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Drittes Blatt
M- Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „«iehener Zamiliendtatter" werde» dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelcgt. das „rrreirblatt sir den «reis «setzen" zmeinial
wöchentlich. Tie „randwittschasMchen äeil- seagen" erscheinen nionallich zweimal.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Äberhejsen
Zreitag, 27. März
Rotationsdruck und Vertag der Brühl'jchcn Universuäl!- - Buch- und Sleindruckcrei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Vertag: e^stol. Redaktion:eEN 2 .Tcl.-Adr.:AnzeigerGießen.
hessische Zweite Kammer.
rb. 2 armstadt, 26. Mär,.
Am Regierungstischc: Staatsministcr Tr. ».Ewald, Finanz niinister Tr. Braun, Staatsrälc Dr. Becker. Lorbachcr, Ministerialräte Dr. K r a tz, Geh. Obcrsinanzrat Tr. R o b d c.
Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um 9>, Uhr. Tic Beratung des Staatsvoranschlags ivird bei Kapitel 168. P r i v a t c is e n b a h n c fortgesetzt. T-» loobl dieses, wie die solqendcn Kapitel: Mün,wesen, Staalsremen, Sterbguarmle, 'Allgemeine Fonds für Vertretung- und »Aushilss- losten, Porto und Tclcgravhengcbühren uiw. werden ohne Aussprache genehmigt.
Weiter genehmigt das Haus die II. und 12. Hauptabteilung, Ausleihungen und Staatsschuld, Pensionen und Verhältnis zum Reich, sowie 18. bis 15 . Ausgleichs- und Tilgungsfonds, Nach träge indisponible und reservierte Fonds.
Damit ist der erste Teil des Voranschlags, der Verwaltung S v o ra n s ch la g erledigt.
Ter zweite, »VerpiögcnS-Tcil, umfaßt die Kapitel 118—145 Tie Kapitel: Reste n us näheren Jahren, Saline, Badeanstalt :md Tiesbauam t Bad-Nauheim und Badeanstalt Bad Sglzlauie», Staatseisenbahncn (Erweiterung und Ergänzung der baulichen Anlagen und des Fahrparts), An- und Verkant von Staatsdomänen, dann weiter die Kavitel vom Ministerium des Innern: Zentralbau wese», Klinik für psychische und nervöse Krankheiten, Lehrerseminar zu Bensheim, Landes-Hcil- und Pilege-Anstalt, »BodcnmcliorationS- und .Wasservcrsorgungswcscn, Kunstslraßcn lvcsen.
Beim B o r a n s ch l a g d c s M i n i st c r i u m s d e r I u st i z, Kavitel 136, Zentralbauwcicn, worin für die innere Einrichtung des neuen AmlsgcrichlSgcbäudes zu Gießen 37 060 Mark angc- sordert werden, iragt
Abg. tzldeluug (Joz.) die Regierung, wie cs mit der Reorganisation der Bauordnung stehe. Eine ganze Anzahl von mittleren Bcaniten dieses Ressorts warteten schon lange aus die Ent scheidung und möchten endlich Klarheit haben.
Ministerialrat Tr. .Kratz: Es wurden bei der früheren Be, ratung der Sache in dem Vcreinsachungs-Ausschusz von der Regierung Vorschläge gemacht, die aber vom Ausschuß nicht genehmigt imirdcn. Zur Erörterung neuer Vorschläge ivareu schon mehrmals Sitzungen des VercinsachungsausschusscS in Aussicht genommen, die aber wegen der Beratung über die Bcsoldungs resorm verschoben werden mußten. Es ist nun für den Monat Avril eine neue Sitzung in Aussicht genommen. Tie Regierung hat selber das' größte Interesse daran, daß die Angelegenheit so bald wie möglich erledigt wird.
Abg. Adelung stellt darauf die weitere Frage, ob zu er-, ivartcn sei, daß die Vorlage noch in diesem Landtag zur Verhandlung kommen werde.
Ministerialdirektor Tr. Kratz antwortet daraus. Ter Vcr- einsachuugsausschuß könne ja keine Beschlüsse fassen, sondern es müsse nach der Verhandlung int Ausschuß ein Gesetzentwurf aus- gcarbeitet werden. Tazu werde für den jetzigen Landtag die Zeit nicht ausreichen.
Abg. Molt ha ii (Zeulr.) betont die Notwendigkeit, auch eine Vermehrung der Stellen cintrelen ,ll lassen.
TaS Kapitel wird darauf bewilligt. Beim Kavitel 138 ,Kap. 137 fällt aus; Anlegung neuer Grundbücher, w-ndt sich Abg. Leun (Bbd.l gegen die immer miete, k h eiche Be a v ung, datz das neue Grundbuch besser sei, als das alle. Nach leiner Meinung war das alte besser und vor allem übersichtlicher. Nach dem neuen Grundbuch könne man einen Meßbrief überhaupt nicht l)erslellen; der Richter habe gar keine Uebcrsicht darüber.
Abg. Senßsclder (Bbd.l bringt mehrere Mißständnisse über das neue Grundbuch zur Sprache, auch er hält das alte entschieden für besser.
Abg. Brauer (Bbd.) bedauert, daß er der gestrigen Sir ung nicht beiwohnen konnte und rechtfertigt seine Ausiührun- gen über das Grundbuch, wobei er auch die gestrigen, von mehreren juristischen Mitgliedern gegen ihn erhobenen Angüsse zu- rückweist. Wenn die .Herren glaubten, ihn und seine Freunde damit uor dein Lande herunterreißen zu können, so würden sic dabei aus de» Widerstand der ganzen, von seiner Partei vertretene», Bevölkerung stoßen.
Abg. Tr. W ünzer (Natl.) bemerkt, mit Bezug aut eine Bemerkung des Vorredners, er glaube neben seinem juristischen Verstand auch noch ein wenig gesunden Menschenverstand zu haben, lind da meine er. mau könne jetzt an der Sache dock nichts mehr ändern und deshalb sollte mail sie auch ruhen lassen.
Nach einigen Ausführungen des Abg. Joutz (Wild) legt Mg. W o l s - Stadecken (Bbd,; seine Ansicht dahin dar, daß sür den Norden und Ssten des Reichs und vielleicht auch für Darm stadt das neue Grundbuch sehr Vorteilbast sein werde, iür das Land aber sei cs unpraktisch und unübersichtlich: cs verteuere auch das Vcrnicssungswcscn.
Abg. Reh Fortschr. Vv.). Tic Herren, die hier immerfort Ausstellungen am neuen Grundbuch machen, sollten sich doch an de» Reichstag wenden, denn dieser ist die richtige Adresse dafür.
Abg. Stapler (Natl.): Beim neuen Grundbuch sind auch Licht- und Tchatteuscitc». Tcm Abg. Tcnßselbcr geht es beim Grundbuch io. wie dem Witwer mit der zweiten Frau. Er licht erst bei der zweiten, wie gut die erste Frau war. (Heiterkeit.) Tas alte Grundbuch balle seine Vorzüge, das neue bat deren auch: man sollte die noch vorhandenen Fehler des neuen Grundbuchs nach Möglichkeit zu verbessern suche».
Abg. Brauer (Bbd : Bei Revisionen wurde bisher nicht das Grundbuch, sondern »ur das Hypotbekenbuch cingescben. Aus dem Lande entstehen jetzt bei dem ueiien Grundbuch Schwierigkeiten und Belästigungen, lose inan sie irüher nicht gekannt bat. Wen» sich Mg. v. Brentano gestern in abiälliger Weise über meine früheren Ausführungen zum Notariat äußerte, so muß ich erklären, daß ich meine Vorwürfe ausreckr erhalte. Es sind beim Notariat viel inehr Verschlungen vorgekommen als früher bei den Ortsgcrichtcn. Aus die Landwirte alaubt jedermann schimpscn zu können: sowie mau aber nial ein Wort über die Juristen oder die Notariate sagt, wird man gleich in schärfster Weise von diesen angcgrissc».
Käv. 188 ivird daraus genehmigt. Bei Kap. 110, Bauwesen des Justizministeriums, erkundigt sich
2lbg W o l i -Stadecken über Dammbauarbeiten bei Nicrstein, rcip. darüber mit der Regierung schwebende. Verhandlungen
Ministerialrat Tr. Kratz teilt mit, die Geincinde Nierstein wünschte eine Verlängerung der Ladestraße, und da darüber neue Voranschläge nötig waren, mitßten aus Wunsch der Gemeinde die Arbeiten verschoben Iverdcn. es werde im nächsten ,zabr eine kleine Nachsardcrung eingestellt werden müssen.
Tas Kavitel wird daraus bewilligt, eben,» die beide» Rc„- lapitcl: Ausleihungen und Staatsschuld und rndtspoinble und reservierte Fonds. . ,
Es wird nun zunächst der Ve r w a l t u n gs v o r a „ , ch a g der Zweiten Kammer sür 1914 vom Abg. Finger (Natl.) vor- gelragen und debattelos gcncdmigl. Alsdann bcichlictzi die Versammlung, die Ansrage Brauer und Gen., betr. die Notarialsgc- bühren, und den Antrag Scnßselder. betr die Wlcderbesetzung der Notariatsstelle in Gr. Gerau, der Vereiusachungskommriiion zu überweisen, Ter Antrag. Fenchel-Leun: Großh. Regierung
zu ertlichen, die Gemeinde bczw. Kirche» nicht mehr zu den Kosten sür Revision der Gemeinde- und Kirchcnrcchuungc» heranzuziehc», wird mit großer Mehrheit angenommen. Teil dringlichen Antrag Henrich und Ge»., hctr. das Wahlrecht der Elsenbahnbeamten und Arbeiter begründet Abg. Henrich (Fortschr. Vv.), der aus- iührl, daß der Antrag setzt wegen der Abänderung der Wohnsitz klausel sür die nächsten Wahlen zu spät komme: er bitte jedoch die Regierung um Berücksichtigung sür später, Ter Antrag wird dar aus iür erledigt erklärt.
Nachdem mehrere weitere Anfragen zurückgestcllt worden sind, erfolgt die Besprechung der Anträge W o l i - Stadecken, betr. die Tätigleit des Kommerzienrats Ihrig bei der Hess, landw. Genossen schastsbank.
Abg. Wolf- Stadecken führt aus, er habe mit seinem Antrag durchaus nicht in ein schwebendes Vcriahrcn cingreiien wollen Zu seinem Bedauern höre er, daß der Titel Kommerzienrat nur aberkannt werden könne bei Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Man müßte dem Herrn doch recht zu Gemütc führe», welch großes Unheil er angerichtet hat, dann würde man dem Volks- empsindcu gerecht werden. Ein aruicr Tcuscl, der im Wald ein Christbä,wichen stehle, werde ciiigcsverrt, aber wer Millionen schwindet treib», erhält ehrende Auszeichnungen. Als Ihrig den Kominerzieiiratsiitcl erhielt, iourde ein gewisser Herr Aktionär. Man habe sich aber mir seinen Aktien gut zu salviercn gewußt. Ihrig sei die Seele des ganzen GenosscnsthastSnntcrnelimcns ge wesen, aber auch die Schuld der Herren Haas und Tr. heidenreich sei nicht zu bestreite».
Abg. Korell Fngclhcim iFortschr. Vv): Wir legen keinen Wert daraus, ob dem Manne der Kummerzienratstitcl entzogen wird, es kommt nur daraus au, daß man sür die großen Verluste möglichst entschädigt Ivird.
Staatsminister Tr. ». Ewald: Tein Ihrig wurden die bür gerlichcn Ehrenrechte nicht aberkannt und daher konnte ihm auch nicht der Titel entzogen werden. »Tö die Titclentzichung auch ans dem Verwaltungswege geschehen könne, sei streitig. Daß die Hoi lasse aus jeden Anspruch freiwillig verzichtet habe, sei ja wohl bekannt.
Abg. Tr. S s a u u <Ntl.) weist die Verdächtigungen gegen den verstorbenen Abg. Dr. heidenreich zurück: dieser sei niemals ju den Revisionen binzugezogen worden und habe mit keiner der Transaktionen irgend etwas zu tun gehabt.
Abg. Dorsch (Bbd.): Viel richtiger als die Aberkennung des Titels wäre es. Ihrig und seine Mitschuldigen regreßpflichtig zu »lachen. Man sollte versuchen, etwas wenigstens von den verlorenen Geldern wiederum erhalten.
Abg. Adelung >Soz.i: Das Volk hat gar kein Interesse daran, ob.Ihrig der Titel wieder abgcnoinmen wird oder nicht.
Abg. u. Brentano (Zcntr.) wendet >ich gegen die Abg. Wols-j-tadecken und Dorsch. Es sei leicht, erst Hosianna zu schreien und nun jetzt so zu reden. Auch er ici der.»Meinung, daß es ganz gleichgültig sei, ob dein Betreuenden der Titel entzogen werde oder nid.:. Es sei jedenfalls nicht vornehm, jetzt sich gegen Tote oder Tchwerirankc zu wenden, die sich nicht verteidigen könne«. Ter Abg. Tr. Heidenreich sei ein unantanbarer Ehrenmann gewer,
Nach meti reit »Bemerkungen ber »Abg. Wals- Stadecken, Dorsch und v. »B reut a II o schließt die Besprechung.
Rach, einer Frühstückspause wird unächst noch der Rest des »Voranschlag- .»-rlrpigl. -Bei "Kavtlcb 89, Gerichte, beantragt der Finanzausschuß, die Regierung zu ermächtigen, alsbald bis zu 7 Richtcrstel!,'!! in den schon genannten größeren Städten zu schassen. Dielee »Antrag wird angenommen, ebenso der »Antrag Dr. »Weber, den Antrag Tr. Tsann, Tr. Wünzer, Tr. Stevhan dem Vereiniächungsaur schuß zu überweisen. Tamit ist das Kavitel erledigt»
»Bei Kapitel 115, Pensionen, erstattet
Abg. M o l t b a n einen niündlichen »Aussckußbcrickit und beantragt, die -hierzu gestellten Anträge des Vereinsachimgsaus- ichuß zu überweisen. Ter Antrag Henrich lautet, die Regierung zu ersuchen: l. Tic G e o m e t e r »2 Klo i s c von den Lasten der Privatvcrsicheruiig zu befreien, 2. den Landständen alsbald ein.» Vorlage zu mochcn, wonach die Vergütungen der n i ch l ange- stc l l t e n 2 ch r e i b g e h i l s e n mind.'s cns um den »Betrag ihrer »Beiträge zur Angeßellteittersicherung erhöbt werden.
»Abg. Ttövlcr (Ntl.l befürwortet eine Verbesserung der Pcnsionsvrrliältnisse der Angestellten des »Wasser- und Elektrizitäts Werks Inheiden, »Abg. Henrich (Fortschr. »Vv.) begründet seine» »Antrag, der nichts neues bringe, sondern ein »Niederschlag aus den vorjährige» Verhandlungen sei. Es handle sich bei den-Geometern um die »Beseitigung einer 'Ausnahmebehandlung Am schlechtesten seien bei den srnheren Beratungen und den Provisorien dic Schreib- gehilseii wcggelommen, denn ihre geringen Verbesserungen wurden dadurch wieder ausgczchrt, daß sic zur Angestelltcnversichcrnng hcrangezogen wurden.
Abg. Tr. Weber (Bbd.) bcivricht die heranzichuiig der Beamten zu Inheiden sür die Fü'esorgcerzicbung.
Abg. Adelung (Soz.) bittet, den wichtigen Antrag Henrich nicht dem »Vereinfachungsausschuß zu überiocisen, sondern ihn, zuzustimmen.
Flnanzminister Tr. Braun erklärt: Die Regierung muß den »Antrag Henrich ablchnen und emvsiehlt, dem Aussckmßantrag zuzustimmen. Ter Minister warnt dringend davor, zu denken, cS komme aus die 25 000 »Mark nicht an, da^ Geld ist ja von den Lclirern schon gespart worden.
»Abg. Hebel (Zcntr.; weist auf Mißstände sür die Kommunal- vcrbändc betreffs der Fürsorgekassc hin.
Abg. Dr. Ttevhan (Natl.1 bemerkt, die Bestimmungen der Angestelllenvcrsichcrung, wonach die Verssckier'uiigsvslichtigen ihre »Beiträge selbst zu zahlen haben, solle in erster Linie auch eine erzieherische »Wirkung haben. »Ans denselben Standpunkt lmbe sich auch die »Änwaliskamiiier gestellt.
Abg. Henrich entgegnet, Ulan mußte darum den Lohn der Lcj'reibgchilien erhöhen, damit sie nicht schlechter gestellt sind, als früher.
»Abg. »Adelung: Tie vom »Abg. Stephan erwartete erzieherische »Wirkung wird zweifellos ausblciben.
»Abg. Grüneivald Ivendet sich gegen eine» Zwischenruf des »Abg. Eißnert bei her Rede des »Abg. Stephan, wodurch an gcdcutci werden sollte, daß der betreffende Beschluß der »Anwalls- kainnier nur im eigenen Interesse gefaßt worden sei.
Tie Aussprache ivird daraus geschlossen, nachdem »Abg. Mol - > h a n als »Ausschnßbcrichtcrstatlcr den Antrag Henrich zur Ab- stimniung im Plenum als noch nicht spruchreif erklärt und dem Anttag des Finanzausschusses »uzustimmen ersucht bat.
. Nach längerer Geschästsordnuiigsaussprachc ioird der »Ansschuß- antrag angenommen.
Der »Präsident stellt fest, daß damit die »Beratung dcS S ta atsv o ra n s chl a g s vollständig beendet ist.
Er folgt die »Beratung über das Finanzgcsctz für 1914
Nachoem »Abg. Molthan darüber kur; »Bericht erstattet hat wird das Gesetz gegen 5 sozialdemokratische Stimmen angenommen'
Danach werden noch »Anfragen aus dem haute beraten
»Aus die »Anfrage des Abg. Köhler und Gen., betr. die Erteilung von »Berechtigungen sür die »Abgangsprüsungen der hessischen Gewerbeschulen verliest
Ministerialrat h ö l z i n g e r eine Regierungserklärung.
Aus Antrag des »Abg. Köhler wird die Besprechung bis zur Drucklegung der Regicrungsaniwort vertagt.
Die Ansrage Dr. »W o l s -Gonsenheim, betr.-Erteilung vvn Wirlschastskonzessionen an juristische »Personen verliest Ministerial- ral b v l z i n g e r gleichsalls eine Regierungserklärung, deren Bc- ivrcchung aus »Antrag Tr. Wolfs ebenfalls bis zur Drucklegung vertagt ivird.
»Auch die Anfrage Korell- Ingelheim, betr. Bekämviniig des Heu- und SaucrwurmS durch Nikotin beantwortet Ministerialrat h ö l z i » g e r mit einer Erklärung, die ans der Tribüne unverständlich bleibt.
Abg. Korell Ingelheim beantragt sofortige Besprechung, und nachdem das Haus zngestimmt, ührt der /Antragsteller ans: Ter Maßnahme der Nikotinanwendnnq bei »Bekämvsung des .Heu nnd Sanerwurms wurde von den Winzern freudig zugestimmt. Tie Regierung verlangte mm aber, daß der »Winzer bei »Bestellung des Nikotins auch sofort Zahlung leisten muß, schon etwa ein halb Fahr vor ■ der Verwendung, wodurch deck Leuten ost eine große Schwierigkeit entsteht. Ein Winzer mußte nicht weniger als 1100 »Mart voransbczablen Für viele Winzer ist aber die Vorausbezahlung kaum möglich. In einer Anzahl Gemeinden haben nun diese die »Bürgschaft sür die kleinen Winzer übernommen, Ivas aber lange nicht überall geschieht und auch mitunter sein Mißliches hat. Tie Regierung sollte doch lnr die kommende Zeit den Winzern mehr entgegenkommcn und nicht gleich bei der Bestellung auch schon die Bezahlung verlangen.
Abg. v. »Brentano sindct im allgemeinen die Regierungs- antwort zutresscnd. Er gebe aber auch den Ausiühruiigen des Abg Korell-Jngrlheim durckaus recht, weil die sofortige Bor- ausbczahlniig unlersck ieblich sür arm und reich wirken inuß. Tenn der kleine Winzer kann nicht so zahlen, wie der reickxe. Redner bittet, zu criväqeit, in welcher Weise die Regierung den »Wünschen der kleinen Winzer cntgcgenkvmmcn wolle.
Riinißerialrat hölzinger: Ter Weg der Garantie durch die Gemeinden, den Abg. Korcll-Jngelheim erwähnt hat, scheint mir der praktischste zu sein. Tie »Vorsicht der Regierung erklärt sich daraus, Paß spätere Anforderungen aut große Tchwiersg, kcilen stoßen würden. Es seien übrigens schon Summen im Betrage von ca. 45 000 Mk. gestundet worden.
^ Abg. Schott (Natl.) regt an, der Landwirtschast in den Sommermonaten sür die notwendigen »Arbeiten in den Wein berge» Militär zur »Verfügung zu stellen: es fehle häufig an den nöllgen Arbeitskräsleii zur Turchiührung einer richtigen Bc- lämpsung.
Die Besprechung ist daniit erledigt und die Sitzung schließt danach um 1 Uhr.
Nächste Sitzung: Freitag früh 9 Uhr.
«8cri^)t»saal.
W. Leipzig, 26. März. »Vor dein zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts begann tientc vornttttag der Svionageprozeß gegen dei, Monteur Kurl Gärtner und den »Apothekcrgehilscii »Rotlimann, beide aus Berlin. Gärtner ist angeklagt, einer Firma für Heiznngsanlagen eine» Plan der Besestigungen Helgolands entwendet und dir Absicht gehabt zu haben, ihn zu Spionagczwelken zu vcr- iverten. Rothmann svll ihn hierbei unterstützt haben. Zur Verhandlung sind 11 Zeugen und ein Sachverständiger gc» lndeii. Die Scsfentlichkeit ist für die Dauer der Verhand- lniig ausgeschlossen. Gärtner ivurde ivegen Unterschlagung zu einein Fahr und 6 Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt: Rothmann erhielt ivegen »Äe- gnnstigung 6 Monate Gefängnis. Die 2lnklage wegen Vergehens gegen das Lpionagegcsctz ließ sich nicht aufrecht erhalten.
w. Frankfurt, 26. März. Vor dem Schwurgericht fand gestern und heule die Verhandlnug gegen den 47 Jahre alten »Lanlier Rudolf »Plaut, Mitinhaber der Franksnrtcr »Bonk- sirma Plaut, Heß n. Eo. wegen Konkursvcrgebens und Unter- sck'lagung von Kundendevots statt. Der »Angeklagte bcsindet sich seit 13. In»! 1918 in Untersuchnngshast. Ec hatte sich damals,, als das »Lonlgeick'äst Konkurs anmelden mußte, der Staatsamoalt id.air gestellt, n äbrens sich,scin Eomvagnon, der 62 Jahre aste Bankier Samuel Heß erschossen hatte. »Bes dcni Zusammenbruch betrug die Aktivmassc etwa 60 000 Mark, wozu noch 120000 Mark »Außenstände hinzukonwien, wahrend die Passiven sich aut i 050 000 Mark belaufe», sodaß die Gläubiger fünf bis sechs »Prozent erhalten werden. Seit Jahren iourden von Heß und »Plant falsche »Bilanzen ausgeslellt. UNI die Verluste zu verdecken, die sie bei eigeneli Svckulalionsgeschästen an der Börse erlitten batten. Das Urteil lautete aut zwei Jahre Gefängnis. Von der Unlcriuchungshast werden nenn Monate aus die Strafe angcrcchnet.
w. Luxemburg, »26. März. Die Verhandlung gegen Bischoi Koppes wurde heule vormittag zu Ende geführt. Das Urteil wird am 24. 2lpril gesprochn werden.
Luxemburg, 26. März. In Tickirch wurde eine 20sährige Hiliswärterin an der Irrenanstalt vvn Etlelbruck zu 200 Francs Eieldstrase verurteilt, weil sic aus Unnchtsanrkeil ein cvilevtischcs Mädchen i» einen, warmen Bad bat vcrbrlihcn lassen. Die »Wärterin batte die Kranke trotz ihrer Schreie unter »Wasser gehalten, da sie ihr Sträuben als »Verstellung auslcgte. Die Kranke war eine halbe Stunde später ihren Schmerzen erlegen.
kirchliche Nt»cl)richte»r«
Evangelische chemeiii-e.
2n der Lladtkirche.
Tgiiislag, de» 28. März, iiachmiltags 2 Uhr: Beichte.
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