Nr. 2 \
Der «letzener Anzeiger
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Erster Blatt
Jahrgang
Donnerstag, 29. Januar 1914
kzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck nnd Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Strindruckerri 8. Lange.
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monallich7öPi.,v>enel- jährlich Alk. 2.28: durch Adhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pb: durch dicPost Mk.2.—viertel« jährl. ausschl. Beitellg. Zeilenprcis: lokal löPh, mlsivärrs 2V Plenniq. lschesredakteur: A 8oetz. Verantwortlich sür den polit. Teil: Aug. Soetz; sür .Feuilleton', .Ver- utischtes'uud.Gerichts- saal": Karl Nenratb; sür .Stadt und Land":
„ . ^ _ .... . - . . ... . _ Kurt Beudt; für de»
Redaltion, LrpediNon und Druckerei: Schulstrahe 7. Anzeigenteil: H. Beck,
Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.
Tagcskalender aus dem Jahre 1814.
29. Januar: Preußen und Russen untcr Blücher und Gneiscnau haben ein blutiges Gcsccht bei Bricuuc gegen Napoleon zu bestehen. Blücher entgeht mit Mühe der Gefangennahme durch die Franzosen.
wiederum Revolution aus Haiti...
Auf Haiti, der Insel der ewigen Revolution, lodert wieder der Aufstand der schwarzen Gentlenien. Deutsche Interessen sind gefährdet und zu ihre», Schutze deutsche Truppen gelandet Seit der im August 1912 crsolglcn Pulvcrerplostoii des „Nativnalpalastes" von Porl-au Princ-, ivobei der Präsident Lecontc mit 200 Offizieren und Soldaten ein Leben einbüßtc, hak man nichts besonders Schlim mes von der Negerrepublik gehört. Man weiß nur, daß Haiti sein internationales Schnldkonto noch immer nicht beglichen hat und daß ein Schiedsgericht über die Ansprüche entscheidet, die von deutsct)en Reichsangehörigen gegen die Republik erhoben werden. Es ist ein Tribunal von drei Richtern. Deutschland und Haiti hat je einen Beisitzer, der König von Belgien den Obmann und Vorsitzenden bestimmt. Ter deutsche Schiedsrichter ist bekanntlich der Hamburger Rechtsanwalt und fortschrittliche Reichstagsabgeordnete Tr. iur. Andreas Bl u n cf
Unsere jetzige Militärattion aus .Haiti ist um so schwieriger und verantwortungsvoller, weil sie von einer wenig ivoblivollenden Auslandspressc angesichts der Schieds- .gerichtseinfetzung leicht übel gedeutet iverdcn kann. Aber !wir haben gar keinen Grund, uns dadurch von der Bc- jschützung der deutschenJntercssen durch ein Landnngskorps nbhallen zu lassen. Die „Vineta", die jetzt 80 Mann und .zwei Maschinengewehre gelandet hat, war bereits zur Heimreise bestimmt. Sollte nun eine Verstärkung der deutschen Macht in den Gewässern von Haiti erforderlich iverdcn, so ivird voraussichtlich aus den Kreuzer „Bremen" zurück gegriffen, der an der nrexikanischcn Küste liegt und sür den der Ersatzkreuzer in der „Drcsdc n" bereits vor Berakruz eingetrofsen ist.
Es ist ja nicht das erste Mal, daß die „Bremen" nach .Haiti muß. Ihre letzte Entsendung geschah 1911, als sie gerade zu Dermessunäszwecken in der Hudsonbay weilte und die deutsche Gesandtschaft in Haiti aus Anlaß der bei der Eroberung des Kap Hailien vörgekommencn Plünderungen ben Ng,ruf »n das Berliner Auswärtige Amt ergehen ließ. Jni März 1908 war die „Bremen" ebenfalls nach -Portc-au Prince beordert worden, um die haitianische Regierung von feindseligen Schritten gegen die Ausländer abzuhalten. Der Kreuzer mußte damals eine Anzahl deut- slck.-r Unterlancn, die sich in die deutsche Gesandtschaft geflüchtet hatte», au Bord nehmen Und geht man weiter zurück, so war schon im Sommer 1901 die Entsendung des Kreuzers „Bincta" unter Kominvdorc Schcder (heute b. fehligl Kapitän zur Sec Adelung) nach den Küstcnplätzcn von Haiti nötig, um die den Weißen durch Neger drohenden Gewalttätigkeiten zu verhindern: im selben Jahre noch machten haitianische Soldaten sich 'Ausschreitungen gegen den deutschen und französischen Gesandten schuldig, derent- wegen der Präsident in feierlicher Audienz um Entschuldigung bitten inußte. Um diese Erinnerung, die wir das völkerrechtliche Schuldkonto Haitis nennen möchten, voll
zählig zu machen: Im September 1902 beschlagnahmte der Kreuzer „Erete a Pierrot" der haitianischen Rcvolutions- vartei gegen alles internationale Recht den deutschen Hapag- Tamxscr „Markomcmnia" in der Nähe von Kap Haitien. Da mal» wurde das Kanonenboot „Panther" der spätere Agadir-Panther! > untcr Korvettenkapitän Eckerniann nach Haiti geschickt. Es überraschte das Sceräubcrschisf im Hasen von Gonaives und verlangte sofortige Ucbergabc. Tie Besatzung verließ das Schiss,aber der anfständischeAdmiral K il - lick blieb mit einigen Mann an Bord, und als der „Panther" seine Prise ins Schlepp nehmen tvolltc, sprengte der schwarze Admiral die Pulverkammer am Heck seines Schisses in die Lust: da dies ein „feindlicher Akt" war, ließ Kapitän Eckerniann den Rebellen-Krcuzer durch einige wohlgeziclte Granatschüssc vernichten. „Brav gemacht, Panther!" telegraphierte damals der Kaiser an den Kommandanten.
Wir könnten so die Geschichte unserer haitianischen „Beziehungen" bis zum Jahre 1872 zurückverfolgc». Solange cs ein Deutsches Reich gibt, szgitc es Scherereien mit der unruhige» Negerrepublik, und cs ivärc nachgerade an der Zeit, endlich einmal das Problem Haiti zu löse», um die pein lieben Aktionen, die doch immer auch die Gefahr inlernaliv nalcr Reibungen beraufbeschwöreii, ein sür alle Male unmöglich zu machen. Die Bereinigten Staaten von Nordamerika, die tvie auf Kuba so auch auf Haiti wegen ihrer wirtschaftlichen Interesse» den größten Anspruch aus durchgreifendes Handeln hätte», wollen von einer Besitznahme der Insel wegen der Neger und Mischlingsbevölkerung nichts wissen. Eine Frage aber, die gerade jetzt zu erörtern tväre, ist die amerikanische S ch u tz h e r r s ch a f l über Haiti, wie sie bic_Union schon über Kuba und die Philippinen ausübt. Der Ltckwcrpunkt der amerikanischen Politik ist nun mal ! im Golf von Mexiko und im karibischen Meere zu suchen.
! nicht nur sür den Fall eines japanisch-amerikanischen Krieges, sondern auch wegen der Ausdehnung der nordamcri- ! kanische» Jnteressen-Sphäre über Mittel-Amerika und wc- I gen des P a n a m a k a n a l s! Die Union ist es den anderen Mächten schuldig, hier endlich Ordnung zu schasse». Das Deutsche Reich, dem das immer wieder notwendig werdende Eingreifen auf Haiti durchaus kein besonderes Vergnügen macht, wäre für solche „Sanierung" vor Eröffnung des Kanals nur dankbar!
Pvrt-au- Prince, 28. Jan. Bewaffnete Abteilungen amerikanischer Matrosen benoachen die anierikanischc Ge- sandtschast, das Telcgrapbcnamt und das französische Krankenhaus. Deutsche Ai a t r o i c n sind vor den übrigen Gesandt- s ch a s t c II n II d v o r d c n d e u i sch » n utz eschnftr II aut Posten gezogen. Gestern hörte man in allen Stadtteilen sortgesetzt Ge- Iveheteiicr. Des nachts wurden verschiedentlich Raubvcrsnche unicr- »omnicn, die jedoch unterdrück- werden konnten.
Washington, 28. Jan. Das Linicnschiss „South Carolina" erhielt Befehl. Guantanamo zu verlassen und sich unter Volldampf nach Port au Prince zu begeben, um Leben und Eigentum der Ausländer zu schützen. Das Schiss mutz heute abend vor Haiti eintresfen.
Hessens 5'aatss^uld, Tilgung und verzi"sung.
Die gesamte Staatsschuld des Großherzogtums beläuft sich iin Staatsbudget sür 1914 aus 448 Millionen 296 709 Mk. Die Staatsschuld setzt sich bekanntlich aus zwei großen Gruppen zusammen, der Eisenbahnschuld und der Schuld für andere staatliche Zwecke. Die Eisenbahnschuld besteht in erster Linie in der für die Erwerbung der hessischen Lndwiasbahn ausgenommenen Schuld von 196 322 700 Mk., von welcher Summe 179 216 100 Mk. zu 3 Prozent und 17 106 600 Mk. zu 4 Prozent zu verzinsen sind. Für sonstige Eisenbahnzwecke wurde eine Schuld im Betrage von
bayerischen 5t. Moritz.
Kg. Garmisck>, im Januar.
Bor zehn Jahre», als man den Schnee noch für den Feind hex Menschheit hielt und sich vor ihne in die warmen Zimmer zu- lückzog. lagen die als Sommerfrischen brzeichneten iüdbqprischen Städtchen wie Tegernsee, Schliersee, Tölz, Garmisch-Partenlirchcn ein halbes Jahr hindurch — denn io lange dauert hier der Winter — in einer Verlassenheit, die kein Tourist störte. Tie Hotels tvaren geschlossen, die Billen verbarrikadiert, die Einwohnerzahl verminderte sich um die Hälfte oder um noch mehr.. Die Züge aus der Stadt brachte» »ur die Post und ein paar Gc- schäktsrciscndc, — das war die ganze Verbindung mit der Außen- welt.
Wer dagegen heute von München ans einen )chöncn Wintcr- sonntag zu einem Ausflug ins Gcbirg benutzen will, kann einen untcr zehn oder zivöls Sportzügen benutzen, die ausschließlich sür de» Touristenverkehr ab gelassen tverd,m. am Münchener Haupt - bahnhok abrolic» und erst mitten im itzebirg wieder Hallen. Tan sende von Menschen eilen da dem Bahnhof zu, und die große Halle ist überfüllt von vermummten Gestalten, die ihre Skier schultern. Kaum zwcr Stunden Fahrt — und man schnallt die Bretter an. macht einen Ausstieg aus die Fürstalm, die Bodenschncid, au) die Rotwand oder de» Jägcrkamp, ist vor der Dunkelheit nach mehr oder weniger schneller Abiahrr wieder unten im Tal und abends zu Hause in München, wo man, wenn es die ausgestandciien Strapaze» erlauben, sich noch karnevalistisch betätigen kann.
Tie Wintersportsleute sind gekommen und haben den Frieden der Ivinterlichcn Hochtäler und Gebirgsdärser gestört, aber auch Geld in Hülle und Fülle hineingebracht. So sind sic denn höchst tvillkomnicne Friedensstörer. Ganze Industrien sind sür sic enr standen, Wiiitcrsportslädc», Reparaturwerkstätten, Ski und Rodcl- »crleihgeschästc. Die Äoicls schließen im Winter nicht mehr, im Gegenteil: sic erleben eine zweite Hochsaison.
Aber kein Ort hat durch den Wintersport einen größeren Aufschwung genommen als Garmisch-Partenkirchen. Aus dem alt- bahcrischcn Toppelstädtchen mit seinen buntbemalten Häusern und den dazwischen verstreuten Bauerngchösten ist eine „Kurstadt" ge Ivordcn, die Lolalpalrioten ohne besondere Uebcrireibung das bancrischc St. Moritz nennen. Tie Hotels haben iich liier in den letzten fünf Jahren mindestens verfünffacht. mitten in Garmisch ist ein Kurhaus entstanden, eine Kurkapcllc hat sich gebildet und »ach größeren Mustern wird sogar eine Kurtaxe erhoben. Cafe- Konzerte und Lichtspieltheater haben sich aufgktan. aus den Straßen wandelt in unerhörter Wintcrelcganz ein Publikum, das sonst die Tanentzienstraßc passiert, und kaust Berliner Zeitungen.
Dieses Publikum vermag den richtigen Skwrtsmcnschen in Entzücken zu versetzen. An ihm kann er studieren, wie man
fürs Gebirg nicht gekleidet sein darf. Diese) Kostümierung (grelle Farben lrinmphiercn!) besteht ans Tichcrhcitsmaßregcln gegen Frost, Wind, Glätte, gegen all jene Unbilden, die diese Herrschaften nicht erleben, weil sic hübsch int Tal bleiben. Will man ihnen cntilichen, so genügen 100 Meter Steigung.
Das wird nicht mehr der Fall sein, sobald die gevlanten Bergbahnen gebaut sind, die Bahn auss Kreuzcck gegenüber der Alpspitz, und die Zugspitzbahn selbst. Tann wird es lediglich eine Angelegenheit des Geldbeutels sein, den „Lunch" oben in der Eisrcgion zu nehmen und am selben Abend die „Reunion" in Garmi.ch mitzumachcn.
Bis dahin wird Garmisch-Partenkirchen eine noch stolzere Entwicklung genommen haben. Tie neuen Eisenbahnlinien nach Innsbruck und Neusse (ins Allgäu) werden inzwischen vervollkommnet und ausgebaut sein und den Toppelort nicht nur zu einer Wintersportsstalion, sondern auch zu einem Verkehrsknotenpunkt ersten Ranges gemackrt hoben. Taim wird cs hier vielleicht ganz so international zugehcn, wie in St. Moritz, — doch die richtigen Sportslcute werden dann längst andere Regionen ausgesucht haben.
— Eine komische Oper Sepp Roseggers. Ans Graz wird berichtet: Mit seiner komischen Oper „Lilumlci" hat Tr. Scvv Rosegger, Arzt in Langenwang und ein Sohn Peter Roseggers, einen musikalischen Schwank geschaffen. der im hiesigen Opernhaus mit recht freundlichem Erfolg iw Szene ging. Nach der schweren Romantik seines „Schwarzen Doktors" bedeutcl „Litumlci" einen gewissen Fortschritt, namentlich in technischer feinsicht. Ter Stoff ist in den Grundzügcn au» Kellers Novelle „Ter Schmied seines Glücks" geholt, aber ziemlich frei umge- staltet. Tie Musik schlägt öfters einen volkstümlichen Ton on und hat hübsche melodische Einsällc. Das Publikum nahm die lustigen Szenen mit Beifall au) und ries lebhaft nach der sympathischen Persönlichkeit Roseggers, der mit den Darstellern wiederholt vor dem Vorhang erschien. Der Aufführung wohnte auch Peter Rosegger mit seiner ganzen Familie bei.
— I n der englischen Telegraphen Verwaltung niieitct man zurzeit an der Herstellung eines Apparates, der imstande sein soll, sechsTclegrammez» gleicher Zeitau) einem Draht zu befördern. Nach der „Umschau" hau delt cs sich dabei um eine Vervollkommnung des Baudotichcn Duplex-Systems, dos seit 40 Jahren in England in Gebrauch ist für den Tclegrammvcrichr nach deni Ausland, während man sich im Jnlandc des Whcatstvneschen automaiisckym Telegraphen- systcms bedient. Das Prinzip der vielsach.-n Telegraphie ist, daß verschiedene Telegraphisten jeweils au) den Bruchteil einer Sc künde den in Rotierung stehenden Apparat benutzen, wobei jeder 1
162915800 Mk. gemacht, wovon 26508700 MI. zu 8 Prozent. 92 818 700 Ml. zu 8' Prozent und 48 598 400 Mk. z» 4 Prozent angelegt worden sind, in Summa also 859 228 500 Mk. Eiscnbahn- schulden.
Für andere Bcdürsniisc des Staates wnrdcn zunächst 79 621 809 Mt. Schulden gemacht, von denen 35'.5 Millionen zu 8 Prozent, nahezu 16 Millionen zu 3' - Prozent und 28' , Millionen z» 4 Prozent begeben wurden. Zu dieser Summe kommen noch weitere 3041 700 Mk. als Restkausschilling für den Erwerb der Jsenburgischcn Besitzungen im Kreise Olkenbach. die zu 3' Prozent verzinslich sind, und die sür die Landcskredilkassc übernommene Schuld von 12 699 200 Mk , insgesamt sonach eine Staatsschuld von 454 601209 Mk. Aus diese epchuld sind aber die sür die Jahre 191 l und 1912 vorgenommcncn Tilgungen aus 3180 800 Mt., scrncr die für 1913 vorgesehene Tilgung von
1 410 600 Mk. und die sür 1914 bestiminte Tilgung mit 1713100 MI . in Summa 6 304.500 Mk , in Abrechnung zu bringen, so daß sich »ach der Feststellung des Finanzousschnsics sür das Etatsjabr >914 eine G c s a NI t st a a t s s ch u l d von 4 48 296 7 09 Marl ergibt.
Für das Etalsjahr 1914 sind an Zinsen crsorderlich: Für die Eisenbahnschuld von 359 238 500 Mk. - II 848 223 Mk., für die anderen Zwecken dienende Schuld von 79 621 809 Warf —
2 665 914 Mark, sür die Schuld der Jscnburgschen Besitzungen 104 832 Mk., sür die Landeslreditkaiscnschuld 104 832 MI., in Summa 15063 441 Mk. Bon dieser Summe sind aber abzurcchnen die Zinsen von deni aus de» Jahren 1911 und 1912 verfügbaren und für 1913 »och zu tilgenden Betrag 105 920 Mt. und 46 972 Mart, zusammen 152 892 Mk. ,sodaß der Gcsamtbcdars an Zinsen sür 1914 14910 549 Mk. beträgt.
Die T i l g u n g d e r S t n g t s > ch u l d erfolgt bekanntlich nach dem Gesetz vom 17. Juli 1912, das am l. April 1913 in Kraft getreten ist. Darnach wird die gesamte bis dahin begebene und weiterhin noch zu begebende Eisenbahnichuld mit >/, Prozent des Nennbetrages dieser schuld und die gesamte übrige Staatsschulk mit * , des Nennbetrages getilgt, während sür die vom l. April 1918 ab für andere als Eisenbahnzwccke auszunehincndc Staatsschuld mindestens l Prozent der für tverbendc Zwecke ausgcwcndetcn und mindestens 2 Prozent der im übrige» an) Anleihe zu »ebmendeu Beträge zu tilgen sind. Tie Tilgungsbeträge betragen deinnach zu Beginn 1914 sür die Eisenbabnschuld von 359 Millionru 0 •. Prozent) 1 197 462 Mark unv für die sonstige Schuld von rund 65 Millionen labzüglich der Schuld sür die Landesbypothekew- bank usw.) 526011 Mark, in Summa 1 723 473 Mark. Hiervon gehen aber nach den geietzlichcn Bestimmungen noch verschiedene Beträge wieder ab, so daß sich der Gesamtbetrag der Tilgung sür 19I4^au) 1354 100 Mark stellt. Dazu kommen noch für Tilgung der Sckmld sür die; Jscnburgischen Besitzungen 187 700 Mark, io daß sich der Geianu betrag brr Schuldentilgung für das Groß- hcrzogtnm mii 1541 800 Mark beläuft.
Deutscher Reich.
Im Haushaltsausschuß des Reichstags brachte Abg. Dr. W einet eine Entschließung zu gunstcn der Unterbcainlen bei der Rcichspost, die aus dem Tcle- gravhenarbciterverhnllnis bervorgcgange» sind (Anrechnung der Arbeiterdienstjahre) ein. Tic Enlschließung wurde einstimmig angenommeil.
Zwei n c ii c kleine Anfragen sind im Reichstage gestellt worden. Ter Abg. Tr. Trendel (Ztr.) fragt an: In weiten Kreisen der Bevölkerung und der Ltcuerbe- hörden herrscht trotz der Erklärung des Herrn Rcichsschatz- sekrctärs vom 10. Januar ds. Js. noch Unklarheit darüber, ob das nach dem Wehrbcitragsgesctze nach dem Stande vom 81. Dezember 1913 sestgcstclltc Vermögen, mag cs nach dem Ertragswert oder nach dem gemeinen Wert (Berkaufswert) fcstgestellt sei», unverändert gemäß 88 19 und 20 des Bc- sitzsteucrgesetzes bei Fcststelluiig des Vermügcnszuwachscs im Jahre 1917 zu Grunde zu legen ist oder ob im Jahre 1917
Beamte in einer Minute nngejähr 30 Worte abscnden oder aus- nchmcn kann.
— Das Schicksal des neuen Kobinur. Ter „g.-lbe Kohinur", der neue Riesendininanc von 178' .■ Karat Gewicht, der im vergangenen Oktober im trockenen Bert des Baal-Flusses in der Kap-Kolonie von H. Bowker gesunden wurde, Ivird jetzt in l'Iinslcrdam geschnitten werden. Der Besitzer, der mit seinen! Schatz nach London kam. muß sich zu diesem riskanten Versahren entschließen, da cs ihm nicht gelungen ist, den Stein in ungc- schlisfcnem Zustande zu verkauscn. Bowler hat in den letzten leiden Monate» alles versucht, UNI sein Kleinod an den Mann zu lringcn. Er ist von einem großen Jnwclendändlcr zum andern gegangen, hat die Diamanten den Großbanken angebotcn, aber überall cnipsängt er stets dieselbe Antwort: „Wir könne» ihn nicht lausen. Wil wissen ja noch gar nicht, was aus ihm wird. Gewiß ist der Diamant in ungcichlisfencm Zustand von ungewöhnlicher Größe: aber wer sann sage», wie groß er sein wird, wenn er die Operation des Schleijcns dnrchgemacht hat. vor alleni, wer kann wissen, was sür eine Farbe er dann hat." Timnanten sind sehr cmpckndlich, und das Schleijen ist bei ihnen immer ein gefährliches Verfahren, ans dem sic sehr verändert hervorgehcn lönnen. Ter „gelbe Kohinur" — ■ wie inan den Stein bereits geinun hat — wird nunmehr in Amsterdam out das sorgfältigste geichliitcn werden, und dieser Prozeß wird mch- lerc Monate in Ansmuch nehmen. Der Tiamam soll ein einziger großer Stein l leiben, und man hofst, daß ec seine eigen- artige, I ernsteingelbc Färbung behalte» an» zu einem noch viel höheren Glanze ennvrckeln wird. Geht alles gut, dann hat das einzigartige Juwel seinen sicheren und zwar einen ungeheure» Marktwert.
— Ein Gesamtverzeichnis der deutschen Zcit- schrillen. Das vom Anskunftsburean der Deutschen Bchliatlyck bearbeitete Gesamt-Zeitschristcnverzeickmis soll demnächst in Druck gehen. Es Ivird rund 16 000 Titel au) 280 Seiten enthalten und Ansang Mai encheinen. Darunter dürfte an ivisscnschaitlich wichtigen deutsche» Zeitschristcn kaum eine einzige fehle», während die ausländische Zeinchristcn-Litcratnr in einer Fülle und Man- nigsalligkeit vertreten ist, wie sie kein anderes der bisher ver- öfsentlichten Verzeichnisse auiwciscn kann. Ta die Herstellung des Manuilriples unerwartet große Aufwendungen ve-uriacht hat, und dem Auskunstsverein weitere Mittel nicht zur Verfügung stebcir lwt die Kgl. Bibliothek die Kosten der Drucklegung und den Vertrieb aus ihre Gcsahr übernommen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wisscn- i ch a > t. Ter Gesährle Scotts au) dessen Südpolexpedition. Evans, hielt in der Sorbonne einen Vortrag über diese Ex- redition. Präsident Poincare überreichte Evans das Osjizier- kreuz der Ehrenlegion.


