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Nr. 19 . Drittes Blatt 164. Jahrgang

Zreitag, 2?. Januar 19'4

Erscheint ktglich mit Ansnahnie des Sonntags.

Di«Ließ euer KamiNendlätter" werden dem .Anzeiger" «iennal wöchentlich beigelegt, das ..«reirdlstl für »ei, «reis Sietzen" zweimal

wöchentlich. Ti«Landwirtschasliilden z«tt-

ftagen" erscheinen monatlich zwennal.

Gietzener Anzeiger

Seneral-Anzeiger sür Gberhejsen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universiläls - Buch- und Sicindrnlkerei. R. Lang«, Gießen.

Redaktion, Expedition und Dritikerei: Schul- slraße 7. Expedliio» und Verlag: 51.

Redaklion:e-WKIIS. Tel.-Adr.:Anze>gerG>eßen.

Mb. Deutscher Reichstag.

1B7. Sitzung. Donnerstag, 22. Januar.

»m Buad-Sratstisch: Tr. Delbrück.

Ditzebräsident Dr. Paasche eröffnet die Sitzung 1 Uhr 30 Ria.

Der Etat des Leichsamles des Znneru.

(Fünfter Tag.)

Abg. Nowicki (Pole):

Gewerkvereinc werden von der Behörde als ltische Berelne behandelt. Ihre Versammlungen werden ver-- c *V;r,}5 Gerichte haben diese Auffassung bestätigt. Wir bitten W» Adhuse,

Abg. Dr. Haegh (Eljässer):

weine freunde sind der Ansicht, daß die jetzige Wirk- ^rslSponnk betbehalten werden soll. In Elsaß-Lothrinpen haben kch «c »mrttchaftlichen Verhältnisse nicht so günstig entwickelt, wie »« Deutschland. Sehr unangenehm wurde bei uns die neue Wehrrüstung empfunden. Einmal herrscht bei uns öeme Mrlitarbegeisterung, dann hatten wir bereits die Steuer, die «asRerch letzt erngefübrt hat. Dieser Rückgang wirkt natürlich janttf oofd t c politische Stimmung gegenüber dem ^Eick. Dic^tz hat daher ein Interesse daran. Elsaß Lothrinqcn oefondcre Bergünstigunaen zu schaffen, etwa durch Hebung des Tranfitveriehrs, durch Errichtung von ausländischen Konsulaten no Lande, durch Kanalisierung der Mosel und Saar; billig wäre « ich eine Bevorzugung des clsässischen Kalibergbaues bei Durch- firhrnag des Soligesetzes.

Reichsbankpräsident Havenstein:

Auf einige Bedenken und Besorgnisse des Abg. Dr. Arendt Mwchte ich mit einigen Worten erwidern. Auch lege ich nach den »um Teil sehr scharfen Kritiken, die die Politik der Reichsbank sich zeitweise hat gefallen lassen müssen, großen Wert darauf, daß das Haus über die Fortführung dieser Politik sachlich informiert bleibe und von ihm auch rtuckistur alters pars. Der Abg. Arendt hat in Uebcr- -inftimmung mit anderen Kritikern die Diskontpolitik der Reichs- Oank im August vorigen Jahres bemängelt und gemeint, sie wäre «nderS gewesen, wenn ich selbst im Amt gewesen tvärc. Diese Annahme muß ich zerstören aus die Gefahr hin, daß der ver­ehrte Herr sein gütiges Urteil über meine Person leise revidiert. «Heiterkeit.) In der Frage der Diskontpolitik habe ich auch da­mals enge Fühlung mit dem Direktorium gehalten, und ich habe diese Politik durchaus gebilligt. ch bin mit der Aufrecht­erhaltung des hohen Diskantes, von dessen Last für das Land wir alle überzeugt waren, im August und September vollständig einverstanden gewesen und übernehme meinen vollen Anteil an der Verantwortlichkeit für diese Politik.

Die Angriffe darauf treffen nach meiner Meinung nicht zu. Sämtliche Zentralnotenbankeil Europas waren im Herbst 1912 zu einer scharfen Erhöhung ihrer Diskontraten gezwungen, die Sle.chsbank mutzte bis 0 Proz. geben die Gründe dafür be­enden bis tief in die Mitte 1913 unveränocrt fort. Sie lagen einerseits in der bochgefteigerten wirtschaftlichen Konjunktur, ande­rerseits iu den durch den Balkankrieg hervorgcrnfenen politischen Unruhen und Besorgnisten, die auch zu ganz erheblichen Thesau­rierungen geführt hatten und ferner in der dadurch hcrvorgerufe- ,en. über die Vorjahre weit hinausgchenden Jnansvrucknahme der Reichen!. Erft im Laufe des Juli begann ein Umschwung wenigstens für diese. Ter beginnende Niedergang der Konjunktur, die Abnabme der Börsenlätigkeit drängten die Ansprüche zurück, so daß sich ihr Status allmählich besserte. Wechsel und Lombard abzüglich der Privatguthaben zeigten Ende August bereits gegen dcö Vorjahr eine Besierung von ungefähr 120 Millionen, Ende September bereits über 200 Millionen. Auch der ungedeckte Notenumlauf, der bis Anfang September sich immer noch über don des Vorjahres gehalten hatte, blieb von Mitte September an hinter dem Vorjahre zurück.

Rur nach außen trat diese Besserung ln Erscheinung, und es ißt durchaus erklärlich, daß sie. wenn man nur sie sehen konnte, deri Wunsch hervorrief, daß die La st des hohenDiskontes ermäßigt werden möchte. Die Reichsbank konnte sich hierzu nicht Entschließen. und ich glaube, die Entwicklung hat ihr Recht ge­neben. sie sah, daß die Besierung des Status der wirklichen Markt­lage nicht entsprach. Der August ist auch nicht die Zeit des sinken­den Privatsatzes gewesen. Ter geringen Ermäßigung in London stand dre fortdauernde außerordentliche Erhöhung des Privat­satzes in Paris gegenüber, wo er sich bis in die neueste Zeit auf 3% gehalten hat, und auf unserem deutschen Markte eine stark steigende Tendenz. Anfang August stand er in Berlin auf 4%, stieg schnell bis auf 5 und hielt sich in dieser Höhe fast den ganzen Monat hindurch Der deutsche Geldmarkt zeigte eine starke Knapp­heit. zum guten Teil deshalb, weil eine ganze Anzahl von Geld- stedürfnisien, die eigentlich auf den Kapitalmarkt gehörten und von der Reichsbank nicht befriedigt werden konnten, sich auf den Bankkredit und auf deu offenen Geldmarkt drängten und dort chre Befriedigung suchten.

Auch unsere Kommunen haben vielfach Bankkredit gesucht. Nicht nur in vereinzelten Fällen haben sie auch Wechselkredit ge­sucht. Dazu kamen die Ansprüche des Hypotheken­marktes. die wir ebenfalls nicht hatten befriedigen können, rrnd so mußten diese Ansprüche die vorhandenen Mittel des Geld­marktes sehr bald wieder aufsougen. Diese Geldknappheit kam in der Reichsbank dadurch scharf zum Ausdruck, daß die Frage nach Geld, die bei Geldflüssigkeit immer und ganz regelmäßig erfolgt, sich verminderte und erheblich unter dem Betrag des Vorjahres blieb. Diese Dinge kann die Außenwelt nicht sehen aber sie mahnen die Reichsbank zur Vorsicht. Ihr Status täuscht eine (Heldflüssigkeit vor. die tatsächlich nicht vorhanden ist, und eine Ermäßigung des Diskonts toäre eine Ermäßigung auf der Grund­lage bloße« Scheines gewesen. (Sehr richtig!) Zweitens warnte dringend dre Tatsache, daß der politische Himmel damals uock) nicht völlig klar war und die Sparinungen auf dem Balkan noch nicht endgültig gelöst waren. Gerade das dritte Viertel des Vorjahres brachte erst das Eingreifen Rumäniens und später die starke Spannung zwischen Türkei und Griechenland. Erst gegen AuSgang Oktober erschien diese Gesahr beseitigt.

Endlich erwiesen sich auch die Verhältnisse auf den sämtlichen rnternationalen Märkten als ganz außerordenllich beengt. Die Bank von Frankreich mußte den für ihre Verhältnisse außerordent- krch hohen Diskont von 4 Proz fortgesetzt aufrechterhalten. Die Bank van Er.gland hatte ihn zwar im April auf 4Vt Proz. er. mäßigt, aber sie mußte ibn infolge der fortgesetzten Versteifung des englischen Geldmarktes bereits Anfang Oktober auf 5 Proz. erhoben. Ebenso hat der R'.ederländisä)« Dank bereits im Juli ihren Diskont von 4 Proz. ebenfalls auf 5 Proz. gesetzt. Diese Entwicklung Ixit der Politik der Reichsbank nach meiner Emv- tzzrtdunß durchaus reckst gegeben. SHe Geldslüssigkeit war tat­

sächlich nur vorübergehend, im September nahm die Versteifung werter fortgesetzt und stark zu. Ter Privatsatz in Berlin blieb auf seiner großen Höhe von 4% Proz.. in London ver­steifte er sich von 3% auf 4% Proz. und der deutsche von 4% und 5 bis auf 5% Proz. Die Reichsbank hat die Verhältnisse richtig beurteilt, und cs ist eine durch nichts beweisbare und durch dte Verhältnisse nicht gestützte Annahme, daß, wenn die Reichsbank damals ihren Diskont ermäßigt hätte, die übrigen Zentralnotenbanken ihr sofort gefolgt wären. (Sehr richtig!)

Erst im Oktober, als die politischen Verhältnisse sich ent­spannten, ließ auch die Anspannung des Geldmarktes nach. Auf dem deutschen Geldmarkt beranlaßten die zunehmende V c r - flauung der Konjunktur, die Abnahme der Börsen­tätigkeit und die sehr gesteigerte Höhe unseres Exportes eine sich steigernde Geldflüssigkeit, die sich nicht nur nn Status der R ichsbank, sondern nunmehr auch in den Sätzen des offenen Marktes deutlich ausdrücktcn. Nunmehr allerdings zögerte die Reichsbank nicht länger, den Diskont soweit zulässig zu ermäßigen und dieser Ermäßigung noch im Dezember eine zweite folgen zu lassen. Daß sie in der Lage war, in dieser Jahreszeit, die sonst nur Diskonterhöhungen kennt, und die auch im vorigen Jahre die Bank voti England zwang, den Diskont anfangs Oktober zu erhöhen, mit ihren Bankraten zweimal herabzugehen, spricht doch auch dafür, daß ihre Politik richtig war und weit davon entfernt, unser Wirtschaftsleben zu schädigen, daß sie cs höchstens gefördert hat. Ter Wunsch, daß die Reichsbank mit diesen Diskontermäßigungen fortfahren möge, ist bereits erfüllt. Der Reichsbankdiskont ist heute auf 4A Prozent herab­gesetzt worden. (Beifall.)

Einer etwaigen Aufhebung der Noten st euer und Notenreserbe lege ich keine sonderliche Bedeutung bei. Bei der letzten Reichsbanknovelle ist diese Notensteuer lediglich aus dem praktischen Grunde aufrechterhalten worden, weil weite Kreise sich gewöhnt hatten, darin ein W a r n u n g s s i g n a l zu sehen, und wenn die Reichsbank längere Zeit in der Notensteuer ist. so ist dieses Verhältnis tatsächlich ein beachtenswertes Warnungssignal. Aber eine Fessel ist die Notensteuer für die Reichsbank niemals ge­wesen (Sehr richtig!), und für ihre Politik war eL von keiner Be­deutung, ob und inwieweit sie in der Notensteuer war oder nicht. (Zustimmung.) Gewiß hat der hohe Diskont die wirtschaftliche Unternehmungslust nicht weiter angeregt, aber das ist schließlich keine Schädigung unteres Wirtschaftslebens gewesen. (Zuruf: Im Gegenteil.) Wir standen iu einer außerordentlich hockgehen­den Konjunktur, d>e sich s»»it neun Jahren fortgesetzt gesteigert hat und die wieder einmal mehr Kapital investiert und verbraucht hatte, als Deutschland aus seinen immerhin gewaltigen Erspar­nissen und Ucberschüsien zur Verfüc.ung stellen konnte (Sehr rich­tig) und die mit einer sehr starken Kreditanspannung wieder Hand in Hand geht.

Diese Verhaltnisie verschärften die Balkankrise noch wesentlich. Ader unter diesen Umständen durch eine Verbilligung des Diskonts, die durch die tatsächlichen Verhältnisse nicht gerecht­fertigt schien, einen weiteren Anreiz zur Fortsetzung und Er­höhung der Unternehmungslust und der Spekulation zu geben, wäre ein schwerer Fehler gewesen und hätte wahrscheinlich statt Segen U n s e g e n gebrockt. (Sehr richtig!) Noch heute ist der Kapitalmarkt außerordentlich gespannt. Der Baumarkt liegt seit längerer Zeit darnieder. Nicht infolge der Diskontpolitik, denn wir hatten tu den letzten Jahren längere Perioden, in denen der Bankdiskont nur 1 und selbst 3)4 Proz. war. wo der Baumarkt sich also erholen konnte. Der Grund lag in ungesunder Finanzie­rung und Kreditwirtschaft. (Sehr richtig!) Sie war nirgends ärger als im Bau- und Terrainmarkt. Aber auch der Hypotheken­markt zeigt Zins- und Provisionssätze, die seit vielen Jahren für die Kurse aller seit verzinslichen Werte nicht bloß bei uns, son. dcrn auch iu deu Nachbarstaaten, und dort vielfach noch mehr als bei uns, einen noch nicht dagewesenen Tiefstand auftveisen.

Die zeitweilige Flüssigkeit des Geldmarktes kann nicht über die immer noch vorhandene Anspannung des Kapitalmarktes hinweg­täuschen. Ick hoffe allerdings, daß diese Anspannung sich nunmehr bei dem Abflauen der Konjunktur lösen toird, abcr nur langsam. Ich glaube auch, daß die gewaltige Summe von Emissionen eine besondere Beschleunigung dieser Entwicklung nicht herbeiführt. Daß abcr die Hochkonjunktur sich nicht zu einer Krise ausgewachsen hat, das darf sich vielleicht auch die Politik der Reichsbank zum Teile als Verdienst anrechnen. (Sehr richtig!) Sie hat einen stärkeren Rückgang und einett Absturz aögelvchrt und zurückgehalten. Deutsch­land ist mit Riesenschritten wirtschaftlich und finanziell vorwärts- gcgangen, und wir stehen heute Gott sei Dank stark und unabhängig von ausländischen Mitteln aus eigenen Füßen. Das weiß jetzt auch das Ausland. Gerade wegen dieser gewaltigen Entwick­lung brauchen wir auch immer wieder einmal eine Pause zum Atemholen und zur Ansammlung frischer Kraft.

Ein solcher Zeitpunkt liegt jetzt wieder einmal vor. Die Reicksbank hat keinen Anlaß, durch eine besondere Verbilligung des Diskonts zu einer überhasteten Entwicklung anzureizen, die leicht sehr übel ausschlagen könnte. (Sehr richtig!) Die Reichs­bant tbar immer bestrebt, die Last des Diskonts unserer schaffenden Arbeit nicht länger als unbedingt nötig aufzuerlegen. Sie darf den Zeitpunkt der Herabsetzung aber nur nach ihrer Ueberzeugung wählen; sie kann sich nicht von Forderungen der Oefent- l i ch k e i t. die von unzutreffenden Voraussetzungen ausgehen, dazu drängen lassen. Man glaubt vielfach, daß die Reichsbank verpflichtet sei, solange ihr Status das irgendwie zulasse, den Diskont auf den möglichst tiefen Satz zu ermäßigen, und jedem Kreditanspruch gereckt zu iverden, namentlich wenn ihr Gold­bestand steige. Ich freue mick. daß wir unsere G o l d r e s e r - vcn in und außerhalb ter Reichsbank wesentlich stärken konn­ten, aber das Ziel, das wir uns stecken müssen, haben wir noch nicht erreicht, .weder in der Höhe der Goldreserven noch oer dauernden Teckungsverhältnisie, noch der Akticnkraft der Reicks­bank. Es wäre «ine kurzsichtige Politik, diese mäßig erweiterte Aktionskraft wieder in billigem Kredit ru verausgaben und späteren ernsten ^Zeiten dann bielleickt wieder mit unzu­reichender Kraft gegenüber zu stedeu. (Sehr richtig!)

Für den Vorwurf, daß wir gerade in einem Jahre hohen Dis­konts schon den größten Teil des neuen Kriegsschatzes bei­seite gelegt hätten, habe ich gar kein Verständnis, denn einmal war die Sache zu ernst, um sie auf die lange Bank zu schieben, ferner war infolge unserer stark?« Exporttätigkeit die Goldeinfuhr auf ein besonders hohes Matz gestiegen und endlich: Welcher Schaden soll denn durch dieses Weglegen entstanden sein? Der Metallschatz der Bank und die Mengen der Umlaufsmittel sind ja dadurch um keine einzige Mark verringert worden, denn an die Stelle der weggelegten Goldstücke find Reichökasienscbeine getreten, dte sowohl den Metallschatz der Bank, wie auch die Umlaufsmittel im Verkehr auf dem alten Stande gehalten haben. Mit der Dis» konthöhe hat also diese Frage nichts zu tun. Hätten wir diese erste Pflicht der Reichsbank die finanzielle Sicherung des Reiches versäumt, und hätte der Lauf der Dinge zu ernsten internatio- ua!e» Verwicklungen geführt, dann batten otLielben Kritiker und

Zwar mit Fug und Recht uns die schwerste Vernachlässigung unse» rer Pflicht zum Vorwurf machen können und sicherlich gemacht.

(Sehr richtig!)

Ter Goldbestand der Reichsbank ist 1913 um ca. 390 Mil­lionen gestiegen. Die Besorgnis, daß diese Erhöhung im wesent-, lichen durch die Vermehrung der kleinen Noten und Kassenscheine bewirkt worden sei, und der Goldumlauf dadurch bedenklich ver­ringert wurde, kaun ich nicht teilen. Die kleinen Noten sollen unseren Verkehr nicht von Gold entblößen und werden es nicht tun. Wir werden nur für einige Jahre davon absehen können, den Goldumlouf im Verkehr durch die Zuführung der Neuprägungen noch zu vergrößern, werden vielmehr den größeren Teil dieser Neuprägungen in der Reicksbank zurückl>ehalten. um ihn durch kleine Noten im Verkehr zu ersehen. Das ist in diesem letzten Jahre, wo wir doch zum eisten Male freie Hand für die kleinen Noten hatten, durchaus gelungen. Das Plus in dem Gold­schatz der Reichsbank entfällt in der Hauptsackie auf die allmählich zuruckgeslossenen und in der Panik von 1912 zurückgclegteu Be­träge. endlich auch durch den mit dem steigenden Export beträcht­lich crböhten Ueberschuß unserer Goldeinfuhr» die von 200 auf 309 Millionen stieg.

Tie Goldprägungen nahmen im ganzen 176 Millionen in Anspruch. Nach Abzug von 110 Millionen, die durch Vermehrung der kleinen Noten der Reichsbank zuflossen. bleiben noch 66 Mil­lionen übrig, die die Ansprüche der Industrie und sonstige Ab­gänge decken. Die innere Goldreserve ist also durch die klcinetr Noten nicht um eine Mark verringert ivorden. (Sehr richtig!) Durch den neuen Kriegsschatz von 75 Millionen wurde allerdings cm größerer Teil dieses Betrages dem Verkehr entzogen. Des­wegen haben wir aber ja die Reichskassenscheine vermehrt, die jene Goldstücke ersetzen sollen. Insofern sind die Umlaufmittel iu keiner Weise verringert oder beeinträchtigt worden. Die Forde­rung aber, daß die Reichsbank jeden Krcditan sprach er­füllen müßte, soweit eS ihr Status nur irgend gestatte, erkenne ich nicht an, ebenso wenig wie cs eine andere Zentralnotenbauk jemals getan hat. (Sehr richtig!) Diese Anschauitng muß ein­mal im Publikum revidiert werden. (Beifall.) Gewiß soll die Reichsbank unserem Wirtschaftsleben Kredit geben und die Gesetz­gebung zwingt sie deshalb, verfügbares Kapital nutzbar zu machen. Abcr ihre Pflicht und ibr Recht hierzu ist durch das verfügbare Kapital begrenzt. Die Reichsbank ist nicht dazu da, ihre letzteit Mittel auszuschüttcn, bloß weil unsere gesamte Wirtschaft sich im Ucbermaß aut Kredit aufbaut. (Sehr richtig! rcckts.) Oder weil unsere Lankwelt anstatt für eigene Mittel zu sorgen, sich lediglich aus die Reichsbank verläßt.

Wir wollen nicht unberechtigten und übermäßigen Krediten mit der Diskontschraube begegnen müssen, deren Anziehen itaturgemäß Schuldige wie Unschuldige trifft. Das loar wesentlich mitbestimmend für unsere Aktion, die aus Erhöhung der Liquidität der Reichsbank und ihrer Barreserven gerichtet ist. W;c brauchen eine größere Liquidität unserer Volkswirtschaft und Kredit- orgauisation. ein schonendes aber konsequentes Zurückdrängcn un­gesunder und übermäßiger Kredite. Diese Entwicklung ist erfreu­lich im Zuge, aber das Bestreben der Reichsbank darf nicht nur daraus gerichtet sein, ihren Diskont so tief zu sehen, wie cs die augenblickliche Lage des Status gerade gestattet. Dieser würde dann nicht lange Vorhalten und der Neigung, sich lediglich auf die Reichsbank zu verlassen, nur Vorschub leisten. Die höchste Ausgabe der Reichsbank muß bleiben, der letzte Rückhalt in ernsten Zeiten zn sein. Diese Reserve ihrer Aktionskrast muß ihr unter allen Umständen und zu allen Zeiten unbedingt erbalten bleiben.

Nun war die bankmäßige Reserve Ende 1909 und 1910 bis auf 130 und 220 Millionen, also bis auf ein Minimum, gesunken. Hätten wir damals eine wirtschaftliche Krise erlebt oder eine politisch unruhige Zeit gehabt, die das Reich zu einer wesentlichen Erhöhung seiner Schatzscheincinrichtungcn genötigt hätte, so hätte sich die Reichsbank diesen doch absolut notwendigen Bedarf versage« müssen. DaS darf nicht geschehen und deshalb muß diese Reserve aus das Mehrfache jener sehr geringen Spannung gebracht werden. Deshalb war cs auch eine gebieterische Notwendigkeit, im Jahre 1911 die L o m b a r d g c ö ü h r e n an den Vicrtcljahrsschlüsien durch einen Zinsaufschlag von 10 Togen zu verteuern. Das zweite Mittel, diese Reserve au AkEonskraft zu sichern, ist wiederum die Steigerung d-ö Goldbestandes.

Alle diese Gesichtspunkte tourden vielfach übersehen. In­folgedessen wurde das Direktorium der Reichsbank so ungefähr toie eine Vervielfältigung der Person des Dr. Eisenbart hin- gestellt. (Heiterkeit.) Es ist wahrlick nicht Rücksichtslosigkeit gegen unser - Wirtschaftsleben, nicht übertriebener Goldhrmger oder gar übertriebener Einfluß der Großbanken im Zentralaus­schuß, der die Reichsbank regiert, sondern es ist ehrliches und wohlwollendes Verstehenwollen und Verständnis für unser Wirt­schaftsleben, aber zugleich auch die Rücksicht auf seine Gesund­erhaltung und aus die unerläßliche Stärkung der Reichsbatik. Tenn die Gesunderhaltung unseres Wirtschaftslebens, unserer Kreditwesens und unserer Kreditorganisation ist doch schließlich das Fundament unserer wirtschaftlichen Stellung in der Welt. «Lebhafter Beifall.) Die Reichsbank muß gestärkt werden, damit sie der unverrückbar feste Rückhalt in wirtschaftlich oder politisch ernster Zeit bleibt. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Dr. Werner-Gießen (Wirtsch. Vgg.):

Ich werde mich ausschließlich mit Fragen des selbständigen Mittelstandes beschäftigen, weil die Miitelstandsfrage sür uni die nationale Frage schlechthin ist, und weil wir genau wissen, daß, wenn einmal der Bauernstand und der Mittelstand fällt, auch die Kronen der deutschen Fürsten fallen werden. Aus dresenr Grunde sind wir Mittetstandspotiliker und aus diesem Grunde halten wir eine ausgiebige Mittelstandspvlitik im Interesse des Staatsganzcn sür angebracht.

Tie schrankenlose Gewerbcsrcihcit von 1869 hat an die Stelle der ansbauendl' Werte schassenden Gesinming und Tätigkeit der schassenden Mittelstände den wüsten Geist des Oloinadentums ge­setzt. Werner »ombart triift in seiner SchrittTie Inden und das Wirtschaftsleben" das Richtige, wenn er belMuvtct, daß man getrost sagen könne, daß krispielSweisa Schneiderei, Schuhmacherei, Tischleret und viele Baugewerbe als .tzandwcrk zum großen Teil dem rchtlosen Arbeiten jüdischer GcschästSIcute ihren Untergang verdanken. Es ist ohne 8>veiiel, daß der siavitalismus im wesent­lichen gefördert wird von jüdischen Kapitalisten und Geschäfts­leuten, >und daß Werner Sombart mit seiner Behauptung recht hat, daß die Inden die Mission haben, den Ueberganq znm Kapitalismus zu fördern. Taher wird jede Sozralpolitik und jede MittelstandSpoli.ik antisüdisch sein müssen. Ter Mittelstand wehrt sich gegen die gewerbsmäßige Bankrottmacherei. Er oer- steht cs nicht, daß die Behörden in fast leichtfertiger Weise Ban- gciuche genehmigen, ivie 1911 in Steglitz, wo 129 Bangesuchc ge­nehmigt wurden und wo von denjenigen, die diese Gc.uche cin- reichten, in demselben Jahre schon 72 zahlungsunfähig geworden sind, .vausdrenern. Maler- und Klcinpnergcsellen, auSl'ändiscdeu Arbcbtcrn, Frauen von Architekten, gepfändeten 'öausührern, Bär-