Bert von Versen, ich denke, wir gehen zu Chateau Latour Aber. Ohne den Aufstand drüben sähen Sie berde heute nicht hier. Das ist das einzige Gute, was ich den Herrgottsakra Mentern nachsagen kann."
Ernst August sog behaglich an einer Zigarre. „Wir haben uns nicht schlecht gefreut, als unsere Mobilisierung befohlen wurde. Das ewige Garnisonseinerlei wächst ja selbst dem enragiertesten Soldaten zum Halse raus! Bleibt nur ein Jammer, daß es zu nichts Rechtem kommt!
' (Fortsetzung folgt.)
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Der wandernde Ring.
Skizze von Max Preis.
In den Läden des Goldschnneds Anton Feiler trat eines Tages — es war im Frühling des Jahres 1705 — der junge» Graf Freigarten und verlangte einen zarten Goldring zu kaufen. Der Meister brachte eifrig eine. Lade mit Ringen herbei und lieh die kleinen, runden Reifen, einen nach dem andern, in dem schmalen, gelben Sonnenband, das auf dem dunklen Holz des Tisches lag, auflenckten.
In diesem Augenblicke begann die Geschichte eines Ringes, die, von Kriegen imb Schicksalen beschwert und von mancher Freundlichkeit überhellt, sich tvnnderlich fortschlingt bis in unsere Zeit. Da waren in dem Laden des Goldschmieds breite, schwere Eheringe, fest und haltbar urrd wie für starke und ehrsame Kauftnannsleute und Bürgerstände gescl-affen; da waren schmale Reifen von blassem Glanz, wie sie ein junger Bursch wohl seinem Mädel geben mochte, wenn er an einem schweren Mondschein- 'jobenb Mschied nahm und auf der Brücke nochmals stehenblieb und zurückschaute urrd dann hinausging in die Welt; da war ein Verschnörkelter, gelber Ring mit einer Rose aus dunklen Rubinen verziert: der junge Graf lächelte, wie er ihn sah; einen solchen hatte er einst einer schwarzen Schönen geschenkt als verächtlichen Lie- besdank. Da waren weiter Rrnge, in denen eine matte Perle glänzte wie eine Träne; solch einen Ring mochte ein blasses, sanftes Mädchen tragen zur Verlobung mit einem ungeliebten Mann. Es waren da Ringe aller Grützen unb Formen; aber der junge Graf schüttelte den Kopf und legte die schmalen, kleinen Goldreifen, einen nach dem andern, zurück auf den dunkeln Ladentisch.
„Nein, Meister Feiler," sagte er, „das ist nicht, was ich suche. Hat er kein ganz besonderes Stück? Es müßte ganz besonders sein, zart und schön, und müßte mehr sagen können als alle andern; gleich als wie die, so ihn tragen soll."
Der Meister lächelte urib schob seine Brille zurecht: „Mit einem solch aparten Rinalein könnte ich dem Herrn Grafen schon dienen," sagte er, wischte vorsorglich seine Hände am blauen Schurzfell rein und nahm ein kleines Kästchen aus der Lade, sein, mit lichtblauer Seide überzogen, und rote Rosen waren in die Ecken gewebt. Ein zarter Ring lag drinnen, der statt eines Steines zwei eng verschlungene, winzige, goldene Hände trug. Der Goldschmied nahm den Ring heraus, ließ ihn funkeln und schob behutsam die beiden Händchen auseinander. Da lagen zwei kleine Herzen darunter und blitzten einen Augenblick lang im Lichte auf, Und dann schlossen sich die kleinen Hände über ihrem Geheimnis. Der junge Graf kaufte den Ring und trug ihn froh nach Hanse.
Des Abends wurde der Ring mit einem Brief zusammen an die schlanke, junge Baronesse geschickt. In dem Brief aber stand:
„Meine hertzliebe Antonie!
Willst mir erlauben. Dir ditz kleine Ringlein zum Ley'chen der Verlöbnitz zu schicken. Willst mein Hertz in Deinen schönen Händen, die ich viel tausendmal küsse, halten, gleich als wie es die kleinen Händlein am Ringe thun. Und will nicht nur mein Hertz in Deine Hände legen, geliebte Antonie, sondern auch mein gantz Glück, mein garrtze Zukunft und mein aantzes Leben.
Und somit bitte ich Dich: bewahre mir viß kleine Souvenier, so lange, als wie ich lebe, so lange, als wie Du mich liebst. Gott gebe, Du mögest das Ringlein lange tragen. Wenn Du es aber Nicht mehr tragest, dann, meine liebe Braut, aib es demselben Menschen, so Dir der liebste ist auf der Welt, gleich wie ich eben Dir gefce, als dem Liebsten, so ich habe. Ich küsse Dich vieltausendmal in hertzlicher Liebe Dein Hanns."
Baronesse Antonie lächelte, wie sie den Brief gelesen hatte, Und drückte ihn an ihre Lippen. Den Ring aber steckte sie an ihre schmale, weiße Hand, und dort blieb er bis zum Tode ihres Mannes und noch länger.
MS ihre Tochter, die blasse, schlanke Komtesse, den mehr als Vierzigjährigen Kammerherrn von dem Stein heiratete, zog die atte Gräfin den Ring vom Finger, gab ihn ihrer Tochter und sagte leise:
„Ich gebe Dir altz dem Liebsten, das ich noch auf der Wett habe, den Ring. Bewahre ihn gut, und möge er Dir Glück bringen, wie er mir das Glück meines Lebens gebracht hat. Vielleicht gibst wrch Du ihn einmal an Dein Kind."
Die junge Frau steckte den Ring schweigend an ihre linke Hand: tax der Rechten trug sie einen Reifen, in dem eine matte Perle münzte; den VerlobungSrina ihres Mannes. Drei Jahre lang trug i» den Ring mit den verschlungenen Händen, die zwei Herzen mt ein Geheimnis umspannt hielten.
Und so kam ein Abend, an dem sie den Ring abstrerfie und «r enre brmine Männerhand stectte. „Aber trage ihn hermkkL" finsterte sre dabei, „es ist ein Talisman, den man nur dem schenkt, ber ernem der Liebste auf der Welt ist." In daS blauseidene Käst- chen aber legte sie an diesem Abend eine schwarze Locke — rund
xntb glänzend wie ein Ring-die sie wohl tausendmal geküßt
hatte. Eines Tages fragte der Kammerherr mit finstern Lügen r „Wo hast Du der: Ring von Deiner Mutter?"
„Ich habe ihn verloren!"
„Hast Du ihn verloren?" sagte höhnisch der Kammerherr z „hast wohl noch manches andere verloren? Nun, gut: ich habe den Ring gefunden!" Und er warf ihr den Ring hin, daß er klirrend über die Tischplatte lies.
Da wußte sie, daß Blut geflossen war und daß sie einen Toten! lrebte.
. Kammerherr aber nahm den Ring und schenkte ihn
einer Dirne als verächtlichen Dank für eine lustige Stunde.
So kam der schmale, zarte Reif an eine parfümierte Land, die breit und gewöhnlich war und rosig geschminkte Nägel hatte; neben einen verschnörkelten, gelben Reifen, der mit einer Rosa aus dunklen Rubinen verziert war.
Er blitzte in dem schwülen Lichte rvter Ampeln, er klirrte an Weingläser, er wurde beim Kartenspiel unter Dausen schmutzigen Geldes geworfen, er lag in den dumpfen Räuinen eines Ver- satzhanses und kehrte wieder zurück an die parfümierte, breit« Hand.
'Wenn dann ein grauer Morgen dämmerte, sah der Glan- des Ringes matt und verblaßt aus; aber die kleinen Hände umschlossen fest wie früher das Geheimnis der beü>en winzig goldenen Herzen.
Einst ging an solch einem grauen Moraen ein Offizier von der Trägerin des Ringes und trug den Reifen an seiner Hand; der sollte als Talisman mitgehen in Krieg rmd Kampf, hatte die Spenderin gesagt. So kam.der Ring in Lärm und Krieg und sah ein zweitesmal Blut fließen; und oft, wenn der Schein dev Lagerfeuer über ihn hinflackerte, blitzte er lustig auf wie eine! rötliche Klinge. Aber es kam eine Nacht, wo er ganz blaß und schmal erschien: daö war an einem schweren Mondscheinabend, als der Offizier Abschied nahm von einem Mädchen, ihm den Ring gab urrd sagte: „Zum Andenken..." Dann schritt er aus dem Garten, blieb aus der Brücke stehen und schüute zurück und ging hinaus ins Leben. Oder in den Tod....
Nun sah der Ring viel Tränen und glänzte wieder zart und schön an einer schmalen, Weißen Hand; bis eines Tages ein schwerer, breiter Ehering p sein Nachbar wurde, urrd die Harrd fester und stärker ward, wie es sich für die Hand einer ehrsamen! Bürgersfrau schickt.
So gingen lange Jahre hin; als die !öüraersfrau alt und krank wurde, gab sie den Ring au rhvckr.' iSohn und sagte: „Dieser Ring ist Mir von einem großen Glück geblieben; so geb ich ihn dir und bitte dich: bewahr ihn gut und schenk ihn einmal dem Menschen, der dir bas Liebste auf der Welt rst." Der Junge aber nahm den Ring, -legte ihn in eine Lccke und vergaß bald seiner. Da lag nun der Ring, ein wenig verblaßt rmd wegmüde; er dachte an alles, was er erlebt hatte: an Sonnen- und Mondenschein, die über ihr: hingelenchtet hatten, an die schrnalen Mädchenfinger, die breiten Frauenhände, an starke Männerhände, die ihn getrEn; dachte an Sviele, an Feste und an Kriege und dachte auch an sein« Jugend in der Lade des Goldschmi«ä>s urrd an die vielen Ringe, die seine Nachbarn waren, und die er alle später in der Welt getroffen hatte. Manchmal dachte er auch an seine Zukunst und wartete, was noch kommen werbe.
Sein Besitzer aber wurde inzwischen ein mürrischer, einsamer Mensch, der älter und älter ward urw keinen gefunden hatte, der ihm das Liebste auf der Wett gewesen wäre. Doch eines Tages erwachte, wie er dem Spiel eines kleinen blonden Buben zusah, etwas Warmes in dem alten Mann Da suchte er den Ring unter altem Gerümpel hervor, putzte ihn behutsam ab und lächelte so froh, daß es wie ein Widerschein des Goldglanzes über sein finsteres Gesicht leuchtete, lind als er den kleinen Buben wiedersah, zog er den Ring aus der Tasche und steckte ihn an den Mittelfinger oes kleinen Händcl-ens. Der alte Mann aber sagte: „Bewahre den Ring gut, kleiner Blondkopf, hörst Du? Und wenn Du einmal groß bist, dann gib ihn dem Menschen, der Dir das Liebste auf der Welt ist; vergiß das nicht!"
Cs vergingen Jahre, die kleine Hand wurde größer und größer und trug den Ring am kleinen Finger. Und eines TageS wurde der Ring mtt einem! Brief zusammen verschickt. In dem Brief aber stand:
Meine herzliebe Tom! s
Willst mir erlauben. Dir diesen Ring zur Verlobung zu schicken? Willst mein Her^ in Deinen Händen halten, wie eS die kleinen Händchen am Ringe tun; und nicht nur mein Herz, mein ganzes Glück, meine ganz« Zukunft und mein Leben will ich in Deine Hände legen. Ich küsse Dich vieltausendmal, Dein HanS.
Wenige Wochen später zog der blonde Mann hinaus in den großen Krieg der Gegenwart.
Da wunderte sich der Ring, wie alloS wiedorkommt und wie die Wett jo rund ist und ohne Ende ineinandergeht, alS wir ein schmaler, kleiner Reffen aus Gold... *,


