rrr. 90
Drittes Blatt
<64. Jahrgang
Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntag?.
Tie „Kießencr Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da? „KrctsMatt für de, Kreis Kletzen" zweimal wöchentlich. Die „randwirstchastlichen z«it-
sragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Gberhejjen
§M5tag. t8. April
Rotationsdruck und Derlag der Brühl'schen Universität? - Buch- und Etemdruckerci. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrabe 7. Expedition und Bering: bl»
Rcdaktion:e^II2. Tel.-Adr.:Anzeigcr8ießen.
Ventjcye» Reich.
Der Großherzog und die Groß Herzogin von Baden hoben sich am Freitag nach München jum Besuche des bayerischen Könrgspaares begeben. Am Freitag abend um 8 Uhr sand ini »gl. Residenz-The«ter in Gegenwart des Großherzogs und der Großherzog in von Boden eine Festvorstellung statt. Gegelum wurde „Ariadne aus Raxos" von Richard Strauß. Das Großherzogliche Paar wurde, als es mit dem König und der Königin die große Hosloge betrat, mit lauten .Hochrufen begrüßt.
Der Staatssekretär des Reichsschatzamts, 8 ich n, tras Freitag abend von Berlin kommend in M ü n - che n ein und wurde von dem LegationSrat v. Stockhamniern empfangen. SamStog mittag ward der Staatssekretär vom Könrg in Audienz cmpsangen. Sodann solgt er einer Eui- ladung des FananzministerS zuin Frühstück. Abends ist er zur Kalatascl geladen, die zu Ehren des Großherzogs und der Großherzogin in der Residenz stattsindet.
Zabern behält seine Garnison. Wie soeben vom Truppenübungsplätze Oberhofen aus zuverlässiger Lluelle verlautet, wird das Infanterie-Regiment Nr. 99 „ach mehrmonatiger Abwesenheit wieder nach Zabern znrückkehren, und zwar wird das erste Bataillon Samstag nachmittag um 4,45 Uhr und das zweite Bataillon um 6,37 Uhr in der Stadt cintreffen.
Französische Spione? Aus K o l m a r (Elsaß) wird gemeldet: Drei französische Touristen, die am Dienstag im Festunstsgeländc von Reubrcisach photographische Ausnahmen gemacht hatten, wurden von einem Dallmeistcr sestgenommcn unter Beschlagnahme der Ausnahmcplatten usw. Die Festgenommencn besinden sich zurzeit im Gerichtsgefängnis zu Colmar. Allem Anschein nach ist die Sache ohne Bedeutung und die Freitassung der drei Touristen aus Paris bezw. St. Etienne ist wohl bald zu erwarten.
Der frühere Reichstagsabgeordnete Ahl - Wardt, der, wie wir meldeten, in Leipzig gestorben ist, war am 21. Dezember 1846 in Kriern bei Ankloin geboren, besuchte das Seminar in Oranienburg, wurde 1836 Lehrer und 1881 Rektor einer Berliner Gemeiiidcschulc. 1894 ist er wegen seiner großen agitatorische» Tätigkeit pensioniert ivorden. Er verfocht einen sanatischen Antisemitismus, ist damit aber schließlich nicht mehr ernst genommen worden. Von 1892 bis 1903 gehörte er als Vertreter des Wahlkreises Friedeberg-Arnswaldc dem Reichstag au. Wegen der ausgestellten Behauptung, die Wasfenfabrik von Löwe habe das Reich durey Lieferung schlechter Gewehre wissentlich betrogen, wurde er zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Mit dem Äntisemitenführer Bocket zusammen gab er das „Deut» scl>e Bolksrecht" und vorher allein ein Buch heraus, worin er die Juden heftig bekämpfte. Seine Betätigung führte schließlich zum Ausschluß aus der deutschen Rcformpartei. J,n neuen Jahrhundert trat er in antisemitischen Versammlungen viclsaä, als Redner auf, ohne indessen größere Beachtung zu finden. Vor einiger Zeit machte er erneut von sich rede», als er in Leipzig eine neue Partei gegen Juden und Jesuiten gründen wollte.
7>u»Ianv.
Der Auf st and in Epirus. Es sind in Durazzo amtliche Meldungen eingelaufcn, daß 400 reguläre griechische Soldaten in Durazzo eine oldem es sichte Gendarmerieabteilung bei Bedeck, nördlich von Lesko- witsch, a n g r i f f e n. Einzelheiten über den Ausgang des Kampfes fehlen noch.
Tie Krankheit des Königs von Schweden. Rach dem am Freitag vormittag veröffentlichten Krank- hcitsbericht verläuft die Genesung des Königs im ganzen zufriedenstellend. Der Darm funktioniert natürlich. Tie Operation ist geheilt und sämtliche Fäden sind entfernt. Temperatur 36,9 Grad, Puls 58.
Evangllisch-iozialer Kongreß.
~ Nürnberg, 17. Avril.
3» Beginn der heutigen dritten und letzten Hauptversammlung des Evangelisch-sozialen Kongresses erstattete der Generalsekretär Pfarrer Lic. Schnee welcher (Berlin) den Jahresbericht. Er teilte mit, daß sich die Mitglüderzahl des Kangresses auch im abgelauienen Jahre wieder vermehrt habe. Wir treten nicht irgendwie scharfmacherisch gegen die Sozialdemokratie aus, wir sehen cs aber als unsere Pflicht an, als evangelische Christen die Sozialdemokratie zu bekämpfen.
Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten nahm der Vorsitzende D, Sa umflorten (Hifi) das Bon: Wie ich eben höre, haben die Ausführungen des Generalsekretärs über die Sozialdemokratie verschiedentlich Aergernis erregt. (Oho-Ruse.) Die schwierige Stellung des Kongresses zu der Partei, die das Evangelium zwgr nicht bekämvit, aber in der Praxis doch untergräbt ans Weg und Steg, ist nicht zu unterschätzen (Sehr richtig!) Wir dürfen aber die Sozialdemokratie nicht als den Orientierungsvunkt sür jede Stellungnahme unsererseits ansehcn. Wir werden mit der Aozialdemo- kratic am denen dadurch seNig, daß w>ir sie in ilner jetzigen Gestaltung nicht weiter berücksiäüigen, aber die wertvollen Forderungen ihres Programms in ruhiger Weise unterstützen, und wenn cs gebt, auch fördern. Ich für meine Person dar! wohl sagen, daß ich mir durch den Kamps gegen die Sozialdemokratie die Zugehörigkeit zum Kongreß nicht unterbinden lasse. Im politischen Leben stehe ich ständig im Kämpfe gegen die Sozialdemokratie, und aus meiner Zugehörigkeit zum Koirgreß kann keine Gebundenheit in meiner politischen Stellungnahme gefolgert werden. (Lebhafter Beifall.)
Hankdirektor Freiherr v. Pechmann (München': Ich muß hier näher begründen, woran ich AergcrniS genommen habe. ES ist in dem Vortrage und an diesen Tagen viel von sozialem Gewissen und sozialer Gesinnung die Rede gewesen. Ich spreche cs gerade in dieser Stunde ans, daß ich mich an sozialem Gewissen und sozialer Gesinnung von niemanden in der Welt übcrtrcffcn lasse. Aber in der Frage der Sozialdemokratie gibt es nur ein Entweder— Oder. Entweder bin ich der Ueberzcugung. daß zur Verwirklichung des Reiches Gottes aus Erden die Durchführung des sozialdemokratischen Programms gehört. Tann setzte ich mich mit meiner ganzen Person für dieses Programm ein und trete der Sozialdemokratie bei, urrd niemand soll mich dann in der Treue zur Partei trcsien. Oder aber ich erblicke in dem sozialdemokratischen Prv- granrm nicht die Morgenröte der ausgehenden Wahrheit, sondern ein volksvcrheerendcs Irrlicht: dann aber ist mein Platz in der Reihe der entschiedenen und entschlossenen Gegner der Sozialdemokratie. Wofür ich niemals Verständnis haben werde, das ist die Lrt der Behandlung, wie sic mir in dem Bericht des General
sekretärs enigcgengetretc» ist. Dazu ist nach meinem Urteil die Sache wirklich zu ernü, und dazu sin» die Gegner der Sozialdeino kralle ebenfalls viel zu ernst, als daß man mit Wendungen wie vom roren Tuch und anderen Lberslachlichkeilen fertig würde Ich halte eS stets jür eine Notwendigkeit, entweder für oder gegen die Sozial demokratie zu sein, und zwar nicht aus Mangel an sozialem Ge wissen und Verständnis, sondern aus Liebe znm Volk, da es sich um eine ernste Gesahr dandett.
Vorsitzender Prosessor D. Bau Ni garten: Wir schätzen und würdigen dm inneren Gründe zu dresem Protest sehr wohl, aber ich bitte zu unterscheiden, was ich als Mitglied einer positsickeen Partei und Ivas ich IN einem Gesinnungsverem auf evangelisch sozialer Basis zu tun verpflichtet bin, und da kann ich mir dos Entweder — Oder des Freiherrn von Pcchnrann nicht an eignen. (Stürmischer Beisoll. Ruse: Sehr richtig! und Bände- llatschcn).
Generalsekretär Lic. Schneemclchcr (persönlich): Iw yruß mich ganz entschieden dagegen verwahren, daß ich mit ^meinen Ausführungen an der Oberfläche hasten geblieben bin. Ich be» schajtige mich mit diesen Dingen seit meiner Studentenzeit, und tvrnn Freiherr v. Pechmann meine Tätigteit uni> die Tätigkeit des Kongresses etwas genauer kennen würde (sehr gut!', dann würde er wohl wissen, daß ich einer der allcrschärsstcn Gegner der Sozialdemokratie bin.
Freiherr v. P e ch m a n n bestreitet, dem Generalsekretär Obcr- stächlichkeit »orgeworien zu Koben. (Zurui: Doch)). Er habe nur gemeint, daß seine Aussührunge» dem Ernst der Sache nicht entsprachen. (Zurns: Das sst dasselbe!)
.Hieraus begründet Prosessor Rade ^Marburg) folgende Entschließung zur Sonntagsrudc:
„Ter Evangeliselpsozialc Kongreß bekennt sich zu dem Ziele einer vollkommenen Sonntagsruhe. Er sicht in jedem Fortschritt zu diesem Ziel eine Förderung, der körperlichen und geistigen Wohlfahrt unseres Volkes sowie die Ersüllung einer Vorbedingung für eine belfere SonntaqShciligung. Er hat den dringenden Wunsch, daß der schwebeirdc, viel umstrittene Versuch einer Verbesjerung des bestehenden Sonntagsgesctzcs zu einem Ergebnis führen möge oder uns möglichst vorwärts bringt. Außerstande, bei seiner ein maligen Sitzung der Vorlage einer eindringliche Beratung zu widmen, schließt er sich in dem Vertrauen, daß in diesen Kreisen die technische Seite der Sache zu noch gründlicher Erledigung kommen wird, der einschlägigen Erklärung der Gesellschaft für soziale Reform an. Tie Durchsührung der vollen Sonntagsruhe erwartet der evangelisch-soziale Kongreß nicht von der gesetzlichen Regelung allein, sondern auch von der Stärkung des sozialen DerantwortlichkeitSgesühls, das den Einzelneia hindern muß, am Sonntag über daS zulässige Maß hinaus jrrnüie Zeii und Ar- beitskrast sür sich in Anspruch zu nehme»."
Diese Entschließung nmrdc einstimmig angenommen.
Hieraus behandelte Prosessor Dr. Waldemar Zimmer- m a n n (Berlin) das letzte Thema der Tagung: Zwang und Freiheit im Organisatiansleden. Der Redner führte ii. a. aus: Verwerflich und sür die Organisation aus die Daner verhängnisvoll sind: niedriger Terrorismus, llebersvannung der Organisationsmacht und ÖrgansiatianSzmang, der die sittliche Seibstverantwortlichkeit völlig auslöscht. Abhilse gegen llcberspan- nungen und Verirrungen des Organisationszwanacs schassen zivilrechtliche und strafrechtliche Maßnahmen kaum. Der strasiechtlichc Arbcitswilligenschutz kann nur die primitivsten Akte des Koalstions» zwanges tressen. Abhslie schassen sicherer die innere AuSbalanzic- rung des Orgairsiationswescns, wie die genossenschaftliche Erziehung und Ansklärung, die Autorität guter Führer, Auflehnung der Persönlichkeiten im Verbände gegen die Verbandsschablonc, vsscntliche Kontrolle und Kritik und schließlich die drohende „Verstaatlichung" oder Umwandlung der privaten übermächtigen Organisationen in össentliche Zwangsorganisationen für alle Beteiligten ohne Ausnahme. Die sittliche und bürgerliche Einzclpcrsünlichkcit vor der Zerreib,,ng durch Organisationszwang oder Zwangsorganisation z» bewahren, scheint eine der vornehmsten politischen und kulturellen Ausgabe des nächsten Menschenalters. (Beifall.)
Es folgte eine längere Aussprache. Daraus wurde die Tagung geschlossen.
ttongrctz sür Lriilkersürsorae-
O Berlin, 17. April.
Unter zahlreicher Beteiligung auch von Vertretern der Staatsregierung trat hier der 6. Kongreß für Trinkerfürsorge zusammen. Ten Vorsitz führte Professor Ganser. Zunächst sprach Amts- richtcr Tr. Rümker (Hamburg) über „Entmündigung und Bor- mnndschaftswese»", in dem er die Entmündigung der Trinker als eine scharfe Masse bezeichnet, die aber zum Wohl des Trinkers wie der Oessentlichkeit in geeigneten Fällen angewandt werden müsse. Pastor Lunken lGnninicrsbach) behandelte die „Trinker sürsorge in Kleinstädten", die sehr schwierig sei. Die Persönlichkeit des Fürsorgers dürfe wenig an die Oessentlichkeit treten, um so lieber wenden sich die Trinker und deren Angehörige an ihn. — Dr. Flaig (Berlin) sprach über den Schwindel mit Trnnksuchts- mrtteln und verlangte, daß alle die vielfach angcpriesenen Mittel gegen Trunksucht aus die Geheimmiuelliste gesetzt würden.
Landcsrat Dr. S ch e l l m a n n (Düsseldorf) behandelte die Ausgaben, die den Trinkcrsürsorgcstellen ans der Trinkcrbcwöh- rung erwachsen. Von dem Zusammenhang zwischen Trunksucht und Verbrechen ausgehend, behandelte er dann das amerikanische Verfahren, das die Strajvollstrccknng von der ErsiUlnng eines Absti- nenzgclübdcs abhängig macht und besprach im Zusammenhang da mit die in den einzelnen außerdcutschen Ländern mit diesem Verjähren gemachten Erfahrungen sowie die dort geltenden gesetzlichen Bestimmungen.
llSbcr die Fürsorge sür alkvhvlgefährdete Familien sprach Frau Hotfmann tBochum). Die Fürsorge- tatigfeit ist in erster Anie eine Erziehungstätigkeit und zu dieser feien, ihrer Meinung nach! in erster Linie die Frauen berufen.
Pros. Tromershauscn (Marburg) sprach sodann über „Zusammenlegen mch Zusammenarbeiten der Trinkerfürsorge mit anderen Fürsorgebestrebungcn". Die Eigenart der Trinkerjürsorgc erfordere die völlige Selbständigkeit der Trinkersürsorgestcllen. Notwendig sei die Errichtung einer gemeinsamen Auskunstsstelle sür die verschiedenen Trinkersürsorgestellen. Eine Unterordnung der Fürsorgearbcit unter städtische Behörden, wie Armenämter hielt er nicht sür angebracht, ebensowenig die Vereinigung mit anderen Fürsorgebestrebungen in einem zu diesem Zweck geschaffenen Wohlfahrtsamt. In der aus die Vorträge folgenden Aussprache traten alle Redner dem Redner bei, wobei noch von verschiedenen Seiten mehrfache Anregungen und Vorschläge gegeben wurden. Hierauf schloß Prof. G o n s e r die Tagung.
An» Stadt und Land.
Gießen, 18. Slpcil 191 l.
** Anmeldung zum Besuch der Universität Gießen im Sommersemester 1914. Studierende, die bereits hier immatrikuliert sind und ihre Studien hier fortsetzen wollen, haben sich aus dem Umversrtäts--Sekrc- tariat, Bisinarckstrcrße 22, anzmneldeu, um die Wrsweis- karte umzutanschen und ihre Dobnuug anAngeben Die Anmeldungen werden vom 20. Aprrl bis zum 15. Mai 1914, vormittags von 9—12%, nachmittags pan 3—5 Uhr an ge-
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werden vom 20. April bis zum 15. Mai 1914, vormittags von 9—12 1 2 Uhr angenommen. Nach dem 15. Mai werden Anmeldungen nur dann angenommen, wenn die Verspätung in genügender Weise entschuldigt wird. Boi der Anmeldung zur Immatrikulation sind die zum Adschluß des gewählten Studiums gemäß reichsrcchtlichen oder hessischen Pruftnigs- vorschriften erforderlichen Zeugnisse über die Vorbildung einzureichen. Nach dem Ermessen des Rektors können auch Bewerber zugelasscn werden, die sich durch aicherc Zeug, nisse über Unbescholtenheit und wissenschostliche Vorbildung ausweisen. Für Frauen gilt diese Bestimmung nicht. In jedem Fall bleiben für die Zulassung zu einer Prüfung oder zur Promotion die Bestimmungen der betresscnden Prüflings- oder PromotionSordnung asiein tnaßgebend. Wer schon eine Hochschule besucht hat, ist verpflichtet, deren Abgangszeugnis cinzurcicheu. Ist seit Ausstellung dieser Zeugnisse eine längere Zeit abgelauscn, so ist sür die Zwischenzeit ein Leumundszeugnis beiznbringen. Minderjährige haben eine beglaubigte 'Bescheinigung ihrer gcsctzlickicn Vertreter darüber deizudringe», daß sic mit deren Einwilligung die Universität Gießen besuchen.
" Au? dem Eiscn da hn dienste. Der Güter- vorstchcr Hugo W o l s in Frankfurt a. M. tsiüher in Gießen) wurde znm Königlichen Eisenbahn-Obersekretär ernannt.
** Verein der Freundinnen junger Mädchen. Am 28. April sindet unter Vorsitz der Fürstin von Erbach-Schönverg die Landeskonferenz des Vereins von 'Freundinnen junger Mädckien (Protektorin des Vereins ist die Großherzogin) im Kurhause zu Bad-Nauheim statt.
** (Sin 8 3 jähriger Stadt Wächter. Giner_ der letzten Türmer in Hessen, der 83jährige Johann Adam Schmidt, hat am Donnerstag von seiner über 50 Meter hohen Wohnung aus dem alten FestungSturm in Lich Abschied genommen, um unten in der Stadt von nun ab den Lebensabend im Hanse seiner Tochter zu verbringen. Die schlichte Türmerstube, in der Schmidt mit seiner vor einigen Jahren verstorbenen Ehesian und seinen zahlreichen Kindern seit 1861 wohnte, steht nun verwaist da. Ob der Türmerposten je wieder besetzt werden wird, weiß man nicht.
** Das Gewerbeblatt für das Großherzogtum Hessen (Zeltschrist dcS Landes-GewerbevereinS) Nr. 16 vom 17. April hat folgenden Inhalt: Großh. Z e n t r a l st c l l e s ü r d i c G c w e r b e. DaS schiedsrichterliche Verfahren zur Schlichtung gewerblicher Streitigkeiten. — Verwaltungsbericht der Sterbekasse. — Ständig« Ausstellungskommission sür die deutsche Industrie. — Gewerbe- Vereine Bad-Nauheim, Reinheim, Roßdors. — Handwerkskammer zu Darmstadt. An die gewerblichen Korvorationen im Kammerbezirk. — Die Vorschriften über die Beschäftigung von Lehrlingen im Handwerk. — Allgemeiner Teil. Werkbund und Jn- genieurkunst.
Landkreis Gießen.
'<& Lich, 18. April. Zum vierten Male ist dieser Tage ein Licher Kind, Jakob Weicker, zum Dienst in unseren Kolonien nach Afrika abgereist. Als Freiwilliger nahm er am Feldzuge in Südwest-Asiika teil. Später ging er als Polizeimeister nach Kamerun, wo er nach zweimaligem Urlaub mich jetzt wieder Vcr- ipendung sindet.
-e- Ob dorn holen, 17. Avril. In der Gemarkung Ob- do nboken (legt ein 700 Morgen große?, dem Graien vo» Laubacti gebörcndes Gut. Schon seit einigen Jahren steht die Kenietnde beziv. ein Konsortium von Landwirte» mit der Standesher,schalt in Vertmndlung über den An'ant. Bis jetzt gelang dies jedoch ruckst, weil der Kantorei? (t Million Markt allgemein al? zn hoch «niplnnden wurde Vor einiger Zeit hat »»n die gräfliche Vcr- waltnng die KnnIInmine »m 200 000 Mk. ermäßigt und e? besteht begründete ?In?ncht, daß jetzt endlich, nachdem n>a» sich enitchlossen hat, an Bcrstädter Landivirle etwa 100 Morgen abzutretc», der Kauf zustande kommt.
Kreis Lauterbach.
1l. Schlitz, 17. 2Ipr>I. I» de» hessischen Gemeinden an de, neuen Bahnstrecke Nieder» nla — Schlitz wurde» dj, Gcländcerwerbekosten an die einzelne» Besitzer, die einige Streifer 'Ackerland oder Wiesen an da? Bahngelände abtreten mussten, an?- bezadlt. Es aelanat in 'Anbetracht der nur etiva 12 Kilometer betragenden Neubaustrccke die aulebnliche Summe von H4 !<'0 Mk. zur Verteilung, die sich bei endgültiger Vermessung ans 100000 Alk. erböhki, ivird. Außerdem Iverden noch einige Tausend Mark dir niedergetcql« Grundstücke crlorderlich. E? entfielen ans vuhdort 2i -80 'Hlf., aus Sandlol? 9930 Mk., ans Oueck 21 970 Mk.. aus Rimbach Il IIO Mk. au! Ober-Wegsnrth II 780 Mk. und ans Unter- Wegiurt 44 403 Mark.
Kreis Friedberg.
* Bad-Nau heim, 17. April. Hunde-Vergifte r treiben seit einigen Tagen wiederum ihr ruchlosest Wesen in der Stadt. Am Mittwoch abend erstrankte der wertvolle Hund eines Kürgastes unter starken Vergif- tungserscheinungen, während gleichzeitig zwei werwolle Hunde von Einwohnern an Strychnin-Vergiftung eingingen. Es sind innerhalb Jahresfrist neun Fälle von .Hundevergiftungen in der Stadt zu verzeichnen.
Skarkcnburg und Rheinhessen.
rb. Darmstadt, 17. April. Der Vereins Brauns- dardter beim „M a r i e n h o s" hielt heute nachmittag im Straikammersinungssaal des neuen Justizgcbäudes seine dicstährige Hauptversammlung aff. der auch die langiährigc Vorsitzende, Fürstin Maria zu Erbach-Tchönbcrg beiwohnte. Clehcimrat Gene- > alstaatsanwalt Tr. Praetorius eröifnete uich begrüßte die Versammlung: er wies dabei auf dos Mißgeschick hin, das den Verein durch die Versandung des Brunnens aus Marienhos getrosten Hab« und kostspielige Maßnahmen erfordert habe. Schriitsührer Äospre- diger Q u c ck erstattete den Oleschästsbericht über das bcriloffenc Jahr, das ein Jahr schwerer Arbeit war. Diese Arbeit blühe mehr im Verborgenen, aber sic iinde auch freudige Förderer. So habe die Kaiserin von Rußland anläßlich des Weihnachtsjesies 300 Rubel gespendet. Das bisherige Asyl sür die vorübergehende Uiiter- bringung heimatloser Mädchen wurde ausgegeben und die Stadt habe geeignete Räume im städtischen Psründnerhaus zur Verfügung gestellt. Im Heim zu Braunshardt sei von den 34 Insassinnen des vorigen Jabres ilcißig und tüchtig gearbeitet worden. Ter Betrieb der Wäscherei habe im vergangenen Jahre über 3000 Mark Reinerlrag abgeworsen. Die Zahl der weiblichen cntiassenen Strasgesangenen trete in letzter Zeit immer mehr zurück, teils weil die Frauengesängnisse weniger stark besetzt sind, teils weil die Entlassenen gleich wieder Arbeit nnden oder wjieder in die volle Freiheit hinausgehen: das Heim werde künftig mehr Fürsorge,öglinge ausnehmen. Der Redner sprach zum Schluß allen Förderern des Heims wärmsten Tank aus. Geheimrat Dr. Praetorius besprach im Anschluß daran die zukünslige Gesialiung des Asyls in Darmstadt, das eine Zwischenstation bilden und momentan miterkunstsbedürstigen weiblichen Personen Ausnahme gewähren solle, während der Ausenthalk n -ffunxnM" mmbe-


