IlL 62
Sechster Matt
M. Jahrgang
Erscheint Agti# mit SuSna^m« der 6«mt«gi.
Die „Mtfctntt KtmttienbläUet" werden dem
.Anzeiger" «iermerl wöchenttich beigeteot, dar „Xrcisbbrtt fit den Ktris Siehe," zweimal «vöcheuUich. Di- .^«ndwirtlchaftlichen Seit, tragen" erscheinen monatlich zwennat.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesjen
Samstag. 14. März 1914
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redakliast, Expedition und Druckerei: Schulstrabe 7. Expedition und Perlag: e=*i» 51. Redaktion: euSlI2.Tel.-Adr.:Anze>gcrG>eben»
Der vefnch der Hochschulen im Deutschen Reich von s8hy bis f^ll.
Die kürzlich vcröfscntlichtc Statistik über den Besuch der deutscheil Iluiversitätcil findet eine wichtige Ergänzung in einem lieberblick, den Lest 2:56 der „Preußischen Statistik" über den Besuch aller Hochschulen im Reiche gewährt. Werden die Besucher der Universitäten, der Technischen .Hochschulen, der Forstakadenricn, der Bergakademien, der Tierärztlichen und der Landwirtschaftlichen Hochschulen im Deutschen Reich zusammcugesaßt und zu der jeweiligen männlichen Bevölkerung in Beziehung gebracht, so ergibt sich folgende Zusammenstellung:
Am JahrcZ- schluffe
j Studierende
Männliche
Bevölkerung
Studierende aus 1 Million der männl. Bevölkerung
1869 ....
19 965 000
883
1872 ....
20 418
20 360 000
1003
1875 ....
2 » 986 000
1108
1880 ....
26 032
22 185 000
1173
1*85 ....
31 755
22 933 000
1385
1888 ....
34 118
23 712 000
1439
1891 ....
33 992
24 50 4 000
1 387
1896 ....
40 286
25 661 000
1570
1899 ....
46 554
27 731 000
1679
1902 ....
52 538
28100 000
1850
905 ... .
57 375
29 884 681
1920
1908 ....
62 599
31 050H00
2 015
1911 ....
70 280
32 460 000
2165
der ganzen Zeit zeigt sich eine stetige, nur 1891 durch ein geringes Zurückgchen unterbrochene Zunahme der Stn- dicrendcn, so daß deren Zahl 1911 viermal so groß war wie 1869. Die Zunahme ist viel zu bedeutend, als daß sic sich durch den Bevölkerungszuwachs erklären ließe: ist doch die Anteilszisser der Studierenden an einer Million der männlichen Bevölkerung von 888 auf 2165 gestiegen.
Allein in den letzten zehn Jahren, von 1901 bis 1911, ist der Bestand von 50 709 aus 70 280 Studierende angcwachsen. An diesem Mehr hatten die einzelnen Gruppen der Hochschulen ganz verschiedenen Anteil; es besuchten Studierende
am Schlüsse des Jahres
die
1901
1911
über
haupt
vonr
Tausend
über
haupt
i vom Tausend
22 Universitäten . . .
34 502
880
54 999
783
11 Technischen Hochschulen ......
13 786
252
11 378
162
5 Foritakademien . . 3 Bergakademien . .
241
5 1
338
5
901
18
791
ii
5 Tierärztl. Hochschulc»
1 315
27
1 328
19
4 Landwirtschaftliche» Hochschiüe» ....
934
18
1446
20
Zusammen
50 709
1000
70 280
1600
Besonders groß lvar die Zunahme des Univcrsitäts- besuches, der bereits 1901 säst sieben Zehntel des gesamten .Hoäg'chulbesuches uniiaßlc. Die entgegengesetzte Entwicklung zeigte sich bei den Technischen .Hochschulen. Nur die beiden ersten Jahre des Jahrzehnts fielen noch in die Zeit des starken
.^rnucti-Ntttt-sclicitt.
Die höhere Tochter in der Kleinstadt,
Bon Tr. Gertrud Säumer.
Eiue Bildungsnot von allergrößter Tragweite legt eine Untersuchung dar, die der Preußische Zentralvcrband sür die Interessen der höheren Frauenbildnng jetzt der Oesfentlichkcit ükwrgibt: Tie Lage der höheren Mädchciibtlhitiig ln den kleineren Städten und großen Landgcnieiirdeu Preußens. (Verlag von Moser, Berlin.) An die Magistrate und Gctneindevorstehcr sämtlicher preußischer Städte und Landgemeinden über 1000 Einwohner, die kein anerkanntes Lyzeum haben, sind Fragebogen verschickt, um die Beschaiicnhcit der vorbandenen höheren Mädchenschulen sestzustellen. Ta ca. 90 Proz. der Lcsragte» geantwortet haben, ist cs möglich gewesen, ein annähernd vollständiges Bild zu gclvinnen. Tic Fürsorge sür die böberc Mädchenbildiing in den Kleinstädten ist außerordentlich lückenhaft »nd unzulänglich. Tas liegt zum kleineren Teil an Gleichgültigkeit und Unkenntnis, zum überragend größeren an der mangelnden Finanzkrait der Städte, selbst eine ziemlich große Zahl (28) von Gemeinden über 20 000 Einwohner sind nicht in der Lage, ein vollwertiges Lyzeum sür Mädchen zu schassen, wenn sie auch sür höhere Knabenschulen zu iorgcn vermochten. Wie weit die Fürsorge iür die Mädckzen. liinter der sür die Knaben zurückstcht, zeigt die Tatsache, daß in 112 Gemeinden, die ohne Lyzeum sür Mädchen sind, sogar Bollanstalten, also bis zum Abiturium führend, sür die Knaben vorhanden sind, in weiteren ca. 100 Ge- nicinden gibt cs wenigstens Realschulen und Progymnasien sür Knaben. Viele Tausende von Mädchen, Töchter von Beamten. Geistlichen, Lehrern. Aerzten und Gciverbetreibenden der Klein städte, einer Mittclstandsschicht, die in besonderen Maße daiür sorgen Muß, ihre Töchter erwerbsfähig zu machen, sind von dem wichligsten Zugang zu den in Betracht kommenden Berufen, den Berechtigungen des LyzcunlS, ausgeschloiic». Tiefe Tatiachc ist um so bedeutender, als die vorhandenen höheren Mädchenschulen der Kleinstädte zum großen Teil Rotbehelic unzulänglichster Art sind. Tic vorliegende ilntcriuchung berichtet dcninach ans vielen Orten von den leblyiftcslcn Klagen über die Bildungsnot der Töckncr die ser Schichte». „Beamte streben fort wegen der Schulverhältnissc", , Beamte beaniragcir mit Erfolg ihre Versetzung mil Hinweis aut die ungenügenden Schulverhältnissc", ,,b Richter, 1 Acrztc, 1 Rechtsanwälte. Apotheker, Baumeister, 2 Oberlehrer, Laitdrat, 'Poßdirektor haben keine schulvilichtigen Töchter". „Tie c-tadl geht jährlich zurück wegen Abwanderung von Osten nach Westen".
Ebenso oft wird betont, daß das Richtvorhaudcnsein genügender BildungSgelcgcnhcitcn iür die Mädchen einen Verzicht aut jede weitere Ausbildung mit sich bringt. „Eine größere 'Anzahl miiv verzichten, weil die Eltern sich nicht trenncil ivollen und loeil die Sache so teuer ist". „Ta heutzutage ein Kind 1000 Mk. kostet, so können cs sich mir reiche Leute erlauben, ihre Kinder nach aus- wäits zu geben " -Bon einer Stadt ivird auch berichtet, daß die Mädchen Schwierigkeiten haben, in auswärtige Lyzeen anigcnom men zu werden, die von Einheimischen voll besetzt sind Eiiic andere Stadt teilt mit, daß die Schwierigkeiten dce täglichen Etsen- bahniahrlen die größere Zahl der Mädchen vctanlasie», au, »veitc- rcn Schulbesuch zu verzichten. . _ . .
Alle diese Aeußerungeu bewcr,«it klar, daß eine ausrcrchcnde Fürsorge sür die höhere MäLchenbildung von größter, allgemeiner, sozialer Bedeutung sein lnürde. «ie könnte den Zug Vau der Kleinstadt in dre Großstadt eindämmen, und sie *it ein wichtiges Glied
Andranges zu den technischen Studien: im Winter 1902/03 wurde die .Hüchstzahl mit 13151 Studierenden, das ist un- gcfähr ein Viertel aller damaligen Hochschülcr, erreicht. Seitdem hat der Besuch trotz der Errichtung von zwei nencu Tech nischen Hochschulen jährlich abgcnommcn bis auf ll 315 Studierende im Winter 1908 09. Die Schwankungen der letzten Jahre waren unbedeutend, behalten aber i»i ganzen eine leichte Richtung nach unten. Die landwirtschaftlichen Hochschulen halten einen verhältnisniäßig bedeutenden Zuwachs der Besucherzahl. Der Höhepuilkt war aber am Schlüsse des Jahres 1911 bereits überschritten; ein Jahr vorher wurden 1617 Studierende gezählt. Den gesamten Umfang des landwirtschaftlichen Studiums geben die hier angeführten Zahlen nicht wieder, da ein großer Teil der studierenden Landwirte aus die Universitäten und die mit ihnen verbundenen landwirtschaftlichen Institute entfällt. Der Besuch der Tierärztlichen Hochschulen sowie der Bergakademien war wenig einheitlich. Jener hatte in den zehn Jahren keine nennenswerte Einbuße erlitten; dieser ist um 12 Prozent zurückgegangen, was mit der Ucbcrfüllung des Faches zusammenhängt. Die Forstakademicn mit den kleinsten Bcsuchszisfcrn gewannen 40 Prozent,
2. Sitzung Grotzhcrzoglicher Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Aisselo und Lanterbach.
Protokoll-Auszug.
Gießen, den 25. Februar 1911.
Anwesend sind die Herren: Geheimer Kominerzienrat Heichelheim als Vorsitzender, Kommerzienrat Istrünewald als 2. stcll- vcttr. Vorsitzender, Friedberger,. Kommerzienrat Loos, Jhring. Roll. Nowack, Ramipcck, Röhr, Rühl, Zurbuch, der Syndikus und der wffieiffchcfftlichc Hilfsarbeiter.
1. Vertretung voir Jirdustric und Handel in den P a rl aINc ntcn.
Angesichts der durchaus ungenügenden Zahl von Vertretern des Handels und der Industrie in den gesctzgebtMden Körperschaften des Reichs und der Bundesstaaten wie auch angesichts des mangelnden Entgegenkommens. welches Handel und Industrie in der: letzten Jahren, besonders im Reichstage, gefunden haben, sind die amtlichen Handelsvertretungen, an ihrer Spitze der Deutsche Handelstag, jetzt ernstlich bemüht, Mittel und Wege ausfindig zu nrachcn, durch Ivclche diesen Erwerbszwcigcn eine ihrer hohen Bedeutung im Gesanitwirtschastslebcn entsprechende Vertretung ihrer Interessen in den Parlamenten gesichert wird. Beschäftigten sich die bisher in dieser Richtung unternommenen Schritte vornehmlich mit der Frage einer ausreichenden Vertretung von Handel und Industrie in den Ersten Kammern, so sind jüngst von der Handelskammer tu Düsseldorf in einer Tenkschrist die folgenden Vorschläge gemacht worden, durch welche eine zweckmäßigere und wirksamere Behandlung aller Handel und Industrie betreffenden Fragen im Reichstage gewährleistet werden soll:
1. Tie Industriellen müssen in den Parteien, dcrren sie an- qchören, ihre Interessen entschiedener vertreten, als das jetzt geschieht.
2. Gründliche Unterrichtung der 'Abgeordneten bei Sachverständigen, bevor sic Initiativanträge stellen, die das Gewerbe angchen.
3. Tic Regierung soll vor Erlaß »an Gesetzentwürfen die Industrie- und Handelsvertretungen hören.
1. Ten parlamentarischen Kmnmissionen sind die zu den Gesetzentwürfen cingcgangcneir Aeußerungeu aus Interessentenkreisen übersichtlich und systematisch zusammengesrcllt vorzulegcn. Vorbilder für solche Uebersichten sind die Zusammenstellungen der Handelskammergulachten, die die Geschäftsstelle des Deutschen Handelstages in der Zeitschrist „Handel und Gewerbe" regelmäßig veröffentlicht.
in der Kette der Maßnahmen, die den gebildeten Volksschichten die Erziehung zahlreicher Kinder erleichtern sollen.
In 190 von 277 Gemeinden waren die Mädchen zu auswärtigem Schulbesuch genötigt, d. h. entweder zu täglichen Bahnfahrten oder zum Pensionsleben fern vom Elternhaus. Trotzdem die von den Gemeinden geschaiiencn Schulcinrichtungcn hinter dem Notwendigen so »veil Zurückbleiben, kosten sic oft ber dem relativ geringen Besuch sehr hohe Zuschüsse und sehr hohes Schulgeld. Auch die Privatschnlcn (von 311 sind 113 Privatschulcn) brauchen durchweg Gemeinde, oder Staalszuschüssc.
Als Mittel, diese Verhältnisse zu bessern, kommen in erster Linie Staalszuschüssc in Betracht. Tcr preußische Staat, der so viele Millionen für die Jugendpflege ausgibt, könnte sicher auch noch wehr Mittel in den Etat des höheren Mädcheiffchtilwkicns für diese 'Zwecke cinstcllen.
Ein anderer Weg wäre der gemeinsame Unterricht. Er ist schon jetzt in der Mittelschule möglich, und die Erhebung des Zen - iralocibandes weist 77 gemeinsame Mittelschulen sür Knaben und Mädchen nach, die sich in Ucbcreinstimmung mit den Bestimmungen z. T. zu höheren Schulen bis Obertertia infl. ausbancu. 'Aber da die meisten in Betracht kommenden Orte für die Knaben höhere Anstalten als Mittelschulen einzurichten genötigt sind: Völlan- staltcn oder Realschulen, und da in diese höheren Lehranstalten Mädchen bis jetzt nicht auigenomnien werden können, so ist in seiner gcgcnwärtigeit Äusdehnung der gemeinsame Unterricht keine sehr weittragende Aushilfe. Es ist daher dringend zu wünschen, daß die Möglichkeit gemeinsamen Unterrichts mindestens zunächst aut Realschulen und höhere Lehranstalten der kleinen Städte aus- gedehnt wird. Tamit loärc in cttva zivci Dritteln der Städte, die keine eigenen vollwertigen Mädchenschulen einrichten könncn, den Mädchen die Möglichkeit einer beruflich verwertbaren Bildung gegeben, vielen Eltern wären schwere sorgen, und vielen Gemeinden eine drückende Last abgenommen.
Ei» Protest des elegante» Paris gegen die Mode.
Indes das folgsame Ausland noch immer die Uebcrtrcibungcn der Pariser Modcschövfungen mit bewunderndem 'Augcnausschlag entgegcnninlmt und nachahmt, wächst von Tag zu Tag in den Kreisen der wirklichen Pariser Gesellschaft die Abneigung gegen eine Modctyrannci, die in den letzten Jahreit immer mehr Fühlung mit der vornehmeren Tamcnwclt verliert und längst von der Halbwelt in schlcpvta» genommen worden ist. Tic geschlitzten Röcke, die durchsichtigen Gewänder, die zum Prinzip erhobene Aermelloiigkeit, die bunten Perücken und alle derartigen Extravaganzen haben bereits schwer mit dem entschlossenen Widerstand der Damen aus der Gesellschaft zu tämpscn; heute liegen die Tinge so, daß die neuesten „Kreationen" in Paris öffentlich nur von jenen Frauen getragen toerdcn, die von den Schneidern — entweder durch Geld oder durch Gratislicscruug von Toiletten — dasür bezahlt werden, die „neueste Mode" auf den Rennplätzen oder INI Theater spazieren z„ führen. Die Zahl der Frauen von Geschmack, die die jüngsten Wege der Pariser Modehändler iür ein Zeichen der Entartung des französischen Sinnes für Schönheiten der Kleidung halten, ist in Paris nicht geringer als in anderen Kulturländern: ihnen gilt Paris heute als die Stadt des dekadenten Modegeichmackcs.
Tic neueste» Frühiahrsmodcn habeit nun den bereits hoch- ausgcschichtctcn Zündstoff zur Emladung gebracht: eine Reihe der
5. Tic Parlamentskommissivncn sollen das von den gewerblichen Interessenvertretungen bcigcbrachtc kritische Material in der Kommission an der richtigen Stelle durch besondere Berichterstatter über die Petitionen Vorträgen lassen.
l>. Tie Parlamente sollen zu den Kommissionen, dis gewerbliche Fragen behandeln, geeignete, Von den gewerblichen Zentralvcr- bänden zu benennende Sachverständige als Berater zuziehcn.
7. 'Auch der Wirtschaftliche Ausschuß soll sich jeweilig ad hoc durch solche Sachvcrstäirdigc ergänze».
8. Tie RegieritNg soll häufig wichtige Wirtschastsfragen durch interparlamentarische Ausschüsse erörtern lassen.
9. Schleunige offizielle Bcröiienllichung dsr Verhandlungen und Beschlüsse varlamcnlariichcr Kommissionen, die den Jnter- cssentcn cbcnsoschnell zugängig zu machen sind, wie den Parlamentsmitgliedern selbst.
Tie Handelskammer erklärte zu diesen Vorschlägen, welche die volle Billigung des Änsschusscs des Teutschcn Handelstages gesunden baden und auch Gegenstand der Verhaitdlnugcn in der am 18. und 19. März in Berlin stattsindcnden Vollversammlung des Tentschen HandclStages sein werden, ihre Zustimmung.
2. Ocfsenlltch- rechtliche Lebensversicherung.
Rach Anhörung eines Referates, in welchem Begriff und Wesen der öfscnllich-rechllichen Lebensversicherung, die Stellung der Regierungen, der privaten Lcbcnsversichcrungsgescllschaften io, wie der amtlichen Handelsvertretungen zu dieser neuen Jnstffntion in crichövsendcr Weise dargclegt waren, und »ach eingehender Aussprache über diesen Gegenstand, erklärte die .Handelskammer ihre Zustimmung zu der vom Ausschüsse des Teutschcn Handclstagcs am 13. Februar d. Js. gefaßten Resolution, welche solgcnder- maßcn lautet:
„Tcr Ausschuß dcS Teutschcn Handclstagcs spricht sich dagegen aus, daß der Staat und andere öffentlich-rechtliche Körper - schasten in immer weftcrcm llmsang eine wirtschastliche Täffgkcit ausübcn, durch welche die private wirtschaftliche Tätigkeit geschädigt wird. Nur wo besondere Gründe cs rechtfertigen, sollte eine 'Ausdehnung der staatlichen und kommunalen wirtschasttirlicti Tätigkeit stattsindcn. Tiejc Voraussetzung ist ans dem Gebiete der Lebensversicherung nicht gegeben. Tcr Ausschttst >nuß vicl- mehr die große und erfolgreiche, dem Gcmeinwubl dienende Arbeit der privaten deutschen Lebcnsveriichcrungsgcscllschasten anerke» neu und bezweifeln, daß die öffentlich-rechtlichen Anstalten diese 'Aufgabe bester zu erfüllen imstande sein werden. Eine scharie Verurteilung verdient cs, da» Staats- und Kommunalbcamtc für die von den öffentlich rechtlichen Körpcrichaiten ins Leben gcruseneil Versicherungsanstalten persönlich wirken und ihre Untcrorgane dazu anhaltcn »nd daß hierdurch der freie Wettbewerb zu ungunsteit der privaten Tätigkeit beeinträchtigt ivird."
3. Abänderung des Hessischen Vermögens- stcucrgesetzes vom 12. August 1899.
Nach Artikel 19 des Wchrbeitrogsgesttzes vom 3. Juli 1913 ist bei Aktien obnc Börsenlurs, bei Kuxen oder bei 'Anteilen einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung der Vcckansswert der Anteile anzusetzen. Sofern ein solcher nicht zu ermitteln ist, ist der Wert der Aktie, des Kuxes oder Anteils unter Berücksichtigung dev Ge samtvcrmögens der Gesellschaft und der in der Bergangenlwit erzielten Gewinne nach ircicm Ecntcssen zu schätze». Im Streitfall soll die Vcranlagungsbchördc die Schätzung des Wertes durch Sachverständige anordnen. Im Gegensätze hierzu bestimmt Art. 26, Abs. 1 des Hessischen Bermögenssteucrgcsctzes voni 12. 'August 1899, daß als Verkaufswcrt obengenannter Vermogenstcile der 25sache Betrag des jährlichen Ertrags, nach den, Tnrchschnitt der drei letzten Jahre ermittelt, zu gelten hat. Tiefe unterschiedliche Behandlung in der Veranlagung solcher Vcrmögensteile wird nun von hessischen Interessentenkreise» deshalb als ungerecht empiun- den, locit 1 proz. Jndustricwcrtc zu pari nicht zu verlauieil sind. Tic Zugrundelegung einer 4 proz. Verzinsung entspräche iit einer Zeit, in tvelchcr 1 proz. preußische Staatsanleihe mit 97 begeben wird, nicht mehr den Verhältnissen. Es wird deshalb zur Herbeiführung einer gerechteren Besteuerung die Herabsetzung des 25sgchcn ans den 20sachen Ertragswcrt vorgefchlagen. Tic Handelskammer
voinehmsten Damen der Pariser Gesellschaft, die wirklich tonangebend sind, haben sich zuiamincngeschlost'en und wenden sich mit einem geharnischten Aufruf au alle Frauen von Geschmack Und Takt, sie fordern dazu aus, der entarteten Mode die Gefolgschaft zu verweigern und sich endlich von dem Banne frei zu machen, den ein paar Schneiderinnen und ein paar außerhalb der guten Gciellschast stehende Frauen der modernen Tamcnlleidung aus- zioingcn. Tic tapscrcn Tamen, die sich an die Spitze dieser Protestbewegung gestellt haben, sind die Vicvintcsse de Belard, die Mar gilise de Montaguc, die Marguiic de Juignö, Mme. Tclaconrt, die Marguise de Mousticr, die Gräiin de Dillelc und die Herzogin von Maille. Ihr Wort uub ihr Beispiel sind sür die Pariser Gesellschaft Von höchstem ©cioidit In ihrem Manifest heißt es: „Wir rufen alle F-rauen der Gesellschaft aui zum Protest gegen die Moden, die man uns aufzwingt. Wir fordern alle iiin<icn und eleganten Frauen, die tonangebettd find, dazu auf, nicht nur der herrschende» Mode die Getvlgschait zu verweigern, sondern sic auch zu bekchnvien, indem sie ein Beispiel geben. Wir bitten sic, der Verantwortung eingedenk zu sein, die sie aus sich laden, indem sie den Frauen aus befdieibettercit Bc-hältnisscii ein schlechtes Beispiel geben, das nachgeahmt wird, llno wir bitten auch, einge- denk zu bleiben, daß wir Frankreichs alten Ruhm als einer Stätte der Eleganz und des Geschmackes zu verteidigen haben." Listen zur Antcrichriil sind aujaclegt, und als ein Korrespondent am Nachmittag nach dem Erscheinen des Manisestcs das Dokument ciniah, halten bereits Hunderte von Tamen der besten Gesellschgit uitterschrieben Tie Bewegung soll in einer aktiven Einslußnabn» au! die Mode gipseln und unter Umständen über jene Modedäuscr, die die crtravagantcstcn Moden lancieren, den Boykott der Frauen dxr nnrtlichen Pariser Geiellschgst verhängen. Damit wären diese Häuser dann völlig aus die Lieferung an die Halbwelt und auf den Exyort nach Tcutschland und 'Amerika beschränkt.
— Fast 80 000 d e u t sch c F r a II c „ stehen zurzeit organisiert im Kamp» gegen den Alkohol. 9t» Prozent von diesen gehören den Enthaltioiukeitsoereincn an. In andern Ländern ist die Zahl antialkoholisch organisierter Frauen verhältnismäßig noch höher. Nonocgen zählt bei 200t» M0 Eimoobncrn fast 60 000 Frauen, England über lOOOM und die Bereinigten, Staaten iast eine halbe Million Frauen, die im Kamps gegen den Alkohol stehen.
— AusällerWelt. Die Witwe des verstorbenen Schriftstellers Karl Ma» hat eine Karl M an-S t i st»II g erriäi- tct, der ihr ganzer Nachlaß nach ihrem Tode zusallen ioll. Tie Zinsen sollen an junge Leute beiderlei Geschlechts zur »veiteren Ausbildung kn akademischen Bernsen oder zur Hilfe sür notleidende Schriftsteller verwandt werden. Unter der Mitwirkung bc kanntcr svanischcr Schriftstellerinnen ist endlich auch in Spanien eine unabhängig gehaltene Zeitschrift, die zur Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Interessen der spanischen Frauen dienen soll, ins Leben gcrusen. Eine» Fortschritt nach dieser Richtung hin bedeutet auch die unlängst erfolgte 'Anstellung einer Schul- inivellorin in Spanien. — In Berlin sind zurzeit 33 weibliche 'Aerztc täffg. Eine Anzahl van ihnen besaßt sich speziell mit Kinderkrankheiten und Francnlciden. Mit der Geburtshilsc de faiicn sich außcrdeni noch 12 Acrztinncn. Zwei bc»!tchnen die Geburtshilsc als ihr Spezialfach,


