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Ser «letsenrr Anzeiger

»schemi täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich GießeuerZamilienblctter; jlwcimal wöchentl,iireir- blattiürdenl>ee>?4ießen tSieiisiag »ndFreitaql; zmelmal inonail. rand- wirtichastliche Aeitsraqen Fenisvrech - Anichlüsie I die Redallion 112, "erlag ti. Exvedition öl Jlbrci'e iür Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme non Anzeigen tür die Tagesnnmmer bis vorinittagS 9 Uhr.

Erstes Blatt

164- Jahrgang

Montag. 25. Februar J9J4

General-Anzeiger für Oberhesfen

Rotationsdnick «NS Verlag -er vrühl'jchen Unio.-Such- und Stein-ruckerei K. Lange, «edakttoii, Lrpedition und Druckerei: Schulftrahe 7.

Äe»ue-«»rct-:

,nonatlich7»Ps., viertel­jährlich Alk. 2.29; durch 'Abhole- u. Zweigstellen monatlich SS PI.; durch diePost Mk.2.-viertel» jährl. ausichl. Besteüq. Zeilenpreis: lokallSPs, nusivärts 20 Mennig. Chefredakteur: A.Goetz. Verantwortlich iür de» polit. Teil: Slug. Eoetz: iür .Feuilleton", ,Ver­mischtes" und.GerichiS- faal" : Karl Neurath; für »Stadt und Land": Kurl Bendt; iür de» Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Tagestalcnvcr aus t>cm Aahre 1lstI4.

La. Februar; Gefecht bei .Trotz eS. Napoleon leitet selbst den Angriff; General Vollmann leistet tapfer Widerstand.

Das hnttenzechen-problem im Aohlenfyndttal.

W. Essen, LI. Fcbr.

Das rheiuisch-wcstsäiisckic Kohlensyndikat gehört zu den ältesten Kartellen im Deutschen Reich. Es besteht seit un­gefähr 20 Jahren und hat für die Eiitwickelung unseres ge samten Wirtschaftslebens eine große Bedeutung erlangt, die heute auch^ von seinen früheren Gegnern anerkannt loerden muß. Seit Jahr und Tag nun bemüht man sich, nm die Grundlagen zu finden ,auf denen ein neues Kohle», synditat aufgebaut werden kann, das bekanntlich Mitte iiächstcn Jahres fein Ende erreicht. Ein besonderer Ausschuß hat schon feit t9U alt einem neuen Vertrags-Entwurf ge­arbeitet, zu dem Gehcimrat Kirdorf das Gerippe mit den fundamentalen Neuerungen für den Aufbau geliefert hatte. Mit Ende des verflossenen Jahres lvaren die AuSschuß- beratnngen denn auch soweit gediehen, daß man eine gene­relle Lösung gefunden zu haben glaubte und die Sache nun der Vollversammlung der Zcchenbesitzer überwies. Leider aber ergab schon die erste Beratung im Plenum vom 10. Ja­nuar, daß nian sich stark geirrt hatte in der Annahme, daß sich die Allgemeinheit ans den neuen Vertrags-Entwurf festlegcn würde. In der Versammlung ergaben sich der­artige Meinungsverschiedenheiten selbst über die Haupt­punkte, daß sie vollständig ergebnislos verlief und der Vertrag einer erneuteir Durchsicht unterworfen wurde. Wie scharf aber die Gegensätze auch jetzt noch bleiben, ergab die zweite Vollversammlung, die am 20. d. M stattfand, in der der Vorsitzende, Gehcimrat Kirdorf, sein Amt als Leiter der Verhandlungen »icderlegte und diese vorläufig abge­brochen werden inußteu, da eine Zechengruppe erklärte, nicht mehr daran tcilnehmcu zu können. Tie ganze SyndikatS- frage ist damit vorläufig auf einem toten Punkt angelangt, über den hiiiwegzukommen nicht ganz leicht sein wird.

Wer die Entwickelung der inneren Shnditalsverhältnisse in dem letzien Jahrzehnt aufmerksam verfolgt hat, der wird iich über de» Gegensatz der Metnunghn nicht wundern. Es handelt sich um das Problem der reinen und ge­mischten BetricbSsorni, das die Gegensätze im .üahtenjtzndilat hcrvorrust. Das Problem ist in unserem Wirtschaftsleben seit einen: Dutzend von Jahren aktuell. Es beherrscht nicht nur' den Bergbau, sondern es beherrscht noch weit mehr unsere Eisengroßtndustrie, es beherrscht alle anderen Wirtschaftsgebiete. Das Bestreben moderner Wirtschaftsweise ist intensiv daraus gerichtet, ein Fabri- kationsgebiet in seinem weitesten Umfang vom Urstoff bis »um Fertigfabrikat völlig zu umschließen. In der Eisen­darstellung ist dieses Bestreben bereits vollkommen erreicht. Die großen gemischten Eisenbetricbe, wie Krupp, Dhyssen, Phönix, Gctsenlirchcn umschließen das ganze Gebiet von der Erz» und der Kohlengewinnung über das Roheisen, den Rohstahl, das Gießerei- und Walzprodukt bis zur fertigen Kanone und Maschine. T« diese großen Eisenbetricbe sich nun auch im meitgehendlsteu Mäße Zechen angegliederl haben und die Kohlen- und Kokserzeugung betreiben, so sind sie

auch Mitglieder des Kohlcnsvndität^ und bilden hier eine im Laufe der Zeit ziemlich mächtig gewordene Gruppe; die vüttenzechcn. Ihnen gegenüber stehen die reinen Zechen, d. h. diejenigen Zechen, die nur die Kohlen- und Rotsgewinnung betreiben. Solange sich das rheinisch-west­fälische Kohlcnsyndikat nur aus homogenen Zcchenmitglie dcrn zusammenseyte, waren Konflikte innerhalb der Stzndi- tatsschranken, wie sie heute bestehen, nicht möglich. Erst mit dein starken Amvackiseu der Hüttcnzechen und dem dadurch bedingten Zurückdrüngen der reinen Zechen begann' der Kamps um dtc Existcnz auf der einen Seite und das gute Recht auf der anderen Seite. Tie Eisenindustrie war von jeher der stärkste Abnehmer der Kohlcnindustric und ist es ebenso heute noch. Ta die Hüttenzechen aber in ihren großen gemischten Hüttenwerken die Eisendarstellung nach und nach in der Hauptsache auf sich tonzcntriert haben, so geht ihr Bestreben natürlich dahin, den gesamten Brenn stofsbcdars ihrer Eisenhütten auch ans der eigene» Kohlen gcwinnung zu decken. Wo die Kohlcncrzcngnng dafür nicht ausreichte, ging man zu ihrer Vermehrung über, und so sind die reinen Zechen allmählich von der Versorgung der Eisen­industrie mit Brcinistofs ausgeschaltet worden. Sie selbst taten ein klebriges durch eine verfehlte Preispolitik, um dieser Ausschaltung noch Vorschub zu leisten. So leiden die reinen Zechen denn heute stark unter Absatzstockung, die in schlechten Zeiten besonders drückend für sic ist. Zurzeit beispielsweise können sic nur 55 Proz. ihrer Kokscrzeugung und kann, 80 Proz. ihrer Kohlcn absctzen, während die Hüttenzechen durch ihren großen Sclbstverbrauch natürlich weit günstiger stehen.

Im neuen Syndikatsvertrag nun geht das Bestreben der reinen Zechen dahin, dem Ausdehnungsdrang der Hüttcnzechen in Bezug ans den Selbstvcrbranch an Brenn­stoff etwas zu unterbinden. Nachdem man schon in dem früheren Vertrag die Hüttcnzechen gezwungen hatte, sich für ihren Selbstverbranch ziffernmäßig festlegen zu lassen, sucht man im neuen Vertrag natürlich ans seiten der Hüttcnzechen diese Schranken aus alle mögliche Weise zu umgehen, wäh­rend natürlich die reinen Zechen diese Fesseln int Selbst- Verbrauch unter allen Umstünden ausrecht zu erhalten suchen, um im Absatz nicht noch weiter znrückgedrängt zu werden. Daraus ergibt sich die schwierige Situation für die Rcuschasfung des Kohlenshndikats, die bis zum 15. Mai d. I. in die Wege geleitet sein muß.

Veutiche» Aei«h.

Auslösung des R e i ch s v e r b a n d c s Deutscher Acrztc. Von zuständiger Seite erhält das Wolff-Burcau folgende Mitteilung; In der am Sonntag im Zentralhotel in Berlin abgehaltencn außerordentlichen Versammlung des Reichsverbandes Deutscher Aerzte ist die Auflösung des Verbandes beschlossen worden unter folgender Begründung: Im Verlaus der jüngsten Einigungsverhandkungcn im Reichsmat des Innern, an denen auch der Rcichsvcrband Deutscher Aerzte aus Veranlassung des Staatssekretärs des Innern beteiligt gewesen ist, ist unter dem 2.3. Dezember 1913 ein A b k o m m c n zwischen Aerzte» und Rasscnverbän- den abgeschlossen worden, wodurch die Programmfordc- rungen des Reichsverbandes erfüllt und auf zehn Jahre sestgelegt sind. Demzufolge I>at der Rcichsvcrband nunmehr sei» Ziel erreicht und kann befriedigt die Waffen riicdcr- lcgcn.

Dem Ständigen Komitee für b t c von H o ch- Wasser bet rosfenen Hilfsbedürftigen sind u. a.

überwiesen worden; Von der Stadt Hamburg 5000 Mk., von der Stadt Breslau 3000, der Allgemeinen Deutschen Krcdit- anstatl in Leipzig 1000, von der Baronin Mathilde Rollo schild-Franlsurt a. M. 2000, von der Continental Cavut- chouc. Guttapercha-Eomvagiiic in Hannover 1000 Mk. Kleidungsstücke sind an den Landrat des Kreises Hehdckrug, Peters in Hcydckrug, Ostpreußen, zu senden. Tic Eisenbahn dircliionc» befördern solche »»entgeltlich. Weitere Geld­spenden sind dringend erforderlich und werden euigegen- genommcn von den Provinzialkaniikecs, den bekannten Zahl­stellen und vom Bureau Berlin, Alsenstr. 10.

T i c Sozialdcinokratic als Schutz göttin der Sträflinge. Zu welchen Agitationsmitteln die Sozialdcinokratic bereits greifen muß, zeigt ein Antrag, den die sozialdewokratische Fraktion des preußisätz-u Ab­geordnetenhauses am Sainslag gestellt hat. Er verlangt nichts weniger, als ans Mitteln der Steuerzahler die An­gehörigen von Verbrechern zu versorgen und die Verbrecher der sozialen Versichern,igspflicht zu unterstellen. Im ein­zelnen verlangt der Antrag zur Förderung der Fürsorge für die Angehörige» der Etrasgesaiigenen l00 000Mk. in den Etat cinzusetzen, weiter die Staatsregierung zu ersuchen, die erforderlichen Schritte zu tipi, um baldigst eine aus­reichende Fürsorge für die Angehörigen der Gefangenen und für die entlassenen Strafgcsangcncn zu organisieren und einen Gesetzentwurf vorznlegen. der eine hinreichende Krqnkc»-, Unfall und Invalidenversicherung der Straf­gefangenen schafft.

CineAmerikarciscdesKönigsvonBayern? TieBerliner Korrespondenz" weiß zu melden, daß der/Kiä nig von Bayern den Plan einer Amerikareise ins Auge ge saßt habe und wolle, falls nicht andere Dispositionen den. Plan durchkreuzten, einer Einladung des Generaldirektors Ball in folgend, im Juni 1914 mit dem neuen Dampfer der Hamburg-Amerika-LinieVaterland" die Reise nach Amerika antreten. Die Rückkehr sei mit demselben Schisse vorgesehen, an deni der König als Taufpate ein vcfonderes Interesse nähme. Ans Erkundigungen an zuständiger Stelle wird denMünchener Neuesten 'Nachrichten" dazu mitgetKlt, daß dem König tatsächlich der Vorschlag einer Amerikarclsc mit dem DampferVaterland" gemacht wurde, der .König sich scdo;ch entschlossen habe, die R eise nicht zu unter­nehmen. "

Aurlanv.

Eine türkische Eis cn bahn ko nzession an die Italiener. Aus Konstaniinovct wird gemeldet; Nach sicheren Informationen, die in diplomatischen Kreisen be­stätigt ivcrden, erteilte das Ministerium für öffentliche Ar­beiten endgültig die Konzession für die Eisenbahnlinie von Adalia nach Burdnr an eine Gruppe von italienischen Kapitalisten unter Führung der Baue« Eommercialc Mi­lano, welche in Konstanlinopel eine otlomanische Gesell schast gebildet hat, die im vergangenen Sommer das Recht zum Studium ocs Baues von Eisenbahnen im Bassin von Adalia crhalicn hatte. Ter Beamte im Ministerium für öffentliche Arbeiten, Ghalib. reist mit einigen italienischeti Ingenieuren ab, uni die cndgülligc Trace fcstziistcllen, die augenblicklich nur bis zu einer Eiitfcrnung van 10 Kilo­metern von der englische» Linie Smyrna-Aidin reichen soll .weil die in London zwischen dem Vertreter der italie- nischcn Finanzgruvve, Nogara, und der englischen ltzc- scllschafl gcsühricn Berhandlniigen, bctrcsfcnd den B c r z i ch i der englischen G e s c t l s ch a i t aus die Klausel,

wohltätigkeits-ttonzert der ttroabauerschen, chuarteltvereinr in Gießen.

Gießen, 23. Febr.

Ein Wohltätigkeitskonzert will immer von einer möglichst Ivotzlwollenveu Kritik besprochen werden, mit andern Worten; der Kritiker wird zwar gebeten, über das Konzert zu berichten, soll nber nicht nach seiner Ueberzeugung, sondern nur nach der Ver­anstalter Meinung ichreibe». Es ist diese Art von Besvrechung Kritik dars man dies wohl nicht nennen überall da angängig, loa taitächlich der wohltätige Zweck der Veranstaltung das einzig nnsichlaggebeuoe Moment ist. Soll aber auch derselbe Matzslab da angelegt werden, wo ein Verein, wie der Kronbanersche Quartett- verein unter einem Führer von solch musikalischen Qualitäten wie Meister Trattimann mit Znhilienabme des zurzeit aus­gezeichneten Militärorchesters ein Wohltätigkeitskonzeri veran­staltet'? Ich kann mich mit dem besten Ailten nicht zu einer bloßen lobenden Besvrechmig in längst belannten Redensarten entschließen und will das gestern so grobangelegte, von künstlerischem Streben und Können beredtes Zeugnis ablegende Konzert mit demselben Ernst behandeln, mit dem es gestern im Stnbttbcatcr abgehoben wurde.

Eingeleiiet wurde der Abend mit dem klanglich wie rhvtbmisch und dhnamisch vrächtig einstlidierteii Chordie Ällmachi" von Schu­bert. Hieraus folgten vier ganz geniale Lieder des gleichen Kompo- nisteu mit .Rlavierbegleituug, von denen das dritteIm Abendrot" schon deswegen hernorgehoben z» werden verdient, weil es unver­dienterweise sehr ielten gesungen wird. Herr Ernst Everis. Kon- zertsönger ans Köln, hat eine sehr stimpathische. wenn auch nicht allzugroße Baßbarilonstimme und weiß sie auch sicher zu behan­deln. Gute Bokalisierung und ausgeglichene Tonbildung abge­sehen »rni einigen beim Pokalo" ip der .Höhe hie und da bemerkte» Gaumentönen, verbunden mit einem schlichten Boriragsialent, er­warben iinn raich die Gunst des Publikums.Der Wanderer", und Im Abendrot" lvieTer Musensohn" undWohin"' ver­mittelten nur günstige Eindrücke, wenngleich die beiden letzien Lieder eiwoS mehr Temverameni und Leichtigkeit im Vor­trag vertragen. Ter zweite Solist des Abends,. Herr Hein­rich K r u s c, König! Kammermusiker aus Hamburg, zugleich ein Gießener Kind, bestritt mit dem äußerst schwierigen Konzert in T-dur für Violineell von Haydn die dritte Num nur. Bon den fechs Cellokonzerten, die Haydn komponierte, ist dieses D-dnr das von den Cellisten bevorzugteste. Es ist aussallend, ivas m Houdn in technischer Beziehung diesem Instrument znmutcl und der Grund dieser Schwicrigkeitenhäusung ist vielleicht darin zu linden, daß Haydu sehr wenig für Cello, wohl aber sehr viel außer ver schieveneu Konzerten 175 Solostücke; für das seinerzeit sehr beliebte 67saitige Baryton, einem Streichinftriiment ungefähr in der

t'efjr sichere linke Hand, die ihm die schwierigen Passagen, besonders m der Höhe verhältnismäßig leicht und sicher überwinden läßt und erspielte sich vor allem »ach dem wunderbaren Adagio einen großen Beitallerfolg Autsallend in diesem Konzert sind die geninl hinein- geworfenen Jnstrumeniaiioiisesfekie.Abendsiille am Meer" für Männerchor und Drchesier von c-chwal,n als Nummer vier tvar leider der wunde Punkt des Abends. Nicht weil es nicht gut vorbe­reitet war, im Gegenteil setzten gerade hier Chor und Dirigent und Orchester alle ihre Vorzüge ein, doch vergeblick, diese Komvo- sition ist eben doch nickn zu retten. Für die Singstimmen sehr un- sanglich im vierstimmigen Satz unllanglick, aesetzt. und das Or­chester ungeschickt behandelt, war es vergebliche Mühe, dies Werk seinem Ewigkeiisschlnmmer entreißen zu wollen. Das Publikum hat dock, bei solchen RomposiiionSerscheinungen soiori den rich­tigen Instinkt es übergeht sie mit Stillschweigen. Da tvar es eine Wohltat, Carl Lötves Balladen' ,,','lrchibald Douglas" und daS ganz genialeHochzeiislied" zu hören, das Herrn Everis einen rauschende» Beiiall einlrug u»o für deren auch mnemvtechnnch erstaunlichen Vortrag der Lolist nur mit einer ebeuio danlbareu Kompoiiiion von Mozart daulen konnte.

Tohannisnacht am Rhein" von Rheinberger und das iür Chor und c-rchesler gleich wirlungsovll und iechniich meisterhaji ge­setzteFrühlingsnetz" van C. Goldmark vermittellen nur alte günstige Eindrücke iür Chor und Orchester. Nummer siebe,, brachte eine .Komvositian des Solisten Herrn Kruse für Cello Meine Heimat", ein leicht ansprechendes Salonstück, das überall s«ne Liedluckier sinden wird, und ein VirmoienftückchenElien- lanz" non Povvee, daS dem Cellisten nochmals Gelegenheit gab, seine Technil in ein sehr günstiges Licht zu setzen; er nuittierte ben reichen Beifall mit LchumannsTräumerei". Teil Schluß des Konzertes bildeteSalamis. Sieaesgcsang der Griechen" iür Männerchor und Orchester von Gernsheim, ein großzügig ange­legtes sein gearbeitetes Werk, das ausgezetchnel wiedergegeben wurde und das verdienten^großen Beiiall iand, iür den Pros. Ti au,manu, der glänzende Führer und Meister des Vereins, einen grofen Teil iür i,ch in Ansvrnch nelnnen kann. Ten Verein telbst kann nur der Wunsch begleiten, seinen, Führer in der hingebenden, willigen Weise zu unterstützen, wietes gestern der Fall war; dann werden sich die Erfolge auch außerhalb der intimeren Ver- einskonzerie mehren und den Verein in dem Bewußtsein erstarken lassen, daß ec nicht nur seinen Zwecken, sondern vor allem, dem leben Gießens zu dienen.

Unsere Militärlapelle setzte ihr ganzes .Können ei», nm den Ersolg des Abends zu sichern und kann mit Genugtuung aus das gestrige Konzert zurückblicken. Jni Piano tragiähig, im Forte klangschön und bei reinen Begleitungsstellen, wie im Haydnkoilzert diskret zurückireiend, konnte man sich dennoch selbst hier des

schönen Musizier««- restlos erfreuen. Eingestreuie Soll kamen treffend zur Geltung und bei vollem Orchester tvar ein wirklich schöner Klang erreicht.

Ich möchte nicht schließen, ohne der einzelneit Begleit,II,gen der Gesänge wie der Cellisoli zu gedenken, die Pros. Trautmaiin in seiner unübertrefflich musikalischen, auss ieiniie abgetönten Weise spendete.

T ra h i l o sc F e r n s v r e ch e r. Die Jnuleuielegraplnfien der im Newvorker Hasen liegenden und an der Küste deimvienden Schiffe, die am Mittwoch an ihren Apparate» tasten, um die ein- lausenden Morscsignale einzuiangen, waren nicht wenig verblüfft, nls sie plötzlich durch die Hörer ihres Avvaraies klar und deutlich eine Stimme sprechen hörten.Halloh, Lieb!" börte man es deutlich,bist Tu eingeschneit? Heute morgen war es nicht io rauh als wir erwarteten. Mach etwas Gutes zum Mittag- esien, ich bin um sechs zu Hause." Woher kan, diese rätselhaste Stimme? Man hörte sie aus Schiffen, die tnehr als 30 Kilo­meter vom Newyorker Hasen entfernt waren, hörte sie im Hasen, hörte sie am Lande, hörte sie überall im Ilnikreis von 40 Kilo- meteru, wo immer Funke,itelegraphisten a» ihren Apparaten laßen. DaS Rätsel löste sich erst, als der amerikanische Küstendampser Rarlhland einige Stunden iväter in den Hajen cinliei. Der von der hohen See aus hieses Gesiwäch mit seiner Frau iührie, war der Funkeiiielegravhist des Dampters, Mr. Irving Vernnlna. der lächelnd zugibi, eine Erfindung gemacht zu hoben, durch die es ihm möglich sei. mittels drahtloser Telephonie aus eine Eni- iernung von 40 Rilomeieen zu ivrecheu. Tie Vorrichtung, deren ilch Vermilya dabei beoieme, und weitere Lorsührunqeu be­stätigten die Wirlsamkeit der Eriindung - ist außerordentlich einsach und würde bei der Fabrilation nur 400 Ml. losten. Tie technischen Einzelheiten halt der Erimder begreislicherweise gebemi.

R e i l i n f o f t gegen G a l l e nst e > n e. Alte volkstüm­liche Heilmittel scheinen doch bisweilen das zu halten, toas niau sich von ihnen verivrichi. Tenn sie tauchen von Zeit zu Zeit immer wieder in der wiffenichasilichen Medizin aus. So geht es auch dem Safte aus schwarzem Rettig. der ickw« lange gegen Gallensteine angewandt wurde. Schon der berühmte Berliner- Kliniker C. Gerhardt empfahl ihn aut das Wärmste, und neuerdings benutzen ihn mehrere Aerzte, toie aus de.,n Berichte von Dr. Hermann Engels in der Medizinischen Klinik hervor­geht, mit gutem Eriolge, ivemr unpassende Fälle streng ausqe- schiede» werbe». Turch den dauernden itzenuß des Reliigsosies sollen die Patienten, auch wenn sie sonst häutig an Gnllenstein- fotifen litte», ständig beichwerdeirei bleiben. Ein Unioenälmiliet gegen Gallensteine dürsie freilich in dem Retiigsaft nicht ge­funden sein.