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Rt. 55 Zweites

Erschein! lägllch mit AuLiiahme des SonnIagS.

Tie«irhnr-r,sami>irndIäNrr" werden dem .Anzeiger' viermal wöciienllich beiqelegt. das Krcisblatt (nt den Krtis Sietzen" zweimal wochcnllich. Tielnndwirtschastlichen Seit­sragen" erscheine» nionallich zweimal.

Blatt tö4. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefjen

Mittwoch, 4. März,4(4

Roiatwnsdruck und Berlag der Brühl'schen Universnäls - Buch- und Sleindruckerci,

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei! Schul« slraße 7. Expedition und Verlag: ^Eül. R-daktimi!erE112.Tcl..Adr.!Anzeig-rKi-b-n.

Mb. Deutscher Reichstag.

82 6. Sitzung. Dienstag, den 3. Marz.

8lm Tische des Bnndesrats: Kractke.

Präsident Dr Kaemps crössnet die Sitzung um l Uhr.

Kleine Anfragen.

Abg. Keil (Soz.) fragt an:

Preffemitteilungen zufolge sind beim Trainbataillon N r. 13 in Ludwig s bürg eine größere Anzahl Mann­schaften infolge Genuffco gesundheitsschädlicher Wurst e r - krankt. .Kann der Reichskanzler Auskunft geben über Ur­sache. Zahl und Art der Erkrankungen?

Würrtembergischer Generalmajor von Grävenitz. Bei dem Württembcrgiscken Trainbataillon Rr. 13 wäre,» 18 Mann an Paratyphus erkrankt, der auf den Genuß von Wurst zurückzuführen ist Der Verlauf der Krankheit war günstig und sämtliche Mannschaften sind genesen. Es ist ge­prüft worden, ob bei der Herstellung und Abnahme etwas versäumt worden ist. Da« hat sich nicht fcststellen lassen, aber die Abnahme- bestimmungen sind noch verschärft worden. Es ist immer möglich, daß Krankheitserreger in die Wurst kommen, ohne daß sie sich gleich durch Farbe oder Geschmack der Ware fcststellen lasten. Eine «Sicherheit ergib! erst die bakteriologische Untersuchung, die natur­gemäß erst -mtretrn kann, lvcnn die Leute bereits erkrankt sind.

ist wohl möglich, daß die verhältnismäßig warme Witte­rung jener Tage die Entwickelung der Ärankheitskeime begünstigt hat. es haben sich aber bisher keine Anhaltspunkte ergeben, daß gegen die Lieferanten ein Vorwurf zu erheben wäre. Durch Vor­schriften kann man solche Vorfälle nur cinschränkcn, nicht aber verhüten.

Abg. Brey «Soz.) fragt an:

Kann der Reichskanzler Auskunft darüber gelten, welche' die Ursachen der Explosion in der A n i l i n f a b r i l L 1 ch t e n b e r g - R u m m c l S b u r g find und werden Maß- nahmeu ergriffen, die den Arbeitern und Angestellten vor einer solchen Katastrophe ausreichende Sicherheit gewähren?

Ministerialdirektor Caspar: Sosorr beim Eintreffen der

Kunde von dem beklagenswerten Unfall in Rummelsburg hat der Reichskanzler das zuständige Reichsamt des Innern beauftragt, an Ort und Stelle Erkundigungen einzuziehen. Die Ursache der Explosion Hai noch nicht festgestellt werden können. Es werden noch die Ergebnisse anderer Ermittlungen und Gutachten der Sachverständigen abzuroartcn se'N. Soviel steht fest, daß die Ex­plosion von einem Apparat, in dem Nitrobenzol hergestellt wurde, ausgegangen ist. Diese Apparate sind überall v o n gleicher Bauart. Auch der in Frage stehende Apparat ist nicht geändert worden, er war. wie die Untersuchung ergeben hat. in der üblichen Art gebaut. Sobald die Ursache festgestellt ist. werben wir nicht zögern, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen.

Der Meiat.

(Zweiter Tag.)

Abg. Kiel (Bp.):

Man hätte den Eta» günstiger gestalten können, wenn-nickt eine gewisse Furch' vor der Beamtenschaft be­stehen würde. Man fürchtet, die Beamten würden noch höhere Anforderungen st-llcu. wenn sie sehen, wie die Einnahmen an- wachsen. Die Masten von Petitionen beweisen, daß den Beamten noch vieles fehlt. Beamtcnausschüffe sind durchaus wünschens­wert. Die Beamten muffen in weitgehendem Maße das Recht haben, sich an Abgeordnete zu wenden. Sie würden in ihrer Freiheit beschränkt werden, wenn sie erst immer die Vorgesetzten tragen sollten. Die Organisationen sollten diese Bitt­schriften etnreichen. Die Abgeordneten dürfen sich das Recht nicht viehmen lasten, an Versammlungen von Postbeamten teilzuneh- rnen. Tie Tclegraphenmechaniker sollten den Assistenten gleich­gestellt werden. Tie Postagcnten stehen immer noch sehr schlecht da. Sie muffen ein besseres Grundgehalt und mehr Zulagen haben.

Die Postkreditbriefe sollte man auch aus gewisse Auslands- bezirke ausdehnen. Der Weltpostverein sollte durch ein Einheits­porto zu ctr.cm wirklichen Weltpostverein gemacht werden. Zn Grunde könnte ihm da» Porto des Lande« gelegt werden, aus dem der Brief kommt. Wenn wir auch keine Jubiläumsmarke aus- geben »vollen, so könnte dock die Gert» aniabries marke, die w:r?lich uns keine Ehre macht, durch eine bessere ersetzt wer- d»n. Beiechttgte Forderungen sind u. o. Vereinfachung der Paket- bejorderniig nack' dem Auslande, der Versendung von Drucksachen, stärkere Benutzung von Maschinen. Könnte z. B. bei Massen. Versendung von Drucksachen die Briefmarke durch eine geeignete Abstempelung ersetzt werden? Auch der Verkehr der Fen ster­il r i e -e wäre zu erleichtern. Dux Tclephonlinien sind überlastet, neue sind notig. Aus dem L-.nidc reicht die Telcphonvcrbinüung tatsächlich, liicht aus. Mit den Soldatenbriesen ..ui eigener An­gelegenheit des Empfängers" wird durch kundige Leute Mißbrauch getrieben. ES wäre eine Wohltat, »venu dieser burcaukratisckc Zop' abgesch i'.ittcn würde. Theoretisch lvürde ein einziges Post- schcckamt den ganzen Verkehr bewältigen, die großen Entfernun­gen macken eS aber unmöglich. Die Eingabe der großen wirt- schafllich-ii Körperschaften sollte die Verwaltung doch anders be­handeln. als die eine:, belrebigcn Privatmannes. So müssen wir diese Beschwerden hier ausführlich Vorbringen.

Abg. Mertin (Rp.):

Schon vor zwei Fahren habe ich den« Staatssekretär die Pojraoenten an sein warmes Herz gelegt Leider ist aber nichts geschehen. Mit der Ansgato der Post, dem Verkehr zn dienen, lasten 'ich ihre lieber,chüssc recht »oohl vereinen. Es tst unwahr daß die V o st b c a m t e n auSgcbeutet werden. Solche An»d-üs> ünd miss schürfte zu verurteilen, auch »m Jntcr- effe der Beamten, wen! es fix erniedrigen vruß. loenn sie als Ob- gekie der dingcitcllt werden. (>»chr ricktigl rechts.)

NiracrchS werden die Stellen zahlreicher vermehrt als bei der Post Verwaltung Weibliche Beamte sollen mit einer gewissen Vorsicht und Zurückhaltung angestellt werden. Schon bei der Ausbildung übernimmt die Verwaltung eine große Verantwortung. Der schwerste Uebclstand scheint dock, daß ein 16- bis 17jährigcs Mädchen Vorgesetzte älterer, verheirateter Untcrbeamter. sein soll.

5 cit-vlwndienst leisten die weiblichen Beamten allerdings An­erkennenswertes. Wünschcnskvert bleibt, daß de Petitionen, mit de»?e" »vir überschwemmt werden, einige Einschränkung finden.

Wunderbar sind die Leistungen, die in letzter Zeit die draht- loie Telegraphie geschaffen bat. M,t den Chisfrebriesen wird mancher' Unfi.g getrieben., er verdient ernste Beachtung. D,c Ankilndiauna der Postkreditbr.esc begrnycn nxt rmt Freuden, trotz- dem cs in der Oeftcntl-ckkeit sogleich h,eß:Ich kenne die Ab- ückv-n der Regierung nicht, ober ick mißbillige sie." Die großen S§rlüier Zeitungsfirmen Ullstein. Mos je. Scherl, der Vorwärts" machen von den amtlichen ZeitungsverteilungSstellen aewitter Aemter Gebrauch. Jetzt vertaugen sre, daß sie aus alle «emtcr ausgedehnt loerden. Angepchts derLertrustungund Monopolisierung der Berliner Presse rst daran wohl nicht zu denken. Der lo-'aldemokratstche Redner hat dem Staatssekretär »«rgeworfm. er habe m dem Falle v Reuter Vertuschen und die Wahrheit unterdrücken wollen. Er ,agtc »ogar, tzer Oberst habe denunziert und ganz unbcgrundrch: Vorwürfe ^r-

h.vden. Was har Oberst v. Reuter getan? Er hat sich als An geklagter verteidigt und erklärt, unter welchen schwierigen Verhält, nisten er lebte und handeln mußte. Der Staatssekretär hat mir daL Selbstverständliche gesagt. Tamrt hat er ferne Beamten und sein Jntereffc für sic nicht verleugnet oder ein Abhängigkeit? genibl bekundet. Wir sind aber nach wie vor der Meinung, daß bedauerliche Vorgänge wie in Zobern nur eine Ausnahme sind.

Staatssekretär Kraetke:

In der Art, wie wir unsere Gehilfinnen in das Amt cinfübren und aus die Prüfungen vorbereiren. glauben wir ganz aus dem richtigen Wege zu sen. Der Untecbeamtc wird einen ganz jungen Vorgesetzten, der ihm Vorhaltungen macht, nicht freundlicher an- sehen. Herr Kiel führte Beschwerde, daß auf dem Laude die Telephon gebühren zu hoch sind. Seine Partei hat ja aber gerade die Fernsprechgebuhrenordnung abgelehnt. Bei dieser neuen Ordnung.en die Vielsprecher schlechter weggekommen, aber das ist ja unser aller Wunsch. Jetzt unterhalten sich manche Leute vicrtelstundenlang über eine Gesellschaft vom Abend vor­her und denken nicht p-'ran, daß zehn andere Personen dringend auf Anschluß »varten Das »ft der Uebclstand des jetzigen Tarifs. Denn Sic schuld daran sind, daß die neue (Gebührenordrnmg ge­scheitert ist. so sollten Sic jetzt keine Vorwürfe erheben. (Sehr richtig! rechts.) .Herr Kiel behauptete weiter, die Einnahmen seien niedriger anaesetzt. un die Beamten nicht begehrlich zu machen. Ich wundere mich über den Mut zu dieser Behauptung, wenn man bedenkt daß wir 41 Millionen für das Personal an Der- bcfferungen auSgesetzt haben.

Es ist keine Rede davon, daß den Beamten verboten werden soll. Petitionen einzureichen, oder daß sie sic erst ihren Bor­ge setzten Vorleger, muffen. Die Abgeordneten können auch in die Versammlungen gehen. Ich hindere sic nickt daran. (Lachen links.) Das ist mehr Geschmackssache. Ich habe mich nur ge­wundert, daß die Abgeordneten, nachdem sic die Wünsche von einer Seite gehört batten, sie sofort als gerechtfertigt anerkannt batten, »hne die Stellungnahme der Verwaltung abzuwarten. Das liegt nicht im Jntereffc der Beamten. Ick habe daher gebeten, im Jntereffc der Beamten von diesem Verfahren Abstand zu nehmen. Aber den Besuch der Bersamrnlungcn kann ich den Abgeordneten nicht verbieten. (Lachen links.) Die Frage ier Telephonvcrbindungen mit England beschäftigt uns seit Jahren. Wir haben dauernd Versuche gemacht. Das Legen von Unterseekabeln war bis vor kurzer Zeit wenig erfolgreich fiir längere Gespräche, da sie nicht gut funktionierten. Erst seit einigen Jahren besteht, ein Kabel auf dem Wege von Calais nach Dover, das gut funktioniert. Jetzt wird ein Kabel zwischen England und Belgien gelegt auf 90 Kilometer. Auch dieser Versuch ist gelungeii. Das Kabel wird aber durch den belgisch-englischen Verkehr so stark benutzt, daß wir aas eine genügei'.de Beteiligung nickt rechnen können. Dann kommt noch ein Kabel von Holland nach England in Frage. Wenn cs gelingt, dann wird man auch ein deutsches Kabel einrichtci« können, das dann 450 Kilometer wng sein »vürde. Dabei sind die Schwierig­keiten nakürlich größer. Mit Rücksicht aus die großen Unkosten muffen wir da vorsichtig Vorgehen. Jedenfalls wird die Tele­phon Verbindung nach England sehr teuer sein und für jedes Gespräck von 3 Minuten 10, 12 oder 15 Mark betragen. Ten Postagenten kommen wir so weit entgegen, als es irgend möglich ist. Wir haben jetzt einen beson­deren Fonds für Nennleistungen gegründet. Bei einer anderen Einteilung würden die Leute weniger bekommen. Wir erhalten von ihnen fortgesetzt dringende Vorstellungen, an dem Bestehenden nichts zu ändern.

Abg. Brandys (Pole) klagt über schikanöse Behandlung der polnisch adressierten Briefe. Die Post ist von der Nadel st ich Politik gegen die Polen nicht frei, und es ist kein Ruhmestitel fiir sic. daß die polnische Sprache aus dem Briefverkehr immer mehr verschwindet. Polen »»erben in der Poftvcrwaltung nur angestellt, loenn sie ihre Zu­gehörigkeit zum Polentum verleugnen. Auf Denunziation des Ost marke »»Vereins lvurden 13 polnische Postbeamte versetzt. Die versetzten polnischen Beamten fühlen sich sehr un­glücklich über diese Maßnahmen. Sie würden gern auf die Ost- markcnzulage verzichten, wenn sie nur in die Heimat zurück­kämen. Die Ostmarkenzulagen lehnen wir nach torr vor ab.

Staatssekretär Kractke:

Ans die Frage der Ostmarkenzulagen will ich einstweilen nicht cillgehen. Fcststellen möchte ich. daß ich noch nie mit dem Ostlnarkcnvcrein in Verbindung getreten bin und niemals von ihm eine Liste der polnischen Beamten beko»n»nen habe, aus Grund deren dann Versetzungen vorgenommen wurden. Bei Versetzung von Beamten wird stets darauf Rücksicht genom- ! men. ob ihren Bedürfnissen d^. '[ Genüge geschieht. Jodes Gesuch eines Beamten um Versetzung uirb geprüft und nach Möglichkeit erfüllt, wenn keine Bedenken dagegr obwalten. Es ist auch wie dcrholt vocgckommcn. daß Gesuche . 'lnischer Beamter um Ver­setzung gebilligt wurden. Deshalb tre,s?n die Vorwürfe in ihrer i Allgemeinheit nicht zu. Es ist auch nicht richtig, daß bei der Briefbestellung an Polen anders verfahren wird w»c folchl. Wenn zuweilen an Polen Briefe mit beschädigtem Kuvert bestellt wur den. so deutet das nicht darauf hin. daß eine Kontrolle des In Halts stattgefiindcn hat. sondern ist nur darauf zurückzilführen, daß eine schlechte Umhüllung verlvendet wurde.

Abg. Dr. Werner-Gießen (Wirtzsch. V^'tz.):

Die On marken-u lagen sind durchaus berechtigt. Man darf die Rerchsbeaintcn nicht schlechter stellen als bit preußischen. Man sollte allen Beamten in gemischtsprachigen Geb eten solche Zulagen gewähren. Bea»ntenausschüssc sind notwendig Vielfach wird in den Reiben der Postbeamten über eine zu M'itgehcnbc Ausdehnung der Arbeitszeit geNagt. Es besteht nun iür d.c Bcam ten eine Reibe von Minimal und Mar,n»a!-Dienttarbei:sbeme> ,'ungen. Wir wünschen, daß sich die Bemessung der Stundcm mehr der unteren wie der oberen Grenze nähert. Es entspricht nur der sozialen Gerechtigkeit, daß man die Anforderungen aus ein ertrag liche> Maß zurückschraubt. Bei einer ganzen Reihe von Postämtern wird darüber stark geklagt. Ick verweise nur aus das S t a d t p o st a m t in Gießen. Die Gebühren der Bahnpostbeamlen bcdürsen der Erhöhung. Notwendig »st eine Neuregelung der Per­son a l o r d n u n g. Tic gehobenen Unterbeamten .sollte inan den mittleren Beamten angliedern. Gegen die Verwendung der Frauen läßt sich an und für sich nichts sagen. Schwere gesundheitliche NachteÜe für die Beamtinnen sind aber nicht zu bestreiten Die Frauenarbeit führt aber auch zur Lobn- drückerei. Die leitenden Stellen auch an Postämtern dritter Klasse, sollen jedensalls den mänillichen Beamten Vorbehalten bleiben. Der Postverkehr an den Aemtern dritter Klasse hat »ich in den letzten 25 Jahren so gehoben, daß vielfach mit einem Umsatz von 2 bis 3 Millionen im Jahre zu rechnen ist. Gerade im Schalterdienst, soweit ihn junge Damen versorgen, kommen die größten Unregelmäßigkeiten vor Auch die Disziplinarverhältnisse der Gehilfinnen bedürfen der Regelung: die wichtigeren Dienst­stellen bei den Postämtern dritter Klasse sollten nach »oie vor den männlichen Beamten Vorbehalten bleiben. In einer ganzen Reihe von Städten des Rheinlandes werden ja im Fernsprechdienst männliche etatsmäßigc dlmstenten beschäftigt. Weshalb setzt man in diese Stellen nicht Gehilfinnen, und dafür in die Postämter dritter Klasse die ctatsmäßigen Assistenten? Das wäre eine ganz günstige Regelung, die manche Unzufriedenheit beseitigte. Die Post- verwaltrr der Aemtrr dritter Kläffe wünschen eine airderc Rege­

lung ihres Titels. Mit dein Sekretärtitel sind sie nicht zufrieden. Außerdem streben sic danach, daß ihnen die Umtvandlungcn von Postämtern in Aemter ziveiter Klasse früher mitgcteilt »oerden, und daß dabn aus ihre persönlichen Verhältnisse entsprechend Rücksicht genommen wird. Den 'Wünschen der Postagenten bezüglich des Grundgehalts, der Alters- und Betriedszulagen, der Auslvandscnt- schädigungen und des Auslagenersatzes kann ick» mich nur anschlie- ßeu. Sic haben ja bei den Abgeordneten, denen die ländlichen Ver­hältnisse am Herzen liegen, schon eine verständnisvolle Beurteilung erfahren. Interessant wäre mit eine Aufklärung über das Ver­hältnis der Gehilfen zu den Postagcnten. In meinem Ort sah ich mit Erstaunen, das; ein Gehilfe bei einem Postagcnten in Uniform beschäftigt war. und zwar zu eine»n Tageslohn von 1,23 oder 1,32 Mark. Von wem wurde die Vergütung bezahlt, vom Agenten oder von der Direktion? Bon den Wcihnachts und Neujahrsvcrgü- tungen dürfte kein Unterbeamter ausgcnomnken werden. Die Bcr gütungen wären nach der Zahl der Ueberstunden zu bemessen, die für alle Aemter gleichmäßig festgesetzt werden sollte.

Erfreulich ist, daß die Beamten sich in steigendem Maße in die Versicherung aufnchmen lassen. Für die Arbeiter, die von der Post und Telegraphie beschäftigt werden, empfiehlt sich eine einheitliche Regelung der Löhne. Notwendig ist eine bessere ÄuS gestaltung des Fernsprechnetzes. Die Land orte müssen mit den Kreisstädten besser verbunden werden. Auch die Dienststunden: aus dem Lande bedürfen einer besseren Regelung. Die Mgeocd- neten Nocken und Oertel haben sich mit erfreulicher Entsckneden'- heit gegen unser jetziges Svstcn» der postlagernden Briese ausge­sprochen. Die Post sollte es dock cigentlick» ablehnen, die Rolle der Martha Schwertlein zu spielen. ^Heiterkeit!) Der belgisckn Postminister hat angeordnct. daß junge Leute unter 17 Jahren und Mädchen unter \S postlagernde Sendungen nur erhalten dürfen, ivenn sic von ihren Eltern durch Unterschrift daxu er­mächtigt sind. Mau sollte aiwrdnen. daß die jungen Leute einer' Geburtsschein mitbringen, danrit ihr Alter sestgestcllt werden kann. Dir Postrcklamc sollte nicht ausgedehnt werden. Die Post sollte nicht durch Anzeigen aus beit Löschblättern fortgesetzt für Tietz und Wertheim Reklame machen, für die Abendpost, die Mvrgenpost. das Berliner Tageblatt und airderc derartige Freunde des schaffen- den Mittelstandes. Die Post sollte dem deutschen Mittelstand bei seinem schweren Kamps gegen die Warenhäuser nickt in den Rückett sollen. (Sehr richtig!) Es wäre interessant zu erfahren, was bei dieser Reklame für den Postsiskus herausgesprungen ist. In einem Fernsprcchverzeichnis der Oberpostdirektion Dresden »vird sogar das Rote VolkshauS in Pirna empfohlen, (Hört? Hört!), ebenso die sozialdemokratische Volkszeitung in Pirna. (Hört! Hört!) Hier sollte der Staatssekretär mir einem qnos eqo dazwischen fahren. Die Postkreditbriese billigen wir. Anders ist es mit dem Post- zeitungsbriese. Sic haben cs namentlich der jüdischen Presse er' möglicht, ihren Einsliiß fort und fort fern von Berlin in gleicher Werse wie in Berlin selbst auszuüben. Dem» lieute kann inan schon am Abend das Abendblatt vom Berliner Tageblatt, die B. Z. anr Mittag usw. in den Cafes der Großstädte fern von Berlin bekom men. Ein großes rechtsstehendes Blatt wie die Schlesische Zeitung hat die Erlaubnis, einen solckre»» Post.zeitungsbries zu benutzen, nur aus 'Widerruf erhalten. (Hört? Hört!) Was der Berliner Presse recht ist. sollte der Provinzpresse doch billig sein. Die Einrichtung der Zeitungsbriese sollte enttveder aus den Bahnhoss- buckhandel beschränkt werden oder auch den Provin^zzeitungen zu Gute kommen. iSehr richtig?» Das Zeitungsgroßk-rpital hat sich in Berlin immer meln: zusammengeballt, namentlich seitdem auch die Bossiscsie Zeitung in den Besitz des Herrn Ullstein übergegMtgen ist. Die Zeitungen, die sich im täglichen politischen Kampfe aufs schwerste befehden, find nun in einer Eingabe au den Staats­sekretär herangetretcn und kämpfen nm» gemeinschaftlich für ihre durch Ullstein bedrohte Existenz. Tie Freisinnige Zettnng zieht mit der Deutschen Tageszeitung an einem Strange, um ihre Exi^ stenz gegenüber dem Vorivärts und dem Ullstein- und Mossv-Kon- zern durchzuführen. Diese Ueinen Zeitungen, an denen uvir alle ein großes Interesse haben, weil sie nicht vom Großkapital ge­beugt »oerden sollen, müssen unterstützt loerden. Sie wünschen, daß von der Obervostdirektion besondere Zeitungsbestellgänge für Berlin und »eine Bororte durch Ertraboten morgens und abends eingerichtet werden.

Wenn »vir auch oft viel auszusetzen haben an der Beamten- oolitik des Staatssekretärs, so erkennen »vir doch das^Gute. das er gewollt hat, an. Dem möchte ich noch einmal zum Schluß ent­schieden Ausdruck geben. (Beifall rechts.)

Abg. Zubeil (Soz.):

Der Staatssekretär ist in eine ungeheuer große Erregung ge- atcn. weil mein Freund Ebcrt den Fall des Obersten v. Reuter esprochen hat. trotzdem er eigentlich nur dessen Ausführungen derb unterstrichen Hot. Freilich, wenn er auf uns Sozialdemokraten los- schlägt, ist er ja der Zustimmung der Rechten sicher. Wir werden gegen Uetrcrgrisse der VorgT,etzten zu vertreten. Genießen die Äerztcvercinc jetzt auch die Portosreiheit? Mir liegt ein solcher vom Porto befreiter Brief des Aerzttvereins von Bad Oeynhausen vor. Die Unterbeamten sind so kärglich bezahlt, daß sie nicht au? kommen können.

Weibliche Beamte als Vorgesetzte können den Ton in den Büros nur heben In Rheinland klagt man mit Recht über schlechte Beförderung van Telegrammen. Das Uebermaß der ^ussichtSbcmnten macht die meisten van chncn zu Polizeiorganen der Behörde. Ihr 2lmt wird ein Spionieren. Der Redner for­dert ?1usbefferungen für Postboteri, Aushelfer. Postschmiede, Bahn. Postbeamten und bringt zahlreiche Beschwerden von mittleren und unteren Beamten vor. die besonder-? unter der Ileberbürdung mit Arbeiten leiden. Beim Postamt 39 in Berlin ist ein Oderpost, sekoctär tätig, dem der Staatssekretär ein Exemplar rwn Knigges Unrgang mit Menschen" übergeben sollte. Denn seine ständige Redensart, selbst alten Schaffnern gegenüber ist:Ihr Kerle habt' ein Brett vor dem .Kops, auf das man schr.eibcn sollte: Hier kann Schutt abgeladen werden." (Große Heiterkeit.) Mit der Arbeitskraft der Beamten wird Raubbau getrieben. Zablreiche Beamte erkranken, das sollte doch dem Berliner Ober- postdirektor Vorbeck zu denk«rn geben. Aber »oas kümmert das Vordecken. (Heiterkeit.)

Der Redner ergeht sich in heftigen Ängrissey aus die Direk­teren Berliner Postämter. (Präsident Dr. Kaempf bittet ihn. siw -ft» seinen Ausdrücken zu mäßigen.) Den schlimmsten Ruf hat das lLpstamt 14. Das Amt 68 hat sich etwas gebessert. Das beweist, daß die Strafpredigten, die ton dieser Stelle aus gebalten werden, doch etwas nützen. (Heiterkeit.) Gott sei Dank, einige Herren .»d noch bcfferungssähig. (Heiterkeit.) Die Bildung mancher Direktoren scheint aus der Kaserne des Deutschen

Reiches hervot^cgangen zu sein. Solange der ichige Chef der Reichspmtverwcttung an feiner Stelle steht, »oerdc ich leider wie in diesem Jahr: die Zeit des Hauses lange in Anspruch nehmen.

Staatssekretär Kractke:

Während des Rede des Abgeordneten Zubeil habe ich das -lederdruckende Gefühl gehabt, daß hier das höchste Recht des Abgeordneten, b«c Redefreiheit, ausgenutzt wird. (Lärmender Widerspruch b. t. Soz.) um pflichttreue 'Beamte in schtnerster Wci'c zu belerdß'en. Das ist um so bedauerlieber, als das hier vorgetragene Metcrial aus einsettiger Zuträgerei beruht. Herr Zubeil verstößt gegen den Grundsatz, daß man den ande­

ren Teil auch arttören soll. Mir bleibt nur »ibrig, gegen diese Angrisssweise in 6^»S ernstlicher Weise zu protestieren. (Lebhafter Beifall) und auck ^ä<gen, daß Herr Zubeil sich erlaubt hat, . (lebhafte Unruhe ^ ö - ®°ä* un * ) lärmenÄe Zn r ns e; Srkanbk^