Nr. m
Zweites Blatt
M. Jahrgang
Erscheint täglich mit AtSnahme dis Sonntags.
Die „Sietzener Knmstenblätter" werden dem ,Aa»«ger^ viermal ivöchentlich beigelegl. das .^treirbtalt skr den Krtis Sietzen" zweimal wöchartlich. Ti« „landwirtschaftlichen Seit-
fragen" erscheinen »lonaliich zivennal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhejsen
Zamstag, 9. Mai
Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schcn UniversilatS - Buch- nnd Steindrnckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrabe 7. Expedition und Verlag: &3j » 51. Redaktion:^8N2. Tel.-Adr.:AnzcigerG>eßc>i.
Deutsche; aus Achen.
Die Mitteilungen des ..Vereins für das Deutschtum im Ausland" veröffentlichen folgenden Brief aus Athen:
„Mit König Otto kamen Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts hauptsächlich aus Bachern die ersten Deutschen in größerer Anzahl ins Land, zunächst nach Nairplia. Sie siedelten mit dem König nach Athen über Tie ersten Kulturarbeiten in dem unter der Türkenherrschast verkommenen Lande wurden von ihnen ausgefiihrt. Tic Straße von Piräus nach Athen wurde von ihnen angelegt. .Hunderte starben dabei in den Sümpfen am Fieber Ter Stadtplan von Athen zeigt heule noch die von Schaudert entworfenen Grundlinien. Ta:- Schloß wurde von Gärtner gebaut. Tie Universität ist von Teurschen eingerichtet. Deutsche waren die ersten Professoren. Noch heute lebt hier ein Veteran der Zeit. Krüger. Professor der Zoologie. Tie Sternwarte ist von einem Deutschen erbaut und zuerst von ihm geleite". Die Staatsmaschinerie arbeitete nach lmyeri- schcn Grundsätzen. Man kann ohne Uebertreibung behaupten, das junge Königreich Griechenland war in seiner inneren Struttur deutsch.
Die Tausende von deutschen Männern und Frauen. die damals hier cinlvanderten, haben dem neuen Griechentum als Krilturdüngcr gedient. ,.Streit“ heißt heute der tüchtige Minister des Aeußeren: sein Vater war lange Jahre Direktor der Nationalbank. „Schiechann" ist heule ein bekanntes Mitglied des griechischen Parlaments. Eine bayerische Militärkolonie, ein ganzes Tors, Herachion, etwa 8 Kilometer nördlich von Athen, ist heute ganz griechisch geworden. Nur wenige verstehen dort noch die deutsche Sprache. Tie in Athen lebenden Nachkommen jener damals hier eingewanderten Familien sind griechische Staatsangehörige. Nur wenige von ihnen halten sich trotzdem auch heute noch zur deutschen Kolonie Tie deutschen Vereine und Gesellschaften haben diese E-nttvickluug nicht ausgehalten. Noch vor 10 Jahren war in dem stärksten hiesigen Verein „Philadelphia" die Unterhaltungssproche an Festabenden im allgemeinen die griechische. Tics Bild würde noch schwärzere Züge zeigen, wenn nicht die Königin Amalie sowohl als auch der König Georg dafür Sorge getragen hätten, daß allsonntäglich in der Schloßiapelle das Evangelium in deutscher Sprache gepredigt wurde.
Ein Umschwung trat ein, als vor l8 Jahren vom Professor Dörpscld und dem damaligen deutschen Generalkonsul Luders ein deutscher Schnlverein und damit «ine deutsche Schule in Athen gegründet wurde. Tas Streben des Vereins ging von Anfang an dahin, alle nur irgendwie erreichbaren, von Deutsche» abstammenden Kinder, auch die Kinder der ärmsten Familien, der Schule zuzusühren Das Ziel wurde erreicht. So können wir heute die erfreuliche Tatsache melden, daß deulsche Väter und Mütter, die bisher nur griechisch sprachen, von ihren Kindern und mit ihren Kindern wieder die deulsche Sprache lernen. Daneben erreicht die deutsche Schule ihr zrvcites Ziel, griechischen Kindern und Eltern deutsche Sprache und deutsches Wesen lieb zu machen. Tie Zahl der griechischen Kinder ist aus 91 gestiegen; 16 mußten wir leider aus Platzmangel zurück weisen.
Derjenige deutsche Verein, der gewissermaßen die deutsche Kolonie repräsentiert, ist die „Deutsche Gesellschaft Philadelphia". Sie besitzt ein ihr gehöriges Vercinshaus. Tie Mitglieder setzen sich zusammen aus Reichsdeutschen, Schweizern^ Oesterrcichern und aus solchen Deutschen, die griechische Staalsangahörige sind. Tic Mitglicderzahl betrug im Januar d. Js. 83 ordentliche Mitglieder. Die wichtigste Veranstaltung des Vereins ist die Feier von Kaisers ole- burtslag. An diesem Tage wird regelmäßig eine Huloi- gungsdepeschc an S. M. den Kaiser gesandt. Kegelabende, Skatabendc, Bälle, manchmal auch Vortragsabende vereinigen die Mitglieder zu geselligem Verkehr und bringen sie einander näher.
Eine deutsche evangelische Kirchcngemeindc ist in Bildung begriffen. Der Wert einer solchen itzemcrnde für das hiesige Deutschtum braucht nicht bewiesen zu werden. Schon der Name deutsch beweist ihn.
Ecu „Deutscher Hilssverein" sorgt für hier wohnende und durchreisende arme, in Not geratene Volksgenossen.
Tas Home internattonal, an dessen Spitze die deulsche Gesaudtin als Präsidentin steht, nimmt sich der alleinstehenden iveiblichcn Landsleute, Erzieherinnen, Kindermädchen nsw. an
Eine Kaiserlich deutsche Gesandtschaft, ein Kaiserlich deutsches Generalkonsulat, ein deutscher Dclegierier zur Internationalen Finanzlommisjion sind am Ort. Tas seit 1874 hier bestehende Kaiserlich deutsche archäologische Institut nimmt in der wissenschaftlichen Welt -lthens die ge- achtetste Stellung ein."
JIii» Hessen.
Aus dem Finanzausschuß.
(rbi Darmstadt, 8. Mai. Tie heutige Sitzung des F i - nanzausschusses fand wieder in Gegenwart zahlreicher Vertreter des Finanzministeriums statt, darunter Finanzminisicr Braun, Staatsrätc Wilbrand und Lorbacher, Ministe- Lialrot Schliephake. Zur Beratung stand zuerst die Regierungsvorlage über die Dien st bezöge der Kommunal- i o r st w a r t c. Ter Gehalt der Kommunalsorstwarte ist bekanntlich durch Gcsev vom 17. Januor >901 dahin geregelt, daß sie im aUgcmecncn 70 Prozent der Gehalte der staatlichen Forstwatte beziehen. Tie neue Regierungsvorlage bezweck! nun, diesen Prozentsatz entsprechend der Besserstellung der staatlichen Forstwatte in der Bcsoldungsordnung zu berechnend Im Finanzausichuß wurde u. a. darüber verhandelt, ob nicht eine vollständige Gleichstellung der staatlichen und der Kommunalforstwarte zu ermöglichen fei. Tie Vertreter der Regierung machten demgegenüber geltend, daß die damalige Festlegung der Gehaltssätze aui 70 Prozent erst am Grund langer Kompromißverhandlungen erfolgt sei und man sich entschlossen habe, an diesem Satz sestzuhalten, wenn die dienstliche Tätigkeit und die Vorbildung der Kommunalwrstwatte, insoweit sie voll- beschäftigt sind, jetzt die gleiche sei, ivie bei den staatlichen Fvrstwatten. Der Finanzausschuß rechnet zunächst die in der Besoldungsvorlage den staatliäien Forstwartcn gewähtte Altcrs- zulagc von 200 Mark den Ticnstbeziigen zu, so daß diese 200 Mark den Komnrunalrorsttvattcn nach Erreichung des 21. Dicnstfahres zufallen. Weiter trielt eS der Ausschuß lür gerccht- serlist, auch die Bckleidmigszulage den KoMmunalsorstwattcu zu
kommen zu lasten. Tie Llbstimmung darüber, ob die 70 Proz. als Gcbatt beizubehalten seien, wurde zunächst auSgcjetzt, bis de» Ausschuß,nilgliedern Gelcgeuheii gegeben ist, die Stimmung in den Fratlionen darüber kennen zu lernen.
Ter Ausschuß behandelte sodann die Regierungsvorlage, betr. den Verkauf des S e n s f e l d c r L o s g u t S. Die Regierung erklärte, daß sie weder einen Verlaut an du: Gemeinde, noch an ein Privatkoniortium beabsichtige, sondern baß sie eine öiientliche Vcrüeigeruna in Aussicht nehme. Taeicc Plan der Regierung wurde vom Ausschuß guigchcißcch und dieser Weg der Veräußerung als richtig bezeichnet. Allerdings wurden auch gegen die Verwendung des Erlöses aus dem Verkauf Bedenken erhoben, weil der Verstcigcrungserlös zum Ankauf von GeländcZür das Großh. Fami.icneigcnium vertvendet würde, also dem Domänen Aegui- sitionSiondS zuiließe und damit der Einwirkung der Stände wenigstens hinsichtlich der Substanz des Vermögens entzogen sei. EL sollen von der Regierung noch Eekundigungen eingezegcn werden, n»e buch der ecwa sich ergebende Berstcigerungscrlös berechnet werden könnte.
Ter Antrag Tr. Borhcimrr, beir die Heranziehung des Fiskus zu den Kosten der Waitergcnoitentchaiten von Latnvenhcinr und Bürstadt für das Waldgelände Lorich.r und Bürstädter Wald wurde abgelehnt, nachdem die Regierung durch ihre sorstwirtschait- lichcn Räte dargclegt' hatte, daß die Entwässerung dem Lorichcr Wald einen Vorteil nichl bringe. Tic Regierungsvorlage, betr. Anstellungsverhältnifte der mittleren hessischen Eisen- bahnbeamteu wurde als c>» dankenswertes Entgegenkommen der vrcußischen Eiseirbahnverwaltung gegenüber den hessischen Beamten begrüßt. Es toll darnach nicht, wie früher, eine bestimmte Anzahl von Stellen iür hessische Beamte Vorbehalten bleiben. Denn dies batte besonders in der letzte» Zeit zur Folge, daß die hessischen Beamten weit länger, als die preußischen, aus Anstellung warten mußten. Ter preußische Eiscnbahnministcr macht Hesse» vielmehr das Anerbieten, daß die Anwärter der Heimchen und der preußischen Kategorie gleich behandelt werden solle». Sic werden ihrem An- wätterdienstaltcr entsprechend in einer gemeinsamen Anwärterliste vereinigt werden. Der Finanzausschuß bczeichnete dies Entgegenkommen als für die hessischen Anwärier außerordentlich vorteil- hast und genehmigte es einstimmig, dfl soll aber als Wunsch noch bcigcsügt werden, daß den Beamten, welche früher der Pensionskasse der hessischen Ludwigsbahn angchörten, aber nachher ausschieden, die Zeit der Angehörigkeit zu der Pensionskassc als pcn- schnssähigc Dienstzeit angerechnet werden möchte.
Der Antrag Grünewald, betr. Immobilien- usw. Lasten, hatte zum Gegenstand, Material über die Belastting des Jmmo-- bilienoerkehrs durch Stempelkosten vorzulegen. Nachdem die Regierung das Material vorgclegt hat. wurde der Antrag vom Ausschuß für erledigt erklärt. Da der Ausschuß hiermit seine Beratungs- gegenstände erledigt hat, wird er erst in der übernächsten Woche wieder zusammentreten.
Dfuticbt Kotcnien.
Ei» Weißer im Amboland ermordet.
Aus Deutsch-Südwestairika meldet der Gouverneur aus Grund einer Mikteilutlg der Ambomission, daß ein Weißer, der von Tsumcb aus ohne behördliche Erlaubnis das Amboland betrat, in Ondonga von Ukuan- jainaleuten ermord ei worden sei. Name und Nationalität des Ermordeten sind nicht bekannt. Ter Ondonqahäuptling hat die M ö r d c r v o r l ä n r i a s c st g e n o ni m e n und hält sie zur Auslieferung an das Bezirksamt Outjo bereit.
Lndonga ist die Landschaft in der Mitte des deutschen Ambogcbietes und liegt gerade nördlich der Etoichapsanne, nahe an der Grenze der portugiesischen Angolakolonie. Das Aniboland oder auch Ooamboland untersteht der deutschen Herrschaft bisher nur in beschränktem Maße. Die Arnbo- häupllin.ge genießen noch eine recht erhebliche Unabhängigkeit. Vor etwa Jahresfrist wurde, wie man sich erinnert, der aus dem Hereroscldzuge her bekannte Hauptmann Franke in das Loainboland entsandt, um die deutsche Oberhoheit dort zu stabilicrcn. Das Amboland ist der am dichtesten bevölkerte Teil von Deulsch-Südwcst und bildet das Reservoir für eingeborene Arbeiter. Tas Betreten des Landes ist Weißen ahne behördliche Erlaubnis verboten, und von der weißen Besiedelung ist es überhaupt ausgeschlossen.
Gcrichtsfnal.
Der Zwist im Hause Wagner.
SlBayrcuth,8. Mai 1914.
In dem unliebsamen Familienzwist im Hanse Wagner hat die Zivilkammer des Landgerichts hente nur eine vorläuiigc Entscheidung getrosten. In der ersten Verhandlung, bei der der Vettreter der Frau Cosima Wagner erfolglos de» Ausschluß der Lefscntlich- keit beantragt hatte, wies der Vertreter der Frau Isolde Beidler daraus hin, daß ebenso wie Isolde auch die KinSer Eva und Siegfried zwar außer der Ehe geboren seien, daß Wagner aber nie ein Hehl daraus gemacht habe, daß er sich zum Vater bekenne. — Auch in verschiedenen Schreiben Richard Wagners ist zum Ausdruck gekommen, daß er sich als Vater der drei Kinder bekenne. Von der Gegenseite wurde geltend gemacht, daß die StandeSamtSrcgistcc nur eine Frau Isolde geb. von Bülow kennen. — In der heutigen Verhandlung vertraten die beiderseitigen RechtSanmälte noch einmal ihren jeweiligen Ttandvnnkl. — Der Gerichtshof kam zu der Entscheidung, daß noch cinnial Beweis erhoben werden solle. Und zwar geht der Belveisantrag dahin, ob in der fraglichen Zeit zwischen Frau Cosima Wagner und dem damals von ihr noch nicht geschiedenen Gatten Hans v. Bülow eheliche Gemeinschaft besten, den habe. — AlS Zeugin über diese Behauptung soll die damalige WirtschastSdame der Bülowschen Eheleute vernommen werden. —
Der Name Wagner hat die Ocficntlichkeir ,a feit Dezennien, und besonders stark in den lctzlcn Jahren beschäftigt. Aber der Zwist, wie er jetzt im .Hause Wadniried entfacht ist, nimmt doch seinen Ausgangspunkt nicht so sehr von solchen, ideellen, sondern mehr von materiellen üliomemcn und von Familrendsfte- renzen, die man an des Genius ge.ve-ihter Stätte nimmer für nuiglich gehalten hatte. Gerade der Freund „Wahnjiieös" wird das innig bedauern, weil so die Familie Wagner abermals öffentlichen Erörterungen und Anglisten auSgesetzt ist. Wem aber die Geschichte dieses doch Ipirklick nickt zwingend notwendigen Prozeßes verfolgt hat, der muß klar erkennen, daß eS sich hier nichl bloß um einen Kamps um den Namen, sondern um einen weit wesentlicheren ftir künftige Erbrechte handelt.
Wie ist nun die Rechtslage? Das Bürgerliche Gesetzbuch folgt dem römischen Recht, indem cs die Rechtsvermutung ausstellt, daß ein Kind. daS »ach Erngehung der Ehe geboren wird, ehelich ist, wobei es unerheblich ist, ob es vor der Ehe erzeugt ist. Ein Kind ist aber nicht ehelich, wenn es den Umständen nach osscnbar unmöglich ist, daß die Frau das Kino von dem Manne empfangen hat ffi 15, 91 BGB.ß Dieser Einwand ist das Fundament der Beidlerschen Klage, denn cs ist ja unstreitig, daß Frau Beidler zur Welt kam, als die Ehe zwischen ihrer Mutter und HanS von Bülow, dem einstigen Führer der Berliner Philharmoniker, noch bestand. Das Gericht hat beschlossen, über die verschiedenen Vater schastSmöglichkeilcn an Isolde Beidler Beweis zu erheben. Ein
ebenso schwieriges wie peinliches Unternehmen. Aber man hont i» der ehemalig«, Wirtschaftsdamc des Hauses Bülow eine Zeugin gesunden zu haben, die nun über gewisse Vorgänge aus dem Jahre - 1864 I! auSsagen soll Schließlich verhehlen wir uns aber nicht, daß, selbst wenn der Klage stattgegeben werden sollte, Isolde Beidler doch den Namen der Mutter, die ja damals von Bülow hieß, nlhren müßte, da eine „Legitimation" bei der Eheschließung zwischen Richard und Cosima Wagner bisher- nicht behauptet worden ist. Aber vielleicht kann die ehrwürdige Matrone, die jetzt zur Zeugenschait geruicil ist, vrrsöhnend nrirken: Denn mehr und mehr drängt alle» Wggnerireunden die Frage sich aui: ist denn niemand da. der die Streitenden zusammeniühtt? In wenigen Wochen beginnen wieder die F e st s v > e l e droben aus dem Hügel Bayreuths Wieder wird der Name Wagner trotz der Freigabe seiner Werke und zumal des „Parsiial" seine Anziehungskraft üben. Soll dann Wahnsried in Fehde liegen?
Frankfurt e>. M , 8. Mai. Gelegentlich des Abdniiks eines Romans- halte ein Frankfurter Blatt em Preisausschreiben vcr- anstalttt, wobei es den, Leser einen Preis zusichette, der aus den Romangestalten die svmpatbischstr Person nenne» würde. In dem Ausschreiben erblickte das Gericht eine Lotterie und erhob gegen den verantwortlichen Rcdakleur Anklage wegen Lottcrievergchens. Während das Schössengericht und die Straskammer den flngcklagten sreisprack>en, verurteilte das Obertandesgcricht ihn auf die Berufung der Siaatsanwaltschait zu drei Mark Strafe.
W. Leivzig, 8. Mai. In dem Svionageprozeß gegen den srühercn Bolksschuliehrcr Stroh wurde heute vormittag das Urteil gefällt. Der Angrklagte wird wegen Verbrechens gegen § 3 des Skionagegesetzes zu » ü u f Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung ,,»tcr Polizeiaussicht verurteilt. Aus der BeweiSerbeounq ging hervor, daß der Ange- klagte mit Agenten eines fremden Tpionagebüros in Gens in Verbindung gestanden hat und von diesem Geldbeträge enipsange» hat. Zwei 15- »nd 17jährige Burschen, die der Angeklagte zu verleiten versuchte, ihm gebeiinzuhaltende Nachrichten zu ül>cr- mitteln, veranlasften seine Verhaftung. Btt der Haussuchung in der Wohnung des Ängeklagleit wurde eine Katte von Straßburg beschlagnahmt, in welche einige neue, geheimzuhaltendc Fe- stungswerke cingezeichnct waren. Wie sich hcrauSstclltc, wollte Stroh die Katte »rcmden Nachrichtcilbürcaus übermitteln.
Unrvcrntäts-riact, richten«
— Ter Chemiker, UniversitätSprofessor Tr. Friedrich Rose in Straßburg i. Elf. vollendet am 13. Mai das 75. Lebensjahr. Er stammt aus Lippstadt in Westfalen.
— In Stuttgart ist der einer ordentliche Professor für Baugcschichtc an der dortigen Technischen Hochschule, Baudirecktor Robert v o u R c i n h a r d t, im Alter von 71 Jahren g e st o r b e n.
In Tübingen starb anr 5. d. Mts. der emettt. ord. Professor der Dogma,ik und steutttlamemlichen Exegese in der dortigen evan- gelisch-theolog>sel>en Fakultät vr. iheol. et pbil. Paul Bon Buder im 79. Lebensjahre.
vermochte».
Erdbeben auf Sizilien.
Catania, 8. Mai. Ein Erdbeben von sechs Sekunden Dauer hat unter der Bevöllcnrng eine Panik verursacht, jedoch keinerlei Schaden -anqerichtct. Das Erdbeben soll in der Umgegend von Mangano stärker gewesen sein und dort auch Schaden angcrichtet haben.
Catania, 9. Aiai. Gestern abend hat ein Erdstoß säst alle Häuser in Cerbati und Premiso sowie Teile der Gemeinde Azircale unbewohnbar gemacht. Die Behörden haben sich an Ort und Stelle begeben Man wird die obdachlosen Familien in Armeezelten unterbringen.
* D i e Besudelung des Kaiser-Friedrich- Denkmals. Aus Berlin, 8. Mai, wird gemeldtt: Die Be- mühungen der Charlottenburger Kriminalpolizei, der Täter babhast zu werden, die in der Nacht vom 10. zu.M >1. Mälrz das Kaiser- Friedrich-Denkmal mit Anilinsarbc besndelttte >md mit der Auf- jchrist „Rote Woche" versahen, waren erfolgreich. Der Tat dringend verdächtig wurden fünf Personen verhaftet, darunter ein Schankwirt, in dessen Lokal der Plan ausgeklügelt worden lvar. Die Besudelungen l>«t angeblich ciu Schlosser namens Lina begangen, die drei mit ihm Verhafteten halsen ihm und paßten aus. Tic Verhafteten legten aus der Polizei ein Geständnis ab, woraus sie dem Untersuchungsrichter vorgcsührt wurden. Aus die Ergreifung war seinerzeit eine Belohnung von 1090 Mark aus- gesetzt worden.
* Zum Fall Iastrow. In der bandklshochschulange- legenheit scheint nach her „Boss. Zlg." Aussicht aut eine baldige Verständigung vorhanden zu sein. Es sollen unter der Hand gegenseitige Zugeständnisse gemacht worden sein, die eS den Dozenten ermöglichen, die Vorlesungen wieder auszunchmen. Inzwischen verstärkten sich die Bemühungen, die daraus gerichtet sind, Prosessor Jastrow der Handelshochschule zu erhalten.
* Opfer der^Dummbeit. Aus Brandenburg wird gemeldet: In das Städtische Krankenhaus wurde gestern die siebzehnjährige Arbeiterin Kelz eingeliesert, die in selbstmörderischer Absicht Salmiak getrunken hatte. Kurz vor der Tat erzählte sic einer Freundin, daß sie sich vor der Ankündigung einer Wahrsagerin sülchte, die ihr prophezeit habe, daß, sie innerhalb acht Tagen sterben müsse. Es besteht wenig Hoffnung, das Mädchen am Leben zu erhalten. Tic Persönlichkeit der gewissenlosen Kartenlegerin ist noch nicht sestgcstellt.
* Einfältiger Schwindel. Der Kaufmann Aböls Er aus aus Berlin und der Architekt Grunert aus Hrmburg bestellten als angeblich Beauftragte der Hamburg -'Amcrika-Liuic bei einer Düsseldorfer Weinsirm» für 50 000 Mark Weine Vor iRrhlung der geforderten Provision von 2099 Mark t c l e p h o - n i c r t c die Woinftruia selbstverständlich an ine .Hamburg-Amcrika- Littic, wobei sich die Bestellung als ein Schwindel herausstciltc. Beide Leute wurden verhaft«.
* Welcher Mann mochten Sie sein? „Wenn Sie kttne Frau wirren, welckwr Mann möchten Sic am liebsten sein?" Diese bedcutlermc Prttssrage wir leben ja im Zeitalter der Umfragen -- hat. entern langgehegten Bedürfnis entsprechend, die Zeitschrift „Femina" ilsren freundlichen Leserinnen vorgelegt. Tas Ergebnis der cingelaufenen Antworten niacht d:ni Ehrgttz der hübschen F-ranzösimittt alle Ehre. Weitaus die meisten Damen möchicm Napoleon s«n. Der große Korse erhielt eine übcrtvälttgende Masorilär. Aach ihm entschieden sich die Danien, nach Stimm» zahlen geordn«, für folgende Männer: die Leserin von „F-emina" möchten sein Pasteur, Victor Hugo. Edison, Poincarö, Rostand. Blöriot, Wagner, Be«hv»en im» Alfred de Müsset. Nun >oird es Zeit, daß eine Herrenzeitschrist unter Männern die ttefsinnige Umiragc veranstalt«: „Wenn Sie eine F, m wären, welche Frau möchten Sic seni?"
Kleine Tagerchronik.
Das Deutsche Zentral-Komitee zur Bekamp- f u n g der Tuberkulose hält am 5. Juni, vormittags 10 Uhr, im Sitzungssaal des Reichstag-Kruses zu Berlin seine Hauptversammlung ab. Ten inler.siiccte > Kr > cn suchen in der Ge-


