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Nr. 59 Zweites

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonntags.

Dietöießcner zamilienbläNer" werden den, .Anzeiger' «ierinal wöchemlich beigelegt, das «reirblatt für den Kreis Kietzen" zweimal wöchentlich. Dierandwirtschaftllchen Seit-

sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt Jf>4- Jahrgang

Gehemr Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Mittwoch, März *9^

Rotationsdruck und Perlag der Brühlhch!» Universiläts - Blich- und Steiudruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=Ss»51. Redaktion: S-^1I2. Tel.-Adr/AnzeigerGießen.

Die ttosten öcr Zeldbereinizung in Tjcijen und in Preußen.

Ein Sachverständiger schreibt »ns:

Die landwirlschasllichcit Kreise wird cs gewiss iutcr- essieren, wie in unseren Nachbarorten in Preußen die Kosten für die Feldbercinigungen aufgebracht werden. Es wird hier der Nachbarort Höritsheim mit .50 l Nektar zu Grunde ge legt. Zmn Wcgnetz waren 4,52 Prozent erforderlich, also etwa der gleiche Prozentsatz wie in.Hessen, was auch natiir- lich ist. Prozente Tür Massegclände zur Bestreitung der Kosten werde,! in Preußen nicht in Abzug gebracht: in Hessen 2 Prozent >m Durchschnitt. Rrchiwt inan den Hektar mit 3000 Mk. Boniticrungswert im Bcittel, bei nornialen Ver­hältnissen 5000 Ml. VcrkausSwcrt, so werden in Hessen 60 Mk. Boniticrungswert 100 Mk. Vcrkauiswcrl pro Hektar zur Beslreilung der Feldbereinigungsloslen in 'Ab­zug gebracht. Dieser Abzug von 2 Prozent reicht in den meisten Fällen nicht mehr aus, die gesamten Feldbereini gungskosten aufzubringen, meistens muß noch ein Ausschlag von ungedeckten Kosten gemacht werden.

Ter Ort Hörnsheim hat bis jetzt erhalten au Beitrag für die Feldbereinigung: a vom Kreis 600 Mk. Bei uns in Hessen werden für befestigte Feldwegabfahrtcn sogenannte Kreisstraßenabfahrten bis zu 15 Mk. pro Hektar verausgabt, beziv. müssen verausgabt lvcrden, weil cs die Kreisstraßen- verwaltung in Hessen verlangt. In einer 6.50 Hektar großen Gemarkung, an Gießen angrenzend, werden für Kreis straßenabiahrten ca. 0000 Mk verausgabt, das sind pro Hektar 15 Mk. hier lvärc cin Zuschuß von beit Kreis- und Provinzialbehördeu kehr angebracht, um die Kosten der Feld bereinigunge» in Hessen zu verringern, d) Vom Folgeeinrich- tungssonds 1100 Mk. c.0 Vom Äcstsonds 7800 Mk. Zu­sammen 9500 Mk. Beantragt sind weiter von der Spczia!- komniissuin an Beihilfe sür 1914 6700 Mk. Der Wcst- sonds ist ein aus Mitteln des Staats und der Provinz mit Millionen dotierter Fonds sür die westlichen preußischen Provinzen, welcher seine Gelder nur für die Zwecke der Land­wirtschaft hergibt.

Der Staat Preußen bat in Hörnsheim erhoben 6 Mk. Vro Hektar für Rcgulierungskosten 3004 Mk., in Hessen werden zurzeit mehr als .50 Mk. pro Hektar zurückcrhoben, das sind die vorgclegten Summen des Staates, loelche be­zahlt werden für Tagegelder des Kommissars, sür Tage­gelder und Reisekosten der auswärtigen Sachverständigen und des Feldbcreinigiingsgeometers, für Gehalte, Remuneration, Tagegelder und Reisekosten des gesamten Hilfspersonals des Feldbereinigungsgcometers.

In Preußen bezahlt der Staat ganz den Sacbkom- missar, den Landmesser, sowie alle an den Arbeiten betei­ligten Gcvluetcr, die ganze Tätigkeit aus den Bureaus, die ganzen durch die Termine entstehenden Kosten, die ganze Arbeit der Boniteure und die Tätigkeit der Gcneralkom- mission.

Die Meliorationskosten, d. i. Wegebau. Grabeubau, Durchlässe, Brücken und Drainage: die Kosten für die Pfähle, Stangen, Grenzsteine. Arbeitslöhne werden in Preußen wie in Hessen von der Feldbereinigungsgesellschaft getragen, nur daß in Preußen die oben angeführten Zuschüsse geleistet wer­de». In Preußen werden nur die unbedingt notwendigen Meliorationen ausgeführt, Vcrschlcisungcn und Rodungen innerhalb der Grundstücke sind von den Besitzern auszu- sührcn, dafür bekommen diese das Land, welches melioriert werden muß, sehr billig überwiesen. In Hessen werden auch letztere Meliorationsarbeiten während des Verfahrens von der Kulturinspektion auf Kosten der Gesellschaft ausgeführt, und gerade diese Arbeiten erhöhen die Meliorationskosten bei uns in Hessen ganz bedeutend.

Damit daS Fcldbereinigungsverfahren durch die hohen Kosten in Hessen nicht erdrosselt wird, ist es unbedingt er­forderlich, daß Staat. Provinz und Kreis in Zukunst >ür die ärmeren Gemeinden des Vogelsbergs und des Odcn- waldes größere Mittel zur Verfügung stellen, damit ihnen auch die Vorteile der Feldbercinigung zugute kommen kön­nen. Ein Bermittelungsvorschlag wäre es, wenn die von der Landwirtschaftskammer mehr geforderten 53 000 Mk. als erste Rate für einen Fonds zur Verbilligung von Feldbere inigungcn angelegt würden.

hessische Zweite Kammer.

rb. Tarmstadt, 10. März.

Am Regiernnqstischc: Staatsministcr Tr. p. Ewald, Finanz- minister Tr. B r a I, n. Staatsräte Dr. B e cke r. L o r b a ch c r, Geh. Obcriiiianzrat Tr. R o h d c. .

Vizepräsident K o r c l l - Angenrod eröffnet die Sitzung um 9 20 Uhr. Tie Rackäußerung der Ersten Kammer über den Gesetz­entwurf. bctr. die landständische Geschäftsordnung, wird von der Tagesordnung abgeietzt und in die 23 e i t c r b c r a t ujt 3 des Staats Voranschlages eingctrcten. Kapitel 10, S t a a ts-

c i i e n b a h n e n.

Abg I 0 u 8 Wild) tritt sür eine Bahnlinie .Hochweisel FauerbachOber Mörlen, sowie nackt Mockstadt ein, und schlldert dann die Vorzüge der elektrischen Bahnen gegenüber den Tamvi babncn Ter stlutomobilvcrkebr habe sich nicht bewährt.

>Abq Wiegand Zcnir.) sührt aus: Die Mitteilung des Finanzministers über die ?lusiicht einer elektrischen Bahnver­bindung Bcnshcim Lindenscls habe allseitig große Freude hervor geruscn- es solle aber auch die Babnlinic HeppenheimErbach- Mickielstatst durchgesührt werden. Für jene Gegend iommc haupl sächlich der Stcintransvort in Betracht und da sei das Automobil kein aeciqnetes Verkehrsmittel. Tie Dabnverbindung von Heppen­heim ,ei nach Norden gut, nach Süden aber sehr ungünstig. Rament- lieh lasse auch die Verbindung mit Lorsch und Worms viel zu

wünßtzcn 0 1 5 (Soj.) erörtert die ungünstigen Bahnanschlüis mit den Zügen von Frankiurt und Oisenbach. Mit den Zügen hcldenbcrgen Windccken sei häuiig kein Anschluß an den Zug nach Hanau zu erreiche». Gerade in den Städten Oisenbach uns hanait seien viele 'Arbeiter bcschäitigt, die große Schwicrigkeiicn durch die mangelnden Anschlüße Hütten. Bis zum 15. November konnten die Leute z. B. abends nach 7 Uhr rechtzeitig nach Haue -urückkchren von da ab geht der Zug aber schon 5,50 Uhr abends, und die Arbeiter sind deshalb gezwungen, sich lange Zeit in den Wirtshäusern herumzutreiben. Wenn man viele Arbeiter durch die schlechten Zugvcrbindunge» zwingt, ;. B. in Frankiurt zu übernachten so trägt das tcincswegs zur Förderung des Familien­lebens bei Weiter bespricht der Redner die Bahnverhältnissc bauernStockheim und das Bahnprojckt hailauBüdingen; es

lei nicht zntresfcnd, daß die Gemeindeverwaltung Büdingen sich gegen das Profclt ausgesprochen habe. 'Auch der 'Bahndan Fricd- bcrgRanüodt sollte geiördcri werden. Zum Schluß wendet iich der Redner gegen einen Bescheid der Eisenbahnrerwaltnng, wonach der Wunsch des Arbeitsausschusses zu Fricdberg am Erhöhung des Lohnsatzes von 3 Mark auf 3,50 Mark Tür verheiratete Arbeiter mit Familie obgelehnt wurde mit der Erklärung, daß 18jährige unverheiratete Arbeiter ebensoviel lcisielen. Turch derartige Be tckieidc werde der Sinn sür Familienleben und Kindcrvcrmchrnng nicht gcsördcrt.

2lbg. Tr. Osann (Ntl.) weist aus die zahlreichen Bahn Unfälle hin und betont, cs müsse daiür geiorgt^werden, daß zur Verhütung weiterer schwerer Unglückssälle alle Straßenübergänge übcrdämml werden. Rur dadurch werde auch die däuiigc Be- strainng .von Babnbeamtcn verhütet werden und die Bahnver- waltnng würde große Summen spare» können, die sie alljährlich als Entschädigung sür Unfälle zahlen muß. Tic Lohnordnung der Eisenbahnverwaltnng hat sür die Eisenbahnarbcitcr ohne Frage große Fortschritte gebracht, »acküxuii vor zwei Jahren die Lohn- ocrhälmisse der Werkftättenarbeitcr durch Einsnhrnng des Siück- und ZcitlobneS eine ivcsentlich gerechtere Grundlage erbalten haben. ES mutz in, 'Anschluß an die erböhten Dcamtengehältcr auch für die 'Bahnarbciter cin steigender Lodn geschassen werde», der zu einem bestimmten Zcitpunit eine bestimmte höhe erreicht und behält. Der verheiratete 'Arbeiter muß mehr Berücksichtigung stndcn: die Familie desselben dan nicht außer acht gelassen wer­den. Tic 'Akkordarbeit abzuickaiien, wird nicht möglich sein, da man sür besonders wichtige und eilige 2 lrbeiten auch die besonderen Verhältnisse berücksichtigen müsse. In de» Bahnarbeitcrrersamm liingc». denen er bcigcwohnt habe, sei der Boden der sachlichen Behandlung und Beurteilung durch die Redn-r nicht verlassen lvordcn. Notwendig ist allerdings gerade im Eisenbahnwesen eine strenge Disziplin, wie der Abg. Wiegand ganz richtig meinte. Eine solche wird sogar in Frankreich verlangt, wo doch sozialistische Minister mit am Ruder sind. 'Aber die 2lchtung und das all­gemeine Interesse zwingt uns auch, dafür .zu sorgen, daß den Eiscnbahnangcstclltci! ihr Recht werde. Tas sind wir diesem tür unser ganzes soziales und Volksleben so ungeheuer wichtigen. Stande schuldig. Es ist dabei andererseits auch zu erwarten, daß ste Eisenbahnangestellten auch das, waS wir ans reinstem sozialen Empfinden zur Verbesserung ihrer Lage tun, anerkennen und würdigen lvcrden.

?lbg. Bert hold isoz.i bespricht eingehend die VerkebrSoer- hällnisic zwischen Groß-Gerau und Franlfurt und crürle t dabei auch den von ihm gestellten Antrag, bctr. das Riedbahnvroiekt Bei dem Babutarlevverkaui vo» Tcerscllcn und Walldori bandelt es iich um JahreScinnahm^i von 105 000 und 77 000 Mk., da könne inan die 23iinschr der ?lrbcitcr schon berücksichtigen. Beiter »lädiert der Redner dafür, daß nicht Gustavsbnrg, sondern Bt- schossheim als Ansgangsvnnkt des Bahitproictics genommen lverdc.

Abg. Finger (natl. spricht sich sür die Einbeziehung der Bahnlinie WormsOsthcim in die preußisch-hessische Eiscilbahn- gcmcinschait auS. Sehr erwünscht würde auch die Einlegung eines Zuges zwischen Worms und Monsheim in der Zeit von 912 Uhr vormittags sein.

2lbg. lOißnert (So.;.' ist erfreut, da» verschiedene iciner vorjährigen Anregungen zur Verbciierung berücksichtigt worden und und dantt der Regierung dafür. Aber cin Wunsch harre noch immer der.Erfüllung, nämlich die Errichtung einer Schranke bei Station Obertshausen an der Bahnlinie OisenbachReinheit», wo der Straß,ennbergang nur ganz in der Nähe bemerkt werden könne. Ter Frühzug OffenbachReinheim genüge nicht für den Der» kehr nach dem Odenwald: cs niüßle früh 6 Uhr ein beschleu­nigter Zug von Oisenbach abgehen, der zu dem Zug nach Rei­chelsheim 7.34 früh Anschluß tx». Auch für den Sonntagöver- kchr von Oisenbach und Frankiurt nach dem Odenwald inüßten bciicne Verbindungen geschasscit werde». Man brauche jent von Oiienback: nach Reichelsheim 3> 5 Stunden und das sei für den Sonntagsausflügler zu lange Zeit.

Rack: einer knrzeil Pause tritt 2lbg. Schott (natl.l dafür ein, daß auch in denjenigen Landcsteilen, wo noch kein so starker Ver­kehr sei, Bahnen gebaut werden Nttb nicht nur da. wo iich von vornherein eine gute Rentabilität ergibt Ticic werde sich schon oinftclle». wenn die Bahn da sei. Es sei bedauerlich, daß das Reichsbahngcietz noch nicht durchgeiübrt sei Zu den Kosten der Nebenbahn Arnsheim FlonsheimÄendelshcim würden bl' an­liegenden Orte stark herangezogen. Es sollte auch eine Verbin­dungsbahn 2IrnSheimWcinheimOsten leimWcndelsheim aus- gebaut werden.

In Betreu des Falles Heinrich habe die Bahnverwaltnng ganz korrekt gehandelt (Ohorufc bet den Sozialdemokraten . Es dürfe aut keinen Fall zugegeben werden, daß ähnlichst! Zustände bei uns Play greisen wie in Frankreich.

?lbg. M 0 l t h a 11 (Zentr.l erklärt, daß er den Ausführungen des Abg. Dr. Osann über die Ardeiterverhältnissc zustimmen könne ünd weist weiter aus die sehr bedeutsame Rede des Äbg. Dr. Wünzev vom vorigen Freitag über die Berkehrsoerhältnissc im Odenwald hin. Es sei hier von berufener, sachkundiger Seite ein höchst beachtenswertes Urteil gefällt worden und er hvste, daß Aesc Wünsche auf Verkchrsvcrbesserung im Odenwald auch beim Finanzministcr gewürdigt werden. Das könne aber nur geschehen, wenn man von dem bisherigen Grundsatz des Rentabilitätsnach wcises abgehc oder zmn elektrischen Betriebe übergehe. Die 'Ab­lehnung des Riedbahnvrojcktcs habe eine große Enltäuiaicki-g hcrvorgeruscn, er hosic aber, daß das.Projekt doch noch mit Lilie einer elektrische» Balm zur Ausführung kommen werde, bei der ja der vreußischc Ei'enbahnminister nichts mitzurcdei! habe. Es sei bedauerlich, daß jetzt noch der ?lba. Bcrthold das Verlangen nach Einmündung der Bahn in Biichofsheim, anstatt in Gustaos- bnrg, auirccht erhält: dann würden auch Alsheim und Buichheim keine Bahnverbindung erhalten. Redner bittet, unter allen Um­ständen an der Einmündung in Gnstavsburg scstzuhalien, me das auch der Eilenbalmminister als richtig anerkannt habe. Weiter bitte: Redner, nicht die Frcitahrtkarten für die Unterbcaimen zu beschränken und sie mit denen der mittleren Beamten in ein richtiges Verhältnis zu bringen. Zum Schluß begründet Redner wiederum sein Verlangen in Bezug ans die Revision des Gemein- schastsvcrtrags Tic Regierung sollte dem einmütigen Wunsch am Vorlage des Materials zur Beurteilung dieser Ivichtigcn Frage Rechnung tragen: es solle daraus der Nachweis erbracht werden, ob nicht die hessische Ludwigsbahn viel zu niedrig bewertet würde und ihr Nachtellc durch die Konkurrenz Preußens erwachse» wären sowie auch darüber, ivie sich der Mehrwert de: hessischen Strecken seit dem Vertragsabschluß gesteigert habe. Ter Bauernbund werde wohl erst dann dem Rcviiionsgcdanke» näher treten, wen» ein Rückgang in den Eiienbahneinnahnien cintritl (Ruf: Zur Bcr> ragsändcrung gehören doch zweie!). Es sei zu bedauern, daß der Revilionsgedankc kn diesem Landtag nicht vorwärts gekommen sei Erfreulich sei, daß, durch die elektrischen Bahnen auch bisher unbe- -ückiichtigt gebliebene Landcsteile bessere Verkehrsverhältnisse er­halten könnten.

Abg. Bähr (Bbd.) äußert Wünsche über den Bahnba» Lanan'Büdingen, der immer mehr verzögert werde. Es Trage sich ob nicht die 21 ahn elektrisch angelegt werden könne, ähnlich wie die Strecke FrankmrtLvmburg. Weiter beklagt der Redner, daß ri> wenig Rauchcrkonpes in den Zügen vorhanden sind, die noch meist

von Frauen besetzt würden. Auch das Rauchverbot in den Speise­wagen sollte aufgehoben werden.

2lbq. Dr. p. L e l m 0 l t (Bbd.s tritt sür die baldige stluSinhrnng des BahnbauS FriedbergRanstadt cin. Bei der Bahn Büdingen Lanau sei das Projekt seit sechs Jahren bearbeitet, die Feldberci­nigung gemacht und die solidarische Perpflichinng der Genicindcn sestgclegt worden, und nun komme der Gemeinderat von Büdingai und erllärc, daß er an der Bahn lein Interesse habe. Das sei aber verkehrt, denn Büdingen müsse doch an der Zuführung des Fremdenverkehrs cin großes Interesse haben, und es sollte froh lein, wenn cS eine direkte Verbindung erhält.

2lbg. Fenchel lBbd.) führt aus, er sei dem Wunsche dcS FinanzministerS geiolgt und habe ihm in verschiedenen Eingaben leine Eiscnbalmwüiischc vorher mitgeteilt, aber die Regierung sei noch immer nicht daraus cingegangen. Der Redner wiederholt seinen Wunscki aui Errichtung einer Laltcstelle bei dem Orte Linde 11 - str uth an der Bahnstrecke GießenFulda. Bei Erbauung der Bahnlinie wurde der Gemeinde Linoenstruth die Errimtung einer Laltestellc in 'Aussicht gestellt und seit dem Bestehen der Bahn hat sich auch eine solche Laltcstelle als ein dringendes Bedürsnis heraus- gestcllt, namentlich im Jnleressc aller 'Arbeiter und Schüler des Orles. Die Arbeiter haben großenteils ihre Beschäiligung in Gießen und müssen, MN rechtzeitig dort zu sein, den früh um 4.59 Uhr vo» ReiSkirchc» adgchenden Zug z» erreichen suchen. Wl « nun die Leute den Tag über ihre 'Arbeit geleistet haben, so müssen sie den um 6.38 Uhr von Gießen absahrendcil Zug benutzen, um wie­derum aus dem gleichen Weg nach ihreni beim zurückzukommen. Wem» man nun sagen wollte, daß die Strecke keine allzu große sei, so muß man doch berücksichtigen, daß die Leute den ganzen Tag über schwer gearbeitet haben. In den .Herbst- und Wintcrmonaten kommen die Leute bäusig schon durchnäßt zur Arbeitsstelle, und da kann cs nicht Wunder nehmen, wenn sic die Lust zue 'Arbeit ver­lieren und ihre Familie damit in Nachteil bringen, oder wenn die 'Arbeiter ohne sesies Anwesen von Linocnstruth wegziehcn und damit die Gcmeilche schädigen. 2lber abgesehen davon sieht fest, daß iich seit dem Bestehen der Bahn der Personenverkehr sehr gehoben hat und daß die Haltestelle außer den sämtlichen Ortsbewohnern auch denen von Bersrod, Winnerod und Hattenrod zu statten kommt, da auch von dort die meisten 'Arbeiter in Esteßen ihr Brot verdicne-n mülscn. Tie Bahn sährt am Orlsausgang vorbei und cs ist dort auch schon vor einigen Jahren cin neues Bahnwärterhaus gebaut worden, und da sich auch die Gemeinde bereit erklärt hat, das er- sorderlichc Gelände kostenlos zur Verfügung zu stellen, auch noch weiter entstehende Kosten zu übernehmen, so wäre die Errichtung der Haltestelle cin Icichlcs. Ter Redner bittet die Regierung drin­gend, den Wunsch der Gemeinde zu criüllcn. Weiter tritt der Redner sür den Wunsch der tzkemcinden Großcn-Buscck, Rödgen, Rciskir- chen, Saasen u. a. cin, den Mißstand zu beseitigen, daß sic Sonn­tags nur so spät nach Gießen kommen können, weil der erste Zug erst 7.58 Ubr dort cintriist. Es sind Sonntags dort 60 80 Leute im Gas- und Waliser- rcsv. Elektrizitätswerk, Eisengießerei, Post, Bah» und Ladengcschäslen tätig, und cs würde sich leicht einrichten lassen, daß ein srühcrcr Zug von Mücke oder (tzrünbcrg abiährt. Ter Redner ersucht dann um Errichtung eines Bahnhofsgebäudes mit Güterverkehr auf Station W e t t c c s e l d rcsv. um- Beschlcu nigung der darüber stattsiichenden Verhandlungen. Aus die Wünsche der Gemeinde Ruppertsburg und der dortigen chemischen Fabrik u»» Einschluß an die Linie HungenMücke will der Redner in Rück sicht auf die schwebenden Verhandlungen nichi näher eingchen, er betont aber, daß Station Ruppertsburg im letzten Jahre allein eine Einnahme von 62848 Mk. hatte. Tie Gemeinden des Wctter- ials wünschen auch, daß früh morgens iviedcr ein Zug von Münzcn- berg nach Butzbach eingelegt wird, und zwar vom 15. März bis l5>. Oktober, da die SIrbeit schon meist »m 6 Ubr morgens beginnt. Zum Schluß tritt der Redner noch Tür eine Früherlegung des Zuges von stiilybach nach Lich um 20 bis 25 Rcinulen ein, da dann der Anschluß von Lieb nach Gelnhausen erreicht wird, und auch srühcr 2lnichlnß an die 'Nebenstrecken in Huiiaei, nach Mückeich Fried berg, ebenso in Nidda nach Schotten und Fricdberg und in Schotte,i nach Schotten nach Gedern hätte. Ter Zug trifft jetzt 10 Minuten später iu Lich cin, als der Zug GießenGelnhausen weg ist. End­lich bringt der Redner noch verschiedene Wünsche aus Lich, die Hebet, oder Untcriührung der Bahn daselbst, den Anschluß der Strecken Butzbach Lich GrünbergBad-Nauheim an die preu- ßisch-hesiische Eisenbahngemcinschast usw. vor.

Ter Präsident stellt scst, daß noch eine Anzahl Redner zum Wort gemeldet sind; die Beratung wird alsdann NM T/-2Uhr ab­gebrochen.

Tic Fortsetzung der Beratung erfolgt morgen früh 9 Uhr.

Aus der clsatz-Iothringischen Zweiten Kammer.

Straßburg i. E., 10. März. Tie Zweite Kammer trat heute in die dritte Lesung des Voranschlags ein. Ter Abgeordnete tz a u ß (Ztr.) sagte, die Regierung möge vor allem dafltr sorgen, daß die Befugnisse der Zivil- und Militärverwaltung streng abgcsoi'dert werden, um die Wiederkehr eines Falles ivie Zabern zu vermeiden. Wenn die ?1bgrciizung ans dem Wege der Rcichsgesetzgebung nicht möglich sei, so müsse sie eben durch die LaudcSgesetzgebung erfolgen. Ungewöhnlich seien die Verdächtigungen und Ver­leumdungen, denen das elsaß-lothringische Volk in Alt- deuischland ausgesetzt sei. Ungewöhnlich sei daher auch die Gründung einer Liga zur Verteidigung Elsaß-Lothringens. Wir alle, führte Redner aus, traten an diese heran mit dem Gefühl bitteren Wehs und tiefer Schinach, daß sich cin deutscher Volksstamm zu einer solchen stlbwehr des An­griffs gezwungen sieht. Ter 'Abgeordnete Jung (LothrF schloß sich den Ausführungen des Vorredners an, ebenso der 'Abgeordnete Pe i rotes (Soz.), der außerdem die Ab­lehnung dcS Voranschlags durch seine Partei begründete. Ter Abgeordnete A3 0 l j (Lib.) wünschte u. a., daß die Kompetenz zwischen Zivil- und Militärgcwalt genau und einheitlich sür das ganze Reich geregelt werde. Ter Ab­geordnete Zimmer (Lothr.) vertrat die Forderung, daß Elsaß-Lothringen ein gleichberechtigter Staat werden müsse.

Die Antwort des Staatssekretärs.

Staatssekretär Gras Roedern führte aus: Ten Wunsch, eilt Programm zu entwickeln, kann ich auch heute noch nicht er füllen, weil ein Programm nur auigebaut werde» kann aui Grund genauer Kenntnis der Verhältnisse. Ich unterstreiche die Meinung .'es Abg. .hauß, daß die Versassung nicht angctastct werden dari. Ter Abgeordnete hat scrner bcwnt, daß in, Lande nur die ver laiiungsmäßigcn Foltorcn zu regieren haben. Auch diesen Aus sührungen kann ich durchaus zustimmcn. 2lus bereits erledigte 'An­gelegenheiten einzugchen, liegt für uns kein Anlaß vor. Ich möchte nur auf die Mitteüung des Reichskanzlers Hinweisen, daß die Frage der Heranziehung des Militärs der Prüfung unterliegt. Ter 'Abg. Hauß hat an uns die Auiiordening gerichtet, Schützer der Ehre des elsaß-lothringischen Volkes zu sein. Sic werden doch aber von uns nicht verlangen können, daß wir uns an dem Zcltungskampic beteiligen. Ucbrigcns habe» wir uns, als in nord­deutschen Blättern von Angrifscnaui'Militärpersonen die Rede war, sofort mit den zuständigen Instanzen