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Zweites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „Siehener Lamiüenblättrr" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigeiegt, das „l>reiiblatl ffir den Kteis öiffjcn" zweimal wöchentlich. Tie „randwirlschisllichen Skil-
fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Jahrgang
General-Anzeiger für Oberhejjen
Dienstag. 27. Zannar |9!4
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen llniversiläls - Buch- und Steindruüerci.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» ilraße 7. Expedition und Verlag: ^Eöl. Redaktion:e^I 12 . Lel.-Adr.:Anzetger«ießew
Aus Helsen.
Aus bcm W ahl p r ü s IIII g s - IIII d Beschwerde- Ausschuß.
(rb) D ar in stad t, 26. Fan. Der Dritte Aus s chu ß der zweiten Kammer. der Wahlprüfuiigs-und Beschwerde-Ausschuß, hielt heute vormittag unter Vorsitz des Abg. Dreidcnbach eine Sitzung ab, in welcher der Vorsitzende zunächst über die Prüfung der Ersatzwahl im vierten Wahlkreis der Provinz Starkcnburg, W a l d in i ch e l b a ch, berichtete. Er beantragt-, die Wahl des Abg. Oberamtsrichter Wünzcr für gültig zu erklären und der Ausschuß stimmte diesem Antrag zu.
Eine längere Aussprache entspann sich dann über die Vorstellung des Verbandes hessischer Privat» archi testen in Darmstadt, in welcher uni Beseitigung der zahlreichen Nebenarbeiten der staatlichen Baubcamten ersucht wird, durch welche die Privatarchitekten schwer ge- scistidigt würden. Das Referat hierüber erstattete Abg. II r- st a d t. Ueber diese Frage haben auch schon aus dem 34. Landtag eingehende Erörterungen stottgcsunden. Tie Regierung hat eine schriftliche Rückäußerung auf die Vorstellung noch nicht erteilt, doch waren auf Einladung des Ausschußvor- sitzendcn zur heutigen Verhandlung zwei Rcgierungsvcctre- ter, die Herren Ministerialrat Dr. Kratz und Baurat Schwartz erschienen. Es fand über die ganze Angelegenheit eine längere Aussprache statt: endgültige Beschlüsse wurden jedoch noch nicht gefaßt, da zunächst noch verschiedene weitere Feststellungen gemacht lvcrden sollen.
Ortskranken lassen wählen in 2 a r m st a d t.
Darmstadt, 26. Jan. Die Ausschußlvahlcn zur Orts- krankeiikasse haben mit Samstag und Sonntag in Darmstadt stattgeftinden und insofern ein sehr bemerkenswertes Ergebnis gezeitigt, als von den 60 zu wählenden Ausschuß- Vertretern neben 46 Anhängern der „freien Eiewcrkschastcn" auch 14 Vertreter des bürgerlichen Ausschusses geivählt lvorden sind. Dieses Ergebnis dars als ein neues, erfreuliches Zeichen dafür betrachtet werden, daß auch in Darmstadt der Einfluß der Sozialdemokratie immer mehr zurückgcht. Die sozialdemokratischen „freien Gewerkschaften" hatten Jahrzehnte hindurch bei den Ortskraiiken- kasjcn allein und ausschließlich das Heft in der .Hand. Ihr Einfluß war so überlviegenü, daß die bürgerlichen Elemente schon seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr den Versuch zu einem energischen Vorstoß unternahmen. Noch bei der Wahl vor zwei Jahren war nur eine Liste der „freien Gewerkschaften" vorhanden, deren Kandidaten denn auch anstandslos mit etwa 1600 Stimmen gewählt wurden. Nachdem aber jetzt durch das neue Reichsversichcriiiigsgesctz eine große Anzahl weiterer Personen, Lehrerinnen, Hans- angestelltk. Dienstboten, Heimarbeiterinnen usw. in die >OrtS- krankcnkasse nrit einbezogen worden sind, begann man auch in der Bürgerschaft sich !zu regen und zahlreiche bürgerliche und christliche Männer- und Jrancnvereine traten zu gemeinsamen Besprechungen zusammen. Das Ergebnis war die Nicdcrsctzung eines „bürgerlichen Wahlausschusses", der mit einer Liste von 60 männlichen und 60 weiblichen Kandidaten hcrvortral. Es wurde also jetzt zum ersten Male den sozialdemokratischen Kandidaten ein bürgerlicher Zettel gegenübergestellt und das hatte den Erfolg, daß gleich beim ersten Ansturm etwa ein Viertel der sämtlichen 60 Aus- schußmitgliedcrstellen sÜL die bürgerlichen Parteien ge- womicn wurden.
höhen und Tiefen aus der Erde.
Schon die Alten lehrten, daß die Erde eine Kugel ist, die irei inmitten des Weltalls schwebt: sic ist zwar keine regclmäßigc Kugel, sondcrn, wie genauere Messungen ergeben haben, ein Rota- twiiscilipsoit» oder Sphäroid, das wie eine zwischen den Polen zusammengedrückte oder an den Polen abgeplattete Kugel erscheint. Die Abplattung beirägi etwa 1: 207, d. h. der Unterschied bc-ider Halbachsen ist der 207. Teil der großen Halbachse. Gibt man daheg einem Erdglobus einen äquatorialen Radius von 1 Meter, so ist der polare Radius lim 3,33 Millimeter zu verkürzen, so daß die geringe Abweichung der Erde von der vollkommenen Kugelgestalt ersichtlich ist. Tie ungeheuren Ozeane, die zu einem großen Teil die Unebenheiten der Erdoberfläche ausgleichcn, tragen allerdings sehr viel zur Kugclgestaltung bei. denn wir können uns erst ein wirkliches Bild von der festen Erdoberstächc machen, wenn wir uns alle Gewässer hinwcgdcnken. Die Erde würde dann ganz seltsame Formen haben; hier mächtige Gebirge bis zu 8840 Metern Höhe, dott unermeßliäic Tiefen bis zu 10 000 Metern. Diese gewaltigen Höhenunterschiede machen jedoch bei einem Erdradius von 6370 Kilonictern recht lvcnig aus. Auch die höchsten Berge ragen noch nicht 0 Kilometer oder 1.4 pro Mille des Erdradius über den Meeresspiegel in die Höhe: sic erhalten deshalb aus einem Globus von 1 Meter Radius nur 1,4 Millimeter Höbe, so daß selbst durch die höchsten Gebirge die Kugelgestalt der Erde launt bcinträcbtigt wird.
Tie gewaltigste Erhebung der Erdoberfläche ist das Schnce- gebirgc des Himalaja in Vorderindien zwischen den Flüssen Indus und Brahmaputra in einer Ausdehnung, die länger ist als die Strecke von Paris bis Moskau und breiter als der Raum zwischen dem sächsischen Erzgebirge und der Ostsee. Der mit ewigem Schnee bedeckte Mount Everest, von den .Indern Gaurisankar genannt, ist der böchste Gipfel dieses Gebirges und leine Spitze (8840 Meter) ist somit der böchste Punkt der Erde. In Amerika sind der Aconcagim >» Chile, mit 7036 Metern, in'Afrika der Kilimandscharo in Deutsch-Ostasrika mit 6010 Metern, in Europa der Elbruz im Kaukasus mit 5640 Metern und der Mont Blanc in den Alpen mit 4810 Metern die höchsten Berggipfel. Tie böchstcn Wohnstätten, di- dauernd von Menschen bewohnt werden, sind in Eurova das Dorf Santa Maria am Siiliierioch, 2540 Meter hoch gelegen. In Amerika ist der höchste'Wohnort eine Bergbaustättc, die Treasure Ein, mit ihren Süberminen im Nc- vadogcbirge, die in einer Höbe von 2704 Metern liegt. Noch höher (4000 Metern) liegt das berühmte Potosi «Bolivien das einst wegen seiner ergiebigen Tilberminen über l50 000 Einwohner zählte. Das gleißende Gold lockt den Menschen noch höher und läßt ihn noch schlimmere Entbehrungen ertragen, wie die höchst- Anliedlunz in Tibet, Thok Jalung, beweist, die 4080 M-tcr über dem Meere gelegen ist. .hier steht zioar kein' einziges festes bände von Holz oder Stein, aber hunderte von wetterfesten Zelten au? einem schwarzen Fikzstosf, der in Tibet aus den Haaren des Pak bereitet wird. Wegen der großen Kälte und heftigen Wiiiler- stürmc stehen diele Zelte in Gruben von 7—8 Fuß Tiefe. Im Winter ist diese Ansicdlung bevölkerter als im Sommer, da sich der gcsrorene Boden leichter ans Gold dnrchschürfcn läßt.
Wenn auch der Mensch auf festem Erdboden nur 8840 Meter crllimmen kann, so ist cs ihm doch mit Hille des Luitballons möglich, weil größere Höhen zu erreichen. Im Jahre I00l gelangte Professor Bcrfon bis zu einer Höhe von 10 800 Metern: ein unbemannter Registrierballon crrefchlc sogar in l Stunde 7 Minulen 18 500 Meter Höbe. Im Freiballon sind Höhen ron 8000 -0000 Metern leine Seltenheit. Am 20. Sevtembcr 1013 erzielte der Flieger Stiploschck aui einer 120 L8.«F-annin Stahl - taube im Höhcnwcttbcwcrb als beste Leistung 4680 Meter: der Weltrekord im Flugzeug dürste zurzeit 6200 Meier nicht überschreiten, so daß sich also in dieser Hinsicht der Freiballon dem Acrovlan überlegen zeigt.
Im Vergleich zu den Gioseln der Bergriescn und zu den Höhen, die der Mensch mit Hilfe des Gasauftriebes und des Benzinmotors erreichte, erscheinen die häckistcn Vauwerle der Erde recht winzig. Seit 25 Jahren hält immer noch der Eifselturm in Paris mit 300 Metern Höhe über dem Meeresspiegel den Weltrekord. Zwei New Parker Wolkenkratzer, das Woolwotth-Gcbäudc, 228 Meter doch, und das Municipal-Gebäude. 170 Meter hoch, haben das Ulmcr Münster, das mit seinen 165 Metern bisher als zweithöchstes Gebäude galt, au die liierte Stelle zurückgeschoben. Es folgen das Wasliington-Tcnkmal, 159 Meter, das Rathaus zu Pbiladelvhia, 158 Meter, und der Kölner Tom, 156 Meter. Solche Höhen würden sich aus einem größeren Globus kaum bemerkbar machen.
Bemerkenswert ist, daß der Mensch im Freiballon fast dieselbe Meterzahl in Höbe über dem Meeresspiegel erreicht hat, die er mit dem Senkblei als größte Tiesc unter dem Meeresspiegel lotete. Am 2. Juni 1912 hat das deutsche Bcrmessungsschisf „Planet" ungefähr 40 Seemeilen nordöstlich der Philippineniniel Mindanao die größte bisher gemessene Mccresticsc mit 9780 Metern erlotrt. Die zweitticffte Stelle wurde im Jahre 1890 von dem amerikanischen Schiss „Nero" im nördlichen Stillen Ozean nahe dem Mariannenarchipel mit 0636 Metern ermittelt. Es sind bis jetzt acht Mecres- tiesen über 9000 Metern bekannt: foloffalc Ticsen, wenn man bedenkt, daß der Mensch mit Taucherausrüstung nicht tiefer als 75 Meter hinabgehen sann. Die durch Tieslotungen im Meere gefundenen tiefsten Stellen sind zugleich die tiefsten Punkte der Erdoberfläche. Aus dem Festland- ist man durch Bohrungen bis zu 2240 Metern Tiefe in das Erdinnere einqedrungkn. Dieses tiefste Bohrloch der Erde befindet sich bei Czuchow im Kreise Rhbnik (Oberschlcsien): man mützie 7>T Eiffeltürme auseinander stellen, um von dem Bohrgrunde zur Erdoberfläche zu gelangen. In demselben Kreise, bei Paruschowitz, liegt auch das zweitticiste Bohrloch, das bis zu 2003,3 Metern Tiesc hcrabgeht.
Zieht man die Dicke der Erdkruste, die nach den neticsten Beobachtungen über 100 Kilometer mächtig ist, in Betracht, so sind die unter Ileberwindung größter Schwierigkeiten niederge- brachtcn Bohrtiefen saunt bcochteuswert. Bei einer Größe des Erdcodius von 6370 Kilometern bedeutet das tiefste Bohrloch mit 2,24 Kilometern gerade so wenig wie ein Nadelstich von 2 Millimeter Tiefe auf einer Kugel von 13 Metern Durchmesser. Dem weiteren Vordringen in das Erdinnere stellen sich ungeheure Schwierigkeiten entgegen, die heute noch nicht technisch und auch wohl nicht sinanziell überwunden werden können. Nach je 33 Mtr. Tiesc^ steigt die Temperatur um l Grad Celsius: beim Abteufen der Schächte müssen daher die Bergleute oft sehr hohe Tempera- tureu, bis zu 40 Grad und darüber, aushaltcu. Tie neueren Erfahrungen haben gelehrt, daß die geothermische Tiefcnstüse, die Ulan bisher als konstant annahm, sich mit dem weiteren Vordringen in die Tiefe ändert. Bei 200 Metern bedarf es eines tieferen Hinab- steigens, um eine Temperaturzunahmc von 1 Grad zu konstatieren, als wenn man sich bei 300 Metern Tiefe befindet. Oft bewirken auch unterirdische Gewässer, vorausgesetzt, daß es keine Mincval- guellcn sind, eine .Herabminderung der Erdtemperalur.
Unser Längenmaß, das Meter, wurde bekanntlich 1794 durch die französische Nationalverlamnilung als der lOmillionste Teil des Meridianqtiadranten festgesetzt. Dieses Verhältnis stimmt nicht genau: denn der Mcridianauadrant hat in Wirklichkeit eine Länge von 10 002 286 Meter». Die gesamte Oberfläche der Erde bat die moderne Geodäsie auf 510.1 Millionen Onadratkilometcr berechnet und den Umfang des Aeguators auf 40 070,37 Kilometer Länge. Diesen gewaltigen Zablenwcrten gegenüber verschwinden fast die nach menschlichen Begriffen schier unerreichbaren Höhen und Tiefen aus der Oberfläche unseres Planeten.
Zweibrücke ii, 26. Jan. Tas Pfälzische Schwurgericht verhandelt heule gegen den 1882 geborencu Fabrikarbeiter Jakob Siegel aus Ludwigshascn wegen Mordes und Sittlichkeits- Verbrechen. Im Juli porigen Jahres verschwand in Ludwigshascn die 12jährige Tochter des Schreines Andreas Kelchner und bald daraus wurde in einem Sack auf dem Abladeplatz in der Nähe des Städtischen Krankenhauses die zerstückelte Leiche des Mädchens gesunden, dem Arme und Beine kunstgerecht vom Körper gettennt waren. Eingeweide, Herz und Nieren waren aus dem Körper genommen, gewaschen und mit den Gliedmaßen in einen Sack gesteckt worden. Ein Kriminalbeamter stellte dann fest, daß der heutige Angeklagte, dessen Ehefrau schon seit einigen Wochen mit ihren Kindern verreist war. den Zimmerbodcn gewaschen und geölt hatte. Da auch sonstige Verdachtsmomente sich ergaben, wurde er festgenommen. Er leugnete zunächst die Tat. legte aber bald ein Geständnis ab, Ivonach er das Mädchen am Sonnabend nachmittag an sich gelockt hatte, um mit ihm intim zu verlchren. wozu sich das Mädchen jedoch nicht herbeiließ: deshalb habe er sie am Halse so lange gewürgt, bis es tot war. Nach der Tat habe er die Leiche in die Küche geschleppt und zerstückelt, in einen Sack gesteckt und in der Nacht nach dem Fundort geschasst. Ter Angeklagte erklärte heute, daß er sich nicht mehr an die Tat erinnern könne. Gegen 10 Uhr wurde in die Vernehmung der 26 Zeugen eingettetcn. — Wegen Gefährdung der Sittlichkeit ist die Oessentlichkcit während der ganzen Tauer der Verhandlungen ausgeschlossen.
Das Schwurgericht verurteilte heute abend 10 Uhr nach 12ftün- diger Verhandlung den Angeklagten wegen Todschlags zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte: seiner wegen Sittlichkeitsverbrechcns zu fünf Jahren Zuchthaus.
>v. Leipzig, 26. Jan. Das Reichsgericht hat die Revision des A m t s r i ch t c r s K n i i t c l - R tz b n i k. der vom Landgericht Gleiwitz am 3. Oktober wegen Beleidigung in vier Fällen zu 2400 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, vcrworsen. In der Begründung wird erklärt, daß mit Recht vier einzelne .Handlungen angenommen worden sind, weil die vier beleidigten Personen in den fraglichen Schreiben namentlich ausgeführt worden sind. _
rkniversitätr-Nacktkickten.
— Das neue vbvliologischo Institut der tierärztlichen Hochschule in Berlin, das heute in Anweienbect des Land- tvirtlchaitZininisters eingeweibt werben soll, ist räuinlich verbunden »nt dem cheuiilchen Institut, das den zweiten Stock einnimmt. Ter Bau imttamt den Einircbtungen hat eine Million Mk, gekostet.
— Der Obcrbibliothekar Geh. .Hofrat Paul von Boja- nowski in Weimar wurde anläßlich seines 80. Geburtstages von der Universität Jena zum Dr. phil. honoris causa ernannt.
— In Königsberg i. Pr. ist am 23. d. M. nach kumem schwerem Leiden bei Privatdozent für Anatomie und Anthropologie an der dortigen Universität, erster Assistent am ancb-
tomischcn Jnstttnt, Professor Dr. Paul Bartels im Alter oon 30, Jahren gestorben.
In Wien ist der Prosesfvr der Philosophie Hofrat Friedrich I v d l, der seit längerer Zeit hcrzleidcnd war, am Montag nachmittag gestorben.
Vermischt«».
* Ehetragödien. Aus Hamburg, 26. Jan., melden uns Priv.-Tel.: Heute nacht verletzte der pensioniert« Zollausseher Gr o t h seine Frau in der gemeinschaftlichen Wohnung durch Beilhiebe lebenSgesährlich und sprang dann aus dem fünften Stockwerk auf die Straße, wo er tot liegen blieb. Die Frau wurde nach dem Krankenhaus gebracht. - Heute nacht erstach derSchisssheizer Christoph in der Wohnung seiner von ihm getrennt lebenden Frau den Kaufmann Gause, der die Frau Christoph in ihre Wohnung geleitete, mit einem Küchenmesser, nachdem Ganse vorher angeblich zweimal aus Christoph geschossen hatte. Christoph wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Frau Christoph bcliauptct, sie habe geschossen, nachdem ihr Mann den Kaufmann Gause angegriffen habe. Sie wurde verhaftet. — In Schön cberg wurde lwute früh der 61jäbrige Chemiker Ra dicke in seiner Wohnung tot aufgcsunden. Tic 45jährige Frau lag in einer großen Blutlache cms dem Fußboden. Da sie noch schwache Lebenszeichen gab, wurde sie in das Krankenhaus gebracht. Aus den Vorgefundenen Aufzeichnungen geht hervor, daß Radicke im Einverständnis mit seiner Frau diese durch Rcvolverschüssc zu töten versuchte und dann Gift nahm. Ter Grund der Tat sind Nahrimgssorgen.
* Großserie r. In der Nacht auf Sonntag ist in dem Schlosse des Fürsten Zdenko L o b k o w i tz in Mühlhausen in Böhmen Jener auSgebrochen. Das Schloß brannte teilweise nieder. Kostbare Einrichtungen, die Bücherei und wertvolle Gemälde wurden vernichtet. Der Schaden übersteigt eine halbe Million Kronen.
Briefkasten -er Bedaktion.
tAlivuiimc Aiisrageu bleiben nnberUastchtigt.»
NNctstreitigteiten. Jeder Mieter ist berechtigt, die Mietsache in einer dem vertragsmäßigen Gebrauch entsprechenden Weise zu benutzen. Ein Trockenboden ist nur zum Trocknen der Wäsche da. Ist über die Art und Weise der Benutzung nichts bc- stimmi, so entscheidet das normale Bedürfnis des einzelnen Mieters. Ob das Oeffnen der Fenster und Türen normaler Weise zum Gebrauch eines Trockenbodens gehört, ist Sachverständigen-Frage und kann unter Umständen mit Rücksicht auf die besondere Beschaffenheit im Einzelfall verschieden sein. Nach unserer Aui- sassung dürste das Oeffnen der Türe noch dem Treppenslur zi» nicht zum Gebrauch des Trockenbodens gehören, umsoweniger, wenn die Bewohner des Hauses hierdurch in erheblicher Weise, z. B. durch den Geruch der Wäsche oder durch das Eindringen der Winterkältc belästigt werden. Ist das Eindringen der Kälte derart, daß damit für die Bewohner der dnrunterlicgenden Mansarde eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit verbunden ist, so kann der Mieter der Mansarde die Wohnung sofort ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen, selbst wenn ihm bei Eingehung des Mietvcrhältnisses die gefahrbringende Beschasjenheit bekannt war. BieUcicht ist eine diesbezügliche Androhung gegenüber dem Vermieter am meisten geeignet, Abhilfe zu schassen.
Zunächst verweisen wir auf das, was unter der ersten Anfrage bezw. Antwort ausgesührt ist. Unseres Erachtens ist der Keller dazu da. um zur Aufbewahrung von Vorräten zu dienen, darunter von solchen, die vor den Unbilden der Witterung, im aommtt vor übermäßiger Hitze, und im Winter vor großer Kälte, geschützt werden sollen. Wird die Tauglichkeit des Kellers zu diesem voraus- gesetzten Zweck dadurch aufgehoben, daß in dem daneben bcsind- lichen, nur durch eine Lattentüre getrennten Kellerraum ein anderer Mieter bei der fetzt herrschenden Kälte die Fenster offen läßt, so ist-der Vermieter ocrvstickitet, sofort Abhilfe zu schaffen, widrigenfalls er eines proportionalen Teils des Mietzinses verlustig geht und schadenersatzpflichtig wird. Die Frage, ob der Mieter des Nebenkcllcrs ebenfalls zum Ersätze des Schodens herangezogen werden kann, ist nach unserer Meinung ebenfalls zu besahen. Dieser Mieter ist zwar an sich berechtigt, die Fenstrr zu seinem Keller zu öffnen und hierdurch frische Lust in den ihm gehörigen Raum einzusühren. aber auch nur IN diesen. Muß er sich als vernünftiger Mensch sagen, daß die durch ihn in seinen Keller eingcführte kalte Lust auch in den Nebenraum dringt und die dort lagernden Vorräte durch Frost verdirbt, so ist er für den Schaden haftbar, weil er cs schuldhafter Weise unterlassen hat. Vorkehrungen zu treffen, daß von seinem Keller die durch ihn in das Haus eingcführte Froftlust nicht in den Nachbarkeller dringt. Hat das Oeffnen der Fenster für den betrcsscnden Mieter keinen Zweck, sondern geschieht cs nur, um dem anderen Teil Schaden zuzuftigcn, so ist cs unzulässig, und macht schadencriatzpflichtig. Wa§ hier von den Kellerscnstern gesagt ist, gilt analoger Weise auch von den Treppenflurfenstern. — In beiden Fällen wärie erwünscht, daß die einschlägigen Verhältniise durch eine Hausordnung seitens des Vermieters geregelt würden. Wer dieser dann zuwider handelt, allen dadurch entstehenden Schaden zu ersetzen. __ , "...


