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geführt, mochten sein Aussehen nicht zu seinen, Vorteil verändert haben. Er schien aber anch dann, wenn man bk? berücksichtigte, nicht zu den Menschen zu gehören, die man «gerne uitter den, eigenen Tacke l^aven mag. Bender im- die junge Frau, die ein l-artes und entvehruugsreiclzes, aber fcodji für die Verhältnisse des Landes, in denr sie ivohitten, wichtiges und braves Leben führten, betrachteten ihn mit Gefühlen, die aus Mitleid und Widerwillen gemischt ivaren.
Ter Mann war iwch nicht alt, er zählte höchstens vierzig Jahre. Aber man konnte ihm ansehen, bah schwere Zeiten hinter chm lagen. Lein Gesicht, das ein struppiger, dunkelblonder Bart ulurahmte, war voll von Rubeln und Falten, daS gelbe Haar hing ihm in langen, farteu Strähnen um die Stirn, und in seinen Augen, die jedem festen Blick auswiä^en, lag ein icheuer, wilder Glanz, der nur zuweilen gemildert wurde, wenn es plötzlich lvar, al" wandelten die Gedanken dieses Meusck)en irgendwohin, in eine Ferne, in der sie otu»as suchten, das sie nicht finden konnten oder längst verloren hatten. Das verlumpte Gelvand deutete aus große Nachlässigkeit fernes Trägers, und öbivohl es schien, daß er weite Wege hinter sich hatte, führte er doch nickst das kleinste. Päckchen, wie es sonst auch Landstreicher wohl bei sich zu haben pflegen, mit. Als er gesättigt ,var und ihm ein paar Schlucke von Benders dünnem, selbst ge brauten: Honigbier die fahlen, eingefallenen Wangen färbten, erholte er sich rasch und begann in einer unruhigen, hastigen Art zu reden. Seine Sprache war so scheu wie sein Blick. Er erzählte, wie er im Land umhergeivandert war, 11 m vielleicht irgendwo Arbeit oder sonst ein Unterkommen zu finden, wie er sich verirrt und seit Tagen kaum ettvas genossen habe, wie ihn das Licht hierher geführt. Alles sprach er in sprunghafter Ausdrucksweise, in abgerissenen Sätzen. Dabei blieb sein^Bttck nirgends ruhen, unstet ivanderten seine Augen durch die Stirbc. als ob er etwas suche vder^sich eüchrägen wolle, bis sie endlich immer wieder an die gleiche Stelle gingen.
Ueber dem Ledersosa, aus dem er noch immer sah, hing ein kleines Bild, eine unbeholfene Zeichnung, die ein Torfkünstler gefertigt hatte und die Benders Heimatsort darstellte. Zur Erinnerung an das alle Vaterland nahm Benders Sohn, als er aus- »oanderte. das Bild mit. Ter Fremde faßte es immer wieder ins Auge und versprach sich schließlich beim Reden, denn es fesselte anscheinend seine ganze Aufmerksamkeit. Er stellte schließlich eine Frage in bezug auf das Bald, die beantivortet wurde. Bender, sagte ihm den Namen des Dorfes, den er widerholte. Er sprach ihn, als sei seine Zunge derrtsche Laute einst gewöhnt gewesen, und dam, kam wieder der suchende Ausdruck in seinen Blick. Man konnte denken, es wolle etwas in ihm lebendig werden, das lange tot war, eine Strömung, die ihm unbewußt durch seine Seele gttrg, tauchte aus. Nachdenklich und ernst sah er vor sich nieder. Vielleicht hatte er -ästch einst auf einer Scholle gewohnt, die ihm öeimat tvar, als Mensch intter Menschen, ehe er seine wilden Wege ging.
Bender siel der Ausdruck in dem Gesicht des Unbekannten aus, er wechselte einen Blick mit seiner Schwiegertochter. Sie dachte tvic er und nickte leicht. Vielleicht konnte man diesen Mann wieder a!us die gerade Straße führen.
Ta stellte der Frenrde plötzlich die Frage, ivaru in da «oben das Licht in die ^öacht hinauslenchte und ob es immer dort stehe.
Bender gab ihm Auskunft.
Er redete von seinen! Sohn, der aus der Reise, in einer finsteren Nacht, wie diese es war, in der Ferne zugrunde ging. Er fyitte Vieh verkauft und trieb es einem Ansiedler, der weiter im Norden wohnte, zu. Tie .Hererohirten, die er mitgenommen hatte, sandte er zurück, denn sie waren daheim, ans der eigenen Farm, dringend notwendig. Er selbst blieb, des schiveren Wetters wegen, noch einen Tag bei dem LandsumNn M Gast, der ihn freundlich ausgenommen Und der ihn um Rat in vielen .Trugen fragen wollte, da er ganz neu war in Südwest. Schließlich, noch ehe jener ihn gerne ziehen ließ, wandte er sich l-eimwärts. ?lber er kam nicht zurück, nnr seine Leicln fand man, die ein Rivier, der hohes Wasser führte, an das User spülte.
Ter alte Bender erzählte mit stockender Stimme: die Erinnerung an all das ging ihm nahe, und die Frau saß schweigend, das Gesicht mit der Hand bedeckt, um ihre Tränen zu verbergen. Schließlich erhob sie sich uird verließ die kleine Stube.
Ter Fremde hörte mit tiefgebeugtem Kops und finsterem Blick zu, es ,oar nicht möglich, zu sehen, ivelchen Eindruck Benders Bericht auf ihn machte.
„Tie Tasche, die des Sohnes Habseligkeiten und auch das Gelo^ barg, das er für bas verkaufte Vieh erhalten hatte" schloß der Alte „fand man nicht bei ihm, und auch später gab es der Rivier nicht heraus. Man »veiß nicht, »oas davon zu hatten ist. Ein Bur, der meinen, Solm begegnete, tagte, ein anderer Mann sei bei ihm gewesen, der sich wohl ans dem Weg zu ihm gesellt haben mag. Mau hat von diesen, nie „lehr etwas gehört. Wir glaubten schon" der Greis dämpfte die Stimme, als müsse er sich überwinden, seinem Gedanken Ausdruck zu verleihen . „daß es möglicheriveise Aar kein Unglücks fall svar. Vielleicht hat der andere ihn, seine .habe genommen, das t^eld, das er bei sich trug, und ihn mit Absicht in den Strom gestürzt.
Niemaird kann es wissen, tvas dort an dem einsamen Rivier sich zutrug. Aber das, was wir gelitten haben, mahnte nrich, ander« vor gleichen, Schicksal zu bewahren. Trum steht das Licht da droben, daß es fedem, der fern vorübergcht, in finsteren Nächten, wenn wildes Wasser die Rinnen überschwemmt und die Bäche zu reißende-, Strömen macht, den Weg zeigt, dainit er nicht in der Irre geht." -
Er schwieg und sah den Gast an, der sich jäh ans seiner gebückt ten Stellung ausrickstete. Sein Gesicht war schneeiveiß
„Wo war das, mit Euren, Sohn?" stieß er hervor.
„Nicht weit vom Geitsaub."
Ter Fremde stand vollends auf, aber er hielt sich au der Tischecke, auf die er sich stützen mußte, denn er zitterte lute eilt Rohr im Wind. Jeder Tropfen Blutes war aus seinem Gesicht gewichen, mit unnatürlich weit aufgerissenen Augen starrte er den alten Bender an.
„Bei — Geitsaub —" stotterte er mühsam.
Ter Bauer wär nicht weniger blaß, als der zerlumpte Frenrde, und auch er bebte an, ganzen Körper vor Erregung. Ihm war zun,ute, als ob eine brutale Hand plötzlich einen Schleier zer-, rissen hätte, der ihm mitleidig ettvas Furchtbares verhüllt, das er nun schauen „rußte.
Einen Augenblick starken sie regungslos, Auge in Auge. Ter alte Bender ballte die Fäuste, aber er stürzte sich nicht auf deu andern. Schwer sank er auf du, nächsten Stuhl und barg schluchzend das Gesicht in den Händen.
Ter Freu,de sab ihn schm an und dann ging er wankend zur Tür. Langsani, mit stolpernden Schritten bewegte er sich vorwärts, immer wieder zögerte er, und er wandte de,, Blick nicht von dem alten Mann. Es war, als wenn er noch ettvas sagm wolle, oder als dächte er daran, sich dem Greis zu Füßen zu werfen. Noch an der Türe blieb er stehm, schwer atmend und regungslos.
Bender sah nicht nach ihm hin, er hob den Kops auch nicht, als die Haustüre ins Schlot; fiel.
Am anderen Morgen fand nran zwischen den Felsen, nicht weit von Benders Farm, die Laiche eines Fremden, die der Eendoorn Rivier an das User geworfen hatte.
VNchertlsch.
— Rittmeister Manfred Freiherr v on R ichb, Hofen. Ter rote Kampfflieger. (Verlag von Ullstein su. Co Berlin: Preis 1 Mark.) Der erste allen deutschen Kampf-« slieger spricht von den,, was er bisher geleistet hat. Ist eS ein Zufall, daß der Rittmeister Manfred Freiherr von Ricksthvsen, bevor er an der Westfront als NMing in die Flugmaschine kletterte, nrit Leib und Seele Kavallerist war? Hier erzählt er, kurz uird knapp, in Worten, die hell klinget, tote Digitale zum Angriffs von seiner Kadettmzeit, seiner FähnrickMeit, feinen LEnants-, jahren bei dm Schweidnitzer Ulanen. Lebendig, famos lebendig brndgt ec alles zu Papier: wie ec Welche kennen lernte, wie er zum erstenmal allein flog, wie ihn, für den 16. Feind der Kaiser dm Pour le Mdrite gab.
— Velhagen & Klasings Volksbücher (Verlag Von Belhagen & Klasing in Bielefeld und Leipzig) haben sckion eilte, ganze Reihe sehr lesenswerter Bändchen mm Weltkriege gebracht, die geeignet sind, nammtlich der Heranwachsenden Jugend viel Anregung Mtb Belehrung zu bieten. Eine ganz besondere Beachttmg verdienen die beiden soeben erschienenen neuesten Bände der Sammlung, die den, deutschen Flugwesen gewidmet werden. Unser Teut- sches Kriegssknawesen behandelt Hauptmann Neumann, der Leiter der Luftfahrerschule Berlin-Adlershof. Ter ^Leser bekommt ein klares Bild von der Organisation und dem Betriebe unseres Flug- wesms und lernt an der Hand eines vorzügliche,, Blldermaterials die verschiedenen früher und jetzt int Gebrauch befindlichen Flug-, zeugm>odelle kennen. Das zweite Bändchen führt deu Titel: Unsere Heldenflieger und ist unseren jungen Helden der Luft gmüdniet. Der Verfasser, Viktor von Koerber, schildert in kurzett Biographien die glänzenden Taten dieser Offiziere, die „ltsecein Heere die Ueberlegenheit auch in der Lust erstritten haben. Vor-, zügliche Bildnisse aller namhafte,, Flieger sntd deu, Buche beigem geben, das sich als Würdiges Denkmal für unsere gefallene,, Flieger- helden darstellt und unserer Heranwachsenden Jugend ein Ansporn zur Nacheiferung sein ivird. Beide Bücher können zur Auschaffutdgl Wann empföhlet, loerden.
Lharade.
Er saß i>l, Ersten a», Strande Und trank das letzte Paar.
Er hatte dabei das Ganze An seinen, Fuße gar. - li.
(Auslösung in nächster Nummer.)
Auslösung des Anagramms in voriger Nummer: Helm, Ulanen, Notar, vaine, Lileii. Cajo, Altar, Garn, Estrich H », n d s t a g e.
Schciitlettuna: Fr. R. Zenz. — ZwillingSrunddruck und Verlag der Brühl'schen UniversUätS-Buch- und Stetndruckerei. R. Lange, Gießen.


