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Kr. [22

Drittes Blatt

Erscheint tausch mit Autznahme deS Sonntag;.

m. Jahrgang

5>ieGirtzrsrr Familteublätter" werden dem »Arl-erqer" viermal wöchentlich beigelegt, daZ Kretsfclatt für dev Kreis Giehev" zweimal wöchentlich. Die ..Lckvdwirtfchoftliche« Seil- fr a^cL" er^chemerr monatlich zwermal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Mittwoch, 21 . Mai *9$

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sthcn UnwcrsitälS - Buch- und Sleindruckerci,

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Vertag: ^^öl. Redaktion:d^II2. TcI.-Adr.:ÜIuzcigerGicßc».

Grdentliche Sitzung des Provinzialtags der Provinz Gbertzeffen.

Gießen, 25. Mai

Anwesend: Provinzialdirektor Geheimerat Tr. u s i n g c r , als Vorsitzender, 24 Mitglieder, die KinSräte der Provinz.

Bor Eintritt in die Tagesordnung widmet der Vorsitzende dem verstorbenen früheren Mitglied des Provinzialtags Geh. Justizrat Dr. G u t f l c i s ch anerkennende Worte und ersucht die Anwesen den, sich zu seinen Ehren von den Litzen zu erhebe». Tics ge schiebt, .hieraus werden Gras Wilhelm zu Solms-Laubach und Bürgermeister R e u h l - Gambach ,u llrkundspersonen bestellt; der Protokollsührer wird durch Handschlag verpstichtet und sodann in die Tagesordnung eingetrclen.

Punkt I. Prüfung der Ergänzungswahl zum ProvinzialtagimstreisLauterbach. Die Ergänzungs­wahlen in den Ereilen Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen und Schotten sind bereits im Februar ds. Js. vom Provinziattag ge­nehmigt worden. Inzwischen hat auch die Wahl im Kreise Lauter bach itattgesunden und zwar sind dort gewählt worden: Kommer­zienrat Hoos, Lauterbach und Beigeordneter' Kübel, Herbstein. Ter Provinzialtag erteilt der Wahl seine Genehmrgung.

Punkt 2. Versorgung der Kreise Alsfeld und LauterbachunddesnördlichenTeilesdes Kreises Schotten mit elektrischer Energie. Hierzu hat der Provinzialausschuß beantragt, der Provinzialtag wolle beschließen:

l. den ProvinzialauSschuß zu beauftragen, baldmöglichst eine den näher angegebenen Grundlagen entsprechende Vorlage zu machen:

2 den, Belchluß des ProvinzialauSschusscs vom 13 Mai l. I. beizutreten, wonach den auswärtigen Provinzialtagsmitglie dern, die zur Beratung und Beschlußfassung hierüber im lausenden Jahre nochmals in Gießen zusammentrctcn müssen, ausnahmsweise Ersatz für die ihnen erwachsenen Reisekosten sowie ein Tagegeld zu Lasten der Ucbcrschüsse gewährt wer­den soll.

Der Vorsitzende bemerkt dazu, daß der Provinzialausschuß nicht empsehten könne, die Versorgung in eigener Regie zu über­nehmen Er habe deshalb vorgeschlagen, daß unter Leitung und Akrssicht der Provinz die Kreise durch einen Dritten versorgt wür­den unter vollständiger Wahrung der Gleichmäßigkeit der Versor­gung der Gemeinden

H. Brauer- Obcr-Osleiden: Gerade die Kreise Alsfeld und Laurerboch hätten schon von Beginn der ganzen Bewegung den größten Wert daraus gelegt, daß sic nicht im Rückstände blieben. Er habe das im Provinziattag auch immer wieder betont und er könne dem Provinzialtag und Provinzialausschuß nur seinen Dank dafür aussprcchen, daß man jetzt an die Verwirklichung des Pro­jektes denke» könne. Er möchte aber dock, seine Bedenken nicht ganz unterdrücken bezüglich der Hcreinnahme einer Privatgesell­schaft. Nachdem aber der Provinzialausschuß, in dem, wie er wisse, auch derartige Bedenken laut geworden seien, sic zurückgestellt habe, möchte er für sein Teil beantragen, daß dem Antrag zugcstimmt werde

Kommerzienrat H o o s - Lauterbach fragt an, ob die .Bedenken des ProvinzialauSschusscs, die ihn zu seinem jetzigen Standpunkt veranlaßt hätten, teckmischer oder finanzieller Natur seien. Tic Zu­ziehung einer Privatgesellschaft sei auch ihm unsympathisch.

Vorsitzender: Es bestünden technische und stnanzielle Be­denken. Die technischen Bedenken seien die, daß die Versorgung des ganzen G>chieteS von WölierSheim aus wohl nicht möglich sei. ES inüßten also noch andere .Ttromguellen .gesunden werden, die man in der Provinz nicht besitze. Finanziell Bedenken seien in­sofern vorhanden, als daS bis jetzt versorgte Gebiet den besten Teil der Provinz umfasse. ES erfordere voraussichtlich einen jähr­lichen Zuschuß von 100 000 Mark für eine Reihe von Jahren. Die Kreise Alsseld und Lautcrbach seien das ausgedehnteste, dünn bevölkertste und am wenigsten leistungsfähige Gebiet. Mit welchem Zuschuß man, wenn die Provinz die Anlage in eigener Regie aussührc, rechnen müsse, könne er genau nicht sagen. Allein er glaube, daß er nicht wesentlich geringer sein werde, als in dem bereits ausgebauten Gebiet. ' Das gehe aber über die Kräfte dev Provinz. Wenn loirklich der Provinziattag den Ausbau in eigener Regie beschließen sollte, müsse er Bedenken tragen, die notwendige Anleihe dem Ministerium zur Genehmigung zu empfehlen. Tas Risiko möchte er nicht übernehmen. Im übrigen werde der mit eineni Tritten abzuschließende Vertrag den: Provinziattag ja zur Genehmigung vorgelegt werden und die Mitglieder seien dann in der Lage, sich über die kleinste Kleinigkeit genau zu orientieren. Dann werde erst daS letzte Wort in der Sache gesprochen. Es haichele sich heule nur darum, daß der ProvinzialauSschuß Voll­macht für den vorläufigen Abschluß eines derartigen Vertrages erhalte.

Laudgcrichtsdircktor i. P. Bücking fragt an, ob wirklich, wie dies in der Vorlage stehe, jedes Risiko für die Provinz ausgeschlos­sen sei und bittet, dafür Vorsorge zu ttesfen, daß eine spätere lieber-, »ahme der Leitungen in eigene Regie der Provinz keinen Schwierig­keiten begegne. Im übrigen sei er dafür, daß sich die Provinz im vorliegenden Fall zu einem gemischtwirtschaftlichen Unternehmen hcrgcbe.

Vorsitzender: Tic Verträge, unter denen der Provinzial­ausschuß auswählcn könne, lägen bereits vor. Einzelheiten daraus mitzuteilen sei schwierig. Er bedauere sehr, daß die Provinzialver- loaltung heute nicht schau in der Lage genasen sei, einen ausgc- arbeiteten Vertrag vorzulegcn, dann würde manches vielleicht nicht, zur Sprache kommen, weil es auS dem Vertrag heroorgrht. Be­züglich der späteren Uebernahmc kömir er nur sagen, daß der Pro­vinzialausschuß alle notwendigen Kautelcn schassen loerdc. Was das Risiko betresse, so sei anzunehmstn. daß die Provinz vielleicht einen Teil des Kapitals, das zum Ausbau der Kreise Alsseld und Lauterbach notwendig sei, ausbringe, denn der Kommunalkredit sei billiger, ivie ivcnn ein industrielles Unternehinen an den Markt komme. Ein Risiko lause aber die Provinz damit nicht, denn das, was aus ihre Kosten gebaut werde, bleibe ihr Eigentum und für die Verzinsung und Tilgung müsse der Dritte aufkommen. Aller­dings tverde man wohl mit einen, geringen Betricbszuschuß rech­nen müssen. ^ . , _ . ,, ... ... , m

Weh Justizrat Jäckel-^ricdberg: Er tmste nicht, ob die Pro­vinz das halten kömic. daß sie sage: Ich will keine Zinsen zahlen. Wenn das Werk sich nicht rentiere, dann müsse die Provinz in die Tasche greisen Er meine, nurn solle diese Forderung lieber

^Vorsitzender: Die Provinz könne sich ja sichern, indem sie kür stinsen und Tilgung eine Kaution stellen lasse.

Forstmeister Tr. Weber: Die Aussassung des Herrn Geh. Justtzrat Jöckel würde richtig sein, wenn Staat, Provinz und Ge­sellschaft eine Betriebsgemeinschait bilden würden. Tas lei aber die Absicht der Provinz nicht, sondern sie wolle nur das Bau- lavital geben und wolle eS der Geiellschasi überlasten, das Ge. schäit aus eignes Riirko zu treiben. Die Provinz gebe- nur crncn Zuschuß Sr glaub.-, daß man aur d>e,em Wege zum Ziele komme, ohne daß mail Gefahr lause, da» die Provinz ein Rmko über­nehme Die Gesellschost schütze,aber auch che Provinz vor uber- Kiebencn Ansprüchen anzuschlietzender Gemeinden wegen der Zeit

| CtbnS Fa lck-Fricdl>erg: Der Antrag des Provchzral- ausschusscs sei unter großen Lch,merrgkcaen entstanden. Es hatten ,wße Bedenken bestanden, das nnanzielte Rinko zu übernehmen.

Er glaube auch Nicht, daß man mit einem Zuschuß von 100 000 MI. in dem bereits ausgebaulen Teile auskommcn werde. Deshalb stehe er auf dem Ttandpunkt, daß man die Sache nicht mit allzugroßcc Hast betreiben solle. Die Rosinen auS dem Kuchen in den Kreisen AlSicld und Lautcrbach seien bereits hcrausgeholt. Tie Ttädie Ulsicld, Lautcrbach, Schlitz und Homberg fehlten. Es blieben also nur noch die kleinsten Dorschen übrig, die weit auseinander lägen. Andererseits stehe er auf dem Ttandpunkt, daß man das Unter­nehmen besser in Gemeinschaft mit einem Dritten, als selbst aus- sühre. Man solle wt allen Dingen aber eine Verbilligung der Strompreise bei dem Staat zu erreichen juckten.

, . Geh. Justizrat Rabenau: Aus den Watten des Herr» Falck lei nicht, zu ersehen, Ivie er sich zu den, Vorschlag des Provinzial, auslchusses stelle. Der Standpunkt des ProvinzialauSschusscs sei lolgender : Tic Kreise Alsseld und Lautcrbach hätte» de» Anspruch, ebenso mit Elektrizität versorgt zu we-seu. wie die übrigen Kreise, zumal dies den Kreisen auch versprochen worden sei. Damit nun die Provinz Vorgehen könne, müsse sich der Provinzialtag über zwei Fragen schlüssig machen Erstens: Tollen die Kreise Alsseld und Lauterbach alsbald mit Elektrizität versorgt werden und zweitens, bejahendenfalls: Soll die Provinz allein Vorgehen oder unter Mit­wirkung einer Gescllickuift'? Das. seien momentan die einzigen Fra ge», über die der Provinzialtag zu entscheiden habe. Herr Brauer habe den Vorschlag gemacht, die erste dieser Fragen zu bejahen. Es bleibe alio auch die zweite übrig. Tie GrÄitde für die Heran­ziehung einer Gesellschaft seien van dem Herrn Prvvinzialdirektor auseinanderisesttzt worden, und, tvie er zu seiner Freude konsta­tieren könne, habe auch der Herr Kollege Falck aus die Notwendig­keit hingewicscn, sich einer Gesellschaft zu bedienen. Im übrigen bekomme der Provinzialtag bei der Vorlage der Verträge Gclcgcn- hcit, alle Einzelheiten zu »nifen. Mrrn könne überzeugt sein, daß der Provinzialausschuß alles tun werde, um das Interesse der beiden Kreise und der Provinz zu wahren.

H. Brauer- Ober-Osleiden: Tie Worte des Herrn Geh. Justizrat Rabenau bezeichnen durchaus klar den Stand der Ange­legenheit. Herr Falck sei überzeugt, daß cs einen anderen Weg zur Versorgung der Kreise nicht gehe. Nun wünsche er aber keine allzu große Hast und sage, die besten Rosinen sein aus dem Kuchen bereits hcrausgeholt. Es gebe aber immer noch welche. Es seien einzelne industrielle Unternehmen vorhanden, die, wenn nicht bald gebaut werde, sich selbst versorgen würden. Dann kämen vielleicht auch noch einige Ottc uns zum Schlüsse gebe es keine Möglichkeit der Versorgung des Restes mehr. Man solle sofort 'mit der Ver­sorgung beginnen.

Kreisrat Tr. Merck- Schotten äußert Bedenken, wen» die Verträgc zwischen dem Unlcrnchmcn und den Gemeinden abgeschlos­sen würden. c

Der Vorsitzende bemerkt, daß die Provinz diese Verträge abschließe.

Hierauf wird der Antrag des Provinzialaus- schusscs einstimmig angenommen.

Punkt3und4. Rechnungenund Verwalt» ngs- berichtc der Provinzialkasse und des Wasser­werks Inheiden für 1912. Nach Mitteilung des Vor­sitzenden sind die Rechnungen von Bürgermeister Ttahl-Fricd- berg vorgcvrüst und einige kleine Anstände bcseiligt worden. Er dankt Bürgermeister Stahl sür die Prüfung. ES werden sodann die vorgckommenen Kreditüberschreitnngen zu Lasten der nachge- wicscnen DcckungSmittel genehmigt und wird dem Rechner die nuch- gesuchtc Entlastung eneilt.

Punkt 5. Voranschlag der Provinzialkasse für 1914. Der Vorsitzende bemerkt zunächst, daß der Ausschlags- maßstab derselbe geblieben sei. In 1913 seien entsaften auf je 100 Mk. Treuerwert des Vermögens 1.57 Psg. und aus je 1 Mk. staatliche Einkommensteuer 7,34 Psg. Tie Steucrwctte der ganzen Provinz Hütten betragen: Vermögen 1ft40l>23 110 Mk., staatliche Einkommensteuer 2 511932,95 Mk. Alsdann werden die einzelnen Rubriken durchberaten.

Zu Rubrik IV, 2, außerordentliche Straßenherstellungen be­merkt Kreisrat Freiherr Schenck zu Schwcinsberg - Fried­berg: Tie Holzbrücke in Holzbauten, deren Erneuerung bereits grundsätzlich genehmigt sei, sei in einem derartigen Zustand, daß ihre Herstellung alsbald crsolgcn müsse.

Vorsitzender: Es stehe nichts im Wege, daß der Kreis Friedberg einstweilen bauen lasse und daß dann, wenn möglich, schon in 1915 der Beitrag des Staates und der Provinz in dem Provinzialkassc-Voranschlag vorgesehen werde.

Zu Rubrik IV, 3, Neubau von Kreisstraßen, fragt Kreis- rat Freiherr Schenck an, warum die Kreisstraße Berkers­heim.Harheim nicht in den Voranschlag ausgenommen worden sei, bic bereits grundsätzliche Genehmigung ersabren habe.

Vorsitzender: Tie grundsätzliche Genehmigung binde Pro- vinzialausjchuß und Provinzialtag weder bezüglich der .Höhe noch der Zeit des Zuschusses. Wenn die Straße Berkersheim-Harheim so dringlich sei, bann könne ja der Kreis cinsnvttlcn mit den: Bau beginnen. Er müsse allerdings dann der Provinz überlaiien, wann sie den Zujckmß geben könne, da die Mittel beschränk! und doch auch auf die Bedürfnisse der anderen Kreise Rücksicht genom­men werden müsse.

Kreisrat Freiherr Schenck: Die Straße sei ein dringendes Be dürsnis. Die Bevölkerung lei bei Ucberilutungen, Ivie im letzten Frühjahr, von jeden: Verkebr mit der nächsten Bahnstation abgc- schnillen.

Vorsitzender: Tic Provinz könne erst dann einen Zuschuß geben, wenn sic daS Geld dazu habe.

Ockonomierat Falck- Friedbcrg bezeichnet ebenfalls die Aus­führung der Straße als dringlich.

Ten Bau einer K r e i s st r a ß e »ou Rendel nach Gronau hat der ProvinzialauSschuß beantragt, nicht zu gcnch migeu.

KrciSrat Freiherr Schenck: Ter Kreistag von Friedberg habe schon zum zweiten Male den Bau dieser Straße beschlossen und zwar aus dttngerchcn Wunsch der Gemeinde Rendel. Er bitte den Provinzialtag, die Straße grundsätzlich genehmigen zu wollen.

Ockonomierat H o i m a n n - Hoigüll: Tic Gemeinde Rendel habe jahrelang mil dem preußischen Staat wegen dieser Straße gekämpft. Nachdem biefer sich setzt gefügig zeige, wolle die Provinz nicht. Das Interesse der Gemeinde müsse sehr groß sein, sonst würde sie sich nicht zu solchen Mosern bereit erklär: haben. Es werde gesagt, cs liege bloß ein Interesse des Besitzers der Tcharmühle vor. Ob das der Fall sei, könne er nich: bcuttcklle». Er glaube aber, daß der Provinziallag eine wohlwollende Stellung dem Pro­jekt gegenüber einnehmen solle.

Vorsitzender: Ter ProvinzialauSschuß habe sich die Ver­hältnisse an Ott und Stelle angesehen. Nach dessen Ansicht reiche der vorbandcnc, sehr schöne Feldweg sür die Bewohner von Rendel vollständig aus. Außer dem Besitzer der Scharmühle habe nicniand ein Interesse an dem Ausbau dieser Straße. ES sei nun merkwürdig, daß aui vrcußischem Gebiet der Scharmüller und die Gemeinbe die Kosten der Straße, Her Brücke »ich der Unterhaltung zahlte», während in Hessen Provinz und Krtts bezahlen sollten. Er müsse ernstlich gevrüst werden, ob ein össcntlicheS Interesse vorlicgc. Ter Umweg nach der Station Niederdorselden betrage etwa 900 Meter. Deswegen könne man aber doch keine Kreisstraßc bauen.

Kreisrat Freiherr Schenck: Zu der Brücke zahle der Müller nur einen Beitrag. ES sei nicht ausgeschlossen, daß die Gcmcindc Rcndel den Beitrag zur Brücke zahlen müsse, wenn auch die Straße nicht gebaut wer«, weil sie sich dazu bereit erklärt habe. Die

Straße sei deshalb so dringeich nötig, damit die Arbeiter einen näheren Weg zur Bahn bekämen. Der Hauptvcrkehr sei nach Franksuri.

Laichgerichtsdirektor i. P. Bücking Gießen: Es trage sich, ob der ProvinzialauSschuß nicht nur zurzeit von einem Zu­schuß absehcn wolle. Ein össcntlicheS Interesse scheine ihm ja auch nicht zu bestehen. Tie Gemeinde bube iusosern ein großes Interesse, als die neue Straße hochwasscrfrei werden solle.

B o r si tz e uder: Er glaube isicht, daß die projektierte Straße g a n ; hochwajserirei bleibe. Der ProvinzialauSschuß sei der Ansicht, datz eine ganze Menge dringlicher Prvjcklc vorhanden seien, Ivie das hier Iragliche.

Ter Antrag des P r v b i n z i o l a u s s ch u s s es wird sodann mir 13 g c g c n II Stimmen angenommen

Zu Rubrik^IV. 4, Kleinpftasteranlagen aus Kreisstraßcn wüuicht KrciSrat Freiherr Schenck eine Acndcrung des ausge­stellten Bauplanes.

Der Vorsitzende bittet, den einmal aufgestellten Plan nicht zu andern.

Zu Rubrik VI, 2, Siechcnauftalt, erwähnt Kreisrat Dr. .Jittd-idiollen, daß für 1915 eine Erhöhung der Pslegcsätzc degoiichtigt sei. In dem Kreistag des Kreises Schotten sei der Dt milch ausgesprochen wordtti, daß keine Erhöhung, sondern eine Ermaßrgung eintrete,

. Vorsitzender: Ter ProvinzialauSschuß sei deshalb wahr Icheuilich gezwungen, die Pilegcgcldcr zu erhöhen, weil der Staats- zulchiiß um 5000 Mk gekürzt worden sei. Diese Sätze seien auch keineswegs zu hoch.

Rubrik VI, 3, Verhütung ansteckender Kranklleiten Kreis- tot 4t. Merck: Er bedauere, daß der ProvinzialauSschuß vor- Kfilngc, die seitherigen Zuschüsse zu den DeSinseVionsklüten zu ureichen Tie llebcrnghme eines Teiles dieser Koste:: auf öffentliche Mittel habe eilten ganz hervorragend sozialen Eharaller Der Kreistag von Schotten lzabc deshalb auch beschlossen, daraus hinzu­arbeiten, daß diese Kosten ganz übernommen würden. Leider sei das in kleinen ländlichen Kreise» nicht möglich. Wenn der Bttrag auch ftein sei, so könne man ihn doch sür andere Zweck? gilt der wenden.

Krcisrat Freiherr Schenck: Es handele sich um lokalvolizei- liche Kosten, zu deren Uebernahm? Nack: Entscheidungen des Mini­steriums die Kreise nicht perpslichtet seien.

Auch zu Rubrik VII, 2, Verhütung ansteckerider Tierkrank­heiten, gibt Kreisrat Dr. Merck seinem Bedauern Ausdruck, daß der seitherige Zuschuß zu den Tammelwasenmeistereie,: wcgblcibcn solle. Ter Kreis Schotten habe beabsichtigt, Heine Abdeckereien zu errichten. Das müsse er sich jetzt sehr reiflich überlegen.

Vorsitzender: Der ProvinzialauSschuß werde vielleicht nicht abgeneigt sein, einen einmaligen Zuschuß zu den Kosten der Erttchtung neuer Anstalten zu leisten.

^ Forstmeister Tr. Weber-KonradSdorf: Er stehe aus dem Standpunkt, daß, nachdem die Regierung diese Zuschüsse zurück­gezogen und erklärt habe, daß sie nicht mehr im allgemeinen Interesse lägen, man in solchen Kreisen, wo solche Anstalten noch nicht beständen, äußerst vorsichtig mit ihrer Errichtung sein solle. Tie Hossnungen, die man aus die Gründung der Sammttwasen- meistereien bezüglich der Seuchenbekämpfung gesetzt habe, hätten sich in seiner Weise erfüllt.

Der Voranschlag wird hieraus mit.einer Ein­nahme und Ausgabe von 1015 597 Mark 18 Psg. genehmigt.

6. Der Voran schlagdes Wasserwerks Inheiden für 1914 wird ohne Aussprache mit einer Einnahme und Aus­gabe von 869 000 Mark genehmigt

7. Antrag des Grasen zu Solms-Laubach, be­treffend die öffentliche Lebensversicherung.

Der Antrag hat folgenden Wottlaul:

Die öffentliche 'Lebensversicherung ist nunmehr in säst ganz Preußen eingeführt. Mit wenigen Ausnahmen haben die preußi­schen Provinzen bereits össentliche L?bensversichernngsgnstalten gegründet. In Bayern und in Sachsen sind die Arbeiten ans Gründung solckwr Anstalten dem Abschluß nahe. Bei dieser Sach­lage möge der Provinzialtag den ProvinzialauSschuß ersuchen, der auch für Hessen wichtigen Frage gleichfalls nachzugehen und Mt diesem Zweck insbesondere mit den beiden anderen Provinzial Verwaltungen wegen eines eventuelle,i gemeinsamen Vorgehens in geeignetes Benehmen zu treten."

Gras zuSvlms - Laubach schildert eingehend Ziveck und Ziele der öftentlichen Lebensversichcrung und ergänzt seinen Antrag dahin, daß zwischen den Worte»Provinftalverwaltungen" und wegen" eingcickialtet Ivird:speziell im Sinne des Borgrliens des rheiuhesjijchen Provi»zialtags-ß

Kommerzienrat Hoos Lauterbach teilt mit, dal! die meisten Haiidelskammerii einen ablelmendeu Slandvunkt zu der Sach? ciunehmeu. Auch der deutsche Handelskauiinertag habe litl: da­gegen ausgesprochen, daß die Kouimuualveibände eine unttschgii lrche Tärigkeit ausi'chten, durch welche di? Privaiwirtschast giitliädigt werde, ivcim nicht besondere Verhältnisse vorläge». Diese seien aber hier nicht gegeben. Immerhin sei der Antrag Tr. Erlaucht derart, daß er ihm heitrnen könne.

Landgerichlsdirektor i. P, B ü ck > » q Der Provin-ialausschiu: in Mainz habe sich deshalb gegen eine» ähnlickien Antrag ausge- sprockien, weil die Allgliederung der LebeiiSversicherungsaiistalt an die Landeskhyoiltz-kenbank Tchwicrigkeiteii bereite und aiitzcrdcm ein Bedürfnis nicht bestehe.

Gral zu Solms-Laubach: Tag die Handelskammern sich dagegen ausiprächen sei selbstverständlich, iveil sie die Privaivcrslche- rung in ihren Lchntz nehmen müßten. Er red? auch gar nicht gegen die Pttvatversicktz-rung. Er halle es iür drliigend qcbottti, daß man auch in Hessen vorgehe In Lessen seien übrigens sehr wenig Versicherungsgesellichailen vorhanden. Die Anglte- derung an die Landeshvvothckenbank sei eine juristische Frage, die durch das Rcichsiusttzami gekiärt werden müsse.

Geb. Justtzrat I öck c l - Friedberg : Er glaube, dah dem Provinzialausichup, eine »ngeheure Arbeit zugemutet werde. Zu­nächst bestehe keine gesetzliche Bestimmung, Ivonach die drei Pro­vinzen zusammenlreien könnlen, um ein derartiges klnlernelnueir zu gründen. Eine solche Sache müsse von den« Staat in die '.Hand genommen werden. Er möchte sich nicht sür den Antrag aus- ivrecheil.

Gras zu Solms-Laubach: Daß die Sache zu machen sc:, bc- wiesen die anderen Bundesstaaten Sic .nähme auch einen solchen Siegeszug durch ganz Deutschland, daß mau sie nicht aushalten könne. Es ser deshalb viel beiter, man' tue etwas früh zeitig, als wenn schon viel verloren sei

Der Antrag wird sodann einstimmig ange­nommen,

Punkt 8. Polizeiliche Borschrrst sürden Ver­kehr aus der neuen Kreis ft raste Fried b. erg Rad- Nauheim findet die Zustimmung des Provinziallandtags.

Punkt 9. Wahl von 4 Mitgliedern und 2 Er­satz m i t g 1 t e d e r n d e s Provinzialausschusies I ü r dtelFahrc1914biseinsMl. 19 19 Es ioerden als Mit - glicder Ockonomierat Falck-Friedberg, Bürgermeister otöpler- Lauterbach wieder- und Oberbürgermeister Keller und Rentner Wasi'crschleben-Gießen neugewahlt. AIS Erwtzmttglieder werden Rentner EmmeliuS-Gicßen wieder- und Landgcrichtsdircktor i P. Bücking-Esießen nengttvaNt.