Nr. 12!)
Zweites Blatt
164. zayrgang
Erschein! täglich mit Ausnahme deSSonntags.
Tie „Kiehenci Zamfticablättet" werden dem .Anzeiger" viermal ivöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt für den Krtis Siehe»" zweimal rvöcheollich. Tie „landwirtschaftliche» Seil- sragen" erschcnien monatlich zwennal.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Sbecheffen
Montag, 25. Ma!
Notatisn^druck und Verlag der Brühl'schen Unrversttäts - Buch- und Steiudruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^^112. Tel.-Adr.:AnzelgerGießen.
Eine amiliche Vorlegung über die Arbeiten des Reichstags.
Tie „Norddeutsche Allgemeine Zeitung"' schreibt!
Ter Reichstag in am 20. Mai geschlossen worden. Tamit ist nach mehr als zweijähriger Tauer rinc Session beendigt, in der wichtige Gesetze zustande gekommen sind! an erster Stelle ist die Verstärkung unserer Rüstungen zu nennen. Der Reichstag hat hierzu die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt, nicht zuletzt durch die Annahme deS Gesetzes über den einmaligen Wehr beitrag, eines Gesetzes, durch welches die Ovftrftcudigkeit des Volkes und die Bereitwilligkeit, für die Verteidigung des Reiches mit vollen Kräften einzustrhen, ins hellste Licht gerückt wurde. Beim Schlich der Seiiion hat der Reichstag dem Gesetze gegen den Verrat militärischer Geheimnisse zugcstimmt und danrit weicntlich zu eiuem ,-rhvhten Schutze der militärischen Errungenschaften gegen die Auskundschastting beigclragcn, aiich aut zahlreichen anderen Gebieten hat der Bundesrat und der Reichstag in der wr- slosftnen Sitzungsperiode ioertvolle gesetzgeberische Arbeit geleistet. Lxidcr ist die von der Regierung beabsichtigte weitere Aufbesserung der Bcanitcngkhältcr nicht zustande gebimmen.
Ist das Arbeitsergebnis der Session somit nicht gering, so hintcrlicß doch der schleppende Gang der Verhandlungen, namentlich der letzten Arbcitsperiodc, viel M i s; m u t. Die von der Einführung der Neinen Anfragen crivartcte Entlastung der Vorgnschlagsverliandlungen sind nicht cingetreten z ein Schulbeispiel der beklagten Ucbclsländc bildete eine ciidlosc Behandlung der Zaberner Vorgänge. Zur Besserung der Verhältnisse kann beitragen, Hatz durch die Schließung mit allen unerledigten Arbeiten ausgeräiimt wurde. In den- letzten Jahren ereignete es sich häufig, da» der Reichstag wegen der Wichtigkeit der vorliegenden Gesetze nicht geschlossen, sondern vertagt wurde. Infolge der Häufigkeit der Vertagungen ist das Gefühl aufge» konrmcn, daß nicht die Schließung, sondern die Vertagung ein regel- mäßig von der Verfassung gewollter Zustand sei. Das Oiegenteil ist der Fall. Tic Verfassung rechnet mit der Gliederung der Legislaturperiode in mehrere Sessionen von einjähriger Dauer, was sowohl im Interesse der Regierung wie des Reichstags liegt. Tic verrtainentarischen Geschäfte leiden darunter, wenn nicht ab lind z» der Zeitpunkt kommt, bis wohin die Vorlagen irgendwie erledigt werden müssen. Ohne die Schließung sammelt sich erfahrungsgemäß ein solch »ngehencr gesetzgeberischer Stasi an. daß die Uebcrsicht verloren geht. Planlosigkeit und Arbeits - u n l n st entstehen. Die in letzter Zeit viel bemerkte und beftagte Uebcrlastung des Reichstags mit Bcratungsstosl rührt größtenteils daher, daß in dem jetzt beendeten Tagungs- abschiritt eine Menge unerledigten Materials früherer Jahre übernommen werden mußte. Hat hierin der SessimiSschluß einen Wandel geschaffen, so ist andererseits zu beklagen, daß ein Teil der geleistete» varlamciitariichen Arbeit nicht zu Ende geführt werden konnte. Immerhin sind die meisten, jedenfalls wichtigsten Vorlagen zu Ende beraten worden, bei den anderen sind die Verhandliingcn schon so weit gedi-b-n. daß ein bei einer späteren Gclc ienhcit oerircrtbarer Ausichußbert!ft vorliegt Schließlich liegen einige Gesetzentwürfe vor, über ivelche eine alsbaldige Verständigung zwischen den verbündeten Regierungen lind dem Reichstag nicht zu erwarten war, z. B. die Gesetze über die Errichtung eines KolonialgerichtShoscS, und den Verkehr mit L e u ch t ö l. Tost, der Versuch unternommen wrude, den Gefahren vorziibeugen, wc'chc durch das Privttmonopol der Standard Li! 'Company für den deutschen Verbraucher und den deutschen Peiroleimtlzandel erwachsen, eniipr'ch den Forderungen des Reichstages und wurde allgem in gebilligt. Wenn auf dem vorgeschlagenen Wege zur Schaffung crncr eigenen VertricbSacsellschaft bisher ein Ziel nicht erreich! wurde, io ist dies wesentlich ans die Meinungsverschiedenheit der Parteien über die zweckmäßigste Form der Organisationen zurückzuführcn. Tie Notwendigkeit eines Eingreifens sowie die Durchführbarkeit des geplanten Unternehmens steht fest. Wenn auch zuzugeslchen ist, daß seit der Einbringung des Monovol-GesetzeniwiirseS die Berhält- nisse im deutschen Petroleumverkehr eine gewisse Besserung erfahren und die Tochtergesellschaiten der Standard Oil Co. sich in der Preisbemeisung eine Znrückhaltnug auferleglen, so besteht doch keine Gewähr, daß diese Besserung der Zustände andaucrt. Für die Regierung kann daher die Angelegcnbeit nicht für erledigt gelten. Welche Maßnahmen sic nunmehr trifft, um zum Ziel zu gelangen, hängt von den Ergebnissen der unablässig sortzusetzcnden Beobachtung der Verhältnisse aus dem Mineralöl-Markt ab.
Wenn der Reichstag im Herbst wieder zusammentritt, wird er sich nach der Wahl des Präsidiums nur mit dem Material zu beschäitigen haben, welches ihm alsdann zugeht. Tann werden die Vorteile in die Erscheinung treten, welche sich aus der Schließung der Session für die Erledigung der varlamentarischcn Geschäfte ergeben. Ter Reichskanzler ist geneigt, dem vielfach geäußerten Wunsch, daß bei Beginn der neuen Tagung ei» A r - bcitsplan zwischen ihm und dem Seniorcnkonvent des Reichstags vereinbart werden soll, nach Möglichkeit zu entsprechen. Tic letzte Sitzung des Reichstags ist von der sozialdemokratischen Fraktion zu einer Kundgebung gegen das Ober Haupt des Reiches ausgenutzt worden, über welche nicht mit einem Achselzucken hinwcggegangen werden kann Es handelt iich um mehr als s ch l c ch t e M a n i c r c »; cs liegt eine wohlüberlegte Demonstration der monarchieicindlichen Gesinnungen der Sozialdemokratie vor. deren regelmäßige Wiederholung zu erwarten ist, wenn der Reichstag nicht ein Mittel findet, in seinem Hause dem Kaisertum, mir dem zugleich er selbst geboren ist, gebührende Achtung zu sichern. Die bürgerlichen Parteien im Reichstage stellen sich hiermit für die nächste Session eine Ausgabe, die sic, wie wir hoffen, mit fester Hand in Angriff nehmen werden.
Aus dem preußischen Abgeordnetenhaus.
! :: Berlin, 23. Mai.
Für die dritte Lesung des Voranschlags, die das Haus in drei Sitzungen erledigen zu können glaubte, war heute bereits der fünfte Tag angebrochen. Es war glücklicherweise der letzte. Beim Kultusetat verbreitete sich der Minister von Trott zu Solz, veranlaßt durch eine FraKe des Abg. Viereck (Freikons.), über die „Enthüllung e n" d e S „B o r w ä r ts ", nach denen in Preußen der P r o - fesfortitcl käuflich sein soll. Ter Minister bestreitet das ganz entschieden, er bestreitet ferner, daß weder der verstorbene General von Lindenau noch der ebenfalls im „Vorwärts" genannte Tr. Ludwig iich jemals im Ministerium um die Erlangung des ProsessortitilS oder einer anderen SluSzeichming bemüht haben. Im übrigen wird ja in dieser Sache noch volle .Klarheit geschaffen werden, da der Minister, wie er ausdrücklich erklärte, die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben hat. Aus den übrigen Verhandlungen sei noch die Aussprache hervorgchvben, die sich an einen Anirag der Abg. Dr. Arning Tr. Hetz (Ztr.), von
Kessel t&ml. . Tr. Pachnickc <Bp.) knüpfte, der verlangt, daß den in der Schweiz promovierten Tierärzten die Führung de? Tr. med. vet. in Deutschland gestattet werde, sofern ihre Dissertation den wissenschaftlichen Anforderungen der preußischen tierärztlichcn Hochschulen entspricht. Tiefer Antrag wurde angenommen, desglcichen ein Antrag Ahrens-.Klein-Flöthc Kons. , der den in der zweiten Lesung gestrichenen Tftel für den Neubau des
Rauchmuseums in Höhe von 87 000 Mk. wiedcrhcrstellcn will, nebst einem Zusatzantrag Viereck lKreikons.), der die Regierung aul- sordcrt, den Neubau des Rauchmuseums so hcrzustellcn, daß er für längeren Gebrauch geeignet ist.
Nach der endgültigen Annahme des Kullusvoranschlags nmrdc auch das Voraiischlagsgesctz angenommen, womit die dritte Vor anschlagsbcratung beendet war. Sodann wurde noch der Nachtragsvoranschlag bewilligt und in die erste Beratung des Gesetzentwurfes, betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Äohnungsvcrhiltnisse von Arbeitern eiiigetrctcn, die in staai lichcn Betrieben beschäftigt sind. Der Eiitwurl wurde gleich daraus auch m zweiter Lesung angemmmen.
Endlich ivurdc noch die Novelle zum Zuständigkcitsgcsctz nach einem Anträge des Abg. v. Loos <Kons.) dem Handels- und Ge- wcrbeausschuß überwiesen. Am Montag kommt die Besoldungs- Novelle an die Reihe.
Lasonow über die Politik Rußlands.
Petersburg, 23. Mai. In der R c i ch s d u m a begann heute die Beratung des Budgets d e s a u s w ä r t i ■ gen Amts. Zu Beginn der Verhandlungen ergriff der Minister des Aeußern S a s o n o w das Wort und führte aus:
Ehe mau in die Erörterung des Budgets cintrcte, wolle er mit Ermächtigung des Kaisers in den Grenzen des möglichen ein Bild von den Arbeiten der russischen Divlo,nulle in der letzten Zeit zu geben versuchen. Der Minister konstatierte mit Befriedigung, daß nach den Erschütterungen im Orient eine ruhigere Periode begonnen habe. Tie zutage getretene Solidarität der Mächte der Triple-Entente habe beträchtlich zu der Lösung der Krise bcige- iragcn.
Ter Minister stellte fest, daß die russische Diplomatie sich bemühe, die Beziehungen traditioneller Freundschaft mit Deutschland zu uutcrhallen. Diese alle Freundschaft und der Wunsch beider Regierungen, sie zu erhalten, Höllen dazu bcigetragcn, neuerdings gewisse Zwischenfälle beizulegcn, welche die guten Bc- zichungeii zu beeinträchtigen schienen. Leider fänden die Bemühungen der Regierungen in dieser Richtung nichtlMmerdieUn- terstützung der Presse beider Länder, trotz der in der Erregung eine- schlecht begründeten Alarms liegenden Geiahrcn. Ter Minister sprach den nachdrücklichen Wunsch aus, daß die u II - n ü tz e P o l e m i k der d e II t s ch e n und der russischen B l ä t - t e r aufhören möge, und lud sic zu einer ruhigeren Erörierungl der Fragen der gegenseitigen Beziehungen ein, zumal angesichts des vorstehenden Abschlusses des neuen Handelsvertrages, der nur Früchte bringen könne, loenn er den gerechten Forderungen der vertragschließenden Teile angcvaßt sei. (Beffall rechts.) Um dieses Ziel zu erreichen, sei es unerläßlich, daß die Verhandlungen sich in ruhiger Atmosphäre vollzögen und nicht gestört würden von dem Lärm andauernder Vorwürfe und Verdächtigungen, die gegenseitige Gereiztheit und Mißtrauen schüfen.
Sasonow gab sodann der Uebereinstimmung der Ansichten zwischen ihm und dem Grafen Berchtold Ausdruck, der in seiner letzten Rede vor den Delegationen den sreundschastlichen Charakter der österreichisch-ungarischen Beziehungen bezeugt habe. Das berechtige zu der .Hoffnung, daß die österreichische Regierung es nicht zulasse, daß die feindselige Bewegung, die neuerdings unter gewissen rns- sophilcn Elementen Galiziens in die Erscheinung träte und aus die Schaffung von Schwierigkeiten in den an Rußland angrenzenden Provinzen abziele, die Beziehungen guter Nachbarschaft zwischen den beiden Ländern störe.
Ich hoffe, so fuhr der Minister fort, daß die bevorstehende Zu- sammenkunit des Kaisers mit König Carol auf rumänischem Boden nicht verfehlen wird, die Annäherung zwischen den beiden Ländern zu befestigen, die verbunden sind durch die Bande einer ruhmreichen Vergangenheit, ebenso wie durch die ihrer Interessen und gegenseitiger Sympathie. Was Albanien anbetrifft, so vcrsolgcn wir selbstverständlich Mit der Auimerksamkeit. die sie verdienen, die Ereignisse in diesem Lande, umsomehr alz sich dieses Land jetzt in einem Zustand drohender Anarchie bc- ftndct, und die Ereignisse die Interessen der benachbarten Länder berühren.
Die Türkei wird Rußland geneigt finden, ihr Hilfe zu leisten. Tie Freiheit des Scchandels in der Meerenge entsvrechend den Interessen der Türkei und mit Rückuchf aus die vitalen Bedürfnisse Rußlands kann nur unter der Badingung einer friedlichen Entwickelung der Türkei verwirklicht werden. Die günstige Entwickelung der armenischen Frage bezeugt die friedliche Absicht der gegenwärtigen türkischen Regierung. Die russische Regierung kann gegenüber der Lage in den Armenien und Anatolien benach- barien Provinzen des Kaukassus nicht gleichgültig bleiben. Di: für diese Provinzen de- ottomanischcn Reiches ausgearbciteten Reformen, die der Bevölkerung ernsthafte Garantien geben, waren das Ergebnis ireundjchaitlicher Verhandlungen mit der Türkei. In der Verwirftichung der erwäbnlen Reformen haben wir bei Deutschland weseniliche Unter st ützung gefunden. Tie neue Entwickelung bedingt viele Beziehungen zwischen Rußland und der Türkei. Ich hoffe, daß sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Rußland und den Grenzländern der Türkei weiter entwickeln werden.
Das englisch-russische Abkommen über Persien gewährleistete die friedliche Lösung der in diesem Lande anstauchen- den Fragen. Tie chinesische Frage stehe immer im Mittcl- vunkt der Betrachtung sür die russische Politik im äußersten Osten. Da die Regierung Juanschikais ihre Lebensfähigkeit bewiesen habe, sei sie von den Mächten anerkannt worden. Die russische Regierung habe sich an der Lage gesehen, im vergangenen Monat März die Truppen aus der Provinz Tschili zurückzuziehen.
Sasonow zählte dann die Grenzen der Mongolei auf, wie Rußland sie anerkennt und fuhr dann fort: Trotz wiederholter Warnung seitens der russischen Regierung hielt da- Kabinett in u r g a in Uebcrschätzung seiner militärischen Macht und seiner politischen Bedeutung es sür möglich, durch Waffengewalt eine Einigung aller mongolischen Stämme unter dem Szepter des Hutuchtu zu erreichen, indem es in einer Vorstellung eine eventuelle Unterstützung durch Rußland sinanzieller wie militärischer Art vorausnahm und den geographischen und historischen Bedingungen keine Rechnung trug, die von ihnen einige ihrer Blutsverwandten nichr nur trennten, sondern sie ihnen sogar zu Feinden machten. Darüber hinaus träumte die Regierung des Hutuchtu von dem Abschluß von Verträgen mit den Großmächte», daß diese ihr für kommerzielle Vorteile Unlerstützung gegen China leihen würben. Selbst verständlich konnte die russische Regierung diese Illusionen nicht ermutigen. Tie Russen sind keine Feinde Chinas. Tie Mongolei ist lautonom. Um tatsächlich ein Staat zu weiden, muß sie vor allem die Verwaltung und ihre Finanzen organisieren. Nur in dieser schöpferischen Tätigkeit kann Rußland die Mongolei ermutigen.
Zinn Schlüsse kündigte Sasonow mehrere Gesetzesvor- lagen au. darunter eine über die russischen Auswanderers die im Auslande Arbeit suchen.
Landwirtschaftliche Rreisschau in Schotten.
— Schotten, 24. Mai.
Obwohl am Samstag morgen der Himmel ein trübes Gesicht zeigte und aus einen Witterungsumschlag schließen ließ, hatten, sich die Llmdwirie dock, nicht zurückhoften lassen und waren
zahlreich nach Schotten zur landwirtschaftlichen Kreisschau ausge- brochen Und reichlich wurden sie belohnt. Schon während der Bahnfahrt batte sich der Himmel ansgeklärt, und als die ersten Besucher in Schotten aukaineii, hatten sie einen herrlichen Ausblick auj die in hefteni Tviiimrrglanz sich ihnen darbietendc Vogelsberglandschaft. Unmittelbar hinter der Stadt erhebt sich als steile Äasaltkiivpc der Bocksahl, aus deffcn Gipse! der Ausstellung-Platz hergerichtet war. Und man muß dem Bau- und Platzausschuß, besonders dem Vorsitzenden, Herrn Ccllarius, in der Tal zuerkcnnen, daß ein schönerer und zugleich zweckmäßigerer Platz nicht hätte gesunden werden können. Hinlänglich groß genug, bot er die Möglichkeit, allen Ausstellern genügend Raum zur Verfügung zu stellen und in übcr- sichrlicher Weise Borsührnngs- und Prämiierungsringe, sowie Aus- stellungs und Wirtschastshallcn einzurichten. Auch für Volksbelustigungen aller Art war ausreichend Raum vorhanden, deren buntbeweglcs Treiben dazu beitrugen, daS AuSstcllungSbilü zu beleben. Für de» Besucher besonders aiizichcnd war der herrliche, wette Rundblick in den schönen Vogelsbcrg, so daß schon allein deswegen ein Ausflug auf den Bocksahl lohnenswert gewesen wäre.
Den Betriebsverhältnissen des Kreises Schotten entsprechend und mit Rücksicht aui den Zeitpunkt der Ausstellung konnle man die Scholtener Kreisschau zum größten Teil als Tierschau bezeichnen. Etwa 300 Rinder waren ausgetrieben, hauptsächlich Bogelsberger, darunter, was Ticrzüchier besonders stark interessierte. Kreuzungen zwischen Vogelsberger und Franken, und ferner Simmentaler. Gut beschickt war ferner die 2 ch a s a » s st c l l u II g, bei der sich besonders die veredelten Landschaft durch Prachtcremplarö auszeichneten. Daß auch die Ziegenzucht im Kreise Schotten gepflegt wird zeigten die rund 70 ausgestellten Tiere. Weniger stark beschick! war die Ausstellung mit Schweinen und Pferden.
Gesondert untci gebracht war die w i f s c n s ch a s t l i ch e Ab- tcilmig. Tic L a n dw i r t s ch a f t s k a m in c r für das G r o 6» Herzogtum Hessen hatte plwwgravhifck>e Pläne anS dem BauberanmgS"ienst und Biichiühriingsdienst ausgestellt, während der Landwirts chaftska ni meraus schuß Oberhesico in äußerst anjchanlickier Weise die Ergebnisse einer Zahl von ihm auSgcsührtcr BeispieldimgiingSvcrftichen anschaulich ausgestellt l>attc. Einzelne Kästen mit Rasenaussttchcn von Bogelsberger Weiden zeigten den Einfluß der Düngung sowohl aus Masse als auch tvuf Qualiiät. Bau der ungedüngten Parzelle hob sich bereits die nur mit Kalk gedüngte besonders durch den größeren Klcc- bcstand ab, was bei den Parzellen mit stärkerer und Bolldüngung besonders IN die Augen siel, ein anschauliches Beispiel daiür, daß ohne weitere Einsaat durch entsprechende Tüngung eine gute Wic- sennarbc erzielt werden kann. Durch das agr. che m. Labora- toriumdeslandwirtschastlichcnJnstitutsGießen waren inner Leitung von Herrn Tr. Klcbcrger Analysen aus TüngungSversuchcn hergestcllt worden; sic gewährten durch ihre bildliche Tgrstcllung einen Einblick IN die Wirkung verschiedener Tüngung auf den Ertrag und die Zusammenstellung von Heu und Getreide. Außcrdein hatte der LandwirttchaftSIammcrausschuß Produkte des Pftonzenbaus von hessischen Saatbaustellen in Fvrni von Achrcnbündeln, Körncrmustcrn, Kartoffeln usw. ausgestellt Ferner war aus Stammtaielu und Bildern die Entwicklung der Bogeks- bergcr Raffe dargestcllt und zeigte, ivas durch die züchterische Arbeit geleistet worden ist und geleistet werden kann.
Daß auch aus anderen Gebieten viel gearbeitet wird, zeigten verschiedene Karten über Förderung der Landwirtschaft. Tas Großh. Ministerium des Innern, Abteilung sür Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, oeransckuru- lichic iu ähnlicher Weise mit Kartenmaterial besonders den Fori» schritt der oberheisischcn Landwirtschaft bezüglich Feldbcrcinigung, Meliora;,innen, Viehioeidcanlagen usw. Vom Großh Feldbcrci- »igungSkoiirmiffar in Büdingen waren hochinteressante Pläne über die F c l d b c r e i n i g u n g in einigen Gemarkungen des Vogels» beiges aiisgestcttt. . 1
Aus Aufforderung des Landwirtichaftskammerausschuffcs beteiligte sich das Landwirtschaftliche I n st i t u t Gießen bei der Slusstellung nicht nur mit rein wissenschaftlichen Arbeiten, sondern besonders mit Anschauungsmaterial aus dem Oiebicte des Pilanzenbaiics. Durch Achrenbündcl wurden die Unterschiede einzelner Torten gezeigt. Gersienbündc! le'iischer Züchter veranschaulichten, wie viel aus dem Gebiete der Gcrstcnzüchtung im Hessenlande geleistet wird und bewiesen, daß sich die hessischen Züchter cbenbünig a» andere Züchter anschließcn. Eine UebersichtSkartc zeigte die Verbreitung der Rindcrrajjcn Teutichlands und ermöglichte, die Verbreitung des Rot- lind Fleckviehs deutlich zu verfolgen. Ferner waren oom Landwirtichaitlichen Jnslilul eine Reihe van Tafeln angebracht, die die verschiedensten Gebiete behandelten, so z. B eine, die den Wert von I Liter Vollmilch durch Vergleich mit anderen Nahrungsmitteln anschaulich macht.
Ferner waren in der Halle der wirtschaftlichen Abteilung Ausstellungstische der A m m o n i a k v e r k a ii s s v e r e i n i g u n g in Bochum und der Bereinigung sür Stickstoffdünger Berlin 'Kalkst l ck st o > >) anigebaut. Beide Düngerftrmen hatten cs verstanden, sowohl die Herstellung der Düngemittel als auch ihre Wirkung, besonders durch Rascnausstiche usw. von TüngiingSversuchcu im Vogelsbcrg, zu veranschaulichen. Milchwirtschaftliche Erzeugnisse hatte die Molkereigenossenschaft Hoherodskovl <G. m. b. Htt ausgestellt. Lebhaftes Interesse wurde den landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, wie Mähmaschinen, Säcmaschiiicn, Heuwendern, Pflügen, Eggen, Wagen, Separatoren cntgegengcbracht.
Nachdem die Preisrichter, die von Morgens früh tätig waren, ihr schweres Amt der Prämiierung z. T. vollendet hatten, fand um 12-..- Uhr die ofsiziellc
Eröffnung
der Ausstellung durch den Vorsitzenden des LandwirtschaftSkam- meiausichiiffcs für die Provinz Lberhcffen, den LandiagSabge- ordneten Karl Breidenbach, statt. Nachdem er die Vertreter der staatlichen und landwirtschaitlichen Verwaltungskorporatio- » neu. das Landwirffchaftliche Institut Gießen, sowie alle anderen Teilnehmer begrüßt hatte, führte er auS, daß infolge der Kaiser- manöver, die eine Ausstellung im Herbste erschweren, die Ausstellung aufs Frühjahr verlegt werden mußte. Eine GeslügelauS- stcllung werde evtl, noch im Herbst stattjinden, wie überhaupt die sür die diesjährige Ausstellung vorgesehenen Geldmittel dem Kreise Schotten zugute kommen sollten, insofern, als Zuschüsse zum Bezug von Saatgut, zur Anschaffung von Maschinen und Vor- iiihrungen von Maschinen, Mittel zur Abhaltung von Kursen und zu sonstigen Förderungen der Landwirtschaft dem Kreise Schotten zur Verfügung gcstellt werden sollten. Nach einem auf das hessische Fürstenhaus ausgebrachten Loch forderte der Vorsitzende die Besucher zu einem Rundgang durch die Ausstellung aus. Hieran schloß sich bei starker Beteiligung das
Festessen
an. Kreisrat Dr. Merck dankte im Namen des Kreises denk Vorsitzenden Breidenbach sür seine herzlichen Begrüßungsworte und betonte, daß der Kreis Schotten, der klimatisch nicht günstig dastehe und daher in der Pslanrenproduktion hinter anderen Kreisen etwas zurückstehi, dieses wettmachi durch seine Viehhaltung, was auch in der Ausstellung deutlich zutage trete. Mit einem herzlichen Dank an alle Förderer der Landwirffchast, an deren Spitze der Großherzog stehe, klang seine Rede in einem lebhaft ausgenommenen Hoch aus den Großherzog aus.
An zweiter Steile ergriff Bürgermeister K r o IN m , Schotten, das Wort, dankte den Ausstcliern und Besuchern jür ihr zahl-


