Hr. u Zweitez
Erschein« täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „«ießener Z««flle,dli»er" werde» dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelcgt, das >r Xrcisbiatt für den Krtls «letzen" zweimal wöchentlich. Tie „randwirtschastlichen Seit- Iragen" erscheinen monatlich zweimal.
Blatt K>4. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Vberhejsen
Mittwoch, 1^. Januar
Rolationsdrutk und Verlag der Brühl'Ichen Universiläts - Buch- und Steindruckcrei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- siraße 7. Expedition und Verlag: Redakkion:^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
Gntschlietzungen der Nunöerratr auf Beschlüsse der Reichstags.
Eine Ucberffcht der vom Bundcsrat gefaßten Entschlicfiuikgen nuf Beschlüsse des Reichstags ist den: Reichstage zugcgangen. Aus der großen Fülle des Materials geben wir folgenden Uebcrblick:
Die Frage betresss Ausarbeitung einer Novelle z-.,m B c n m - üen- und Ossi zicrpensionsgc setz, durch tvelchc Einkommen aus einer im Ruhestand erfolgten Vrivatanstellung unter bestimmten Voraussetzungen auf das RudegeKatt angcrechnet wer den kann, ist geprüft worden, von ihrer Weiter Verfolgung bat sedoch bei den bestehenden theoretischen und praktischen schwierig ketten «Abstand genommen werden müssen. Tic Forderung des Reichstagrs, Svldatenpakcte bis zu ö Kilogramm vottofrei zu lassen, ist abgelehnt worden mit der Begründung, daß die Kon trolle, ob die portofreien Sendungen von Angehörigen der Soldaten herrühretl, und der Jnlmlt der Pakete für die Soldaten bestimmt ist, nicht durchführbar sei. Die schlechte sinanzielle Lage »erbiete auch die Erweiterung von Portovergünstigungen. Gesetzentwürfe zur Bekämpsnng der Sch mutz - u n d S chn n d l i te ra- (u r, zur Regelung des Kinematvgravhe»thea!ern>esenS und ein RcichSthcatergesetz sind ausgearbeitet und liegen zum Teil bereits dem Bundesrate vor. Ter Beschluß des Reichstags auf Schafsung eines R e i ch S a r b e i ts am t cs ist dem Reichskanzler überwiesen worden. Dem Beschlüsse des Reichstags aus Anstellung von Bankontrollcuren. lmt der Bnndesral keine Folge gegeben. Das gleiche Schicksal hatten die Beschlüsse des Reichstags aus.Schäftung eines Reichsberggesetzes. Erivägnngen über die Schössling eines einheitlichen P r > v a t a n g e st e l l t e n r e ch t s für die technftchcn Angestellten und für die Bureanangestcllten scknve ibe» zurzeit .Auch über eine Neuregelung der Verhältnisse der kaufmännischen utid der tcckinischen Angestellten sind Erwägitngen angestellt »vtorden. Tic Vorarbeiten für eine gesetzliche Regelung der Verhältnisse der Gehilsen der Rechtsanwälte sind im Gange. Ten Wünsche» des Reichstags gemäß sind auch Erwägungen wegen B e sch r ä nkungdeSHansierbandcls angcüellt tovrden. Diese Erwägungen beziehen sich ans Einschränkmig des .Hausierhandels durch Ausländer, hausieren für fremde Arbeitgeber und aus die Verwendung »on Kindern beim Hausierhandel.
Eiirc gesetzliche Regeluttg der Frage, ob die Industrie zu den K o st c n der Lehrlingsausbildung im Handwerk hcran- gczogcn werden solle, ist nicht ins Auge gefaßt. Nach den wiedcr- holtcnz darüber mit den beteiligteir Kreisen gepslogenen Verhandlungen ist anznnchme», daß diese selbst eine Regelung durch Gesetz jedenfalls zurzeit nicht sür angängig halten. Uebcr die Vorlegung eines KartellgcictzeS schtoeben Erwägungen. Tie Ausarbeitung eitler Vorlage betreffend Arbeitslosenversicherung ist nicht in Aussicht genommen. Gesetzgeberische Maßnahmen gegen die A n i m i c r k n e i p c n werden vorbereitet.
Bor Jahresfrist hatte der Reichstag die Veranstaltung von äfscntl scheu R ci chs cn g ucten über das Interesse der einzelnen Gctvcrbcztvcsge an der Zollvolittk, über die Lage der Landwirtschaft und ihr Interesse an der Zollpolitik angeregt. Tic Prüfung hat ergeben, daß dem Beschlüsse keine Folge gegeben werden lann. löi-nc öffentliche Enguete ist kein geeigneter Weg, um ein objektives Bild von den Wirtschaitsverhältnissen zu gewinnen, schon ans deni. Griitide, tveil sie nicht nubseinslußt bleiben kann von oolitischcn Meinungen, loeil ferner die Gctvcrbe und handeltreibenden sich hüten werden, bei einer öffentlichen Enguete die sür zn- verlässigc Untersuchungen erforderlichen Angaben über ihre Pro- lduktrons- »nd Absatzverhältnisse zu machen, und endlich, weil das Ausland aus öffentlichen Engneten erheblichen Nutzen ziehen würde. Ein Reichs ge setz zur Bekämpfung derTuberknloie wird nicht als nötig erachtet, da die Vorschriften der einzelnen Bundesstaaten auSreichcn. Tic Herabsetzung des Lebensalters für die Wählbarkeit in die Arbeiterausschüssedcr Reichs- betriebe ist vom Bnndesrat abgclehnt ivorden. Eine reichs- gcsctzliche Regelung der Wunders ü r s v r g c befindet sich in Vorbereitung,
Der S ch a s f n n g k l c i n e r G a r n i s o n c n steht die heereS- »ertvaltung wohlwollend gegenüber, diese Frage ist aber in erster Linie von militärischen, in zweiter Linie von wirtschaftlichen Rücksichten abhängig. Den Gesuchen »m Erntenrlanb von Soldaten soll jetzt in größercni Umfange entsprochen tverden, soweit ts cinigcrmasten mit den dienstlichen Interessen vereinbar ist.
Ter Vorschlag des Reichstags, jährlich nur noch eine K o n- krv l l vc r s am m l u n g abzuhalten, ist ans wichtigen militärischen Gründen abgclehnt ivorden. Tie Teilnahme an den Konrroll- mrsantmlungcn soll erleichtert tverden. Eine größere Beschleunigung in der Abschätzung von E r n t c s ch ä ü c n hat sich nicht herbeisühren lassen.
Dem Beschlüsse, des Reichstags ein Rcichssidcikom-- m i ß g c s e tz vorznlegcn, hat der Bnndesrat keine Folge gegeben.
Um die M a n ü v c r- it nü Q u a r t i c r l a st e n gleichmäßiger zu verteilen, sollen die Manöver in einem' regelmäßigen Turnus stattsindcn, der einen regelmäßigen Wechsel unter den in An- ivruch zu nehmenden Landestcilcn bezweckt. Tic reichsgcschliche Bekämpfung der N a t u r v c rscha nde ln n g wird zurzeit mit den Bundesregierungen erörtert. Tie Vorarbeiten zu einer Tenkschrist über die wirtschaftlichen, gesundheitlichen, sittlichen und sozialen Wirkungen der deutschen Arbciter- s ch u tz- und A r b c i t c r v c r s i ch e r n n g s g e s c tz g c b u n g sind eingeleitct tvordcn.
Interessant sind die Beschlüsse des B u n d c S r a t s aus die Wünsche des Reichstags bei Beratung der Wehr Vorlage. ES wird hier ausgesührt: Eine Aeiiderung in der bisherigen wohlwollenden Handhabung der für die Befreiung vom Heeresdienst bestehenden Bestimmungen ist nicht beabsichtigt. Urlaub wird bei allen Waffen in möglichst ivcitcm Umfange und unter Berücksichtigung häuslicher Verhältnisse erteilt, soweit die Ausbildung dies znläßt. Dauernde Besnchsvcrbotc von Lokalen werden im Heere nicht auSt politischen Gründen verhängt, sondern nur, wenn eine diszivlinschädigenbe Wirkung dnrtb den Besuch der Räumlichkeiten verursacht wird. Eine möglichste Einschränkung de ? Burschcnwescns soll herbeigesiihrt tverden. Tie Rotwendigkeit einer Hebung des Trains kann nicht anerkannt werden, auch eine Nanrcnabänderung erscheint nicht zweckmäßig. Tic Reform des Militärstrasre cdi s ist von dem Ergebnis der Refornr des bürgerlichen Strafgesetzbuchs abhängig. Eine Reform des militärischen Beschwerderechts wird nicht für notwendig erachtet.
Auch zu den Beschlüsscu des Reichstags bei Beratung des
K o l v ni a l v or a u s ch l a g s hat der Bundcsrat Stellung genommen. Es sind Vorarbeiten in Angriff genommen: worden für ein Kmnvctcnzgcsetz der Schutzgebiete.
Die vcaintenbesoliiung in Preußen.
Die nationalliberale Fraktion des Preußischen Abgeordnetenhauses hat aus Veranlassung ihrer Mitglieder Tr. G o t t s ch a I k (Solingen), I u st und Tr. chroedcr (Kassel) folgende Anträge gestellt:
1. Tie Staatsregierung zu ersuchen: tff unbeschadet der alsbaldigen Beseitigung etwa hei-rortrctciider Notstände int Wege der Unterstützung unter Berücksichtigung des beim Hause der Abgeordneten cingcgangcnen Petitionsmaterials und gegebenenfalls nach Anhörung von Vertretern der beteiligten Beamten in eine Nack Prüfung darüber einzutreten, inwieweit die in der Besoldungsordnung von 19Ö9 festgesetzte Klasseneinteilung mit den den einzelnen Bcamtenktassen obliegenden Tienstverrichtimgcn sowie mit der erforderlichen Vorbildung und Anwärterzeit sich int Einklänge befindet: b dem Hause der Abgeordneten noch in dieser Session die Ergebnisse dieser Nachprüfung vorznlegcn und Borschlige zur Beseitigung vorhandener Unstimmigkeiten zu machen: c) im Bundesrat darauf hinzuwirken, daß bezüglich der Rcichsbcamten cntiprecktcude Maßregeln getroffen werden.
2. Tie Staatsiegierimg zu ersuchen, unverzüglich und schon vor einer allgemeinen Revision der Bcsoldungsordnung einen Gesetzentwurf vorzulegen, demzufolge ui diejenigen Beamten, die den Wohnungsgcldzuschuß der »meren Beamten beziehen und ver heiratet iind oder im Falle der Auslösung der Ehe ein eheliches Kind unter 16 Jahren haben, eine jährliche Zulage von 100 Mk. t b) abgesehen hiervon diejenigen unteren und mittleren Beamten mit einen! 3000 Mark nickst übersteigenden Gehalt, sofern sie mehr als 4 eheliche Kinder im Alter unter 16 Jahren haben, eine jährliche Zulage von 150 Mk.: e) diejenigen mittleren Beamten mit einem höheren Gehalt beim Vorhandensein der Voraussetzungen zu b) eine Zulage in der höhe erhalten, daß damit eine Benachteiligung gegenüber den Beamten zu d) verhindert wird.
3. Tie StaatSrcgierung zu ersuchen, ai bei dem Bnndesrat dahin zu wirken, daß in Abänderung der bisher von ihm ansge- ftolltcn Grundsätze für die Entscheidung über Anträge wegen Einreihung der Orte in die Ortsklassen anstatt des nach den tatsäckr- lich gezahlten Mieten, der Zahl der Zimmer und des nur sür die mittleren Beamten ermittelten sogenannten EinheitSzimmer« Preises der von den Beamten seder der einzelnen Klassen sür eine ihren Verhältnissen angemessene Wohnimg zu tragende Mict- nuswand berücksichtigt wird, b) eine diesen Grundsätzen enttpre- chende andenveite Stattsttk hinsichtlich der dellassierten Orte zu veranstalten, e) sür die Revision der Äphnimgsgeldznschüsse im Jahre 1816 eine grundsätzliche Nachprüfung nach der Richtung einttetcn zu lasscn, ob nicht der Wohnungsgcldzuschuß für die unteren Beamten unzureichend und der Wstand zwischen dem Wohnungsgeldzuschuß .der mittleren und der untereir Beamten durch eine Erhöhung des WvhnungSgcldzuschnsses der letzteren zu verringern oder wenigstens der WobirungSgcldzuschuß für die gehobenen Untcrbcamten durch Schaffung einer Mittelstufe dem- jenigen der mittleren Beamten zu nähern ist,
4. Tie Staatsregicrung zu ersuchen, in eine Revision der Bc- soidungsordnung der unteren sowie der am geringsten besoldeten mittleren Beamten cinzntrcten und zwar insbesondere nach der Richtung hin, daß die schweren Schädigungen, welche diese Beamten durch die völlige Aushebung aller Stellen- Ntld Teuerungszulagen erlitten haben, beseitigt und die verheirateten Beamten und solchp mit einer größeren Zahl von unversorgten Kindern durch gesetzliche Zulagen besonders begünsttgt werden.
Titt» 3tabt und CanÖ,
Gießen, 14. Januar 1914.
** A u s dem Steuer dien sie. Erledigt ist die Stelle des Steuereinnehmers des Großh. Sleucramts Groß-Gerau (nicht Gernsheim, wie tu gestriger Nummer irrtümlich angegeben).
** Im Großh. Hessischen Bereit! für Luft- fahrt (großer Hörsaal des physikalischen Instituts) hielt am Moulag abend Herr Direktor O. Reumann- Frankfurt einen interessanten Bortrag mit Lichtbildern über die Führungstechnik des Freiballons. Die gegenwärtige» Ballonführer benutzten durchweg bei der Landung ein ca. 100 Meter langes Schleppseil, das. tvährend der Fahrt am Korbrand aufgerollt, vor der Landung herab- gelassen wird. Dieses schwere Kokostau soll verschiedene Wirkungen Hervorrusen: erstens als Reserveballast dienen, der durch Auflegung des Taues auf die Erde mechanisch ausgegeben wird, zweitens durch seine Reibung am Boden, die 40 und mehr Kilogramm betragen kann, bei starkem Winde die Fahrt abbremsen und drittens die richtige Einstellung des Ballons zur Reiß!eine bewirken. Tresen vermeintlichen Vorteilen stehen aber große Nachteile gegenüber. Zunächst die zahlreichen Sachschäden, die das über der Erde schleifende Tau aurichtctt Telegraphen- und Telephou- liirien, Hochspannungsleitungen, Schornsteine, Bäume usw. werden durch das Schleppseil oft zerstört. Auch kann sich bei der Fahrt über Wälder der Ballon festhaken, so daß eine nicht ungefährliche Waldlcmdung erforderlich werden kann. Bei genauerer Ueberleguug erweisen sich endlich die oben erwähnten Vorteile als Nachteile. Viel rascher als durch das Schleppseil wird der Ballon durch den normalen Sandballast abgebremst, da die Ballastwirtüng um so großer ist, je rascher sie erfolgt. Bis das allmählich den Ballon entlastende Tau wirkt, ist der Korb schon bis zur Erd- durchgefallen. Bei starteur Wind wird tveiterhin der durch das Tau gegen die Windgeschwindigkeit znrückgehaltene Ballon auf- und adgeworsen und Gas aus der Hülle heraus- gedriickt. Daher wurden schon oft mit dem langen, schweren Kotostau harte Landitttgen beobachtet. Neu manu, der über 60 Fährten bereits ausgesührt hat, verwendet daher nur zioei kurze etwa 20 Meter lauge und 90 Kilogramm schwere Taue, die zur Laudiurg völlig genügen und denen die Nachteile des tcnrgen Torfes fehlen. Besonders leicht lassen sich nttt diesen Tauen.Zwischenlandungen bei nicht zu starkem Winde ausführen. Es wäre zu wünschen, daß
die Reumannsche Landungspraxis von allen Führcrir befolgt würde. Zahlreiche sehr schöne Lichtbilder von Nennt an n scheu Fahrten ergänzten den Vortrag. Lebhafter Beifall wurde dem Redner zuteil. Zum Schlüsse teilte als Vertreter des Fahrtenausschusses Herr Tr. A. Pep vier mit, daß die Beschaffung ein»s eigenen Ballons in die Wege geleitet sei, der bereits ini kommenden Frühjahr seine erste Fahrt unternehmen soll. Ter ersten Tamc des Vereins, die an einer Fahrt teilnimmt, soll, wie der Vorsitzende des' Vereins, Herr Pros. König bemerlte, eine besondere Auszeichnung zuteil tverden.
*' R e > ch s q r n » d u n g s fc > e r. Man schreibt uns: Während sich in Tentschland sogenannte Weltblätter in tiefsinnigen Betrachtungen ergehen über die Gefahren, die angeblich der bürgerlichen Freiheit durch die Straßburger kriegsgerichtlichen Urteile drohen, bereiten sich im Orient neue, merkwürdige Dinge vor. Tie Engländer ziehen Truppe» an der Grenze von Abessinien zusammen; der türkisch^ Finanzminister verhandelt in Paris über eine neue Anleihe; Euver Pascha cnlsvricht den Wünschen Rußlands und enthebt den deutschen General seines Kommandos. Tentschland ist in Klemasien durch die Balkankricge um ein gewaltiges Stück zurückgeworfen worden,- sollte sich seht seine cnd- gültige Verdrängung vordereiten ? Ter Geburtstag des Reiches legt da die Frage nahe, ob das Reich ivirkltch nur gegründet »nd inffere kostspielige Webrnincht wirklich nur unterhalten wird, um innervolitische soziale Fragen zu lösen und ini übrige» ans jedes handelnde Eingreffen in die Weltvolitik zu verzichten. Herr von Bietinghoß'-Schcel hat kür seine Festrede in der vom Alldeutschen Verband veranstaltetcn ReichSgründungSkeier am nächsten Sonntag sicher einen sehr zeitgemäße» Gegenstand gewählt, wenn er über unserer Väter Tatensrendigkcit und unsere Talenschen sprechen wird.
** Aus st erben der Singvögel. Eine ungewöhnliche Verminderung der Zahl der Singvögel ist allgemein wahrzunehmen. Aus Futterstellen, die in früheren Wintern von Scktvärmen der verschiedensten Vogelarten ausgesucht waren, habe» sich diesmal nur wenige Säuger eingesunden. Wo ftüher 16 bis 20 Buchfinken und Amseln sich Futter holten, sind deren jetzt nur 2—3 vorhanden, Tie Haubenlerchen und die Goldammern, die sonst immer in llcineu Trupps auf den Straßen auzutreffeu waren, sind jetzt nur ganz vereinzelt zu sehen. Auch im Wald, in dem um diese Zeit die kleinen beweglichen Bergmeisen die Nadelhölzer ab- zufuchcn pflegten, ist es auffallend still und leer.
Landkreis Gießen.
G r o tz e n - L i n d e n, 13. Jan. Seit einiger Zeit herrscht hier vielfach Diphtheritis. We erkrankten Kinder blieben am Leben, dagegen starb eine ööjährige Frau an dieser Kranthett. Tritt in einem Hause eine ansteckende Krankheit auf, dann ist es den Angehörigen bei Strafe verboten, Kirche und andere öffentliche Lokale zu besuchen.
kl. Lollar, 13. Jan. Am SainStag, den 17. Januar, abends 8 Uhr, findet eine öffentliche Gemeinderats- sitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Einsöhrung und Verpflichtung der neugewählten GemeinderatSmitglieder. 2. Wahl von 8 Bevollmächtigten zur KrciStagSwahl.
-w. H u II g e n, 13. Ja». Heute beaingcn Nachtwächter Heinrich Stein I. und seine Ehesrou das Fest der silbernen Hochzeit.
Kreis Lauterbach.
li. A u S b v m Vogelsberg, 13. Jan. Eine geradezu halsbrecherische Arbeit wird augenblicklich in den Fichtenwäldern des hohen Bogelsberges von Thüringer Waldarbeitern ausgesührt. Tiefe brechen von den Spitzen der hochragende» Fichten die Zapfen ab. Tie Ernte der Fichlcnzavie» fällt in diesem Jahre sehr karg ans, der Zentner kostet bis 300 Mark. Die im Pogets- berg gewonnenen Zavien >verde» nach Groß-Tabarz in Thüiinge» versandt, wo sie für die Aussaat .ausgeklengt" iverden.
Kreis Schotten.
z. Hercheuhatp, 13, Jan. Bet der Gemeinderatssitzung wurden die ncugeivählten Mitglieder Heinrich Appel 'iY., Johann Käspar Scheuermann und Heinrich Appel V. verpflichtet.
Starkcnburg und Rheinheffen.
nit. Tarin stadt, 14. Jan. Die Erstaufführung vou Richard Wagners ..Parsisä!" wird am 6. September d. I. im ffiroßh. .hosthcater zur Eröffnung der neuen Spielzeit stattfinden.
in. Offenbach, 14. Jan. Eine schwere Bluttat trug sich in der Glockeugassc zu. Tic Prostituierte Franziska Grubert unterhielt bisher mit dem lstjäyrtgcn Gelegenheitsarbeiter Paul Möhler ein Liebesverhältnis. In den letzten Tagen zeigte die Grubert aber mehr Zuneigung zn deni 23 Jahre allen Gelegenheitsarbeiter Karl Krug. In berflofsener Nacht befand sich Krug in der Wohnung seiner Geliebten. Möhler, der dies erfahren hatte, drang cbeu- falls dahin ei». Ztuischcu den beiden Rivalen kam cS hier zu einer heftigen Eifersuchtsszene. In deren Verlauf brachte Möhler dem Krug mit einem feststehenden Messer fünf Stiche iin den K opf, den Hals und die Hände bei. Krug lief hierauf, nur mit dem L>emd bekleidet, nach dem Markt, wo gt durch eine Schutzinannspatrouillc aufgegriffen und alsdann »ach Anlegung eines Notverbands durch die Saui- tälstvache tu das Stadtkrankeuhaus verbracht wurde. Tie Verletzungen sind lebensgefährlich. Möhler wurde bald darauf fest genommen.
w. Osicnbach, 13. Ja». Eine nette SubmisüonSblüte teitiite die Ausschreibung der Erdarbeite,, sür die Verlegung der vakenbahn und des GnterbahnhoiS. Eine Mainzer Firnia ilcltt» als Höckistiorderung sür die Erdarbciten der Hafenbahn 33 545 Mk. auf, während eine Kölner Firma mit 13 697 Mk. Atindesfforderndc blieb. Bein, Güterbahnhos stehen zwei Franksnrter Firmen konkurrierend gegenüber, von denen die eine 66 485 Mk, die andere 22549 Mk. fordert.
Ad't'n SV «■>- auf Mr. Inschrift „Olren“! _ Veher eil rrUWich, Aufr/'ltUschtlO, gcr B., O. n


