Nr. 102
viertes Blak
M. Jahrgang
Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „«iehener Zamilittzblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da? „Xieiiblolt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit-
tragen" erscheinen monatlich zwcinial.
Gietzener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Oderhejjen
Samstag, 2. Mai 19U
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Sreindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: ^W51. Redaktion:^^112. Tcl.-Adr.:AnzergerGieven.
M Jahre germanistischer Vorlesungen in Gießen.
100 Jahre germanistischer Vorlesungen in Gießen? — Nun wohl, das bedeutet ja die Zeit der Germanistik überhaupt Denn erst, als durch die großen geschichtiichm Ereignisse am Anfang des 19. Jahrhunderts das Deutschtum gcstärtt wurde, als die Romantik ihre in ruhmvoller Vergangenheit verträumten und in glänzender Zukunft begeistert verankerten Lieder lang, als die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm mit ihrem Kreise die deutsche Sprache erforschten und aus ihren Ergebnissen Ältertumsgeschichtc und Kulturcntwickclung dev gcrmaninben Lpeachstämme heraus- desiilliertcn, cntnnckclte sich eine deutsche linguistische und literarhistorische Wissenschaft, haben wir^dic Germanistik, Gleichzeitig mit ihr aber baute sich auch das Studium der anderen ,.neuen" Sprachen erst zur shstcmolischen Wissenschaft aus.
Vorher? — Kannte man nur das wissenschastlichc Studium der klassischen Sprachen, die zeitweise, wie in den Tagen des Hu- Manismus, geradezu den einzigen Quell.jür die Goisteswiften- schasten insgesamt bildeten, erachtete man lange einzig und allein das Lateinische sür die Umgangssprache der Gelehrten und das Idiom, durch das sich die Universitäten mündlich und schriftlich äußerten, gab es für einen oft kindlichen und zweifelhaften Unterricht im Französischen, Englischen und Italienischen nur Sprachlehrer, deren Kenntnisse nicht selten jeder aniprechcndcn Vorbildung entbehrten oder in einer unglaublichen Ignoranz wurzelten. So war es an fast allen Universitäten, die sa meist aus Lateinschulen hervorgcgangen waren, so auch an der hessischen Ludoviciana in Gießen, Im 7, Jahrzehiit ihres Bestehens. 1879, wurde das Studium der Antike erweitert, eine Professur sür orientalische Sprachen gegründet. Aber mit den anderen fremdsprachlichen Fachern sah cs im 18, Jahrhundert noch bös aus. Man hielt von der „Wissenschaft" der Sprachmeister mit Recht nicht viel und strengte sich auch für deren niateeielle Versorgung kaum sonderlich an: sic erhielten eine „Verehrung", die erst 1720 in ein Fixum Umqewandelt wurde, (»gl. Regesten der Uni». Festschrift', Ein richtiges ncusprachliches Kolleg liest im S, - S, 1735 Professor König über französische und englische Autoren, so über Fänelons Telömague, Rainsan, Addison und Svectator, vbcr^nE darf man sich davon keine hohen Borstellitiigen mache». Von 1772 an gibt der Proseisor sür orientalische Sprache», Schulz, Anwcnung im Englischen, doch erst im beginnenden 19. Jahrhundert weht cs freier durch den akademischen Körper, der frische Energien zu sammeln sä eint und erste hoffnungsvolle Ansähe zu einer neuen Zeit hervorbringt. Darauf weist auch die 1809 beginnende deutsche Absassung der Vorlesungsverzeichnisse hin.
Jetzt tauchen die ersten Kollegs aus, die sich mit der deutschen 'Sprache und ihrer Geschichte beschäftigen, Ihre Spur stießt trst spärlich, verschwindet zulvcllcn »on der Oberfläche, tritt dann wieder auf, um, sich verbreiternd, einen sicheren Enttvick- limg-swcg zu der reich verästelten, germanistischen Wissenschaft unserer Tage zu nchnicn, 1813 kündigt Tr. Klein sür den Sommer deutsche oratorischc Uebungen an und im Jahre darauf, wo unter den freiwilligen Jägern 130 Studenten, an ihrer Spitze der erste deutsche „Archäologe", der Gicßencr Proscssor F, G, Welcher, zum Kriegsschauplatz nbgelien, liest Pädagoglehrcr Tr, Zimmcrmann „Erklärung des Nibelungenlieds" und eröff- net damit wohl die Reihe germanistischer Vorlesungen überhaupt, (1815 promoviert die erste Frau, Regina Joscpha van Siebold. als Tr, artis obstetriciae —, auch ein Zeichen der neuen Zeitläufte!1 Tas so einmal betretene Gebiet dnrchpflügt er nun in den folgenden Jahren, indem er die Geschichte der germanischen Stämme behandelt und mit den Nibelungen eine Darstellung der „altdeutschen und ständischen" .Heldensagen gibt. Mit dem W,-S, 1816/17 lesen wir nichts mehr im Vorlesungsverzeichnis van Zimmermann und dcmgcmäst versiegt auch der kauvi erschilosstnc Born germanistischer Vorlesungen, Tas dauert bis 1831 au. Während dieser 15 Jahre werden wohl Privatissima in deutschen „Stil-- und Redeübungen" abgchalicn, Tacilus .^Germania" mit „Berücksichtigung der Angaben anderer Schriftsteller über den ältesten Zustand der deutschen Ration" und, „in .Hinsicht au» deutsche Alterthümer" behandelt, gleichwie Pacdagogiarch und Pros, Dr, Hülcbrand der Ordinarius sür Philosophie, ein Kolleg über Acsthctik mit einer „Würdigung der schönen Literatur Deutschlands" verbindet und der Neuphilologe Adrian vorübergehend einmal die Geschichte der deutschen Raiionalliteratur „mit steter Berücksichtigung der Literaturgeschichte der übrigen europäischen Länder" liest, aber cs fehlen auch scmester- und jahrelang Vorlesungen über die deutsche Sprache und Literatur gänzlich Erwähnt sei in diesem Zusammenhang nur, daß 1825 Hoskammcrrat und Pros, Tr, Blnmhos sich zum Unterricht in Kt schwedischen und dänischen Sprache erbietet. Erst 1831 blicht der verschwundene germanistische Quell, wenn auch nur ganz Vrs, wieder einmal an die Obcrilichc durch: das Nibclungcn- ied erklärt auis neue in „literarhistorischer und linguistischer" Hinsicht ein Tr, Lange, Eginlxird de vita ei gestis Caroli niagni Nedizinalrat Pros, Tr, Nebel, Dillebrands und Adrians Vorlesungen über deutsche und neuere Liieraiiirgeschichle wiederholen sich in kürzeren und längeren Zwischenräumen — 1839/40 liest der erstgenannte über Tanre, Shakespeare, Calderon und Goethe, „nebst einer einleitenden philvsovhisch-cthnogravhischcn Charakteristik der schönen Literatur und Kunst überhaupt", Tr. Zimmer- mann über das deutsche Trama — aber erst int Vorlesungsverzeichnis von 1840/41 wird zum ersten Male neben den drei bis» Istrigen Unierabieilungcn der Philologie (altklassische, orientalische, neueres die beutfdic als selbständige 4. genannt!, Prost Schmitlbenner gibt eine Einleitung in die deutsche Sprache und Altertumswissenschaft, Bon 1841 an gewinnt die Germanistik Boden: Schmiiihenner liest zuerst über angelsächsische Sprachdenkmäler, zwei Jahre später lstilt Carrierc ein Publikum über Gvelhe, dessen 100, Geburtstag man 1849 in der Aula feierlich begeht, m Verbindung mit einer Erklärung des Faust und später über Schiller, Man doziert sogar über die jüngste, zeitgenössische Literatur, so Tr, Crönlein über die deutsche Rationalliieraiur seit Deine und Börne (44/451, Auf diese Art hatte sich die Germanistik, soweit man von einer solchen überhaupt sprechen konnte, dis 1849 ziemlich mühsam durchgcrungen, doch nun sollte es anders werden.
Mit 1849 50 kommt Karl Ludwig W c i g a n d an die Gietzener Universität — der erste Germanist, Ein Lesse, geboren am 18 Noo, 1804, gestorben am 30, Juni 1878 zu Gießen, Seine Tätigkeit an der Ludoviciana als Dozent begann der datnalige Neallehrer, der sich aus einfachen Verhältnissen über Lauslehrer- stellen zur Univcrsitätslaiisbahn durchringcn mußte, mit den „Liedern von den Nibelungen" und mit der „Geschichte der deutschen epischen Poesie im Mittelalter". In ben nächsten Semestern folgen dann seine Vorleiungcn „Evangelium des heiligen Matthäus"', aus der ahd, „Ucbersetzung der Tatianischcn Evangclien- Darmonie", „Grammatik der gothischen Sprache und Erklärung aus Ulfilas Bibelübersetzung", „Ausgew, Abschnitte aus der altsächsischen Evangelien-Darmonic, dem Deliand", „Geschichte der deutschen Sprachforschung und des deutschen Sprachunterrichts", sowie literarhistorische Würdigungen bestimmter Zeitabschnitte, In Anerkennung seiner (fselehrieniorschnng wird 1852 eine Proseffur für Germanistik errichtet, deren Extraordinariat man ihm überträgt, In der Folgezeit bieten die Lehrfächer der deutschen Philologie große Abwechslung und vielseitige Anregungen: gus Wei- gairds Vorlesungen seien hcrausgegriften: aus den entwicttungs-
geschichilichen die über altnordische, angelsächsische und mhd. Sioise. Ulrich Bauers Fabeln, Reinecke Dos, aus den grammatikalischen „Tie Geschichte der deutschen Sprache nebst den Griindzügcn der deutschen Grammaw", „Tie Wortbitdung im Deutschen, insbc sondere die Wurzeln, die Ableitung und die Ziisammsnfbtznna, Sun- >ar der deutschen Sprache", sowie aus den literarhistorischen die „lieber die Zeit Karls des Großen, über die Völkerwanderung und die aus dieser hervorgegangcncn Reiche, mit Bezug aus die dcuische Tage itnd Literatur, sowie aus die Gesetzsammlungen der deutschen Völker", „lieber den 30jährigen Krieg mit Beziehung auf die deutsche Literatur und die deutsche Sitte", „lieber Gottiried Auaust Bürgers bedeutendste Gedichte". endlich 187.» 76 die Ein iübrung der ersten aermaniüiichen Uebungen. Taneben wickelt von 1861 bis 1878 Prof, Tr. Zimmermann ein reiches Repertoire literar-bistorischcr Vorlesungen ab. Als Direktor der Gießener Realschule erhält Weiaand 1867 nun endlich auch die ordenil. Pro- seffur sür Germanistik an der Universität. Seine Bedeutung als Gelebrter bestimmt vor allen Tinaen hie Mitarbeiterschaft an dem Monnmcnialwcik der Brüder Grimm, denen er in innigster Freundschaft verbunden war. dem „Deutschen Wörterbuch", Gerade er bat neben dem Sachsen Hildebrand (1824—92) nach dem Tode der Grimm das hochbedeutende Werk weiter fortgesetzt (B»cb- stabe Fl und auch neue geeignete Mitarbeiter gewonnen 1856 bis 68 arbeitet Weigand außerdem an seinem „Tenischen Wörter- blich", das aus seines Lehrers Schmiitbenncrs „Kurzem deutschen Wörterbuch" entstanden, jedoch bedeniend darüber biiianSgewnchscn ist. (Sein von der Universität angckanster handschriftlicher Nachlaß und Briefwechsel wurde 1901 der Bibliothek einvcrleibi
Ter zweite bedeutende Germanist der Universität war Wilhelm Braune, der Verfasser der gotischen und der ahd. Grammatik, der Herausgeber des ahd. Lesebuches (1881—881, her im großen und ganzen die von Weigand gehaltenen Kollegs in seinen Lebrvlan auftiimmt Neu hinzu kommt dann vor allem seine „Distorisibe Grgmmaiik der bvchdeiiischen Spruche, mit besonderer Berücksichtigung der neiibochdentschen Schriftsprache", sowie seine liierar historische Einleitung in das „StudiiiM der deutschen Klassiker Lesling, Goethe, Schiffer)", Im W -T. 1881 bis 82 gründet er die altdeutsche Gesellschaft, die 1884 85 in zwei Abteilungen für Anfänger und Vorgerücktere gesondert wird, und 1886 das detitsche Seminar.
Jbm solot 1888 tirt Ordinariat Otto Bebau Hel. dessen reiche Perinnlichffit seitdem der germanistischen Diffenschaft an der Gicßcner Universität ihren Stempel aukdrnckt und besondere Bedeutung verleibt Gleich im W-S. 188889 liest er als erster hier „Deutsche Metrik", wird auch das german.-romati-Seminar gegründet, in dessen denischc Abteilung damals iertkrius.be Ucbun- gen c-bgehalien und Dcbcl? alemannische Gedichte gelesen werden In den nächsten Semestern fallen unter den germanistischen Kollegs als neu aus: „Deutsche Syntax", „Snstcm und Meibodc der deutschen Philologie", „Svracl gebrauch und Sprachrichtigkeit im Deutschen", „Trlbäriing hessischer Dialekidichiungen" und „Er- Närung niederdcnischer Texte -Reinkc des Vos, Fritz Rcnierl", die mit Behagels ausgedehnte Mundartenforichunq Hinweisen, „Tic Wortbildung des Tenischen" und „Poetik". Daneben träai Behaghel auch umfassende literar-historische Stoffe vor, so „Geschichte der deutschen Liieratnr von ihren Anfängen bis aus Luther", ferner Erklärungen von Lessrngs Hamburg, Tramattirgie, ausgewählter Fastnachtsspiele von Dans Sachs und Schillerscher Dichtnnaen und hält 1910 11 zum ersten Male „Hebungen über den schriftlichen Olebrauch der deutschen Sprache und Variragsübungen sür Studierende aller Fakultäten" ab. Und neben dem Ordinarius behandeln in tresslicher Auswahl die Dozenten Eollin, Strack und Helm liierar-historische und liierar-philosavhische, bis aus die Moderne (Drama. Romani sich erstreckende, volkskundliche und mnibalogische Themata, So fließt die Germanistik jetzt in ma- jestäiischcr Breite dabin und es gibt Semester, wie Sommer 1905, wo die germanistischen Borleiunacn die Zahl 12 erreichen.
Ein gewaltiges Wegstück ist in verhältnismäßig kurzer Zeit zurückgelkgt worden! Dazu Bchaghels liiniaffende eigene Forschungen! Neben ihnen bilden die im Seminar, also schließlich durch Dissertation geleisteten Arbeiten seiner Schüler, deren spätere Tätigkeit und Veröifcntlichungcn einen reichen Blütenkranz wiiscnschasilichcn Schaffens, Aus ihm bcraiis seien zur Veranschaulichung die liicrar-historischen Dissertationen von 1892 bis 1912 gcvslücki: „Unteriuchnngen über Goethes Faust in seiner ältesten Gestalt", „Goethes Leipziger Liederbuch", „Germanische Werbungssagcn", „Tie Quellen der Beisoiclc Bauers", „Tie dichterische Persönlichkeit Derbarts von Fritzlar", „Beiträge zur Kenntnis des Tenerdank", „Heinrich Stejnhöwels Verdeulschnng der Listoria Hicrosoltzmilana des Robertus Monachus", „Heinrich Laube als Dramatiker", „Schillers Arbeitsweise auf Grund eigener Aenßeruixgen", „Tic Quellen zu Hauffs „Jud Süß"", „Matthäus Hosssteitcr, sein Leben und seine Werke", „Aelierc deutsche Rcisebcschreibungen", „Studien zu den Franffurtcr Gelehrte» Anzeiaen vom Jahre 1772", „Zu Ludwig Anzengrubers Tramentechnik", „Mienenspiel und Gebärdensprache in Conrad Ferdinand Meners Novellen", „Tie Ausdrucksbewegungen mit besonderer Berücksichtigung des Auges", „Neuere Tristandichiungen „Taulris der Narr"", „Goethes Arbeitsweise" und „Uebcr die Quellen der Apokalypse Heinrichs von Hesler",
Ten glänzenden Ausstieg der deutschen Sprachwissenschaft haben das Französische und Englische begleitet. In den ersten Jahrzehnten des 19, Jahrhunderts hat ein Dozent (Pros, Adrianl in unerbittlichem cinsörmigen Turnus über Corneille (Gib), Malis, re (Avarel, Racine (Phödrel, Boilean t„Satyren">, über Gold- smilhs „Vicar os Wakefield" und Shakespeare, über Tante (Divina Commediai und Tasso (Gcrusalcmme liberata), sowie über Calderon (La Tevocion de la Cruzi gelesen. Als "Adrian 1864 starb, sarderien die Giestener Prosessarcn Lange und Dillmann eine Neubeietzung der Professur, Behrens sagt in seinem „Beitrag zur Geschichte des neusprachlichrn Unterrichts an der Universität Gießen" in der Universitäts-Festschrift: „Aus ihren Berichten ersehen wir am zuverlässigsten, welche Wertung die von Dich (dem in Gießen geborenen Romanisten! begründete romanische Philo» logie als Lehrfach der Univcr.ität zu Beginn der sechziger Jahre des vcriloffcnen Jahrhunderts in urteilssähigen Gelehrtcnkreisen allgemein gesunden hatte," Was Tillmann damals aussührte, ist heute von der Universität erreicht: Die Universitas literarum umiaßt den ganzen Kreis der Wissenschaslen, In diesen sind romanische und englische Philologie als ausaebautc Disziplinen cin- getreten, gerade so wie die deutsch-nordiichc oder germanische. Mit der klaffiichcn und orientalischen Philologie bilden sie alle das große Gebiet der Gesamiphilologie, deren innere Beziehungen mit geistigem Band die vergleicktzmde Sprachwissenschaft knüpft. All diese Fortschritte aber verdanken die vhilologischen Disziplinen der Erkenntnis des Wesens und der Entwicklungsgeschichte der Sprache,
_ Georg Marguth,
Börsen-Wochenbericht.
— Frankfurt a, M,, 1, Mai. Ten derouteariigen Rückgängen gegen Schluß der Vorwoche ist in den letzten acht Tagen wieder eine Befestigung de r Kurse gefolgt, indessen kann auch heute von einer durchgreifenden Besserung der Börsentendenz noch nicht gesprochen werden, Daß die Landung der Amerikaner in Mexiko die Börse so tief erschüttttte, war keineswegs darauf zurückzuführen, daß etwa die Bezugsoerpflichtungen wieder größeren Umsang angenommen
i'ötten. Im Gegenteil, sic hatlcn sogar eine weitere Verminderung erfahren, wenigstens soweit die beruismätzige Spekulation dabei in Beirach! kommt, die noch auf der anderen Sc/.te eher nach untcri oorgcgangen war, während das Privatpublikum sich bis in die letzten Tage unentwegt vom Markt serngchalien Hatto. Im wesentlichen ist die Ultimoreg ii lierung, in die mitten bincin die alarmierenden mexikanischen Nachrichten fielen, dafür verantwortlich zu machen, daß diese eine so scharfe Verstauung herbcisührten. Durch die lange Ilniäiigkeii geschwächt, ivandien , sich namentlich die schwächeren Elemente Hals über Koos zur Flucht aus ihren Vervilichtungen, zumal auch mancher für sich Schwierigkeiten bei der Sckiiebnng besürchtei haben mockitc. Es war aber bald zu übersehen, datz die panikariigc Flucht aus gewisse Kreise beschränkt blieb und keineswegs ansteckend auf oic außen- stehende Gesolgschast der Börse wirkte, und lstcrin konnte erneut ein Beweis dasür erblickt werden, das; die innercu Verhällniift der Börse als gesund belrachlc! werden können. Es war gewiß unausbleiblich, daß durch die Lbertaschenden starken Kursverluste doch Trier und da eine Beunruhigung geweckt wurde und >" manche Cssektenbesitzer ängstlich Abgaben vornalMcn, ?lber es bi bete eine angenehme Ucberraschliiig, namentlich auch für die Großbanken, die sich schon aus Iim augrciche Stützuugsiuastnahmrii gefaßt gemacht hatten, daß von einem drängenden Angebot, wie cs be, früheren kritischen Anlässen austrat, nichts zu bemerken war, ja, daß der gesniikenc Preisstand vereinzelt soaar zu neuen Käufen anrcgtc Die Stinimung wurv. entschieden »reundlickter, nachdem die ungünstigen poluiichen Einsliiffe sicki mehr oerilüchiiai haben und auch die A u s l a n d s b ö r i e ii auf bessere Nachrichicn aus Mexiko in festerer Haltung verkehrten, ES gilt dies auch sür New Bork, wo man »ich besonders noch an die Hoffnung klammert, daß die so lange andauernde bcunrnhigendc Uiigcjvitzlxft über die Frage der Tariserhöhuugcn der Eisenbahnen^ doch in kürzester Zeit durch eine Enischeidung der zwijck>ensiaa!lichcn Kommission bcseiiigt werden dürste. An den deutschen Börsen »virkie außerdem die große B a n k e n»ii s i o » befestigend. Ter Eindruck, den der beabsichtigte Zusammenschluß der Diskonto (Kesellschait mit dem Schaafthausensche» Bankverein machte, war ein sehr günstiger, da man von demselben einen erivrießlickien Erfolg für beide Kontrahenten enoarieie. Demgemäß cnttvickelte sich in den Aktien beider Banken auch chn lebhaftes Oicschäft, wobei Schaalibausen 5 Prozent. Diskonto Commandiianteile vier Prozent anziehen konnten. Andere Banken lagen ebcnsalls zum Teil etwas iestcr. Schwächer lagen dagegen Montanpa» viere auf niedrigeren Dividendenerwartiingen und die ungünstigeren Quarialsausweise. Znm Teil waren die Rückgänge auch aus Exekutionen für die insolvente Psarzheimcr Danksirma Greb u. Frühaiii zurückznsühren. Größeres Interesse bei stark anziehendem Preise zeigte sich sür Concordia-Bergbau-Aklien. Andere Jndustriepapicrc konnten sich von ihren jüngsten Rückgängen meist wieder erholen. Wessels Schuhsabriken und Naphtc stiegen 7 Prozent, Mocnus 8 Prozent, Badisckic Anilin 10 Proz. und Daimler sogar 15 Prozent, Von Bahnen lagen österreichische Werte und Schaninng »estcr. Auch Schissahrts- werte haben ihren vorwöchentlichen Verlust wieder cingeholt. Heimische Fonds stellten sich Bruchteile höher, von ircmdcn Renten konnten sich Mexikaner erholen, Priv.-Tisk, 2 : / lc Proz,
kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag, de» v, Alat, Jubilate: Eotterdieiist.
In dee Stadlkirche.
n»ormittagS 6 Ubr: Plärrer S cki w a b e.
Zugleich Christenlehre für dleßteukanfirmierlen au? derMarkn»- gemeinde.
Bormittags 9'/, Uhr: Psgiiasststeiit Hots m a n II.
BormitlagL II Uhr: Btilitärgottesdienst.
Plärrer S ch >v a b e, Nachmittags LV, Uhr: Kinderkirche kür di^Mntthä»sg«mei»d«.
Piarrassistent H o s I m a n ».
3n der Zahannerkirche.
Vormittags 8 Uhr: Plärrer Aus leid.
Zugleich Chr> ienlehrc iör die Nculonstrmieilcn auS der JohanneSgemeinde.
Vormittags 9", llhr: Plgrrer B o ch t o l s b e i iii e r, VoiwittagS 1l Uhr: Kinderkirche für die LiikaSgeineinde.
Piarrer B e ch i o l s h e i in e r. Abends 8 Uhr: Versanimlung und Bibelbesprechnng im Johannessaal.
„Wartburg", eoangelilcher Zünglinir! und Männer-verel >.
tDiezstratze lö, Kirchftraöe 9.)
TienSlag, abends 80, Uhr, Bibslstunde,
Mittwoch, abends 8 llhr, Turnstunde,
Donnerstag, abends 80, Uhr, Lele- tinb Svielabeud,
Samstag, abends80, Uhr: Verlammluiig der ältere» Abteilung Sonntag, abends 8 Uhr: Vortragsabend, Kirchslraste 9 Gäste stets willkommeu.
Sibetkränlchen für 5chülee höherer leheanstalten.
Jüngere tlbieiluiiq jeden Ailttiooch von 6—7 ithr. Aeltere Abteilung sedeu SamSiag vo» 6—7 llhr im JohnuueSsaal, Slbellränzchen für Mädchen ans der Zohannesgemeinde.
Jede» Dienstag von 6-7 Uhr im Johannessaal.
Evangelischer Gottesdienst.
Mainzlar: Sonntag, den 3. Mai, nachtnittagS.
katholische Gemeinde.
Gottesdienst.
Samstag, ben 2. Mai:
RaclwnttagS »nn 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenieik
zur bcil. '^eichte.
Sonntag, den 3. M a i, 3. Sonntag nach Ostern: Vormittags von 6 1 /. Uhr an: Gelegenheit z»>r hl. Beichte. r um 7 Uhr: Tie erste hl. Messe.
„ um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.
„ um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
„ um 11 Uhr. Öl. Dieste mit Predigt.
Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; daraus Andacht mir Segen.
Nachmittags um Ubr: Jungfrauen-Konqregation.
Abends um 8'/? Uhr: Versammlung der Gemeinde im Ver einshause.
Tienstag und Freitag abeild um 6', Uhr ist Maiandacht.
viaspora-Gotterdienst.
In Laubach um 10 Uhr. In Lich um 9'/, Uhr.


