene Buch cin- zeichncle. Hieraus erfolgte eine Besichtigung des Sitzungssaales und verschiedcner anderer Räume. Gegen l Uhr verließ der Groß- herzvg unter lebhaften Öochruicn der zahlreich anivcsendcn Bürger­schaft das Rathaus und begab iich zum Frühstück zu dem Kron­prinzen. Für den Nachmittag ist ein A u s s l u g in Automo­bilen nach dem Starnberger See sowie eine Rund­fahrt aus dem Sec geplaiü. Ter Großhcrzog von Hessen hat den Prinzen Karl und Franz von Bayern das Groß­kreuz des hessischen Ludwigsordcns verliehen.

München, 4. Juni. Aus Anlaß seines Besuches in Mün­chen erteilte der Großherzog von Hessen folgende Aus­zeichnungen: Dem Obersthosmeisicr Grasen von Seins- Heim dos Großkreuz des Lndioigordens, dem Oberstzeremonien­meister Grasen von M o h das Großkreuz des Philipvsordcns mit der Krone, dem Oberstallmeister Freiherr» von Lconrod das Großkreuz des Philippsordens und dem Generalintendanten der Doitltcatcr Freiherrn von Franckenstein das Großkreuz des Philippsordens; dem Oberstkämmcrer Freiherr» von Leßbcrg wurde das Bild Sr. Kgl. Hob. des Großhcrzogs in silbernem Rahmen mit Untcrschriit überreicht, ebenso dem Ches des Gehcim- kabinetls Ttaatsrat von Tandl. Ferner wurdc verliehen dem Vorsitzenden im Püinisterrat Dr. Grasen von Hcrtling das Großkrcuz des Philippsordens mit der Krone, dem Staatsrat Frei­herrn v. Hirschberg das Großkrenz des Philippsordens. Das Komlhurkreuz l Klasse des Philippsordens dem dosmarschall des Kronprinzen Grasen zu Pavvenhcim, das Komthurkrenz 2. Klasse mit Krone des Philippsordens dem Polizeipräsidenten von Grundherr, das Komthurkrenz 2. Klasse des Philipps- ordcns 2. Klasse dem Kämmerer Major a. D. Frciherrn v. S o d c n und dem Oberstleutnant ä In suite der Armee Freihcrrn v. G u t - t e n b c r g , das Großkrcuz des Philippsordens dem Oberbürger­meister Tr. v. Borscht, bas Ehrcnkreuz des Philippsordens dem Ersten Vorstand des Gemeindekollcgiums Schwarz.

r«u, Oclien.

rb. Tarmstadt, 4. Juni. Ter Gesctzgcbungsaus« schuß der Zweiten Kammer hat soeben den vom Abg. Reh er­statteten Bericht über die Regierungsvorlage, bctr. die Revision der Gesetze über die relig iösen Orden und ordensähn­lichen Kongregationen im Truck den Kammermitgliedern zngehen lassen. Wie schon gelegentlich der Ausschußbcratung näher darge- legt, hat der Ausschuß in der Regierungsvorlage zwei ülbänderungs- beschlüsse vorgenommen, die beide aus Anträgen des Abg. Dr. Schmitt beruhen. Die erste, vom Ausschuß und der Regierung ange­nommene Abänderung betrifft Art. I ber Vorlage und bestimmt, ^ zwischen Absatz 2 und 3 folgender Satz eingeschoben wird:Den religiösen männlichen Orden oder ordensähnlichen Kongregationen, welche sich ausschließlich der Krankenvslege widmen, kann von dem Ministerium des Innern die Leitung von Heimen und Hospizen iür Arbeiter, Gesellen oder Lehr' aqe gestattet werden." Gegen die Ausnabmc dieser Bestimmung wird mau kaum eine Einwendung erheben können. Es ist vielmehr zu begrüßen, daß sür diese Heime und Hospize, wenn kein anderer geistlicher Leiter vorhanden ist, auch Ördensgcistlichen die Uebernahmc der Leitung gestattet werden kann, da cs sich ja hier ausschließlich um katholische Einrichtungen handelt. Die zweite Abänderung der Regierungsvorlage durch den Ausschuß betrifft eine Aendcrung des Absatz 3. Die Vor­lage wollte, daß bei dem Vorhandensein eines dringen­den Bedürfnstses bem ansässigen Orden der Kapuziner auch Ivel- terc Niederlassungen gestattet werden. Dieser Absatz wurde durch einen Antrag Tr. Schmitt, der die Zustimmung von Ausschuß und Regierung fand, dahin abgeändert, daß dem Ministerium die Beiugnis erteilt wird,einem anderen, der­malen im Großherzogtum nicht bc st ch enden Or -

Lröffnung der GruppeFachpresse" aus der Leipziger Ausstellung.

Leipzig, 3. Junr.

Eine der bedeutendsten Gruppen der Buchgewerbeausstellurrg Die Fachpresse" wurde am Mittwoch mittag um 12 Uhr feierlich eröffnet. In dem großen Mittelraum desTempels der 'Fachpresse" empfing der Vorsitzende des Ausschusses die Er­schienenen. Die Ausstellung der Fachpresse soll die Macht und Fülle der von der Fachpresse geleisteten Arbeit einer breiten Schicht vor Augen führen, soll ihre Bedeutung als Kulturträgerin zeigen und dartun, daß die deutsche Fachpresse mit ihren mehr 'als 5000 Blättern an der Spitze der Fachpresse der Welt mar­schiert. Sie ist ein Bildungsfaktor aus dem Gebiete der Wissen­schaften und des Erwerbslebens geworden, der Tausende belehrt tund tüchtig macht. Danach folgte ein Rundq>ang, der die au^r^ ordentlich interessante und geschickte Art zeigte, wie die an sich etwas trockene und schwierige ^lusstellungsmaterie dem Publikum ansckzaulich vorgeführt wird.

Es erscheinen gegenwärtig in Deutschland 5630 ^-achzeit- schristcn. die Zahl der Fachzeitschriften deutscher, Sprache, alzo einschließlich derienigen Oesterreichs und der Schweiz betragt rund 7000. Im Tempel der Fachpresse ist ein logonanntcr EM- wicklungszug gegeben, eingeteilt in 11 Gruppen der Wiiseulchast und des Gewerbes, und sich erstreckend aut rund 100 Fahre. Jede Zeitschrift ist durch ein Zeichen im Gründungsiahre ver­treten. Dadurch ist ersichtlich gemacht, wieviel Neuerlcheinungeu in den einzelnen Gruppen und Jahrgängen zu oerzeickiuen sind. Die erste heute noch erscheinende Zeitschrift Nno die im Fahre 1739 gegründetenGöttinger Gelehrte Anzeigen".

Tie Steigerung der Zahl der Fachblätter von^nur 31. iw >>ahre 1830 zu 528 im Jahre 1870, zu über oOOO im ^ahre 1914 über­holt die Bevölkcrungszunahme um mehr als das zehnfache In den 70er Jahren sind jedes Jahr durch,chnittlich 41 neue Zeitschriften gegründet worden, die Steigerung ist steng gewesen und hat 1911 13 die Döchstzahl von durchschnittlich 232 neuen Zcit,chri,ten rm >;ahr crreickü. Von den 11 Gruppen stehen Industrie und vandwert mit 1163 Zeitschriften obenan. Handel undVerkehr bentzen,^o9 Zer - schritten Zieht man belipielsweise einen vergleich mit der Landwirt- Äl sti iann man seststellan. daN im Jahrefl840 d,e LandrmNtcha,t die qlcichc Zahl der Fachblättcr besitzt wie Industrie und Gewertw. Im Jahre 1850 tritt die Landwirtschaft mit einer Zeftfchrttt mehr au,, 1880 hat Industrie und Handwerk o Zeitfchri,len mehr und 1913 sehen wir Industrie. Handel und Gewerbe mit l?22 Zeit­schriften die Landwirti»ait mit 440 Zeitschriften, was einen ilcbcr- schuß von 1282 Zeitschriften ,u Gunsten von Industrie, Handel

Nick, dix geographische BerSreitung der Fachblätter,

eine zweite Taiel die bedculcndstcn Städte mit der Zahl ihrer Fach- Wätter - darnach ist Berlin mit 1602 Fachzeitschriften vertreten, «rissig mit 607, München mit 266, Stuttgart mit 206 uiw. Ein besonders eindrucksvoll dargestellter T-blcauausmarsch der Fach- Nccstc enthält zugleich cuien Jriedhoi um Denkmal und Jnschriltt

Hier ruben nach langem oder kurzem, mehr oder weniger oual- vollem Leiden die Toten der Fachpresse! Es ist ein Massen­grab des hinter uns liegenden Jahrhunderts. Schätzungsweise wird die Zahl der eingegangenen Blätter aus ettva 15000 angenommen.

In den Glasschränken des Tempels sind die Marksteine der Zeitschriiten-Literatur ausgelegt, alte Jahrgänge, soweit sic zu er­langen waren, die ein intercisantes Bild ihrer Zeit ergeben, beson­ders im Vergleich zum heutigen Stand unserer Presse. Tie Aus­stellung der Fachpresse zeigt neben der Sammelabteilung die Aus­stellungen der Einzelverleger, an deren Schlutz ein Redaktions- zimmer, ausgeslattel mit den modernen Einrichtungen einer Re­daktion und mit Bildern bekannter Zeitungsvcrleger. An den ausführlichen Rundgang des Tempels derFachpresse" schloß sich ein gemeinsames Frühstück im Hauptrestaurant der Ausstellung an.

Die Menschenrassen des Niltals. Die rm Zoologischen ölorten zu Frankfurt a. M. gegen Mitte Juni beginnende völkerkundliche SchaustellungDie Mensälen des Ril- tals" wird neben den Vertretern der in Frage kommenden Völker- schaltcn der Aegypter Barabra, Bischarin, Ruba und Tinka auch die jedem Volke eigentümlichen Tiere umfaßen. So für die Aegvvter die schwarzen Büffel, für die Barabra das Rind, für die Bischarin Droniedar und Pierd und sür Nuba und Dinka das sudaneißchc Zebu mit geradezu ungeheurem Gehörn, das große sudaneiiickic Schal mit dem Ramskovl und dem bis zum Boden reichenden Schwänze, ferner die sudanesische Ziege mit den auk- lallend langen Hängeohren. Als ganz besondere Merkwürdrgkeit aber wird seitens der ägyptischen und nubiichen Fellache» der lanbwirlschaitliche Betrieb dieser Böller gezeigt werden, mir den eigenartigen, dort im Gebrauche beiindlichen Geräten, wie dem alten, bereits aus den Wandmalereien der Pharaonen verewigten Pflug, dem eigentümlichen, kastenartigcn Gerät, das die Stelle der Egge vertritt, und dem großen Dreschichltttcn, der aut vielen kleinen, eisernen Nädern ruht, zugleich die Hajmc zerschneidet und das Idorn herauslöst. So wird diese umsastendc, von Carl Marguardt mit gewohnter Kenntnis von Land und Leuten zu- sammcngebrachte Ausstellung wirklich Neues zergen, das nament­lich auch für den Landwirt von größtem Interesse sein wird. Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß alle die vorerwähnten Völker in ihrer eigenen Tracht, fasern von einer solchen ge­sprochen werden kann, vargesührt werden,

Der Katalog der Pariser Nationalbiblio- t b e k. Allen Freunden der berühmten französischen National bibliothck, cinheimlschcn wie ausländischen, kommt eine langersehnte Künde: man will jetzt endlich tatkräftig daran gehen, die Katalogi­sierung der reichen Schätze der Bibjiothek zu Ende zu führen, Für den Augenblick," so schreibt Georges de Tubor, einer der Mitarbeiter am Kataloge, in derRevue bleue",richtet sich die Hauttarbeit aut den alphabetischen Katalog, an dem l2 Biblio­thekare beschäftigt sind. 56 Bände sind schon erichicncn, er ist aber erst bis zum Buchstaben G gediehen, tvoraus man auf einen Qkiammmla.'io des Sttinlnacs von 140 Bänden schließen kann,

Um einen Begriff von dem ungeheuren Umfange des Unternehmens zu geben, sei sestgesteUt, daß allein Cicero 296l Artikel umiaßt, Fenölon 1800, Dumas der ältere 1537. Eine große Schwierigkeit bestcbt darin, die einzelnen Schriftsteller zu identifizieren und bcisvielswcisc mehr als 400 Durands auseinander zu halten." Elleichzeitig mit dieseni Kataloge sind auch andere Katalogarbciten in Angrisi genommen worden. Tubor selbst hat soeben den Musik­katalog vollendet, eine Arbeit, die 15 Jahre in Anivruch genommen hat. Niemand wußte bislang, daß die Bibliothek beinahe 400 000 musikalische Werke besitzt. Tubor hat nicht weniger als 340 000 Zettel redigiert, und dabei sind noch die Gesangsstücke ohne Be­gleitung ausgelassen! Tie wertvollsten stücke sind diejenigen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts, unter denen sich große Schätze vorsinden, 10 schöne Bände mit dem Wappen Marie-Antoinettens enthalten italienische Arien. Manuikciptc sind vorhanden von Lullt, von Ramcau, ölluck und Rousseau. Die Bibliothek besitzt 1600 Partituren von Opern, 4160 von komischen Opern, 200 000 Gesangsstücke, 76 000 Klavierstücke, 7000 Geigen- und 5 Okla- rina-Komvositionen. Unter den Snmvhonien ist eine, die eine Sitzung des Konvents iReden, Zwischenrufe, Ermahnungen des Präsidenten' darstellen soll, eine andere von Steibelt malt die Schlacht von Austerlitz. Bei den Sonate» herrscht cbcniolch: Phan­tasie. Vogler z. B. ist der Verfasser einesStreites zwischen Mann und Frau", einer Sonate für Fortcpiano, mit Begleitung von zwei Geigen.

Vom Weltpostverein. Das sür den modernen Handel und Verkehr hochbedcutsame Werk des verstorbenenPost­ministers" von Stephan kann mit dem unlängst erfolgten Beitritt der Republik China zum Weltpostverein in allem lvesentlichen als abgeschlossen gelten. In der Tat kommen die wenigen Länder» die sich bis heute noch nicht der internationalen Postkonvention angeschlossen haben, bis auf weiteres für die Kultur nicht in Frage: es handelt sich um einige Teile Asiens und Afrikas (Afghanistan, Arabien, Jnnera!r,ka> mit rund 30 Millionen Ein­wohnern, die größtenteils auf recht primittvcr Bildungsstufe stehen. Vor der Eingliederung Chinas umfaßte das Gebiet der dem Weltpostverein angehörenden Länder etwa 117 Millionen Quadrat­kilometer mit etwa 1270 Millionen Einwohnern: diese Zahlen echt modernen RultuNartschritts erhöhen sich durch den Beitritt Chinas zur postalischen Union auf 128 Millionen Quadrat­kilometer mit etwa 1645 Millionen Einwohnern. Erinnern wir uns bec dieser Gelegenheit daran, daß der Weltpostverein, diese Schöpfung von praktischem deutschen Idealismus, durch den inter­nationalen Weltpostvertrag vom l, Juli 1875 geschaffen wurdc. Bedeutsame Erweiterungen erfuhr er durch die Verträge vom l. Juni 1878 in Paris, vom I. April 1886 in Lissaban und, vom 4, Juli' 1891 in Wien. Es haben sonach knavv vier Jahr- zelptte unennüdlicher Werbearbeit ansgcreicht, um das Netz der Poslunion um den ganzen Erdball zu schlingen . . . eine Ber- kehrScinrichtung, die chrerseits stn schönster Weise dazu beürägt, die so verschieden gearteten Völker aller WcUleilc einander^r zu bringen, , v