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Nr. M

Drittes Blatt

164. Jahrgang

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonntags.

DieEtehencr ZamIIIendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Kreisblatt für den Krfis Gießen" zweimal

wöchentlich. Ti-randwirtschafUlchen Sei,.

fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejsen

Samstag. 9. Hiai |9fä

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» UnivcrsitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Vertag: euW öl. Reüakttoms-^ 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

Die Liquidität der öffentlichen Sparkassen

bildet nunmehr schon seit Jahren im deutschen Vaterlande den Gegenstand lebhafter Erörterung und sorgsamer Er- Wägung insbesondere innerhalb der Sparkassenverbände Tos in erster Linie von den Regierungen ausgehende Be­streben, die öffentlichen Sparkassen zu einer Erhöhung ihrer Effektcnbesländc bis zu einem gewissen Prozentsatz ihres Gesamtvermögcns zu veranlassen, hat bekanntlich das preu ßistlfe Sparkasscngesetz ge,zeitigt trotz des energischen Wider­standes im Abgeordnetenhaus wie auch seitens des deulsch-en Sparkassenverbandes. Begründet wurde die zum Gesetz gc- tvordcne Vorlage seitens der preußischen Regierung mit der Behauptung, daß ein großer Teil der Sparkassen nicht cfeuügend liquid sei, während demgegenüber aus Spar- tässenkrciscn behauptet wurde, der Hauptgrund des Ge setzes sei, daß sich die Regierung von ihm die Hebung der Kurse für die eigenen Anleihen verspreche. Hierbei wurde immer und immer wieder scharf betont, daß ein Zwangsgescp mancherlei Nachteile, wie große Kursverluste, Minderung der Ucberschüsse und oft die Unmöglichkeit der Befriedigung Nächstliegenden ikreditbedürfnisscs im Elcsvlge haben werde, die erhoffte Steigerung der surfe der Reichs­und Staatsanleihe aber kaum zu erivartcn sein werde.

Das Gesetz ist seil l. Januar 1913 in Kraft und hat die gegen cs erhobenen Bedenken, namentlich in der lctzt- criväbnten Richtung (Kurssteigerung) zun, guten Teil ge­rechtfertigt. Im übrigen mag zugegeben ivcrden, daß das Gesetz neben den großen Verpflichtungen, die es den Spar­kassen auferlcgt, zum Teil auch eine Erweiterung des Ver­waltungsrechts und einen wirksamen Schutz für die Spar lassen bedeutet.

Die Verpflichtung der öffentlichen Sparkassen in An­sehung der Anlegung ihrer Bestände normiert das Gesetz dahin, daß von den verzinslich angelegtqp Vermögen in nründelsichcren Schuldverschreibungen auf den Inhaber an- zulcgen sind: 15 Prozent bei einem Eintägebestand bis zu 5 Millionen Mark, 20 Prozent bis zu 10 Millionen Mark und 25 Prozent in alten anderen Fällen. Von diesen Schuld­verschreibungen müssen in solchen des Deutschen Reiches oder Preußens angelegt werden.

Gemildert hat das Gesetz dagegen die früheren, zum Teil recht strengen Vorschriften über die Höhe des Reserve­fonds und über die Zurückbehaltung der Ueberschiisse. Einen besonderen Fortschritt für die preußischen Sparkassen bedeu­tet insbesondere die Bestimmung, die ihnen die freie Ver­wendung aller Ueberschiisse zum geineinen Nutzen zuoestebt und zwar ohne Genehmigung der Aufsichtsbehörde, sobald der Reservefonds 8 Proz. der Spareinlagen erreicht hat. Ob und inwieweit im Laufe der Zeit das preußische Spar- kaffengesetz die von der Regierung ihm entgegeugebrachten Hoffnungen rechtfertigen wird, läßt sich selbstverständlich nicht voraussehen.Qm vivera verra!"

Aber auch in den anderen deutschen Bundesstaaten ist der Ruf nacb Erhöhung der Effcktcnbestände nicht zum Schweigen gekommen. Insbesondere auch in Hessen ist die Frage unausgesetzt in Fluß geblieben und bat wieder­holt lebhafte Verhandlungen im Schoße des hessischen Spar­rassenverbandes hcrvorgerufcn und die Vertreter der hessi­schen Regierung, die mehrfach diesen Verhandlungen beigc- wohnt haben, wiesen stets mit großem Nachdruck auf die dringende Notwendigkeit hin, die Vermögensanlagen der Sparkassen durch wesentliche Erhöhung ihrer Bestände an Wertpapieren, insbesondere an Reichs- und Staatspapieren zu sichern.

Die Beweggründe'für diese Forderung der Regierung sind die gleichen, die zu dem preußischen Anlegungsqesetz geführt haben. Im Vordergrund stand und steht heute noch der Hinweis auf die Gefährdung der Bezirksspar­kassen, im Falle eines Krieges oder ähnlicher Ereignisse, falls nicht sofort ein größerer Teil der Einlagen flüssig gemacht werden könne. Die Kassen müßten allezeit gerüstet sein, einemRun" gegenüber Rückzahlungen auch in größerein Umfange alsbald zu leisten; dies sei aber nur möglich, wenn sie sich im Belitz der erforderlichen, sofort diskontierbarer Wertpapiere befänden. Hierbei seien aber in erster Linie Reichs- und Staatspapiere, sowie Kommunalpapiere aus Inhaber geeignet.

Die Regierung hatte zugleich Vorschläge gemacht, in welcher Weise das von ihr erstrebte Ziel erreicht werden könne. Es würde den Sparkassen angesonnen, sich freiwillig bereit zu erklären, jede für sich mindestens 15 Proz. ihres Gcsamlvcrmogens (Einlagen uud Reservefonds) in von der Rcichsbank bcleihbarcn Schuldverschreibungen auf den In­haber anzulegcn und hiervon niindcstens 10 Proz des Ver­mögens in hessischen Schuldverschreibungen unter Umivand- lung der Stücke in Schtttdbuchsorderungcn. Bis zur Er­reichung dieses Verhältnisses sollten jährlich des Ver­mögenszuwachses des abgeschlossenen Rechnungsjahres und außerdem 1 des Gesamtvermögens, höchstens jedoch '/, des Zuwachses zur Eintragung in das hessische Slaatsschuld- buch verwendet werden. Der Vorstand des hessischen Spar- kajsenverbandes machte nach eingehender Beratung der Rc- gikrungsvorschlnge unter deren Ablehnung den Gegenvor­schlag; die Sparkassen möchten sich bereit erklären, bis auf weiteres jährlich 3 Millionen hessischer Staatsanleihe zu übernehmen unter der Bedingung, daß ihnen dieser Betrag bei Neuemissionen tirclt zum gleichen Ucbernahmekurs wie den Banken zur Verfügung gestellt würden.

Tie lebhafte Aussprache, die aus einer außerordentlichen Hauptversammlung über diesen Vorschlag, stattsand, ließ erkennen, daß man zwar grundsätzlich das Bestreben nach einer Vermehrung der von der Reichsbank bcleihbarcn Es- sektcnbestünde nicht für ungerechtfertigt erachtete, jede zwangsweise Verpflichtung zum Erwerb eines bestimmten Bestandes solcher Wertpapiere aber entschieden ablehnen zu müssen glaubte, wenn nicht vielen Sparkassen die Er­füllung der Nächstliegenden Aufgaben unmöglich gemacht werden oder manche sogar gezwungen werden sollten, sich selbst erst die Mittel zur Anschaffung eines bestimmten Pro­zentsatzes von Reichs- und Staatspapieren anderwärts für teures Geld zu beschaffen. Tie Verhandlungen fiihrten zu der Entschließung: t

Tie Verbandssparkasien erklären dicAnnahmc der von dcrRc- rung ausgestellten Leitsätze als nicht im Interesse der Spar­kassen gelegen, sind dagegen bis aus weiteres bereit, soweit dies unbeschadet ihrer Nächstliegenden Aufgaben möglich ist, aus den ihnen zum Ankauf von Wertpapieren vcijügbar werdenden Mitteln vorzugsweise hessische Staatspapierc anzukaufen."

Mit dieser Entschließung ivar wohl vorerst einmal für die Vcrbandssparkassen erledigt. Ihre Folge war, daß tat­sächlich auch eine größere Anzahl von Bezirkssparkassen ihre Bestände an Wertpapiere» der gewünschten Art nach Kräf­ten erhöhte, viele aber mußten Zurückbleiben, weil sie eben alle verfügbaren Mittel nötig hatten, um das Kreditbedürs- nis ihrer Bezirke zu befriedigen. Die Frage kam deshalb auch jetzt noch nicht zum Schweigen. Die Liquidität der Süs­sen ließ nach Ansicht der Regierung noch immer viel zu wünschen übrig und führten zu einer nochmaligen Aus­sprache über die Frage im Frühjahr d. Js. innerhalb des Sparkassenverbandes, ohne daß jedoch dieser in seiner Stel­lungnahme irgendwie altericrt worden war. Es hat sich ergeben, daß bei allen Bezirkssparkasscn der gute Wille, den Wünschen der Regierung gerecht zu werden, im vollen Maße vorhanden lst, daß aber der Erwerb von Staatspapieren für eine ganze Reihe von Kassen in der Tat ein Ding der Unmöglichkeit ist und ein Zwang in dieser Richtung viele Kasse» direkt schädigen würde dadurch, daß sie, wie bereits oben gesagt, genötigt sein würden, sich zunächst anderwärts teueres Geld zu verschaffen, um überhaupt Papiere an- kauscn zu können.

Es wird also zunächst noch recht langsam auf dem be- schrittenen Wege vorwärlsgehen, ja es wird fraglich sein, ob überhaupt eine Esfektenerhöhung in dem von der Re­gierung erstrebten Umfang bei vielen der kleinen Kassen sich wird erreichen lassen.

Andererseits scheint uns aber auch die Besorgnis, der Mangel an einem bestimmten Bestände diskonticrbärer Wertpapiere im Falle eines Krieges könne für manche Kasse verhängnisvoll werden, wenigstens hinsichtlich der ländlichen Bezirkssparkajsen nicht in dem Maße begründet zu sein, als man anzunehmcn scheint. Tie ländlichen Bezirksspar, lassen Pflegen unbedingtes Vertrauen in allen Bcvöike- rungskreise» zu genießen. Man weiß, daß bei Anlegung der Einlagebcstcinde überaus vorsichtig zu Werk gegangen wird, wie dies ja auch Gesetz und Satzung schon von selbst ge­

bieten: man weiß, daß der weitaus größte Teil des Ver­mögens der Kasse in unveräußerlichen und kaum einer Ent- wertungsgcsahr ausgesetzten Grundbesitz sicher fundiert ist, der selbst in Kriegszeiten eine dauernde Gefährdung nicht zu befürchten hat. Man weiß aber auch vor allem, daß zahl­reiche Gemeinden mit ihrem vollen Gemeindevermögen als Garantie hinter den BezirkSsparkassen stehen und für alle diese etwa tresscnden tatsächlichen Verluste auskom- men Müssen. Es ist deshalb weil diese Tatsachen im Volk seil vielen Jahrzehnten bekannt sind und weil hierdurch dessen Vertrauen zu den Kassen sich im Laufe der Zeit mehr und mehr gefestigt hat ein sogRun" auf die ländlichen Spartassen kaum jemals zu befürchten, namentlich a u ch nicht zu Kriegszeiten, denn gerade dann findet der Kapitalist sein Geld nirgends sicherer gestellt als bei den Bezirkssparkassen.

Wollte man aber die Bezirkssparkasscn verpflichten, unter allen Umständen, Staatspapierc in einem gewissen prozentual festgelegten Umfange zu erwerben, so würde dies dahin führen, daß bei vielen Sassen, die zahlreichen, vielfach seit Jahrzehnten wicderkehrenden, quasi regelmäßigen Zu­wendungen aus den Ueberschüssen zu wohltätigen und ge­meinnützigen Zwecke» zum guten Teil in Wegfall kommen müßten. Ein solcher Rückgang in der Fürsorgetätigkeit der Sparkassen aber würde nicht nur nicht verstanden werden, nein er würde zweifellos auch das Ansehen der Kasse und das Vertrauen zu ihr zu mindern geeignet sein. Aber auch direkt materielle Nachteile würde eine solckht Venvaltungs- bcschränkung im Gefolge habe». Manche Wohltätigkcils- einrichtungcn und gemeinnützige Anstalten (Krankenpflege, Schulen) sind in ihrem Fortbestand oder doch in ihrer Weiterentwicklung zumteil geradezu von der Unterstützung der Bezirkssparkasscn abhängig und würden durch deren Wegfall oder wesentliche Beschränkung direkt gefährdet werden.

Gerade dieser, wohl von den meisten ländlichen Bezirks- kassen geübte und auch von den Aufsichtsbehörden lebhaft geförderte vielseitige Unterstützungstätigkeit verdanken die Kassen ein gutes Teil ihrer Volkstümlichkeit und ihrer Be­liebtheit, deren Verkümmerung unter Umständen recht un­erfreuliche Wirkungen haben töniitc. Möge man den Bc- zirtssparkasscn bas Vertrauen schenken, daß sic nach Kräften bemüht sein werden, ihre Bestände an Wertpapieren und damit ihreLiquidität" zu erhöhen, vermeide man aber einen allzugroßen Druck in dieser Richtung auf die Kassen auszuüben.

Die Steuerbelastung in England und Deutschland.

Nach dem soeben von Lloyd George dem englischen Unterhause vorgelegten Budget soll die englische Staatseinkommensteuer außerordentlich erhöht werden, so daß sie bei großen Einkommen einen Steuersatz! von 2 Schilling 7 Pence für je ein Pfund Einkommen er­reicht. Das ist ein Ein ko m m e n st e u ersatz von 12,9 Proz.! Demgegenüber steigt z. B. die preußische Einkom­mensteuer, weiche bei den niedrigen Einkommen mtt0,6 Proz. beginnt, bet den höchsten Eintommen nur bis zu 5 Proz. Gänzlich verfehlt tväre nun die Annahme, daß der englische Steuerzahler angesichts der hohen Belastung mit direkten Steuern wenigstens von der Belastung mit Zöllen und indirekten Steuern befreit sei. Gegenüber diesem in Deutschland noch vielfach verbreiteten Aberglauben seien folgende Zahlen aus den letzten englischen Finanzberichten angeführt. Bereits nach dem englischen Staatshaushalts­plan für 1912/13 ivarcn die Z o il ei n na h m e n (Tabak­zoll, Teezoll, Kaffeezoll, Zuckcrzoll usw.) mit 691 Millionen Mark und die Verbrauchssteuern (Bier, Spiritus usw.) mit 769 Millionen Mart eingestellt. Das sind insgesamt an Zöllen und Verbrauchssteuern 1460 Millwnen Mark für 1912/13, oder auf den Kops der englischen Bevölkerung eine Belastung durch indirekte Steuern von 32 Mark! Dagegen betrugen die Einnahmen des Deutschen Reiches im Jahre 1913 an Zöllen 721 Millionen Mark und an Verbrauchs­steuern 624 Millionen Mark, zusammen 1345 Millionen Mark, was aus den Kops der Reichsbevölkcrung eine Be­lastung von 20.10 Mark ergibt Also bei den direkten Staats­steuern iw Deutschland steigen die Sätze bis 5 Proz., in

Kttttfi, Wissenschaft und Leben.

Shackletons Probefahrt. Sir Ernest Shackleton wird in den nächsten Tagen die Ausreise nacb Norwegen antreten, um in den Eisrcgionen der norwegischen Gletscher die für seine Südoolarcrpcditton bergcstcllicn AusrüstungSgcgenstände sowie die seriiggcstciitcn Proviantrattoncn einer weitgehenden praktischen Er­probung zu unterziehen. Zugleich soll diese Fahrt und der Aufcnt- balt in den norwegischen Eisrcgionen eine Vorbereitung für die Anstrengungen und Entbehrungen, die der Forscher inr Bereiche des Südpols harren, darstcllcn. Fünf Mitglieder der künftigen Er- vedition werden mit Shackleton an der norwegischen Probereisc tcilnehmcn und längere Zeit in der Schneewildnis lebcn^Die Er­nährung wird dabei genau dem.ErnährungSplan der Tüdvolar- exvcdilion entivrcchen; bekanntlich ist für die Südpolariahrt Thack- lctons unter der Aussicht des Oberst Bcveridgc von der englischen Militär Medizinischen Hochschule ein besonderer Ernährungsplan auSgearbciiet, der jetzt in der Wirklichkeit erprobt werden soll. Naturgemäß werden die Teilnehmer der Probefahrt in Norwegrn nicht jene Kältevcrhäjtnisse finden, wie im Reiche des Südpols: aber die zu den Versuchen ausgewählte Gegend entspricht im übrigen den Vcrhältniisen der Antarktis und ist insbesondere von heftigen Schnccstürmen häuiig iicimgesucht. Auch die neuen Auto­mobilschlitten werden hier ihre erste Feuerprobe zu bcchchcn haben. Das neue Expedittonsichiss Shackletons, dieEndurance", vollen det zurzeit in Norwegen die Ausrüstung und wird noch im Ltmfe dieses Monats nach London überführt. Das Schiss ist kleiner als dieAurorc" und dieDiscovery", jedoch ungemein stark gebaut und ein kleines Meisterwerk des Hoizschiffbaues. Ter Kiel, aus starker Eiche, hat eine Dicke von 5V* Fuß, während die Seiten- wände zwei Fuß stark sind. Tic eingebaute neue Maschine crnrög licht eine Geschwindigkeit von zehn Knoten und kann sowohl Nilt Kohle als mit Petroleum betrieben werden. Das zweite Erpedi- tivnsi'chiii, dieAurorc", der die Station im Roß-Meer zufäilt, wird Ende August abgeliescrt und inr November die Ausreise an- tretcn. Eine der wichtigsten Fragen bei der Vorbereitung der Exvcdition war die Erlangung von Hunden. Bei der letzten Reise hatte der schwerste Hutzd ein Gewicht von 45 englischen Pfund: diesmal wird der leichteste Hund gegen 80 Pfund wiegen. Die Tiere sind im arktischen Kanada gezüchtet und die Frucht einer Kreuzung von Wolf und schstlischem Hirschhund. Man veffpächt sich

von der Widerstandsfähigkeit und der Zugkraft dieser Hunde be­sonders günstige Ergebnisse.

Launen des Thermometers. In einem fesseln­den Auffatz derHcbdo-Tebats" beschäftigt sich de Varigny mit der Tatsache, bah die Quecksilbersäule des Thermometers, wenn man sie in schmelzendes Eis lenkt, keineswegs immer die Stellung einnimmt, die ihr zukommt: den Nullvunkt. Aber selbst wenn das Thermometer die richttge Temperatur van Null Grad anzeigt, wird eine Wiederholung des Vcriuches nur glücken, Ivcnn der Wärmemesser zwischen den beiden Experimenten nicht dazu vcnvcndet wurde, wesentlich höhere Temperaturen zu bc- stimmcn. Sind mit dem Thermometer höhere Wärmegrade ge­messen worden, so wird sich zeigen, daß die Quecksilbersäule kei­neswegs wie bei dem ersten Versuch im schmelzenden Eis wieder Null Grad anzeigt, sondern man wird sehen, daß das Quecksilber etwas icher dem Nullvunkt verharrt. Das Phänomen erklärt sich durch den Umstand, daß dos die Quecksilbersäule umschließende Glas unter der Einwirkung der größeren Wärme seine Ausdeh­nung verändert bat und keincstvegs sofort nach dem Aushören der Wärnie zu seiner ursprünglichen Form zurückkehrt. Die Zeit, die dazu ertordertich ist, wechselt mit der verschiedenen Zusammen­setzung und Art des Glases; mmi hat Thermometer beobachtet, bei denen die Quecksilbersäule erst nach einem halben Jahre wie­der ihre richttge Stellung am Nullpunkt wiederiand. In der Praxis muß man in allen Fällen, in denen cs aus Genauigkeit der Tempcraturbesttmmung ankommt, vermeiden, das gleiche Ther­mometer zur Messung sehr isolier und sehr niedriger Tempera­turen zu verwenden. Tie zuverkäisigste Kontrolle für die Ge­nauigkeit eines Thermometers bleibt die Probe im schmelzenden Eis; die Untersuchung durch die Siedehitze des Wassers hat ihre Gefahren, die zu Ungenauigkeiten sichren können. Tie^ Verschie­bungen der Quecksilbersäule kann man verhindern, indem man das Thermometer einmal einer sehr hoben Temperatur aussetzt; die Folge ist zwar eine merkbare Erhöhung des Nullpunktes, aber diese Erhöhung blecht dann ständig. Setzt man das Thermo­meter 24 Stunden lana einer 'Tcmveratur von 45 Grad Celsius aus, so ist für die Wärmegrade von unter 100 Grad eine sasr absolute Stettgkeit erzielt. Aber die Erhöhung des Nullpunktes bei einem auf diese Art behandelten Thermometer ist sehr erheb­lich und mich fortan stets in Rechnung gesetzt werden, denn sie. beträgt ost nahezu vier Grad.

Ausgrabungen. Die Verwaltung der ägyvtischen Mu­seen entdeckte bei E l w o st a zweihundert Gräber der ältesten ägyp­tischen Königssamilie. Sie stammen aus der Zeit um 3000 v. Ehr. aus der Regierung der ersten Dynastie des Mencs, dessen Grab bei Ragüde in Oberägypten als ältestes Denkmal der ägyptischen Ge­schichte bekanm ist.

Eine kleine Enttäuschung. In dem' hübschen Villenvorort von Paris, Passy, erhebt sich in der Ruc Raynouard ei» bescheidenes Haus, das im Laufe der Jahre zu einem Wall- jahrtsort der Verehrer des Dichters derllontes drolätiques" ge­worden ist. In dem mittelsten der von Bal z rc ehedem bewohnten Räume steht noch ein kleiner Schreibtisch mit einer Unmenge von Schubladen. Dort hob Balzac sein Geld auf, . . . wenn er etwas hatte. Und gerade an diesen kleinen Schreibtisch mit leinen vielen Schubfächern knüpst sich unsere Geschichte. Der Dichter hatte die Gewohnheit, wegen der größeren Ruhe in der Nacht zu arbeiten und bis spät in den Tag hinein zu schlafen. So kam cs, daß eines Mittags sein Schneider, mit einer langen Rechnung bcwafßiet, ihn aus den schönsten Träumen riß. Mit unwillig grollender Stimme klang es schläfrig vom Bett her; ,Was wollen Sic denn von mir?"Ich habe die Rechnung für die letzten Anzüge mit­gebracht, Herr v. Balzac." Ein kräftigesUuunaaaah!" ,var zu­nächst die Antwort des seinem unliebsamen Besucher immer noch die Kehrseite zuwendendcn Dichters. Tann schaute er, sich die Augen reibend, zum Schrcchtisch hin:Gut, öffnen Sic bitte die oberste Schublade rechts," sagte er zu dem Schneider, der ob der schnellen Erfüllung seiner gewagtesten Hoffnungen sich eilfertig cg den Schreibtisch Machte.Da ist aber nichts drinnen!!" antwortete er bald.Dann also die nächste!"Ebenfalls leer!" Noch tiefer, die nächste!"Auch nichts vorhanden!"Viel­leicht in der Reihe auf der linken Seite!" Nach langem' vergeblichen Durchsuchen gelangte der Schneider zu einem Fach, das voll mit Pavieren war. Freudig rief er aus: ,hier Hab' ich's, da sind lauter Pavierc!!" . . . Ruhig antwortete Balzac:Das sind meine unbezahlten Rechnungen. Legen Sie die Ihrige oben auf!" drehte sich gegen die Wand und nach wenigen Minuten trieb das kräftige Schnarchen den enttäuschten Gläubiger aus der Wohnm^ hinaus.