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Nr. 127

Zweites Blatt

16^. zayrgang

Erschein, täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Tw«icßencr jamilienblättcr" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kieisblatt ffir den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschastlichen Zeit-

sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderhefjen

MMvoch. 3. )unl 1914

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS - Buch- und Steindruckereu R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraßs 7, Expedition und Verlag: e^0 51. Redaktion:e® 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

51«* tjcficn.

6inc Reise des «KroßhetzogSpaateS nach München.

Zu dem bevorstehenden Besuch des Aroßherzoizs und der Großherzogin von Hessen am bayerischen v>oic schreibt dieBayerische stctatszeitung": .

Ihre königlichen Hoheiten der Grvtzhcrzag und die Groß. Herzogin von Hessen iverden morgen -Mittwoch! in München ein trefsen, um den Antrittsbesuch zu erwidern, den der König und die Königin im lechen Sommer am Tarmstadlcr Hose abqenaln't haben Mit unserem König vereinigt sich das bayerische Volk ui frcuin.vm und aufrichtigem Willkommgruß iiir die erwarteten hohen Gaste. Der herzliche Empfang, den in, vorigen Jahr die Hauvtstadt des Großherzogtums Hessen unserem .Hcrrschervaar bereitet hat, die warmen Worte, mit denen Grohherzog Ernst Ludwig den König und die Königin bcgrüht hat, stehen in Bayern in guter Er­innerung. Das. bayerische Polt, welches der blühenden Entwickelung Hessens seine ausrichligstcn Wünsche widmet, sreut sich, in den kommenden Tagen dem Herrscher dieses, ihm durch die Bande ur alter Nachbarschaft und diigcr Freundschaft nahestehenden Landes Zeugnis von der' Snmvathia geben zu können, mit der es sein umsassendeS Wirken vcriolgt. Wenn Hessen sich aus einer Reihe von Gebieten des kulturellen und künstlerischen Lebens der Ration einen beachtenswerten Platz geschallen hat, so dankt es dieses nicht zuletzt der sicheren Initiative und der kraftvollen Führung, die Grohherzog Ernst Ludwig der Förderung der g e i st i g e n J ntercisc n des Landes angcdcihen läht. Zn erprobter Treue zu Kaiser und Reich stehend, durch das Band herzlicher Freundschaft und aufrichtiger Wertschätzung mit den übrigen deutschen Bundes- Fürsten verbunden, e r s r e u k sich der Herrscher Hessens beim g a n z c n d c u t s ch e n V v l k h o h c n Ül n s e.h e n s und steht jederzeit mit an erster Stelle, wenn eS gilt, den Gedanke» der deutschen Einigkeit und der inneren Geschlossen-- herr der Nation hochzuhallen. Die wärmsten Wünsche grünen daher auch in Bayern ihn wie seine edle Gemahlin, von deren selbst­loser Hingabe a» die der Herrscherin des Landes aus dem Gebiet des Wohltätigkeitswesens erwachsenden Ausgaben mancher schöne und rührende Zug bekannt gcivordcn ist. Mögen dem hessischen Hcrrschervaare gute und srcundlichc Eindrücke i» kommenden Tagen beschieden sein Ties ist der Gedanke, mit dem das bayerische Volk die Reise der ftirstlichcn Gäste unseres Königshauses begleitet!

Staatsrat Becker zur hessischen BesoldnngSrcform.

Die Monatsschrift für Deutsche Beamte veröffentlicht im 8. Heft des lausenden Jahrgangs einen Aussatz des Staats- rats Tr. Becker in Darmstadl iiber den Werdegang der nun Gesetz gewordenen Bejoldungsvorlage. Am Schlüsse der Be­trachtung bespricht er die Haltung der Beamten­schaft wie folgt:

Eine Erscheinung hervorzuhcben soll doch nicht vergessen wer­den, dos ist die fast musterhaft zu nennende Halmng, die die hessischen Beamten in den bewegten Zeiten eingenommen haben. Gewiß haben sie die Ständelamniern mit Eingaben und Wünschen nicht verschont, und wer wollte ihnen das in einer so wichtigen, für ihre Interessen io bedeutungsvollen Angelegenheit verargen! Was aber besonders lobend anerkannt zu werden verdient, das ist die Zurückhaltung, die die Beamtenschaft im allgemeinen sich in der Oeisentlichlcit auserlegt hat: Keine großen Versammlungen, in denen man ini Tone der Drohung dieErwartung" ansiprach, daß Regierung und Landstände das und das tun werde, keine allzu starke oder' gar keine ständige Znanspruchliahme der Preise, keine häßliche Polemik darüber, welche Beamtenklasft für den Staat wichtiger ist, kein kleinliches »ud ueidvvlles Gezanke und Gezerre darüber in der Oefsentlichkeit. warum der andere einige Mark mehr bekommen soll als man selbst! Kaum in einem Fall war etwas derartiges z» beobachten, und wie dies dem Takt und der Disziplin der Beannenschaft ein gutes Zeugnis anSstrllt, so hol es ihr sicherlich auch neue Thmpalhien in weiten Kreisen er­worben.

Die Landtagewahlen im Erohherzogtiim Hessen im Herbst 1914

Tic Rcuwahlcn für den 36. Landtag werden voraus­sichtlich. d.r der 35 . Landtag bald zu Ende (geht, im Oktober d. I. stattsindcii. Bemerkenswert ist bet diesen Neuwahlen der Umstand, daß in sämtlichen Städten des Großherzog- tumS nach dran neuen Wahlgesetz gewählt und sie dort als Bezirkswahlen stattsindLn. Neuwahlen müssen vorgenommen iverden in der Provinz Starkenbnrg in folgenden Wahlkreisen i Zn Darmstadt: bisher Osann (Natl.f Münch iNatl.) und Henrich (Bolksp.); in Osfenbach: bisher Ulrich Soz. und Eißncrt Soz. : in Lampertheim: bisher Rechts­anwalt Tr. Boxheimer (Zentr.)i in Waldmichelbach: bisher Amtsrichter Wünzer (Sinti, n in Mühlheim a M.: bisher Ltdelung (Soz. >: i» Michelstadt: bisher Lang (Natt.l: in Obcrramsradt: bisher Schönberger (Bauernbund : in Babcn- bauscn-Groß-Ulnstadt: bisher Hauck (Bauernbund Zn der Provinz Ober Hesse n sind Wahlen nötig in den Wahl­kreisen Gießen: bisher Grünewald <Bolksp> und Urstadt (BalkSP.): in Friedberg: bisher Damm kVolksp.): in Bad- Nauheim: bisher Zoutz (Bauernbund): in Alsseld: bisher Reh (Dolksp Zn der Provinz Rhein Hessen wird gewählt im Wahlkreis Mainz: bisher Dr. Schmitt, Bach und Heerdt (sämtlich Ztr.i; in Bingen: bisher Sohcrr iZtr.): in Worms: bisher Köhler (Natl und Stephan Natl. : in Jiigelheim-Finthcn-Lber-Olm: bisher Tr. Wolf ,Bolksp.); in Oppenheim: bisher Winkler (Natl.) und in Pscddersheim: bisher Finger (Natl.) . _

Deutsche "Kolonien.

Von der Landesausstellung in Windhuk in dem Staatssekretär des ReickiSIolomalanlls folgender Dralstgrutz zuge­gangen Aus Anlaß des glänzenden Gelingens der Landesaus­stellung gedenken die versammelten Teutt'ch-Südwclter Eurer Er­zellenz mit elirerbieligstcm Gruß, scitz. Voigts. Kindt. rer Staatssekretär sandte darau, dem Gouverneur folgende Antwort: Zn großer Freude über das glonzcndc Gelingen der Landes-Iis ftellung sende ick) Eurer Exzellenz und den ^eutsni--Lru.dmei.ern t.erzliäien Dank und Gri. _ _

Heer nnv Flotte.

D e r K r o n p c i n z u n d d i e H c r r e n d c s G ro ß e n

General st ab es sind ans ihrer Bcsichtigungsreisc. von Baden-Baden in Automobilen kommend, am Dienstag nin l.'- Uhr mittags in Saarbrücken eingeiroisen. Dre Herren werden voraussichtlich Mittwoch früh 8 Uhr nach Metz wcitcrsahren. '

Berlin, 2. Znni. DasMtttlarwocku'nblatl meldet: v Wintersc 1 b t, Oberstleutnant mit dem Range eines Abteilungschcss des Geireralstabs der Armee, Militärattache bei der Botschaft i» Paris, ivurde unter Enthebung von dieser Stellung zu»! Ableilungsches im Großen Gencralstabc ernannt.

! Die fy. Tagung des Deutschen Geographentages

;u der in Stratzburg i. E. einige hundert Dcllnekmcr. Gc Lrbrir aus dem ganzen Reiche iorofcc aus Deüerreich-Ungarn und Vertreter der Wmemchaft aus den Niederlanden, der Schweiz, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern, erschienen waren, nahm am Dienstag vormittag ihren Anfang. Erschienen waren u. a. der Kaiserliche Statthalter Dr. v. D a l l w i fc , der Kom­mandierende General v. D e i m l i n g und der Gouverneur von -Ltraßburg Generalleutnant v. Eberhardt. In der Aula der Kaiser-- Wilhelms-Universität cröffnctc der Vorsitzende, Geh. Regierungs- Professor Dr. Wagner- Göttingen. die Tagung, welche durch Begrüpungsworte des Leiters des Geographischen Seminars in «traßburg, Professor Tr. Leopold Sapper, cingeleitet wurde, der die Erschienenen namens des Ortsausschusses b-egrüßtc Es l? ra m C,t ^ncr iin Namen und im Anstrage der Landesregierung der ßoeurrspräiident Tr. P ö l, l m a n n, bei Verhinderung des Bür germerfters namens der Stadt Beigeordneter T i m m e. für die ttmveriuat der Rektor Magmncus Gchcrnirat Prof. Dr. C h i a r i, nir mc <LtNenichastliche Gesellschaft Straßburg Prof. Dr. Rchm , tur die Gnellschgft für Geographie deren Vorsitzender General-, ^9lor ^.Merten s . der auch die Grüße der Deutschen Kolonial- gcfeltfchast uberbrachte, sowie Pros. Brigham aus New Bork, dieser m deutscher Sprache. Nach einer kurzen Pause begann die Reihe der wissenschaftlichen Vorträge, indem zunächst Geheimer vosrat Prof. -^r. Hans Meyer-Leipzig über Land und Leute von Urnndt t» Ostafrika aus Grund seiner Expedition im Jahre ^ ^-..,vortchtcle. ^ie Vorträge werden noch den 3. und 4. Juni anvsiilleti. Am H. und 7. werden sich Ausflüge nach den be­merkenswerten Punkten und Gegenden der Reichslandc anreihen.

Der Untergang der Smpretz of Zreland.

Tic entsetzliche Katastrophe derEmpreß vi Zrciand" len ft lmcder die allgemeine Aufmerksamkeit aut den schlimmsten Feind der Seeleute, den Nebel. Heber den Gründen, die zum llntergaüg derTitanic" führten, hakte man die Gcsahren durch den Nebel last vergössen, und eS ist bezeichnend, daß die ersten Depeschen über das Unglück angaben, daß es sich auch bei derEmpreß ol Zreland" um einen Zuiammenswß mit einem Eisberg handele. Nun nt der Beweis erbracht, daß auch der Nebel Kalastrovbcn von gleicher Größe hcrvorzuruscn imstayde isi.

Nach Möglichkeit hat man in den internationalen secsahrts- beitimmungen versucht, die Gcsabren, die den Schiften durch den Nebel drohen, zu bekänwien. Jede Minute sind Schallsignatc durch Streue oder Nebelhorn abzugeben, an er icder, der einmal in der undurchdringlichen Finsternis eines dicken Nebels zur Sec geiabren ist, iveiß, daß diese schaurigen Warnungsieichen wob! die Nähe eines anderen Schifte» anzeigen, daß cs sich >m Nebel aber nicht ausmachen läßt, von welcher Seite das Schiit naht.

Ferner ist die Bestimmung erlassen, bei Nebel mitver­minderter G c s ch w"l n d j g k e i t" z» fahren. Das ist nun ein dehnbarer Begriff Ein Schiit, das gewöhnlich 23 Seemeilen läuft, hat verminderte Geschwindigkeit, wenn ee Mit der Fahrt aul 20 Knoten heruntcrgcbt. Ts ist ganz bekrnnt, daß diese Art der Aussassung oft schon zu schweren Unglückssällen gesühtt bat Dcnn der Kapitän eines Schilfes ist nicht nur" für die Sicherheit seiner Passagiere und seines SchisieS verantlvortlich, ivndcrn auch seiner Gcicllichast verpflichtet, möglichst schnell den Weg über S e u r ü ck z u lc g e n. Ta haben sich aus diesem Zwiespalt denn die SchissSführer oft durch den Ausweg zu retten gesucht, mit der Geschwindigkeit nur ganz minimal hcruntcrzugehen, uni bri einer Kaiastrovlie sich hinter der-verminderten Geschwindigkeit" vev- ichanzeu zu können und gleichzeitig den Vorteil ihrer Gesellschaft bedacht zu haben..

Endlich lammen bei Nebel noch die Auswcichcrcgcln in^ Frage, die gleichialls^ international icstgclegt sind. Aus der «tellung der grünen lSteuerbord> ^iind roten « Backbord) PositivnSlaterncn zueinander läßt sich mit Sicherheit der Kurs des fremden Schisses und die Möglichlejt eines Zusammenstoßes erkennen. Die porzu- nehmcnden Manöver find jedem seebefahrenen Menschen svsort klar. Die AuSweichcregeln kennt jeder: diese Kenntnis wird noch durch beaucme vorvus inemoriulev unterstützt:

Ist rot an Steuerbord zu sehn,

So mußt du aus dem Wege gehn.

Siehst du,jedoch an Backbord grün.

Kannst ruhig deiner Woge zieh».

Ist grün an grün Und rot an rot.

Kannst ruhig sein,

Hat's keine Not."

Wie ivenig aber bei Nebel die Lichter zu erkennen sind, geht aus der Aussage des Kapitäns K c n d a l l hervor, der dos unglückliche Schift ftihrte. Man erkennt aus dieser iurchtbaren Kakasttovbe wieder, wie wenig alles Sinnen des Menschengcislcs gegenüber den elementaren Ereignissen vermag, zu denen eben aus soee auch dichter Nebel zu rechnen ist.

Weitere Bekundungen de« Kapitäns Kendall.

Rimouski, 3l. Mai. Bei der Untersuchung über die Ka. tastroph: der Eniprcß os Zreland sagte Kapitän Kendalt weiter aus, der Kohlcndamvicr Stotttad Hobe seine Signale bcantivvrtet, nach­dem er gcsichlct war, und als der ^torstad noch ernc Tchiftslängc entfernt war, habe er durch das Sprachrohr ihm zugerufen, er solle rückwärts fahren. Gleichzeitig habe er seinem SchiftVolldampi voraus" befohlen, um iu versuche», dem Zusammenstoß znvorzu- kommen. Nachdem der Bug des iptorstad die Emprei; zwischen den Schornsteinen durchschnitten hatte, habe er den Ltorstad ersucht, weiter mit voller Stroit vorwärts zu fahre» und daS Lea auSzu- iüllcn, doch sei der Storstad zurückgei'ahrcn, und das Wailer iu durch das Leck hcreingcstürzt. Er habe nun versucht, die Empreß auslauien zu laßen, doch labe das Wasser die Maschinen inuerlialb von drei Minuten zum Stehen gebracht, und das Schiit habe begonnen, sich zu iüllcn. Darum habe er besohlen, die Boote auö- züsetzen, und fünf Minuten später sei das eccknft gesunken. Er sei umergegangen und tobe das Bewußtsein verloren. Als er wieder zn Bewußtsein gekommen, habe er in einem Boote gelegen, ans dem sich bereits dreißig Personen besundcn hätten. Er Iwbe dann sein Möglichstes getan, um noch andere zu retten, und noch iüniund.zwanzig Personen autgciischt und weitere zehn mitgenom­men, die mit um die Handgctcnkc geschlungenen stricken an den Seiten des Bootes iestgehatten wurden.Zäls er gesehen habe, daß er nicht mehr retten könne, sei er zuni Ltorstad gcrudett, habe die Leute an Bord geschasst und sei dann zurückgekehrt, um zu ver­suchen, noch mehr zu retten, habe scdoch niemanden gesunden. Ken­dall erklärte, er liabc von dem Storstad keine Antwort erhalten, als er ihn auftorderle, stehen zu bleiben, obwohl er cs ihm iünt- inal zugerufen habe. Als er darauf dem Storstad zugeruien habe, vorwärts zu iabrcn, habe er gleichfalls keine Antwort erkalten, doch hätte der Kapitän VcS Storstad als Seemann ivissen sollet,, datz er nach dem 'Zusammenstoß vonv'äns fahren mußte. Eine Ervlo ,'ion Hobe nickü stattgeiundeu und cS sei auch zu keiner Panil ge­kommen. Er habe bis zuletzt volle Kontrolle über seine Mann schast bchaltsr. Mlc, die mit dem Leben davonkamen, seien durch die Boote der Eniprcß auigenvinmcn worden oder hätten sich an TchiskStrümn.ern über Wasser gehalten.

Ter Bericht des Kapitän Andersen.

! Montreal. I Zuni. (W. B.« Eine aus einen Bericht der Kapitäns Andersen und anderer Lssizicre des KohlendomplerS Storstad" gegründete Darstellung des Unterganges derEm- preß" oi Zreland", die den Beamte» derMaritime Steamshiv Company" ingegangcn ist, wird nunmehr vciöiieniticht. Andersen und die O innere erzählen, diestorstad" dampfte nicht rückwärts, nachdem sie mit beiEmpreß oi Zreland" zuiammengeitoßrn war, sondern iuhr vorwärts in dem Bestreben, MN dem Bug den Ritz in der Seite derEmpreß" IN verstovien. DieEmpreß" dampfte icdoch weiter und bog den Bug des Koblendampiers nach Backbord in eincni spitzen Winkel zur Seite. Nachher war dieEmprcß" aus dem Gesichtskreis verschwunden. Der Kohlcndamvicr gab nichtsdestoweniger Signale mit der Dampspsciie, konnte aber den Auienthaltsort derEmpreß" nicht ermitteln, dis man die schreie der Ertrinkenden Hörle. Andersen stellt ganz entickneden in Abrede, daß er sich noch dem Zusammenstoß eine Meile weit cntlcrntc. Er l.aiie ioiorl »bgestoppt, während dieEmpreß". ihre Lage ver- ändcrte. Andersen erzählte de» Eignern derstorstad", er habe Kapitän Kendall rufe» hören:Gebt incht zurück!" und hätte daraus acantwortcl:Werde es Nicht tun!" Dauaäi aber wäre die Empreß" aus dem Gesichtskreise verschwunden. Der Bericht erklärt weiter, daß die schisse einander gesichtet hätten, als sie »och weil voneinander cnticrnt gewesen seren. DieEmpreß" fahr, vom Storstad" gesehen. links Ihr grünes steuerbordlicht war an Bord derstorstad" unter Verhältnissen sichtbar, die derstor> stad" nach de» schlisadrtsqcsetzen das Rech! gaben, ihren Kurs bcizubrl.allelt. Ter Kurs derEmpreß" änderte sich so, dai> man nach der Lagc^ dcS schiiicS annehmcn konnte, sicher an ihm Bor- behzusal ren. später hüllte Nebel erst dieEmpreß" und dann die Stotttad" ein Es wurden Nebclbornsignalc gewechselt. Die sMaschnien desStotttad" gingen sofort mit halber Kraft und stophtci, dann ganz. Der Kurs wurde nicht verändert. Links börte man Signale herEmoref oi Zreland":storstad" luetmortete. Plötzlich war dieEmpreß" unmittelbar linls vonStorstad" im Nebel sichtbar. Sie zeigte ein grünes Licht und lief eine zrenilich schneite Fahrt. Tie Maschinen desstorstad" stoppten und standen schon Jttll, als die schifte zuiammensticßen. ES wurde gesagt, diestorstad" hätte nicht rückwärts aus dem Riß heraussahren sollen, sie tat cs auch nicht. Als die Schifte zusammenstietzen, wurden die Maschinen derStorstad" mit Absicht in Gang geletzt, um den Bug des schiiics aus der Seite derEmpreß" zu halten, bevor Wasser eindttnqen konnte. DieEmvrtti" aber schwenkte um dieStorstad" herum, bog ihrcu Bug nach Backbord und ver­schwand. Diestorstad" kictz alte Boote herab, um die Paiiaqiere und die Mannschaft derEmpreß" zu retten, obgleich sie selbst in großer Gefahr war zu sinken. Die Boote retteten 350 Pcrsemen. die an Bord gebracht wurden. Die Berschte der Presse, die be- kauvten, daß diestorstad" leicktierftg gezögctt habe, anstatt wirksame Hilsc zu bringen, zeugten von harter Ungerechtigkeit. Der Kapitän sordcrt die Oeftentlichkeit aus, mit ihrem Urteil zurück- znhalten, bis ein unparteiisches Gericht beide Pattcicn gehört habe.

Zickzack-Kurs der Empreß.

DieTimes" melden aus Montreal vom l. Juni: Ka- vitän H o l d u n g von dem norwegischen KodlendamvicrA l d e n" hat einem Beamten die Beobachtung mitgeteilt, die sein zweiter Olsizier und der Lotse gemacht hätten, als sie derEmoreß os Zreland" etwa 30 Seemeilen von der Unglücksstellc cntiernt be­gegneten, DieSilben" fuhr den st. Lorenzstrom auswärts und befand sich 30 Meilen von Fathcr Point, als dieEmpreß os Zreland" gesichtet wurde, die ihr entgegeusnhr. Ter Lotse und der zweite Lssizier waren aus der Kommandobrücke derSilben" und sind bereit, folgende eidliche Aussage zu machen: Tie Empreß oi Zreland" i»br den 2t. Lorenzstrom abwättS, als sic ihr begegneten, sie näherte sich dem .Ko hl c n da m v fer in einer so ziellosen Art, daß der Lotse und der

0 i l i;, c r e r n st l i ch besorgt wurden. Der Kurs war so ziellos, daß man bald das grüne Licht, bald die rote Laterne scheu konnte. Ihr Kurs war ein Z i ck z a ck k u r s.

Tie Nntcrsuchung.

Ottawa, l. Zuni. lRenter.) Tie Regierung hat im Unter- Hause eine Bill zur Einsetzung einer Spezsalkommsssion zur Unter­suchung des Unglücks derEmpreß oi Zreland" cingebracht.

Bon dem Bureau der Eanadian Pacific Company wird be­kannt gegeben, daß die a m i l i ch e Untersuchung über das Unglück derEmpreß oi Zreland" in Ouebcck am 9. Zuni be­ginne» wird.

Quebec, l. Juni. Korvettenkapitän Twcedie von derEs­sex" die sich an der suche nach Leichen beteiligt, bat die Ansicht auSgcsvrochc», daß cS u n ni ö g l i ch ist, dieEmpreß o i I r e -

1 a n d" zu beben und daß ihr Rumps gtt'prengt werden müsse, damit die Schissahrt nicht gesäbrdet werde.

Montreal, 1. Zuni. >38. B. Der Da in vierStorstad" in gestern wenig beschädigt hier csngetroifcn. Einigen Beamten Ivurde nur gestattet, an Bord zu gehen. 'Die Eanadian Parisrc - Gesellschaft bat a» .Kapitän Slndcrsen eine Forderung aus Schadenersatz in Höhe von zwei Millionen Dollar gerichtet.

London, 30. Mai. Die schissSvcrsicherer vom Llmid sind durch den Untergang derEmpreß os Zreland" schwer getrosten. Das Schift war mit acht Millionen Bkark versichert. Die Bersicherungcn sind mit englischen Bersicherern abgeschlossen worden. Der Verlust der Ladung dürfte ilmen weitere drei Millto- ncn Mark kosten. SllS die erste Nachricht von dem UnglückSsali cnttrai, wurden Rückversicherungen von vier bis 30. Prozent abgeschtoiien. Tie Rate lür die Rückveriichcrnng des vermißten TampicrsLuckcnbach" beträgt bereits sechzig Prozent.

33. Deutscher vurschenschaftrtag.

Eisenach. 1. Juni. Tie deutschen Burschenschafter haben hier Einkehr gehalten, um neben rein studentischen Frayen die letzten vorbereitenden Beschlüsse zur Jahrhundertfeier der Gründung der Burschenschaft gu lassen. Es ist deshalb selbstverständlich, daß bei dieser Tagung sämtliche deutschen Universitäten und sämtliche 67 bnrschenschastlichen Verbindungen vertreten sind. Die Leitung der Jesilichkeiten und der Verhandlungen führte die Verbindung ,Rugia"-Greis7'lvald. 9tach ihr bekommt die ^Allemannia"-Mar- burg den Vorsitz. Im Mittelpunkt der Feier stand die Ansprache des cand. pbil. Schröder (,Rugia*-Greisswald). Sie gedachte der mannigfachen geschichtlichen Erinnerungen, welche die Wartburg- stadt und die deutsche Burschenschaft so eng miteinander verbinden. Heute nachmittag fand der Zug nach dem BurscheuschastSdenkmal und die Feier daran statt. Im Mittelpunkt dieser Feier stand die Festrede des Referendars Flex-Gerstungen (bAllemanniaE-Bonn). Danach bewegte sich der Zug nach der unterhalb des Tenkmals liegenden Banstäite des Burschenschaftshanses, welches nach Plänen des Prozessors Kreis-Düsseldors errichtet wird. Ter auSführende Bauleiter I. Senert-Eifenach gab an Crt und Stelle nähere Mit­teilungen über den stattlichen Bau, der bereits zur Jahrhundert­feier beendet sein wird. Tie mehrtägigen Verhandlungen er­streckten sich haliptsächlich aus interne Angelegenheiten. Eingehende Besprechung fand neben der Jahrhundertfeier der deutschen Burschen­schaft die studentische Bismarckseier 1-1-', in Friedrichsrnh. Ferner befaßte man sich mit der Förderung des' Sports und der Leibes­übungen in der Studentenschaft. Tie Burschenschafter legten am Grabe Dr. Fritz Reuters und am Bismarckdeaknial Lorbeerkränze mit schwarz-rot-goldenen Schleifen nieder