Nr. 2 Drittes Blatt 164. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „«ietzener Zamilienblättek" werden dem „Anzeiger" viermal Ivöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal
wöchentlich. Die „randwirtichafllichen Seilfragen" ericheinen monatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Samstag, Z. Januar 1914
Rotationsdruck und Vertag der Brühl'fche» llniversitäts - Buch- n»d Sleindrnckerei.
R. Lang e, Kietzen.
Redaktion, Erveditioi, und Druckerei: Tchul- slratze 7. Ervedilion und Verlag: e^» >l. Redaktion:L^I IL. Tel.-Rdr.tRnzelgerKießen.
Der Dreibund und die orientalische Frage.
;)ur Ueberreichung der Antwort des D r e i b u n desausdieNoleSirEdwardGreys erfährt das Reu lerschc Bureau: die drei Mächte haben, wie vorauszusehen ivar, ihre Zustimmung erteilt, bafj das Datum für die Ran inirng Albaniens durch die Griechen hinausgeschobe» wurde unter sicheren Gcirantteen daiür, das, Griechenland seinen durch Vertrag übernommciien Verpflichtungen itachkomtiit. Es wird erklärt, daß der Teil der britischen Rote betr. die Inseln zur Verhandlung stehe und daß die Entscheidung spä tcr gctrossen würde Hierzu schreibt die „Times": Tie Aul wort der drei Mächte des Dreibundes atii die diploniatiiche Rote über die orientalische Frage enthält nichts, was unsere Erwartungen beeinträchtigt, daß alle Mächte iortsabren tocr den, diese bedeutsame Frage in dein europäische» Sinne zu Iirhandeln, der ihr Vorgehen bisher ausgezeichnet hat. Es iväre vielleicht taktvoller gewesen, wenn die nnlerzeichneleu Mächte den Anschein vermieden hätten, Europa in zivci Gruppen zu teilen, den die Tatsache, daß das Doku ment unter ihnen verabredet ivar, hervorrnscii könnte Aber die Substanz der Antwort, die am Dienstag überreicht wurde, gibt keinen Anlaß z» der Annahme, daß die drei Mächte wünschen, eines der Probleme, die noch der Losung harren, dem Vorgang und der Entscheidung Europas al - eines Ganzen zu entziehen. Das Blatt stellt fest, daß in der Frage der Inseln der Weg sür eine weitere Erörterung osscn gelassen sei. Wenn die Verhandlungen in dem Sinne wiederausgc nommen werden, in dem sic bei der Zusammenkunft der Botschafter vor einem Jahre geführt wurden, so könne man hoffen, oatz sie letzten Etides nicht weniger ergebnisreich sein würden. Alles hängt davon ab, daß alle Mächte ein gemein sames Pflichtgefühl gegen Europa bcibehalten, und daß sic bereit sind, diesem Pslichlbewnßtscin ihre besonderen Aspirationen als individuelle Macht oder zugunsten der Macht der Mächtegruppe, der sic angeboren, unterzuordncn. Das weitgehende Vertrauen an dem Fortschritt der Verhandlungen, das sowohl der deutsche Reichskanzler als auch der italienische Minister des Aeutzern in den letzte» Wochen ausgesvro-- chcn haben, und besonders die Gründe, die.Herr v. Bethmann für sein Vertrauen angegeben hat, lassen uns hofsen, daß die Mächte des Dreibundes ebensowohl wie die Mächte der Triple-Entcnte erkennen, daß die Ziele des Konzertes aus keine andere Weise erreicht werden können.
Auhland und seine Presse.
Der russische Mini st errat hat folgendes Verzeichnis von Nachrichten begutachtet, deren Veröffentlichung der Presse auf Grund des Spionagegcsetzes vom 18. Juli 1412 verboten ist: 1. über geplante oder einzuführende Aen- derungen in der Bewaffnung der Armee oder der Flotte; 2. über die Formierung neuer Mi'lktärcadres oder Aende- rungen ihres Bestandes: 3. über die Bewaffnung in Bau begriffener oder noch geplanter Kriegsschiffe: 4. über Reparaturen auf Kriegsschiffen,- 5. über das Quantum der Munition und anderer Vorräte sür den Krregssall; 6. über die Kriegsbereitschaft und Bedeutung von Festungen, Kriegs- Häsen usw. sür den Kriegsfall: 7. über dort vor sich gehende Arbeiten oder Pläne für Neubauten und über die Erweiterung oder die Aufhebung bestehender Befestigungen; 8. über Truppenmanöver oder Schießübungen der Flotte, sowie über das Ergebnis von Probemobilisationen der Armee oder Flotte; 4. de» Gang von Manövern, Probemobilisationci, in den Grenzgebieten: 10. über die Nichterteilung von Urlaub an Militärchargcn sowie die Einberufung von Beurlaubten und Reservisten oder die Nichtcntlassung ausge
dienter Militärs zur Reserve; II. über die Dislokation der Truppen zur Grenze; 12. über die Befrachtung oder Zn- sainmenziehung von Handelsschiffen nach Kriegshäsen. Dieses Verzeichnis tritt am 14 Januar 1911 auf Jahresfrist in Kraft. i
Tie Petersburger Tclegraphen-Agcntnr ist ermächtigt, zu ertlärcn, daß die in der heutigen Rnninicr der „Wct- icheenasa Wremja" in einem Artikel, betitelt: „Zur letz len Z n s a in m e n t n n f t 2 a s o n o >v s mit b e m beut j ch c n Reichskanzler !" neuerdings erschienene Nach rictil über eine Unterredung zwischen Sasonow und dem deutschen Reichskanzler reinste Erfindung ist. — Wegen des genannten Artikels wurde die heutige Nummer der „Wet- schcrnaja Wrcinia" ans Anordnung der Prcßvcrivaltnng b e- s ch l a g n a h in i
Tie. Dementis der Petersburger Telegraphcn-Agciitur beziehen sich ans die Behanplnng der „Weisel,ernaja Wrem- ia", Sasonow Imbe in einer llnterrediing mit dem deutschen Reichstem,zier bemerkt, daß in Frankreich ein heftiger Angriff gegen das Kabinett geführt werde, und daß die dortige allgemeine Aage niclit so glänzend sei, wie man sic sich denke» lönnlc. Darauf habe der Reichskanzler erwidert: „Giau- ben Sie denn, daß es bei uns so gni steht?" hieran» habe Sasonow ans die schwierige Position des Reichskanzlers ge- schlossrn. Manche Schritte der rnssischen Diplomatie bezüg lidi der deutschen Militüriinsfion erklärten sich nn^ der Absicht, dem Reichstanzier nid» neue Schwierigkeiten zu bereiten und um seinen Ersatz durdi eine Persönlichkeit schär- sercr Ridstnng nicht zu befördern. Die Zeitung sagl, sie erwarte eine neues Dementi und hatte die Richtigleit des gc- incldctcn Gesprächs dennoch nnfrcdst.
riirche un{>
Münster iWcstfalcn), 2. Jan. Ter Weihbischof der Diözese Münster, Jlligens, ist Iieiilc mittag gestorben.
Breslau, 2. Jan. Der „Schlesischen Zeitung" zufolge starb in der Neujahrsnacht der Qbcrkonsistorialrat Prof, von 5) aase im.Alter von 72 Jahren. _
<P-cricfnifaa(.
in 0 f f c n b a c() n. 31. Dez. Eine iüu die Kreise der zahl- reichen Port^euiller-Heilnarbeiter außerordentlich wichtige Entscheidung hat in letzter Instanz das Dberlandesgericht in Dnrinsradt getroffen. Es handelt sich hierbei um die von dem hiesigen Steuer- amt angeregte Streitfrage, ob die Heimarbeiter als selbständige Gewerbetreibende zu betrachten und demnach steuerpflichtig sind oder nicht. Die Klage richtet sich gegen den Porteseniller-Veim- arbeiter Puth wegen Uebertretnng des § 1 des Geiverbestenergesetzes vom Jahre 1884. der Artikel 24 und 43 des Dermögenssteuergeleges voni Jahre 1899 und des Tarifs 86 des Urknndenstemvelgcsetzes, Klasse 7. Das Schöffengericht, sowie die Berniungsinstanz der Darmslädtcr Strafkammer erkannten ctiri Freisprechung und entschieden, das; die PortefeuilleHeimarbeiter nicht aewerbestener- pflichtig sind. Um eitie prinzipielle Entscheidung berbeizusühren, hatte die Staatsanwaltschaft R'evision beim Oberlandesgericht in Darmstadt erhoben, die aber gemäß dem Äntraae des Verteidigers Rechtsanwalts Dr. Kaß verworfen wurde. Die Kosten des Verfahrens werden der Staatskasse anierlegt.
vandel.
— Zcntralverband Deutscher Jndustriel- l e r. Ae nunmehr zum Abschluß gelangte Revision des Zolltarifs in den Vereinigten Staaten von Amerika hatte dem Zenlralvcrband Deutscher Industrieller Veranlassung gegeben, iin Frühjahr d. I. einen Vertreter dorthin zu entsenden, dessen Tätigkeit fid, vornehmlich aus das Studium der wirtsdniftlichen Vorgänge in Amerika und
auf die Vorbereitung und Matcrialbeschaifung für ein »cncs deutsdi-anierilianiiches »andelsabtommen zu erstrecken hatte Ein Bericht über diese Studienreise wird in einer Sitzung des Ausschusses des Zculraiverbaudeü Deutscher Industries ler erstatte! werden, die am lö. Januar 1414 in Berlin statt finden wird. Auf dieser Versammlung wird ferner der Ehn diknS der Handcislammer Düsseldorf über das Thema „Fa brik und Handwerk" spreche» .Am vorhergehenden Tage, dem I I. ,Januar, wird das Tirettorium des Zentralvcr bandes Deutscher Industrieller zu einer Sitzung zusammen treten und am folgenden Tage, dem 10. Januar, werden bi • zu einer Jute ressen gemciuschaft zusammen geschlossenen in diistriolicn Verbände, der Zenlraiverbaiid Deutscher In dustrieller, der Verein zur Wahrung der Interessen der che mischen ^Industrie Tciitschlands und die Zentralstelle snr Vorbereitung von Handelsverträgen eine beratende Sitzung ab halten
W. Dortmund, 31. Dez. In der Generalversamni lung zwecks Verlängerung des Rheinisch-Westfälischen Ze meplliindikates, die bis gegen 1 Uhr morgens dauerte, wurde eine Eiuigmig^dahiu erzielt, daß das Syndikat provisorisch bis .zum lö.' Februar bestehen bleibt; wenn cs bis dahin nicht gelungen sein sollte, die außenstehenden Werke B u r a n i n . Deutschland und Viktoria Luise in Geseckc als Mitglieder nusziiuehmcn, werden tzwei sFabriken i>cz>v. eine dritte den Vertrag kündigen, ebenso sür den Fall, daß bis zun« lö. Februar die Verträge inii den karteliierlen Werken und benachbarten Verbänden »ich! geschlossen sein sollten.
Spielplan des Eichener Stadtthcaters.
Direktion: Hermann Stringoelter.
Sonnlai. 4. Januar, nacbmittaaS 3' . Uhr (unter Mitwirkung der Kapelle des hiefige» Jnlaiilerie-Negimenisi, bei lleineii Preisen: „Filmzauber." Ende IN., Uhr, Abends 7", Uhr, bei gewöhnlicher Preisen: .Die spanische ffliege." Ende 8", Uhr Dienstag, de» 6. Januar, abends 8 111,r (12. AenSIag-Abonnemenis-Borstellungl' „Tie svaiiische Fliege." Ende lOUhv Mittwoch, den 7. Januar, abends 7 Uhr <11. Mittwoch - Abonnements - Vorstellnnql: „Tie Zarin.' Ende SK Uhr. Freitag, den S. Januar, abends 8 11b- (12. Freiiag-Abonnements-Poräellnngl: „Eine Fron obne Be- beutnnq.* tAenHeit!> Tchaniviei i» 4 Sitten von Oskar Wilde Ende IN' , Uhr. Sonntag, den II. Januar, nachmillags 3'/, »br, bei kleinen Preisen: „Tie ivaniiche Fliege “ Ende 5V, Ubr
Abend? 7'|, Uhr, bei gen'öhniichen Preisen (unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Infanterie-Regiments): „Das Mnstkanten- niädei." Ende 10'/, Uhr.
Wie man die Magcnsänrc unschädlich macht.
Wenige lind iich eiaenilich bewußt, wie wichtig es ih. die im Magen besindticke Nahrung von iäurebiidender Gärung treizu- lialten. Eine gesunde, normale Berdnunng kann nicht startfinden, solange der Magen mit seinen zarten Schleimbämche» von der Säure gereut und non den ireiwerdenden Gaten bedrückt wird - alles das find die Folgen der gärenden Svenen im Magen. Um eine vollkommene Berdanunastäligkeil zu erzielen, mutz diele Gärung beieingi oder verbinderi und die Säure neulralifiert werden Besorgen Sie iich zu dem Zweck beim Apotheker oder Drogifien etwas biiurierie Magnesia, von der men nach ieöet Mahlzeit einen halben Teelöffel voll in etwas warmeni oder kaltem Wäger nimmt Biinrierle Mngneila in angenehm einzunebmen, bat keine störenden Nebencvirkmigen, beseitigt die Gärung, neutralisiert die Säure und macht den durchsäuerten Speisedrei wieder mildc, irhch und leicht- verdaulich. 110 s>
Die regelmätzige Slnwendung non biiurierler Magneiia garantiert eine gesunde, normale Berdauung. dg sie die Bildung der über schüiiigen Säure verbinderi. die allein die Störunge» uernrsackn.
Notabene! Ein Apotheker weiit daran! hin. da» eS sich hierbei nickt etwa um die geivühniiche, sondern »m biinrierle Magnefie bandele, die mir in genau eiiketlierlen, blauen FlakonS verknust wird, mit „biinrierle Magnesia" in das Ellas selbst eingeblase».
^ra«t.'tt-rrnttS>sctsau.
Dir Frauenmodc im neuen Jahre.
Bange» Herzens steht man an der Wende des Jahres und fragt sich, welche Wandlungcn die Frauenmode wohl im neuen Jahie durchzinnachen hat, weldie Neuerungen und Entwicklungen ihr beschert sein werden Nod, ist ja hiezniande alles ruhig. Dir WiMermode hat sich geräuschlos den Markt erobert: noch zerbricht sich die Allgemeinheit nicht den Kopt darüber, was ihr der Frühling, oder gar der Sommer und Herbst bringen toerden. Eines Tages wird die Frühlings- oder Sommermode eben da sein, man wird sie wobl oder Übel, mit Loben oder Schimvien, annehmen und ohne Bedauern eines anderen Tages wieder ablege». Hier ist noch alles ruhig. Aber an den Quell- oiien rieselt und guillt es bereits empor. Ansätze, die die Modekeime sür das neue Jahr in üd> tragen, sind vorhanden, ma» muß sie nur berauszuschälen wissen. Äm bedeutungsvollsten sür die Frühlings- und Sommermode ist die „Winiersommerfrische" d,w eleganten Welt an der Riviera und in -Aegbpien. Ta kann man ailerlet vorausahnen und vorausseben. Dem Tunika- oder Giocken- rock wird jedenfalls das Tolengtödlein geläutet. Tie weibliche Silhouette soll noch voller und voluminöser werden und so sind denn bereits die äußersten Dorposte» aut der Tuche nach der neuen Linie zu gewissen Watte- und Kisseneinlagen in der Lenden- variie gekominen, die dentiidi daraus Hinweisen, daß das Gesamtbild des Kleides und der weiblichen Ersdteinung im neuen Jahre bciröchtlidt korrigiert werden wird. Tie Keiliorm wird auikom- men, oben breit und unten schmal, ohne Einbuchtungen in der Mitte. Deshalb sucht man diese außer durd> Einlagen durch allerhand Anhängsel zu überbrüden. Ta wimmelt es in der Güttelpartie von Rüsche» und Falbeln und Spitzen, die sich strahlensörmiq aus Bluse und Rock ausdehnen. Dem Rüschen, und Svitzengewiminel enispridn auch andermeiis ein Farbengeslimmer Tie Zutaten sollen md» einfarbig, sondern bum geholten werden. Sie sollen wie Hunte Schmetterlinge aut den Kleidern sitzen und sotten Leben, Freude und Farbe in die Erscheinung bringen. Tieje Vorliebe sür das bunte Bild wird auch bunte, kräftige und grellsarbige Stoffe wieder bevorzugen. Schottische Stoffe werden einet großen Zukunit entgegengehcn, ebenso japanische und orientalische Muster. Tie bisher so beliebte großblumige Schärpe wird weiiergesührt und enttvickelt werden. Sie wird überhaupt zu einer großen Bandmode führen und zwar werden die Bänder nicht UNI mehr als bisher ans den Hüten verwendet werden, test oder stottierend, sondern das Bond wird auch wieder in den Zopi, an die Bluse und namentlich an die Schürze, der die FrnblingSmodc bereits liebäugelnd zuzwinkcrl, vorrücken. Es tmrd sich als große Neuigkeit haumsächlick in Brokattnuftern halten. Diesem luingen, fließenden und wehenden Charakter der kommen- den Frühlings- und Sommermode, entsprechen auch die duitigen Guirlonden au-s künsllickien Blumen, die als entzückendes Zier stück um Schultern und Brust geschlungen werden. Tüll und Tüllsiickerei werden ihre Beliebihelt beibehalien. Das Schicksal der Jacken ist nockr nicht ganz sicher. Sie muffen sich im neuen
Jahr zunächst starke Beschncidungen und Verkürzungeit aesaUeti laffcn. Sie werden voraussichtlich beinahe zur richtigen 'Mamille verkürzt werden: dafür dürsten sie sich allerdings in lebhafteren Farben als bisher zeigen. Und die Farben? Tangorot wird natürlich nocki etwas weiter den Markt und die Mode beherrschen, aber es wird in der Bronzesarbe einen gefährlichen Kon- kuirenten erhalten. Ae Modefarbe des konimenden Jahres da gegen wird das ganz neue und überaus apparie Runkelrüben- rot teilt, das in prächtigen wannen Tönen porliegt. Für die Gesellschafts- und Ballkleider werden mit Erfolg alioenezianische Faiben und Stossarien aufgebracht. Wir haben allen Grund, gerade diesem Ansatz eine frohe und bedeuttttigsvolle Entwicklung zu wünschen.
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■ — Ter Verein F rau e n s c mi na r sür soziale Hilfsarbeit in Frankfurt a. M. eröffnet gegcnwättig eine Fachschule für soziale Berufsarbeit. Ter Zweck der Schule ist, tüchffge Kräfte für den sozialen Dienst sowohl des Staates wie der Gemeinden und privaten Organisationen heranzu- bilden. Tie Gesamlausbildung der Schülerinnen umfaßt 2>/„ Jahre, doch läßt sich diese bei denen kürzen, die berefts eine praktische, vflegerisd;e Ausbildung genossen haben. Tcr Verein unter Vorsitz des Bürgermeister Luppe arbeitet mit Unterstützimg der Stadt, des Instituts sür Gemeinwohl usw. Anfragen sind zu richten an die Direktion des Frauenseminars sür soziale Berussarbeift Frankfurt a. M., Thüringerstraße 55.
— Tie Dien stboten-Krankenversicherung und d i e Frauen. Während vor fast 15 Jahren die Einsühruntz der Invalidenversicherung von den beteiligten Kreisen mit Stillschweigen hingenommen wurde, hat sich lange nach der Annahme des Kranienversicherungsgesetzes, kurz vor seiner Einführung, eine starte Opposition gegen das Gesetz bemerkbar gemacht. Bedauerlicherweise schreiten an der Spitze des Widerstandes die Haus- irauen Sie stehen mit diesem unsoziaien Verhalten direkt im Gegensatz zu der organisierten Frauenbewegung, die lange vor der Resorm der Reichsverffcherung in Wort und Schrift für die Einbeziehung der Dienstboien in die Krankenversicherung einge- treien ist. Sie hat diese plusdehtinng verlangt aus Grund der sozialen Gerechtigkeit und der Not, der die erkrankten Mädchen bei den jetzigen Bestimmungen ausgesetzt tvaren. Ter Protest der tzausiranen gibt einen ttanrigen .Beweis tür die völlige Pertbänd- nislosigkeii, mit der diese Frauen der sozialen Frage icherhanvt und der Tienstbotenftage geqenübersteben. Wenn nichts anderes, dann sollte sie die Gesellschaft, in der sie sich befinden, zum Nacki- denkcn berlaffen. Erfreulicherweise kommt der Protest der Hans- ftancn zu spät, und der erste Januar bringt die langgewünschte Versicherung.
— Näh- und Kochkurse im Etat. Die mangelhastcn bauswirischafflichcn Seimtnifje, über die die Frauen der unteren Volksklasseen verfügen, bringen sür den Arbeiierbausstand schwere Mißstände mit sich, die besonders bei der herrschenden Teuerung der Lebensmittel fühlbar werden. Diese Verhältnisse können nickn besser werden, bis nicht ffir ein* genügende Ausbildung der Frauen
in allen Zweigen des Hanshaiis Sorge getragen tvird. Unierrichl im Nähen und Kochen muß, da ihn die Arbeiterirau ihren Töchtern aiis Zeitmangel nicht erteilen kann, als vollgültig in den letzigeii Tchulvlan »Ittonigenommeii werden, luenn man eine Besserung der Zustände herbeifflhrc,, ,vill. Hanshaltungsschtilen allein können die bestehende Lücke nichr ansjüllen, ha sie nur von einem kleffie» Teil der weiblichen Jugend besuch! werden. Infolge dieser Einsicht lind schon mehrfach staailicherseiiS Geldmittel hmiillit» worden die die EinMbrung liansiinttschafflidier Kurse a» Schulen oder Foribildiingsichulen ermöglichen. 'Auch der kommende Etat wind, wie man uns schreibt, Mittel sür Näh und Kochkurse vom vreuß. Landtag fordern. Tabei soll cs uilentschicden bleiben, ob der Unter riefet dem Schulunterricht a»gegliedert werden soll oder in den Foribildungssdmlen der icknilemlaffeneu weiblichen Jugend zugute kommen wird. Ae Enlickieidung darüber wird »ackt den öttlickieu Verhältnissen den Schulbehörden überlassen werden.
— Be i dem letzten Monaisbewerb des Acdnieklen- vereins zu Berlin, der Entwürfe ffir ein GemcindehauS verlangt hatte, erhielt die Architektin Fräulein Tivlom-Jngenienr von Knobelsdors den zweiten Preis.
— T i e Berliner A e r z i i n und Assistentin an der medizinischen Unterrichtsklinik, Frönt. R a h e ( Hirsch, erhielt als erste Acrziin den Proiessoreiititcl.
— Der A l t h i n g von Island hat die Bcnassungs - änderung angenommen, wonach den Frauen das Wahlrecht unter den gleichen Bedingungen wie den Männern verliehen wird. Man zweiselr nicht, daß der König von Dänemark das Gesetz bestätigen wird, wenn es dem Ttaatsral vorgelegi wird.
— Eine V o r kä m vfc r i n. 'Am 23. November beging in München Klementine von Braun müht in vollster geistiger Frische ihren 80. Geburtstag, eine der eigenarttgsten Pertönlichkeiien aus der Frübieii der Frauenbewegung. Sie hat von 1872 bis 1895 die weibliche 'Abteilung der Kunstgewrrbeschule München geleitet und weit über die Schule hinaus durch Tat und Beispiel gewirtt. In Augsburg als Tochter eines Domänendirek tors ausgewackffen, vom brennenden Wunsch naä» 'A»sbild>c»g ihrer starken Begabung beseelt, mußte sie iich den Weg Hierzu mühiani selbst suchen. Künstlerischen llmeritdii sür Mädchen gab cs nur für bohes und ihr unerichwingltches Honorar in einzelnen Privat atelicr“ Endlich mit 38 Jahren erhielt fic Erlaubnis, in dcr Münchner Kunstrnwerbeschule unter den lungen Schülern ustd Lehrlingen ihre Studien zu beginnen. Schon im nächsten Jahr wurde sie a» der neugegründeien 'Abteilung sür Mädchen an der selben Schule als Lehrerin angestelli. Sie hat den Münchner Knnsllerinnenverein ins Leben genise» und den Verein zur Eftün- dung eines Mädchcngvmnaiiums jahrelang als Vorsitzende ge- leitet: sie gab die erste Anregung zur Heranbildung tveibliche, Diensiboienlehrlinge. Ter Pensionsverein stagilich geprüfter Leb- rerinnen evnanme sie zum Ehrenmiiglied. Jbr Festtag war verschönt durch die Verehrung eines weiten Kreises.


