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LümaniLAsbriefen Luther-Worte Wimmelte, verlieh dem Empfmden ferner Zeit Ausdruck in dem herrlichen Gedicht:

Mächtiger Eichbaum

deutschen Stammes! Gottes Kraft!

Droben im Wipfel braust Per Sturm?.

Du stehst mit Hunde rtbogigen Armen Ten: Lturm eittgegei: m:d grünst!

Der Slturm braust fort? Es liegen da,

Ter dürren Arme Aeste

Zehn darniedergesaust: Tu Eichbaum stehst.

Bist Luther!

Ms den deutscheir Sturm-, und Trang-Menschein hat ihn Jvh. H. Voss gesehen, der im Feuerätem der Sonne daherfährt: st' braust sein Geist durch GoethesGötz". Als der: Zerbrecher frem­der Ketten, den deutschen National Heros feiern ihn Schiller und! Goethe und ebenso die Tichlter der Freiheitskriege, ein Eriist Moritz Arridt und Körner. Ties war die Tonart, in der man das dritte ReformativusjubilästM: stierte. Taanals wollte Goethe, durch Luthers Beispiel aufgernfeu,giottgegebene Kraft nicht ungenützt verlieren Und in Kunst und Wissenschaft wie immer protestieren.", und ein Nachtwächter-Lied auf das Jal>r 1817 singt:

Dort, ihr Herrn, und lasst euch sagen,

Ter Geist ist nicht mehr in Fesseln geschlagen. Gedenket au Luther, den Ehrenmann,

Ter solche Freiheit euch wiedergewann.

Bewahret das Lickst, der Wahrheit Licht,

Bnoahret das Feuer, entweihet es nicht."

Solche Warnrufe, wie sie auch Uhland 1617 in seinem schonen GedichtTie Uln:e zu Hirsau" anstimmte, toaren in dieser Zeit der beginnenden Reaktion sehr am Platze. Tie Romantik hatte unterdessen ein ganz anderes Lnther-Bild ersck-afferr und von der Bühne aus einen: grosten Publikum gezeigt. 1807 loar Zacharias Werners DramaMartin Luther oder die Weihe der Kraft" erschienen. Tiefer sinnlich-übersinnliche Gottsucher, der nicht lange dmmch zim: Katholizismus übertrat und in derWeihe der lln- trast" sein Lutherdrama widerrief, hatte die Gestalt des Reformators in ganz unprotestantti schein Geiste geseheir. Wohl schildert er m theatralisch-prachtvollen Bildern das Empor steigen des Bergmanns

holturs zu Katharina von Bora gebreitet. Die üppige Phantasie, die ein star'kes Bühnenwerk gestaltet, verschwimmt in romantilck-e Phantasterei und verzerrt das Lnther-Bild zu einer unwirklich- däülonischen Gestalt, die dann An g n st Kl in g e m a u n in einem ebenfalls erfolgreichen Theaterstück noch gröber ausgestaltete. Tiefer romantische Luther musste erst wieder dar Wirklichkeit erobert werden, mit) dies geschah in der Biedermeierzeit in ausgiebigem Maste. In zahlreichen Gedichkstzy'llen und Romanen wird Lutber als der Mite Familienvater geschildert, so in dem an aneDotischen Zügen reichen GedichtbuchLuther und seine Zeit" von Hagen- bach, in Ludwig BechsteinsLuther" mit seinen prächtigen Versen, <m die sich die anderer: Luther-Dichcheir des ' derrtscheiy Hauses, Gvtthold Knapp, Jmlins Sturm, Gerck usw. an- 'sckchesten. Hatte Kleist in seinen:Michael Kohlhaas" ein ge- ichchtliches Lnther-Bild geboten, To wird es in zahlreichen anderen Erzählungen, auch in Gustav FreytagSMarkus König" durgerkchsentimental ausgeputzt. Und ebenso in den bekannter: Festsprelen von 1883, von denen die vor: Otto Devrient rmd Hans Herrig die volkstümlichster: wurden. Ten schönster: dichteri­schen Vertrag zuin Lnther-JEläum von 1883 hat Eonrad F Meyer m seinemLuther-Lied" gegebe?:. Tie reichere geschichtliche Anschauung unserer Tage atrueu die Dramen von Adolf Bar tel s und Frch Li en hard. Ter Dickster aber, der den ganzen Luther ledig macht", soll er,t noch kommen. Möge das 4. Refvrmattons- Jubilänni ihn rins scheriLen!

vor hundert Jahren.

= 0 - dein benachbarten Grosten-Ligrdei: schreibt man uns-

Tie Deformationsseier 1817, beschrieb der damalige erste' Pfarrer, Pastor Ehrst l ran August vofsmam: in einer kleinen Truck- fd:virt, die durch den bewahrender: Charakter des Baliwuhaus.-s heute nock, vereinzelt vmHänden.ist. Am Borabeird, Donnerstag,

30. Oktober, wurde die Feier mit allen Glocken eingeläutet. Am

31. Oktober fand unter dem Geläute aller Glocken und gemein-, samem Ge,ang e:n grosser Umzug stattdurch die ganze Stadt, die Untergas,e b^ zur Grcster Pforte hinauf, und vor: da die Obergas,e herab dirrch das gvose Ahor des Kirchhofes nach der Kirckre/1 Gew:>; hatte bis dahrn ein so zahlreicher und gesammter Kirckien- gang noch nie :n Grosen'linder: statt gehabt. Wle-s lxrtte sich angesck;lo,ser:,^ohne Unterschied des Geschlechtes, ohne Unterschied de.' Alters, selbst der bejahrteste Manrr von Grosenli-nden chu

^ la !> rm (RntUckst)ffie> Jost Besf) rnrd seinen Jrchelftste vor allen am nächsten, war

\ mb ernstrmmerrd in den Gesang an memcr Lecke vorr Anfänge bis zu Elche mitgezogen." Nachmittags predrgte der zwecke Pfarrer, %iaam Duell.In feierlicher.W

Tag hm, welcher blos der geistigen Betrachtung ur:d der Belebung guter Entschlüsse gewidmet blieb, die das NachidenVen über dre Feier des Jubelfestes rmd der Genuß, des yeiliger: Abendmahls erzeigt Hacker." Samstag, 1. November, wrm- oeu :m GottesdienstSchüler und Schülerinnen vor dem LÜtare verjammelt und denselben Frager: vorgelegt, welche von dem gropen Lherle so treffend als freimüthig bearltwortet wurden. Zwanzig Kruder, welche sich seither durch Fleis rmd sittliches Betragen vorterlhaft ausgezeichnet hatten, erhielten nach geendeter Prüfung kleine, dem Zwekke angeme,sene Prämie!: als Zeichen der ^usriedenheck der Lehrer." Nach dem Gottesdienst wurde;: vor der Zkrrche auf^dem Kirchhofe eine Eiche unb eine Lirwe gepflanzt, aua- als Lrumbilder der Stifter nuferer evangelischen Kirche:

..feste Eiche, welche keil: Sturm bangt und hier auf der höchsten Stelle Pranger: folf, das Bild des kräftigen, in seinem M ut he und rn seiner LLusdaucr unerschütterlick-en Luthers: ore Lrnüe mtt ihrem milden Schatten und ihrem weichen Holze, aber darum nrast minder wohltätig rmd dauerrrd, dort an der ne seren Lteile aepilanzt, das .Bild des sarrften, besonnene?: nndi oejcherdenen Freundes und Gehülsen von Luther, Melanchthons." i .ch^rte, welche ich zu der zahlreichen auf den Gräbern

^ ec r Dorelterr: vereinten Menge über den Zweck rmd Sinn der beabsrchagten Pflanzung redete, wurden mit den augenscheinlichsten Beweisen von Tbeilnahme n'.rd Rührrmg angehört. Es war viel- leiast der feierlichste Augenblick des ganzerr Festes." Anschließend Wurde dre ^zugeudauf das nahe Rathaus geleitet, >oo sie mit Lchreibpaprer beschenkt rmd mit Weisbrod und Wein, welchen .^oht dre meisten hier zum ersten male gerwsseu, erquickt. Tanz und gesellige Freude, welche aber in derr Gränzen würdiger wiaslgung blreü, beendigten das sckchne Fest."

In dem Filialort Klernlinden wurde die Feier in umgekehrter Reihenfolge gehalten. Der 31. Oktober wckk der geselligen Freude gelvrdmet. Am ch. November, mittag's 2 Uhr,zog ich mit der Gemeinde rmd Lchuhugend <rns dein Schulhanse (unter Gesang) nach dem grosen frcren Ptazze in der Mitte des Ortes, wo dessen: vier Ltrasen wne L-trahlen eines Kreises zusammen laufen, und wo dre Gemeinde .an Sonittagekn oder in Feierstunden sich zu versammeln pflegt", zur Pslauzrmg einer Lilide,die t?on da fast aus jedem Hanse wahrgenonmien werden kann." Darauf war Krrche Prüsnrig der Schüljligend, 9 Prämien wurden verteilt und anschliessend wurden in der Schicke die Kirrder, ^ ^ Gvosten-Lindcu, sänttlich beschickt rmd gelabt. Sonntag °^ ,l ( t ^ inx ^ eigentliche kirckstiche Feier init Abmd-

mahl. , - Bemerken sioerth ist es, das; ich, nach einer mehr als Jal/res prngen Unterbrechung des Gottesdienstes, die dirrch eine Irrung m der G-emeinde veranlaßt wurde, welche lMlrmehr zrin: Kirch­gänge nach der Rdntterkirche höchsten Orts angewiesen worden war, an diesem den Wunsch der Gemeinde Kleirrlinden erfüllte, ihr smederrttn die Halttmg eines eigeiren Gottesdienstes' zu ver- wuUgen: cm Umstand, der die festliche Freude um ein Gwses steigerte."

Grossen-Linden 350 im Jahre 1617, */0 l ; § ^0^ i. x5> 1817.Nach diesem Maasstabe kann die

Geniemde bis zum nächsten Jübilänur wohl auf 1300 Leelen ^ ZvlkSzählnng von 1910 hatte die Gemeind« über 2000 Eruwohner. Kleiuliuden hatte 1717 an EiuNDhiien: 206. Gegenwärtig, beläuft sich die Loelenzahl von Kleiuliuden auf 312, ubertrrM also die von 1717 um ich. Bis zum vierten ^ubelfeste, 1917, tonnte sie Wohl die Zahl von 450470 er- reichen. ^:e BoWzählrmg von 1910 aber fand iiber 1800 Em- wohner.

Wie viele sind vor zehr: Jahren (1807) als Kinder ein Raub der nun verdrängten Pokken, wie viele vor 3 und 4 Jahr«: ekii Opfer der. damals herrschende;: Scmhe geioorden, nick) tvie mancher Vater hat der Rückkehr feiner Söhne vom Kriegsschaw plazze vergeblrch geharrt!"Tie Drangsale von 1813 und 1814 wo fremde Knegsheere die. Stadt und Gegend Heini suchten, die Vichseilche herrichte, und das grauenvolle Nervenfieber bm meisten r^wrlwn dahrer zu' Klcinlindel: tiefe Wunden schlug, sind

uns allen nock) fusch :m Gedächtlcksse. Zu den Zeiten der Noch mochte wohl auch gegeluvärttges Jahr des Hungers gezählt loerdeu müssen, woran daS Achtel Kvrn, welches bis dahin nach einem -zehnjährigen ^Durchschnitt etwa 8 fl. gekostet lxrtte, vor der Enrdte l Cl \ lrnü> auch jetzt, nach der Errrdte,

noch 18 fl galt. Welch ein auffallender Unterstchnd, wewt man damit d:e vor 100 Jahren übliche Preise tvrgleickst! Nach zehlv- jghrigem Durchschnittspreise galt nünklick) das Kon: am Anfänge eeo vorigen Läenlums pr 2 fl. 48 kr. Vielleicht ivird unfern .ram.ommcn. rn 100 Jahren der g»geiiwärti<je ims unerhörte Pr.^Nickst :n Verwrmderimg sez-z«:." Und in der Tat, wir von 131/ haben, wenn auch nicht bein: Kri^jsbvot, so dock> auf andeum Gebieten, Preise erlebt, die ims nicht so leicht mehr in Verwunde- rimg geraten lasseii.

Das schöne Fest von 1817 konnte gefeiert werden, nachdem die Liegestmdeu von 1815 sthon Wurzel gefasst lxitwir Wir feiern unser Fest in einern der grössten Kriege :uid Wirtschaft^ rncge. Möchten bald die .Gruben für imsere Siegeslmden aus« gehoben wcrd«:!