fürs sonntägliche Familieuwvchanblatt, nicht wahr? Aber das dicke Ende Vommt noch.
Uns ging es fcöfc einiger Zeit nämlich gar nicht gut. Trotzdem wir die Geschütze sv gut versteckt hatten, das; kein Habicht.sic hätte er- Mhen können, regnete es beängstigend viele Volltreffer in die Batterien. Plautz, das ging mit einer Genauigkeit, als hätte dev gegnerische Artilleur es in aller Ruhe und Gemütlichkeit mit 'nem Millimeterstab ausgemessen. Ich ließ den Standort der Geschütze bei Nacht und Nebel wechseln und schmeichelte mir, dabei mitj üller Sch laiche it und so unsichtbar verfahren zu sein, wie nur irgendein Fuchs in seinem Bau. Aber siehe da: die feindlichen Brummer suchten auch die neuen Plätze so schnell auf, als wären sie von der Hand eines allwissenden Geistes gelenkt. Es wurde un-; gemütlich, sehr ungemütlich sogar.
Wir wechselten von neuem; ja, wir wechselten jeden Tag, den der Herrgott gab, urrd das Ergebnis war immer dasselbe. Nachgerade stand man vor einem Rätsel. Gewiß — fchrdliche^Flieger käme«: jeden Tag und guckten herab, neugierig wie die Spatzen. Aber die Batterien waren gegen jederlei Fliegersicht mit eiwers Vollkommenheit abgedeckt, die man wohl als einen Rekord hätte bezeichnen mögen. Man konnte jeden Schwur leisten, daß kein Flieger auch nur den Schatten eines unserer Geschütze vor sein Fernrohr bekam. Und trotzdem ihre Besuche also nicht den leisesten Zweck haben koimten, ffaellteu sie sich tagtäglich ein; obwohl manch einer durch uns hermrtergeholt wurde.
Tie Schießerei und das Bersteckspiel gingen weiter — es war, um beit .Verstand zu verlieren. Ta legte einer unserer Flieger-t leutnaiits — der jüngste war es — einen heiligen Eid ab, daß er der Sache auf die Spur kommen werde, koste es, was es ivoltt. Und er begann auch sofort mit seiner Tetektivstrategie.
Tas feine Ausspinnen von Erzählungen ist nicht meine Sache. Ich kenne mich 1 wahrhaftig mit S-vannung, Knichfen des Leitfadens und Gipfelpunkt, oder loie all das Zeug heißen möge, nicht aus. Ich kann nur berichten, wie es war. Will darum gleich verraten, daß der Sherlock Holmes-Leutnant 'neu vollen Erfolg errang.
Er folgerte so: da kein feindliches Auge, auch kein Flieger die Geschützstellung zu entdecken vermag, kann es sich nur um Verrat Handel 11 . Dafür kommt Mtürlicherweise nur ein Franzmann in! Frage. Ter einzige Franzose im ganzen Dorfe aber ist — der alte Vater Mothieu. Doch, wenn diese Logik stimmte, wie sollte dev Alte sich mit den Artilleuren verständigen? Wie sollte dies ge- scheheu, da er doch morgens bis abends sein Feld pflügte uiid nachts ruhig in seinem Schuppen neben dem Gaul schlief. Tenn die letztere Tatsache hatte man durch Kontrolle mit Leichtigkeit feststellen können.
Eine verdammt schtvere Sache. Mer der Leutnant war zäh; er gab nicht nach. Er beobachtete den alten Mathieu bei der> Arbeit; und trotzdem er nicht gerade sachverständig in der Landwirtschaft war, fand er das ewige Pftügen des Alten nachgerade, doch ein wenig sonderbar. Tenn wenn an einem Tage das Feld kttltiggepftügt zu sein schien, begann der Bauer am nächsten Morgen dennoch unentwegt von neuem. Und zwar .zog er die
t irchen gegen alles Herkommen verwirrend kreuz und' quer, ne Sinn und Verstand.
Ta teilte mir der Leutnant seinen Plan mit, und demzufolge ließ ich die Batterien so oft wie möglich wechseln. Ter Leutnant aber stieg auf und 'zeichnete aus der Vogelperspektive das Feld des Vaters Mathieu mit allen Ackerfurchen genau nach.
Und diese Ackerfurchen waren das ganze Geheimnis. Sie stellten nämlich die Riesenzeichen einer Geheimschrift dar, die von den feindlichen Fliegern in aller Gemütlichkeit abgelesen wurde.
Von dem Augenblick an, da wir den landwirtschaftlichen Eifer des alten Mathieu ein jähes Ende setzten, waren unsere Batterien plötzlich so sicher geborgen, daß ein Kind auf den Rohren hätte heru in turnen mögen.
Tja, Ivenn das nicht auch so 'ne Art Romantik ist . . .
Vermischtes.
* Milchflaschen aus Papier. Da die allgemein üblichen Milchflaschen aus Glas den Nachteil haben, daß sie sich erstens Ziemlich schwer reinigen lassen und zweitens sehr leicht zerbrechen, ward i! in den Vereinigten Staaten Versuche zur Herstellung einer neuen Art von Milchflaschen unternommen, wobei man schließlich zUr Fabrikation von Milchflaschen aus mit Paraffin getränktem Papier gelangte. Ms Grundstoff dient, wie einer Schilderung der „Umschau" entnommen werden kann, Holzschliff, u. zzw. genüg! 1 Tonne dieses Rohstoffes zur Herstellung von 60 00Ö Flasche. In einem mit diesem Holzstoss gefüllten Behälter nnrd ein Stahlkern getaucht, und vier stählerne Backen pressen die Masse um den Kern, wodurch ein nahtloses Gefäß geformt wird. Bei immer stärkerer Pressung dveht der so gestaltete Papierkörver fich dreimal um sich selbst, dann wird das Gefäß getrocknet und mit Aunchrfiten bedruckt, hierauf entfernt nran den Kern daraus durch einen Stahlgpiff, ein Förderband bringt die Flasche zu einer Maschine, die Hals und Boden einbiegt, und endlich wird die Flasche noch in ein Parafftnbad getaucht, um gegen Flüssigkeiten
und Säuren lurempfindlich. zu iverden. Zu der ganzen Herstellung verwendet man besondere neue Maschinen, die die Durchsührrmg der Arbeit ohne jede Unterbrechung ermöglichen und in einer Stunde 5000 fertige Flaschen liefern. Da es sich um ein keineswegs kostspieliges Grundmaterial handelt und zur Bedienung der maschinellen Einrichtung 3 Mann genügen, sind diese Milchflaschen aus Papier, abgesehen von ihren sonstigen Vorzügen, auch weitaus billiger, als die bis jetzt gebräuchlichen Glasflaschen. Eine Flaschte ist bei den: geschilderten Herstellungsweg imrerhalb 8 Minuten fix und fertig.
* Ein Kunstmehl? Zwei schwedische Chemiker, Alfred Schwagers und Guunar Lekander, haben in den letzten Monaten, wie aus Stockholm berichtet Witt), Versuche *ur Gewinnung eines Kunstmchles ausgeführt und dabei, wie sie versichern, vollen Erfolg gehabt. Vorläufig halten sie ihr Verfahren der Kunstmehl- gewimiung noch geheim, doch haben sie bereits mitgeteitt, daß die Iiohstosfe Pflanzen sind, die in Schweden wild Vorkommen. Nach ihrer Angabe ist das Kunstnrehl — das diesen Namen freilich nicht gairz verdient - schon erprobt worden; sie tvollen brauchbares Gebäck erzielt haben, das 75 Prozent Kunftmehl eitt- hält. Daß die Kohlenhydrate wildivackisender Pflanzen für die men schlick^ Ernährung erschlossen werden sännen, ift durrus glaubhaft. Wie die beiden schwedischen Chemiker dieses Kunststlük ferttggcbracht haben, wird man tvohl bald aus ihren zu erwartenden weiteren Veröffentlichungen erfahren.
* Das „T i e n ft b a d" des Poil u. In einer französischen Garnison wurde in einem Befehl bekanntgegebsn, daß alle Mili- tärpersonen, auch die ausserhalb der Kaserne wohnenden, an jedem Dienstag um 5 Uhr morgens in der Kaserne ein Bad zu nehmen! haben, es sei denn, daß sie privat badeil und dies durch eine amtliche Bescheinigung beweisen. Nun ift aber die Kaserne sehr weit von der Stadt entfernt, und die elektrische .Bahn beginnt erft um • 72 6 Uhr morgens zu verkehren. Da nun die meisten Angehörigen dieser Garnison außerhalb der Kaserne wohnen, bleibt ihnen nichts Übrig, als dem zweiten Teil des Befehls Fdlge zu leisten. Dies ist aber nicht gerade leicht, da die amtliche Bescheinigung uuv aegchen wird, wenn ein Augenzeuge die Tatsache des Badens bestätigen kann. Darum gehört es in dem Städtchen zu den neuesten Obliegenheiten der Hausmeister, den Bädern ihrer militärische« Mieter mindestens emmal wöchentlich berzuwohnen.
Vüchertisch.
— Gegen sechsfache .Uebermacht, von AntaeuS (Ltterar. Anstalt Mitten und Loening, Fraubfirrt a. M. Preis 1 Mars;. Ter Verfasser hat auf 16 Leiten das iuteressanÜLhe Material zusammengetragen, dos biefeit WelKrivg kennzeichnet toitb das danun jedermann sich zur Hand legen sollte. Ohne Weit- schwerfigkeit wird zunächst einmal festgestellt, wer vor dem Krieg EroberiurgsPolitik gettieben hat. Tie territoriale Entwicklung der Großmächte loird LMs in kurzen Zügen vorgeführt und wir sehen rmn. Wieviel Quadratkilometer imb wieviel Millionen Einwohner Eirgland und seine Bundesgenossen seit 1871 zugenvmmen haben gegenüber .Deutschland. jAfuch die Gründe dieser Expanftons- polrttk werden treffend dargelogt. Tie Daten aller in diesem Wettkampfe mrtfpielenden Kriegserllärungen und Abbrüche der Beziehungen lverden übersichtlich irebenernandergestellt, und an der Hand origineller Skizzen, Karten und graphischer DarstellungeU erkennen Ivtr welcher ungeheuren, zahlenmäßigen Ueberlegenheiit me Mittelmächte gogeiiWerstehen, wie die Erde ausseheii wüttr-e, wenn es England glückte, feine Pläne durchzusetzen. Aber die wertvolle Veranschaulichung unserer Leistungen und Erfolge erweckt dem Leser des Büchlettrs doch wieder die lebendigste Zii- verficht! Aus den Schlußworten des Verfassers ersehen wir, daß er weder zu den Annexionishen, noch zu den .Verzichtpolitikein gehört. Was er erstrebte, drückt er selbst im letzten Satze seines' Merkchens am besten aus: „Einen Riickblick aus das Geleistete emen Ausblick in die Zukunft, .eine Herzstärkung für die Gegew lvart — dres soll die vorliegende Schrift geivähren." or a U. S.^m er ifü, Gedanken und Errrmerungen eines Austanschpvofessvrs. Unter^diesem Titel ist soeben im Verlag von I. Engelhorns VLachf. m Ltuttgart eine Schrift von Tr. Albrecht Penck, Professor der Erdkunde an der Universität Berlin, erschienen« dre bei dem gegenwärttgen Interesse für Amerika >vie gerufen komnit. Diese kleme Broschüre ist sehr frisch Und lebendig geschrieben,, und es ist chr eine große Verbreitung in den weitesten Kreisens SU wünschen Ter Preis des hübsch ansgestatteten Bändcheiis, das filr 10 Pf. ms Feld verschickt werden kann, bettägt 1 Mar'r
Ergänzungsrätsel.
. K, ... hei, . a . . o
o ., Qe . . ., Or . . ., . ua .
. . te
Statt der Punkte sind passende Buchstaben zu setzen, so daß Hauptwörter entstehen. Die eingefügten Buchstaben müssen im Zusammenhang einen Sinnsprilch ergeben.
' Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in voriger Nummer:
Sandale (Sand—Ale.)
. at . ud ., B
A . . .
Pe . . e,
B • d,
Schriftleitung: Fr. R. Zenz. — ZwillingSrnnddruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Stetndruckerei. R. Lange, Gießen.


