Nr. 21
Ter «tetzener Anzeiger
erscheint täglich, außer SonnlagS. — Beilagen: viermal wöchentlich GietzeiierZamIlieildlätlti; zweimal wöchenil.tkreir- klatt Wir fc«n Urejs «icftcn «Dienstag unb i?reiinii); zweimal monatl. kaiid- «trtschaflllch« öeitfigge!, Fernsprech - Anschlüße: Ise die Redaktion IIS, Serlag u. Expedition öl Adresse inr Depeschen: Anzeiger Wietzen. Annahme San Anzeigen >ür die Tagesnmnnier bis vormittags S Uhr.
Erster Blatt
164. Jahrgang
Mittwoch, 4 . Zebruar 19*4
General-Anzeiger für Oberhessen
Rolationsömtf vnd Verlag »er vrühl'schra Uuiv.-Sirch- «atz Stcinftruderei R. Lange. Redaktion, Sryedition und vruckerei: Schulstrahe 7.
Lie;u^4yr7i-: msnatlich75Li.,vlenel- läkzrlich Mk. 2.20: durch Adhole- u. Zweigstellen rnonatlicb 65 Pf.; durch die Post AL.L.—-vierlel» jährl. ausschl. Beitellq. Zeilenvrels: lokal lo ciuswärls 20 Pienniq. Chefredakteur: A Goetz. Leraiktwortlich für den volit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", .Vermischtes" uni).Gerichts- faal": Karl Neurath; !ür .Stadt und Land": Kurt 9endt; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Me heutige Nummer umsaht 12 Seiten.
Tageskalenvcr aus dem Jahre 1814.
4. Februar: Gerecht bei Chillons sur Marne. Porck schlägt die Franzosen.
Vereinheitlichung der Rechtspflege.
Dem Reichstag liegt ein Antrag Bassermann - Schiffer vor, her au, Befchleunignng und Bereinhcit- lichung der Rechtspflege abzrr.lt. In der „Juristischen Wochenschrift" (Rr. 1, 1914) gibt einer der Antragsteller, der Abg. Schisser, eine Begründung des Antrags. Die Beschleunigung soll, wie wir früher schon mitgercilt haben, dadurch erreicht werden, dag die Möglichkeit geschaffen wird, unter gewissen Voraussetzungen eine zweifelhafte Rechtsfrage, an deren endgültiger Entscheidung ein erhebliches öffentliches oder privates Interesse besteht, unter llcbergchung des vorgeschriebcuen Jn- stanzenzugs gleich vor die letzte Instanz zu bringen. Die B erein hei tli ch u n g der Rechtspflege hingegen soll durch Einrichtung eines gemischten Gerichtshofes herbeiqesührt werden, dem durch den Bundesrat streitige Rechtsfragen zur Entscheidung vorgelegt werden kvnncn. soweit in höchstinstanzlichcn Entscheidungen vor Gerichten des Reichs oder der Bundesstaaten Verschiedenheiten in der Auslegung oder Amvendung einer Rechtsnorm zutage treten: der Gerichtshof soll sich aus Mitgliedern des Reichsgerichts sowie aus Mitgliedern derjenigen löerichte znsammcnsetzcn, von denen die widersprechenden Entscheidungen ergangen sind: es sofl ihm endlich die Befugnis gegeben werden, eine Entscheidung abzulehnen, sosern er ihre Voraussetzung als nicht gegeben oder das Eingreifen der Gesetzgebung als geboten erachtet.
Dast wir einer grösteren Einheitlichkeit der Rechtsprechung bedürsen, bestreitet ernstlich ivohl niemand. Denn die Zaht der einander widersprechenden »Entscheidungen wallest «täglich. Freilich darf nur mit äußerster Vorsicht zu Werke gegangen werden. Auf der einen Seite darf, wie der Abg. Schiffer in der genannten Wochenschrift ausführl, die Rechtsprechung nicht zu sehr vom praktischen Leben abrücken, sie muß vielmehr mit ihm in engem Zusammenhang bleiben, womit eine gewisse Unsicherheit und Ungleichmäßigkeit iwn selbst gegeben ist: aus der andern Seite muß berücfljch- tigt werden, daß eine zu häufige zwangsweise Bindung der Auslegung und Anwendung des Gesetzes das Amt des Richters feines wesentlichen. Inhalts berauben würde „Denn was den Beruf des Juristen adelt, was ihn aus der Sphäre handwerksmäßiger Ucbung in die des künstlerischen Gestal- rcnS erhebt, liegt, so sagt Schiffer, gerade in der freien, selbständigen und verantwortlichen Stellung zum Recht, besteht gerade darin, in jedem einzelnen Falle "das Recht gewissermaßen sich neu gebären zu lassen, gipfelt gerade darin, ihm nachzngehen in seinen tirflten Grundgedanken, sie zu messen an den Erscheinungen und Offenbarungen des Lebens und in freier Schaffenslust beide Mächte miteinander in Einklang zu bringen und zu halten. Mit der Wünschelrute des Geistes Rechtsquellen zu finden, die vorläufig noch unter der harten Rinde des gedruckten Wortes verborgen rauschen, und ihnen den Zugang zum Licht und Leben zu verschaffen, ist die stolze Aufgabe des Juristen in Theorie und Praxis und soll sie bleiben."
Beiden Gesichtspunkten trägt der Antrag Bassermann- Schiffer vollauf Rechnung: er vermeidet auch insbesondere s die Fehler, die deni parallel gehenden Vorschlag des Staats
anwalts Zeiler anhaften, dessen Vorschlag ans Schaffung eines ständigen Gerichtshofes für bindende Gesetzesauslegung daraus hinauskommt, Aussprüche der Theorie unter Ausschaltung der gesetzgebenden Faktoren mit Gesetzeskraft zu bekleiden. Das ist ein bedenklicher Weg. Der Antrag Bas- sermann-Schisfer geht einen Mittelweg, wie aus dem oben skizzierten Inhalt erkenntlich ist. Im einzelnen führt Schiffer dazu aus:
„Der Schutz gegen Mißbrauch liegt darin, daß die Initiative für die Herbeiführung einer bindenden Auslegung dem Bundes- lal überlassen ist. Dadurch ist dafür gesorgt, daß von der ganzen Einrichtung mir ein sparsamer, dem Bedürfnis entsprechender Gebrauch gemacht wird. Andererseits muß der Gefahr oorge- b«iigt werben, daß der Bundesrat einseitig den Hebel der bindenden Auslegung in Bewegung fetzt und gebraucht. Deshalb ist der mit der Auslegung zu lelrauendeu Stelle die Befugnis zugelproä>en, eine Entscheidung abzulehne», wenn sie ihre PorauSsetzungen nicht für vorhanden erachtet oder der Meiimng ist, daß nach oer Natur des Gegenstandes für eine Auslegung überhaupt Isin Raum, vielmehr ein Alt der normalen Gesetzgebung angebracht ist. Weiter hin aber soll nur ihr die Entschließung darüber zustehen, ob der von ihr gcsänic Spruch bindende Kraft erhalten soll. Ter Bundcerat dari alio de» Mechanismus bloß in Bewegung setzen, bat aber, wein, er cs einmal getan hat, keine Macht mehr über ihn, (o daß et auch nicht in der Lage ist, die mit bindender Kraft crwlgendc Beröiientlichung eines ihm nicht zusagenden Rechtsspruches zu verhindern oder eine von ,hni gewünschte Ver- ösrentlichung hcrbcizuiührcn. Darin liegt das Gegengewich. gegen die Vorzugsstellung, die deni Bundesrat gegenüber dem anderen Faktor der Gesetzgebung eingeräilmt ivird. Denn in der Tat stellt sich versassungsmäßig die Konstruktion so dar, daß an die Stelle des Reichstags eine mir allen Garantien der llnab- hängigkeit versehene Behörde lritt. Die Rechljertigung hicrsür liegt in der Erwägung, daß bei den juristisch-iechnischen Fragen, um die es sich in der Hauvtsackie bandeln ivird, der Reichstag in Wahrheit nicht das für ihre Beantwortung geeignete Organ ist. Aus diesem Grunde dürste es auch keinem- oolitilchen Bedenken unleiliegen, ihn un,er gewissen, sorgfältig ausgesuchten und aus- gcstalteten Kautelen für derartige Ausgaben auszuschalten."
Erfreulicherweise beschäftigen sich mit dem Antrag neben den Fachkollegen der Antragsteller neuerdings auch di: gewerblichen Kreise, die unter der Zwiespältigkeit und Zersplitterung unserer Rechtsprechung vornehmlich leiden. Es wäre zu wünschen, daß die Vorschläge auch bei den leitenden Stellen aus fruchtbaren Boden fallen.
Ein deutscher Militärflugzeug in Zraukreich gelandet.
Wiederum haben wir das bedauerliche Vorkommnis zu verzeichnen, daß deutsche Militärflieger aus Mange! an Vorsicht auf französischem Boden gelandet sind. Bei unseren Beziehungen zu Frankreich wird man jenseits der Grenze gar leicht geneigt sein, zu behaupten, Spionage sei der Zweck solcher Flüge. Wenn dies auch durchaus nicht der Fall ist, sondern nur die einfache Tatsache vorsiegt, daß die Flieger die Richtung verloren haben, so ergibt doch auch dieser Vorfall wieder die Lehre, an der Grenze die größte Vorsicht zu üben. Wir erhielten folgende Meldungen:
N a n c y , I. Febr. (Agcnec Havas.) Ein deutsches Flugzeug mit zwei Leutnants landete heute nachmittag 12V 2 Uhr bei Croismare. Tie Offizier' crklärlcn dem Unterpräfcktcn vv» Luneville, daß sie von Straßburg nach Metz stiegen wollten. Nachdem Saarburg passiert worden sei, hatte» sie die R i ch t u u g verloren, so daß sie landen mußten, ohne zu wissen, wo sic sich befanden. Bei der Landung wurde das Flugzeug beschädigt.
Tie Oisizierc folgten auf ihrem Fluge von Siraßburg nach Metz der Eisenbahn und bogen, als sic ln Straßburg angekom men waren, irriümlich nach rechts ab. Ten Irrtum bemerkten sie erst, als sie Luncville im Tale liegen sahen. Sie gingen sofort nieder. Ter Unkerpräsekt ließ-den Apparat, der von Gendarmen und einer Abteilung Ar-illeristcn bewacht wurde, d e
Gietzener stadtthcatcr.
Dir Schmrttrrlingsschlacht.
Komödie von H. Sudermann.
. Gic ße n , 4. Febr.
Die schmetterlingölchlackst ist zweifellos das denkwürdigste Werk Sudermanns, denn als es am 8. Oktober 1894 im Berliner Lcnmq-Thcater zum erstenmal ausgeführt wurde, da bereitete ihm dos „Premiereupublilum" eilte unglaubliche Niederlage, und nach jedem Auixug imrchwbtc ein wilder Lärm das ganze Haus. 2tz. einem Bericht der „Gegenwart" über die Aufführung hellst es: „Cs war ein packendes, >a ein ergreifend rragi- laies Bild, lvic die imponierend schöne Gestalt des gefeierten, gestern noch vergötterten Tichters langsam ooc die Ramve trat, wie er, totenbleich, verstört und vor Erregung zitternd, dem schneidend scharfen fischen ringsum, den Hohruvorten, die ihm entgegen- geschleudert wurden, dem rasenden Lärm im Parkett, in den oberen und unteren Rängen Stand hielt, recht wie ein furcht- und tadelloser Edelmann: wie er dann, als das Haus sich rasch leerte und nur noch ein paar Freunde zurückblicben, die in verlorener Liebesmüh machtvoll Beifall klatschten, Frl. Rcttns Hand mit wehmütigem Lächeln an seine Lippen zog. Frl. Rctttzs'.Hand, die doch, freilich ohne Verschulden der Tarstcllerin, dem brüchigen Drama den Todesstoß versetzte."
Es ist keine Frage, daß die pöbelhafte Ablehnung in Berlin nicht aus ästhetischen Bedenken entstanden war und auch nicht aus moralischen: es war wohl viel eher die geheime Furcht vor d-m freimütigen Dichter, der cs gewagt hatte, den Vorhang wcg- jüziehen vor einem der am ängstlichsten verhüllten Schäden des modernen Mädchenlebens, vor der durch die Not bedingten, entwürdigenden Jagd aus den Mann, Allerdings hat das Stück große Schwächen: es ist z. B. unerfindlich, zu welchem Zwecke der unbedeutende Oberlehrer Kosinski plötzlich in der Hergenthcimschen Familie erscheint, es ist auch keine Frage, daß der Stoss lick, nicht eigentlich zur Behandlung als Komödie eignet, daß vieles flüchtig und nur so übender mitgenommen ist, es läßt sich aber trotzdem nicht verkennen, daß Sudermann mit Erfolg bestrebt war, mit schlichten, aller Theatralik abholden Mitteln "ein Werk zu schaffen, das fest in der Umwelt seiner Menschen wurzelt und aus ihren Lebensverhältnissen heraus ihre Eigenart und ihre Konflikte zu entwickeln sucht. Das wurdc auch von vorurteilslosen Kritikern damals schon anerkannt, und in Wien hatte die Schmetterlingsschlacht sogar einen ganz ungewöhnlichen Erfolg.
Seitdem sind 20 Jahre vergangen, die Jungen von damals sind dem Aller nahe und viele Urteile und Anschauungen lzaben sich gewandelt oder gar völlig verändert. Was damals noch ein
Problem aus der Bühne bedeutete, das ist inzwischen schon voll dem Leben gelöst loorden, ob aber auch die in der Lchmelierlings schlacht entwickelten. das möchte ich dahingestellt sein lassen. Jedenfalls aber hat auch dieses Stück sich durchgesetzt und sogar in Berlin wird ihm der Beiiall nicht mehr versagt.
Ti- hiesige Aufführung, die von Herrn T w o r k o.w s k i tadellos vorbereitet war (der Hintcrsetzer aill Fenster der Vergentherm- schcn Wohnung hätte zwar eine .Hauswand sein Müllen,, halte einen gute», durchgebildktcn Stil, der die Vorzüge des Werke, ebenso klug betonte, wke er die Schwächen verdeckte. Es kam daher eine sehr wirkungsvolle und eindringliche Vorstellung heraus, die vielleicht deshalb so viel herzlichen Beifall )and. weil cs.einmal kein Lustspiel lvar. Auch die einzelnen Tarsteller bemühten llch mit großem Glück uw den schönen Erfolg, der um so.höher zu veranschlagen ist. als Frl. Stcttncr in letzter stunde >ur d,e erkrankte Frau Sonntoq-Blume eingelretcn war. remenilvrechend war denn auch ihre Darstellung der nicht ganz cinwandsrcicn El,e höchst anerkennenswert. Frl. Stetkner versteht lchart und sicher zu charakterisieren, unb wenn ihr auch bcr leichtlevig-korette -ton der jungen Witwe nicht immer vollkommen gelang, )o bot sie doch sogar bei Außerachtlassung der besonders schwierigen Umstände eine fesselnde und wirkungsvolle Leistung. In der anmuligen Rolle der verträumten Laura zeigte sich Frl. Dag N h wieder von ihrer liebeii-würdigsten Seite. Mit vcrNärten Marchenaugcn lchrnl ne scheu und zag durch die Not, trotz ihres Willens, mit leligem «ächeln aus das große Glück wartend, das IM Sinn ihrer Mutter ein Mann bedeutet. Allerliebst war auch Frl. Lind eck als Nein:, reine Roji die mit brechendem Herzen die schuld der z-chwester auf sich nehmen will, damit die Verlobung mit dem Millionär nicht zurückgeht und dann schließlich selbit sein niedliches Brautchcn wird Voll süßer Anmut wußte sie das halbreife Mädchen dar- zustcilcn kindlich und unichuldsvott, wenn auch mancknnal so etwas wie Routine durchzuleuchten schien. Tic abgehärmte Mutter, die allerding-- recht stattlich aussah und wenig an Hunger und Not gemahnte, wurdc von Frl. F r e n , e l mit tvürdigem Bedacht und mit einer gut beobachteten, etwas staubig gewordenen Eleganz gegeben Machtvoll wuchs sie in ibrer AuSctnandersetzunq mit Winkelmann .-mpor zu einer Anklägerin der Gesellschaft, die sie dazu gezwungen hat. schlechrc und betrügerische Wege zu wandeln. Herrn Gr o s s e r , der uns mit Ablauf der Spielzeit leider verläßt, um sich ganz der Operetle zu widmen, und zunächst nach Hildesbeim geht, gelang es. aus dem etwas verwaschen gezeichneten Apv- thckerlehrling einen richtigen, kecken Burschen zu machen. Eine seine Leistung war der Wrnkelmann des Herrn Tworkowski: nicht übertrieben in seinen habgierigen Gelüsten, sondern ein kühler Rechner, den ein schweres Schicksal rauh und bitter gc-
montieren. Tabei halfen die Mechaniker des 8. Artillerie- Regiments den Offlzieren,
Paris, 3. Febr. Aus Lu n e vill e wird gemeldet: Einer der deutschen Offiziere begab sich kosort naich der Landting nach der Bürgermeisterei von Croismare, um Beistand zu verlangen, da das Flugzeug, ein Zweidecker, bei der Landung stark beschädigt worden war. Ter Bürgermeister verständigte sofort telephonisch die Zivil- und Militärbehörde von Luneville. Um 2 Uhr begaben sich zwei Generäle der Garnison von Lune» v i l l c nach Croismare, um die beiden deutschen Militärflieger zu verhören. Croismare ligt etwa neun Kilometer von der deutschen Grenze und zwei Kilonieter von dem Ort Maonvillcis.
Straßbnrg, 3. Febr. Das Flugzeug, das aus dem Fluge Straßburg—Metz die Richtung verlor und in Frankreich bei Croismare niedcrging, war mit dem Oberleutnant des badischen Fußartillerieiegiments Nr. 14 Prcsticn und mit dem Leutnant des lothringischen Fußartillerieregiments 2lr. 16 Gerner besetzt. Ein zweites Flugzeug, das unter Führung des Leulnants T h e l e n gleichfalls nach Metz ansgestregcn war, ist heute nachmittag auf dem Flugplatz Frcscatv bei Metz gelandet.
Vcut?che» Seid}.
EinneuerGesetzentwnrfzur Regelung der W a n d e r e r f ü r s o r g e dürfte jedenfalls noch in dieser Tagung dem Reichstage zugehen. Er wird nach der „Frankfurter Zeitung" aus zwei Vorlagen bestehen, nämlich eincni Wanderersürsorgegesetz und einem Wandererarmen- gesctz. Der erste sozialpolitische Gesetzentwurf, der zu einer planmäßigen Fürsorge für arbeitswillige mittellose Wanderer die Errichtung von Arbeitsstätten und Arbeitsheimen in allen Bundesstaaten vorsieht, ist bereits allen Bundesregierungen zur Begutachtung zugegangen und hat ihre Zustimmung gefunden. Der zweite (Gesetzentwurf ist bestimmt, das Unter st ützu n gswohnsitzge setz abzuändcrn. Er bezieht sich aus die Frage der Wandernden, denen auf Grund des Wanderersürsorgegesehes Hilsr geleistet wird. Hier haben sich noch einige Meinungsverschiedenheiten zwischen den Bundesregierungen ergeben, die aus der Unterstützung der hilfsbedürftigen Wanderer entstehen. Der Entwurf wird deshalb noch einer Schlußberatung in den beteiligten Ressorts unterzogen. Beide Vorlagen stehen in einem engen Zu- jammenhang und machen eine gemeinsame Beratung in den gesetzgebenden Körperschaften erforderlich, sobald im Bun- oesrat eine vollständige Einigung erzielt ist.
Im preußischen Abgeordnetenhaus gab es ani gestrigen Dienstag eine lange Erörterung über das Bergwerksunglück auf Zeche Llchenbach. Bei Begründung der Zen- trumsanfrage rügte der Abg. Im b usch (Zentr.) die „Jagd nach Kohlen", die große Zahl der Ausländer, die kein Deutsch verstehen und keine technischen Vorkenntnisse besitzen, die Abneigung der Bergverwaltungen gegen den Sicherheitsbeam- ten usw. Recht wohltuend berührten deingegenüber die Ausführungen des Handelsministers Dr. S h d o w , aus denen sich ergab, daß die Bergverwaltung sofort Maßregeln zur Klarstellung des Tatbestandes und der Ursachen des Unglücks getroffen habe, irgendein Verschulden habe sich aber vorläufig noch nicht seststellen lassen: es handle sich offenbar um eine Schlagwetter- und nicht um eine Kohlenstaubexplosion, deren Entstehung rätselhaft sei. Ter Abg. T raub-Dortmund (Volksp.) fordert u. a. Festigung der Rechtssicherheit der Sicherheitsmänner und hofft auf ein Reichsgcsetz betr. die Versicherung der Lebensretter und deren Hinterbliebenen. Auch der Abg. H u e (Soz.) kann sich der Meinung nicht verschließen, daß die Entstehungsursache rätselhaft sei: das hindert ihn aber nicht, alle möglichen Anklagen und Vorwürfe aus dem sozialdemokratischen Parteiprpgramrn an den Mann zu bringen, wie z. B. : Akkordsystem — Mordsystem, schlechte
macht hat: nicht der berühmte gute Kern in der harten Schale, aber doch weichmütig bei allenr Knurren. Sein Sohn Max, ein stiller, schüchterner Junge, wie er ckus der Bühne so leicht lächerlich wirkt, wurdc von Herrn Stein hoser mit glücklichtnn Gelingen gegeben. Er war ein braver, gemütvoller Junge, voll sorgsam gehüteter Jdxale, voll tief erlebten Mitleids und edler Menschenwürde. Ein richtiger „Schwung" war der ivortaewondto Geschäits-- reiscnde Richard Keßler, den Herr Rotteck trotz seiner noch nicht völlig behobenen Erkältung ganz vorzüglich darstellte. Leichtlebig. keck, immc, uniernehmend, aber verblüfft iind sprachlos, sobald einer schart aus ihn zugehi, schuf er das Bild eines tüch- ligen, aber moralisch faulen Mannes, der mit Humor seinen Vorteil versolgi. In der kleinen Rotte des Oberlehrers Kosinski, des Mannes aus den Räubern, wirkte Herr Grosscr-Braun sehr angenehm. jj
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— Ter .Hauptausschuß der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung, der am 24. d. M. unter dem Vorsitze des Prinzen Heinrich zu Schoen- eich-Earolath im Reichstage zu einer Sitzung zusammentrat, wählte an Stelle des verstorbenen Direktor Schräder Herrn Dr. H Pachnicke, M. d. R. und A., zum stellvertretenden Vorsitzenden. Beschlossen wurde, die diesjährige §aa»vt- vcrsaimnlung der Gesellschaft in Berlin im Anschluß an die Vortrags- und Uebungskurse, die seit ciniaen Jahren in den HerbMerien 'taltsinden, abzuhalten i,nd 1915, der Einladung des Magistrats-in Augsburg eutsprechend. dort zu tage». Ter Bericht, der deni Zcntralausschuß über die Tätigkeit der Gesellschaft iiü Jahre 1913 der Sitzung erstattet wurdc, behandelte besonders das im verflossenen Jahre wesentlich erweiterte Wanderkino, das mit einem Aufwandc von etwas über 20 000 Mk. sich durch- sühren ließ, und die Förderung des öffentlichen Vortragswesins durch Bereitstellung von Films und Lichtbildern, die Schu!ze-Te- litzlch-otillung für Fortbildungseinrichtungen für ältere Kleingewerbetreibende, rlrbeiter, kleine Landwirte und verwandle B-. rule und die Wandcrbüchereien. Die Hauptkasfe der Gesellschaft verausgabte ,m veistosienen Jahre 437 000 Ml Ter Gesamt- haushalt beläuft sich aus 620000Mk. Die Ausgaben der Gesell- schait konnten mit den zur Verfügung stehenden Mitteln allerdings^ Nicht m vollem Ilmsange erfüllt werden. Die Verhandlungen der Sitzung betrasen hauptsächlich die Neuorganisation der Ver- bande der Gesellschaft.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- I ch a i t. Die anitlichc Beteiligung Englands an der Buchgewerbe- ausltellung in Leipzig 1914 ist gesichert. Großbritannien errichrct em eigenes Staatsgebäiche von 2400 Quadratmeter- Grund,lächc.


