Die Anfänge des modernen Kriegswesens.
Von Prozessor Dr. A. Dören.*)
Noch im 17. Jahrhundert war es so, daß der Deutsche überall, kw es in der Welt zu kämpfen galt, an erster Stelle stand, daß er den Lockungen der höheren Löhnung damals folgte, Wie er bis in die jüngste Zeit solchen Lockungen im friedlichen Wettbewerb, nicht imnier im Interesse seines Vaterlandes, gefolgt ist. So konnte es kommen, das; Deutschland, trotz aller furchtbaren Prüfungen und allen Menschenverlustes der Religionskriege, dank seiner unverwüst- lrch-en Volkskraft noch immer aus unversieglich fließenden Quellen die frenrden Länder mit Kämpfern speiste . . .
In Preußen aber, wo die Herrscher seit dem Großen Kurfürsten srchl der sittlichen Pflicht gegenüber ihrem Land und ihren Untertanen im vollsten Maße bewußt waren, galt es jedenfalls bei den Staatsangehörigen mit allen Mitteln, auch solchen strengsten . Zwangs, erzieherisch zu wirken, um jenes Verantwortmrgsgefühl dem Staate^gegenüber allmählich zu wxcken, vor allem aber den Bedarf an Soldaten gegenüber einem finanziell überlegenen Wett veiverb von außen her unter allen Umständen zu sichern . . .
So wurde zuerst zwar das Prinzip der Freiwilligkeit bei den Werbungen dem einzelnen gegenüber vom Staate beibehalten, aber Krerse und Gemeinden wurden zur Rekrutenstellung gezwungen und so das Odrum versteckter Zwangswerbung auf sie abgewälzt. Und nun taucht, gerufen von der Notwendigkeit, dem werdenden Großstaat seinen Bestand durch eine schnell anwachsende Armee zu sichern, nuch rn Preußen um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts der m ^.r Anhike wbe in den ältesten Zeiten deutscher Geschichte schon verwirklichte, ttanrr voM Staub der Jahrhunderte verschüttete Ge d>anke von der Wehrpflicht des freien Mannes wieder auf. .
Das Sichwiederfinden von Staat und ivehrhaftem Volk, die An- dahnung emer Neugestaltung des Heeres zu dem, was es' nach ^'bitschkes Wort in jedem Staate sein sollte: „die zusammengefaßte physische.Macht des Volkes", das ist das wichtigste Ergebnis der absolutistischen Epoche .
Mit dem Sieg der monarchischen Zentralgewalt wird der Krieg zinn letzten Gewaltmittel zur Durchsetzung der persönlichen Politik der Staatsleiter. Die Periode der Kabinettskriege, die hierdurch charakterisiert rst, wird erst im Zeitalter Friedrichs des Großen' und durch dre „Levee en masse" der Französischen Revolution überwunden: der Preuße von >1756 wußte zuerst wieder, wofür gekämpft uiw gelitten wurde, und es ivar doch nicht mir mehr die strahleiäw Helle Fines Glaubens an ben großen König, die ihm die 7 jährige Nacht s emer Leiden durchleuchtete, sondern auch der Glaube an die Sache, der diese Kämpfe galten.
In der Entwicklung der Technik liegt der größte Fortschritt in der Erfindung des Schießpulvers und der Feuerwaffen. Gerade der technische Radrkalrsrnus dieser einen Neuerung aber brachte es uru: suh, daß sie so ungeheuer langsam und mir unter tausend technischen und-oft auch seelischen Widerständen sich durchsetzte: galt doch noch lange der Gebrauch der Feuerivaffe als des braven, persönlich! tapsereii Einzelkriegers univürdig. Während vor allen: die Kwere Artillerie nicht zum wenigsten durch die Verdienste Kaiser Maximilians bald technisch vervollkommnet wurde, führte die Ausrüstung der Infanterie und später die der Reiterei mit den neuen Waffen zu emer Takttk von ungeheurer Schwerfälligkeit, die fast nur zum plrmrpen Mafseustoß fähig war. Erst die langsain durch Moritz von Oraurerr, dann durch Gustav Adolf, durch die großen Franzosen zur , Zeit Ludwigs 14., Conde und Turenue, endlich durch dre preußrfchen Fürsten seit dem Großen Kurfürsten und ihre Heller jich,durch,etzendeu techunchen Neuerungen führteil wieder zu M^lMtwNis der Waffen, zur Auflösung der Massen, zu tattrscher Gliederung zur Bildung von Reserven: bis es Friedrich dein Großen im ^ahrMr Krieg durch die volle Ausbildung der Lmeartaktil und die Wiedereinführung der sogenannten schiefen Schlachtordnung, durch Steigerung der Feuergeschwindigkeit und -regelmaßigkert bis zu sechs L>chuß in der Minute bei' der Jn- santerre, durch Wiederbelebung eines schneidigen ßlrrgrisssgeistes bei m k enblidj burd) bie Trennung der Feld-- voll der
^ BelaMrimgsartrllerie ntlaua, bie preußische .irmee zu jenem jedem Tfcinfteit Truck uachg-cbeubeir Instrument milMschasien, bis sähis lvar, den Armeen halb Europas siegreich «egeimberrutreteii Alls dem Gebiet des Festmigsbaues. beB Wer und Magerimgswesens sind dagegen zuerst die Holländer m ihren FreilMtskämpfen, bann die Franzosen, vor allcili der geniale Bauban, Lehrer Europas gewesen
Wert geringer sind die Fortschritte, die die Kriegführung während dieser Periode rn der Richtung auf Vermenschlichung ihrer ans di- TiirchsittliclniNg ihrer Aufgabe gemacht hat. gtan „sac oo di« Roma" zu Beginn dieser Periode folgert die
«ltuehmen diese interessanten Ansführnngen eniem Beitrag des Versassers zu dem soeben erschienenen Bändchen der Sammlung »-Ans Natur und Geisteswelt": Kulturgeschichte des §^Eg«s lVerlag B. G., Tuchner. Leipzig, geh. Mk 1.20, geh E. 1.M) von den Leipziger Universitätsprofessoreil Tr 9 Weule D°e HBethe, Dr B Schneidlcr, Dr. A. Tore!-Und Dr.P. Henne
Krieg und Kultur iu ihrer gegenseitigen VecfleckKuua mth
durch Mterttim, Mittelalter ^ur$ Neu zeit bis zur GegeniMrt verfolgt. -
Greuel der französischen Religionskriege mrd des 30jährigen !
Krwgcs, folgt zu Ende des 1". Jahrhunderts die entsetzliche Verwüstung der Pfalz durch die Bauden Melacs : und erst die Krieg- kuhruug Friedrichs deä Großen zeigt lvenigstens das Streben eines ausgeklarteu,freien und weiten Geistes, Plünderung und Verwüstung als Selbstzweck zu bamrcrr und sie nur im Rahmen höherer, unumgänglicher Krregsziveckc als notwendige Uebel gelten zu lassen, tm ^enenHoere konnte der Untertan, der den: Staate gegen- P sticht tat, Nicht mehr mit der rein geschäftsmäßigen! ^5?sOs5^$^b/u^^oheit,,die dein Söldner gegenüber bis zu einem gewißen Grade notwendig war, behandelt werden. Noch! imrner aber, und letzt sogar wieder in erhöhtem Maße infolge der erhöhten Beweglichkeit der Heere Ulid der Notwendigkeit, ihre Ver- VtF 11 .® oer heimischen Magazinversorgrmg einigermaßen unabhängig zu machen, urußte das besetzte feindliche La,id das Heer errrahren und grausame, unbezahlte -Requisitionen, vor allem auch 1 aV ei r t€ l l ^ e £ „Winterlager", iit denen der Kampf ruhte, dulden. Auch das ^>anitätswesen lag rrbch ziemlich im argen, wenn auch hier gerade manche Fortschritte zu verzeichnen waren. Nach dem Vorbrw der Städte war schon im Heere der Landsknechte ein Wundarzt für jedes Fährllein vorgesehen, aber allerdings mir in den seltensten Fällen vorhanden. Auch hier brachte erst die Per- ftaatlichuiig mit der Forderung wissenschaftlicher Vorbildung der Feldschere eine wesentliche Besserung vor allem auf dem Gebiet der Wundbehandlung und die Anfänge emer Kriegshygiene: zu Beginn des 18. Jahrhunderts begegnen wir zuerst auch der Forderung emes .erhöhten Schutzes für die Verwundeten und ihre Pfleger 1671 wird zu Paris für die Kriegskrüppel das erste Jnvalidenhaus gegründet.
. Zum ersten Male hat sich seit der Antike wieder in dieser Perrode, die, geistesgeschichtlich angesehen, als Zeitalter der Renaissance urrd der Aufklärung erscheint, auch die von religiöser Bevormundung freilverdende Wissenschaft wieder des Heeres- rmd Kriegswesens bemächtigt: eimnal dadurch, daß sie das Wesen von Technik, Takttk und. Strategie historisch urrd systemattsch zu durchdringen und, gestützt vor allem auf die großen Lehrbücher der L>pütanttke, ihrem inneren Wesen nach klarzulegen versilchte: dann aber dadurch, daß auch die höheren und schwereren Probleme der Heeres Verfassung, des Verhältnisse" von Volk und Heer, ebenso lvie die des Wesens urrd der inneren Berechtigung der Kriege selbst unter dem furchtbaren Truck der Not der Zeit wieder Leben gewannen. . . .
Ueber die Uiitersuchung der Mittel iind Ziele der Kriegführung aber lnnaus schritt dann diese Zeit, die zum ersten Male wieder überall nach dem irdischen Wesen uird dem ursächlichen Zusammen- lMige aller Tinge suchte, auch fort zur Untersuchung des Wesens der Kriege selbst iurd ihrer sittlichen mtf) rechtlichen Grundlage Mitten in den Stürmen des 30jährigen Krieges erschien im Jahre 1625 das grimdlegende Werk des holländischen Staatsmannes und Gelehrten Hugo Grotius „Vom Recht des Krieges und des Friedens", das die Grundlagen s " ^4 getarnte moderne Völkerrecht schuf. _
vermischtes.
* Wie soll man Daueräpfel aufbewahren^ Um Daueräpfel mit Erfolg zu halten, müssen sie einen kühlen Raum mit germgeni Feuchttgkeitsgehalt haben. Auf offenen Horden in uuge- eigrreten Räumen werderr sie bald rvelk urrd verliere:: ihre Qualität Wo ein passender Aufbewahrungsort nicht gegeben ist, Mt man nach einem Ratschlag der ZeiFchrift „Ties Blatt gehört der Hausfrau" am besten, die Aepfel in Tonnen oder Kisten gepackt in den Keller oder auf emeri frostfreien Boden zu bringen. Zu dem Zweck werden tte sorg,am von allen fleckigeu oder wurmstichigen Früchten gesondert, darin lagernveiie iu die Tonrre, rvozu sich sehr gu^ saubere Zeiuenttonneri eigner:, gepackt, so daß sie ohne Druck, aber fest crireinander liegen. Sie werden mit sauberem Papier bedeckt: dann versasl:eyt man fte fest mit einenr! Deckel rrnd bringt sie an ihren Standort, ^zede Sorte wird Nattirlich für sich gepackt und rnit der genauen Bezerchmrng versehen. Vorzüglich halten sich der Sckwne vor: Boseop und die Große Kasseler Reiuette. Sie bleiben, rvenn gilt verpackt, ftisch vis an der: Sommer hinein.
^ * Zur Seifen ersparnis. Zur Reinigung gestrichener Treten, lamerter Holzmobel usw., die gewöhnlich rnit Seifenwasser ab gewaschen ivurderr, ernpfiehlt die Wochenschrift „Ties Blatt gehört der Hausfrau" bs,r der jetzigen Seifelrkrrappheit bk Anwendtrng s ncr d.^ßmung von 15 Graumr Salmiak .nicht Salirriakgeistt, 50 Pottasche, 5 Gramm Borax, 1 Liter curfgekochtem und ab- gekuhltem Wasser. Ungestticheue Küchen tische. Bretter usw. mit Blrtzolank und ^andabbursten. Kachelofen: Ein Ar Schuß Salnnak- gerst rn das Wasser gießen. Glasscheiben, Silber nsw. pichen: Spiri- tua nti. '^uilciiuTifreibe verrnbrerr, damit den Gegenstand einreiben trocknen lassen, urrt sicher Bürste oder rveichen: Papierballerr ab- o der Wäsche M sparen, ist es wichtig, daß man 85$ Mecke, wre Obstflecke, mit einenr Fleckmittel eut
Y 1 -- UN schädliches M'-.ttel, das mau sich in einer Drogerie ber stellen lassen kann, besteht aus 100 Teilen Seifemmrrzel, 2,5 Teilen ^ 0 2^t und w Tellen Weingeist. Zurr: Einweickfen der Wäsche verwende Uran statt Borax und v^oda doppeltkohlensaures Natron:
,mutterer Grö^ zwei Eßlöffel. Die Wäsche rorrc kalt mit uun Natronlvasfer aufs Feuer gebracht und muß lane>-


