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Zuweilen ging die Sache schief: dann fauchte der Doktor wie seine kleinen Krater, brummte langatmige Verwün­schungen urid wollte nichts essen. Doch der Dämon her Arbeit hetzte ihn bald wieder zwischen Krater und Labora­torium hin mrd her, wo er unentzifferbare Notizen inS Buch kritzelte.

Er besaß eine besondere Vorrichtung in Gestalt einer seltsam «gesonnten Retorte, mittels der er die Gase aus den Kratern auffing. Wenn ich Hörte, daß er eine dieser Re­torten wütend zerschmetterte, dairn wüßte ich: heute ist ein Unglücks tag. Inzwischen zeigte der Vulkan aber auch daß er Temperament besaß.

So verstrichen fünfviertel Jahre anderthalb, und ich begann schon zu zweifeln, ob wir die Insel jernals! verlassen würden. Mein Tabak ging auf die Neige, und die Leute wurden unruhig, so daß meine Besuche am Strande sich recht interessant gestalteten. Eines Tages kam der Doktor mit strahlendem Gesicht aus. dem Laboratorium.

Jetzt dauert es nicht mehr lange, Percy," sagte er in dem alten Ton.Fetzt nicht mehr. Der erste wirÜiche Er­folg! Wir müssen die Kraft bloß noch unter unsere Kontrolle bringen! Aber das Ziel ist erreicht!"

Es ist aber auch die höchste Zeit, Herr Doktor," er­widerte ich.Wenn nicht bald etwas geschieht, werden wir mit den Leuten Schwierigkeiten haben."

So?" fragte er erstaunt.Aber tun könnten sie uns nichts gar nichts," setzte er hinzu, sein großes Haupt vertrauensvoll hin und her wiegend.Wir sind bewaffnet."

Allerdings, sie aber auch."

Uns stehen Wasser: zu Gebote, wie sie noch nie ein Mensch besaß," wiederholte er, brach dann aber kurz ab und ließ mich stehen.

Seitdem denke ich darüber nach, was wohl geschehen Ware, wenn die Leute uns angegriffen hätten. Es wäre sehenswert gewesen und überraschend! Dessen bin ich gewiß. Vielleicht hätte ich dann etwas mehr von dem

großen Geheimnis erfahren-Jetzt ist alles so dunkel

m hier und da nur ein Fünkchen ein paar Theo­rien H ein bloßes Aufdämmern ^>"

5. Kapitel. Cele stium.

Wie ich die nächsten sechs Monate verbrachte, kann ich Ihnen kaum beschreiben! Zuweilen langweilte ich mich ßirchterlich. Doch gab die Beimischung des Geheimnisvollem Ungewissen und der schlummernden Gefahr der Sache immer­hin einen Reiz. In den Perioden tödlichen Stumpfsinns fand ich einiges Vergnügen darin, das Lager zu besuchen urch den Nigger zu necken. Slade wird Ihnen wohl schon erzählt haben, daß jener über einen unerschöpflichen Fonds an Aberglauben verfügte. Was er noch nicht wußte, lernte er durch mich hinzu und ich bin überzengt, daß er, falls er in seine Heimat zurückgekehrt wäre, beachtenswerte Bei- trage zur afrikanisch-amerikanischen Hexenlehre hätte liefern können.

^ Entsinnen Sie sich noch der Vampire, Slade? Und der Deufelsflammen? Natürlich hütete ich mich wohl zu er­wähnen, daß ich über diese Svukangelegenheit selbst nicht Bescheid wußte. Doch bildete sie damals eüve Quelle des Vergnügens für mich, obgleich ich mir stets bewußt war, m:t dieser Art Zeitvertreib ein gefährliches Spiel zu spielen, ^.o:e keineswegs freundlichen, sondern immer halb zwei- xlnden, -halb furchtsamen Blicke der Leute mir bewiesen. Selbjt in Handy Salomons, des großen Realisten, Seele chlummerte ein Fünkchen Aberglaube, bei dem man ihn assen konnte Nur Gagen Slcche wollte ich sagen war aber mich erhaben. Ich habe mir in jenen Tagen genug über

Sie den Kops zerbrochen, Slade-r

Wie ich schon erwähnte, beunruhigte mich des Doktors Benehmen öfters. Er hätte mir ein wenig mehr Vertrauen schenken können.

Wenn ich nachts umherschlenderte, ließ er häufig seine merkwürdigen Lichter spielen, die bisweilen geradezu er­schreckend wirkten. Zufällig machte ich, von einem erhöhten Platz hinunterschauend, eines Abends die Entdeckung, daß ihr Ausgangspunkt nicht das Laboratoriunr war. Der Doktor arbeitete stets im Freien, wenn er dieses Licht erzeugte. Eimnal nahm das Experiment eine ernste Wendung. Das nacferube Licht war erloschen und Doktor Schermerhorn ins Laboratorium zurückgekehrt. Ich kan: gerade den Bach

herauf, als er plötzlich die Tür aufriß stiid heraüsstürzte, nÄS mit einem Unterhemd und einen: Paar abgetragenen HosM bekleidet. Um seine Hüfte flimmerte eine Art Glorienschein^ der sofort erlosch, als er kopfüber in die kalte Quelle sprang. Natürlich zog ich ihn sofort heraus. Er schien ganz be^ nommen urid antwortete auf meine Fragen nnr durch Ge-, murmel:

Das verstehe ich nicht. Es ist ein unbegreiflicher! Zwischenfall."

Augenscheinlich wußte er selbst nicht, weshalb er inZ Wasser gegangen war, oder er wollte es nicht sagen.

Am nächsten Tage war er wie ausgewechselt, zwar immer noch schweigsam, aber voll selbstzufriedener Heitere keit. So ging es Woche::-, ja monatelang. Die Anfälle von Niedergeschlagenheit und Aerger käme:: immer seltener. Da, als ich eines Nachmittags von der Hammeljagd heimkehrte, hörte ich zu meinem Schrecken merkwürdige Töne aus dem! Laboratorium. Trotz des strikten Verbots drang ich hinein und fühlte mich sofort in einer würgeriden Umklammerung, die sich schließlich als Umarmung entpuppte.

(Schluß folgt.)

8t. Martin und der Martinstag.

(11. November.)

Kulturgeschichtliche Plauderei von Dr. E u g e n S i e r k e ^ Braunschweig. *

w St. Martin war ein wilder Mann,

Trank gerne cerevisiam,

Und hatt' doch kein peeumam.

Drum mußt er lassen tunieam.

Altes Studentenlied.

Heilige und Staatsmänner, die sonst miteinander wenig gemeist haben, teilen das gleiche Schicksal, viel Unrecht leiden zu müssen^ womit der so oft angegriffene Reichskanzler, Herr von Bethmann! Hollweg, sich trösten mag. Auch Bismarck ging es nicht anders« Aber vielleicht spricht ein späteres Jahrhuiidert beide noch einst heilig, wie es in: fünften Jahrhundert dem Heiligen Martin ge-, schehen ist, der etwa 317 geboren wurde und im hohen Alter von 83 Jahren als Bischof von Tours gestorben ist, ohne daß man viel von seinem Martyrium vernommen hätte Dies haben ihm erst dis mittelalterlichen Musensöhne auferlegt, indem sie chn ganz ohne beglaubigten Grund zu einem fidelen Kneipbruder stempelten, deü seinen Mantel habe versetzen müssen, um nicht wegen Zechprellere­in arge Ungelegenheiten zu geraten.

Martin, den man kordial auch Marten, Märtel, Matees, Mer-, tens und mit ähnlichen Koseformen zu umschmeicheln liebte, wall einer römischen Offizicrsfamilie entsprossen und soll, da er in seiner Jugend auf Wunsch seines von der Pike auf gedienten Vaters sichj gegen seine eigene Neigung, die ihn zu dem Anachoretentum und dem christlichen Bekenntnis hinzog, dem Soldatenstande zuwandte, von Mars, dem Kriegsgotte, später seinen Namen genommen haben. Als Kriegsmann mag er wohl einen guten Trunk nicht verschmäht haben er gehörte bis zu seinem 21. Lebensjahre dem Heers an l, aber daß er ein besonders starker Zecher gewesen sei, haben seine zeitgenössischen Biographen nicht bezeugt. Sie erklären den Verlust seines Mantels, der später sein Attribut geworden ist, ganz anders. Als ihm nämlich ein Bettler, der heftig unter der Kälte litt, begegnete, teilte er seinen Mantel und gab die eine Hälfte ihm. Im "Kampfe steckte er die andere ans Schwert oder an die Lanze und stürmte damit den Kameraden voran, ihnen den Sieg bringend. Da er schon als Knabe in Mvia, wo er erzogen ward, mit dem Christentum bekannt geworden und ihm gewonnen toar, so ließ ep sich bereits im 18. Jahre taufen, verblieb aber noch mehrere Jahre bei seinem Truppenteil in Gallien, bis er mit dem Bischost.Hilariusl von Poitiers in persönliche Berührung trat, der ihn für den geist-, lichen Stand zu gewinnen suchte und ihn ausbilden lassen wollte.. Mir die Theologie, wie überhaupt für das Studium der Wisseii-, schaft, scheint er indessen nicht viel Neigung verspürt zu haben, dq er das Leben eines Einsiedlers vorzog, um als Heidenbekehrer zu tv^rken lind dem Christentum, das er innig verehrte, viele Anhänger zuzuführen. Auch in seiner Familie- trachtete er als Werber für drests zu wirken hielte aber nur bei seiner Mutter, die sich ebeir-, falls taufen ließ- Erfolg.

, Jii den theologischeil Wirren, welche durch das Auftreten dev Arianer entstanden, hielt er treu zu seinem Bekamitnis, für das er wüar das Martyrium körperlicher Züchtigungen auf' sich nahm. Spater hielt, er sich auf einer Insel tn der Nähe der genuesisch^ Kujte auf, ging dann aber wieder nach Gallien imd gründete dort in der Nähe von Poitiers uni 370 eine MönchSgelneinsckiaft nniß em Kloster. Als der Bischof von Tours gestorben >oar, wählte ihn diese Stadt in ©emmfdjoft mit Nackibcrracmeinden zum Bischof, ioas ihm aber so wenig erwünscht ivar, daß er sich eiitschicden da-, gegen fträilbte und in seinem Kloster der Annahnve des' Bischofs^ stabes sich zu entziehen verfuckZde. Auf starkes Andringen gab er icdoch nach, als man ihri halb mit GewM aus dem Kloster zu eitfr