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Nr. 28 Zweites

Eriche!»! tSglich »eil Ausnahme der Sonntag?.

TieSichenet Zamilienblättet" iverden dem .Anzeiger" Biennal wöchcnltich beigeleg!, das ilreirblat! für den Kreis zweimal

wöchentlich. Dierindwitlschafllichen Seil-

srogin" crichc!»en inonatlich zweimal.

Blatt t64- Jahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Vberhessen

Dienstag. 3. Februar ly',4

Rotqlio»?dn>ck und Verlag der Brühlschill Universiläls - Buch- und Sieindruckcrei.

R. Lange, Gieße».

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: e^KI12. Tel.-Adr.:Anzeiger!Kiegcn.

Die Anftellllnqsvechältnijje der hesfischen Serichtsschreiber-Aspiranten.

Man schreibt uns:

Fm best'iichen Tlaalsvoranschtag für 1914 sind 10 neue Ak- tuariais-Asiistente» stellen vorgesehen. Die hiernach zur Anstel­lung kommenden Kerichtsschreiber - Aspiraten bcsinde» sich ln einem Turchschnittsaiter von 07 38 Andren und haben ,amtlich

ihre Itaatsprüsung bereits vor 16 Jahren bestanden. Be: dei, Beratungen über den Voranschlag für 1913 nnirdc seitens de, Ständekanrmer die Rcuichnitung lwii 58 Assistcntenstellen bean tragt und in Uebereinjtimmunq niit der Regierung beschlossen, diese Stellen im Lause der nächsten Jahr.' zu besehen. Da nun ini vorsährigeii Voranschlag überhaupt keine neuen. Stelle» vor­gesehen wurden, gab man iich der bestimmten Hoffnung hin, daß gemäß einem Ausschüßbeschluß der Zweiten Kqznnier in den Voranschlag für 191 4 mindestens 30 neue Aifistcnte»stellen ein gestellt würde>l. Tie hiernach zur Anstellung gelangenden weitem, 2»i Gerichts jchr e!k er-Aspi i am en stehen zurzeit tu einem durch- schnitrlichen Lebensalter von 3637 Jahren und haben die Eie richtsfchreiberpküfung bereiis vor 15 Jahre» abgelegt. Durch die in: Jahre 1900 neu eingefübrtcn Grundbuchäinter. durch die er weiterie Zuständigkeit der Amtsgerichte in Zivil- und Strai- iachen. sowie durch die llebcrira rnug einzelner seither richterlicher Tieitstveriichtunge» aut de» Olcrichtsschrciber ist außer der bereits bestehenden, eine weitere gröstere Anzahl lberichtsschreiberstellen dauernd iin.ivcndig geworden. Ties wurde auch wrederd'lt in der vorjährigen Kammerberaluiig und in der diesjährigen Ke sprechung über den vorliegenden Voranschlag anerkannt und sest- iestelli. Diese weiter notwendig gewordenen Ticllen Iverden zur zeit van nicht angestellten Gevichtsschreiber-Aspiranten versehen, Md cs beträgt die Geiamtzahl dex dauernd in Berlvenduno be rndlichen Aspiranten etwa 1 H( >. Demgegenüber stehen 154 Einge­stellte Gerichtsickneiber, nämlich 70 Aktuare und 84 Assistenten.

Würden anstatt der vorgesehenen 10 Stellen 30 Gerickiis- schreiher-Aspiranten zur Anstellung gelangen, so cntstinde hier­durch ein Mehrauiwand au Gehalt twu cuva 10 12 000 Mark Diese dann zur Austeilung gelangende» Aspiranten besiuden sich sämtlich im Besitz ihrer Döchstvergütung, die selbswernändtich bei Berechnung des Mchraustvandes von ihre!» demnäckistigen Gehalt in Abzug zu bringen ist

Mit Rücklicht aut die in Kürze eriolgcudcn Beratungen hostt man in den .stressen der beteiligten Anwärter, dast die von der Regierung versprochene Gleichstellung des Prozcntverhiiltnisses der nicht angestellten zn dc» angestellten Beamten zwischen mitt­leren Justiz-- und den anderen mittleren Beainten sich in einem« kürzeren Zeitraum vollzieht, als vorgesehen, mit anderen Worte», dost anstatt 10 mindestens 30 neue Aisiftentcnstellen in den Staats- Voranschlag für 1914 eingestellt werden.

poUtiichc

Der Gkwerkschaftßstreit imb der Erzbischof von Köln.

Der Streit der Bischöfe, de» stoppe Brief veranlaßt, hak sich in lauter kleine und kleinliche -Tchackizügc »ins- gelöst. ;siir Kennzeickinnug des zwischen den Inhabern der beiden größten deutschen Bischofssitze ziveisellos bestehen­den scharfen Gegensatzes genügt die Haltung, die Gras Ovpersdorss in seiner neuesten Rümmer vonKlarheit und Wahrheit" einnimmt. Er schreibt dort:

..DieKöln. Bolksztg." (in ihrer Nr. 79 vom 27. Januar) hat erneut die Frechheit, von dem uns von hoher geist­licher Stelle zugegangcnen und in Nr. 2 vonKlarheit und Watrhei," verüsientüchtcn Artikel als von einemunerhörten Anglist" zu sa'cln,^drr gegen den Herrn Erzbischof von Köln crsvtgt sein soll. Demgegenüber stellen wir einfach seit: Ter -Artikel in Nr. 2 »onKlarheit und Wahrheit" enthält nicht ein einziges unsachliches Wort Ultd beschränk: sich in strengster Form aul die Feststellung objektiv gegebener Tatbestände. Wer das Gegenteil behaustet, lügt: lügt bemüht, zu bestimmten taktischen Zwecken, also schamlos. (Ich bedaure, aber man !n«r> den Herren nur den Münzen dienen, die sic selber prägen."

Es handelt sich uin die Rede des-Kölner Erzbischoss vom 18. Dezember, in der er die Förderung der christlichen Gewerkschaften «mpsohleii hatte;Wahrheit und Klarheit" hatte darin eine Gewissensverwirrung gesehen und den Erz­bischof ausgeiordert, reumütig diesen Verstoß gegen die Enzh- Nika zurückzunehmen durch glatten Widerruf, dieKöln. Bollszeitung" hatte geantwortet, daß das ein hcrostratischer Angriff auf die bischöfliche Autorität sei, in der angeschnitte- ilen Frage habe weder Graf Oppersdorfs noch Kardinal stopp, sondern nur der Erzbischof von Köln zn entscheiden. Daraus nun tvieder Grat Oppersdorfs:

Falsch. Die Entscheidung steht, wie ja auch Herr Kar­dinal stopp in seinen! -Schreiben vom 21. Januar aussübrt lediglich beim Pap sr. Die von derKölnischen Volks- zeimng" hier grundsätzlich vertretene Behauvtung bedeutet eine glatte Häresie."

Ter Zweikampf Schnltc-Kopp ist -eine Episode, die Gras Oppersdorfs als belanglos und unwesentlich abtut.Die Hauptsache," schreibt er,ist, daß Kardinal .stopp sein Urteil über die Schultesche Ausarbeitung geändert hat, daß er das vor der Oesseiiilichkeit mit klaren Worten sestgestellt hat, und daß diese Mitteilung eine sie modifizierende Ergänzung seit dem 1. Dezember nicht mehr erfahren hat." Tue entschei­dendste Stelle im Kappschei, Schreiben aber sei der Satz: tÄidlich aber inuh besonders hcrvorgehobcn werden, dah cs nicht Sache der Bischöfe ist. päpstlich« Erlasse zu erläutern und auszulegen, sondern daß di-ses Recht allein dem Heiligen Stuhle zitstchr."

Za oder nein," sragt Oppersdorf,ist der Heilige Stuhl allein entscheidungSberechtigt oder nicht? Wir er­warten die Antwort." Bon wem? Das ist mit Händen zu greisen. Der, an den im Grunde der Koppsche Brief diese entscheidende Frage stellt, ist der Erzbischof von Köln.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 3. Februar 1914.

Ter Eisenbahniibergang an »er Frankfurter Straße.

Stadtverordneter Geheimer gvrstrat Professor Wim- m c n a u e r schreibt uns:

Mein Vorschlag vom 4. November o. I. scheint mißver­standen worden zu sein. Man hat mir dagegen eingewendet, cs gehe nicht an, daß die Züge der Oberhessischen Bahnen mit Gesäl! in den Bahnhof ciniansen; sic könnten dabei nicht zum Stehen gebracht werden. So war's aber auch nicht ge­meint. Vielmehr ging mein Vorschlag dahin, die Gleise vom Bahnhof bis zur Liebigstraßc, also 300 bis 400 Meter lang, wie jetzt horizontal, aber ein» 5 Meter tiefer zn legen

und erst von der Licbigstraße bis zum Viadukt an der Lud wigstraße uni etwa > .Prozent steigen zu lassen. Daß hierbei dem Anhalten der Züge kein Hindernis entgegenstehcn würde, zeigt die Bahnanlage bei Nidda, wo unweit vom Bahnhof in der Richtung nach Gießen eine Steigung von cbensalls V, Prozent beginnt, die 270 Meter lang anhält und dann sogar auf weitere 871 Meter itt die stärkere Stei gnng von I Prozent übergeht. Die Züge aus Gießen kom­men dort^also mit viel größerer Beschleunigung an, als es hier der Fall sein würde, und werden doch zum Stehen ge­bracht.

Ich verkenne die Schwierigkeiten, welche der Anssüh- rnng meines Vorschlags entgegenstehcn, durchaus nicht, und gebe auch zu, das; die seinerzeit von Herrn Professor Tr. 2 o m m c r angeregte Lösung der Frage durchs e i I l i ch c" Verlegung der Oberhessischen Bahnen große Vorzüge hat. Taß in Nr. 259 vom 4. Nov.pl Z. nun vonsüdlicher" Ver­legung die Rede ist, beruht auf einem Drncksehlcr: die Bah­nen müßten nach beiden Richtungen, sowohl nach Rordostcn über Wiescck als auch nach Südvsten über Klein-Linden oer legt werden. Das wäre ohne Ziveisel schöner, aber auch viel kostspieliger. Nach meinem Vorschlag würde dieDrace" der Bahn llberltziupt nicht verlegt werden: Schwierigkeiten wür­den nur durch die felsige Beschaffenheit des Bodens am Sel­tersberg entstehen. Mau müßte wohl ivährend der Bauzeit, also Uicflpidjt aus einige Monate, für den Personenverkehr eine provisorische Endstation beider Bahnen an der Eisen- bahnwcrkstätte einrichten und für den Güterverkehr ein Rot­gleis liegen lassen. Zur Verbindung der provisorischen (jnS station mit dem Hanptöahnhof könnten Automobile ver­wendet werden.

Daß, wie die Redaktion a. a. O. a »deutete, die Stadt Gießen einen Teil der Kosten übernehmen sollte, will mir nicht einleuchten. Bo beim Bahnbau behufs Vermeidung der Niveau-Uebergänge" lange Dammbauren und sonstige kost­spielige Erdbewegungen ausgeführt werden, zieht man doch auch nicht die Gemeinden vder Krasse, denen die Wege ge­hören, toclche die Bahn kreuzen, zur Tragung der Baukosten heran.

Aber noch ein ganz besonderer Vorteil für die Stadt könnte ni. E. bei der Ausführung meines Vorschlags heraus- kommen; nämlich die anderweitige Verwertung der alten Klinik und damit die Beendigung des hierüber entstandenen Streiies. Soviel inir bekannt, sind doch die Verkaussverhandlungcn mit der Eisenbahndirckkion daran gescheitert, daß diese die Bedingungen. ablehnte, welche hi: sigerscits daran getnüpst wurde». Diese Beoingungen aber kein drittes Gleis über die Frankfurter Straße usw. kämen in Wegfall, wenn oie Bahn von der Straße überbrückt würde. In dieser Richtung und vielleicht auch hinsichtlich des Preises dürfte die Stadt wohl einiges Entgegenkommen zeigen. <

** Landes-Unioersitä t. Tr. phil. Johannes Pfitzner aus Berlin, der sich an der Landesuniversität sür Staatswissenschaftcn zu habilitieren wünscht, wird am Mittivvch, 4. Febr., «>>, Uhr, in der kleinen Aula seine Probevorlesung halten über die Frage: Ist die Statistik eine Methode oder eine Wisscnschast?

! * R en t amt ma n n Georg Schäfer f. Nach län­gerem Leiden verschied am Sonntag nachmittag der Großh. Rentamtmann i. P. Georg Schäfer, der lange Jahre hindurch eine sruchtbarc schriftstellerische Tätigtest als Mit­arbeiter von Zeitungen und Zeitschriften sowie als hessischer Volkserzähler entfaltet hat. Als Sohn eines Landwirts ani I. November 184!) zu Schaafheim im Kreise Dieburg ge­boren, besuchte er das LehrersemWar in Fricdbcrg, das er mit Ersvlg absolvierte, legte aber dann die Ghmnasial- Reiseprüsung ab und ivandte sich dem Studium der Kame- ralwissenschaften an unserer llnibcrsitäk zu. Nachdem er die vorgcschricbcnen Staatsprüfungen bestanden hatte, trat er bei der Gräfl. Erbach-Schönbcrgischen Rcntkammcr als Sekretär ein und wurde dort schließlich als Kammerdirckior Ches der Verwaltung. 1885 in den Staatsdienst zurück- gekehrt, wurde er -einige Jahre später als Rcntamtmann in Lampertheim, dann in Bingenheim angcstcllt. Bald nach der Neuorganisation des hessischen stassenwesenS, bei der ihm die Stelle des Kvntrollöeamtcn in Gießen übertragen wurde, trat er 1902 in den Ruhestand. Mil Georg Schäfer ist ein Leben von reichem Inhalt dahingeg-angen. Schon als Kind zeigte er Neigung zu den Sagen und Geschichten seiner .^>eimnt, die k*r (iu.6 dem Munde der (^roszeltern und alter Knechte und Mägde des Vaterhauses immer wieder hörte und treu im Gedächtnis bewahrt:. Svätcr wandte er sein Interesse den Sprachen zu, deren er eine^ große Zahl beherrschte. Die bedeutenderen Dichter und <oÄrist- stellcr des tlassischen Altertums und der modernen europäi­schen Kulturvöller las er alle in d-r Ursprache. Die Bibel, hebräisch und griechisch, Goethes Faust und Dantes Divina Commedia waren feine Lieblingsbücher. Ausgebreitete Kenntnisse in der Malheinatik, in den Naturwissenschaiten, und in der Geschichte, in Volkswirtschast und Landwirtschast, nicht weniger auch in der theoretischen und praktische» Musik er spielte fertig mehrere Instrumente machten seine Bildung zu einer so umfassenden, Ivic man sie selten findet Sein reicher Geist begnügte sich nicht mit rein rezep­tiver Tätigkeit, cS drängte ihn zur Produktion. Da er den größten und besten Teil seines Lebens ans dein Lande verbracht hatte, war -er tief ,n die Kenntnis der Sagen, Sitten und Gebräuche des Volkes einoedruilgen. Tie Früchte dieser Studien liegen in mchrcren Büchern und in zahllosen kleinen Erzählungen und Skizzen, die in Zeitschriften, Kalendern und Zeitungen zerstreut sind, vor Von den Büchern seien genamit sein erster und wohl auch sein bester Roman:Die silbernen Glocke» von Mörlen­bach" (Stuttgart, jetzt Gießen, E. Roth), in denen er Land und Leute des OdenwaldeS schildert. Dem Odenwald, der» er so sehr' liebte, galt auch sein letztes im Truck erschienenes Werk:Ter letzte Wodanspriester" (Gießen, O. Kindt-. Zwei andere lkvmane (im gleichen Verlag«)Die .Hexe von Bingen­heim" (auch in den Gicßener Familienblättern erschienen) undDer wilden Frauen Gestühl" schildern unsere Wetterau in ihrer Vergangenheit. Alle Bücher sind weniger Romans als breit angelegte Kulturbilder. Sic sind mil starkem Wirk- lichkcilSjinn geschrieben imü atmen die liefe Religiosität, die

das Herz ihres Vcrsassers erfüllte, wahre Vaterlandsliebe und Begeisterung für alles Edle. Sie haben auch gerade :ni Volke eine kleine aber verständnisvolle Gemeinde ge­sunden. Was ihnen den Weg in die breitere Lcssentsichkeit versperrte, das zu untersuchen ist hier nicht der Ort. Rur soviel sei gesagt, daß di« ungeheuere Menge von Wissensstoff, die in ihnen aufgespcichcrt ist. den gebildeten Lesern oft als Ballast erscheinen tnochte, der den Fluß der Erzählung hemmt. Das aber steht fest, daß sie für die Volkskunde eine reiche Fundgrube bilden, in der eine Fülle unmittelbarster Beobachtung steckt. Hierin liegt Schäsers Bedeutung. Viel­leicht seine beste Arbeit ist deshalb auch der kleine in VolOs SammelwerkDer Odemvald" (Stuttgart 1900) erschienene Beitrag, in dem er auf 50 Seiten das Bolksleben schildert.

Georg Schäfer war kein Mann der Lefsentlichkeit. An seinem Schreibtisch und in seinem Familienkreise fühlte er sich am glücklichsten. Nie hat es einen treueren, besorgteren Gatten und Vater gegeben. Aber auch anderen bot er seine hilsreiche Hand, Ivo es not tat. Sein gastfreies Haus stand jedem Freund jederzeit offen. Darum iverden viele an seiner Ernst im Herzen trauern. Have pia anima.

** Den Ehrenbrief der Deutschen Turner- s ch a s t erhielten der Ehrengauvertreter Helm, der zweite Gauvertretcr Wilh. Eidmann und Georg Allmen­röder, der langjährige Vorsitzcnd: des Turnvereins in Wetzlar. Gelegentlich der nächsten Gauansschußsitzung am 15. Februar werden diese Ehrenbriefc überreicht.

** Der Rhcin-Mainlschc Verband für Volks­bildung beabsichtigt, wie man uns schreibt, die Bolksbildungs- arbeil im östlichen Vogelsberg zu organisieren. Zu diesem Zweck lädt er zu einer Bersanriuluna ein, die »anHtag, den 7. Februar, nachmittags 4 Uhr, im Hotel zum Fclsenmeer in H o ch- tvaldhauseu stattiindct. Der Geschästssührer des Verbandes, Herr G. Volk aus Frankfurt a. M wird in dieser Versammlung sprechen über: Volksbildüngsarbeit aus dem Lande.

** Maßnahme gegen den Geburtenrück­gang. Die Behörden in Hessen gehen jetzt gegen Geschästs- leute, besonders Friseure, die AntrkonzeptivnS- m ittel feilbiet-en, sehr scharf vor und lassen sie gerichtlich bestrafen. Gegenwärtig sollen etwa 100 derartige Anklagen in Frankfurt schweben. Dieses einheitliche Borgehe» wird zweifellos als eine Maßnahme zur Verhinderung des Ge­burtenrückgangs anzusehen sein.

* In das Wa-l;cnwerk geraten. Der Fabrik­arbeiter Bender aus Ober-Schmitten geriet in der Monsangschen Papierfabrik mit der rechten Hand in das Walzen wert. Die Hand wurde völlig zer­quetscht. Sanitätsrat Dr. Koch ans Nidda leistete die erste Hilfe, amputiert: die zerquetschten Finger und ordnete darauf die Uebersührung des Verunglückten nach der Gicßener Klinik an. Dort ivnrde ihm der rechte Arni am Ellenbogengelctik abgsnommeii. Bender ist 26 Fahre alt und erst seil einem Jahre verheiratet.

** UeI>er die Furunkulose der Fische, die auch in hcsilichcn Gewässern, allerdings bisher nur ver­einzelt, vorgekommcn ist, erläßt das Großhcrzoglicho Kreis- amt Gießen in unseren! heutigen amtlichen Teil eine Bc- kaniit'nachutig, die aus die Gefahren hinweist, die die Seuche mit sich bringt, und die den Bürgermeistereien und Fisck>» züchtcrn eine Reihe von erprobten Maßnahmen gegen die Verbreitung der Furnnlulose vorschlägt.

** II e b e r das Ablade » von Kohlen auf der Straße cnihält das heutilic Krcisblali eine Bekanntmachunq, wo - nackt das Ablade» der Kohlen nur aus der Fahrbahn crsolgen dars und das Wcgbringen der Kohlen unmittelbar nach denr Äbladcn zu erwlgen hat. Tie verunreinigten Straßenieilc sind sofort gründlich zu reinigen.

** Eiscnbahnbeamte un b Kleintierzucht. Zur Hebung der wirtschastttchei, Verhältnisse der unteren Beamten ntid Arbeiter, insbesondere der ans dem Lande wohnende», sind die Eisenbahndirektionen angeiviesen wor­den, außer der Bienenzucht auch eine zweckmäßige Ziegcn- und Kaninchenzucht zu fördern. Als Mittel zur Förderung sitid enipsohlcn: Anregung und Belehrung der Bediensteten durch Beschassung und Auslegung geeigneter Zeitschristcn in den Anfenthaltsränmen, Beitritt der Bediensteten zu Ver­einen für Zucht von Ziegen, Kaninchen und sviistigenl Klein­vieh, Erleichterung des Besuches von Fachausstellungen und Vorträgen durch löewährnng von Urlaub und srcier Fahrt, bei Arbeitern unter Fortzahlung des Lohnes, Gewährung von Beihilfen zur Anschassung guter Zuchttiere, Herstellung zweckmäßiger Stallungen. Mit Answendung von 19 600 Mk. sind im letzten Bctriebsjahre 346 Bedienstete bei Aufchasfung von Biene,i, mit 16 500 Mk. 432 Angestellte bei Anschaffung von Kaninchen und Ziegen unterstützt worden 1292 Be­dienstete haben Lehrkurse und Fachausstellungen besucht. Im ganzen betreiben 3674 Bedienstete Bienenzucht und 42179 Kleintierzucht. Tic Zahlen sind beständig int Wachsen bc» grifscn. Wie uns geschrieben wird, soll hier einKanin- chenzüchterverein sür Eiscnbahnbeamte" gegründet werden.

Landkreis Gießen. r

Annerod, L. Febr. 2 er hiesige Zweiaverei» de. Evangelischen Bunde? hielt in, Saale der ttzasiwirtschai Zur Krone" den zweiten F a >n i l > e » a b e n d dieies Winters ati. Proleiior 0. Tie hl vom Predioerti-niinar in Friidderq Ivrach überTie hessische Reiormalio» als soziale Tat". In sehr klaren Aiiriiihruiiqe» wiibte er den auimertianien Zuhöreim verständlich zu machen, inivielern Landqrai Pbilivv der ölroinnütige de» durch den reichen Landbesitz der zahlreichen Klöster verarmte» Bewohnern seines Landes eine arobe Wohltat erwies, wenn er 1526 die Re- wrinatio» in Hessen einsührle Diese Wohltat wies der Dartraqende in vier Beziehungen nach: I. in der Bekämptunq des Bettet? »nd Müßigganae?, welche von der katholischen Kirche jener Zeit al? etwas Berdienstliches und Fromnier angesehen ivurden. Statt dessen wurde das Volk zur Freude an der Arbeit erzogen. Ferner ver­wandte der Landestürst den reichen Besitz der Kirche »tckit zur Ber- niehrnng leme? Berniöqens, sondern tür das Bott, tür die Armen, Kranken, Blinden, Lahmen usiv. Weiler wurden in alten Anits- ltädtchen, wie z. B. in Erünberq. Echzell nim.. Lateinschulen gegründet, aut denen durch aberlei Bergünsligungen die künlliaen Beamten aus allen, auch au? den »ntereii, Schichten des Volkes herangebildet wurden, so dah zwischen den vc>Ichiedenen Standen des Volkes nicht die Klutt bestand, wie leide: heutzliiaae. IirSluS- bi düng sand dann anl dem Gymnasium und der Universität in Marburg ihren Abschlutz. Dieses Sludimn kostete die lllteni kein Geld, sondern die jungen Leute chnden i-> der Siipeiidiaieii-Anstalt de? Laude? völlig sieic Ausnahme, lind endlich >üdrl« der Laab- graj die Konfirmalion ein und ivurd« so der Ächopser der hesstschM