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jünger, Mutter. Und heiraten und — Kinder! Bosshe-mo'i!*) dazu ifl^s doch noch lange Zeit. Bist du denn deines großen
Jungen schon ntübe?" .
Nein — aber ich rnöcht' auch ganz kleme Jungen um Mich haben. Was meinst du zu Nadescha? Sie ist hübsch und bescheiden trotz der Wagenrad-Augen, die sie für dich hat ürrd die ich gar nicht verübeln will, weil sie nun ernnral nicht anders kann. Und ihre Mitgift —" r
„Was? Mitgift bekomrnt sie auch! Wie fürsorglich du bist, Mutter!"
' „Und sie sagt ja, wenn du nur den kleinen Finger aufhebst, Junge. Allzulanges Warten macht —"
,!,Jch warte aber doch noch, Mutter!"
„Bielleicht zu lange!"
„Einmal wird meine Zeit kommen, Mutter, aber Na- defchas Wagenrad-Augen werden es nicht sein, glaub ich.
Und .so klopfte sie dann und wann bei ihm an, wenn frauenhafte Muttersorge sie plagte, horchte ihn, aus, bald über diese, bald über jene; doch kam sie ihrem Irel memals näher und konnte es gar nicht begreifen, daß ihr Junge so allein blieb, während einer seiner Kameraden nach dem arideren heiratete und ins eigene .Herrn einzog. Ihr ganzes Herz hing arr ihm. Sie hätte ihn gar zu gern glücklich ge^ sehen. Und alle Türen standen ihm ja offen und nicht nur Uw seines hübschen Gesichts willen.
Fleißige Arbeit hätte ihren Lobrr gebracht und merlen- weit um Irkutsk hin rühmte rnarr Jline, den Schmied denn die Werkzeuge, die er den Bauern und Berglenten lieferte, hatten in. der- ganzen Provinz nicht ihresgleichen. Bon Jahr zu Jahr hurte sich sein Geschäft vergrößert und fünf Gesellen arbeiteten nun in der Schmiede. Seine rechte .Hand jedoch in Geschäft und Werkstatt war fern Sohn Stepan größer Und breitschulteriger jetzt als der Vater, so geschickt ein Schmied wie er, begabter und weitsichtiger sogar in geschäftlichen Dingen. Ein 'begehrenswerter Ehe,nanu für die Mädchen von Irkutsk! Daher also Nadeschas gar zu deutliches IlUgen machen und Natalies Erröten, wenn immer sie ihm begegnete, und Maschas ein wenig zu durchsichtige Tricks !
' Von Katinka sprach Stepan nie; nicht ein,nal zu seiner Mutter. War sie doch nur etne Erinnerung — wenn auch eine wunderschöne; etu Bild aus Kinderzeiten — wenn auch unvergeßlich; denn zum Greifen deutlich stand sie immer vor ihm, als wäre es erst gestern gewesen, da er rn jenem Dörfchen Has süße Kindergesicht gesehen mit den wundernden Augen und dern Mitleid, der sonderbaren runden Kappe und den goldblonden Locken. In der Schmiede sah er das Ge- sichtchen, in der Steppe, in Blumen; Katinka ging auf Reisen mit ihm, sie wohnte bei ihm in feinem Zimmerchen.
Viel vergaß er, doch niemals sie. . ^ . a /tl
Und dabei wußte er nichts, gar nichts, nicht das Geringste über sie, als daß sie ein süßes Gesichtchen hatte und die schönsten Augen voller Mitleid, die es nur geben konnte auf der Welt, uno daß sie' Katinka hieß und fünfhundert Meilen weit weg irgendwo wohnte an der großen Strage nach Rußland. Den Namen des Dörfchens kannte er rncht.
Die Mütter wartete und wartete lind wunderte sich.
3 .
Puschkin macht den Schmied zum Gouvernementsrat und senoet den Sohn Jlines nach S e l e m s i n s k.
Dann starb Dolgourow, der Gouverneur, und Paschkin
kam. . ,
Dolgourow war ein alter Herr gewiesen, der es über alles geschätzt hatte, möglichst gut zu leben und vor allem gründlich in Ruhe gelassen zu werden. Kein Mann also, der mit starker Hand in die Zügel griff oder Besonderes leistete im neuen Land, und doch einer der Großen des Reichs. Früher hatte er ein hohes Kommando in der Armee innegehabt und die Schwester der Kaiserin geheiratet; als er dann einem jungen General Platz machen mußte, war er zum Gouverneur der Provinz Irkutsk ernannt worveü' (einem Königreich, so groß wie England und Frankreichs zusammen), Und dort hatte er durch fünfzehn Jahre hindurch den milden Autokraten gespielt zu seiner und der Provinz vMliger Zufriedenheit.
>Das war das Regime, das Irkutsk brauchte.
Zu Tausenden strömten die Kolonisten — denn solche
*) Mein Gott!
waren die Verbannten — in das neue Land, verbittert durch erlittene Brutalität, und fanden nun ihrem maßlosen Erstaunen eine offizielle Atmosphäre, weit milder als dccherm in Kleinrußland. Sie waren freier.
Doch die Milde hatte auch ihre Schattenseiten. Der alte Gouverneur ließ die Dinge gar zu sehr laufen wie sie eben wollten, und seine Untergebenen folgten natürlich fernem Beispiel. Man spitzte die Ohren in St. Petersburg; man brummte, wenn auch nrit allem Respekt, der einem Verwandten der Kaiserin gebührte, mrd wurde endlich sehr verstimmt, als die jährlichen Kontributionen der Provrnz an das kaiserliche Schatzamt immer mehr und mehr in Rückstand gerieten, denn des unersättliche St. Petersburg brauchte Gold, viel Gold. Kam dieses Gold nicht, so klapperte es spektakelnd in der Beamtenmaschine, deren einzelne Telle Und Teilchen mit diesem Gold geölt sein wollten . . .
Da starb Dolgourow. Man atmete einigermaßen erleichtert in St. Petersburg, und Paschkin wurde nach Irkutsk gesandt, mit dein strikten Befehl, die Provinz ans den Pfad der Tugend zu peitschen und vor allem für prompteste Zahlung zu sorgen. Wie Paschkin das machen wiirde, das war seine Sache. . ‘
Und der Auftrag war ganz nach fernem Geschmack. Eye er nach Irkutsk kam, hatte Paschkin über dre Kirgisen- Dataren geherrscht und diese Tataren in bemerkenswert kurzer Zeit völlig davou überzeugt, daß es einen richtigen, persönlichen, unzweifelhaften Teufel gebe, was sie auefy vorher geglaubt haben mochten; euren Teufel, der von nun an bei den Tataren Paschkirr 'hieß. Aergerlrche Mütter drohten ihren Rindern mit Paschkin.
„Sei still, oder Paschkin foimrttü" war eine Drohung,, die selbst dem ungezogensten kleinen Beugel Heidenangst eiujagte.
Wenn Männer sich stritten, so wünschte nicht etwa eurer dem andern, der Teufel möge ihn holen, sondern es hieß:
„Hol' dich der Paschkin!"
Eirr bekannter Mann. Der Paschkin, der seine Knuten irr beißender Salzlauge ausbewahrte; jener Paschkin, der nackte Frauen peitschen ließ: jener Paschkirr, der einmal gesagt hatte, ein Durchschnittsmann sei etwa zehnnral weniger wert als ein Pferd; der berühmte Paschkin, dessen harte Fairst Wunder vollbrachte, die anderen Gouvernerrren niemals gelangen.
Daß er trotz aller seiner Brutalitäten irrrmer noch lebte, war ein glänzendes Zerrgnis für seinerr persönlichen Wut Und seine Zähigkeit; kein Mann war mehr bestimmt zu einem plötzlichen gewaltsamen Tod als seine Exzellenz, aber feine Exzellenz lebte immer noch und unterschrieb immer noch Todesurteile, und Rußland zitterte noch inrnrer vor ihm.
(Fortsetzung folgt.)
Rose und Menhahn.
Won Maximilian S t r a ck.
Die Heckenrosen blühen all überall an den Sträuichern, die den Weg des riistigen Wanderers umsäumen, und nnermüdlich schmettern die 'Finken ihr helles „Pink— pink-pink!" ' ,
Es ist ein Sommermorgen voll Sonne und Dasemslust. Hans Robert Markbrnnner, den Rucksack aus dem Rücken, schreitet am festen Wander stabe den Bergpsad hinan, in vollen Zügen dre reme Höherrluft trinkend. An einer Wegbiestnng bleibt er wre gebarmt stehen: Zn seinen Füßen stürzt die Höhe steil ins Tal hrnab, drintten springt der Gebirgsbach weiß schmmcend von Stern zu Stein, daß es Hunderte von Metern M dem Wanderer heranf- schült. Jenseits aber dehnt sich, ein welliges Meer, das Gebirge, und in der Ferne grüßt ihn, alle überragend wie ern chirst die Großen seines Reiches, die majestätische Schneekoppe; fern Künstlerauge umfaßt »entzrrckt das sonnige, farbenfrohe Brld, und er kann nicht anders, er schickt einen klingenden. schmetternden, Jodler zu den Bergen hinüber. . rcc ^ ,
/ Pglx __ pmk —, pink!«" mrtwortet ern Chor von Furken. Ter Wanderer schreitet weiter, rrnd inrnrer noch schmücken die
Heckerrröslein seinerr Weg. , . rr , ,.
Merkwürdig — Rudolf Banrrrbach, dessen leichte annrutrge Lyrik für Hans Robert Markbrnnner seit Jahren ein überwundener Standpunkt gewesen, feiert heute ber ihm eure Art llnserste- hnrrg, und das kleine entzückende Gedicht von der Rose urrd^denr Firrkenhahn rvill ihm derr ganzem Morgen rrrcht aus dem LMN. Wie rvar's doch noch? Der Finkenhahn werbt uni eure blühende Rose, sie weist ihn nasernmpsend ab — \a wenn er ern Goldsaian wäre — aber so!" „Nein, merrr Herr, ich danke! Dre Zert vergeht, das Leben hat die Rose geknickt, rvelk neigt sre ihr früher so schönes Haupt. Ta erinnert b- srür des Frnkenhahns, der sre


