Nr. 57 Drittes Blatt J64. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonntag«.
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Vberheffen
Montag, <>. März lA-l
Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'scheti Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraß« 7. Expedition und Verlag: &®51. Redaktion: en® 112. Tel.-Adr.: Anzeiger«,eßen.
Mb. Deutscher Reichstag.
280. Sitzung. Sonnabend. 7. März 1914.
Hm Tische de Bundesrats: Dr. Solf.
Präsident Tr. flara», cräfsnet die Sitzung 11 Uhr IS Rin
Ler Ko'ionialelak.
(Erster Tag.)
Abg. Dittmann (Soz.):
Seit SO Jahren treiben wir Kolonialpolitik. Seit den Diamantenfunden in Südwestafrika und den steigenden Handels- Ziffern der Kolonie anscheinend mit Erfolg. Aber das Grundübel ist nicht gehoben, nämlich der Kapitalismus und der Unterdrück'ingScharat»er dieser Kolonial- Politik. Selbst bürgerliche Autoritäten kommen neuerdings zu dieser Ansicht. Die Voraussetzung für wirkliche Erfolge wäre darin zu suchen, daß die Produktivkrast der Eingeborenen gehoben wird Auch Südwestafrika wird niemals ein deutsches Siedelungsland, ein Deutschland Ueberscc werden, von den tropischen Kolonien mit ihrem mörderischen Klima gar nicht zu reden. Ostafrika wird höchsten» ein schwarzes Bauernland. Außerdem haben wir bei dem cintretenden Geburtenrückgang keine überschüssigen Kräfte. J,tz Gegenteil, wir müssen Arbeitskräfte einsührcn. Die Weitzen hauen »ein Interesse an den Kolonien. Sie wollen nur Geld zusammenraffen, das sie in Rübe zu Hause verzehren wollen. Sie sind weder als Bauern rwch als Arbeiter anzusprcchen, sondern lediglich als Unternehmer.
Für die deutsche Handelsbilanz bedeuten die Kolonien verschwindend wenig, besonders da die Begünstigung des Plantagenbau cs ein Moment der Unruhe in die Kolonien bringt. Auch die Agrarier wollen keine Konkurrenz der kolonialen Landwirtschaft. Alle Maßnahmen der Verwaltung dienen lediglich der Stabilisierung der kapitalistischen Herrschaft. Das gilt auch von den Eisenbahnbauteck, auch für die vielgelobte Mittellandbohn nach dem Tanganjikasee. Die winzige Schicht der Weißen sitzt den Schwarzen wie ein Vampyr im Nacken. Die Ausbeutung dezimiert die Eingeborenen, auch ^hnQ Kriegszüge nach dem Muster Peters. Infam ist die Prellerei, mit der sie zur Arbeit gezwuiigen werden. Sic sind eben gegen Sen weißen Unternehmer rechtlos. Eine schlimmere Sklaverei, wie sie jetzt unter deutscher Herrschaft betrieben wird, ist noch niemals dagewesen. Sklovenjagden werden unternommen, infolge- Seffen veröden die Dörfer und ganze Gegenden. Die Sterblichkeit beträgt bis zu 20 Prozent. Nach dem Zeugnis ansässiger Farmer sterben ganze Völkerschaften aus. Unsere Anträge, die Ausdehnung der Plantagenwirtschaft zu verhindern, wurde von der Budgetkommission in brüskester Weise abgclehnt. (Präsident Dr. Kaempf rügt die Anwendung dieses Ausdruckes auf Parteien des Hau st S als unzulässig.) In dieser Beziehung ist unsere Koloniallxüittk ein Stück auS oem Tollhaus. (Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner zur Ordnung.)
Die Schwarzen sind rücksichtslosen Beutejägern pcersgegebcn. Verordnungen zu ihrem Schutze bleiben lediglich auf dem Papier stehen. Jetzt, wo wir die Kolonien seit 25 Jahren in Besitz haben, sträubt man sich, die Sklaverei zu beseitigen, mährend man das früher als eine Kulturmission Deutschlands bezeichnet«: Die geplanten Eisenbahnen sollen die Unter
jochung der ostafrikanischen Kolonien beschleunigen und den Plantagenbesitzern neue Arbeitskräfte zuführen. Die zahlreiche Bevölkerung wird sich vielleicht diese Unterjochung nicht ruhig gefallen lassen. Tritt das ein, dann steht uns ein Aufstand und eine Mcnschenschlächterei bevor, gegen die die Herero-Kämpfe ein Kinderspiel waren. Wir lehnen di« Mitverantwortung für diese gewaltsame Kolonialpoliti. ab. Wohl aber sind wir bereit, die Kulturfähigkeit der Eingeborenen zu fördern. Wir wollen aber den Ertrag ihrer Arbeit den Eingeborenen selbst zukommen lasser^ Nur so können wir zur Hebung der Eingeborc. nen beitragen.
Abg, Erzbergcr (Zentr.):
Wir unlerstützen nicht jei» Rvtonialpoliffr, sondern nur eine christliche. nationale und soziale Kolonial Poti- t i k. Datz die deutsche Koloniolpalitik diesen Anforderungen im- wer entsprochen habe, tan» ich leider nicht behaupten, Tenn bc- baucrlichcr Weise ist so mancher, wo« der Borredner rügte, sehr berechtigt, Würde man die sozialdemokratische Kolonialpolitik zu- sammensasscnd charaktcrisieren wollen, so könnte man mit der Ber, liner Redensart sagen: I m G r u n'c w a I d i st H a I z a u 1 t i 0 n. Die Sozialdemokraten möchten einfach die Kolonien an den Meistbietenden versteigern. De, Abg, Titlmann hat nur die Schattenseiten hervorgehoben. Das ist ungerecht. Das letzte Jahr hat sich friedlich abgewickclt. wir tonnten eine ruhige und friedliche Entwicklung beobachten. In vielen Tellen der Kolonien ha! sich eine erfreuliche Auswärisentwicklung gezeigt. Besonders markant ist der Fortschritt der Lingeborenenkultur und ber Rückgang der Plantagenkultur der Weißen, Der Gesamthandel der Kolonien ist rascher auswärts gegangen als der Handel des Mutterlandes, Das ist ganz natürlich, aber man darf doch dar nicht bestreiten, wie der Vorredner es getan hat. Die Erreichung des Tanganjikasees durch eine Eisenbahn ist cin Ereignis von welthistorische. Bedeutung. Dieser Dahnbau ist ein Meiste r, werk der ocutschen Technik. sDeisoll bei den bürgerlichen Parteien.) ,
Die Finanzen in den Kolonien haben sich relativ günstig entwickelt. Gewiß ist es noch reichlich viel, daß wir D0 Millionen Mark vom Reich zuschießen, und wir müssen dahin srreben: diesen Zuschuß zu verringern. Freilich, so jugendlich optimistisch wie Dr. Arendt sHeiterkrit) bin ich nicht. Laß ich auj einen Reingewinn aus den Kolonien hoffe. Dos ist noch keinem Mutterland geglückt. Rur müssen wir auch eine Reihe Schaiien- seiicn konstatieren. Wenn diese nicht beseitigt werden, kann ich künftig kein weiteres Geld für die Kolonien bewilli- gem Da ist vor allem die Eingeborenenpolltik. Aus allen Veröffentlichungen klingt ein erschütternder Notschrei über fie Behandlung der Eingeborenen auf den Plan- togcm Die Plantagen sind ein Fluch für die deutsche Kolonial- Politik Das ganze System des Betruges der Eingeborenen in unseren Schutzgebieten muß sofort beseitigt werden. Der Staatssekretär wird dabei einen schweren Stand haben, weil eine kleine und mächtig« Clique dieser System aufrecht-erhalten will. Aber er muß sich darauf stützen, daß er die große Masse'des deutschen Volkes hinter sich hat, wenn er wirklich die Absicht durchführen will, dem System der jetzigen Eingeborenenpolitik cin Ende zu bereiten. Berichte von Misst»- narcn die lang« in Asrika leben, bringen entsetzliche Bilder der Zustände, die das System de» staatlichen Arbeit», zwange- geschaffen hoi. Der Staatssekretär hat dies System telegraphisch durch Order an den Gouverneur tofort zu b«. scitiaent E« hat vollständig abgewirtschaftet. Do» beweist der Ilmstemd, daß die Plantagen jetzt StaatSzuschüsse verlangen.
Dm können w»r dem Absterbcn de« wertvollsten Altivumt unterer Kolonien Vorbeugen? In dichibevöllerlen Gegenden fint weihe Ansiedlungen zu verbieten und Musterschulcn einzurichien die die Eingeborenen zu produktiver Tätigicit erziehen. Wunderlich ist daß Gouverneur Schnee die ostaftikanlsche HauSsklaverc, über den grünen Klee lobt. Wenn man sie nach seinem »orschlax langsam absterbcn läßt, wird st, noch äO bis 60 Jahre dauern Das wollen wir nicht. Wir wollen, daß die Abschafiunk her H-usjltam«rci blklWOcrnjckich li>r Auge.geiaht., uni
in die Wege geleikcl wird. Mehr Acrzte in die Kolonien! Mehr als in. > z.c.tzl Le». iiAi ,iou..r. *.i eine Kultur
träger in den Kolonien und leistet mehr als die staatlichen Autoritäten. Tie Wünsche der Missionare finden an amtlicher Stelle nicht immer die gebührende Berücksichtigung. Es sollte ihnen die Erziehung der Eingeborenen erleichtert werden. Sir sollten Zollfreiheit erhalten, auch mehr Grund' und Boden zur Bestellung. Bei Durchführung dieses Kolonialprogramms wirk der Staatssekr-'tä'' viele Schwierigkeiten haben. Er hat den guten Willen, er wird, wenn er es durchsetzt, ein nationales und christ- licheS Werk geschaffen haben. (Beifall.)
Abg. Keinath (Natl.):
Wirkliche Kolonialpolitik treiben wir eigentlich doch erst seit zehn Jahren. In dieser Zeit ist doch manches erreicht worden. Wir Hallen eine friedliche Ausdehnung der Verwaltung auch in die inneren Gebiete der Kolonien. Tie Handclsziffern sind gegen früher doch erheblich gestiegen. Vor allem hat der Außenhandel unserer Kolonien die Richtung genommen, die wir im heimatlichen Interesse wünschen müssen. Sie produzieren und führen aus die Rohstoffe, die wir in Deutschland nicht Herstellen können. So decken die deutschen Kolonien im wesentlichen unseren Bedarf an Sisalhanf, zum guten Teil auch in Kautschuk. Oelfrücksten u. a. Früher hieß es, Baumwolle kann wegen des Bodens überhaupt nicht in den deutschen Kolonien gebaut werden. Heute heißt es, die Produktion ist so minimal, daß sic nicht ins Geivicht fällt. Diese Entwicklung ioird weiter gehen, wenn wir sie vor Störungen schützen. Die finanzielle Entwicklung ist durchaus erfreulich. Tie eigenen Einnahmen der Kolonien sind gestiegen, zum Teil in unerwartetem Tempo. Ein rauhes Eingreifen würde schaden. Solange die reiche Einnahmequelle aus den siidwcstafrikanischenTiamantcn fließt, soll man voran denken, andere wirtsckiaftliche Werte zu schaffen und dauernd zu schaffen. Dazu rechne ich die Wassererschließ ung in Südwe st. Tafür sollte jene Einnahme verwendet lverden, die so der Zukunft der Kolonie zugute kommen soll. Sie solle deshalb nicht dem Reich zusallen. sondern der Kolonie verbleiben.
Das Kapital hat man ermuntert, in die Kolonien zu gehen. ES würde gegen Treu und Glauben verstoßen, wenn man cö jetzt vertreiben wollte. Ueberbaupt l>at es bisher in unserer Kolonien leine glänzenden Geschäfte gemacht. Der Schlafkrankheit werden wir wohl leider niemals Herr werden. Bedauerlick bleiben die kleinlichen Händel zwischen Beamter und Farmern und mit den Missionaren. Die Erfolge der letztere \ werden hauptsächlich gefährdet durch den Streit der Konfessionen, der dem Islam zugute kommt. Die Eisenbahn- Politik unterstützen wir gern. Wir wünschen ein großes Eisen- bahnnetz, Nebenbahnen zu der nach dem Tanganjikasee führenden großen Bahn. Gewiß, in den Kolonien sind viele Greuel vorgekommen. Aber ich widerspreche den beiden Vorrednern, die die Tinge verallgemeinert haben. Von einem bösen Willen der Pflanzer ist nicht die Rede. Die Pflanzer haben das größte Interesse an einem richtigen Ein geborenen schütz. Sie sind bereit. Familien von Eingeborenen anzusiedeln und stetige Verhältnisse zu schaffen. Die Entvölkerung der afrikanischen Gebiete beschränkt sich nicht auf die deutschen Kolonien. Es ist eine allgemeine Erscheinung. Wir billigen alle Maßnahmen die den Alkoholkonsum der Eingeborenen V^fchränken.
Mehr Aerzte müssen in die Kolonien gehen. Wir brauchen eine Mischung von Europäerpflanzungcn und Eingebocenen- kulturen. Eine Ueberspannung des Rechts der Eingeborenen darf nicht zum Unrecht gegen die eigenen Volksgenossen führen. Erst hat man die Unternehmer veranlaßt, hinauszugehen. Jetzt will man ihnen die Anwerbung von Arbeitern erschweren. Das ist unbillig. Die deutschen Kolonien müssen dem Mutterlande Rohstoffe liefern und selbst Absatzland für deutsche Erzeugnisse werden. Unsere Kolonialpolitik muß aber auch dem Eingeborenen zugute kommen. Wir erkennen an. daß die 0 st afrikanische Schutztruppe Gutes geleistet hat. Wir wünschen eine stetige Kolonialpolitik. (Beifall.)
SfFfl. Gothein (Dp.):
Uns fehlt das Urteil über die Details. Wir müssen hier vom grünen Tisch aus über Dinge beschließen, die in den fernsten Gegenden geschahen. Die Selbstverwaltung wird am ehesten in Südwestafrika möglich sein, wo wir eine starke weiße Bevölkerung haben. Die Gesetzgebung über die Eingeborenen muß aber unbedingt beim Reiche bleiben. Wir sollten uns doch hier nicht ewig darum herumstreiten, ob Kolonien nötig sind oder nickt (Sehr gut!) Aber in dieser Haileder Wiederholungen wie mein Freund Naumann sie nennt, hört man das immer wieder. Eine Bevorzugung unserer Kolonien in zollpolitischer Beziehung würde zur Folge haben, daß England dasselbe macht. Und dann hätten wir nur den Schaden. Unsere Schutzgebiete können für uns nur Absatzgebiete werden, wenn wir sie wirtschäft- lich erschließen, und wenn wir die Eingeborenen kaufkräftig machen und sie kulturell fördern. Das sollten sich die Sozialdemokraten merken. Gewiß ist die Kolonialpolitik mit Kolonialsünden belastet. Die Eisenbahnen sind unbedingt notwendig, wenn wir aus den Kolonien überhaupt etwas machen wollen.
Nach der Dittmannschen Logik hätte weder der Suez- noch der Panamakanal gebaut lverden dürfen. Was sind da für Menschenleben zugrunde gegangen. Natürlich mrrß bei den Eisenbahnbauten mit aller Vorsicht und mit aller Rücksicht auf die eingeborenen Arbeiter vorgegcmgen werden. Die Eingeborenen haben am meisten unter den Trägerdiensten gelitten. Diese werden jetzt durch die Eisenbahner abgeschafft. Die Plantagen haben sich bewährt. Sic erziehen die Schwarzen zu geordneter Arbeit. Wir wollen aber trotzdem keine Plantagenkolonien, sondern einen schwarzen Bauernstands Ick verstehe nickt, wie der sozialdemokratische Redner sich gegen die neuen Bahnen wenden konnte! Wir brauchen auch Zubcingerbahnen. Dadurch werden die Eingeborenen erst kaufkräftig. Wir erkennen die Tätigkeit der Missionen ohne weiteres an. Wir möchten sie in den Kolonien nicht missen. Es ist aber dringend notwendig, daß sie sich so verteilen, daß sic sich nicht gegenseitig ins Gehege kommen. Gc toisse Konzessionsgeviete für die verschiedenen Konfessionen wären zu empfehlen. Tic Aerzte haben eine außerordentliche Bedeutung als Kulturfaktor. Aber in einer Suahelifibel steht: »Der fremde Arzt betrinkt sich in Palmwein. Er schlägt jeden Tag seinen Koch." (Heiterkeit.) Das kann dem Arzt nicht das Vertrauen der Eingeborenen verschaffen. Wir leisten in den Kolonien eine .Kulturpolitik trotz allem, was gesündigt worden ist und noch gesündigt wird. (Beifall.)
Abg. Dr. Arendt (Rp.):
Ich stelle mit Freude und Genugtuung fest, daß ich mit dem Redner der Fortschrittlichen Volksportei im wesentlichen einverstanden bin. (Beifall.) Die Kolonien sind allmählich über di« bisherige Art der Etatsberatung InnauSgewachsen. Wir können hier nicht mehr über alle Einzelheiten entscheiden. Die Selbstverwaltung in den Kolonien entwickelt sich naturgemäß immer lveiker. Mit außerordentlicher Freude erkenne ich die Entwicklung der Kolonien an. Die Vollendung der Zeutralbahn ist ein Ereignis, das erst die Nachwelt richtig einschätzen wird. Wie rückständig ist doch da der Standpunkt der SoziaDemokratie! (Sehr richtig!) Wenn man an die feurigen Reden Bebels denkt und dann Dittmann gehört hat, so muß man sagen, sie glichen einander wie Sekt und Limonade. (Hertrr- kcit.) Oder um ein koloniales Gleichnis z u geb rauchen, wie ein
Zichorienaufguß dem guten Kilimandscharo -Kaffee. (Heiterkeit.)
Früher war der Kolonialetat Ine Spitze der Etatsberatung. Das waren aufgeregte Tag« bei überfüllten Tribünen. Heute ist alles still unü friedlich. Das ist ein gute» Zeichen.
Den Streit der Missionen untereinander bedauern wir lebhaft. Damit schaden sie sich nur bei den Eingeborenen. Des verstorbenen PaterS Bauer gedenken _ wir dankbar. Er war ein durch und durch deutsch gesinnter Elsässer, der die kulturelle Entwicklung der Kolonien erheblich gefördert hat. Der ostafrikamschen Schutztruppe sprechen wir zu ihrem 25jährigen Jubiläum unsere volle Anerkennung auS. D,c Pflanzer tun das mögliche für das Wohl der Arbeiter. Im allgemeinen weiß der Pflanzer, daß nur der gut behandelte Neger ihm nützliche Arbeit leistet. Ick habe zur Verwaltung das Vertrauen, daß sie über daS Anwerbungssystem strenge wacht. Ich bin seit einem Mcnschenaltcr kolonialpol,tisch interessiert und bin selbst in Afrika gewesen. Man muß sich aber m acht nehmen vor den sogenannten afrikanischen sachverständigen. (Zurufe: Also auch vor Ihnen! — Heiterkeit.) Mitglieder dcS Reichstags si.id selbstverständlich auS- genommen. (Heiterkeit.) ,
Unsere Kolonien weisen erfreuliche Fortschritte auf. Da2 sozialdemokratische Kolonialprogramm ist ja so ziemlich in der freien Negerrcpublik Liberia erprobt worden. Diese Probe hat vohl niemandem die Lust zur Nachahmung gegeben. Opfer für die Kolonien sind nötig. Aber der Nutzen für die einheimisch« Bevölkerung überwiegt. Ohne weiße Siedelung kann es in den Kolonien nickt vorwärtSgehen. Wir legen die Saat und hoffe»« >aß die Ernte unsere Nachkommen einheimsen werden,
Abg. Mumm (Wirtsch. Vgg.):
Wir müssen uns die Erfahrungen der anderen Nationen inA >en Kolonien zunutze mache« und ihre Fehler vermeiden. Der 1i a u b b a u in den Kolonien hat sich überall schwer gerächt.
Zn der M i s s i o n s f r a g e besteht heute erfreulicherweise keine zrundsätzliche Gegnerschaft. Das ist der beste Beweis dafür, daß )ie Missionen ihre Aufgaben glänzend erfüllen. Es ist dabei beschämend. daß die Missionsgesellschaften stets an Geldmangel leiden. Sie müssen praktisch viel mehr gefördert werden. Dir Förderung der Herausgabe von Fibeln für die Eingeborenen ist lehr wertvoll. Das was Herr Gothein aus einer Suahelifibel zitiert hat, ist nicht typisch. Wir müssen mit dem Märchen von :iner paradiesischen Unschuld der Naturvölker aufräumsu.
Tie Krankheiten, die dort wüten, sind schon seit Jahrhunderte» wrt verbreitet. Die Geschichte ist eine Kette von endlosen grau- äinen Stnminesfehden. Der Eingeborene behandelt seinen schwarzen Knecht nicht gut. Aber er isr auch ausopferungsfähig. Das Schwergewicht in unseren tropischen Kolonien liegt auf der Eingeborenenkliltur. Wir werden nicht zu einer Abschaffung der Plantagen kommen. Immer muß aber der Grundsatz geltet: Der Mensch muß stets höher stchon wie das Kapital! Die Sterblichkeit der auf langjährige Kontrakte ange- worbenen einheimischen Arbeiter ist bedenklich groß. Manche Bezirksamtmänner haben sich deshalb geweigert, die Anwerbung zu gestatten. Wir dürfen nicht zun, Kongosystem kommen.
Das Haus vertagt sich.
Montag 2 Uhr: Wahlprüfungen, Weiterbcratnng.
Schluß 5 Uhr.
Die Organisierung deutscher Weltwirtschaft.
Gründung einer A n s l a n d s - G, nt, b. ö.
Die Deutsche Gesellschaft für Welthandel hat als Unternehmung, wie sie ursprünglich geplant war, aufgehört zü bestehen, bevor sic noch regelrecht geboren mar. In ihr wollten sich in erster Linie der „Zenlrglveibgnd Deutscher In-- buftrieUrr" »»d der „Bund Deutscher Industrieller" neben anderen Vereinen zusammenschlicßcn, um ein keinem Parl- ner allein gehörige» und doch für alle wichtiges Gebiet, das abseits von der Alltagsarbcit tag, zu beackern. Trennend« Momente iniicrpolitischcr Anschauung, auch persönliche Eitel keiten und Interessen haben sich der Erreichung des Zieles! cnlgcgcngestelll, Es überstürzten sich die Nachrichten von neuen Berbandsgründungen, die alle unzweideutig die Ab- sicht verrieten, sich ja nicht unter den Einfluß des Zentral verbandcs zu stellen, aber daneben auch für besondere Jn?- tcressen besondere weltivirtschastliche Vertretungen zu schaffen. Bald konnte man sich unter den Namen all der neu gi>- gründelen Gesellschastcn nicht mehr zurcchlsindcn: Wir lasen von einem „Deutsch-Amerikanischen Wirtschastsvcrband", von einer „Deutschen weltwirtschaftlichen Gesellschaft", von einer „Chamber os Gcrman-American Commerce" und von einem „Verbände deutsch-ausländischer Wirtschastsvereine". Das war etwas reichlich und zeigte, tvohi» die Reise ging.
Ter Zentralvcrband Deutscher Industrieller hat nun, so schreibt die „Rhcin,-Wests, Zig,", offenbar erkannt, daß, der ursprüngliche Plan von einem Teil seiner Urheber aus- gegeben war, und daß insbesondere kder Bund der Indio,' striellcn nicht unbedingt bei der Stange bleiben würde, Eü hat aber auch eingeschen, daß der Gedanke, der der Errichtung einer Welthandels-Gesellschaft zu Grunde lag, an sich gut war »nd weiter zu verfolgen sei. In dieser Erkenntnis hat eine Anzahl von Industriellen Rheinland Westsalens, aber auch bereits anderer Bezirke, cs für zweckmäßig gehalten, sich in diesen Tage» ihrerseits zu einer Auslands-G, m, b,£>, zusammcnznschließen, „um in Anknüpfung an inzwischen zurückgestellte ältere Bestrebungen den Gedanken an eine ruhige und stille praktische Arbeit aui dem angedcutcten Gebiete unter Heranziehung der dazu geneigten streife selbst weiter zu verfolgen," Wir führen hier ohne Crbeit und Ehrenzeichen zu nennen) die Namen der Männer an, die u, a. hinter der Auslands-G. m, b, H, stehen 1 Baarc Bochum), Beukenberg tHörde), Fromm (München), Haßlacher -Dins- burg), Haumann (Köln), Hugcnbcrg (Essen. Karcher (Dil-- lingen), Emil Kirdorf Ztreilhos), Klöckner ^Tuisburg), Müller 'Neunkirchcn), Müser Tortninndj, Oswald (Koblenz), Rcusch >Oberhausen), Louis Röchling <Völklingen), Springorum (Dortmund), Hugo Stinnes «Mülheim), Weißdorf (Saarbrücken),
Au» heften.
Die Gehaltsverhältniffr der Oberamtsrichrer,
Die Abgeordneten Grnncwald Wieg«,, und Genossen haben in der Zweiten Kammer iolgcndcn dringlichen Antrag eingebracht: Zum Beioldungstarii beantrage» wir bei ttlaii« 3‘J nt »palte 7 eine Acnderung dahin:
Ta» E n d g c h a l 1 der Obcramlsrichtei wird ÜN- irr'Wegiall der Stellenzulage aut HOOO Mk teftgesept In der Begründung heißt cs: Tic Zweite Rammcr hat beschlossen, den 20 dieostältcsten Richtern, die nach Zurückleqnnq einer Ticnstzcit mm 25 Jahren ein Gehalt von 6500 statt 6000 Mark beziehen, eine besondere vcnsionssähige Zulage von 500 Mk. über den Endgehalt von 7400 Mk, hinaus zu gewähren, Tic


