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sich trug, herum. Da lvaren Karten für Bro t, für Kartoffeln, für Fleisch, für Leinen, für Butter, für Seife unv für Fett ausge-- stellt. Wer einen Bezugschein für das, was sie haben wollte, fand sie nirgends.

Bemühen Sie sich nicht! Kramen. Sie Ihre Scheine nicht mehr durcheinander!" fuhr der Eingestellte sie wütend an. ,,Den Artikel, den Sie verlangen, führen wir nicht. Führt kein Mensch mehr! Er ist mofftominen eingegangen. Es war absolut keine Nach>srage mehr nach ihm."

Wer um Gottes willen!" flüsterte die junge Frau, ganz erschrocken.Was sagen Sie da! Es gibt keine Liebe mehr. Aber das ist doch unmöglich!"

Ach wlas! Möglich oder Glicht!" höhnte der Angestellte. -,Lassen Sie mich zufrieden! Sie sind überspannt, verstehen Sie mich! Ich habe keine Zeit mehr für Src!" Er, stürzte sich vr einen Arrfzug und sauste weg an irgendeine Arbeit.

Tie junge Frau blieb entsetzt stehen. Sie tupfte mit ihrem Taschentüchlein die Tränen weg, die ihr bei den rauhen Worten dieses Herrn in die Augen getreten waren.

Platz da!" rief jetzt eine toüste Stimme, und ein schwerbepack- ker Handwagen fuhr ihr, die so schnell, wie es ihr möglich war, beiseite sprang, fast noch über diel Zehen. Ter Mann, ich den Wagen stieß, brummte vor Zorn, als er an ihr vorüberging.

Sie hätten mich bitten sollen, beiseite Kt treten!" sagte sie ganz sanft und ohne Borwirrf:Ich stehe ungern jemand im Wege."

Bitten sollen!" wiederholte der Mann ingrimmig.Tun Sie erst einmal meine Arbeit! Und dann sehen Sie, ob Sie noch Lust haben, jemanden zu bitten, Ihnen nicht vor die Füße Kl laufen. Heutzutage haben wir keine Zeit für Höflichkeit."

Selbst das nicht einmal!" sprach die junge Frau seufzend hinter ihm l>er, während der Mann, fortwährend lautPlatz da!" brüllend, fernen Wagen weiterschob.

Haben Sie keine Beschäftigung?" wurde sie da plötzlich rauh von mehreren Seiten gefragt.

Doch!" gab sie schüchtern zur Antwort.Ick liebe ineinen Mann, meine Kinder, meine Eltern, meine Brüder, meine Schwestern/' Sie zählte, da sie rings allgemeines Stirnrunzeln sah, fchnell^nvch weiter auf:Mein Haus, meinen Hund, mein Bett, mein Sofa, meine Teppiche, meinen Kanarienvogel, meine Blu­men"

Aber das ist doch alles keine Beschäftigung!" u-urde sie mm heftig unterbrochen.Sie sind Nivhl von gestern? Sie haben sich eine Beschäftigung Kt suchen, verstanden!"

Gewiß!" erwiderte sie,Sie brauchet es gar nicht so Kt schreien. Ich werde mir bis nwrgen eine Beschäftigung aus- wäblen." Sie versprach es ganz fest, ohne zu wissen, was sie versprach. Man lieh sie einstweilen loeitergehen. Sie lief ratlos hcrunr und schaute sich bald dies, bald jenes an.Verzeihen Sie gütigst!" sagte sie, wenn man sie fragte, was sie wünschte: ,^Ich wollte mir bloß alles ansehen. Ich weiß noch nicht, was ich möchte."

Sie war durch das ganze Warenhaus des Lebens gestreift, ohne noch etwas für sie Passendes gefunden zu haben. In ihrer Verwirrung verlief sie sich schließlich in den Keller, wo Ke Kessel Und die Maschinen standen, die das Ganze beleuchteten und er­wärmten.Suchleit Sie eine Anstelttmg hier?" fragte man sie so­gleich höflich, aber entschieden.Ich fürchte nur, ick bin zu schwach" meinte sie, bei dem Gluthauch zusammenfahrend, der aus dem geöffneten Riesenofen kam.

Tas scheint uns allerdings auch so!" stellte man mit spöttischem Lächelt fest.Gehest Sie nur lvieder! Wir können Ste hier nicht gebrauchen."

Sie stieg unter dein scharrenden Lärnt der großen Kohlen- schaufeln wieder langsam empor. Ste wurde ganz unglücklich. ^Lte kam sich völlig unnütz vor auf dieser Welt.Tas beste wäre/" dachte sie,ich machte meinem Leben ein Ende." Sie war in solchen Selbst.vorlotrrfeir die Treppe immer höher hinaufge­klettert und sah sich plötzlich in einer Flucht vo,t wetten Sälen" nn Tackgeschoß des Hauses. In ihiren saßen Tausende und' Abertau­sende von Schreibern, die .emsig Und unermüdlich! ihre Federlt führten In langen Büchern schrieben sie miuuterbrochen Zahleit um Zahlen auf. Tre junge Frau, die von dem! Treppen steigen schnell atmete beruhigte sich bei dem bestäudigeu gleichmäßig eit Kritzelir der FedernHier werd' ich finden, was ick vergeblich suche" sagte Ke kchi Tre Männer nick Frauen, die hier arbeiteten, be­kümmerten sich nicht weiter um sie und blickteit nickst ein einziges Mal tarn ihren Tabelleit ans. Ste l>atte infolgedessen Muße genug M^.emeu anszuwählen, dem sie ihr Anliegen Vorträgen konnte, ^chltetzltch wandte sie sich an eiiteit alten grauen Herrn, der ihr besonders menschenfvmndlick, miszusehen schien:Ich bitte üm Entschuldigung, wenn ich Sic störe."

Ter Greis hob seine vont eitrigen Anschmien feiner Zahlen matt gewordenen gütigen Wgen zu ihr auf.

.Ich möchte ^gern Liebe haben und geben," stammelte sie wle sre den ahnuugsloseu Mlsdruck seiner Augen lvahnmhm. '

Liebe?" wiederholte er das Wort l>efrcmdet, als ob es unbeScuEn, weltferne Sprache stammte.Sie haben L^^E oertrrt. Hrer gibt es mir Pflichteit, Pflichten, Pslicksten." Et hatte srch alifs neue ilbei' fern Bikch gebeugt, zog die Bäille. die

er au, jeme Stirne geschoben hatte, über seine Augen zurück und addierte weiter. Sie .wollte noch ein letztes Mal ihr Heil bei einer Frau versuchen, einer früheren Freundin, die sie unter den fleißig Schreibenden entdeckt hatte. Tte aber ließ ließ sie erst gar huf*

Worte kommen.Nein, Tu bist viel zu gefühlvoll und zu träumerisch für die geregelte Arbeit hier. Wir verzichten auf Empsiicksamkeit. Berufe Ticks keinesfalls auf mich! Ich könnte Dich nur schlecht empfehlen!"

Tie junge Frau Ivußte sich keinen Rat mehr. Ihr Opfer wurde von niemandem verlangt. Wohin sie schaute, sah sie nur Arbeit und Ernst und Menschen, die sich Sorgen um Sorgen machten, kam sich jetzt nicht bloß unnütz, sondern sogar leichtfertig vor. Und das ertrug sie nicht länger. Ihr Schönstes, ihr Eigenstes I M'be nicht nur gering geschätzt, nein, es wurde noch dazu be­schimpft und besudelt. Sie ging zum letzten entschlossen auf ein onenes Fenster zu. Sie warf noch einen Blick auf ihr Leben, das nur Herz gewesen war, zurück, wobei sie die Empfindung hattk, daß ein voller duftender Blumenkranz aus ihrer Hand siel. Tann beugte sie sich über den Fensterrand. Und daun sprang ste, stürzte sre hinab.

Aber sonderbarerweise fand sie keinen Boden unter den Füßen, ^noch einen Widerstand. Sie fühlte plötzlich zu ihrer ttefstcn Freude Flügel unter ihren Armen, und in ihrem klangen rme eine leise heimliche Musik die Verse wieder: Schläft ein Lied in allen Dingen,

Tie da träumen fort und fort,

Und die Welt hebt an zu fingen,

Triffst Tu nur das Zauberwort."

Und auf diesen Frttigen flog sie muh emmal durch den Raum, den nüchternen Raum, den sie soeben durchgangen hatte. Sielte, da sah alles ganz anders aus, und das Leben ward zum Mcwchenl für sie Ter Angestellte, der sie vorhin angeschnanzt hatte, schinun- zelte sie an: ,,^ch bin ein schrecklicher Kerl!" sprach er. , Ich weiß es, ein irnausstehkicher Kerl. Aber es sind nur die Nerven, nur die Nerven, meine Beste. L-onst bin ich ganz vertraglich Und gutherzig, sah' ich Ihnen. Und ivenn im Kino eilte edle Tat geschieht und noch dazu Harmonium gespielt wird, dann, rollen wer nur so die dicken Träneii an meiner krummen 9-ase henmter."

Platz da, schöne Dance!", brüllte der Mwm mit dem Hand- wagen lvieder.Skid Sie mir noch böse wegen meiner Unhöfliche wrt? Nehmen doch weiter keinen Mstrvß daran! Was wollen Lie von einem Rüpel, der immer nur Mit seinesgleichen zu tun hat, besseres verlangen. Bella gen Sie nnch lieber, anstatt mich zu verachten. Auch ich habe meine goldene Stelle! Seljen Sie! Es ist das Bild meiner beiden lleinen Kinder hier, das ick stets m meiner Brusttasche trage. Geben Sie es mir bitte zurück Ich habe leider keine Zeit mehr! Platz da!" b.^"Ta sind Slj,e ia schon wieder!" sprach, man sie mtten im Keller und Maschrnenranm an.Regen Sie sich um Himmels ,villen nicht^auf. Lie werden schon irgendeine Beschäftigung sinden, die paßt. Sie brauchen sich hier nickst gleich zugrunde zu rick'ten. Man wird Rücksicht mcf Ihre Schwäche nehmen, glauben L-re es nur, und auch Stabsärzte sind keine Teufel."

Hast du etwas gefunden?" rief ihr die Freundin schon von wertem entgegen, als sie nach oben geschßoebt war Sei mckt mehr traurig! VUm wird nicht mehr auf der Welt gequält, Zs man es, ertragen kann. Verzeih' inir. Ich war vorhin reckt hatzltch zu dir. Ich bin manchmal müde von den vielen Vereinen denen ich angchöre. Man opfert sich auf, so sehr man es kann' Zürne nur nicht, wenn ich dich nicht auch noch beschenken konnte' Mm zu helfen, ist unmöglich."

Ter gütige Greis aber schob von selber, ohne daß sie ihn anzureden brauchte, seine Brille zuriick und schaute sie mit einem Blick so voll Frenndlichlkeit an, daß seine 2lugen einen Glanz be­kamen wre das Meer, wenn es in der Nacht leuchtet:Haben Sie das große Geheimnis der Menschheit entdeckt?" frug er sie lächelnd Ernennen sie nun, daß es die Liebe nur ist, die die Welt und ihre unglücklichsten Geschöpfe, die Mensck-en, treibt! Sck,aueii Sie bvrt den feindlichen Flieger, der wie ein Habicht auf uns zu­stößt! Meinen L>ie, daß Mordtust und Bernichttmastrieb allein

hierher ragen, wre die unsrigen über seine Städte? Wähnen sie alle nmft, ihrem Land und Volk dainit zu nützen? Und u-äre dies sonst ilberhaupt zu ertragen? Würde nicht der Erdenbau in Irrsüm z-ersallen, lveiin incht die Liebe beständig, bttlt oKr leise, l^eimißt und unbclv>ußt am Werke wäre?"

Ja, aber warum sprechen die Menschen denn gar nicht da- voii? sagte die junge Frau und rang die Hände zu deni Greise wie zu in Gebet empor.Warum ärgern sie nick kränken sie und höhnen und beschimpfen iurd hassen und töten sie einander^ Warum sagen sie sich säst nie ihre Liebe, sondern fast nur ihre Wut? Warum kommt f ihnen weniger darauf an, einander Kt verstehen imd Kr mitvc| als einander mißzuverstehen und Kl schädigen?"

Dieses muß sich jeder selber beanttvörten und M aus dem Irrgarten des Lebens zuveckftzufinden", gab er zurück. Tiiftm Irnro die Frage nach dein Glück aus Erden Verne Men, und der Heitere bejaheu. Die nveisten aber lverden wie txis Wetter iverl-seln, einmal dies, einmal jerves sagen und Kvischen weirig Sonn^iltz scheui und viel Schatten ihr Leben abNxindeln.