Einzelbild herunterladen

Nr. «>

Drittes Blatt

(64. Jahrgang

Erscheint tigNch mH Ausnahme be* Sonntag*.

t'eSiebener jamilienblätter" werben bem

»Anzeiger* viermal wöchentlich be,gelegt, ba* Kreisblatt für den Kreis Sieben" jioennal wöchentlich. Tie ,,Xandw,rt,chaft>ichen Sett-

iragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefjen

Mittwoch, r». Mörz UI4

Rotationsdruck und Verlag der Vrubl'^err

Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» stratze 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^M US. Tel.-Adr.:AnzergerGreße^

»

Mb Deutscher Reichstag.

Sitzung. Dienstag, den 24. Jlär; 1914. Pratloent Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uyr.

Karze Anfragen.

Die Abgg. Mumm und Dr. Werner-Gießen (Dirtsch. Bgg.) tragen:

Welche Matznahmen sind vom Reichsversicherungsamt ge­troffen. um die Änstellungsbedingungen und Rechtsverhältnisse, sowie die Besoldung der Angestellten der Be- rufsgenossenscha.ten nach den Vorschriften der 88 690/705 der Reichsversicherungsordnung zu gestalten? In wieweit haben die BcrufLgenossenschaftcn diese Matznahmen! durchgeführt? Was soll geschehen, um alle Berufsgenossenschaf, ten zu einer angemessenen Besoldung ihrer Angestellten anzu­halten? Welches sind die leitenden Gedanken des RcichSver- sicherungsamls für die weitere Gestaltung dieser Rechtsverhält­nisse?

Ministerialdirektor Caspar: Daß RcichsversicherungSamt Hut über eine angemessen^. Regelung der Anstellungsbedingungen und Rechtsverhältnisse sonst» der Besoldung der Angestellten der Be­rufsgenossenschaften im Oktober vorigen Jahres eine M u st e r - d i e n ft o r d n '.l n g erlassen. In ihrem Geschäftsbericht von 1913 haben sich diese übe. den Erfolg der Maßnahmen geäußert. Es ist dafür gesorgt worden, daß der Wille des Gesetzgebers in aus- reichender Weise zur Geltung kommt.

Abg. Basiermann (Natl.) fragt:

Anfang Januar dieses Jahres ist in Perm der deutsche Reichsangehörige Hans Rudolf Berliner bei einer Dallonlandung von den russischen Behörden verhaftet wor­den und wird seitdem wegen Spionageverdachts fcstgehalten; ist der Reichskanzler bereit, mrtzuteilcn. welche Schritte im Interesse des Genannten von der deutschen Regierung unter­nommen worden sind?

Geheimrat Kriege: Am 7. Februar sind die deutschen Reichs- angehorigen Berliner, Hasse und Nicolai in einem Freiballon m Bitterfeld ausgeslogen und am 11. Februar im russischen Gou­vernement Perm niedergegangen. Die Herren wurden dann nach Perm gebracht und werden dort unter polizeilicher Bewachung festgehalten, weil gegen sie wegen Spionagcverdachts eine ge­richtliche Untersuchung schlvcbt. Das Ueberslicgcn der russischen Westgrcnze ist. sofern nicht besondere Erlaubnis erteilt wird, verboten. Dieses Verbot ist von der russischen Regierung amtlich mitgeteilt und zur Kenntnis der deutschen Luftschiff- fahrer gebracht. Ans Veranlassung des Auswärtigen Amtes hat sich die deutsche Botsctxift ln Petersburg um baldige Freilassung verwendet, aber die Antwort erhalten, dah zunächst das Ergebnis der eingeleiteten Untersuchung abgewartet werden müssen. Die deutsche Botschaft ist darauf angewiesen worden, die möglichste Beschleunigung des Verfahrens zu betreiben. Nach einem soeben uns zugcgangcncn Telegramm wird die Untersuchung vor­aussichtlich in den nächsten Tagen ihren Ab- I ch l u tz finden.

Die Abgg. Dr. Frank unk Scheidemnnn (Soz.) fragen:

Da in dem Gesetzentwurf vom 25. Februar 1914, be­treffend Acndcrung der Gewerbeordiiung. für einen Teil thea­tralischer Vorstellungen neue Bestimmungen vorgeschlagen worden, ist die Befürchtung laut geworden, daß die zugesagtc Regelung des ganzen Thcatcrwesens noch aus lange Zeit hinaus- gcschoben sei. Ist der Reichskanzler bereit, Auskunft darüber zugcben. ob noch in diesem Jahre der Entwurf eines Reichs- tlicatergcfetzcs dem Reichstage vorgclegt werden wird? Ministerialdirektor Caspar: Tie Vorbereitungen für die ge­setzliche Regelung des' Theatcrwejcns sind so weit vorgeschritten, daß dem BundeSrat in nächster Zeit der Entwurf vorgelegt werden kann. Es wird von den Verhandlungen im BundeSrat abhängen, wann der Entwurf an den Reichstag gelangt.

Abg. Dr. Jnnck (Natl.) fragt:

Es ist die Meinung geäußert worden, daß die Erhebung des Wcbibeitrags von Ausländern nach bestehen­den Staat-Verträgen des Deutschen Reicl-cS unzulässig sei; welche Stellung nimmt oer Reichskanzler hierzu eiil.

llntcrjtaatSsckretär Jahn: Die Erhebung des Wehrbeitrages sicht nach Ansicht der Rcichsleitung nicht ,n Widerspruch mit den bestehenden Staatsverträgen des Deutschen Reiches. Der Webr- beitrag ist keine Abgabe, die zu Kriegszwecken oder ; n bcr Form autzergewöhrrlicher Bestimmungen auferlcgt wird. Die Bezeichnung ..außerordentlicher Wchrbeitrag" besagt sachlich inichts anderes, als eine nachdrückliche Betonung der Einmaligkeit viescr Abgabe vom Vermögen und Einkommen. Die Kennzeich­nung des W.'hrveitrags als eine außerordentliche Finanzmaß- »nahmc bezieht sich somit keineswegs aus den Verioendungszweck, sondern beruht lediglich auf finanzpolitische Er­wägungen. bei denen die Abgrenzung der Finanzhoheit dek Reiches und der Bundesstaaten im Vordergrund steht. Aus den Wehrbcitrag ist auch die Besitzsteuer derart aufgcbaut. daß der Wchrbeitrag sich gewrsscrmatzen als die erstmals in b e s o n- derer Form zur Erhebung gelangende Besitz- st e u e r darstellt.

Abg. Baffermann (nl.) fragt:

Ist die Zeitungsnachricht richtig, daß das kaiserliche Kon­sulat in Aden durch die englische Firma Aden Coal Co. ver­waltet und nach außen durch einen Deutschen, der Clerk dieser Firma ist. repräsentiert wird? Gedenkt der Reichskanzler in Rücksicht aus die W ch'gleit der dortigen deutschen Interessen die Einsetzung eines Berufs nfuls in Aussicht zu nehmen.

Gebcimer Legationörat Dr. Matlhie«: Die Geschäfte des

Konsulats m Aden werden augenblicklich von einem Deutschen, na nx ns Vogel ja na wab, genommen Er ist ein Angestellter der Firma Aden C^al Co. Diese Firma hat aber auf die Ge- schäfte des Konsulats leinen Einfluß wie Konsulate über­haupt nicht Firmen, sondern nur Personen libcrtragen werden können Die Schwierigkeiten, ein selbstänorges Berusskonsulat ,n Aden zu errichten. liegen darin, daß unsere Interessen in Aden noch zu unbedeutend sind, um für ein eigenes Konsulat genügend Beschäftigung zu geben.

Cs folgt die zurückgestellte A b st i m m u n g über die P e tit'on der Bäcker Innungen ..Germania', die über den Terrorismus der Arbeiterschaft Beschwerde führen.

Dre Kommission beantragt Uebergang zur T a g c S o r d - n u n g. Ein Antrag I r l (Ztr.) verlangt Ueberweisung als M a

Km Hammelsprung wird die Petition mit 150 gegen 32 Stimmen durch Uebergang zur Tagesordnung

f C Kur Uebergang zur Tagesordnung stimmten die Sozial- semokraten, die Fortschrittliche Volksvartei. die Mehrheit der NationaNlberalen und ein TeU des Zentrums.

Der Gesetzentwurf betreffend die B e r l e g n n g d e r deutsch-russischen LaudeSgrenze vom Memelstrom bis zum Pifjelflutz wird in dritter Lesung angenommen.

Einige Rechnungssachen werden erledigt.

Der Nachtragsetat für die Schutzgebiete (Bahnbauten in Südwcstafrika und Erwerb der Anteilscheine der Diamantenregie) wird in dritter Lesung ohne Aussprache bewilligt.

Der Eistl für bas S^uhgrbiel ftisuffdjirc.

Die Kommission verlangt im nächsten Etat einen nei'en Titel zur Verbreitung der dcuts che n Sprache und Förderung von Privatschulen für chinesische Schüler.

Abg. Racken (Zentr):

Die Entwicklung in unserem ostastatischen Schutzgebiet ist er­freulich. Die politischen Verhältnisic gestatten aber eine Zurück- ziehung des Marinedctachements noch nicht. Die deutsch-chinesische Hochschule mutz ausgebaut werden. Es ist ein großes Verdienst der Marinevcrwaltung. daß sie dieses Schutzgebiet so gefördert hat, daß cs zu einem wichtigen Stützpunkt deutscher Wirtschastsinter- essen in China geworden ist.

Staatssekretär v. Tirpitz:

Die Verhandlungen der Budgctkommisston haben bewiesen, oatz die Erkenntnis für die Bedeutung dieser eigenartigen Kolonie gewachsen ist. Wir sind vorsichtig vorgegangen und haben uns den dortigen Verhältnissen möglichst angepaßt. Zäh lzabcn wir an den Chancen fcstgehalten, die sich boten. Es ist stets in ge­sunder Entwicklung vorwärts gegangen. Tsingtau, der nördlichste issreie Hafen, bleibt ständig dem Verkehr offen. Der Gesamthandel l)at sich von 1901 bis 1911 verzehnfacht, er ist nämlich von 9 Mil- l|pueu Dollar auf 90 Mlll. Dollar gestiegen. Den kulturellen Aufgaben suchen wir nach Möglichkeit gerecht zu werden. Tie Hochschule ist in ständigem Wachsen begriffen. Tie Zeit arbeitet Nicht allein. Wir müssen die Gelegenheit beim Schopfe fassen.

Abg. Tr. Pnafche (Natl.):

Wir haben alle Ursache, uns dankbar zu zeigen für daß, wa? in China erreicht ist. Wir hoffen, daß immer mehr das erreicht wird, rvas wir wünschen: ein deutsches Kulturzentrum in Ostasien. Wir erwarten, daß wir aus Tsingtau bei dem reichen Hinterland und bei der deutschen Energie und Gründlich­keit einen Hafen machen können, der Hongkong gleichkommt. Wir sind auf dem besten Wege, für die deutsche Vollswirtschaft einen wichtigen Stützpunkt zu schassen. Leider ist das deutsche Kapital immer noch zu zurückhaltend. Mit Hilfe des .Hafens Tsingtau kann das deutsche Kapital in das ostasiatische Schutzgebiet ge­leitet werden.

Der Etat ist damit erledigt. Die Resolution wird angenommen.

Präsident Dr. Kaempf schlägt vor, die nächste Sitzung ab­zuhalten, Donnerstag, 2 Uhr, mit folgender Tagesordnung: Etats- notgesetz, Wahlprüfungen (Wahl des Abg. Hoesch (Kons.), Duell­antrag.

Abg. Graf Westarp (Kons.) beantragt, erst beit Duellantrag und dann die Wahl- prüsungen zu behandeln. (Rufe links: Aha!)

Abg. Ledebour (Soz.):

Wenn wir den Duellantrag zunächst behandeln, so kommen die Wahlprüsung-'n auf den Freitag. Da Sie nun zur Wahl Hoesch namentliche Abstimmung beantragen wollen, so könnte das Haus wegen Beschlußunfäh iafcit auffliegen. Ich behaupte nicht, daß Sie diese Absicht haben, aber Ihnen fehlt der geschäfUiche Ueberblick. (Heiterkeit.)

Abg. Gras Westarp (Kons.):'

Der Duellantrag wird nicht einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Das könnte Herr Ledebour mit seinem großen geschäft­lichen Ueberblick wohl wissen.

Abg. Ledebour (Soz.):

Wozu dann die Umstellung?

Im Hammelsprung wird der Antrag Westarp mit 122 gegen 101 Stimmen abgelehnr. Es bleibt beim Vorschläge des Präsidenten.

Schluß 3^ Uhr

hessische-Zweite Kammer.

rb. 'S a r m ft ei b t , 24. März. Am Regierungs tische: Staatsminister Tr. v, E w a l_b , Fi­nanz minister Tr. Braun, Minister v, Hombergk, Staats- rat Süffcrt, Ministerialräte 1 zi n ger , Tr, Slu(, Tr, Weber,

Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um IO 1 , Uhr Das Hans setzt die

Beratung des Staatsvoranichlags

des Kap, 39, .Höhere Bürgerschulen, fort. Es liegen hier­zu zivei Anträge vor, Abg. Mergelt inall,s beantragt:Pom Rechnungsjahr 1914 ab auch den höheren Bürgerschulen in Beer» seiden, Gros' Umstadt, Reichelsheim i, O,, Rimbach, Rüsselsheim. Hungen, Sprendlingen Rbeinhessen) und Wöllstein, die zurzeit keinerlei Staatsziischuß geniesten, die nach dem neuen Gesetz über die höheren Schulen zulässige -Staatshilfe zu gewähren. Als Ans gangspnnkt für die Berechnung der persönlichen Kosten einer Schule dienen hierbei in allan Fällen die Schulgeldsatze der staatlichen Anstalten,"

'Abg. Henrich >i, Bv beantragt, die Zuschüsse zu den Kosten der böberen Mädchenschulen auch sür das Boranichlagsjabr 1914 zu bewilligen,

Abg. Mollhan ffitr.'i beantragt namens des Finanzaus schul,es einstimmia die Annahme beider Anträge,

Abg, Mergel! inall.> begründet seinen Antrag und weist dabei aus die grasten Lasten lstn, die den genannten Kommunen durch die alleinige Bestreiiung ihrer Schulkosten erwachsen,

Slaalsral S ü i t e r I legt kurz den Standpunkt der Regierung zu den beiden Anträgen dar und ersuch» das Haus, detu Antrag Henrich zuznstimmen, den Antrag Mergelt dagegen abzulehnen, Tie Regierung werde auch ohne deit Antrag den bednrsiigen Ge­meinden wohlwollend enlgegenkommen,

Abg, M o l I h a n Ft, > entgegnet, es handle sich bei dem An­trag Mergelt nur um die Summe von 9500 Mk,, er könnten also wohl iinansielle Gründe dagegen nicht gellend gemacht wer­den, Er bleibe bei dem Antrag aus Zustimmung,

Bei der Abstinmiung wird dar Kapitell Ausgabe 150 761, Mk, einstimmig angenommen, desgleichen die beiden Anträge,

Kap. 40, Lehrer-Seminare, päbagog,scher Kursus und Präva randenanstailrn, Ausgabe 993 691 Mk, wird ohne Aussprache be willigt, nachdem aus Vorschlag des Ausschusses beichloffen worden ist, den bierzu vorliegenden Antrag des Abg. Henrich besonders zu behandeln.

Tie Beratung wird dann bei Kap, 53, Äerztticher Dienst und Impfwesen, Einnahme 67 300 Mk., Ausgabe 305107 Ml , -orl- gösetzi, Abg, Foutz swili» regt die Errichtung eines Lehrstuhls sür Homoooatdie a» der Landesuniversstüt Gießen an,

Abg, Dr. Walt- Gonsenherm ss, Bp.) weist aut seinen vor- lohrtgen Antrag in betreff der Hebung des 5?eba«»nenweiens hin Schon 1911 habe der Staatssekretär im Reichstag erklärt, bast diesbezügliche Mastnahmen io» Gange seien undine Sache mar schiert". Man habe aber bisher noch nichts von diesemMar- schreren" bemerkt und deshalb ersuche Oc die Grosth Regierung, angesichts unserer im allgemrinen musterhatten Hebammeupstege in Hessen im Surne seines Antra», selbständig vorzugeben,

Tas Kapitel wird daraus bewilligt.

Bei Kapitel 56, Landes-Hell mit, PslegeanstallPhilipps- Hospital" bei Goddelau beklagt Abg, Sen st selber iBdd,,, daß es schwer sei, das entsprechende Wärierperional zu beschaffen, nas in erster Linie an der schlechten Bezablung und den ungün ftjgen Tienstperhälmissen liege. Tie daraus bezügliche Eingabe der Wärter habe der Ausschust sür sa bedeutungsvoll gelullten, daß er in eine gesonderte Beratung mit der Regierung darüber eriiliat.

Abg Raab (Soz,) tritt sür die Besserstellung der Zrrrn ,parier ein und stellt den Antrag, die Borstellung der Zrrenwärter der Regierung zur wohlwollenden Berükliichtigung zu über­weisen,

Abg. <Tr, L sa n n natl.l macht nähere Mitteilungen über die diesbezüglichen Verhandlungen des Mnanzausschusses, der eine bessere Regelung der Verhältnisse der Jrrenivürter ffir dringend notwendig hält. Tie Regierung l>abe aus Ersuchen des Aus­schusses eine Antwort erteilt, mit der sich der Ausschuß dem nächst aussührlicher beichästigen werde.

Nachdem Ministerialrat H ö l z i n g e r die vom ^ Vorredner angeoeutele Absicht, in besonderer Beratung eine Neuregelung der Verhältnisse herbeizusühren, bestätigt hat, Ivrrd das Kapitel und der Antrag Ra'ab angenommen,

Kap, 57, Landes^Heil und Pslegemistalt _6ci Heppenheim, wird ohne Debatte genehmigt. Bei Kapitel 57», Landes-Heit und Pslegeanftalt bei ?l l z e n tritt Abg, Raab ebenfalls sür die Ersüllung der Wünsche in der Eingabe der Zrrenwärter an den staatliäten Zrrenanstallen ein, Kap, 57k Landes-tzeil- und Pslegeanstall bei Gieße n und die solgenden Kapitel bis 59 wer­den debattelos genehmigt.

Beim Kap, 60, Abwehr und »nterdrüilung von Wehseuclren tritt Abg Dr, Weber Bbd, sür die 'WiederhersteNung de>, vom dlusschust beantragten Striches eines Zuschusses von 3000 Mark zu einer vom Kreis.'ingen zu leistenden Abiiirdungs- iumme an eine Maschinensabrik ein,

Ministerialrat H ö l z i n g e r spricht sich gleichfalls sür die Bewilligung der 3000 Mark aus,

Abg, Hauch rBbd meint, die Verordnung über das äntl liche Vermögen stehe nur aut dem Papier, wAl von den Ge meinden niemals Anträge zur Ausführung gestellt wurden. Das Kapitel wird daraus angenommen, ebenso der Antrag Dr, Weber aut Bewilligung der 3000 Mark sür Büdingen,

Kap, 61, Skerbeguartale, wird ohne Debatte angenommen. Bei Kap, 62, Jnvalidenversorgung führt

Abg, Busold (Soz.) Beschwerde darüber, daß die hessischen Veteranen ungünstiger behandelt würden als die benach barten in Preußen, Tie Regierung sollte mit allen Kräfte dafür sorgen, daß die Hessen mit demselben Wohlluollen bebandeli würden, Ministerialrat H ä l j i n g e r bestreitet die unterschiedliche Be­handlung der preußischen und hessischen Veteranen,

Zn Kapitel 63, Armenpflege, ersucht 7lbg Hauch um Annahme seines Antrages, die Ausgabe von 117 000 Mark aus 137 000 Mark zu erhöhen und dem Heilstätienverern sür seine ge meinnützigen Bestrebungen einen Zuschuß van 20 000 Mark zu gewähren,

Tie Abg, Molthan (Ztr.) und Dr, Osann (Nil.) er klären, daß sie bei aller Anerkennung der Verdienste des Heil- stättenvererns däch nicht sa ahne weiteres dem Antrag ,i)guch zustimmen könnten,

Minister v, Hombergkt Tie Regierung hat sich schon im Ausschuß gegen den Antrag ausgesprochen, weil eine solche An sorderung doch einer genauen Prüfung bedürfte. Ter Heilstätten verein hat die Kosten seiner schönen Erfolge bisher ganz aus frei- willigen Liebesbeitrügen bestritten und ist selbst noch nicht mit einem Gesuch um Beihilfe an uns herangetreten.

Das Kapitel wird daraus angenommen, der Antrag Hauch abgelehnt,

Kapitel 64, S ta a t s u n t e r st ü tz II n g s ka s s e, wirb ange nommen. Bei Kapitel 65, Fonds sür öffentliche und gemeinnützige Zwecke, bemerkt Minister v, Hombergk, die Regierung habe sich grundsätzlich bereit erklärt, über eine anderiveitige Tsestsetzung über die Bestimmung der Mittel dieses Fonds in Verhandlungen einzutreten. Mit dem weiter gehenden Antrag des Ausschusses könne sie sich jedoch nicht einverstanden erklären. Die Ausorde- rungen, die an den Fonds gestellt würden, sind im Wachsen de griffen, aber der Zinsfuß sei gesalleu und der Geldwert sinke. Deshalb müsse auch der Staat an den wachsenden Ernnabmen des Fonds beteiligt bleiben,

Abg, Henrich (f. Pp.) tritt für die Annahme des Ausschust antrages eiu und weist auf den mit Abg, Dr, Osann zusammen gestellten Antrag hi», den Provinzialfiechenanstaltcn in Starken bürg den gleichen Betrag aus diesem Fonds zur Verfügung zu stellen, wie den Anstalten in Rheinhesien und Oberhesien,

Abg, Tr, Weber schlügt vor, die Regelung der Frage bis zum nächsten Voranschlag zu iKrtageu,

Tas Kapitel wird darnach angeiiAunien, ebenso der Ausschuß aulrag, die Regierung zu ersuchen, ans den Einnahmen dieses Fonds Mindestens den Betrag von 40 000 Mark den gest-tz>,eb,trde>r Faktoren sür die Staatseinnahmen ',»r Bersügung zu stellen. Beim »ap, 67, Reichsversicherung, har Abg, Leun den An­trag eingebrocht, die geforderten Mehrkosten sür das Oberverstcke- rungsamt io lange abzulehnen, bis in jeder Provinzialdauvlstadt ein Oberversicherungsainl oder mindestens in Gießen und Mainz je eine besondere Spruchkammer errichtet wird,

Abg. Raab (Soz.) führt Klage darüber, daß nicht langst eine andere Regelung im Knopps,baiismeien eingelrelen sei, die nach der Reichsversichernngsordnung erwartet »mrde. Weiter bedauert Redner d,e Verarbeitung von Bleiweistiarben durch Insassen der .Heilanstalten,

Abg, Fenchel <Bbd.) erklärt, daß der Antrag Leun zurück­gezogen tuerde,

Abg. Damm (s. Pp.) bittet, den Antrag Leun und den event. Antrag Raab abzutel»nen.

Ministerialrat Schliephake Aus die Vorwürfe des Abg Raab in Betreff des Oberversicherungsamts kann ich nicht näher eingehen, denn die vorgebrachten Fälle unterstehen dem Reichsver sicherungsaml, nicht der hessischen Regierung, Dadurch, daß nur ein Oberversicherungsamt besteht, treten Pertögerungen in der Er ledignng der Geschälte nicht ein. Die Schaltung von Oberversicku- rungsämtern in jeder der drei Provinzen Ivuede s. Z, von beiden Kammern abgelehnt. Durch die Errichtung von Spruchkammern i» Mainz, Gieße» und Darmstadt ist den, Bedürfnis vollkommen Genüge geschehen,

Abg Henrich (s. Pp,, biner namens des Ausschusses, die hierzu gestellten Anträge abzulehnen,

Oöach iveiteren Ausffihrungen der Abgg, Raab und Fen chel wird der Ausschußantrag angenommen, das Kapitel zu be willigen, der ähnlich, wie der Antrag Fenchel lautend-' Antrag Raab wird abgelehnt.

Beim Kapitel 68, Arbeiterkotonie und Arbeiksnochn^is, gehl Minister v, Hombergk aus die Stellung der Regierung zur Arbeitslosenversicherung näher ein: Das Problem der Arln-slsloieirveisicheruiig ,st ich»,, lange der Gegenstand ernstester Auinrerksamkeil und bee ge­nauem«, Studiums der Regierung, Es hieße, kein Herz in der Brust haben, wollte man sich dem durch imverschickdi-te Arbeite tougfert bervorgerusenen Elend verschließen. Die notwendigste und erfolgreichste Arbeitstasensüriorge bestebt liouprsächlich in der schas- ing von Arbeitsgelegenheit, Es fehlt nicht an Vorschlägen und