Nr. yr
Der Siestener Anzeiger
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»wcnnal N'öchcnll.tlrelr- btz>» sürden Üreis Siehen (Tienstag und Freiings; zweiival monatl. rand- wirtschaftliche Seitsragen Ferusprech - Anschlüffe: kür die Redaktion IIS. Verlag ». Expedition öl Adresse kür Tevelchen: Anzeiger Gießen. Annahme oan Anzeigen iür tue Tagesnnnnner bis vorniittags S Uhr.
Erster Via»
164- Jahrgang
rAinei
Montag. 27. April
General-Anzeiger für Obertzeffen
NetationsLruck und Verlag der Srühl'schen llniv.-Vuch- und Steindruckerei li. Lange.
Ve;ngsvretS:
mc>nntlich7»Ps.,vieriel- jährlich m. 2.20; durch Abhole- it. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. anöjchl. Benellq. Zeileupreis: lokal auSlvärts 20 Psenniq. Chefredakteur: A. 6>oetz. Verantwortlich für deu polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", ,Ver- unschles" llud«(>;erlchls- faal": Karl iHcurntf); für ^Stadl und Land":
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Redaltron. Erpedttwn und Druckerei: Zchulftrahe 7. Anzeigemell: ö. Beck
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Tageskalendcr aus vcm Jahre 1814.
-7. April: Napoleon schifft sich zu Fisjus nach Aba cin.
wie wird'z im Reichstag?
Am Tienstag nimmt der Reichstag nach den aus- ftedehnten Osterferien seine Arbeit wieder auf »nd es soll alsbald eine Verständigung mit der Regierung darüber herbeigeführt werden, wie der weitere Verlaus der Reichstagsverhandlungen zu gestalten ist, was von dein ungeheuren Arbcitsmaterial noch aufgearbeitet ivcrdeu tann, und ob die Session aus dem Wege des Schlusses oder der Vertagung ihr Ende finden soll. Von den ctiva vier Wochen, die dem Reichstag bis Pfingsten noch bleiben, wird allein die Erledigung des Voranschlags so ziemlich die Hälfte in Anspruch nehmen. Am l. April lstitte er vorschristsmäßigerweise sertiggestellt werden sollen, iväh- rend bisher nur Reichsjustizamt, Reichseisenbahnaint, Rcichseiscubahnc», Rcichsschatzamt, Kolonien, Marine und Post in zweiter Lesung erledigt worden sind, so daß also der Militäretai und der Voranschlag des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amtes noch ausstehen, die, vor allem auch mit Rücksicht aus die manchtwlci weltpolitischen Jeit- und Streitfragen (Mexiko, Albanien), zu eingehenden Erörterungen Anlast bieten werden.
Auster dem Voranschlag steckt noch eine ganze Reihe weiterer wichtiger Gesetze in den Ausschüssen, nämlich die Vorlagen über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, über die Koiikurreuzklousel, über das Petrolcummonovol, über den Luftverkehr, über die Wiederaufnahme des Disziplinarverfahrens, das tzpionagegesctz, die Novelle zur (iie- iverbeordnung, die Besoldungsvorlagc, die Novelle znm Militärstrasgesetz und der Gesetzentwurf über die Errichtung eines Kolonialgerichtshofes. Tic Lage ist dadurch außerordentlich schtvicrig und heikel geworden, dast die Regierung nicht weniger als vier Vorlagen in der Fassung, die sie im Ausschust erhallen haben, für nn a n ne hm b a r erklärt, und zwar sind dies die Abänderung der Konknr-- renzklausel, die Wiederaufnahme im Disziplinarverfahren, die Novelle zum Militürstrafgcsetzbuch und die Bcsoldungs- novelle. Was die drei ersten betrifft, so rechnet inan daraus, dast sich zum Schluß doch noch die Grundlage zu einem Kompromiß finden wird, während eine solckie in Bezug aus die Bcsoldungsnovelle in keiner Weise in Aussicht steht. Sämtlickze Parteien des Reichstags haben ihren entschiedenen Willen bekundet, bei dieser Gelegenheit zugleich die schlimmsten Härten und Ungleichheiten in der Besoldung einiger Unterbeamtcnkategorien zu beseitige«, aber die Reichsrcgi. rung hat erklärt, dast sic in voller lieber einstimmunst mit der preußischen Staatsrcgicrnng fest entschlossen sei, nicht über den in der Bcsolbungsnovelle gesteckten Rahmen hinauszugchen. Hossentlich wirb es der Regierung und dem Reichstag hierbei nicht ergehen Nne den beiden Königs lindern, die nicht znsammenkamen, weil die Wasser allzu tics'waren, denn die Verantwortung für
was Sie vühne einbringt.
Eie Bühne hat schon manchen arm gemacht, aber wem sic fl;,; Gunst zuwendet, dem pjlcgt sic zugleich mit y-m Ä.ihine auch die Schätze reichlich in den Schoß ZN werfen. Jedermann kennt das llassischc Beispiel Carusos, dessen Jahreseinkommen anl etwa 600000 Mark beziffert wird. So loeit hat's ia srei- lich nun keiner seiner Kollegen in ülpoll gebracht, aber cs gibt doch eine ganze Anzahl bekannter Künstler und Dichter,^ die an der Bühne reiche Leute gcwordctl sind. Dr. Ernst Friedegg gibt im jüngsten Hefte des „Theater- und Kmistspiegels" eine interessante Zusammenstellung hierüber.
Die höchste europäische Gage bezieht zurzeit Hermann Jad- lolvkcr, der erste Tenor der Berliner Hosopcr, der für 50 Abende lOOOOO Mark erhält und durch seine Gastspiele wohl noch ebenso viel verdient. Leo Slczak lrat sich vorgenonrmen, sich, sobald er die erste Million erreicht hat, ins Privatleben zurückzuziehen — es wird wohl kein ioeilcr Weg mehr bis dahin sei», da er annähernd 200000 Mark inr Jahre verdienen dürste Mil den Sicrncn der Tchauspielerwelt können die Bühnendichter freilich nur selten rivaliiicrcn. Ter Verdienst Gerhart Hauptmanns mag in günstigen Jahren 200000 Mark erreichen, in schlechten aber bleibt er wohl hinter dieser Zahl sehr wesentlich zurück. Ter reichste unter den deutschen Bühnendichtern dürfte Oskar Blu- nicnthal sein, dessen Vermögen Fricdcgg am zwei Millionen, dessen Jahreseinkommen er aus eine Biertelmillion schabt. Gustav Kadelburg hat sich von seinen Schwänken sieben große Häuser in Berlin erworben, und Hermann Suderman», einst ein mittelloser Redakteur, besitzt eine Villa im^Gruncwald und ein Gut bei Berlin. Sehr günstig ist der Strom der Zeit de» Opercttcnkomponiste», und unter ilmen ist gegenwärtig wohl Jean Gilbert am vorteilhaftesten gestellt Er ist in der glücklichen Lage, zurzeit die Tantiemen geradezu zu scheffeln, und ist längst Villen und Automvbilbesitzcr geworden. Sein Einkommen dürste zurzeit selbst das des so überaus geschästSgewandten Richard Stranx hinter sich lassen, der doch jährlich, ebenso wie Puccim, immerhin sei» halbes Milliönchen verdient. Unter den ausübenden Künstlern der Ovcreiie wird Alexander Girardi der reichste sein. Tein Vermögen übersteigt bereits eine Million Mark. Der veritorbenc Giamvierro hatte am Metropoltbeater 48 000 Mark Jahrcsgagc: nicht viel lveniger verdient Basscr- „»,»» bei Reindardl. und Moissi ist, Ivic bekannt, gegen eine Jahrcsgagc von 100 000 Mark von Reinhardt sozusagen in Gene- ralvacht genommen worden. Reinhardt selbst ist zurzeit der Krösus unter den Theaterdirektoren: sein Einkommen bleibt sicherlich nicht unter 300 000 Mark zurück und soioohl das Deutsche Theater wie die Kammen'viele sind in seinem Besitze. Sein verstorbener Kollege Brahm hat, obgleich sparsamer als Reinhardt, im ganzen nur 3<X>000 Mark hinterlastcn: doch hat cs Zeiten gegeben, in denen Dralstn ein weit größeres Vermögen besaß. Er hat sich jcdach die Verfolaung seiner künstlerischen Ideale etwas kosten lassen.
das gänzliche Scheitern der Desolduwgsnovellc wird zum Schluß weder die Regierung noch drr Reichstag auf sich nehmen wollen.
Außer den schon gcuamitcii vier Vorlagen, auj die hossentlich das Wort zutreffen wird, wo cin Wille ist, da ist auch ein Weg, rechnet mau vor allem noch aus die Erledigung des Rennwettgcsetzcs, des Kolonialgerichts- hofes, der Getrcidestatistik und der Dampfersubventions- vorlagc, die dem Reichstag noch unmittelbar vor seiner Vertagung zugcgangen ist. Dagegen werden eine Anzahl Heist umstrittener Vorlagen unerledigt bleiben, nämlich das Pctroleumgescy, die Spionagevorlagc, der Entwurf über die Sonntagsruhe ini Handelsgewerbe, die Hausicrhandcls- gewerbenovellc, die sogenannte kleine Lex Heinzc und die Vorlagen über die Süstink- und Kinokonzcssionen, während das wiederholt allgekündigte Kaligesetz dem Reichstag fürs erste überhaupt nicht zugehen ivirü, da es schon im Bundesrate auf ernstliche Schwierigkeiten gestoßen ist.
Die Frage, ob der Reichstag vor Pfingsten vertagt oder geschlossen werden soll, ist trotz aller diesbezüglichen Meldungen bisher noch nicht positiv entschieden, da auch hierüber erst zwischen Regierung und Parlament cin Einvernehmen erzielt werden soll und diese Frage im übrigen auch von dem weiteren Gang der Reichstags! arbeiten abhängt. Die Vertagung ist ja allgemach von einer Ausnahme säst zur Regel geworden. In der ver-, slossenen Legislaturperiode hatte eine Session sogar einen Rekord von 2Vs Jahren zu verzeichnen, und die lausende Session würde im Fall einer Vertagung jenen Rekord noch schlagen, denn sie begann am 7. Februar 1912, dauern also' schon jetzt beinahe 2> , Jahre. Wenn von einigen Seiten der Standpunkt vertreten wird, daß der Reichslag eine Vertagung statt des Schlusses aus Rücksicht aus den ungeschmälerten Genuß der F-reisahrkarteu austrcbc, so werden die Herren Me d. R. gegen diese Unterstellung! wohl entschieden Einspruch erheben. Im übrigen tragen an der Ueberlastung der Sessionen, die zu deren chronischer Vertagung führt, Regierung und Reichstag in gleicher Weise die Schuld. Jene durch die übernüistige gesetzgeberische Produktivität, dieser durch den gleichen liebet« ciscr — mau denke nur au die endlosen Initiativanträge! — und zugleich durch die nicht zu. bändigende Redelust, die allgemach zu einem regelrechten Wettrcden der Parteien geführt hat. ivobei cs für die unermüdlichen Oratoren ein schmerzliches Gesiihl sein must, zu wissen, dast der größte Teil ihcer Reden nicht einmal mehr zum Fenster hinaus, sondern nur noch für die Parlamcntsstenographeu gehalten wird.
Kabinctts'ri|e in Washington?
Das Volk der Nordamerikancr scheint allmählich zu der Erkenntnis zu kommen, daß cs niit dem Auslands minister der Wilson-Aera keinen guten Griff getan hat. Es herrscht jetzt die größte Unzufriedenheit mit Bryans halben und unsicheren Maßregeln, mit seiner nachgerade lächerlichen Behauptung, man führe keinen Käicg gegen Mexiko, es liege immer nur eine friedliche „Demonstration" vor. Mittler-, weile wird die Lage der Amerikaner in der Hauptstadt der
— T > e Entscheidung über da S M ü it dh r n c t Künstlcrthea tcr. Aus, München >virö uns geschricben: Tie ruhige Besonnenheit des Vereins Ausstellungspark ha! über das überhebliche Trausgängertum einer Schar proikslie-cnder Mün chener Lokalpairiolen den Sieg davongeiragen. Tie Pachtverträge mit dein Düiseldorjcr Schauipiclhausc sind trotz aller Hintcrtrcibiingsvcrsnchc unterzeichnet worden. Tie diesjährige, aut drei Monate berechnete Spielzeit wird voraussickrlich am l. Juni mit Shakespeares „Sturm" beginnen und nur tvcnigc Meisterwerke der dramatischen Weltliteratur mnfasicn. Tic Inszenierungen werden sämtlich von Münchener Künstlern aus- gesührl werden. Das imicr der gemeinsamen Direktion D II m o n t - Lindem ann und Professor Georg Fuchs-München stehende Ensemble der Tüsseldorser wird gelegentlich durch Gastspiele erster deutscher Schauspiclgrößen bereichert werden. Den Tüsiel- dorjcrn ist mit einer Enlicheidungssrist bis l. Lltober d. Js. Gelegenheit gegeben, ihren Vertrag unler den gleickicn Bedingungen auf die beiden nächsten Jahre zu verlängern. Tie ichon mehrfach bewährte sinanziellc Lvicrlvilligleit Tnsseldaricr Knnstfrcunde und die maßvollen Ansprüche des Vereins Ausstellungspark haben an dem Znüandekommcn dieser erfreulichen Lösung gleiches Verdienst. Es steht unter diesen Umstünden zu hassen, dait die neue Aera endlich jene gesunde Stabilität des Ensembles und Spiel- Plans erreicht, die allein imstande ist, das Münchener Künstlcr- lheatcr — wie es im Sinne seiner Gründer lag — zu einer Art „Bayreuth dcS Schauspiels" zu gestalien.
— D i c c r st e deutsche L i ch t s p i c l o v e r. Aus München, 24. April, wird uns geschrieben: Tie Lichtsvielindustric hat aus ihrem Siegeszugc einen neuen Markstein zu verzeichnen: In München ist F l o t o w s „M a r t h a" als erste deutsche Lichtipiel- oper zum ersten Male über die Leinwa,id der Sendlingerthor-Licht spiele gerollt. (So ungefähr wird wohl das Erlebnis einer Urani- silhrung in die Technik der Filmwrache zu übersetzen sein.) Ein volles Hans seicrlich geladener Gäste wohnte erwartungsvoll dem Ereignis bei. Zunächst cin paar Worte über den Verlaus der Matinee : Das verstärkte Hausorchestcr brachte die Ouvertüre in klanglichem Mmiatursormat wacker und anständig heraus. Tann setzte, da ein Vorhang nicht erst auszugcben braucht, sofort die Handlung cin. Lady Harriets Langeweile, ihr und Nancys Abenteuer als Mägde und das himbccrsüste Liebesabenteuer mit Lyoncl zogen in den sechs Bildern eine« mäßigen, von vielen Proben schon recht abgenutzten FilmS an uns vorüber. Aber diese Herrschaitcn in den gepuderten Perücken und Stöckelschuhen, die dor: oben aut der Leinwand gestikulierten und den Mund bewegten, hatten zum ersten Mal menschliche Stimmen. Der durch kein noch so vollkommenes Grammophon völlig zu erreichende Zauber eines echten menschlichen Organs., erklang aus jeder von ihnen. Oder nein, doch nicht: nicht aus ihnen, sondern h i n t e r der Leinwand hervor, auf der die lebenden Photogravhien ihre Komödie spielten. Zwar „klappte" im Takt alles ausgezcickmet, und der rechts unten sichtbar werdende Regulator des Rbnthmus konnte bei manchen Bildern sogar außer Tätigkeit gesetzt werden, aber die Illusion, daß die Fiauren selbst sangcm, wurde beim skeptischen Teil des Publikums doch nicht voll erreicht. Ter Eindruck war nach dem ersten Bild vcrblüfsend und
überfallenen Republik immer gefährlicher, die Unicrhaud- lungcn Bryans mit den inexikanische» Rebellcnsührcrn immer unklarer und bedcuMckier, und nun ist es der Kriegs- sekrctär Olarrisou, der in offener Auflehnung grgöu Bryau eine Kabinettskrise hcraufbeschwvrt. In cingeweihten Kreisen wußte man ja schon ziemlich lange, dast Mr. William Bryau cin schlechter Kenner der auswärtigen Verhältnisse und ein ungeschickter Politiker ist, sobald es gilt, über die Grenzen der iiiucramcrikanischcn Partei- und Agitatious- zuständc hinauszilschcii. Sein Chef Mr. Wilsoti hat sich vor sciucm Amtsantritt wenigstens theoretisch und publizistisch mit internationalen Fragen beschäftigt. Von Bryau aber weist man, dast er dem Völkerrecht und der Kriegspolitik mit vollster Ahnungslosigkeit gegenübertrat.
Washington, 25. April. Wie verlautet, steht eine Kabinettskrise bevor. Ter Kriegssekretär fordert die Verwendung des L a u d h c c r c s gegen Mexiko, loiih- rend StaatssckrctärBryau dagegen ist. Ter Ma - rinesclretär nimmt in der Streitfrage eine Mittelstellung ein. Bryau hatte sich auch heftig gegen die Erneuerung des Wafscnausfuhrverbots gewandt. — Das gestrige Gerücht, dast Earranza von Villa gefangen genommen worden sei, hat bisher noch keine Bestätigung gesunden.
Bryans ?lntwort an Earranza.
Washington, 25. ülpril. In der Note, die B r y a n gestern dem mexikanischen Jnsurgenteuführer Earranza übermittelte, crtlärtc Bryau, die Vereinigten Staaten würden ihre Strcitkräftc zurückzichen, sobald sie Oienugtuung erhielten. Falls Earranza gegen die Vereinigten Staaten eine feindliche Haltung einnühme, wnrdcerganzMcxi- ko in einen Krieg stürzen, Hnertes Macht würde sortbcstchcn, die Sache der Insurgenten würbe aber verloren sein.
Vermittlungsversuche der südamcrikanischc» Republiken.
Gestern abend spracticn der brasilianische Boischasicr, sowie der argeminische und der chücnische Gesandte bei dem Staatssekretär Bryau vor, um die Möglichkeiten einer Arrangierung und sreundschastlrchen ^Lösung der mexikanischen Lage durch bic Dienste ihrer Länder zu besprechen. Präsident Wilson kündigte an, daß er das Anerbieten Brasiliens, Argentiniens imd Chiles an- nel;me.
Die Gcsaudlen Perus, Boliviens, Costaricas, Honduras und Panoinas, sowie der kubanische Geschäststräger gesellten sich zn deu Gesandten, Argentiniens, Brasiliens UIÜ> Chiles, als diese die Beratung abhielien. Man kam ZN der Entscheidung, daß nichts weiteres getan werden könne, bis man die Haltung Huertas kennen gelernt habe. Nichtamtlich verlautet, dast der^ Plan der iüdamcrikanischen Regierungen die Entfernung Huertas ins Auge fasse, am welcher die Ber-einigten Staaten von Ansang an bestairden hätten. Das Vermütlungsanerbieten der diplomatischen Vertreter Argcntin eus, Brasiliens und Ehiles ist in der Stadt Mexiko sowie Earranza initgctcilt worden.
Das Anerbieten der s ü d a m c r i k a n i s ch c n Republiken besagt: In der Absicht, den Interessen des Friedens und der Gesittung ZU dienen und mit dem lebhastestrn Wunsckte, wci- terein Bluivcrgicßeii vorzubcugcn, wclcktes den üsbsichten der Herzlichkeit und Eintracht, die immer die Bczichungcn der Regierungen und der Völker Amerikas umgeben haben, widerspricht, geben wir, die Bevollmächtigten Brasiliens, Argentiniens und Chiles uns die
löste lebhaften Beisall aus, in den sich Ruie nach dem deutschen Erfinder — Jacob Beck, München, mischten. Im weiteren Verlause der Vorstellung ließ die Spannung merklich nach, und die Schattenseiten der Kinoopcr traten deutlicher in di; Erscheinung. Tcr Kapellmeister, der im Theater mit dem richtigen Zuiammen- gchcn von Sänger und Orchester oft schon alle Hände voll zu tun hat, muß bei der Kinoover des mechanisch gleichlauicndcn Films aus jede eigene Aussassnng verzichten und Sänger und Orchester mit größter Präzision aus das Tempo des Filmbanvcs ecnstcllcn. Mit andern Worten, das, was ans der Bühne von der Eigenart einer künstlerischen Persönlichkeit immer neue interelsante Jmprcs- iionen empfangen sann, wirb hier durch die sklaoiichc Abhängigkeit von einem komplizierten Apparat mechanisiert. Man wird also gut tun, die neue Schöpfung der Kinooper nicht als eine neue K u n st g a i t n » g . iondcni als einen ntit Freude zu begrüßenden Fortschritt der L i ch t b i l d t c ch n i k zu würdigen. Tie Zukunft oes Kinos aber dürfte aus diesem Gebiete noch weniger zu suchen sein, als aus dem des Dramas. F. E.
— Eine c r g c b n i z r c t ch c Forschungsreise durch den belgischen K o n g o st a a t. hat Tr. C u t h b e r t C b r i - st y , der bekannte Gelehrte, der sich durch seine llnierst,chnng-n uöet die Gründe und die Verbrntung der Schlaslranlheit einen Namen gcniacht hat, im Austrag der belgischen Regierung ausgefühlt. Er erhielt den Auftrag, den Kongostaat zu cnorichen, UN» Samm> lungen für das Museum des Köngostaates in Tervuer-n zn veranstalten. Ein Jahr lang hat er sich in dem grasten Urwalde loestlich van Mbeni und in den Ruvcnzaribergen ausgehalicu Il»d eine Fülle naturgcschichtüchen Materials zusanimeiigcbracht. ?lnch einige neue Tiere, besonders bisher gänzlich unbekannte Fisch; l,at er in den Flüssen und Seen um Mbeni gesimden. Ferner gelang cs ihm, zur Naturgeschichte des Okapi neue Daten ZU erhalten. Er hat als erster Meister ein Okapt in scineni Heimatslande selbst geschossen, und er lrat vier Exemplar; dieses Tieres erlangt, von denei! eins bereits durh einen belgischen Ossizier nach Europa gebracht Kird.
— Ein niedcrsächsisches Heimatmuseum. Aus Hamburg wird uns geschrieben: In Stade, der schönen, idnllisch gelegenen alten Stadt an der Schwinge, di- schon häutig durch ihre unermüdliche Arbeit für nicderdeptsckw Kunst und Kultur von sich reden gemacht hat, wurde dieser'Taae eln Frei- ^L.t.utuseum cross,>ct, das sich die Aufgabe «testellt hat. niedcr- tächsi'ches Bauernlcben und niederdeutsche Bauernkunst in ,inv-r- dorbcncr Ursprünglichkeit festzuhalten. Das Museun, liegt auf einer schönen^Jnsel in der Schwinge und zeigt als schönstes und wertvollstes Stück cin großes charakteristisch eingerichtetes ?l!t- lander Bauernlmus, das mü großer Mühe aus dem Alten Lande bei Hamburg nach Stade gebracht worden ist. Das Haus gilt als bestes und ausdrucksvollstes Stück der alten, ländlichen Architektur Niedcrsachsens.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Missen- s ch a s t. Tcr Historienmaler Richard K » ö t e l in B e r l i n ist an einer Lungenentzündung im 58. Lebensjahre g c st o r b c n.


