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4 Uhr des Morgen- mrf und nahm für LeiureS Geld bei gukn Stoiliencni und Spaniern Spracknutterricht. Er warf sich utcfK an geringe Weiblich'nt meg unb heiratete in Weintar ein herrliches Mädchen ans guter Ftmilie. Ter SchN'ieger vater, auch ein Goldschmied, chrtte schon lange in>r, nach Frankfurt am Main überzu- {iebeln und dorr ein noch nie dage-vesoues Gold- und Juwelen- geschäft zu gründen. Er sah sofort, was in Josef Winter steckte, Und gab den fmrgen Leutchen, die jimgtoll ineiuander verliebt, waren, seinen Segen. — Damals p.'rrscküou in^der guten alben Reichsstadt noch recht retrograde Verhältnisse. Statt Freizügig- Yeit, die neues Leben anzog, ^rr Beschränktheit mrd Zunftzwang. Wer GoÜmxrren einzeln verkaufte, durfte auf der Zeit einen teuren Laderr. anftnack>en. Wer aber zwölf Armbänder aus einmal los- Norden, demnach Grossist: werden tvvllte, der durste nur in oberer Etage, also d-en fremden Spaziergängern, den besten Kan fern unsichtbar, seinen Stenerbeitrag erwarben, llnd der tvar da in als recht gering. Tie erbgesessenen Goldhändler rmn strengten gegeir die neuen Ansiedler Pvogesse an. wann sie einmal die kinDisch fleinlic&m Vorschriften iwertraten, und machten Joses Winter, seinem Schnüeaervater und dessen Tochter, die wacker im Geschäfte mitarbeitete, Bücher führte, Kimden bediente, das junge und alte Leben weidlich sauer. Aber sie ließen sich das nicht aineä)>ten, liebten sich, und das junge Paar bekam schöne, wohlgeratene Kinder.
So verstrich nun die Zeit. Joses Winter war jetzt Besitzer eines Welthauses. Er und seine Skschwister, ein geschlossen, die er zu sich genommen und zu etwas gemacht, standen der Zentrale und gleichwertigen Filialen in London, Paris, St. PeteEdurg vor; Summen wurden verdient, auch durch leicht gewährte Kredite an ZnTeiftlhrftc, durch verschwrmdene Wertsendungen verloren, aber dm Umsatz und Gewinn war ein riesiger, und Verluste kamen gar nicht in Betrackft. Hanau, Pforzheim besaßen kleine Gesagte, die alle für Josef Winter arbeiteten; er itwr wie einmal später Krupp, zog alles iu Bereich und Abhängä.Mt, beschäftigte ein, Heer von Arbeitern, die ihn teils kaum kannten, terls verehrten wtd liebten, und die Chefs tarnen des Sanrstags in das .Hauptgeschäft, Fertiges abzickiesern, das geprüft und sofort bezahlt wurde. Edelsteine, die Winter zu den zu stellenden Meisterwerken fteferte, wurden anvertraut und gewogen. Das Nachwiegen in der Fassung war nicht möglich, auch da kamen Unregelmäßigkeiten vor, die aber bei dem großen Betrieb nicht ins Gewicht sielen, gar nicht' Ku votttro liieren waren. Josef Winter prosperierte, und seine Sühne wuchsen heran. Ter Eine zeigte schon srüh Dichtertalent, Lust dazu, es rruSAubilden, und bezog nach lahrelangem, oft hartem Kampfe mit dem edlen, aber mit Recht aufs Reale bedachten Bat»r, die Universitäten Göttinaen, Tübingen, Heidelberg, Zürich, prvmo- vierte leicht und spieleiw, ober ernst lerueub und ürebrnd, zum Doktor. Da mochte er vom „Geschäft" nich-S mehr wissen.
Ferdinand UnL tour auch einer der Männer, die ein selbständiges Fnbrikchen ousgerichtet hatten. Auch er lieferte Sam-ta-S setzte Lüare als kleiner Fluß in das große Wckthausmser, aber er mochte tun und treiben, was ec wollte, seine Sachen Hie&mt immer minderwertig und schtververkäuflich. Ein Unstern mrd Ungeschmack waltete über ihnen. Unke war ein grmrdgütiger Kerl, aber ein Leichtfuß. Er spielte alle möglichen Jnstrum-NIe, war nebenbei Musik- und Tanzlehrer in Kesselstadt, wohin einige Groß- Herren auch ihre Söhne in die -Lehre taten. Er vermittelte so ggnz jungen Haussöhnchen die erster Lebensgenüsse. Er arrangierte Tanzstunden, Tanzkränzchen, da wurden ersre, naive, unschuldige kindhaste Liebes vom an cheir gesponnen, die ersten Liebesseufzer geseufzt, die ersten Liebestränen vergossen. Später dachte man nüt Wehmut und Freude an diese Wonnen und Leiden. Auch Albert, der Tichtersohn Josef Winters, hatte dort eine Zeit tNirrrend, seilend, tanzend verlädt, und es ivar nicht seine beklag teste Lebens- epoche. Jagend hilft über alles himveg; über Kampf zwischen Real und Ideal, Geschäft mtd Dichtkunst!
Lluch Ferdinand Unke, etwa zehn Jahre nun in die Abhängigkeit von Winter getreten., hchte einen Sohn Fritz, etwas jünger als Albert, zu dem dieser Fritz in Bewundermtg aufsah. Tenn um 'diese Zeit erschienen die crsteir Gedichte Albert Winters irr den Beiblättern dm vaterländisckien, städtischen Zeitungen. Schon formschön und ideenreich, von einer gewissen Originalität, ob», wohl Rassische Muster, hauptsächlich Hellenen und Römer, aus ihnen lugten mrd sprachen. Und der nun schon bejahrte Josef Winter und sein Geschäft waren es ja eigentlich, die dem jungen Fritz Unke zu einer eigentlichen, zu tziner höherer Ausbildung nachhalsen. Tenn (wenn man den wackeren Alten nicht seinen Schund «xuand-meme abgenommen und zu verlustreichen Preisen en gros an geschmacklose Canadier, Neuseeländer rnrd andere Pseudo-Briten verlaust hätte, wo würde Tanzmeister Papa Unke den Draht für Fritz mrd den zweiten Söhn Max hecgenommen haben? Außer^ dem fiaub Albert Winter bei diesem Max noch! Pate, und eben! dieser Max wurde, stets durch dieselben Mittel, später ein ganz berühmter Spezialist der vieler Leidenden .nicht immer in eint besseres Jenseits, sondern meistens zu einenr leidlich .geflickten Leben' irachhalf. — Teils durch eigene Begabung, teils auch sehr ongefeu-ert und gespornt durch das leuchtend« Vorbild Elfter ts, nmrde aber auch Fritz Unke Dichter. Während Mberr Idealist blieb, zog Fritz das Praktische vor. Er wurde Journalist, dichtete
ein aufgesu brckes Märchenspiel und geriet wie Schmock Gustav Freitags in die RedaktionssA-ben. Dort wird man, während der Lyriker sich- quält, leicht eine Miachc, und die ließ nach und nach Fritz seinen -Anstifter zur ErMmntnNg des .Parnasfos. wo er sonnte, empftudöir. Bald Ma&tgte er jenen durch eilte fördernde An-ckae und Kritik, bat ihn Mn einen Essay über einen vorsborbe- tffli Poeten, hem wieder Albert.Winter uachgestvebt — bald wies er ihn ab und tötete ihn drrrch Stillschweigen, als der Sohn des Großhändlers einen anfsckherrervegenüen Novellen Zyklus l?eraushab. Einmal glaubte spritz sich irriiserwmse von Albert znrückgesetzt, spieÜe den Beleidr^en, obwohl der Anlaß einen graften Geist nie berlthren konnte. Fritz saß im Schnrollwinköl: der Krieg zog herans, und Albert erfrchr nur, daß der Redakteur eiirbernfm war und lraendwo in elftem Schützengraben bald Frankreichs, bald Rußlands sein zwar vatmlandsgemäßes, doch keineswegs angenehmes Tasein führte. Seine teilnelymcrtben Erktmtzigungen fanden leinen WiderlZall. selbst nickck l^i Fritzens wohtedler Gattin: denn Fritz Unke 'war längst unter Haube und Pantoffel gegangen. Ta erfuhr Alben eines Tages ans den Listen, daß sein Fugendgenosse sch^oerverwundet irr einem Lazarett an einem Orte Frankreick>s lag, in dem eine KriegSzeib.vrg gedruckt wurde, die Fritz.noch vom Schmerzenslager aus als Redakteur mrd Mitarbeiter bedient hatte. Er machte sich aus und ^og dahnr. Er fand.den Leiderrden in extremis, und nicht sonderlich betreut. Er suchte zwei Kreuzschwestern und setzte es durch, daß der Aufgegebene in beste Pflege getan und nicht eher aus den Augen gelassen wurde, bis alle Gesalw entschwunden. Tann brachte er ihn mit den Schwestern in sein Heim ziurück, unv Fritz Unke war so großmütig, dem armen Mbert Winter das ihm gar nicht angetane Unrecht girädig zu verzeihen. Urrd in seinem ersten nächisten Feuilleton sagte Fritz Unke: Mbert Winter ist doch rot Dichter! —
Sücherttsch.
— Das Volk steht auf. Von D. Gottfried Tranb. -Verlag von I. Engelhorns Nachfolger, ^DcuLtgart). Ter Mann der „Eisernen Blätter" gibt hier wbch-eirtliche Stimmungsbilder anS den ersten Krieasjahren, „Andachten", wie er sie nennt. Die wurrdervoll kernige Kraft imd sittliche Gesundheit des unermüdlichen Streiters für die 'wahre Grütze der „Heimkrieger" spricht wis jeöem einzelnen dieser kurzen Mücke, die wirklich dazu angetan sind, uns den Sinn disser wildbewegten .Zeit klar und erhaben! vor dic Seele zu stellen und unö den Nacken zu steifen gegart äußere und irtntro Feinde. (Preis 4,50 Mark.)
— Drei Tage. Eine Novelle von Mons Petzold. Ed. StvkvÄ, Berlaa, W^rnSdorf-Wreit 1917. Preis K 3,60 od. M 2,70. Ter ÄrbsÄertzichLer Alfiorts Petzvld schckvert in diesem
fcfmiittat Bändchen drei bange Tage seines Lebens. Brotlos — okn« «Lveit — und obdachlosdas Schicksal jener Tausende von Gvoßügdtproletart«n ist in diesen drei Tagen zu einem nrächtigen GemÄdS des GvoßstadchelendS gestattet worden. Hintergrund und Erlebnis sind eines, cfcer plleS im Spiegel einer leidzerquätten Phcvttasi».
— Diederich. Prof. Tr. Benno, Aon den alten Weltreichen. Geschichtett ans dem griechischen Mtertum. Neu erzähl). Mit U) Tondruckbildern nach Originalen von Dtax Ber- nuth. 160 Seiten stark: Geb. 3 Mark. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. — MS ein Gegenstück zu Gustav Schvabs berühmten „Schmrstien Sagen des Mtertums" besckwänkt sich daS vorliegende Werk darauf, die klassischert Geschichten des griechischetr Mtertums in neuer Fassmrg unserer hercntwachsenden Jugend zu erzählen.
— Verklärung. Ein Weihespiel (in einem Akt) von Alfons Petzold. Ed. Dtrache, Verlag, Warnsdors-Men. Preis broschiert K 1,90 ob. M 1,45, geb. K 2,60 od. M 1,90.
— Tie Weltliteratur, Heft 39, ist erschienen uird errt- hält von Otto Julius Bierbaum: „Leberecht der Geftrengck' und „WaschermMhistorie". _
Bilderrätsel.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Zahtenrätsels in voriger Nummer: Infanterie, Natter, Farn, Arie, Niere, Tante, Eier, Rain,Iran, Erna
Schriftleüung: W. Meyer. — ZivitluiFSrunddruck der. Brüh l'scheu Un o.-Ba h- und Steindruckerei. R. Lange, Wic-j n.


