16

Bemühest, feilte aridere Haltung anzunehmen, als seiner Natur gemäß war, und kein Theina zn behandeln, das nicht dieser Hal­tung entspricht. So ivird er der Besinger der lleinen Leute, »,Io8 Humbles", wie der Titel eines seiner beliebtesten Bücher lautet. Seine Schilderungen haben nichts Grandioses, Visionäres, sie sind elegisch-behaglich, kleinlich, ohne sprühendes Detail. Tie Berserzähl ungen süid für unfern Geschmack viel' ziu breit und ohne Schlagkraft, ob es sich um dir Schreckenstat eines Sultans oder die Brandreden eines Vorstadtagiators handelt, oder ob der Poet beim Anblick eines Nccholeond'ors in Nachdenken versinkt. Oft wiederholen sich in verschiedenen Gedichten nicht nur die gleichen Gedanken, sondern dieselben Verse, was nicht gerade für großen/ inneren Reichtum spricht. In Deutschland ist nur eine Dichtung Coppees populär geworden: derStreik der Schmiede", ein Effekt- ftück, dem aber kein mächtiges Gefühl zugrunde liegt. 9lm liebsten betrachtet Eoppee die unverdorbene, gesunde Masse des französi­schen Klentbürgertums. Diese Dichtungen sind für uns heute, wenn nicht künstlerisch, so doch völkerpsychologisch, von Wichtigkeit. Er verherrlicht die kriegerische Familientcadition imb polemisiert mit pathetisch en Ausdrücken gegen Janrös und den heute genxmMtert Hervß, aber in diesen patriotischen Gemälden ist auch viel Pathos und falsche Natürlichkeit. Schon seilte erste BühnLndick)- tungle Passant, der Dialog -wischen einer Courtisane uiiÄ einem sehr im schuldigen Pagen, zeigt die bedenkliche Vermischung echter und falscher Naivität. Das Stück verdankte seinen Erfolg übrigens hauptsächlich dem neuentdeckten Stern Sarah Bernhardt. Nach dem Abschluß der Treysusaffäre wurde Coppße sehr in den .Hintergrund gedrängt und zog sich mit seiner Schwester ins Ein­siedlerruin zurück. Der einzige Roman seines Lebens fing lyrisch- patk^etisch an, endete aber prosaisch und tragikomisch. Bet einen Vorlesung eigener Werke in Gens siel dem alternden Dichter eine junge blonde Norwegerin auf, es glückte ihm, ihre Bekannrschast zu machen, seine Anwesenheit schien von ihr und ihrer Mutter nicht rrnan genehm empfunden zu werden. In glühenden Versen er>- klärt Eoppee, immer auf die Schroaneirjnngsrau gewartet und von Anfang an nur für sie gedichtet zu haben. Aber als er sich zur Erklärung entschloß, zeigte es sich, datz die Mutter Copp4es Wer­bung aus sich bezogen hatte und das Mädchen nichts von ihm wissen wollte. Beide Frauen war sehr entrüstet, und der Dichter sehr geknickt. An äußeren Ehren hat es Eoppöe nicht gefehlt. Seit 1884 gehörte er zu denUnsterblichen". Er half in der Akademie jenen Geist verbreiten, der ein gerüttelt Maß von Schuld an diesem Kriege hat. O. K.

vüchertisch.

ErnöSzsp:U n g a r i s ch e S k iz z e u', ins Deutsche übertragen von Ainälie Agoston, Federzeichnungen von Schülein. Falken-Verlag, Darmstadt. Ein genial empfundene? und wieder- geaebeues Buchlein hat man hier ins Deutsche übersetzt und ihm flotte Federzeichnungen von Schülein beigesügt. Ein wahrer Künstler, ein Mensch, der auch im Analytisieren, im wissenschaft­lichen Kramen noch Künstler bleibt, ja im Gegenteil noch anwächst, ist in Ernö Szöp vertreten. Bei seltener Flüssigkeit und Aus­beutung der Sprachmittel, wirft er Schattenrisse von solch präg­nanter, verblüffender Aehnlichkeit, von solcher Klarheit der Form hin und weist solch erstaunliches Charakterisierungsvermögen und straffe Sicherheit der Beobachtung ans, daß man im Unklaren ist, was man an erster Stelle bewundern soll. Man lese das Büchlein und verstehe diesen .ethischen* Plauderer, wie ihn Edschmidt nennt, und man wird ihn schätzen und lieben lernen.

M. Schmid:Kling er'. Verlag Velhagen L Klasing, Bielefeld und Leipzig. Auch dieser Große unter den Künstlern des heutigen Deutschland hat nun seine Würdigung in der Reihe der rühmlichst bekanntenKünstlermonographien' gesunden. Wer kennt heute nicht Klinger, den Maler derPieta", der ..Kreuzigung", derGesandtschaft" u. a., den Schöpfer derKassandra", des Dramas", der .Amphitrite' usw. Neben Böcklin und Sans Thoma erkämpfte sich Klinger Schritt für Schritt den Weg zu jenem Ehren­platz, der ihm heute zukommt. Frei von aller Nachahmung, ohne stereotype Formen und abgenutzte Formeln, gewiß nicht immer unter Verineidung des Bizarren, hat Klinger, vollkommen deutsch in Theinatas, Fühlen und Denken, übergehend zur freien dekorativen Beherrschung des Raumes, Großes, Eigenes geschaffen. Das alles, seine rudimentäre, schöpferische Kraft, sein Werden und Wirken kommt hier so vortrefflich zur Geltung, daß dieser neue Band der Künstlermonographien bei einem jeden Freunde echter, deutscher Kunst sicherlich mit Freude ausgenommen wird.

, j? ccf crgDas deutsche Musikleben" geh. 6Mk.,

geb ,,50Mk. Verlag Lxhuster u. Loeffler, Berlin W 51 Es ist ein zweifellos bedeutendes Werk, das der seit 2 Jahvön'im Felde stehende Verfasser hier geschaffen hat und über dessen Auffassung und Jdeendurchführung es sich schon der Mühe lohnt, zu streiten. Dre Lehre unsrer Zeit über den (Äenuß hinaus auch in der Kunst zur Tätigkeit Lu gelangen und diese Tätigkeit unk ihrer mrd unsrer selbst, nicht um des erhofften Genusses willen zu üben, diesen Grundgedanken der soziologischen Aesthetik, versucht der Verfasser m ferner Anwendung aus unser Verhältnis zur Musik zu zeigen.

Er tmll alsv, wie er angibt, die genießerisch« Kunstcmffvssungj ^rrch eine tätige ersetzt wissen. Der musikalischen Form die Uemente, /Gesellschaft, Musiker und Kritiker, gebend, geht er Schrrtt für Schritt mmachsichtlich gegen alle Schattenseiten uiid Mißstande vor, gegen den privaten Bildungsdünkel, die Frei- denkerer rm Musiklehrerberuf, das Mirsik-Dilertantentnm von Hof- theater-Jnteridanten, die Mängel in der ivirtschaftlichen Stellung d-S Musste^, die heute verpfuschte Kantmermusik-Form, die Fach­presse, das Verlagswesen usw. usw. und das alles in einer Form Und Sprache, die einem jeden Interessierten, Fachmann wie Dt- «ttLnten, musikalischen rQer unmusikalischen Menschen, klar dre wlftrschenswerten Ziele vor Augen hält. SRusiker sein heißt Bildner fern. Bildner sein entspricht nicht der Tätigkeit des Komponierend rnr heutigen Sinne, die nreist nur ein Nachbilden tst, weil sie gegebene Muster reproduziert. Bildner sein heißt Formen schaffen. Nur die lebendige Form' ist wahrhafte Form, vürr der sie kündet, ist der Musiker. Es nrfro sich sicher manches /,Wr undWider" gegen dieses Buch erheben, aber es weist auf em hohes Ziel hin, das erreicht werden muß und zu dem es den Wegweiser gibt. Wie die Wege beschaffen sein sollen, wird die Praxis von selbst lehren. Wir können dem Werke nur die werteste Verbreitung wünschen.

Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Lite­raturfreunde. Verlag: Egon Fleische! L Co.. Berlin W. 9. DaS 1. Januarheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Fried­rich Rosenthal: ThaddäuS Rittner; Thaddäus Rittner: Mein Leben ; Julius Rodenberg: Aus Tagebüchern III; Jos. Körner; Novalis-Findling; Hans Wyneken: Walter Heymanns Vermächt- cnÜt! ^ anu§ 3ohft: Vom Geschmack des Publikums. - Echo der Bühnen. Echo der Zeitungen. Echo der Zeitschriften. Echo des Auslandes. - Kurze Anzeigen. - Notizen. Nach­richten. Der Büchermarkt.

Ungewöhnlich fesselnd ist der Roman von Reinhold Ort­mannHüter der Gerechtigkeit", den wir tn den neuesten Heften der beliebten FamilienzeitschriftDas Buch für Alle" finden. In seltsamen Verwickelungen und lebendigen Szenen führt der Ver­fasser die gegensätzliche Charakterentwicklung von zwei anfänglich befreundeten Angehörigen des Rechtsstaudes dem Leser vor Augen. u!u ev m Cn Illustrationen der letzten Nummer verdienen die statt­lichen Vollbilder nach Genrälden und Originalzeichnungen hervor­ragender Künstler, wie A. Gebhard, Professor Holenberg, Professor Jungwirth, O. Roloff und anderen besonders hervorgehoben zu werden. Sie befriedigen sowohl hinfichtlich der AuSioahl, als der technischen Wiedergabe in hoheni Maße.

, c 4 7n? eu ,i^ er Wille (Kunstwart). 2. Dezember- Sj'y, (Kriegsausgabe zu erinäßigtem Preis. Vierteljährlich 3^60 Mk. Verlag von Georg D. W. Eallwey. München.) - Die Berechtigung des Völkerhasses. Aveiiarius: Haßvflege. Otto . ^-Amerikanische Friedenspolitik." Artur Liebscher gibt ein Bild des ,m Kriege gefallenen Botho Sigwart. Die Rotem betlage bringt dazu ein Klavierstück Siqwarts. Wilhelin Stapel schreibt über gotische Schuilzaltäre. Hierzu gehören in der Bilder benage drei Blätter, welche Schnitzsigureu vom Jseuheiiner Altar wteoergeben. Endlich folgt eine Besprechung von Walter Flerens Wanderer zwischen beiden Welten" mit Proben aus dem Buche.

_ r - .,Die Weltliteratu r". Adalbert Stifter: Ter Hage- l^lz- Preis 10 Psg. Vierteljährlich 1,20 Mk., Vorzugsausqabe 80 Psg. die Stummer. Die .Weltliteratur", Müncheii 2, Färber­graben 24, bringt die besten Routane und Novelleii aller Zeiten und Völker in geschmackvoller Ausstattung und ist in jeder Buch­handlung erhältlich.

Logogriph.

Im Haupt einG* und an dem Fuß einl".

Bin ich ein Tier aus indischen Gewässern;

Ersetz' durchC" undr" die Zeichen schnell,

Komm' ich aus Rußland, wohlverpackt in Fässern.

Im Haupt einP" und an dem Fuß ein ,n",

Erkennst du mich sofort als muiitern Asien;

Streichst du dies p n, wirst eine Stadt du sehen,

Die einst verfiel durch Lougobarden-Waffen.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer r Abkürziingen: tr = Treff, p = Pique, c = Coeur, car = Carreau trB Treff-Bube, pA Pique-, cD Coeur-Dame usw. Vorhand erhielt trZ, trK, tr9, P D, carZ, carK, carD, car9 car8, ear7, Mittelhand drückt pK und p7, Hinterhand hat den Rest' Verla»,s des Spieles:

I. V. earZ

M. carA

H. carB

23.

2. H. pA

V. pD

M. cB

3. M. trA

H. p8

V. tr9

4. M. tr8

H. pZ

V. trZ =

20.

5. V. trK

M. tr7

H. cZ

14.

6. V. car9

M. c9

H. cK =

Sa. -----

- 4.

- 61

Schri'tleitung: Fr. R. Zen«. - Zwillingsrnnddrnck und Brrla, der Brnhl'schen Unioersiiats-Buch- und Steindrucker-,. Si. Lange, litießen.