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Gesalng an «men Baarm sMvrde-n, iurf> inert ruft der HvchtzettF-^ reimerr „Hule, Hule, wir enthapten den. schivarzerr Hahn unseres Knechtes, des Hahnes Martim mit seinem Wüte besiegeln wir Md iveihen wir diesen Wmidl." Sa Mt deirn. der heilige Martin auch vils Gchutzpatvon des Geflügels und insonderheit der Gänse, obwohl diese eigentlich wenig Grund Hütten, eineir Heiliaen als solchen wr-uerkenneu, dessen Gedanktag so vielen von ihnen den Tod bringt. Auf den mit der alten Wotansverehrung verbundenen Pferdekult geht wohl auch die pfälzische Sitte zurück, am Martinstage die Pferde dreimal um eine Martinskapelle zu führen und sie vom Priester segnen zu lassen
Ebenso weisen die Martinsseuer, die am Rhein an Martini, jabyebrannt werden, auf die alten Erntedankfeste zurück, und gleicher, weise auch die Trinkgelage, welche frtiher an diesem Tage der- vnsbaltet wurden.
Seit alters her ist, Martini auch Zinstag. Aus dem Ober wallis wird darüber eine hübsch? Sage erzählt: „Jn'Bisp lebte vor 1222 «uf der ^übschsburg bei der Buvgerkircbe die Grästn Blaudrati. In den: Turm ihrer Burg hing eine Glocke aus lauter Silber. So weit ihr Heller Schall gehört wurde, muhten die Bewohner der Urugebung einen Tribut enttichten. Tie Bewohner von Eggen, eine halbe Stunde oberhalb Eggerberg, waren verpflichtet, jährlich &/u Martini eine schüvarze Kuh mit roteu^Ohreu und eine rote Kuh mit schwarzen Ohren nach Bisp in die Hübschburg abzuliefern. Tas gab imn alle Jahre ein peinliches Suchen, und zuletzt ivar eine solche Kuh gar nicht inehr auszubringen. Tie Gräfin aber bestand auf ihrein verineiutlichen Rechte. Tas verdroß die Eggener, wnd sie beschlossen, ihre Häuser nisderzu reißen uird sie hinter der Ecke weit hinten gegen das Baltschieidertal wieder aufzubauen. Tort, abgeschieden von der Welt, iourde das silberne Möcklein nicht niehr gehört, ja, nicht einmal die große Glocke von Msp. Tie Gräfin mochte Nun die Silberglocke läuten, so lauge sie wollte, Leine Kuh wunderte mehr vo-n Eggen in Pie Hübschbnrg." (Fr. Logger.) — Tie Solothurner Mordnacht (1Z82), welche glücklicheriveise durch einen getreuen Bürger verraten wurde, fiel just auf den St. Mar- tiustag. Zum ewigen Gedenken an diese Begebenheü beschloß der Rat der Stadt, an jedem Marttnstage ans dem Zehntkorn Mecken zin backen mid sie an die Bürger zu verteilen.
St. Martin iß auch Schutzpatron der Städte Mainz und Würzburg.
Auch als Wetterprophezeiuug wird im Volte der Martinstag herangezogen. „Weun's vor Martini gfrürt, daß's Js e Gans treit so isch der Winter verfröre", beißt's im Solothurnischen, und „Scweit's vor Martini i'lber de Rhr, so ischder halb Winter vorbi" im Kanton Zürich. — „Bringt Merheitigen einen Winter, so bringt Martini einen Donnner." — „An Martini Sonnenschein tritt ein 'kalter Winter ein." — Oder, ähnlich nne im Solothurni- s!ck>en: „,,Wenn um Marti tri die Gäuse am dem Eise gehen, so müssen sre oft um Weihnachten in denk Kote stehe-i." — Kommt St. Martini mit Wintertält', ist's gut, ioenn bald Schnee einfällt; man hat ihn lieber dürr als naß, so hält sich's auch mit Andreas " “ „Wenn um Mcartini Nebel sind, so wird der Winter ineift geliud;
Martini aber weißen Bart, dann wird der Muter lang und
Vas tödliche Lachen.
Tagebit chblätter eines Krankenpflegers Bon Martin R v e h l.
'Nachdruck verboten.)
Sie sollen nicht immer sagen, daß ich int Fieber getvesen bin Wno Tut ge gesehen habe, die es ni# gibt. Sie glauben das ia selbst nrcht und wollen tu*4 nur beruhigen. Aber ich bin ganz rubig trotzdern cs mit meinen Nerven liiert gut.bestellt ist, und schließlich glaube rch, der rch ein leidlich gebildeter Mensch zu »ein glaube' dmb nicht an Aberglauben und wilden Spuk. Ich mill mir aber doch auszcichneu, was -sich in der letzten Nacht begab, weil selbst m dieser Zert des Grauens' etlvas seltsam Scheinendes darin liegt wie, wenn Borhange vor großen Rätseln sich dunkel bewegen — VIm bOTte^cn Avend Fab es in unserm .Seuckmilazarett ,m- gewöhulrch mcl zu tun In langer Reihe hielten die kleinen Panie- wagen ans dem sumpfigen Platz vor der Einfahrt. Sie brachten Ruhrkrante, ia,t dttrchivcg gefangene Russen. Wir luden sie ab ttitd trug«! sie vorsichtig 'hinauf in den Saal, wilde, elende Gestalten Plötzlich taucht un ungewissen Licht der Hoslaterne ein alter geblick- 1er Jude ouf; .ein schinteriger Mftan schlotterte und lochte im feuchten Wutd um ferne dürftige,l Glieder-. Er hielt einen Kasten mit Aemen Waren am Tragband und fingerte zitternd darin herum ^edesmal oben wenn .etir kranker Russe vorübergetragen wurde ah er aus, und sem Weltes Gesrcht das plötzlich uralt schien, straffte s«h *u entern unbeschreiblichen 'Ausdruck von Gier, Freude und immerhin erhabeneur Hohn. .Sein spärlicher Ziegenbart erschien wie angellebt. Als der letzte Kranke hereingetragen ivar, wollte er mit rns Haus schlüpfen, aber der Sanitätsunterofsizter fuhr ihn au, ob er srch denn dte ckraitkheit holen wolle, er solle machen
* von) Vvf komme Ta ging er denn. '>lber. als er ebcn iul Tuckkel Verrchvand, dunkle es mich, d,iß er sich aufrichtete und viel größer wurde als vorher. Ich vergaß das alles bald, als es di acht ttnurde, und uh iut kleinen ooo( die Mache bekam. Turin lagen neun
schwersranke Kosaken, und ich hatte bald vollauf zu tun, betui sie fieberten alle und nwllten mit Gewalt fort, toenn sie sich ntcht ge- «da an unvendigem Feuer krümmten. Tie Luft war sehr schlecht, und die morschen Fenster durfte mail nicht zu öffnen wagen.
Eben hatte ich einen riesigen Sergeanten mit vieler Anstrengung wieder ins Bett gebracht und Nlich totmiide auf einen Stuhl gesetzt, als es au der Tür schleifte und schlurrte, itnd als ich mich nmsah, lani der alte Jude langsain herein. Ich war so überwacht, daß rch ruhig sitzen blieb und ihn anstarrte. Ter Alte hatte den Kasteii nicht mehr. Er griff mit den langen Fingern iir die Luft und murmelte unverständliche Worte in deii zitternden Bart. Darm trat er ori bie Betten heran und fing laut und rmme'r lauter in seltsamem Ton zu singen an, während er bisiveilen forschende Blicke auf die Kraiiten ivars. Zuerst! hatten sie ihn nicht alle beachtet, nnn aber richteten sie sich aus und saheti ihn an, mit einem Ausdruck sannngslosen Grausens, daß es selbst itiir, der ich doch manclZeK gesehen habe, schtreidend durchs .Herz ging. Und da, als er noch .me dürren Hände ausftreckend mrd mit unsagbarem Hohn sich autrichtend, raffte ich mich auf und rief ihn an. Er aber recke» sich, Lippen, Augen,'Bart schienen zir schmelzen vor einer inneren Glut, und er lachte laut, daß es tvie ein wildes Surreu die Wände entlang fuhr.
Ta bin ich zuruckgetaumell und ioeiß nichts mehr Dw Schtvefter von nebenan erzählte, sie habe ein Stöhnen und ballen gehört, |ei herertrgekommen und habe mich ant Boden liegend gesunden. Bon dem Alten, hat niemand sonst etwas gesehen.
* Die neun Kv-saken aber wareir am Morgen tot.
Ihren Blick jedoch, diesen stieren, jammervollen Blick werde r* CL m ß} vergessen. ■ — Dämmerte diesen stumpfen Hirnen grauen- hast ^beladene Erinnerung und namenlose SckMd?
- es sich mit diesen Zusammenhängen verhallen, wie
es will, für mich liegt etwas Rätselhaftes darin ;tnd eine Erniedrigung des MenschenwefenA, die grauen macht
Vermischtes.
^ Mardipää oder Martiinsfest bei den Esten AuS der Zeit meines estlündischen Aufenthaltes, so schreibt uns ein Mll- arbeiter, erinnere ich mich einer eigenartigen BBartinsferer' die Mtter Mardipää bekatrnt ist und das estnisch? Volk wie bei einem arotzen Volksfest belustigt Am Mend des 1.0. November maS. fterett sich Männer, Frauen imd Kinder wie bei uns zu Fastnacht.
Fn oft smuvoll und witzig zufammengestellten Gruppen ziehen sie dnr.chS Wädtchien vor die Türen ihrer Bckanntnr. Dort sagen sie ecn ^prüchlem aiif, das oft eine humorvolle Anzüglichkeit aus "bai Haus hei m oder die Hansfran bedeutet, um dafür mit AepfÄn Niisssn und Leckereren!oder arrch mit kleiner Dtttnze beschenkt zu werden. Eine Wiederhol,mg fürdet vierzehn Tage später, am Katha- ^ rMontage, statt, nur ist ntan dann in der Maskierung einfacher Auf dein Lande feiern nameuttich die estnischen Dienstboten ihren Brardr- pää mit Schmaus uird Btaskerade. Tie Herrschaft bewilligt ihnen an drefem Tage besondere Freiheiten. Tie Atostterten ziehen auch am die Nachbardörser zu den Bauern, die das lustige VtarlinKvölk» chen bereits erlvarteu. Ter Bauer sitzt rein.gebürstet auf der Ofen, batik, die Bäuerin im Kreise der zappelnden Kinderschar wartet in weiß gesteifter Haube an den Feirstern. Mit Klingelzeichen nähern sich die Martittsletltchen. Ter erste -unter ihnen sckar rt vor der Tür nach singt dimckf ldie Türspalle sein Verslein:
„Lasset eilt bic Btartinsbettlei,
Kälte rötet ihre 9?ägel,
>llill erstarren ihre Hände,
^ Lasset ein die Martinsbettler."
Ter erste Haufen darf eintreten, um mir Speise und Kvkja, das ist Tüimbier, betvirtet zu werden Darauf tritt Väter Martin mit Frau itnd Kurdern ins Zimmer. Er l-at sich den umgekehrten
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<ut Mett Getreide, Rcehl, Zucker oder Wolle b^ schenkt, zieht die Schrr eichltch ab, mu anderen Orts den Sl>aß zu iviederholen Hiev, bei smgen sie ein Lied:
..Wir danken d<-r Gesiudemntter,
Wir danken dem Gesrud.vater,
Wir lvünschen ihnen alles Gute.
Große Herden, reiche Felder,
Langes Linnen, dichte Wolle.
An die jkrippe einen Hengst Und der Kuh die beste Weide/'
Ihre Beute ist meist so ilppig, daß sie geiiieimam drei Togo jubelnd davon zehren können.
* War Goe t he ein Fr a u e tl k e n n e r'? Ti.- scheint eine Frage zu sein, deren Antivvrt als seN'stverstäitdttck gegeben ist Na tiirha) war Goethe ein Frauenkenner! Mer da gibt es doch Mancherlei, ivas dagegen spricht. Es ist bezeichnend,' daß Goethe Mst laesteht, «rns Lotte Buff, deren künstlerisches Bild er mit aller iiut» erschaltternber Wahrheit gezeichnet hat, mcnrals „acht gehabt zu haben' — btrzu habe er sie zu sehr geliebt. Tsiß er sick, dmm m dett AlterSjahveii Ottilie von Poauäsch sur Schtviegertockttr 'va.I-lte, schnitt doch ernen mcrflvürdigen Mangel an psvchologisäiem


