Der NMum-Vulüml.

Dtontcm von St. E. White und S. H. Adams.

Autorisierte Ueberfetzung. Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

13. Kapitel.

Au s offenerSee.

Unsere Eile half uns wenig, denn es rührte sich kern Lüftchen. Ueber zwei Stunden lang lagen wir, von der rotbraunen Wolke beschattet, still im gespenstischen Licht, wahrend die Fundamente der Erbe erzitterten. Niemand wagte sich nach unten. Träge klatschten die Segel an die Masten, die Spieren ächzten und knarrten, und immer wieder reckten sich die Pyramidenförmigen Wogen empor, als ob gewaltige Hände aus der Tiefe nach dem Schiffe langten. .

Vorher, als die Leute hastig anfingen, Segel 51 t setzen, hatte ich protestiert

Ihr könnt ihn doch nicht auf der Insel zurücklassen! Er muß verhungern!"

Sie antworteten iiberhaupt nicht. Ich schrie und tobte. Da zog mich' Handy Salomon beiseite.

Sie täten besser, das Maul zu halten!" sagte er mit bösem BliekÄeieu Sie froh, das; Sie hier sind und zer- brechen Sie sich Ihren Dickschädel nicht über andere Leute! Wissen Sie, weshalb Sie nicht auch tot da drüben liegen?" Er deutete mit dem Daumen nach dem Strande.Weil Salomon Anderson Ihr Freund ist. Sonst hätte Thrackles Ihnen - Sie haben ihn in die Hand gebissen - in einer Minute den Garaus gemacht. Noch einmal stelle ich mich nicht zwischen die Leute und Sie, darauf können Sie Gift nehmen! Also seien Sie kein Narr!"

Damit ging er. Und ich mußte zähneknirschend einsehen, daß ich nicht das Geringste tun konnte, um Percy Darrow tzu Helsen.

Die Männer standen an der Stenerbordreeling, die Küste beobachtend. Die Hügel verschwanden in dem tinten- schwarzen Himmel, wie man zuweilen den Horizont von. einer Gewitterwolke verschlungen sieht. Dichter weißer Dampf quoll aus dem Bett des Baches iu der Schlucht. Tosender als gewöhnlich rauschte die Brandung, und der emporgeschleuderte Schaum verbreitete selbst M dieser Tagesstunde einen phosphoreszierenden Schein. Wir war­teten. Niemand» dachte mehr an die Kistg, die unbeachtet auf dein Tisch in der Kajüte stand. Alle und jeden hatte lähmende Furcht gepackt.

Was was wird geschehen?" keuchte Handy Salomon.

Diese vulkanischen Inseln versiickeu manchmal voll- ständig. In diesen! Falle würden wir durch den saugenden Strudel mit heruntergerisseu werden!" antwortete ich bos­haft.

Die Spannung wuchs mit jedem Augenblick mcd wurde unerträglich. Schon sprachen oie Märcner von Bugsieren und Verholen, ja, sie erwogen bereits, ob wir nicht zu unserm äußersten Hilfsmittel, den kleinen Booten, unsere Zuflucht nehmen müßten. Doch gerade, als sie sich dazu anschickteu, um nur von der Stelle zu kommen, kam neuer Schrecken.

Aus der Mündung des Arroyo ergoß sich ein Lava­strom, weißglühend, rot irisierend, stellenweise schon mit einer schwarzen Kruste bedeckt, majestätisch über die gras­bedeckte Ebene. Er wuchs und wuchs, bis er die Schlucht wohl zur Hälfte füllte. Von seinen! sengenden Hanch rauch­ten selbst die Gräser am Ranöe der See, und unser Lager war bereits in Flammen aufgegangen. Sogar die hölzerne Reeling unter unfern Händen wurde warm. Wir mußten unsere Gesichter gegen die Hitze schützen.

Mein Gott!" schrie Pulz, aschfahl im Gesicht.

Eine nrächtige Dampfwölke, ein Zischen wie von tausend Schlangen, und der Lavastrom wälzte sich in die See. Wir fühlten das starke Sangen unter unserm Kiel und taumelten bei dem Ruck des Ankertaus, als das Schiff nach der Küste herumschwaug. Die Oelfarbe auf der Reeling fing an, abzu­bröckeln. Donnernde Explosionen Krachen, Brüllen ein ätzender, weißer Dampfschleier, der uns ganz eiuhüllte und ein Gemisch unbeschreiblicher Gerüche herübertrug!

Die Hölle" jammerte Thrackles.

Wir klammerten uns fest an die Reeling, denn un­geheure Wogen rollten von seewärts heran und wuchsen an Ungestüm von Welle zu Welle.

Handy Salomon hob den Kopf.

Wind!" schrie er mit gewaltiger Stimme und sprang zu den Fallen.*) Aber außer Thrackles rührte sich keiner, und die beiden mußten mit Stößen und Schlägen ihre Ge­fährten erst anfrütteln. Mit wahnsinniger Hast machten wir uns nun an das Bergen der Segel und hatten iin Nu alles bis auf ein Stagsegel und düs dichtgereffte Großsegel ver­wahrt. Thrackles zog sein Messer und fprang nach dem Ankertau, während Handy Saloinon bas Steuerrad ergriff.

Wir waren gerade rechtzeitig fertig geworden. Ms ich den letzten Zeising am Vordersegel angezogen hatte, holte das Schiss schwer über und ich wurde mit dem Kopf in die Abzugsklappen an Steuerbord geschlendert. Zu gleicher Zeit stürmte das Sälzwasser über die nun hochstehende Backbord- reelmg und durchweichte mich so gründlich, als weml ich über Bord gefallen wäre. Ich Wischte mir die Augen aus uud sah das Schiff aus der Seite liegen, so daß die Raa­nocken**) ins Wasser klatschten. Handy Saloinon klammerte sich, sein Gewicht nach Backbord überlegend, verzweifelt an das 9iad, i;n oer Hoffnung, das Schiff könne sich nüeoer

*) Fall = Tau resp. Kette, lvomit ein Segel in die Höhe gezogen (beigesetzt) ivird.

** Raanock: Das sich verjünMnde Stück ou den Verven Enden üuer Raa.