3n Sturm und Stille.
SRontcm von MaxTre u.
(Fortsetzung.)
Der Graf starrte Hans Joachim an, als stabe er nicht richtig verstanden.
„Sie staben —-" fragte er stockend.
,Minen Gnadenakt abgelehnt, der für mich nach Lage der Verhältnisse leine Gnade wäre, sondern nur eine Ursache schweren wirtschaftlichen Rückganges uitd eine Quelle unausgesetzter Verstimmungen und Mißhelligleiten."
„Das verstehe ich nicht, Herr Baron!"
Kalt klang die Antwort und abweisend:
„Es genügt, wenn ich das verstehe, .Herr Graf!"
Ein funkelnder Blitz lohte in den schwarzen Augen Wellingerodes aus.
„Sie sind ein Untertan Sr. Majestät des Königs von Westfalen, Herr Baron!"
„Der politischen Karte nach allerdings, meinem Herren nach und meiner Gesinnung bin ich Preuße."
„Wir sind darüber unterrickM." sagte der Gras scharf.
Gleichmütig verneigte fkfy Hans Joachim.
„Nun wohl, so werden Sie sich um so weniger darüber wundern können, daß ich die Gnade des Kaisers und Königs nicht aunehme. Das Kaiserreich) Frankreich und das Königreich Westfalen können nrich dadurch nicht anderen Sinnes machen, und der Sinn, den ich hege, macht mich ungeeignet für den Dienst dieser beiden Staaten."
„Haben Sie aber auch bedacht," nahm der Gras das Wort und betonte jede Silbe nachdrücklich, „das; Sie sich durch Ihr Verchalten die Ungnade des Kaisers und des Königs zuziehen müssen?"
Muh, Herr Graf? Ich sehe keinen Grund zu einem solchen Mutz. Wenn man aber in Kassel einem ehrlichen Mann ungnädig sein will um deswillen, weil er nicht eine Gesinnung heucheln mag, die er nicht hat, - nun, so werde ich das zu ertragen wissen. Ich stabe bisher ohne den Hos zu Kasiel leben feinten, — es wird auch weiter gehen."
„Sehr wohl, Herr Baron. Dann wäre meine Mission hier zu Ende, und ich habe sie als gescheitert zu betrachten. Sie werden es als selbslv er stand lau erachten, daß ich über dieses Ergebnis an die geeignete Sü lle berichte."
„Ganz wie Sie belieben. Herr Gras."
Wellingerode verneigte sich zum Abschied.
'Ganz nnmerklich neigte Hans Joachim das stolze Haupt.
Llls sich die Türe hinter dem Grafen geschliffen, ging er mit großen Schritten ttn Zimmer auf und ab.
„L>ie wollen mich eiitfairgen!" rief er. „Wahrhaftig! Und sie führen etwas im Schilde gegen mich, darüber besteht fein Zweifel. Sieh dich vor, Hans Joachim!"
Nach einem kurzen Nachdenken fahr er in seinem Selbstgespräche fort:
.Mas will der Kujon in Hohenbergen? Das ist doch
seltsam. Sollte man ''etwa die Tante Aeötissin unschädlich machen und sestsetzen wollen?"
Und sein Gesicht wurde immer ernster.
Als Wellingerode mit seinem Wagen und einer Eskorte von etwst 50 Reitern sich ein gut Stück von Linau entfernt hatte, ließ er halten.
„Herr Kapitän de Salignae!"
Der Gerufene ritt an den Wagenschlag.
„Sie nehmen sofort zwei Begleiter und reiten nach Magdeburg zurück.' Dort geben Sie dem Gouverneur diests Schreiben von mir, — es sei dringend, sagen Sie ihm. Dann kommen Sie ohne Verzug nack) Hohenbergen zurück."
Der Offizier nahm das Schreiben in Empfang.
So aber stand darin zu lesen:
„An den Gouverneur der Festung Magdeburg. Im Namen Sr. Majestät des Königs befehle ich Ihnen, den Hans Joachim von Sormitz ans Linau hochverräterischer Umtriebe wegen sofort festzunehmen und gut verwahren zu lassen. Weitere Befehle werden Ihnen zugehen. Graf von Wellingerode, Lldjutant Sr. Majestät des Königs von Westfalen." -- f
Hans Joachim aber pfiff lustig den Hohenfriedberge e Marsch, als er in den Nachmil Lagsstunden aus seinen Zim mern in den Hof kam und sich den Braunen satteln ließ.
*
Der Braune trabte lustig querfeldein auf das Dorf zu. Zuweilen stieß er ein frohes Wiehern aus, für das ihm sein Herr jedesmal liebkosend den schlanken Hals klopfte.
Vor der schmiede hielt Hans Joachim an. Der Schmied war nicht zu sehen.
„Riezler!" rief der Jnngherr mit Stentorstimme.
Ein Fenster wurde geöffnet.
„Gün Dag ok, Jungherr?"
Und weit streckte Riezler seinen Kopf heraus.
„Ick bin all grad bi'n Vesper," setzte er hinzu.
„Ich will Euch wicht lauge davon abhalten, Riezler, aber ich habe Euch was Wichtiges zu sagen."
„Ick komm' schon, Jungherr!"
Er verschwand. Ein hübscher, frischer Frauenkopf tauchte am Fenster auf.
„Guten Tag, Frau Riezlern!" rief Hans Joachim hinauf.
„Gün Dag ok, Jungherr!"
„Was machen die Lütten?"
,^Jck dank der NachGage, Jungherr, — sie inrühen gut!"
„Schreien sie den ge. uzen Lag?"
„Schreien? 'n gonzen Tag? Wer red't denn so'n dumm Tüg?"
„Na, Riezler sagte so was!"
„Riezler is 'n ollen Esel! Als he so lütt war, hat be ok gequieki! Och Jott, un se sin all beed jo lieb un süß! Wollen Se se denn m«l ankieken, Jungherr?"
,^Jetzt kann ich nicht, Frau Riezlern! Morgen oder über^ morgen!"
Riezler war neben das Pferd getreten. Hans Joachim


