Nr. \Z
Drittes Blatt
m. Jahrgang
Erscheini täglich mit Aul »ahme de! Sonntag;.
Tie „«ietzener ZamtliendläNer" werden dem .Anzeiger' viermal ivöchentlich beigelegt, da; „LreirdlaN für den Krtis «itfstn" jioeimal wöchentlich. Tie „kandwirllchgslllchen seit-
se»z«i>" erscheinen inonallich zweimal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejjen
Mittwoch, 21 Januar J9;4
Rotationsdruck und Verlag der Bruhbjchen Universität;-Buch- und Slemdnickerei.
R. Lange, Gieße».
Redaktion, Erpedition »nd Druckerei: Schul« siraße 7. Erpcditiou »nd Verlag: e=as>51. Redakliont^EIIL. Tel.-Adr.tAnzeigerlSießen.
Der hessische Staatrhaushaltsvoranschlag im Zinanzaurschuh.
rd D a r m st a d t, 20. Ja».
Der Finanzanssckülß der Zweiten Kammer trat heute vormittag in Gegenwart aller Ausschußmitglieder zur Vor- bcralung des Staatsvoranschlags für 1914 zusammen. Zu Beginn der Sitzung gab der Ansschußvorsitzeiidc, Abg. Tr. Osann, eine aussührliche Darstellung über die allgemeine sinanzpolitische Lage des Grotzherzogtums, wie sie sich aus Grund des neuen Staatsvoranschlags ergibt. Darnach stellt sich die Finanzlage >m allgemeinen als recht erfreulich dar. -Die günstige Gestaltung bei den Steuern beruht im wcsent- lichen aus den Erträgnissen von der Einkommen- und Ber mögcnssteuer im Jahre 1910, aber zum Teil auch aus einer inneren Kräftigung gerade dieser Quellen. TaS günstige Ergebnis der direkten Steuern in den letzten drei Jahren habe die Regierung veranlassen können, allein ein Mehr von 900000 Mark als Einnahme in den Voranschlag einzustcllen. Dieses günstige Ergebnis sei sicherlich auch mit aus die Deklaration bei der Gemeindesteuer zurückzuführcn und werde sich voraussichtlich auch noch steigern durch die Ergebnisse a»S den Wehrbeilrägen, besonders durch die Wirkung des Gcncralpardons. Auch die E i s c n b a h u c i n n a b m e n haben sich im Lause der Jahre sehr günstig gestaltet. Tic Anteile an den Uebcrschüsscn stellten sich im Jahre 1910 ans 1552« 800 Mk.. im Jahre 1911 aus 17 852 900 Mark »ud 1912 aus 18587 000 Mk., während der Voranschlag für 1912 nur 17443000 Mk. vorgesehen hatte, so daß also der wirkliche llebcrschutz über eine Million Mark höher war Wenn nunmehr bei den Eisenbahnen sür 1914 mit einer Einnahme von 17 994 000 Mk., also 551 000 Mk. mehr, als im Voranschlag sür 1913, gerechnet werde, so entspreche das nicht einmal den wirklichen Ergebnissen der Bvriahre. Dass hier mit Vorsicht vorgegangen werden muß, ist angesichts der augenblicklichen rückläufigen Konjunktur begreiflich, wenn auch sich manche Stimme» dahin auSsprachen, daß wieder bessere Verhältnisse Platz zu greifen beginnen.
Die Bilduugder Fonds im hessischen Voranschlag, die durch die Ueberschüsse im Budget für 1910 begründet und im Budget für 1912 zum erstenmal in die Erscheinung getreten war, Hot sich außerordentlich bewährt. Schon allein der R e st c f o u d s int Kapitel I des Voranschlags wird Ende 1914 einen Bestand von 0 411 708 Mt. erreicht habe», lind dabei sind aus diesem Fonds bereits die erhöhten Bc- amtengehältcr bestritten, für 1912 mit 2 425,000 Mk., für 9913 mit 25,40000 Mk. und für 1914 mit 3095 990 Mk., wobei von letzter Summe allerdings 70 000 Mk. aus voraussichtlichen Ersparnissen der Staatsverwaltung abzusetzen sind. Wenn die Regierung meint, daß 1914 der Restefonds zu den Bcaniteugetiältcru einen Zuschuß von 39 492 Mk. zu leisten habe, so sei dabei nicht berücksichtigt, daß voraussichtlich das Gesetz über die höheren Schulen einen Ertrag von 230000 Mk. liefern wird und daß damit die angebliche Zubuße aus dem Restesonds nicht allrin beseitigt wird, sondern auch noch ein Ueberschuß von etwa 200 000 Mt. verbleibt In gleicher Weise erfreulich habe sich der Aus- glcickS-undTilgungSfonds gestattet, der jetzt sch in Ende 1913 über seinen Bestand von 8 Millionen Mark einen Ueberschuß von 762 271 Mi auszuweiscn lmbe. Wenn sür das Jahr 1914 die Reineinnahme aus den Eiscndaynen init 4 485,000 Ml diesem Fonds zufließe, und ibm dagegen 2000000 Mk für die lausenden Staatsausgaben entnommen werden, so iverde also der Ueberschuß über den Bestand von 8 Millionen hinaus die Summe von 3 247 287 Mark erreicht babcn. Berechtigt sei der Einwand, daß bei diesem, aus dem Ueberschuß gebildete,, Restesonds II ab gewartet werden müsse, ob er Ende 1911 auch wirklich ciu jo glänzendes Ergebnis ausweiseai werde. Aber schon das Jahr 1913 lpabe ja hier bereits eine» Ueberschuß von 762 271 Mk. ergeben.
hinter den Kulissen öer Louvre.
Wall die wenigsten MuseumOesucher. die in Betrachtung vermuten durch die sauberen und wohlgeordneten Säle der großen Kunstsammlungen und Galerie» wandern, werden sich eine Vor- slcltuiiq davon mache», welch gcwatligec und weiiverzweigler Betrieb dazu gehört, ei» großes Museum instandzuhaltcn. Nicht imnier herrscht in den der Kunst geweihten Räumen jene seier- liche Stille, die den Besucher empfängt: che die Pforten sich dcnt Publikum össncn, erfüllt Tag um Tag der Lärm und das Getriebe der Arbcil die la»,en Reilieu von Sälen »nd Korridoren, und selbst zur Nachtstunde stirbt das Leben nicht völlig aus, dumpt hallt der 3(1)0» bei Wächter durch die IM Tunket schlummernden Räume.
Ein Aussatz de> Lectures pour tous gewährt einen sessklii- den Einblick in diesen weitverzweigten Organismus, der stch hinter den «Ulmen des Pariser Louvre-Museums de» Blicken des Pulst, knins entzieht.. Wie sicht es », den säten aus in der Zeit von, Abend bis zu der Bormittagsstunde des folgenden Tages, wen» die Pforten sich wieder de» Besuchern öffnen? Während der Nacht berrichl gleichsam Belagerungszustand: Feuer, Tiebe und Einbrecher sind die Feinde, gegen die man aut der Hut sein muß. Ten Browning-Revolver in, Gürtel, die kleine Blcndlaierne in de, Hand, mache» die Nachtwächter ihre Rundgängc. von Kunde» begleitet: der Louvre »»lerhält zwei eigene Polizeihunde, die
Nacht mit Nack» durch die Säle streifen und nach Eindringlingen sptiren. Jeder Rondengang ist ein hübicher Marsch, muß der Wächter doch treppauf, trepvab eine Strecke von nicht weniger als 6 dilm abschikitc», und IN jedem Saal die Steckmhc bedienen, die am Morgen kontrolliert wird und genau auftzstgt, ob der Wächter auch alle Säle demchte und wie ost das geschah. Tie kostbarsten Kunstwerke erhalten vielsach sür die Nacht einen besonderen Verschluß: io bringt nach Schluß der Besuchsstunde» ein sinnreicher Mechanismus die ausgelegten Krondiamanten, die einen Juwstemrcit von gegen 40 Millionen darstellen, in einen diebessichere» Stadlschran!: und auch die Venus von Milo hat ihre eigene Scklgskammer: ein eiserner Vorhang steigt aus dem Erdboden enipor und verhüllt bis zur Morgenstunde das Marmortit» der Göttin lim 7 Uhr morgens aber wird die Stille jäh durckt Lärm algelöst: eine ganze Armee von Aut- jchcrn und Wärtern ergießt sich über die säle. und die Reinigung beginnt Rund 15,0 Mann sind dann Mit Besen, Staubwedeln und Parkcttreinigcru an der Arbeit, denn Tag um Tag muß das Parkett der Säle zu pcueni Glanze erstehe». Zahlen werden am beste» illustrieren, wieviel der Louvre zu seiner Toilette braucht,
Interessant sei auch, die Wirkung der Mittel sür die Besold»nsordnung aus die Voranschläge zu sehen. Für das Jahr 1912 sei in dem Finanzplan der Regierung eine Entnahme aus dem Restesonds mit 1 537 760 Mk vorgesehen gewesen. ES seien aber i» Wirklichkeit nur 49 732 Mart gebraucht worden. Für 1913 sollten nach dem Finanzplan 655 770 Mk. entnommen werden, in Wirklichkeit habe aber, nachdem die Beamiengehölter erledigt waren, ei» Zufluß i» Höhe von 1358592 Mark stattgefunden. Für das Jahr 1914 sei eine Entnahme aus dem Restefonds von 1 300 990 Mark in den Finanzplan vorgesehen gewesen, in Wirklichkeit solle» setzt nur 39 492 Mark aus ihm beigestcuerl werden, welcher Betrag aber, wie oben dargelegt, durch das Gesetz über die höheren Schiilen wieder weiigemacht werde. Tcr Staat verfüge sonach über de» Restefonds I mit einem Bestand Ende 1914 von 9 411 708 Mark, im Restesonds II mit einem Bestand von 3 247 287 Mark und im AuSgtcichs- nnd TilgnngSsonds mit einem Bestand von 8 Millionen Marl. Weiter sei erfreulich, daß nun auch für das Jahr 1914 nicht vorgesehen werde, eine Anleihe auizunclnnen, weil diese auf dem (Ketdmarlt sickwrlich erheblicksen Schmie - rigleiten begegnen würde.
An diese allgemeine Tarlrgung des Vorsitzenden des Ausschusses knüpsic sich eine längere Aussprache, in der die einzelnen Mitglieder dem erfreulichen Bilde im all- geineinen zustimmten. Ein Ausschußmitglied wies daraus hin, daß bei der (Gestaltung der Fonds und dem Umstano, daß auch für die Zukunft diese Fonds sich noch weiter aus- füllen iverde,i, die in Aussicht genommene Erhöhung der (tzehalte der Beamten »nd Lehrer, wie sie von der Zweiten Kammer beschlossen innrde, sich durchaus reckitfertige» lasse. — Ein anderes Ausschuß Mitglied wollte, daß die Ausgaben nicht werbender Art im Betrage von 302000 Mark nicht auf Anleihe euinommeu, in die Verwaltung übergeführt und damit aus lausenden Mitteln bestritten würden. Dem ent- gegneken andere Ausschußmitglieder, daß in dieser Hinsicht im Laus der Jahre schon eine wesentliche Besserung ein- geirrten sei, sind man in der Belastung des Berwaltungslcils nicht zu weit gehen dürfe, lieber die Verwendung des Restefonds II erhob sich eine allerdings mehr theorclifche Erörterung. Ein Mitglied wollte diesen Restesonds zur Er Höhung der Ausgleichs und Tilgungsfonds von 8 aut 10 oder 12 Millionen verwendet wißen, während diesem Vorschlag von anderer Seite durch den Hinweis ans die Unmöglichkeit der Durchführung solcher Vorschläge in der Ersten Kammer begegnet wurde. Ein anderes Ausschußmilglied wollte, daß nur die Ausgabe» für die Eisenbahnen, nsic dies in Baden der Fall ist, aus dem Vermögen bestritten iverde».
Nach diese» allgemeinen Erörterungen ging der Finanz- auSschuß zur Beratung der einzelnen Kapitel über, bei welchen sich leine großen Schwierigkeiten heraus- stcllten. Bcini Kap. 2, Domänen des Großherzogt. Hauses Titel: Beitrag aus der Staatskasse zu den Ordens kosten, bestand man daraus, daß die Erhöhung um 11857 Mark aus 17 000 Mark nur in Verbindung mit der Besol- dungsvorlagc sich rechtfertigen lasse und daß dann die Ordenskostc» in den Betrag der Zivillistc hineinzurechnen seien, die darnach von 1 265000 Mark einschließlich des Zu schusses für die Gchaltsverbeiferung der .Hof- und Theater - bediensteten durch die Beschlüsse der Zweiten Kammer aus l 410000 Mark erhöht wird. Beim Kavitel 3, Weinbau d o in ä n c n , wies der Ausschußberichterstatter darauf hin, daß die Einstellung von 30000 Mark Einnahme mehr als 1913 als eine zu geringe angesehen werden könne, weil beim Verkauf der I91ler Weine im kommenden Frühjahr ein weit höherer Erlös zu erzielen sein werde.
Die folgenden Kapitel: Holzmagazin, Kameral- und Forstdomänen, sowie Braunkohlenwork und Kraftwerk „LudwigShosfnung" gaben zu besonderen Erörterungen keine Veranlassung. Wie bemerkt wurde, befinde sich besonders das Kraftwerk erst ini AnfangSftadiunl seiner Leistungen, eS werde hosseniiich sür die Zuknnsk bessere Erträge, als
ehe et feine Pforten den Gästen ösinet. Allein für WackiS werden jätiiich über 1400 Frs. ausgcgebcn, für rund 600 Pfund Wachs; lamit leim Fegen und Polmer» der Staub nicht austvirbele, sticucn die Wärter Sägespähne: Ntld an «ägeipähneil verschlingt der Louvre INI Jahre nicht weniger als 600 Heiivlitcr. Am größten aber ist doch die Kohlenrechnnng: hier beläuft tickt die Jahresrcchnung aus eine stattliche sechsstellige Summe, umfaßt de! Verbrauch doch gegen 200 Kubikmeter Klafter Holz, 450000 Kilogramm «rciiiwhlen. 450 000 stitogramm Anthrazit und gegen 400 Hektoliter Koks.
Tas Wärterperional erreicht fast eine kriegsstarke Kompagnie, die einen Ehes, drei IlntcrckiesS, 27 Obrrauffehcr und 148 Aus iehcr zählt. Tazn trete» >INN noch die Arbeiter des Louvre, denn das Museum bat natürlich eigene Werkstätten, in heinabc eine eigene Industrie. Tie Zahl der Gipsabgüsse, die alljährlich her- gestellt und verknust werde», beläuft sich aut viele Tausende: daneben arbeitet die Truckerei, die Kunstblätter und Reproduktionen nach de» großen Meisterwerken herstellt: in der Marmoiwcrkslait sind fünf Arbeiter tätig, vorwiegend an Reparaturen, eine keramische Revaraturiverlslatt fehlt nicht, und dazu treten noch die großen Tischlerwerkstätten und die Einrahmungsatcliers, so daß sich hinter dom Kunsnnuseum eine ganze Industrie und Bctricbs- organisation verbirgt, ,-on deren Wirken der Laie last nie etwas erfährt.
— Eine kostbare P o r z e l l a u s a m »I l u II g. Tie Sammlung altchineiilchen Porzellans von Henry Samvion, die hervorragendste Privaiiammlung dicicr Art in Amerika, ist von dem Londoner Händler Edgar Gorcr erworben worden. Ter Preis ist nicht bekannt geworden, doch wird der Wert der Sammlung ans 4 400000 Mar! berechnet. Die Sammlung enthält 943 ausgewähltc Stücke, unter denen ein großer Becher allein 400000 Mark wert ist. Zu den seltensten Arbeiten gehören auch die zahlreichen Ezemplarc, die die sog. „Ochscnblut" Färbung auiweiscn, eine Reihe von vsir- sichblütcnsarbenen Kästchen, mehrere Gruppen weißer und blauer Porzellane und ein selienes Erzeugnis der Hung-Periode aus dem 10. Jahrhundert. Tie Sammlung kommt nun nach Eurova
— T i c Ungl ücksboote. Tie englischen Untericeboote der A -Klane, von denen A 7 das Loser der jüngsten Katastrophe geworden ist, haben sin Lause der Zeit so viele Ünglücksiälle und Uu- iälle erleiden missen, daß sie wirklich als die Unglücksboot« der internarionalen Unterfecftottc gelten können. Bon den 13 Booten dieies TnvS ftnb drei mit sehr schweren Menschenvcrlusten gesunken, AI. A3 und A9. Zwei von ihnen gingen als Opfer vm gu- ianrmenstößen unter, A 4 entging im Jahre 1905 nur durch einen
in den ersten Jahren abwcrsen. Im Kapitel 8, Saline, Badeanstalt und Ticfbauamt Bad R a u he i ni und Bade anstalt Bad Lalzhauscn beträgt die Gesainteinnahme l 831525 Mk., aus denen der Betrag von 200 000 Mk. an die Staatskasse abzuführen ist: die Einnahmen sür Bad -Nauheim sind gegen das Vorjahr «8000 Mark höher, die Ausgaben c b c n s a l l s. Wie be merkt ivurde, steht zu erwarte», daß sich auch die Ergebnisse von Bad-Salzhausen heben dürslen, wenn jetzt zu dem kaui männischeu Erholungsheim »och eine Kuranstalt für weib liche Postbeamte hinzutritt. Beim Kapitel Staatseisen babncu ist bemerkenswert, daß neben den SkaatSabgaben im Betrage von 2000 Mk. die Gemeinde- und sonstigen Ab gaben, die bisher 480000 Mk. betrugen, infolge der Be stimmungen des neuen GemeindeumlagengesetzeS aus 2,38 00« Mark, also die gcsaintcn össciitlichcn Abgaben nur ans 240<100 Mk. veranschlag! worden sind. Es ivurde vom Aus schuß sür richtig gehalten ,a»gesich!S dcS gcringeii Etatsansatzes vom Jahre 1913 gegenüber den wirklichen Ergcb iiissen besonders oom Jahre 1912 auf dem Vorschlag der Regierung, ein Plus von 55>l 000 Mk. cinzustellen, zu be harren, wen» auch in den, Finanzvorlrag des Flnanzmint fterS die Lage der SlaatSeifenbahuen als etwas ungünstig infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse dargc legi wurde. Das Kapitel Lotterie mit einer Reincinnahmc von 804 830 Mk. wurde als eine erfreuliche Einnahme des Staates bezeichnet. Tie Fortsetzung der Beratung erfolgt morgen früh beim Kapitel Direkte Steuern.
Mittelteiitscher Sängcrorrbank'.
Gießen, 20. Jan.
Unter der Leitung seines l. Vorsitzenden, des Herrn tSeheinm - rat Tr. U sing er, hielt der Miiteldeutichc Sängerocrband ani lctzke» Sonnla I seine diesjährige PerbniHsvcrsaniinInng im Hotel Viktoria hier ab. Der vom I. Schriisührer vorgclegle Rechen- schal Isbe r i ch t gab ein erfreuliches Bild von der Tätigkeit in, vergangenen Jahre. Besonders trugen die Beschlüsie der letzten banptrersanimlung und das wohtaelnngene Verbandssest, das als vaterländische Gedächtnisseicr in Butzbach abgclmlten wurde, wr scntlich zur innere» Festigung und Kräftigung des Verbandes bei; vcn'chiedene schristsich,' sinndgebunqen ans Bünden und Vereinen, die dem Verband angehören, geben Zeugnis davon. Große Befriedigung bei den Mitglicdcni hat der auf Antrag des Vorstandes gcsaßte Beichlnß der Hauvtoersainnilung hervorgerufen, daß die Kasten sür die zu den Wertnngssingen z» ontiendenden Sachreiständigcn von der Verbindikasic getragen werde». Einzel- rereine können sich zwecks Abhaltung solcher Wertungsjingen zn Gruppen zusaininenichließen. Tic im Auftrag l»'s Verbandet von den Herren Pros. Trautnian» und Geller herausgegcbcnen Volkslieder isür Männerchvil werden zn gleichen Vorzugspreisen wie den Mitgliedern auch denen des Odenwaldsängerbundes ab' gegeben, der dieielben Ziele verfolgt wie der Mitteldeutsche Sänger verband. Des weiteren veranstaltet der Verband demnächst auch eine Sammlung van Volksliedern mir einstimmigem Satz für Vereine. Familie und Hans. Ter mit der Sammlung beauftragte Ausschuß hat unter der Leitung seines Vorsitzenden, Herrn Proi. Tr. Aljes, bereits eine Fülle von Stoss gesammelt: etwa 240 Volkslieder ans unterer l»esii>chen Heimat sind nahezu druckreis und weiden ni Kürze erscheinen. Besonderer Tank gebührt i, dieser Angelegen h-it Herrn Lehrer W e b c r - Reuters, delicn unermüdlicher Tätigkeit der Verband den größten Teil des Material» verdankt: dieser Tank wird Herrn Weber von dem Herrn Vorsitzenden in warmen Worten zum Ausdruck gebracht.
Tic von tem Rechnei, Herrn Lehrer Römer-Großen-Linden, vor gelegte und von zwei Mitgliedern geprüfte Rechnung weist einen günstige» Abschluß aus. Ebenso bat sich der Verkauf des l. Heftes mit Volksliedern für Mannerchor sehr günstig gestaltet: 1 464 Stück sind Kreits verkauft, io daß die Kosten der Herausgabe bis ani einen ganz kleinen Rest - 29 Mark — gedeckt sind, und die übrigen Hestc sich als freies Eigentum des Verbandes dar- stellen.
Herr Lehrer Buß Leihgestern stellt den Antrag, zur weitere» Pflege des Znsauiniengehörigkei'sgeiühls im Laute des Winters in einzelne» Bezirken (Gießen, Lick Hungen, Grünberg, Butzbach, Vorträge mit Konzert zu veranstalien, ähnlich wie solche in früheren Jckhren schon in Lollar und anderen Orten statt-
tölücksiall einer Katastrophe, Wailer drang ei», es gab eine Ezvlo- fion, zum Glück aber konnte das Fabrzeug noch sin letzten Angenblick von einem Schlepper ans Land gebracht werden. Achnlich erging cs 1908 dem Boote A8: durch das Entweichen von Petroleumgaicn ivurde damals die ganze Mannschalt besinnungslos. Zwei Jahre tvälcr, 1910, wurde das Boot von einem neuen Unfall betroffen: cs sank und schic» aus eigener Krall nicht mehr omvorzukommen. Zum Glück tührtc das Fahrzeug genügend Sanerstoss mit, io daß die Mannschait sieben Stunden damit hätte auslommen können Rach hartem Kampfe gelang es schließlich, da» Fahrzeug doch wieder slott zn machen, so daß es wieder zur Oderiläche kam. Als das Boot etwa eine Stunde am Meeresgründe gelegen hatte, wurde dicMann- ichair der Lecke Herr, die Motoren konnten wieder in Tätigkeit ge- setzt werden und die Rettung gelang. A9 entging 1906 mit knapper Not einer Äatastrovhc: das Boot wurde von eine,» Küstendampser angcrannt, der Kuibau beschädigt, Wasser drang ein, aber zum Glück kam cs zu keiner Panik, die Mannschait stieß sojort den Ballast aus und das Boot erreichte noch glücklich die Wasierobcrstäche.
— Gedanken von CarmenSytva über die Frau werden in den Annatcs mitgctcilt: „Tie Frau muß sich der Liebe unterwerfen, leiden um ihrer Kinder willen, eure Sorgen testen, euren Haushalt führen, muß sreundlich und liebenswürdig «ein trotz aller häuslichen Mühen. Wie könnt ihr da von ihrer Schtväche sprechen? — Eine Frau wird um einer Handlung willen gesteinigt, die ein hochanständiger Mann unbcftrait benebelt kann. — Verachtet einen Mann, der sich den ilbnichein gibt, als zweiilc er an eurem häuslichen Glück. — Es gibt Frauen, die inajestitiich geschniückt sind wie der Schwan. Verletzt sie: ihr werdet schcn, wie sich ihre Federn einen Augenblick sträuben: dann werden sie sich schweigend um wenden, um in die Mitte der Wellen z» flüchten."
— Tie größte R a dr u m i ab r > k der Welt. Denver in Colorado soll nach Meldungen aus Ncw-Nork der Mittelpunkt kr Radltimindustrie der 'Welt werden. Hier wird eine große Radiumsabrik angelegt, die unter Leitung der Regierung kr Vereinigten Staaten stebt, von dem National-Rakuminssitut und meincren Kapilalisten finanziert ,n,d von iührenkn (klehrten eingerichtet toird. T,e Radiumgewinnung soll hier au> (ürund wisienschaitlicher Forschungen betrieben werden; es werk» g'vße Laboratorien angelegt, die mir allen nur daistr in Betracht kom Menden Apparaten -usgestattct sind. Earnosit, aus deni Radium gewonnen wird, ist in großen Mengen im Pisga-Gebirge ent Kckl worden. Der Geologe ks Nationalmuiciims in Washington Tr. Edgar T. Wkrry stellte nach einer Untersuchung fest, daß das Earnorit 2 Prozent Uraniumorud enthält: von einer Tonne dieses Oryds können 108 Miltigramm Radium durch chemische und elektrische Prozesse gewonnen werden.


