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Nr. fl!

Zweites Blatt

M. Jahrgang

Erscheint täfftdf-mi! Ausnahme b(5 Sonntags.

D>« .,Kietz, n«r Knatlienblätier" werben dem .Än^eiqer' viermal wöchentlich deiqelegt. baS Kreisvl«» für b«n Kreis Kietzen" zweimal wöchenktich. Dier««bwirlichostlichen Aeit- sn>4«»" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejsen

Mittwoch. 20. Mai l»tz>

Rorationsdnick und Berlac; der Brühl'schen Unwersilüls - Buch- und Steindruckerec.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: E-M» 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Geheimnisvolle Parlamentskämpfe.

Aus Berlin n»rd uns geschrieben:

Sommertaqunqcu sind im Reichstage nicht beliebt, und cs ist n>rr eine Ausnahme, wenn seine Beratungen bis in den I«ni oder gar Juli sich erstrecken: 'Rur außergewöhnliche Vortagen, wir z. B. seinerzeit die Rcichsiinanzreiorm und im Bvriahre die Alrlliardenwelxrvorlage können sie bedingen "Daß es dem Reichstage zurzeit an Bcratungsstosf ichle, wird nicht behauptet werden können, eine Neigung aber ihn zu erledigen, ist nirgends zu erkennen. Alles drängt victnrehr Mi Ferren, und wären selbst zehn- oder gar zwölfsiünotge 'Sitzungen der Preis! Staatsrechtlich ist der BegriffRcichs itagsserien" nicht bekannt: >m sinne der Bersassung spricht man vielmehr von Schließung oder Vertagung des Reichstags. Nach Artikel 12 der Reichsvcrfassung steht dem Kaiser cs zu, den Reichstag zu berufen, zu crösinen, zu ver­tagen und zu schließen. EineVertagung" aber darf nach Ar­tikel 26 der Reichsversassung ohne Zustimmung des Reichs­tages die Frist von dreißig Tagen nicht übersteigen und wäh­rend derselben Session nicht wiederholt werden.ZMan wird im allgemeinen geneigt sein, der Frage, ob eine Session des Reichstages geschlossen oder vertag! wird, nur mehr eine for­male Bedeutung beizule.gen Dein ist jedoch heute iricht so! Diese FrageSchluß oder Vertagung?" hat vielmehr heute eine große Bedeutung für unsere gesamte innere Politik.

Würde der Reichstag geschlossen, so wäre damit das Präsidium Tr. Kaempi Paasck>e-Tove erloschen, denn bei Beginn einer neuen Session ist jedesmal auch ein neues Präsidium zu wählen, während bei einer Vertagung das Präsidium seine Funktionen sortsührt. Es ist ja seit langem offenbar, daß die Parteien der Rechten und des Zeutrums auf eine Schließung der Session hinarbeiten: irrittels ihrer hassen sie, eine völlige Umwälzung unserer gesamten innerpolitischen Verhältnisse herbeiführen zu kön­nen; man hasst aus eine neue Mehrheit im Reichstage. Seit einiger Zeit spinnen sich da hinter den Kulissen geheim­nisvolle Kämpfe ab, deren Ziel es ist, die Nationalliberalen oder doch wenigstens einen Teil von ihnen herüberzuziehen nach rechts Ter Abgeordnete Erzbcrger, der als be­sonders eifriger Förderer dieser neuen Mehrheitsbildnng gilt, hat indessen den Schleier von dem großen Geheim­nis etwas gelüftet, indem er imTag" einen Artikel veröffentlichte:Das große Problem". Dieses Problem ist sür ihn die Zusammenfassung von Konservativen, Zentrum und Nativnalliberalcn zuschärfstem Kampfe gegen die Sozialdemokratie", den er diesen Parteien insbesondere auch unter Betonungbester parteipolitischer Geivinnmög- lichkeitcn" schmackhaft zu machen sucht Diese nun erneut in den Vordergrund tretendeSanimlungspvlitik" ist ja seit langem Gegenstand der Sorge der Regierung: wir er­innern nur an die bekannte Rede des ReichskanAers beim Festessen des deutschen Landwirtschastsrats und an seine Bemühungen um eine Stichwahleinigung der bürgerlichen Parteien im Januar 1912 Nun sind ja um die national- liberale Partei, die heute bei allen großen, entscheideniden Fragen bisher stets mit der Linken gegangen ist, Rsgungen und Strebungen am Werke, die eine» Wiedcranjchluß an die Rechte, wie ehedem in den ersten Amisjahren des Fürsten Bülow, bevor dieser seine Blockpolitik inaugu- rierte, herbeiführen wollen. Das war der eigentliche Zweck der Gründung des inzwischen wenigstens durch Partei­beschluß wieder aufgelöstenAltnationallibcraleN Reichs- Verbandes". Werden sie jetzt Erfolg haben? Wir glauben nicht.

Dann würde, wie schon gesagt, int Falle der Reichstag jetzt geschlossen wird, eine neue Wahl des Präsidiums vor zunchmen sein. Es ist anzunehmen, daß entsprechend der Fraktionsstärke der Zentrumssührer Spahn, Frankfurts Oberlandesgerichtspräsidcnt. gewählt werden ivürdc, falls ein Teil der Nationalliberalen nach rechts abschwenkte, Herr Dr. Spahn war ja, woran erinnert sei, schon einmal Prä­sident des deutschen Reichstags, allerdings nur etwa 24 Stunden, damals im Februar 1912, als^ er in der Stich­wahl gegen Bebel zum Präsidenten und scheidemann zum ersten Vizepräsidenten erkoren wurde. Aber er legte damals das hohe Amt nieder mit Rücksicht aus die Wahl des Sozial­demokraten Scheidcmann. Eine Wahl Tr. Spahns hätte nun aber zur Folge, daß er den Vorsitz in der Zentrumsfraktron niederlegte. Tann aber wäre Abg. Erzberger unbestrittener Führer, unumschränkter Herrscher oder auch Beherrscher der Zentrumssraktion. Das Zentrum würde wieder dre ausschlaggebende oder vielmehr herrschende Partei rm Reiche. Nun hat ja die Regierung einige Erfahrungen mit einemRegime Erzberger", Fürst Bülow, Dernburg, <rrhr. v Schorlemer-Lieser und andere können ja davon manches erzählen . . . Deshalb überlegt die Regierung, wie wir von beslunterrichteter parlamentarischer Seite hören, sehr weis­lich, ob sie, da sie das Spiel Erzbergers, das doch mehr ein Kampf Um die eigene Macht ist, dem derKampf gegeti die Sozialdemotratic" die Folie gibt, durchschaut hat, den Reichstag nicht lieber nur vertagen, und nicht schließen, also alles beim alten lassen soll. Obwohl nun das Ende der Reichstagsarbeiten eigentlich schon da ist, weiß niemand, was da werden mag . . .

Berlin, 19. Mai. Die Rcichsbesoldungsnovelle ist endgiltig gescheitert. Tic Hoffnung des Zentrums, daß der Bundesrat die Vorlage nach den Beschlüssen des Reichstags <m- nehmcn werde, wird sich nicht erfüllen. Der Bundesrat wird be­reits heute seine Zustimmung zu der Vorlage in aller Form versagen. Tos Altpcnsionär- und Rennwettgesetz sind damit vor­läufig auch erledigt.

Im Reichstage verlautete heute, daß der Kaiser die Bot­schaft di- den Reichstag schließt, bereits unterzeichnet Labe Daß keine Vertagung eintreten soll, geht auch daraus her­vor daß bis jetzt ein Vertagunasantrag der Regierung im Reichs­tag« nicht eingebracht worden ist. Bon bedeutenderen Vorlagen bleiben unerledigt das Petroleuminonopolgesetz, das Jugendgerichlsgeictz, das Lustverkebrsgcsetz, die Novellen zur Ge- wecheordnung über Wanderlager, Schaufensteranslagen, Gastwirt- schasten und Kinos und der aus Jniriotivanträgen hervorgeqan- qmie Eutwuri über die Regelung des Snbmiisions- und Lie- serungsweiens. Dazu kommen die Besoldungsovrlaaen mit der Drillings Vorlage.

Aus tieften.

rb. DarNlftadt. 19. Mai. Die Zweite Kammer der Land stände wird ihre Plenninberatungen voraussichtlich am Ticnstaq, den 9. Juni wieder ansnclMen. In der aus etwa zwei Wochgn berechneten Kaurmertagung werden in erster Lime der Gesetzentwurf, betr. den Automobillrnienverkchr in Hessen, ivcitcr die Vorlagen, betr. die '.Abänderung der Ordensgcjetzgebung, betr. die Abänderung des Feldstrafgeietzbuchs, sowie eine Anzahl kleinerer Regierungsvorlagen, Anfragen und Anträge aus dem Hause, Vorstellungen usw. zur Beratung ge- langen.

rb. D a r m ft a d t, 19 Mai.- Ter Gesetzgebungs-Aus­schuß der Zweiten Kammer hielt heute vormittag unter Vorsitz des Abg. v. Brentano eine Beratung ab, in der in erster Linie eine allgemeine Besprechung über den Gesetzentwurf, betr. die religiösen Orden und ordensähnlichen Kongregationen stattsand. In der Aussvrache wurde auch der vom Evangelischen Bund eingelegte Protest gegen die Erweiterung der Zulassung der katholischen Or- densnicderlassungen in dessen beraten, irgend ein Beschluß jedoch noch nicht gefaßt. Ter Ausschuß beschäftigte sich dann noch mit der Regierungsvorlage, betr. die Abänderung des F c l d st r a s g e s e tz- b u chs und mit dem Gesetzentwurf, betr. die Losgesellschaf­ten. Ueber alle drei Gesetzesvorlagen soll in der morgigen Sitzung gemeinsam mit der Regierung verhandelt werden.

Aus StciSt «uv LanS«-

Gießen, 20. Mai 1914.

Christi Himmelfahrt.

Goethe läßt im fünften Aufzug des zweiten Teils seines Faust", in dem er ganz die Höhe der gewaltigen ersten Hälfte seiner Dichtung erreicht, den alternden Titelhelden sprechen:Der Erdenkreis ist mir genug bekannt, nach drüben ist die Aussicht uns verrannt: Tor, wer dorthin die Augen blinzend richtet, sich über Wolken seines Gleichen dichtet! Er stehe fest und sehe hier sich um! Dein Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm." Das ist ein Wort gehaltvoller Lebens­weisheit, und die, die sich nach diesem Worte gerichtet haben, sind wahrlich nicht die schlechtesten gewesen. Entschieden er­klärt dieses Wort der fatschen, schwächlichen, kranken Him­melssehnsucht den Krieg, der Sehnsucht, die fortwährend von einem überweltlichen Freudenleben träumt und dieses Freu- denleben sich phantastisch ausmalt. Menschen, die stets in dieser erträumten Freude schwelgen, kann man mit solchen vergleichen, die innerlich unwahre Romane gelesen haben und sich nun in eine Welt hineinversetzen, die ihnen ewig un­erreichbar ist. Weil verbreitet war diese Sehnsucht im Mittel­alter. Da sahen viele die Welt lediglich als eine Stätte der Sünde an, die Kulturarbeit jeder Art galt als etwas Gott- widriges, auch das Familienleben wurde nicht hoch gewertet, Luther und Goethe haben die deutsche Nation gelehrt, daß die Arbeit des praktischen Lebens eine sittliche Pflicht und auch ein Gottesdienst ist.

Dennoch hat Goethe nicht recht, wenn er die Aussicht nachdrüben" für .Zerrannt" erklärt und einem Aufgehen des Menschen in die Aufgaben des Diesseits das Wort redet. Mit dieser Lebensweisheit kommt man höchstens in den Tagen der gesunden, rüstigen Kraft aus. Junge Menschen, die noch den größten Teil des Lebens vor sich haben und ihrer Zukunft auf Grund schöner Erfolge hoffnungsvoll ent- gegensehcn, schließen sich deshalb gern an Goethe an und haben für die, denen das Jenseits eine reale Macht ist, höchstens ein überlegenes Lächeln. Wenn man aber einmal in dem Alter steht, in dem man sieht, wie die Generation, der man selber angehört, langsam dahinschwindet und wie die nächste Generation, stürmisch ihr Recht begehrend, sich in das Leben hereindrängt, wenn das immer mehr er­grauende Haar den Niedergang des Lebens ankündet, so sieht man ein, daß dashier", von dem Goethe spricht, nicht so ganz feststeht, und man richtet die Augen doch nach der Welt, die das Erdenleben überdauert.

Dieser Sehnsucht kommt der Glaube entgegen, der sich auf Jesu Person und auf Jesu Werk stützt. Nicht nur in dem, das die Bibel über Jesu Auferstehung und Himmel­fahrt mitteilt, sondern in allem, das sie von dem wunder­baren Leben berichtet, weist sic auf eine Welt hin, die an Wert, Gehalt und Dauer die Welt überragt, die wir mit un­seren Sinnen erfassen. Jesus lebte in der Gewißheit, daß die Liebe des himmlischen Vaters über ihm sei, er starb mit dem Gcbelrus: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Hinter allen seinen großen Worten, die bis auf die­sen Tag der Menschheit Licht und Trost geben, steht die Welt, die Paulus mit den Worten beschreibt:Das kein Auge ge­sehen hat und kein Ohr gehöret hat, und in keines Menschen Herz gekommen ist. das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben." Darum tröstet sich der Christ, der aus der Geschichte des Christentums weiß, daß Jesus seither allen gegenteiligen Meinungen gegenüber recht behalten hat. in der Unruhe der Welt mit der biblischen Verheißung, daß dem Volke Gottes noch eine Ruhe vorhanden ist, und er findet in dieser Ge­wißheit einen starken Antrieb, hieniedcn rastlos zu wirken und, bevor die Nacht kommt, da er nicht mehr wirken kann, seine Tage auszukauicn, weil alles, was er tut in Pflicht und Treue, in Gottes Augen hoch gewertet wird und wahrlich nicht vergeblich ist. H. B.

** Arbeitsunfall. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Dienstag beim Bcm der Wasserleitung der Stadt Gießen in Reiskirchen. Man war damit be­schäftigt, einen schweren Stein mit einem Flaschenzug aus dem Graben zu heben. Plötzlich schlug der den Flaschen­zug haltende Treibock um >md die eiserne Rolle schlug dein Maurer PH. Damm aus Reiskirchcu das Schlüs­selbein entzwei. Dr. Feldner aus Großen-Buseck leistete die erste Hilse und brachte den schwerverletzten in seinem Automobil in die Gieß euer Klinik.

** Einigungsämter zwischen Mieter und Hausbesitzer. Es kommt häufig zwischen Mietern und Vermietern zu Streitigkeiten, die zwar in vielen Fällen durch Vergleich beiqelegt werden, in ebensovielen anderen Fällen aber auch oft wegen Bagatellen zu Prozessen füh­ren. Um hier Wandel zu schaffen, ist seit einiger Zeit der sehr verständige Gedanke von Einigungsämtern aufgetaucht, also von Schiedsgerichten, denen die Mieter und Hausbesitzer ihre etwaigen Streitigkeiten vor­

tragen können. Ein solches Einigungsamt besteht bereits in Frankfurt a. M.

Landkreis Gießen.

(i) Trais-Horlosi, 18. Mai Die Tiefbau- und B a g g e r g e s cl l s ch a s t A l b i lt Beudor f, G. in. b. H., in Radebeul bei Dresden, die ein großes Kohlenlager für die Gewerkschaft Friedrich in Trais-Horloff srei- legt, hat am Samstag ihren Betrieb eingestellt. Hierdurch sind etwa 200 bis 250 Arbeiter und Beamte in Mitleidenschaft gezogen worden.

^ Grünberg, 18. Mai. Unter dem Vorsitze des Dekans Röschen fand die D c k a n a t s s y n o d e st att. In die Landcssynode wurden gewählt Pfarrer Georgi- Ermenrod, Schulrat Eck- Alsfeld,Pfarrer Schmi dt - Grün­berg und Bürgermeister Schmidt- Oueckborn. Im An­schluß an den Dortrag des PsarrerS Schwabe- Gießen über Krankenpjlcge wurde beschlossen, zwei Dekanatsschwestcrn auszubilden und anzustellen.

Hessen-Nassau.

h. Frankfurt a. M., 19. Mai. Trotz der hohen Ein­nahmen durch die Parsisalvorstelsiingen haben Scknruspiel- haus und Opernhaus in den Monaten November 1913 bis Ende 1914 einen Betriebsverlust von 238 708 Mk. zu verzeichnen gegen 245 599 im Vorjahr. Davon kommen auf die Oper 155 803 SKf. (i.-SB. 140 927 Mk).

Gießcner Strafkammer.

Gießen, 19. Mai.

Zurückgcwicscn wurde die Berufung des I. L. aus Schimsheim, der vom Schöffen­gericht wegen Bcttclns z» einer Haffstrafc von 4 Wochen verurteilt worden war, neben welcher das Schöffengericht aus Uebcrwcisung an die Landespolizeibehörde erkannt hatte. Jedoch wurden 3 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft aus seine Haststrase in Anrechnung gebracht.

Zu 3 Monaten Gefängnis wurde der frühere Fahrkartenaussteller K. R. verurteilt. Er war beschuldigt, als Beamter im November vorigen Jahres in iorlge- setzter Begangcnhcit Urkunden unterdrückt zu haben. Ter Angeklagte hatte an 8 verschiedenen Tage» des November vorigen Jahres je etwa IM Strciscnnummern nicht in das Abrechnungsbuch einge­klebt und den entsprechenden Kassenbctrag nicht abgeliescrt. Der Angeklagte wird als tüchtiger Beamter geschildert, bei dem in der fraglichen Zeit mehrsach Zeichen von Nervosität in Erscheinung ge­treten sind. Er will sich auch an Einzelheiten der Tat gar nicht er­innern können und gibt an, vorher viele Fehlbeträge in der Kasse gehabt zu haben, die er aut die geschilderte Weise auszugleichen suchte. Das Gutachten von Prot. 2. stellte seit, daß er zwar damals stark pshchovathisch gewesen fei, daß aber Bewußtseinsvorgänge sicher vorhanden gewesen sind. Sonach mußte Bestrafung eintreten: straf­mildernd zog das Gericht die bisherige gute Führung des Ange­klagten, seine UnbZtraitheit, den Umstand, daß der fehlende Be­trag vollständig ersetzt ist, und seinen nervösen Zustand in Betracht, Zu 3 Monaten 2 Wochen Gefängnis, woraiff 8 Wochen Untersuchungshast ausgerechnet wur­den, wurde der Schmiedegescllc W. Kl. aus Bönstadt verurteilt. Er war vollkommen geständig, daß er im Januar und Februar dieses Jahres zu Wickstadt zweimal zur Nachtzeit in das Brenn­haus des Gutspächters H. cingcschlichcn ist, dort von dem Boden­raum, dessen Türe er durch Heransrcißen der Vcrschlußkettc ge- walffam geöffnet hatte, eine kupferne Kühlschlange im Wert von 30 Mark und ein Kupserrohr im Wert von etwa 12 Malrk ent­wendet und an Althändler verkanit hat. Während der Verhand­lung dieser Sache ereignete sich ein unglaublicher Zwischenfall im Sitzungssaal. Der E. V. aus Büdingen, der nach Beendigung dieser Sache wegen SittlichkeitsverbrechenS zur Aburteilung kommen sollte, gab beim Eintreten in den Saal der Zeugin R. Ehcsiau aus Büdingen, die die Anzeige gegen ihn erstattet hatte, eine schallende Ohrfeige. Er erhielt sofort dafür eine Ordnungsstrasc von 3 Tagen Hast. Als dann die Strafsache gegen ihn zur Ver­handlung stand, erhob die Staatsanwaltschaft alsbald Anklage ivegcn Körperverletzung mittels eines hinterlistigen llcbcrsalles; der Angeklagte erklärte sein Einverständnis mit dcr^ sofortigen Aburteilung auch dieses Falles und erhielt wegen Sittlichkeits- Verbrechens 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus, ivegcn versuchten Sitt- lichkeitsvcrbrechens 9 Monate Gefängnis, wegen des hinterlistigen Ueberfalles 6 Monate Gesängnis, zusammen l Jahr 8 Monate Zuchthaus. Außerdem erhielt er nochmals eine Ordnungsstrasc von 3 Tagen Hast, weil er im Sitzungssaale der Zeugin R. nachgerusen habe, sic solle einer anderen Frau bestellen, wenn er nach Büdingen komme, bekäme sic ebenfalls ihre Schläge.

Wegen Diebstahls erhielt der Taglöhner W. B. von Ortenberg unter Einbeziehung einer vom Schöffengericht Frankfurt wegen des gleichen Delikts verhängten Gefängnisstrafen von insgesamt einem Jahr eine Ge- samtstraic von l Jahr 2 Monaten Gesängnis. Er hatte im Sommer 1912 seinen damaligen Arbeitgeber einem Wirt eine Kassette mit etwa 55 Mk. die frei auf dem Wirtstischc stand, gestohlen; ferner hatte er aus einer Bauhütte seinem Kameraden Zigarren und Zigaretten entwendet, die sich in einem Schranl besanden, den er mit seinem eigenen Schlüssel öffnete. Endlich hatte er sich 1 Flasche Wein angceignet.

ss 20 5 Ter lebenswichtigste Bestandteil von Nerven, Gehirn und Rückenmark ist das Lecithin. Seitdem diese Tatsache wissenschaftlich iestgcstellt ist, verordnet der eriahrcne Arzt zur Kräftigung und Auffrischung geschwächter und abgesvannter Nerven das Biocitin mit vorzüglichem Eriolg, denn Biocitin ist das einzige Präparat, das 10"» phvjiologiich reines Lersthm, hergestcllt nach dem paten­tierten Verfahren des Herrn Professor Tr. Habcrmann, enthält. Aber nicht bloß die Nerven, sondern der ganze menschliche Körvcr wird durch Bioeitin gekräftigt, weil dieses neben seinem hohe» Ge­halt an Lecithin auch noch andere wertvolle Nährstoffe in konzen­trierter Form enthält, die Blut uud Muskeln neu bilden und den ganzen Organismus fröttijen. DieBiocitin"-Fabrik, Berlin S. 61, 6r. 2, stellt Interessenten gern ein Geschmacksmuster und eine Broschüre über rationelle Nervenpslegc gratis zur Verfügung.

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