Nr. «4 Zweiter
Erscheint tSjllch mit Ausnahme de; Sonntag;.
Die „Gietzenee L»iiIIendISNer" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich bcigelegt, dag ..Kreisblatt (Br »en KrtU Si.hen" zweimal
wöchentlich. Die „landwirtschaftlichen Zeti-
sragen" erscheine» monatlich zweimal.
Blatt J64. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Vberhejsen
5amrtage ;b. Mai
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Unwersttäls - Buch- und Steindruckercl. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^^ 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Gewerbeauzftellung Gießen
für Gderhefsen unö die angrenzenden Gebiete.
Gieße», 16. Mai 1914.
In unglaublich kurzer Zeit ist unter Hunderten von sorgsamen Händen aus der halbverwitterten alten Klinik und dem verwahrlosten Garten davor das eindrnck-wolle Heim der Gewerbeausstellung Gießen 1914 geworden, in dem die Aussteller die Erzeugnisse ihres Fleißes, ihrer Technik, ihres Geschmackes und ihrer Kunst vorsühren, um einen Begriff davon zu geben, was Handwerk, Industrie und Kunst hierzulande leisten können. Zwar sah es in den lebten Tagen noch recht wirr und bunt da oben aus. und nicht ohne Vorsicht war es möglich> in das Innere des großen Baues zu dringen, wo Tüncher, Schreiner, Installateure, Tapezierer und Schlosser an der Arbeit waren, um die letzte Hand an den Ausputz des äußeren Rahmens zu legen, während sich die Aussteller mit ihren Angestellten mitten zwischen Kisten, Kasten und Kosscrn um den Ausbau ihres Ausstellungsgutes mühten. Roch gestern nachmittag glich das meiste, was zu sehen war, einem Wirrwarr, den leine menschliche Hand mehr ordnen könne, und wer sich glücklich^ über einen großen Strohhauscn gerettet hatte, der mußte besorgt sein, im nächsten Augenblick über einen Knäuel Draht oder über ein paar Balten zu stolpern, die in malerischer Unordnung quer über dem Weg lagen. Und wie sah es erst aus dem nicht gedeckten Gelände aui3< Wagen, Karren. Maschinen, Erdhügel und Sandhausen, alles wirr beieinander, säst wollte cs scheinen, als ob man die Ordnung nur in der Welt eingesllhrt habe, damit man hier ermessen könne, was Unordnung und Durcheinander sei.
Aber siehe da, über Nacht hat sich mit verblüsfendcr Schnelligkeit alles verwandelt und geändert. Sauber gekieste Wege führen durch den in edlen Formen gehaltenen Hauplcingaug und einen schönen, mit seinem Empfinden sür Raumkunst geschasfencn Schmuckhof, der von den wirkungsvollen Bauten des Hauses II und der Festhalte eingerahmt wirb, nach dein Hauptgebäude, das in dem Schmuck des neuen Anstriches und der wehenden Fahnen einen recht stattlichen Eindruck macht. Mer die Pforten sind noch verschlossen; sic öffnen sich erst, wenn der Herr Provinziial- direktor, Geheimerat Dr. U sing er, der Ehrenvorsitzende, die Ausstellung für eröffnet erklären wird. Leider sind sowohl der Großherzog als auch die Herren vom Ministerium wegen der Eröffnung der Ausstellung der Tarmstädter Künstlcrkolonie an dem Besuch der hiesigen Eröffnungsfeier verhindert, und auch die Reichstagsabgeordneten unserer Kreise haben sich entschuldigt, weil sie heute an einer wichtigen Sitzung teilnehinen müßten und deshalb unabkömmlich seien. Zur allgemeinen Freude aber hat der Himmel feine griesgrämige Miene endlich abgesetzt, und wenn die Lust auch noch nicht so frühlingsmäßig warm ist, wie in den schönen Tagen zu Ende April, so lacht wenigstens die Sonne wieder und nach den langen Regenwochen sieht die ganze Welt aus, als ob sie in Gold getaucht wäre. So steht die Ausstellung gleich bei ihrer Eröffnung unter einem guten Zeichen, und wir wollen hoffen, daß es ihr den Sommer hindurch treu bleibt.
Die Eröffnungsfeier.
Gegen 11 Uhr versammelten sich in der nach Entwürfen des Architekten G a r n o n erbauten Festhalle, die mit Blattwerk und Blumen hübsch geziert ist, der Ausstellungs- Vorstand, die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, Vorstände und Mitglieder hessischer und preußischer Gewerbevercine und Handelskammern, eine größere Anzahl Abgeordneter der Ersten und Zweiten Kammer, die Bürgermeister der benachbarten Städte sowie viele Ehrengäste zu der feierlichen Eröffnung der Ausstellung, Etwa 300 Personen füllten den geräumigen, in schönen, wohlabgemessenen Formen gehaltenen Saal, der mit seinen gut abgestimmtcn Farben blau, altgold und rosa eine sehr eindrucksvolle Wirkung ausübt, die durch den Schmuck der Pflanzen und Blumen noch wesentlich gesteigert wird.
Eingeleitct wurde die Feier durch die Beethovensche Hymne: Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre, die von der Kapelle unseres Regiments unter der Leitung des Obermusikmeisters Löber sehr sein und stimmungsvoll vor- qetragcn wurde. Alsdann nahm der Vorsitzende des Ausstellungsvorstandes. Prof. Tr. K r a u s m ü 1 ler, das Wort zur Eröffnungsrede. Er fiihrte aus:
Hochanschnliche Festvcrsammlung!
Meine hochverehrten Damen und Herren!
Wir haben Sie heute zu uns gebeten, um einen, Werke die leihe zu geben, an dem seit über einem Jahre hunderte stinkiger suche gearbeitet haben, gearbeitet auf der einen Seite, um -ute etwas Gediegenes der Oeffenilichkeit zu zeigen, mtb gearbeitet us der anderen Seite, um diesen Erzeugnissen bei aller Be- hränktheit des Ausstcllungsgeländes würdige und zwcckcntspre- ende Unterkunft zu bereuen.
Wir freuen uns. daß wir Sic in einer so überaus großen abl hier begrüßen können und danken Ihnen herzlich für das coßc Interesse, das Sie damit unserer Sache entgeacnbrmgen. s tut uns außerordentlich leid, daß die heutige Eröffnungsfeier nsercr Ausstellung zeitlich zusammeniällt mit derfenigcn der -armstädtcr Künstlerkolonie. Eine Verlegung des Eröfsnungs- rmins war für uns aber, nachdem die Tatsache uns bekannt urde IN, möglich der abgrschlofscnen Verträge wegen. So kann -nn eine Anzahl hoher Gäste, die durch die Eröffnung in Darm- adt verpflichtet find, hcMe nicht bei uns sein. Der hohe Pro- ktor unserer AuSstcNung, Se. Königl. Hoheit der Großhcrzog rt mir aber, das möchte ich vor allem unseren Ausstellern hier lt Kenntnis bringen, am vorigen Samstag in einer Audienz usdrücklich gesagt, es sei selbstverständlich, daß er sich unsere usstcllung ansehc, er komme gern. Ebenw hat Sc. Exzellenz, der 'evt Minister des Innern sein Kommen für die allernächste eit zuqelägt. Trotz der Ungunst der vorerwähnten Ver- ältiniie bin ich aber ,n der angenehmen Lage, eine außcrgewöhn- ck qroßc Zalfl von Ehrengästen, Gästen und Ausstellern begrüßen - können Vor allem heiße ich herzlich willkommen die Herren Vertreter einer hohen Regierung, unserer oberhesslschen Provinz nd ihrer einzelnen Kreise und der benachbarten preumschen Kreise, us deren (Gebiet eine stattliche Reihe hervorragender Erzcug- iiie unsere Msstellung schmückt. Ich begrüße ferner die Herren icrtretcr unserer Landesuniveriität, der Eilten und Zwettcn -ammer der Landständc, der Stadt Gießen und der bcnach- artcn preußisch«, und hesl'ischen Städte, des Regements, des
Gerichts, der preußischen und oberhesfifchen Handelskammern, der Großh. Zentralstelle sür die Gewerbe und der Handwerkskammer, der Geistlichkeit, der Schulen und der übrigen Behörden, Körper- fchaiten und Vereine, die uns in so hervorragender Weife i» unserem Beginnen unterstützt haben, besonders auch die Herren Vertreter der Presse. Ihnen allen, hochverehrte Gäste, herzlichen Willkomniensgruß!
Meine hochverehrten Tomen und Herren!
Man kann im allgemeinen nicht sagen, daß es unserer Zeit an Ausstellungen fehlen würde. Im Gegenteil, cs ist mir schon ost gesagt worden, cs herrsche in den Kreisen, die immer und immer ivicder zum Ausstcllcn angeregt würden, eine gewisse Ausstel- lungsmüdigkcit. Das ist nwhl richttg, insoweit Ausstellungen größere» Stils in Betracht kommen. Wir l>obcn diese lHsahrung indessen nicht gemacht, wohl deshalb nicht, weil unser Aus- stellungsgebict ein begrenztes ist und bei dieser Schau vor allem die Kreise in Wettbewerb lrelen, die abseits von den großen Ansstcl- lungcn stehen, weil sie ihnen für ihre Verhältnisse unerschnnng- liche Kosten auserlcgen nnd nicht die Vorteile bieten können, die sie in diesen mehr lokalen Ausstellungen in dem Wettbewerb mit ihrer, wenn ich so sagen dar!, tagtäglichen Konkurrenz sich erringen wollen und tonnen. Deshalb liefen wohl auch die Anmeldungen bei uns so zahlreich ein, daß wir schon seit Wochen sich neu meldende Aussteller, die größerer Flächen bedurften, abwcisen mußten.
So werden denn über 400 Aussteller in etwa 160 verschiedenen gewerblichen Berufen aus einer überdachten Ausstcllungssläche von etwa 6000 Quadratmetern, während das ganze Ausstellungsgelände etwa 11000 Quadratmeter umfaßt, ihre Arbeiten aus dem Handwerk, der Industrie, Kunslgcwcrbc, Kunst und Llteratur. zeigen. Ta§ Hauvtgcbäudc umfaßt den größten Teil des .Handwerks, die mechanische Industrie, Nahrungsmittelbranche, Bcklci- «ungsabteilung, Verkehrswesen, Künstgewerbe, gewerbliches Er- ziehungswcscn, Kunst und Literatur, Tie chcmisäze Industrie und das Tövicrgewerbe haben im Licbigmuseum Platz gesunden, während der Bergbau mit der ihm dienenden Maschinenindustrie in eigner Halle untcrgebracht ist. Tie landwirlschastlichen Maschinen, Wagen- und Mühlenbau, Küserci und verschiedene Artikel der mechanischen Industrie füllen zwei große Hallen, die eine neben dem Liebiggebäude, die anders hinter dem Hauptgebäude. Sattlerei, Werkzeugsabrikatton, Avparate sür autogenes Schweißverfahren, Woll- und Leinenwcberei, sowie Althandwcrk und Häsner- gcwerbe füllen das im Hinicrlwi liegende Gebäude. Die Frled- hosskunst bringt zwischen Hauptgebäude und Bahn eine große Anzahl der verschiedensten Grabmalarten, die durch eine Urncn- hallc und Gruitkavellc wirkungsvoll abgeschlossen werden. Nach dem Vorderhos zu sinden sich eine Reihe von Zusammenstellungrw neuester Artikel der Baubranche. Hier an die Festhalle ist eine Mnstcrbäckcrei der Bäckerinnung im Betrieb angegliedert. Im Borderhofe selbst sinden sich Zusammenstellungen verschtedener Materialien der Stcinindustrie. Ter Musiktcnwel zeigt die Verwendung des Betons, die Ausstellungshalle enthält Ausstellungen der chemischen und mechanischen Industrie. Tie künstlerischen Gärtenanlagen, auch eine Ausstellnngsarbeit, fügen das Ganze harmonisch zusammen. Sic sehen, meine Damen und Herren, ein mannigfaltiges, reiches Bild, das die Ausstellung bieten wird.
Warum haben wir nun diese Ausstellung veranstaltet, worin liegen ihre Aufgaben?
Meine Damen Uich Herren! Ms schon im Herbst 1912 aus unseren Handwerkerkresscn der Wunsch an uns herangctragcn wurde, wir inöchtcn der Veranstaltung einer Gewerbeschau für unser nördliches Lessen doch einmal näher treten, wurde diese Anregung damit begründet, daß in Oberhessen schon seit mehreren Jahrzehnten, in Gießen sogar schon seit einem halben iJahr- hundert keine derartige Veranstaltung gewesen sei. Ta aber .eine jede Tätigkeit, einerlei aus welchem Gebiet sie ausgeübt wird, nur erfolgreich vorwärts schreiten kann, wenn! sie getragen ist von dem Streben, Besseres zu leisten als der in gleicher Richtung Arbeitende, so war cs sür unser Handwerk, ,deM durch die Ungunst der Verhältnisse jede Arbcitsfreudigkeit zu schwinden drohte, unbedingt notwendig, cs aus einem frischen Wettbewerb frohen Mut uitd neue Kraft sür die kommende Zeit schöpsen und aus eine glücklichere Zukunft hassen zu lassen. Wir haben diese Anregung und ihre Begründung eingehend geprüft, sie sür.richtig befunden und beschlossen, sie in die Tat nMzusetzen. So haben wir denn im! Sommer des letzten Jahres -die gewerblichen Kreise aufgcrusen zur Beteiligung an einer Gewerbeausstcllung sür Obcrhessen und angrenzende Gebiete und mit unserem-Sammelruf, wie ich schon sagte, schönsten Erfolg gehabt.
Vom kleinsten Handwerksmeister aus dem hohen Vogelsbcrg, der in seiner bescheidenen Werkstatt an der Drehbank, der Hobelbank oder der Schnitzbank in seine Arbeiten sein ganzes Könne!» hineinlcgt, um nur gediegene und künstlerisch in ihrer Art aus- gciührte Arbeiten, die seinem Namen Ebre machen sollen, hinaus- gchen zu lassen (sehen Sie sich, meine Damen und Herren, z. B. nur die prächtigen Spinnräder, Haspel, geschnitzten Stöcke oder reizenden Truhen an), bis zum größten, mit den modernsten Maschinen ausgcstatteten gewerblichen Betriebe der Stadt, sie alle wollen in einen iriediichen Wettbewerb eintrcten und in der Ocs- ientlichkeit ihre Aroeilcn dem Publikum zur Begutachtung und Kritik voriübren. Sic wollen zeigen, daß auch in den Werkstätten unseres nördlichen Hessens noch eine Kunst zu Hause ist, die nicht nur Beachtung und Anerkennung, sondern vor allem auch Unterstützung und Förderung gerade in diesen schweren Zeiten durch alle Schichten des kaufenden Publikums verdient, damit das leider oft zu wahre Wort, der Prophet gilt nichts in seinem Vaterland, endlich eiiunal seine Bedeutung verliert. Der A.N- knüpiung neuer Beziehungen zwischen Hersteller und Käufer, der Erweiterung des Kundenkreises gilt also die Ausstellung. Wirtschaftliche .Hebung und Förderung unseres einheimischen Gewerbes ist ihre Aufgabe. Daneben steht aber eine andere, nicht minder hohe Aufgabe, nämlich die, erzieherisch zu wirken auf den Ge- wcrbesrand einerseits und das kauscndc Publikum andererseits.
Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die Art der handwerklichen Tätigkeit durch die rapide Entwicklung unserer Technik sich außerordentlich geändert hat, sogar soweit, daß selbst die Konstruktionsweisen und Formen davon beeinflußt wurden. Ich brauche dabei ,. B. nur auf die Anforderungen hlnzuweiscn, die an unser Bauhandwcrk durch die sich fortgesetzt steigernde Verwendung des Eisenbetons hcrantrcten. Neue Arbeitsmethoden bedingen eben ost neue Arüeitssornien. Dieser Tatsache muß das Handwerk Rechnung tragen, cs muß sich weiterbildcn, wenn es konkurrenzfähig bleiben will. ... , '
Ebenso unbestreitbar ist die Tatsache, daß ine Lebensbedürfnisse sich in den letzten Jahren erheblich gegen früher gesteigert haben. Auch dadurch sind die gewerblichen Berufe gezwungen, sich weiterzubilden, um ihnen mehr Rechnung tragen zu können. Es erwächst für jeden Meister die ernste Pflicht, sein Wissen und Können zu vertiefen, und seinen Betrieb moderner nmzugestal- ten, aber nicht im Sinne der Massenproduktion und der Erzeugung von Mltagsware, sondern in der Schaltung von Qualitätsarbeit. Denn diese gewährleistet dem Klcinmeister immer noch die größte Verdienstmöglichkeit. ^ . . _ „ . .. _ . .,
So wollen wir denn durch diese Ausstellung, da leder Vergleich dem Fortschritl dient, durch Von'ührung verschieden gearbeiteter, aber demselben Zweck dienender Werkstücke dem Handwerksmeister neu- Arbeitsgedanken geben, durch Vorführung der verschiedenen Maschinen im Betrieb ihn neue Arbeitsmethoden lehren. An ihm
liegt es nun, mit ossenen Augen das Dargcbotenc zu stichieren und sür seine Zwecke nutzbar zu machen, d. h. ein Stück Selbsthilfe zu üben, die vor allem nötig ist, soll es dem Handwerk wieder besser gehen.
Die Ausstellung soll aber auch erzieherisch auf das Publikum wirke» dadurch, daß sie einmal zeigt, welch' gediegene Kunst iwch IN den Werkstätten unserer heimischen Handlverlcr zu Hause ist. eine Kunst, die, wie ich schon früher sagte, der Unterstützung und Förderung weitester Kreise weil ist. Erzieherisch soll sic aber auch wirken dadurch, daß sic durch Ncbeneinandcrstellung cmiacher, aber geschmackvoller Arbeiten den Sinn sür das Schöne zu wecken und zu sördern sucht. Durch jede Verbesserung des Geschmacks wird aber bewirkt, daß das kauscude Publikum den Wert der geschmackvoll gcarbeilcten Ware höher cinschäpt und damit bereit ist, sie auch teurer zu bezahlen. Dadurch würde dem gediegen arbeitenden Handwerksmeister dann auch wieder ein lohnenderer Verdienst sür sein Arbeiten werden, rin Erfolg, den jeder Freund des Handwerks nur wünschen kann.
So sind denn der Airsstellung die verschiedensten Slusgabcn gestellt. Möge sie alle Erwartungen und Hofsnungcn, die auf sic gesetzt sind, erfüllen, möge sic von Erfolg gekrönt sein nach jeder Richtung, vor allem im Interesse unseres heimischen Gewerbes.
Hochansehnliche Versammlung! Ich kann meine Ausführungen nicht schließen, ohne nochmals Ihre Blicke zu lenken aus die Person des hohen Protektors unserer Ausstellung. Sic wissen alle, daß unser erlauchter Landesherr gerade dem Handwerk, insbesondere dcni Kunsthandwerk ein warmer Förderer geworden ist, daß die Einführung der Kunst in das Handioerk das große Ziel gewesen ist und noch heute ist, das er sich seit seinem Regierungsantritt gesteckt l>at, und daß sein Wirken die schönsten Erfolge gehabt hat.
Ich glaube, wir können unserer Ausstellung keine schönere Weihe geben, als wenn wir sie eröffnet mit dem Gelöbnis unwandelbarer Treue zu ihrem hohen Protektor und dieses Gelöbnis bekräftigen durch den Rus: Seine Königliche Hoheit. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, lebe hoch!
Nach dem begeistert aufgenommencn Hoch ergriff der Provinzialdirektor Geheimerat Dr. U s i n g c r, der Ehrenvorsitzende der Ausstellung, das Wort zu folgender Ansprache:
Hochgeehrte Festversammlung!
Der AMstcllungsvorstand hat, wie von dem Herrn Vorredner bereits milgcteilt, das Ministerium des Innern und besonders den Herrn Minister des Innern zu der heutigen Festlichkeit cingeladen. Soeben wird, wie Sie wissen, auch die Ausstellung der Darmstädtcr Künstler-Kolonie feierlich eröffnet, wodurch cs Seiner Exzellenz sowie dem Herr» Ministerialrcferenlen unmöglich ist, der ergangenen Einladung nach Gießen zu folgen. Ter Herr Minister hat mich deshalb mit seiner und des Ministeriums des Innern Vertretung beauftragt: er bedauert lebhaft heute hier nicht anwesend sein zu können nnd fjoftt, daß das in Gießen unternommene Werk die Erwartungen, die man auf cs setzt, rechtfertigt, sowie die Mühe und Arbeit lohnt, die man aus cs verwandt hat.
Wir stehen im Begriff, eine Ausstellung zu eröffnen, die sich aus die Provinz Obcrhcssen und ihr benachbarte Gebiete erstreckt. In dem Ausstellungskatalog finden wir unter rund 400 Ausstellern etwa 300 aus Oberhessen. Dem hiernach vorwiegend oberhesssschen Eharakter der Ausstellung verdanke ich das Amt des Ehrenvorsitzenden, eine Auszeichnung, die ich um so höher schätze, als ein großer Teil meiner früheren Tätigkeit im Ministerium des Innern die Hebung und Förderung unseres heimischen Gewerbes, insbesondere die Wiederbelebung und Kräftigung des oberhesslschen Handwerks zum Zweck halte. Gerade Obcrhcssen bot ja hierfür das geeignetste Feld. Viele, welche die Verhältnisse nicht näher kennen, sehen diese Provinz heute »och als rein agrarisches Gebiet an, in dem für die Erlfaltung bestehender und das Emporkommen neuer Gewcrbs- und HandwerkSzweigc wenig oder gar kein Raum sei. Daß das Gegenteil hiervon der Fall ist, daß das vor Jahren einem größeren Unternehmungsgeist in Gewerbe nnd Handwerk vielleicht noch hie und da verschlossen gewesene Gebiet heute allen ossensteht, daß olle auf die Gewcrbe- förderung gerichteten Bestrebungen dem praktischen Leben und seinen Bedürfnissen gerade hier am schnellsten erfolgreich gerecht geworden sind, wird hosicntlich die Ausstellnng beweisen, vor deren Eröffnung wir stellen. Sie soll nach langer Paus« Zeugnis ablegen sür die Ersolgc ununterbrochener, angestrengter Arbeit und dartun, daß gerade unter einer vorwiegend Landwirtschaft treibenden Bevölkerung auch Gewerbe und Handwerk zu ihrem Rechte kommen. Braucht doch, wie wir hier sehen werden, eine leistungsfähige Landwirtschaft auch ein leistnngs- fähigks Gewerbe, wenn sie nicht Vorteile missen soll, die Technik und handfertige Geschicklichkeit bieten Bei diesen Wechselbeziehungen bin ich überzeugt, daß die. .Ausstellung auch unseren Landwirten viel Sehenswertes und Nützliches bieten Ivird.
Neben 'den obrrhessischen Ausstellern haben sich zahlreiche Aussteller aus benachbarten Gebieten cingefunden. Wenn diese Gebiete, wie wohl freudig sestgrstellt werde» darf, reges Interesse für die Gießener Ausstellung bekundet haben und vorzügliche Leistungen anfwesscn, so gibt bie-'.r;! der wohltuenden und sicherlich alle befriedigenden Feststellung Anlaß, daß im Wettkampf um die Erreichung gemeinsamer Ziele keine Landesgrenzen bestehen nnd daß deutsches Gewerbe und deutsches Handwerk sich zur Mehrung der Ehre des deutschen Namens stets zusammen- fiiiben, wenn es gilt, der Oessentlichkcit Beweise von Tüchtigkeit,- Solidität und Fortschritt zu geben Wen» die Ausstellungslcitung auch in den nicht zu unserer oberhesslschen Heimat gehörenden Landes- teilen weitgehende Unterstützung ihres Vorhabens gefunden hat, so möchte ich in diesem Zusammcnlsang der in dem Ehrenausschuß vertretenen Herren Kollegen von der preußischen und hessischen Verwaltung besonders gedenken, ihnen herzlichsten Dank sür die Förderung aussprechcn, die sic der Ausstellung baden zuteil werden lassen und mit diesem Dank die Bitte verknüpfen, dem Unternehmen auch noch weiter ihre Tmnpathicn lind ihre tatkräftige Unterstützung erhalten zu wollen.
Vieles ist hier in kurzer Zeit sür verhältnismäßig kurz« Zeit geschassen worden. Mögen die Eindrücke, welche die Ausstrllnngs- bcsucher erhalten, desto dauernder und möge den Ausstellern der verdiente Erfolg beschiedcn sein. Hiermit erkläre ich die Ausstellung sür eröffnet.
Die Feier endete mit der Jubelouvertüre von Beethoven, worauf unter Führung der H>erren vom geschäftsfuhwenden Ausschuß ein Rundgang durch die Ausstellung angetretcn wurde. In der Musterbäckerei bedachte die Gießener Bäckerinnung die Besucher mit einer freundlichen Ueberraschung, indem sie liebenswürdigerweise 2ö0 in Teig gebackene Würstchen verteilte.
Um IV- Uhr begann das Festessen, zu dem sich etwa 250 Personen angemeldet hatten.
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