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beim Klarrge dieses wohlbekannten Namens aus — geradeM Aufsehen erregt, als ich es ablehnte, mich am Spiel zu beteiligen. Ich spiele nämlich grurrdsätzlich nicht . . . Auch bei unferm Regiment hat sich übrigens einmal ein betrüblicher Fall infolge der unseligen Spielleidenschaft ereignet . ... Eine Aufklärungspatrouille von fünf Mann setzte sich in ein Gehölz und fing dort, zwanzig Meter vorm Feind, zu Würfeln an. Sie wurde von den Deutschen überrascht; ein Handgemenge entspann sich, und als wir später an die Stelle kamen, fanden, wir nur die Leichen . . . Der Würfelbecher lag rieben ihnen
Der Viscount nickte.
„Unerhört!" murmelte er. „Unerhört!"
Er nahm sich einen Stuhl und rückte näher an Longfvrd. Das nahe Glockenspiel verkündete, daß abermals eine Viertelstunde ins Meer der Ewigkeit gesunken war.
„Sie nannten soeben Lord Southrifses Namen? Kennen Sie den Lord näher?" begann der Oberst nach kurzer Pause das Gespräch wieder.
„Ich bin in seinem Hause abgestiegen," erwiderte Long- ford, froh, sich gleichsam als zur allerersten Gesellschaft gehörig ausweisen zu können.
„Ja, ja," bemerkte der andere ernst, „Ihre Fluchtabenteuer öffiren Ihnen Tür und Dor in diesem Kapua."
Der Diener streckte wieder den Kopf herein und seine Stimme klang roh und kreischend:
„Colonel Viscount Brauch . . . Exzellenz läßt bitten . . .. Zimmer 105!"
Klapp! Die Tür flog wieder ins Schloß.
Der Oberst erhob sich ohne übermäßige Eile.
„Es ist schade, daß wir das Gespräch abbrechen müssen. Ich bitte, es nicht als gesellschaftliche Höflichkcitsform auf- zusassen, wenn ich versichere, daß es mir eine Freude war, Ihre Bekanntschaft zu nrachen. Ich würde Sie gerne auf- fordern, mir demnächst in meinem Heim das Vergnügen zu machen, wenn nicht ein Mißgeschick meine Familie betroffen hätte."
Der Hauptmann verneigte sich und ergpfi, die darge- botene Rechte mit warmem Händedruck.
„Ich habe schon durch Lady Conthriffe von dem enisetz- lichen Unfall Ihrer Frau Gemahlin vernommen und bitte Sie, die Versicherung genehmigen zu wollen, daß ich nicht weniger empört darüber bin wie Sie, Herr Oberst. Ich hoffe aber, daß die Kunst der Aerzte noch das Schlimmste von Ihrem Hause abzuwenden vermag."
Der Viscount senkte traurig das Haupt. Seine Stimme klang bewegt.
„Die Hoffnung ist leider, leider trügerisch." Er raffte sich ans. „Aber° wenn es Sie nicht stört, in ein Hans der Trauer zu kommen, so gehen Sie bitte an meiner Tür nicht vorüber! Ich werde mich ans jeden Fall freuen, wenn Sie mir die Ehre erweisen."
Dann ging er in straffe^ soldatischer Haltung zur Tür hinaus.
ö. Kapitel.
Der Minister.
Der junge Offizier blickte mitleidig hinter Visconti Brauch drein.
Aber er hatte keine Zeit, barmherzigen Gefühlen nach- zuhÄngenp Gedanken an andere mußte er abschüiteln.
Seine eigene Lage beschäftigte ihn wieder.
Er schritt nachdenklich im Zimmer auf und nieder. Bis zu dieser Stunde konnte er mit seiner Sendung wohl zufrieden sein. Ein fast höhnisches Lächeln zuckte um seine Murrdwinkel.
Es ist doch gut, wenn man für sich selber ein wenig Vorsehung spielt.
Mit der Gastfreundschaft des Lords Southriffe und der persönlichen Bekanntschaft des Viscounts Brauch mußte auch dann etwas gewonnen sein, falls wider Erwarten fein Vorhaben hier im Kriegsamt scheitern sollte.
Auch der Journalist und halbverrückte Dichter Atterley konnte ihm unter Umständen nützen.
Er setzte sich aufs Sofa, sein schmerzendes Bein vorsichtig aus streckend.
Es war wirklich alles nach Wunsch gegangen, ja besser noch, als er sich's hätte wünschen können^ Er wollte diesen Auftakt für eine günstige Vorbedeutung nehmen.
Unwillkürlich fiel ihm da die geheimnisvolle Warnung
Atterleys wieder ein: „Setzen Sie sich nie mit Lord Southriffe an den Spieltisch und lassen Sie sich nie, nie, nie von Lady Edith die Wohnung zeigen!" Zu lächerlich! Und diese urdrollige Zusammenstellung! Er mußte doch einmal in den „Literature Klub" gehen und den Journali-ten zum Reden bringen, was er mit der sonderbaren Rätselwarnung gemeint . . . Wollte ihn Lord Southriffe wirklich für seine politischen Zwecke ansnützen -und dachte er in der Tat, ihn durch den Spieltisch beeinflussen M können? . . . Unverständlich! . . . Immerhin glaubte er, sich entsinnen zu können, daß der Zeitnngswnig gestern abend im Klub seine Enttäuschung schwer verbarg, als er erklärte, er spiele grundsätzlich nicht . . . llitb Lady Edith? . . . Offenbar war doch von ihr die ganze Einladung ansgegangen. Er war der Held des Tages . . . warum sollte sie, die verwöhnte Tochter des Lords Southriffe, es sich nicht leisten können, den Helden für ein paar Stunden allein mit Beschlag zu belegen? Die Damen der Londoner vornehmen Kreise hatten oft noch wunderlichere Einfälle. . . Hatten sie nicht einmal Mnen Närinnenklub gegründet, wo nur diejenige Aufnahme fand, die mindestens durch eine Narrheit Aufsehen erregt hatte? . . . Ediths stark sinnliche Natur mochte es vielleicht umschmeicheln, mit ihm, den die Zeitungen zu einem abenteuerreichen modernen Odysseus gestempelt hatten, an einem Tische zu sitzen und zu plaudern. Warum sollte sie sich eine so harmlose Tändelei versagen? Und er? Warum nicht gar?! Wenn man ein Jahr lang wie ein Mönch gelebt und als einziges weibliches Wesen eine obenl- drein schon etwas angejahrte Krankenschwester zu Gesicht bekommen hat, dann wird man doch nicht an einer seltenen Frucht achtlos Vorbeigehen?! ... Er sollte sich nicht die Wohnung zeigen lassen? Verrückt! Dieser junge Dichter war eben wirklich ein bißchen überspannt wie alle Dichter. Vielleicht hatte Edith recht mit ihrem Hohn: Er kopierte Oskar Wilde . . . Nun, er wollte ihm schon auf den Zahn suhlen, was es mit dem Hanse Southriffe für eine Bewand- nis habe.
Das Glockenspiel unterbrach seine Gedanken. 3/*12 Uhr.
. Nun wartete er bereits über eine Stunde. Es war frag- lich, ob ihn der Minister überhaupt heute noch empfangen werde.
Seine Züge strafften sich wieder. Wie töricht, hier im Wartezimmer des Kriegsamtes sich mit so kindlichen Unwichtigkeiten zu beschäftigen! Was kümmerten ihn die Geheimnisse des Hauses Southriffe und seine Beziehungen zu James Atterley? Er mußte sich doch jetzt ernstlich überlegen, wie er überhaupt dem Minister vor Augen treten solle. Was trollte er denn alles zu seinen Gunsten Vordringen? Ob man den Kanadier Longsord so gerne in den Stab des Londoner Kriegsamtes aufnahm? ... Er mußte möglichst knapp und möglichst scharftreffend sein Gesuch begründen. Das klügste wäre tvohl — dummes Zeug! Cr war doch kein Schuljunge, der fünf Ddinnten vor Unterrichtsbegiim seine Hausaufgabe auswendig lernte. Das Auswendiger neu hatte seine Schatten-eitert. Es konnte irgendein unvorhergesehene Zufall eintreten und darrn war das großartigste Konzept verdorben. Nein, man milßte sich auf den Augerr- bli'ck! urrd seine Eingebung verlassen. Er würde schon das rechte Wort finden,
Urtd seine Gedanken bekamen Flügel und wanderten zu Lady Ediths schönen Händen. Jmniersort hatte er diese wunderfeiuen Gebilde verfolgt. Gestern abend beim Diner hätte er sich beinahe ein zweites Mal Verräter: und diesmal obendrein vor der: Gästen. Ein zwingender Zauber ging von diesen Frauenhänüen aus. Er saß zur Rechten der Lady und schorr hatte er sich abermals über die weißen Finger mit lech zerr de rrr Munde gebeugt; da riß er sich selbst ungestüm zurück Und sagte, als ob nichts geschehen wäre:
„Welch seltsamen Schtangenring Sie hier am Finger tragen, Mylady!"
Und niemand unter den Gästen, selbst Lord Southriffe nicht, ahnte, welche Torheit diese harmlosen Worte bemäntelten.
Nur aus Ladys NixaUgen traf ihn ein forschender Strahl und es erweckte in ihm ein vrickelndes Gefühl, da»ß sie und ihn rum sozusagen vor all den Gästen ein Go- heimnis verband.
Sonst aber war die Mahlzeit rum Sterben langweilig. Jeder der Herren gab seine politischen Anschauungen #imt! besten und die Damen ließen sich brs mm Erbrechen seine Geschichte erzählen; dabei sahen sie ihn lüstern an, etwa


