Einzelbild herunterladen

nt. 3b Zweites

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

f _

Tiechietze«r LamiliendläNer" werde» dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigeleg!. das Krtiskiatt für den Kreis Wietzen" zweimal Ivöchemlich. Tierandwietlchastllchen Srit- sratzen" erscheinen monatlich jweima!.

Blatt

Zahrgang

General-Anzeiger für Gberhesjen

Donnerstag. \2. Februar 19$

RolalionSLruck mib Verlag der Är üblich:» UnivcrsilätS - Buch- und Sicindrnckerei.

R. Lange, Gieße».

Redaktion, Expedition »nd Druckerei: Tchul» ltrabc 7. Expedition und Perlag: ^^öl. Redaktion:<r«4«lI2. Tel,-Adr.:AnzeigcrGictzen.

Mb. Deutscher Reichstag.

21 f. Sitzung. Mittwoch, den 11. Februar 1614.

Am Tische i>c3 BundeSratS: Dr. Dcl.br ü ck.

Den Platz des Aby. Groeber (Zentr.), der heute seinen 6l'. Geburrrtay feiert, schmückt ein Blumenstrauß.

Präsident Tr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 13 Min.

Das Neichsmnt des Zmrern.

lTicbzehnlcr Tag.)

Dir Biolo-,ische2i»ftalt für Land- u.Zorstwirtschnft.

Abg. Baiiinanii (Zentr.) enipnehlt eine Resolution, im nächsten Etat eine Prämie ous- zusetzcn ftir den Erfind-er eines zuverlässigen, gut anwcnd^ baren Mittels, mit dem der Heu - und Sauerwurm erfolg­reich bekämpft werden kann. Fast alle bürgerlichen Abgeordneten aus den Weingegenden stehen hinter dieser Resolution.

Abg. Dr. Paasche (Natl.)

befürwortet ciiic Resolution, die größere Mittel zur Förderung der wissenschaftlichen Erforschung ^ und Bekämpfung tierischer Schädlinge der land- und forstwirtschaftlichen Kulturpflanzen, insbesondere der den Ob st - und 23 c i n b a u gefährdenden Insekten, fordert. Auch hinter diesem Anträge stehen Ver­treter aller bürgerlichen Parteien. In der ganzen preußischen Ver- u»ol1ung gibt cs keinen einzigen wisicnschasUicheu Fachmann aus diesem Gebiete. Auch die anderen Einzelstaaten leisten in dieser Frage so gut wie nichts. Es müssen einige Entomologen angestellt werden.

Ministerialdirektor v. Jonquiüres

Beide Resolutionen b r i n g c n nichts Neues. Denn wir uns von einem Mittel gegcu den Heu- und Saucrwurm einen Erfolg versprechen würden, so würden wir gern eine er­hebliche Summe dafür ausgcben. In sachverständigen Kreisen er­wartet ni a n aber von der Aussetzung eines solchen Preises nichts mir haben da die Erfahrungen in anderen Staaten. Der alte französische Preis von 100000 Mark aus dem Jahre 1878 ist inimer hoch nicht verteilt. Der preußische Land'oirt- schflftsminister hat ebenfalls 1008 einen Preis von 2500 M. aus­gesetzt. 40 Bewerbungen gingen ein; aber auch dieser Preis konnte nicht verteilt werden. So ist es bei allen derartigen Preisaus­schreiben. Es gibt eine Legion von Erfindern, die sich auf jede, solche Frage stürzen. Sic warten nicht erst, bis die Re­gierung einen Pre's aussetzt. Denn sic hoffen von der praktischen Verwertbarkeit ihrer Erfindungen ?inen viel größeren finanziellen Erfolg, als ihnen der Prcio bieten kann. Auch der Ausschuß des deutschen Wcinüauvereins hat sich mit der Frage beschäftigt, und die Sachverständigen haben sich einmütig dahin ausgesprochen, daß sich von der Aussetzung eines Preises ein Erfolg nicht versprechen läßt. Ein solches Preisausschreiben macht nur hohe Kosten und viä Mühe und Arbeit für die Sachverständigeu, und das Ergebnis ist doch negativ.

Auch das Thema der Resolution D r. Paasche ist 'chon im Jahre 1910 ausführlich erörtert werden. Damals er­klärte der Staatssekretär, daß für das, was das Reich tun könne, «ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, aber daß grundsätzlich den Landesregierungen die Arbeiten auf diesem Gebiet überlassen bleiben müssen, weil auch die Landes­regierungen die dazu erforderlichen Territorien halben. Dem Reich steht nur das Bersuchsgelände in Dahlem zur Verfügung und das ieblauSverseuchte Metzer Gebiet. Von Reichs wogen sind aus­reichende Versuche gemacht worden, um die Bekämpfung der Reb­laus wirksam durchzuführeu. Die anderen Versuche sind den Orga­nisationen in den Weinbaugegendcn überlasten.

Dr. Paasche klagte darüber, daß wenig für die cnto- mologi'che Forschu n g geschieht. Die Vcrhältniste in der preußischen Forstv-rwaltung entziehen sich unserer Kritik. Solche Anregungen muffen dort vorgcbrackt werden. Wir haben von Reichs n'vtzen vnS bemüht, auf diesem Gebiete Nützliches zu schafsiTu. '.Inf diesen' Gebiete kann aber noch organisatorisch und auch gesetzgeberisch viel geschehen. Wir Ijaben beit Anfang gemacht und emc gemeinsame Organisation in den Sammel- und Beob­achtungsstellen geschaffen. Das ist alles, lvas wir bei der gegen- »ärt^en Lage der (Gesetzgebung tun können. Dir haben bisher kein Gesetz. das ins wertere Kompetenzen gibt. Wir erkennen «n. daß die Amerikaner auf diesem Gebiete Gewaltiges und Vor- brldtches leiste». Das Reichsamt des Jnneru tut auch in dieser Hnisicht alles, was geschehen kann. In diesem Monat wird der m Rom tagende internationale Kongreß von »ins beschickt werden, der einen internationalen Pflanzen schutzdicnsi erstrebt. An unserem guten Willen fehlt es nicht. (Beifall.)

Abg. Astor (Zentr.);

Dir rönne» uns mit den Erklärungen der Regierung nicht ganz zufrieden geberu Es ist nötig, nach einem Mittel gegen den Heuwurni zu suchen, der in diesenr Jahre fast die Hälfte der ganzen Ernte zerstört hat. Die Arbeit der Winzer allein ist ohnmächtig. Preußen sollte eine Domäne zur Verfügung stellen, mn den Leuten den Schutzoienst praktisch vor Augen zu führen. Der Weinbau geht trotz seiner hervorragenden volkswirtschaftlicher, Bedeutung ständig zurück.

Dbg. He-p (Natl.)?

Mit dem Antrag Paasche lsaden wir zuerst die Reb schad­ringe im Auge. Auch bei uns im nastauischen Rheingau ist die Not der Winzer sehr groß. Wir stimmen daher auch dem Anträge deS Zentrums zu. Wünschenswert sind auch Gesetze zur Be­kämpfung der Bienenkrankheiten, der Faulbrut und Ruhr. In dieser Beziehung ist oie Einfuhr lebender Bienen scharf im Auge zu behalten. Die Bienenzucht, diese Poesie der Landwirtschaft, muß erhalten bleiben, um der Menschheit das Leben honigsüß zu machen. (Beifall und Heiterkeit.)

Mmisterialdirektrrr d. IonquitzreS:

Der beabsicbtigte Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Faul­brut der Bienen soll erweitert werden zu einem Gesetzent­wurf zur Bekämpfung der Bienenkrankheiten. Er unterliegt jetzt komminarischer Beratung.^ Wann er an den Reichstag kommen wird, läßt sich noch nicht sagen.

Abg. De. Dahlem (Zentr.):

Die Einzelstaaten verweisen uns an das^Reich, und das Reich verweist uns wieder an oie Einzelstaaten. So kann es nicht wei ter gehen! Wo soll das arme Weinbauernvolk binkommen? ES 'st jetzt schon in seinem Wohlstand nahezu vernichtet.

Abg. Dr. Paasche (Natl.):

Dir erkennen den guten Willen der Regierung^ vollauf an. Aber auf diese Weise kommen wir nicht weiter. (Sehr richtig!) Wohin kommen wir mit diesen ewigen Kompetenz« konfiikten? Das Reich soll hier die Initiative ergreifen und seinerseits die Einzelstaaten anbalten. daß sie ihre Schuldigkeit tun! (Sehr gut.) Wir haben dos Biologische Institut geschaffen, damit eS eine Zentrale bildet, die die anderen vorwärts treibt, um unserer Volkswirtschaft zu nützen. Für den Weinbau besteht eine dringende Notlage. Wir wollen Reichshilfe für ihn haben. Man soll großzügig Vorgehen, dann wird mau auch etwas er­reichen. (Lebhafter Beifall.)

Die beiden Resolutionen werckc» angenommes.

" " " TO 1 "

Das Patentamt.

Abg. Giebel (Soz.):

Wir muffen die mittellosen Erfinder bei der Verwertung ihrer Gedanken unterstützen. Die Angestellten großer Werke haben bisher ihre Ersindungen den Unternehmern überlaffen müssen. Sie wurden sozusagen zwangsweise enteignet. Ter Borentwurf des neuen Patentgesetzes macht nur das schwächliche Zugeständnis, daß der Angestellte für eine solche Erfindung eine Vergütung zu beanspruchen hat. Diese Regelung würde im wesentlichen alles beim alten lassen und damit unsere technische Entivicklung hindern. Der Eingestellte wird einfach seine Erfin­dung ^zurückhalten. Hier zeigt sich wie überall der Einfluß der Scharfmacher auf die Regierung. Die Aufsichr über die Patcntantvälte ist zu verschärfen^

Abg. Dr. Bell (Zentr.):

Nach gründlichen Vorarbeiten ist der längst ertvartcte Vor- cntivurf eiitcr Abänderung des Patent- und Gebrauchsmustcr- recbts sowie des DarcnzeichengesctzeS eingegangen. Tic neuen Bestimmungen sind sehr bedeutungsvoll. A n t i k o n z e p t i o n s- mittel werden schlechthin vom Patent s ch u tz ausgeschlossen. Das ist lebhaft zu begrüßen. (Sehr rich­tig! im Zentrum ) Die Hauptsache ist, daß derartige Mittel nicht rn den Verkehr kommen und vor allem nicht öffentlich angepriescn , werden. ^ Das Patentamt muß entlastet werden. Tic Vorschläge, eine Zweiteilung in ein Patentanit und in ciu ^arcnamt vorznuehmen, sind erneut zu prüfen. Erfreulicher- weise ist das System der Vorprüfung beibehalten worden. Zu begrüßen ist auch, daß im Falle der Versäumung von Notfristen durch höhere Gewalt jetzt eine Wiedereinsetzung in den vorigen ^tano gegeben werden soll. Eine tiefgreifende Aenderung ist da­durch herbcigeführt worden, daß an die Stelle des Anmelders des Patents der Erfinder tritt. Ter bisherige Standpunkt, durch den der Erfinder als Aschenbrödel behandelt wurde, konnte nicht mehr aufrcchterhaltcn werden. (Sehr richtig!)

Hurf) jetzt bleibt der Grundgedanke unangetastet, daß durch <^en Schutz von Erf'ndungcn technische Fortschritte gefördert und eine fruchtbare Wechselwirkung zwischen Erfindung und Wissen­schaft. zwischen technischer Praxis und Wirtschaftsbedürfnissen er­zeugt werde. Dem Patentamt gegenüber gilt der Anmelder als Erfinder. Ter Streit darüber, ob ein anderer als der Anmelder einen materiellen Anspruch auf den Erfindungsschutz hat. ist dem Vatentprüfungsbcrfahrcn entzogen und den ordentlichen Gerichten überwiesen. Die vorgesehene erhebliche Herabsetzung der P a t e n t g e b ü h r e n befriedigt die Wünsche der Allgemein­heit. Ein Fortschritt liegt auch darin, daß der Patentinbaber gegen Verletzung seines Patentes in Zukunft wirksamer geschützt oird. Tie Frage der Patent lizenzerteilungen muß noch gesetzlich geregelt werden. Die heißumstrittendste Frage betrifft die ma­teriellen Erfinderrechte der A n g c si e l l t e n. In dieser Hinsicht scheint leider zwischen der Großindustrie und den Verbänden der Angestellten eine fast unüberbrückbare Kluft zu bestehen. Leider bewegen sich die Forderungen beider Gruppen auf sehr radikalem Gebiete. Der Entwurf sucht einen Ausgleich herbeizuführen. Grundsätzlich weist er die Erfindung dem An- gestellten $u. Aber eine außerordentlich weittragende Ausnahme ist dadurch gegeben, daß die Erfindung dann dem Unternehmer zufällt, iveuu sie ihrer Art nach im Bereiche der Aufgaben des Unternehmens liegt, und wenn die Tätigkeit, die zu der Er­findung geführt hat, zu den Obliegenheiten des Angestellten ge­hört. Die Ausnahme sollte korrekter formuliert werden. Jeden­falls bestehen hier schwerwiegende Bedenken. Berechtigte Inter­essen der Unternehmer werden verletzt, aber auch die Angestellteu kommen zu kurz. Dem Unternehmer sollte die Erfindung des Angestellteu ohne Vergütung zustehen, wenn der Angestellte in einer Erfinderabteilnng angestellt ist. wenn er in einer Konstrnk- tionsabteilung als Ebef vcrtragsinäßig Konstruktionövcrbesserun- qen herbeizuführen hat und wenn ihm die Lösung einer bestimmten Aufgabe zugewiesen ist und die Erfindung in den Kreis der ge­stellten Aufgabe fällt. Im übrigen bringt der Entwurf wesent­liche Verbesserungen zu G u n ft e n der A n g e st e l l - ten. Die Bestimmungen über die Vergütung müssen umgestalket werden. Es ist bedenklich, sie ausschließlich in das Ermessen des Unternehmers zu stellen. Wenn der Entwurf erheblich verbessert Uürd, daun wird er hoffentlich dem erfinderischen Fortschritt die Wege bahnen und der ehrlichen Arbeit zu ihrem gerechten Lohn verhelfen. (Beifall.)

Vizepräsident Tvvc:

In dieser Zeit des Stenographen st reikeS bitte ich hie Herren, sich wesentlich kürzer zu fassen. (Beifall und Heiter» leit.)

Abg. Dr. Böttger (Natl.):

Der Vorcntwurf zur Neuregelung des Patentrechtes tbringt zweifellos manche technische Verbesserungen, die wir alle begrüßen. Wir wollen hoffen, daß sie nicht aus der Vorlage her- ausgenommen, sondern mit sozialen Vorschlägen zusammen bera­ten und beschlossen werden. Die sozialen Angelegenheiten könnten sonst leicht auf die schlechte Seite fallen. Das Prinzip unserer sozialen Gesetzgebung ist ja die Besserung der Rechts- stellung der Angestellten und Arbeiter. Aber^ die Sozialpolitik kann nur gedeihen auf der Grundlage der Prosperi­tät der Unternehmungen. Anzuerkennen ist. daß der Vorentwurf nach der sozialen Seite viel Befriedigendes enthält.

Vielfach schießen die Wünsche der Angestellten über das Ziel hinaus, und die Industrie klagt, daß in die ganz unpolitische Frage des gewerblichen Rechtsschutzes der G e g e n s a tz z w i - f schen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hrnein- getragen worden ist. Tie sozialen Gesichtspunkte des Vorentwurfs . können manchen dieser Gegensätze mildern. Die Erfindungen, die in den großen Werken gemacht weroen, kann die Industrie in ihrer Gesamtheit nicht entbehren. Durch Verbesscrüng des Be­triebes hat die Zuckerindustrie rund eine Viertel Mil­liarde Kosten ersparen können, die Hochosen gegen 36 Millionen. Die Verwendung der Ueberhitze ersparte etwa 8 Millionciu Das Patentamt ist überlastet. Auch das Publikum könnte zu seiner Entlastung beitragen. Das Ver­fahren des Patentamtes wäre zu vereinfachen. Im ganzen aber können wir dem Patentamt nur Tank für feine Arbeit aliS;prechen und zugleich den Wunsch, daß die sozialen Bestrebungen, die in dem Vorcntwurf zutage treten, zur Klärung beitragen und Sie verdiente Anerkennung finden. (Beifalk.)

Ministerialdirektor v. JonquiöreS:

Die scharfen Gegensätze, die sich in beteiligten Erwerbskreisen, der Großindustrie und den in ihr angestellteu Ingenieuren, ge­zeigt haben, lasten es sehr schätzenswert erscheinen, daß außer von diesen beiden gegenüberstehendcn Gruppen von dritter Seite in vermittelnder Weise die Angelegenheit be- sprachen wird. Ohne auf die Einzelheiten einzugehen, halte ich cs d«h für jedenfalls sehr dankenswert, daß die Stellung des Reichstags zu dieser wichtigen Frage auf diese Weise bekannt geworden ist. Wir werden die vor» gebrachten Einzelheiten bei der weiteren Behandlung der An. Gelegenheit beachten, und hoffen, daß die sehr scharfen Gegensätze sich ausgleichen werden. Im nächsten Winter denken wir dann den Entwurf endgültig einzubringcn.

Die Denkschrift über die Pateutagenten sollte die Behörden in die Lage setzen gegen das Unwesen, das sich anf tldcm Gebiete breit macht, vorzuHehen, und andererieirs^i^ de-

teiligten Kreisen die nötigen Belehrungen vor drohenden Gefahren geben. Leider muß gesagt werden, daß in diesen Kreisen ein großes Maß v o n U u z u v e r l ä s s i g k c i t zu finden ist. ES handelt sich dabei um die Patentanwälte. Der Vorwurf, daß der Prä­sident dcS Patentamtes feine Befugnis, solche Personen, die ohne Patentanwalt zu sein, di? Vertretung von Patenten sgewerbS- mäßig ausüben, von der Vertretung zurückzuweisen, mißbraucht habe, muß ich zurückweisen. Ein Fall, daß der Präsident ohne An­gabe von Gründen eine solche Zurückweisung verfügt habe, kann nicht vorgckommen sein. Feste Grundsätze sind dafür ^uicht ge­geben. die Vollmachten deS Präsidenten sind unbeschränkt. In keinem Falle wird er aber ohne genügende P r ü f u n g und Veranlass u n g von dieser Befugnis Gebrauch machen und eine solche Zurückweisung verfügen.

Das Rcichsvcrsicheruns;samt.

Zur Beratung steht zugleich die Denkschrift über die Rück­lagen bei den Berufs genossen schäften.

Abg. Bauer (Soz.):

Wir haben kein Interesse daran, in den Streit um die Rücklagen der B c r u f s g e n o s s e n s ch a f t c n einzugrci. fen und an den bestehenden Verhältnissen etivas zu ändern. Air bedauern die schwankende Haltung des ReichSversicherungaUrtS bei Entscheidung der Frage, ob alle Unfälle im Betrieb entschädigungs- berechtigt sind. Hitzschläge oder Vergiftung durch Insektenstich während des Betriebes wurden als Unfälle des täglichen Lebens bezeichnet und als nickt entschädigungspflichtig erachtet. DaS widerspricht aber dem Sinne des Gesetzes.

Die Konservativen benutzen jede Gelegenheit, um die Miß­stimmung der Bevölkerung gegen die sozialen Versicherungsgesetze zu schüren. Nur so erklären sich die Beschwerden der konserva­tiven Redner im preußischen Abgeordnetenhaus. Dabei haben aber gerade diese Herren, die sich immer als Mittelstandsretter ge­bärden. die ReichSvcrsichcrnngsordnung zu Ungunstcn des Mittel­standes gestaltet, indem sie den Großbetrieben erhöhten Einfluß in den Krankenkassen einräumtcn. Die Dienstmädchen sind froh, daß sie dank der freien Acrztewahl sich einen anderen Arzt wählen können als den der Dienstherrschaft.

Atzenn der Handclsminister Shdoiv das Gegenteil behauptet, so kennt er die Veryältniffe nicht. Tie preußische Regierung geht darauf aus. das Selb st verwaltungs recht der .Kran­ke n k a s s e n zu schmälern und den Kassenbeamtcn die Kommu- nalbcamten-Oualitat zu geben, worauf diese gar keinen Wert legen. Der Redner spricht von Gesctzcsvcrietzungcn und ungesetz­lichen Anordnungen ver preußisch.n Regierung und wird zur Ord­nung gerufen. Die preußischen Landräte, die bekanntlich c.ne kolossale Abneigung gegen das Wählen haben, erschweren die Wahle» zu den Krankenkassen auf jede Weise.

Sie verekeln den Arbeitern das Wählen; das ist der Ziveck der Hebung. Die alte kleinliche preußische Derwaltungspraxis! Der Landrat von Niederoarnim geht mit Leichtigkeit über gesetzliche Bestimmungen und Ministerialerlaffe hinweg. Derselbe Terrorismus herrscht bei den Wahlen zu den Bctriebskranken- kaffen. Damit ist die Politisierung der Kaffen erreicht. Jetzt geht der Kamps erst loS!

Donnerstag 1 Uhr: Weiterbcratung.

Schluß nach 7 Uhr.

Der Geburtenüberschuß im Grohhrrzogtum lsessen.

Trotz des erschreckenden Rückganges der Geburten ist ihr Ucberschnh über dic^Todessüllc doch immer noch recht bedeu­tend. Er ist 1!H2 in Deutschland sogar grötzer gelvorden als im Jahre vorher und auch noch grösjcr als 1872, wo auf 1.000 Einwohner 41,09 Geburten kamen, während diese Zahl für 1912 nur 29,12 lautet. Das neueste Vicrtcljahrheft der Stati­stik des Deutschen Reichs gibt darüber wertvolle Aufschlüsse. Die Geburtenziffer erreichte 1870 mit 12,01 ans 1000 Ein­wohner ihren Höhepunkt. Bon da an ist sie init einigen Schwankungen ständig herunter gegangen, bis sic 1912 mit 20,12 ihren tiefsten Htand erreichte. Wird sie in den kom­menden Jahren noch weiter sinken? Dahingegen ist^did Zahl der Gestorbenen ebenfalls ständig gesunken. Sie^hatie 1872 mit 80,62 ani 1000 Einwohner ihren höchsten Stand und ist dann ebenfalls mit kleinen Schwankungen gesunken bis aus 16,42 im Jahre 1012. In der Hauptsache ist das Sinken dieser Zahl aus die verminderte Kindersterblichkeit zu- rückzusühren. Aber auch die Totgeb urteil haben eine starke Verminderung ersahrcli. 187b kamen ans 100 Gebur­ten noch 4,12 Totgeburten. 2lucki di«- Zahl ist mit einigen Schloankungen ständig gesunken Msc 1912 nur noch 2,92 auf 100 Geburten betrug.

Der Geburten über schuß ivar am stärksten 1902 niit 10,63 aus 1000 Einwohner. Am niedrigsten war er 1872 mit 10,47 und betrug 1912 noch 12,70. Die Zahl der unche lichen Geburten ist sich in dem Zcitranni von 1872 bis 1912 so ziemlich gleich geblieben. Allerdings weist 1912 mit 9,55 aus 100 Geburten die hbchstzahl aus. Aber sic ist doch von der niedrigsten Zahl 8,33 ine Jahre 1903 nicht lveit ent­fernt. 1884 betrug sic schon 9,51. Tic Zahl der E h c s ch l i c- Hungen ist nicht. loic vielfach behauptet wird, znrückgcgan- gcn. Sie beträgt seit 1876 mit einigen Schwankungen rund 8 auf 1000 Einwohner. Nur die Jahre 18721875 weisen 10,29 9,10 auf 1000 Einwohner anf. Das waren aber noch Folgen des Krieges. Nach Kricgsjahrcn vslcgcn die Ehc- schllehungcn stets häufiger zu werden. Im Jahre 1912 kamen aus 1000 Einwohner 7,91 Eheschließungen. .

Jni Jahre 1912 wurden Ehen geschlossen in S t a r - k enb u rg 4647, in Oberhessen 224k, in Rheinhe i - s e n 2897, zusammen in Dessen 9785. Geboren wurden in Starke n bürg 8571 Knaben und 7975 Mädchen, zusam men 16528 Kinder, in Oberhessen 3989 Knaben und 3677 Mädchen zusammen 7666 Kinder, in Rhein Hessen 4691 Knaben und 4467 Mädchen zusammen 9158 Kinder, im ganzen Grohherzogtnm 17 251 Knaben und 16101 Mäd­chen, zusammen 33 352 Kinder. Uebcrall im ganzen deut­schen Reiche wurden mehr Knaben geboren, wie Mädchen. Es gibt keinen einzigen Bezirk, in dem mehr Mädchen, wie Knaben geboren wären. Im ganzen deutschen Reiche wur­den 60 411 Knaben mehr geboren wie Mädchen. Stuf 100 Knaben kommen 94 Mädchen. Gestorben sind in Starken­burg 8583 Personep, in Oberhessen 4559, in Rhein- Hessen 5581, im Grvhherzogtum 18 723. Der Geburten­überschuß beträgt demnach in Starken bürg 7945 -- 13,11, in C b e r f) e )f e n 3107 9,92, in Rhein he s sen 3577 = 9,36 mid im ^lroßherzogtuni 14 629 11.21 aus 1000 Einwohner. \

__ ^

r \