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2er «etzener Anzeiger
erfcfieint täglich, nufer Eouitlaqs. — Beilagen: viermal ivöcb entlieh SiegenerKamilienblätter; ,,oe.mal ivocheutlRielk' dlatt svr den Kreis Sietze» jTieustag und Freiings: zweimal monail. kand- »ittschostlicheöeilsrogen Ferusprech - Anichlüfle: iür die Redaktion 112, Bering ». ErvediNo» öl Adresse iür Depeschen: Anzeiger «letzen. Annahme »an Anzeigen iür die Tagesnuiiiiiier bis vormittags 8 Uhr.
Erstes Blatt
M- Jahrgang
Samstag. JO. Januar 19^
General-Anzeiger für Oberhessen
RotationsönKf uni) Verlag »er vrSHI'schei, Uaiv.-Such- und Steiadrnderei B. Lange. Htbaftfon, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7.
vezn gsvret»: monallich 7»W„ viertil- iährlich Mk. 2.20: durch 'Abhole- u. Zweigslellen nionatlich 65 Pi.: durch diePostMk.2.—uieriel- jährl. auSschl. Beslell-z. Zeileuoreis: lokal 15Ps., nuswärts 20 Pieuniq. Lhesredakteur: 21 Goetz. Beraulwortlich für den volit. Teil: Aug. Goetz; für .fteuiUetnu*, ,33er* mifrliles“ u»d„Ger>chls- jnnl": Karl Neurath: für ,Stadt und Land": durl Bendt: für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfahl 16 Seiten.
Tagcskalender aus dem Jahre 1814.
10. Januar: Die von den Franzosen besetzte Festung T o r g a u ergibt sich nach dreimonatlicher Belagerung dem preußischen General Tauentzien.
Politische H>ocfocnfchau-
Giegen, 10. Januar.
Tic Eröffnung des Preußischen Landtags und die Ber lefiiug der Thronrede durch Herrn v. Bethmaim-Holliveg hat keine Aufregung vernrfacht: das anqekündigte Arbeitsprogramm rührt zwar an umfangreiche pnd lvichtige Gebiete des staatlichen Lebens, aber e-S wird nichts von Grund aus geändert, sondern nur an der Oberfläche geglättet und auSgeb-sserl. Daß für die Reform der Berwal tung leine tief einfrlmeidenben Veränderungen vorgejchlagen werden, findet seine, Erklärung dariit, daß der preußische Staat nicht mehr unter Geldnöten leidet und die Korans fetzungeu, unter deueu vor ein paar Jahren ein sparsameres System verlangt worden lvar, heute nicht mehr bestechen. Der interessantesve der von uns in ihren Grundzügen veröffentlichten neuen Gesetzentwürfe ist das Fideitommißgesetz. Am 2. April des vergangenen Jahres hatte der Reichstag den Reichskanzler ersticht, „baldigst einen Gesetzentwurf vorznlegcn, durch den die Errichtung' und Erlveiterulig von Fideikommissen an Grund und Bode» verboten nnb die Auflösung bestehender Fideilommifse befördert wird". Im Interesse der inneren Kolonisation, des Kleinbauern- und Arbeiterstandes war Liefe Forderung, die der gesamte Libe- raliSniuS untersttitzte, durchaus zeitgemäß. Es gibt in Preußen 1235 Fideikommisse: davon wurden 400 in den Jahren 1881—1009 gegründet. I» zunehinendem Maße lvnrden weite landwirtschaftliche Gebiete dem freien Verkehr entzogen, ilnd Hand in .Hand damit lvnchslen die Bodeichreise. Wenn man sich nun den neuen preußischen Entwirrf betrachtet, so hat er im großen und ganzen einen konsrrvattven Charakter, Die sidcikommissarijche Bindung von Wald loird in un beschränkter Weise weiter gestattet; für die Fideikommisse, die landwirtschaftliches Nutzlanö umfassen, wird eine Mindestgrelize von 900 und eine Höchstgrenze von 2500 H-l lar vorgeschlagen. Durch dieses Mittel lvird deln Uebel stände urchl abaeholsen iverden. Daß in oeu 107 Paragraphen des neuen Gesetzes einige burecmkratische Formalitäten ärgerlich und hemmenld wirken mögen, ist zuzugeben; ein bißchen zweiselhasi bleibt es, ob Preußens Regierung mit diesem gesetzgeverischeu Sport in irgend eines Menschen Seele einen beiebeideire» Freudenschnniner zu erweeten vermag. Tie Äahlresorm, die ernsteste Forderung der Feil, ist in der Schüssel des Herrn v. Bethmann-Hollweg einstweilen noch eingefroren, und ob die Geister des neuen Landtages das Eis zum Scvmelzen bringen werden, das wird der Barometer vielleicht schon bei den nächsten Beratungen anzeigen.
Tie Beweisaufnahme in dem Prozeß gegen den Obersten v. Reuter Hai tiidvr viel Neues ergeben. Eiu Teil der Za beruer Bevöllerung hat sich unangemessen, ja pöbelhaft, benommen, und da nicltt nur Schimpslvorre gerufen worden und Psisse hinter oeir Offizieren ertönt sind, sondern auch niit Steinen geworsen lvorden war, so hätte scharf eingeschritten werden müsse». Selbstverständlich ist nach wie vor daran festzuhalten, daß der Leutnant v. Forsttier alsbald hätte entferitt werben müssen: das brauchte, solange die
llntersuchung noch schwebte, keine Strafe für ihn zu sein. Das Boltsempfinden darf nicht völlig ignoriert werden, und daß v. Forstner sich in der Tat sehr nnßliebig gemacht hatte, konnte alswald sestgestellt werden. Später aber hätte der Kreisdirektor Mahl in der Verhinderung der skandalösen Straßenszenen doch etwas energischer Vorgehen müssen. Es ist bezeichnend, daß er an dem lritischen Abend, als „ganz Zabern brannte", wie es in jenem Telegramm hieß, ruhig au der festlichen Tafel seines 'Borgesetzte», drs UnterstaatSsekretärS Mandel, sitzen blieb und daß dieser ihn zum Bleiben aufsorderte. Man kommt nicht darüber hin weg, daß diese hohen Zivilbeamten eine eigentüinliche Aus. sassung von Pslicht und Tienstinteresse gezeigt haben. Dem Krelsdirektor gingen ine Beqnenttichleii seiner Frau und das noch nicht beendete Tiner vor' Wenn, was noch niept sestgestellt ist, der Kronprinz den: Obersten v. Reuter ob des entschiedenen .Eintretens für die Ehre seiner Offiziere ein „Bravo" spendete, - wer ruft den Herren Mandel und Mahl seinen Beifall zu? Wir vermuteu, höchstens ein paar Wackes.
Das Urteil des Straßburger Gerichts gegen Herrn von Reuter ist zur Stunde lwch nicht betaunt. Es fällt schwer, dein Antrag des 'Anklagevertreters auf P.rhänguug einer Gefängnisstrase von sieben Tageil noch harte Worte hinzu ziisügeli. Der Oberst hatte noch in seinem Schlußwort erklärt, daß er glaube, nach Pflicht nnd Gewissen gehandelt zu habe». Die moralische Mirveranlwortting für sein handeln trifft auch seinen Kommandierenden General, der ihn ordentlich „scharf" gemacht hat, so daß schließlich „alle Jurisprudenz aufhürte" War es denn ein so würde- und ehrenvolles Schauspiel, daß man die Soldaten so planlos Jagd aus die Straßenpassanten machen ließ'? Wäre es nichi besser gewesen, wenn das Regiment ber Stadl Zabern vorläufig, vielleicht auf immer, strafweise eutzogeu lvorden wäre'?
Zum Thema Heer und Volt hat der Kronprinz außer der Kundgebung, die er angeblich an den Obersten v. Reuter richtete, noch einen bedeutsameren Bettrag geliefert. Er hat an seine Tanziger Husaren einen Regimentsbesehl geridjtri, in dein folgende ausfallende» Sätze stehen:
..Tn- Her; will mir brechen, daß ick »UN nid» mehr au Eurer Spitze durch das Lebe» reiten soll. Wohl kann man mich von Euch trennen, aber mein Herz lind mein Geist bleibt unter Euch. Wenn einmal der König ruft nnd das Signal „Marsch, Äiarsch!" wird geblasen, denk, an den, dessen sehnlichsirr Wunsch es.stets war, diese» Augenblick des höchsten soldalischen Glücks an Eurer Spitze mit erleben ju dürfen."
Es uKTbeil bald Stimmen hörbar werden, die es für üderslüffig und unpolitisch batten, daß der Thronerbe des Reiches weithin den Anschein eriveekt, als sehne er den Krieg herbei In der Tot, der künftige Lenker des Reiches sollt: beizeiten lernen, kluger StaatSkunst sich anzubequemen. Seiner wartet eine höhere und schivierigere Aufgabe, als frism und sröhlich durchs Leben zu reiten. Tie Auffassung aber, die er vom Verhältnis des Kommandeurs zu feinen Mannschaften hat, kann man nur loben. Man könnte dieser Aujsassung ini Heere nur lveitere 'Verbreitung wünschen. In der neuesten Nummer des „Knnstlvart" beklagt der Herausgeber Avenarius, daß die.Hauptelemente int Heer, Offizier nnd Soldateustand, seit Friedrichs des Großen Zeit sich verändert hätten: „Wir haben zwei Stände im Heer. Die Verschiedenheit zwischeii den beiden liegt nicht ettva nur im Maß der Rangordnung, liegt überhaupt nicht nur in einein Weniger oder Mehr, sondern er liegt im Wesen. Für den Sland der Lsfiziere werden vom Feldinarschall bis zum l jüngsten Leutnant andere Lebensregeln, andere Ehre::
aiijchonnngen, sogar, wie bei der Tuellsrage, andere Aüsg sajsungen der religiösen Gebote vorausgesetzt, als für den Stand der Mannschaften. Es sind zivei so weit geschiedene Länder, daß in dem einen sittliche Forderung sein kann, lvas in dem andern verwerflich ist."
In dieser, vielleicht etlvas übertriebenen FestDellung liegt ein berechtigter Kern. Gerade die ;iaberner Fälle haben lvieder den Anschein erlveckt, als erstrebe der Offizier höhere Rechte in der Bottsgemeinschaft, als maße er sich zum Schutz seiner Ehre und seines Ansehens Befugnisse zu, die der andere Volksgenosse nicht besitzt, der doch aber auch jeiuie Ehre verteidigen darf und muß. So glauble der Oberst von Reuter seine ,/tzesangenen" ln einen Keller einsperren zu dürjen, und manche, loeun nicht viele seiner Standesgenos, je» luerben diesen Rechtsstaiidpunlt geteilt haben. Für diese gilt der Satz, den Avenarius in seinem erwähulen Aufsatz »iedergeschrieben hat: „In einigen Orten geht der Offizier bereits wie ei» Fremder durch sein Vvlk." Daneben erscheint des Kronprinzen Svldatenbekenntnis in der Betonung der engen Zusammengehörigkeit von Kommandeur und einfachen Bollslindern im Soldalenroek wie ei» Zeichen aus srideri- zianischer Zeit.
DcutscHe» Ncich-
D e r Ausschuß zur P r ü f» n g der R ü st u n g s - liefern« gen besichtigte am Freilag vormittag die An lagen der Deutschen Waffen- nnd Mnnitionssabriken in Moabit. Dabei wurde die Entschließung in den Kreis der Erörteruiigen gezogen, in der der Reichslag bei Verabschiedung der Heeresvorlage die Erwartung ausgeivrochen hat, daß die Beichaffiing des Kriagsmate^jals tunlichst in reichseigenen technischen Instituten erfolge. Von den dem Ausschuß angehörenden Berrrelern der Industrie lvnrde mit großer Entschiedenheit darauf hingewiesen, daß die Entschließung in den .Kreisen der deutschen Industrie große Beunruhigung hervorg.rujen habe, da sie nur so ausgelegt werden tonne, baß abweichend von dein bisherigen Verfahren die Privatindustrie nach nnb nach von den Lieferungen für Heer und Marine ausgeschlossen werden solle. Der gleiche Eindruck sei im Ausland hervorgerufen und habe dem Absatz deutscher Jiidnstrieerzeugnisse dorthin schweren Schaden zugesügl. Demgegenüber wurde von den ainoesenden Mitgliedern des Reichstags übereinstimmend betont, daß die Entschließung in diesem Sinne nicht ausgesaßi werden könne. Wer dir LerhandliMgeil kenne, könne nicht im Zweifel sein, daß der Verstaatlichung der gesamten Rüstungsindustrie damit keineswegs das Wort geredet iverden soll, vielmehr sei nur hem Wunsche Ausdruck gegeben worden, daß der große Bedarf auf Grund der Heeresvorlage nach Möglichkeit in den eigenen Jnstittiten des Reiches gedeckt iverden solle, um die bestehenden Institute voll auszunutzen.
Die sreitonservative Fraktion des Ab g e» ordnetenha n f e s hat folgend: A »frage eingebracht: Was gedeiiit die Königliche staarsregiernng angesichts der Unmöglichkeit und Schädlichkeit der staatliche» Arbeitslosenversicherung zu unternehmen, um durch Berpütung des übermäßigen Zuzugs zu den Großstädten und großstadtähnlichen Wohnplätzen eine der Hauptursachen der periodischen größeren Arbeitslosigkeit zu veheben? — Ferner hat die sreitonservative Fraltton >o!qende Anträge gestellt: >. d,.' lönigliche Staatsregiernng zn ersuchen, im Bundesrat für reichsgefettlichen mirr einen TchutzderAr- beitswilligen etn?,»treten: 2. die Staatsregiernng zu ersuchen, zur Sicherung des Handwerls, Bekämpfung
Gistzcner Stadttbcater.
Eine Frau ohne Bedeutung.
Schauspiel von Oskar Wilde.
Gieße», 10. Januar.
OÄar Wilde hal bei U»s in Deutschland weit größere Erfolge errungen als in seiner Heimat, »nd heute noch gilt er in England gewissermaßen als Berfemter. 2Iuch die Literalen macken sich nichts aus ihm. So schreibt Arthur 2 y m v n s , einer der bedeutendsten englische» Kritiker: „Ter ganze Mensch war nicht so sehr eine PeriönliOikeit als eine Attitüde. Er war kein Deirker. aber er tat so; er war teilt Dichter, aber er tat so: er war lein Künstler, aber er tat so. Und gerade in seinen 2lttitüden war er am ehrlichsten .... Man wird seiner gedenken nicht als eines Künstlers in der englischen Literatur, aber doch in de» UeberlieieriiUgeu unserer Zeit als eines außerordentliehen Künstlers in Attitüde» des Geistes."
Uns Deutsehen dünlt dieses Urteil zn hart, und doch trifft es Wildes Schwächen Haarschars. Es gibt in der Tal kaum einen Künstler, dessen 'Art so widersvriichsvoll nnd unausgeglichen ist wie die des unglückliaien Engländers. Neben geistreichen, feingeformten Paradoxen iindet sich eine recht incheholsene Bühnentechnik »nd unter den: mit bewundernswerter Kunst geführte» Dialog birgt sich auch manches weniger Gelungene und 2lbgeichmackte. Derart ist auch Eine Frau ohne Bedeutung zu bewerte», ein Stück, das sich in schärfftcr Tonart gegen die englische Gesellsehast wendet „nd hart mtt ihr ins Gericht geht. Ter Kern des reist! verzweigten Inhalts ist etwa solgendermaßen : Aus dem Laudiitz der Ladv Hunstanton iveilt eine 'Anzahl englischer 'Aristokratinnen, die Lord Jllingwarth mit galantem Spott „nd schneidender Satire unterhält, indevi er den Damen gleichzeitig beweist, daß einem Manne alles gestattet wird, sobald er nur keck und frivol genug ist. In diese Umgebung tritt Frau 'Arbiithnol, deren Sohn er gerade zu seinem Privatsekrelär gemacht hat, und sie erkennt mit Entseiieii ihren einstigen Geliebten und den Vater ihres Sohnes in ihn,. Verzweifelt wehrt sie sich dagegen, daß ihr Junge in nähere Beziehungen zn seinem Vater trete, aber der Lord Ivbiß in einer peinlichen Auseinandersetzung ihre Einivilligung zu erringen. Dennach tvmmt cs zum Zwiespott. Gerald sicht, w>e der Lord seine Liebste küßt und will ihn darob fordern — da offenbart ihm hie Mutter, daß Illing- worth sein Vater ist. Er versucht nun die Eltern zu versöhnen, aber als seine Mutter dem Lord empört den Handschuh ins Gesicht schlägt, begnügt er sich damit, seine Liebste zu heiraten nnd ,u- dmmen mit Mutter und Braut nach Amerika ansz-nwandern, wo seine Liebste große Besitzungen hat. , ...
Die hiesige 'Aufführung, die von »errn u.workoiuski großartig vorbereilel ivar und auch äußerst reizvolle Bühnenbilder brachte, batte bedeutende Werte ouszuweisen; doch war einiges nicht ansgegiichen Es war j. B. Nichts davon zn merken, daß Miß Vorslen
„peinlich natürlich" ist. U!th eine strenge Puritanerin bewegt sich auch nicht in wichen Gewändern, die dauernd mit ihren Reden in Widerspruch stehen. Alles übrige aber mar von feinstem Schliff, wohlbedacht und eindrucksvoll. Auch die einzelnen Leistungen ivac- ii fast durchweg anerkennenswert. Allen voran die de» Herrn R o t t c ck als Lord Jllingivorth. 'Mit meisterhaiter Dialeknk spielte-er diesen blasierten, geistvollen Lebemanir. nnd^r hatte den Charakter so sein enaßt, daß bei aller selbstherrlichen Sicherheit doch auch die zwie iväliige, mit sich selbst zerfallene Menschenseele leise durchleustiteie. Ganz vortrefflich gab er den Schluß des erste» Auszuges, ganz vortrefflich auck den Austritt mit seinem Sobn im dfitten 2lkt. Ta» Ganfe eine Darbietung, wie wir sie aus unserer Bühiic^nicht bäusig z» sehen bekommen. Rest» nah kan: ihm Fron Sonntag- Blume mit ihrer entzückend liebenswürdigen Planderkunst und ihrem keine», reinen Lachen als Frau Ällonbv. die ihre heiteren 'Paradoxe mtt graziöser Leichtigkeit hinsetzte. Ties innerlich ersaßt war die unbedeutende Fra», die Frl. SK c t t n e r bot. Klar und edel in ihren Linien schiff sie das Bild einer Mutter mit Herzens- warmer, schmerzgereiffer Kraft und machte so einen starken, liefen Eindruck. Herr Stein botet, der sich in den wenigen Wochen seines Hierseins überraschmd vervollkommnet hat, gab dein Sohn Gerald rührende Kindesliebe und sehnsuchtsvolle Zarlheit, ganz erfüllt von reiner Mcni'chlichkeit. Frl. F lenzet als Lady v»n stunton tat sich ebenfalls sehr hervor und l'uielte eine seine, gewandte Dame, die ihre mangelnde Auffassungsgabe sehr geschickt zu verbergen weiß, wenn sie nick» gerade damit kolcttiert. 'Als vrächtiges Ehepaar ergötzten Frl. Rath u s i u $ und Herr Galt. Entzückend war Frl. Martini als Ladh Stntffcld. Ganz Würde und Ge- incssenlieit zeigte Herr Volck als Mitglied des Parlaments. II»- zureichend und matt wax überraschenderweise Frl. D a g n » als Hefter WorSley: im zweiten 'Aufzug störte ihr phantastisches Gewand, »nd mit ihren Händen wußte sie Überhaupt nichts an- zuiangen. Dazu ivar ikr die Rolle nicht immer gegemvärtig. Herr Bochum spielte einen schwächlichen Krittelgreis recht. Einen hübsche» Jungen gab Frau G rosset -B raun als Lord Rufford. Der Beifall war außerordentlich stark. X.
Eiu neues Stuck von I l lg e n ste i n. 'Aus Bremen, 0. Jan , wird uns gedrahtet: Ini Brenicr Schauspielhaus hatte die Uraufführung von Heinttch Jllgensteins drei- akttgem Lustspiel „Q u i s i s a n a" einen unbestritten starken Er- solg, der einer seinen Dialogkunst und amüsanten, bis in die letzten Koni'egueiize» durchgcsnhrten Handlung zu danken ist. Das Stück spielt in einem Sanocoiim» sür unvefftandene Frauen, die ihre Nerven urrd ihre Männer dem modernen «eelenarztc Tr. Front in Behandlung geben, der, selbst an einer unverstandenen Fron und Kinderlosigkeit leidend, durch einen Patienten
kiiiiert »ire. Ci» geistreicher Beobachter bietet hier ein geis: reiches Lustspiel, dos von der ersten bi» zur letzten Szene höchst amüsant und soirohl i» dem Dialog ivie in der Szenensührung guten Geschinack, Talen: und die Gabe leicht ilüffiger Konoer iativiz verrät. Die Darstellliing hielt sich am ailerleunenswerter Höhe. über die sich besonders Fron Rosner in der Rolle der unverstandenen lvottin nnd Affistenzätztin eines alle anderen Frauen, nur sie nicht verstehenden Mannes und Herr Brodowskh ais behandelter Patient besonders erhob«. 2l»tor und Dar steiler folgten vielen Hervorrnsen.
ISnu seltene K rank h t i i 'Aus Breslau, d. Jan., wird gemeldet: Eine selten beobackrerc Kinderttankhcit tritt irr hiesigen Schulen aus. Tie Tirekiion der Königlichen Unirenitäis-Kinder-Klinik teilt hierüber folgendes mit: Es düttte sür »eitere Kreise wissen-'wert sein, daß seil einigen Wochen in der Tiadt Breslau eine ziemlich seltene und ivenig bekannte Jnscktianslranthcii »'Häusl austriil. Eine dcrarlige Epidemie icheint in Breslau schon so lange »irhl mehr beobachtel worden zu sein, daß auch ergahrenc 'Aerztc da- granlheitsbild vlelsack ans eigener 'Anschauung bisher noch nicht kannte». Bon Laien wild die neue Krankheit meist mit ander:» Kinderkrankheiten, wie Scharlach. Maiern, Röteln verweckieli, ntie denen sie teil weise eine gewisse 'Aehllffchkeit hat. Tie auffälligste KraiikheilS- erscheinung besteht in einem hellroten, ilestigen, etwas erhab,- ncii Ansschlrvg, der zuerst aus de» Wangen und aus der 'Außen leite der Vorderarme austtitr nnd sich von da über den ganzen Körper verbreitet. An manchen Stellen, besmidevs im Gesicht und am Gesäß fließen die einzelnen Flecke zn stark geröteten, sich heiß anfühlenden Flächen zusamnieil. Ost besteh: läsffger Juckreiz und leichte Fiebertemperatur. Die Krankheit har eincll durchaus gutartigen Charakter und pflegt nach vier bis sechs Tagen ohne besondere Behandlung abzuheilen. Sie Irägt den Namen Eiythema inseetivsum und Hai anl meisten stlehnlickkeit mit Resselsucht oder Masern. Die Direktion der Kinderklini! nimmt Mitteilungen über einschlägige Beobachtungen mit Dank entgegen
— Kurze Nachrichten a u $ Kunst und Wissest- schait. Ptvsessoren. Dem stetlcertretenden Direktor der Badischen 'Anilin- uno Svdasabrik in Ludwigshase» a. Rh. Tr. Rene Bahn, dent Theater- nnd Kunsthtstottker. Studien lehret^a. Dr. Dr. »hff. Karl Trautmann in 'München, denr Schiiitsteller Pmil Nikolaus C a ßgn a n n , Herausgeber der „Süddentscheu MonaGheste" in Müncheit itNd dem Schrist- steiler Earl Muth, Herausgeber des Hochland in Solln bei M unchen iw vom König von Bayern der Titel euies Professors verliehen worden.


