Vermischtes.

* Der Erfinder des Feldgrau. Gerade jetzt, tub das

russische Zarentum, voraussichtlich für alle Zeiten, verschwunbenj ist, hat ein Buch des deutschen Pvofessors Maudt, der lange Jahre atu russischen Lpf Leibarzit des Kaiserss Nikol-cms I. geivesen ist, ,einien besonderen historischen Reiz. In seinem eben bei Duncker u. Humblot erfclpeneiren Lebenserinnerungen gibt dieser M^ann, der sich durch sein unbestochenes Ajuge und seinen offenen Charakter, durch seilt freies Deutschtum und seinen Männerstolz vor Königs­thronen besonders auszeichnet, eine Charakteristik Nikolaus' I. lmd sagt von seinem Äheußenen^ daß jeder Zoll an ihm auszusprechen schien:Ich bin der gottgesalbte Kaiser." Selbst in den: schlichtesten blauen ^Ättel würde jeder den Kader heraus keimen. Und Aoandt facht fort:Dies ist wirklich später einmal so gewesen. Im Anfang des Krimkrieges hatte der Kaiser allen Offizieren den gemeineit, langen, grobeu, grauetr Soldateirmandel gegeben, irr der Absicht, die glänzerrde Uniform yu verhüllen, woran die französischer^ Scharfschützen vor Sebastopol so sichere Ziele gefunderr. Der Zar ging hier, wie immer, mit dem Beispiel voran, und eines dliorgens sab inan ihn auch die Straßen seiner Hauptstadt in dein groben! Grenadiermantel durchschreiten, ^ohne auch nur einem einzig eit ÄRensck^en zu begegnen, der den Kaiser in dein Soldaten kleid nicht erkannt hätte." So nxit also Nikolaus I. von RuUanst der Erfinder des Feldgrau: sein Gedanke ist gerade in diesem Krieg so überaus fruchtbar geworden. .

* Die Bienen Probe in Polen. In Polen herrscht der eigen tmnliclte Aberglaube, daß die Bienen einen Justin kt für die Tugend der Brautleute haben. Bei polnischen Bauern wird vielfach vor der Verlobung der Brautleute eine Tugendprobe angestellt. Ain einem Sonntage nach her KirckMit geht das Paar, das sich verloben will, gefolgt von der ganzen Dorfjugend, in die Nähe eines Baumes, auf dem sich ein Bienenschwarm angesetzt hat. Zu­nächst muß sich daun der Bräutigam dem Schwann nähern und die Bienenrepnblik reizeti, während alle anderen erivartnngsvvll her- Uimsteben und mit ängstlicher Mlsmerksarnkeit auf die Bienen! blicken, ob sie den Jüngling an greifen und übel zurichten »Verben^ Tnn sie es, so ist der Bursche ein Söffet, lassen sie ihn in Ruhe, gilt er als braver «Kerl hmd sofort muß. sich seine Liebste deü gleickuw Tugend proR Wlssetzen, deren glücklicher AuSgang ihre Jnngsräitlichkeit bezeugt. Fällt die Probe bei beiden gut aus, so geben sie sich unter dem Jubel der ganzen Dorfjugend den Ver­lobungskuß. Indessen schließt wohl auch ein ungünstiger Ausgang der Tugendprobc nicht iistmer mts, daß die Beiden doch die Ehe Miteinander ivagen.

*Terwandernde Niagara-Fall. Eine merkivürdige Äattirersck?einung führt, wie in der Umschau erklärt wird, dazu, daß der Niagarafall im wahrsten Sinne des Wortes aus der Wanderung begriffen ist. Zum Verständnis dieses Wanderns müssen einige den !sÄll betreffende Tatsachen vorcmsgeschickt loersten. Ter Riagara- svkl liegt bekanntlich fast genau in der Mitte zloifckvn dent Erie- Und dem Ontario-See und wird durch ein großes Felsenriff, Aregeninsel genannt, in den amerikanischen und kanadiscchn Fall seSeilt. Ter amerikanische Fall ist 275 Meter lang, der kanadische 880 Meter und liegt tiefer als der amerikanische. Tie Felswand nun, über die der Fall sich ergießt, besteht in ihrer obereil Halste aus Kalkstein, in ihrer unteren Hälfte aus Schiefern und Sand­steinen, die ziemlich weich sind. Ta diese lockeren Gesteine anr Fuße des 55 Meter hohen Falles von der wühlenden Kraft der herabstürzenden Wassermassen, dauernd ausgewaschen werden, wird auch di? härtere obere Kalksleintvand sortivährend nnterspült, so daß sie allmählich stückweise abbricht. Durch dieses Älbbröckeln rückt also der F-all selbst ganz langsam ein Ivenig stromaufwärts, nach den genauesten Berechnungen legt er auf diese Weise im Jahre bis zu 1,50 Meter zurück. Tie vom Niagarafall in den letzten Jahrzehnten vollbrachte, durch die geschilderten Umstände bewirkte Wanderung wird auf 178 Meter geschätzt.

*Fritz, nur immer druff!" Diese merkwürdige In­schrift befindet sich an einem großen Dampfhammer in der Krupp­schen Fabrik siu Essen seit ungefähr 40 Jahren. Damals, 1877, besuchte Kaiser Wilhelm I. das Kruppsche Eisenwerk, und feiU Erstaunen erregte besonders der 1000-Zentner-Hammer, mit dent die großen Stahlblöcke bearbeitet werden. Alfred Krupp, der da­malige Besitzer der Fabrik, erklärte dem Monarchen die Tätigkeit dieses Hammers und stellte ihm auch den Mascl-inisten vor, ixm er als einen ungemein geschickten Arbeiter rühmte, der den Schlag so sicher zu leiten verstehe, daß cm in den Mittelpunkt des gewalti­gen 20 000-Zentner-Ambosses gelegter Gegenstand unbeschädigt bliebe. Der Kaiser war natürlich verwmrdert und legte, aufgefordert, eine Probe zu versuchen, seine mit Brillanten besetzte Uhr ans den Amboß, mit freundlichen Worten den Maschinisten ersuchend, die Probe seiner Gesckxicklichkeit abzulcgen. Dieser war doch tu diesem Augenblick etwas ängstlich: die Kostbarkeit des Gegenstandes mackste rhn bange. Aber der alte Krupp, der seine alten Mitarbeiter, mit denen er Jahrzehnte hindurch zusammen tätig gewesen, zu duzen pflegte, nes dem Maschinisten z'u:Fritz, nur immer druff!" Und Fritz zögerte nicht länger: mit furchtbarer Gewalt sauste der Ham- p,ec ni^>ec, die Uhr aber bli-eb unbeschädigt. Der geschickte Maschinist

Schrijllettung: Fr. R. Zenz. Zwitliugsrunddruck und Verlag der L

erhielt sie vom Kaiser geschenkt, Md KcUpp fügte noch 1000 M dein Geschenk hinzu,. Die anfeuecstde Aufforderung an! den Maschinisten aber w>rrde als Inschrift auf dem! Hammey verzeichnet.

Seltene Vo l ksgebr-äjuche in Deutschland. Es wart als bekannt vorausgesetzt werden, daß in der Eifel und iml Aartal die Sitte besteht, daß im Mai die Mädchen an die Brmch-n versteigert werden, and daß die Ajugesteigerte die Tänzerin ihres Anjbergers für das ganze Jahr bleibt. Das aus der Versteigericng) erzielte Geld stießt in die Burschen^.Kasse und wird ftir t^rschie-, derleBergnügen zur Verfügung gehalten. Dieser Brauch heißt:' daS Ma,ilehen, und das versteigerte Mädchen ist auch des Barschen: Maileheu. Irr St. Goar aber herrschte der seltsame Brauch, daß am Pfingstmontage die Mädchen als Tänzerinnen für das Jahr vow Rate der Stadt versteigert wurden, und die Steiggelder in die städtische Kasse flössen.

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Spart Tücher!

Fonshwscheibvn wasche ütan mit fest zusamweu geballtem Zei- tmngspapier, das Man in laniocrrmes Wsasser taucht, ab. Sind sie etwas übergetwcknet, reibe man sie mit lose gekni'flltem Zeittmgs-> Papier blank.

Spisgelscheiben reinige mm: ebenso.

Blanke Teile am Heä>, Wasserleitnngshähne, Türklinken brau­chest besten teiid seltener gewitzt zu werden, wenn sie ab und zu mit Zeitung s Papier abgerieben werden.

Der iwch warnte Herd loird durch Abivasckien mit angefeuchtetem Pacher sauber und blank.

Den Ährsguß reinige inan mit ZeitlMgspapier imd Sand.

Zrnkgesäße, Spültische erhalten einen vorzüglichen Glaiiz, ivenn

«n r 1111 ^ dem Scheuern mit Zeitungspapier naclsteibt.

Messer urrd Gabeln Ichsche inmr nach dem Plitzen erst einnial mit Zeittrilgspapier ab.

vüchertisch.

Baieris che Den kmale aus derTheueren Zeit" vor h u n d e r t I a h r e n , ist der Titel eines soeben im Rahmen derBayerischen Hefte für Volkskunde" (VieNeliahrsschrift, herausgcgeben vom B a h e r i s ch e n L a n d e s- vcre'.n für H ei m a ts chu tz , Münck>en, Liidwigstraße 14) er­schienene, umfangreichen Sonderheftes, das in unseren heutigen Ta­gen einem besonderen Interesse begegnet. Begleitet von über einem chrlb^i Hundert Text- und VolLbilderu und nrit einer größeren Farbbeilage geschinückt, lassen uns die Schilderungen die schweren Zeiten, che cheHungerjahre" 1816 und 1817 über unsere Groß- eitern und Urgroßeltern brachteii, neu durchleben mit all dem Elend lener Tage, deni eine maiigelhafte Orgalüsation nur mangelhaft steuern konnte, mit ihrem erbitterten Kanrpf gegen das Wuch?rec­tum, aber auch mit ihrem befreienden Glück über den Erntesegeu von 1817, der che Not zu euderi schien.

Der Herd in der Fremde. Von Fedor von Zo- ^Eltitz. (Verlag von Ullstein & Co., Berlin.) Nur wenige Autoren konnten den Roman der Diplomatte schreiben und wohl teilt anderer als Zobeltitz mit der liebenswürdigen, im feinsten, Sinne unterhaltenden Kunst, die auch diesem seinem neuesten Werke etgnet. Alles kommt hier zusammen, das Gesellsck-astliche, Bilder fvemder Kulturen und eine erfahrene Menschlichkeit, die unter den äußeren Formell das nach Glück verlangende Herz sieht.

In der neuesten Nummer 3854 (Kriegsnumnier 145) der Leipziger Illustrierten Zeitustg" (Verlag I. I. W!e- ber) erörtert der bekannte Militärschriftsteller General der Jnsart- terie z. D. v. Jansoil in einem von höherer Wärte aus geschriebenetr ArtikelDie Frühjahrssästachten im Westen". Die Großtateti un­serer Flieger zeigt eine Kürte, auf der che in der Zeit vom 1. Mürz.

Io April 1917 im Mschnitt La BasseeSt. Quenttn ab­geschossenen feindlichen Flugzeuge eingetragen sind. Mit freudigem Stolz verweilt das Auge des Besck>auers bei den Aufnahmen von orr Jagdstaffel des berühmten Kampffliegers Rittmeisters Freiherrn v. Rtchthofen. Ein mehrseitiger, reichillustrierter Beittag ist der Katserm Vtaria Theresia zur 200. Wiederkehr ihres Geburtstages am 13. Mai ge>vidmet. Mit der voraussichtlichen Witterung des Sommers 1917 besckwstigt sich ein Aufsatz des Meteorologen Dr. Rickwrd Heniltg usw.

Charade.

lTreisilbig).

Die erste brennt und lenchtet, Die zweite ist nicht weg.

Die dritt' ist hier am Messer. Das Ganze: der Feinde Schreck!

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummerr Der Sieger darf die Hand zur Versöhnug bieten.

ühl'fchen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei R. Lange. Gießen.